Mit Anpassen kann man im politischen Alltagsgeschäft weit kommen. Aber wenn der Wahltag naht, reicht das eben nicht mehr.

Die FDP befindet sich momentan auf einem Höhenflug nach den Wahlerfolgen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In beiden Ländern wird sie auch in eine CDU-geführte Landesregeierung eintreten. Die Bürgerlichen sind wieder da.

Diese Zeitung hat verschiedentlich bemängelt, dass sich die Liberalen gern in programmatischer Unschärfe bewegen, wenn es spannend wird. Gerade eine Partei, die sich der Freiheit verpflichtet fühlt, braucht unsere Gesellschaft dringender denn je.

Es gibt viele Felder, in denen es dringend einer kraftvolle liberale Stimme bedürfte, und sei es, sich endlich mit dem wuchernden und völlig aus der Zeit geratenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beschäftigen. Aber nein, man passt sich an und schwimmt im Einheitsbrei der etablierten Politik mit. Scheint sich ja auszuzahlen…

Gestern hat die FDP den Bogen möglicherweise überspannt, als Parteichef Christian Lindner erklärte, man werde nach der Bundestagswahl in keine Koalition eintreten, in der nicht die Homo-„Ehe“ fest vereinbart sei. Die FDP tut sich vermutlich keinen Gefallen damit, denn gestern war in den sozialen Netzwerken überall Enttäuschung zu vernehmen. Die bürgerliche FDP passt sich erneut dem linken Mainstream an. Gerade jetzt, wo sie wieder eine echte Alternative für frühere CDU-Wähler und enttäuschte AfDler geworden ist. Ich hatte bis gestern vor, bei der Bundestagswahl meine Zweitstimme der FDP zu geben. Das ist nun nicht mehr möglich. Die Banalisierung der traditionellen Ehe ist mit meiner Stimme nicht zu haben.

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Dieser Artikel wurde 21 mal kommentiert

  1. colorado 07 Antworten

    Mit meiner Stimme auch nicht, Herr Kelle. Es ist überhaupt erstaunlich, wie schnell und parteiübergreifend man sich auf die Auflösung der traditionellen Ehe geeinigt hat. Was generationenübergreifend unausgesprochene Selbstverständlichkeit war , wird von heute auf morgen gekippt. Alle wollen sie nicht als rückständig gelten. Diese Uniformität des Denkens quer durch alle tonangebenden Parteien finde ich erschreckend. Als ob es keine gewichtigen Argumente mehr für die traditionelle Ehe mehr gäbe. Wenn`s dann schief läuft mit der „Ehe für alle“, will niemand daran schuld gewesen sein und jeder versteckt sich dann hinter dem anderen. Wie immer!

  2. Klaus Beck Antworten

    Herr Lindner, rhetorisch übergeschult, nicht unähnlich einem haartransplantierten Eichhörnchen auf Ecstasy, taktisch geschickt sich immer nur kurz aus dem Windschatten des Mainstream aufrichtend, hat nicht nur aus dem Bundestag heraus seinen Wikipedia-Eintrag künstlich frisiert, sondern würde, um an die Macht zu kommen, wohl auch die Polygamie als moderne Beziehungsform gut heißen.

    Der erneute Aufstieg der FDP hat (und hatte) nichts mit liberalem Gedankengut, sondern immer nur mit werbestrategisch durchdesignten Opportunismus zu tun.

    Die Zweitstimme der FDP? Nicht einmal die Fünftstimme …
    Keine der zur Volkskammerwahl, ääh Pardon, Bundestagswahl, antretenden Parteien bekommt meine Stimme.

    • S v B Antworten

      Wählen sollten Sie aber schon, lieber Herr Beck. Sie wissen ja, wer nicht zur Wahl geht, unterstützt immer den „Gegner“. Und später dann mosern? Na, ich weiß nicht. Also, fassen Sie sich am 24. September ein Herz! Uns wenn’s ein Kreuzerl bei sonst wem ist. Den meisten von uns geht es ähnlich wie Ihnen. Dies vielleicht als kleiner Trost.

      Schönen sonnigen Nachmittag noch!

      • Klaus Beck Antworten

        „Wählen“ setzt schon terminologisch voraus, dass man eine Wahl hat.

        Ich wähle, in Abwandlung eines Adenauer-Zitats, lieber die Freiheit 😉

        • S v B Antworten

          Das ist und bleibt natürlich Ihre Entscheidung, die mich allerdings doch „ein bisserl“ enttäuscht… Na ja, bis zum 24.09. fließt ja noch eine Menge Wasser den Rhein – oder gerne auch einen anderen Fluss Ihrer Wahl – hinunter. Was nicht ist, kann also durchaus noch werden.

  3. colorado 07 Antworten

    Es ist fast so, als gebe es ein unsichtbares Diktat, dem sich alle Parteien widerstandslos unterwerfen. Alle haben Angst, vor dem Zeitgeist – Gericht verklagt zu werden. Der Mut, zur Tradition zu stehen, hat alle verlassen.

    • Klaus Beck Antworten

      Ich glaube inzwischen nicht mehr an ein Zeitgeist-Phänomen. Viele unserer Politikerdarsteller sind viel zu borniert, um einen „Zeitgeist“ überhaupt aufzuspüren und vor allem stringent verfolgen zu können.

      Und ich möchte den komplexen Verstandesverlust dieser neuen deutschen Elite auch nicht (mehr) als Ausdruck irgendeiner Krankheit interpretieren, so beruhigend es wäre, wenn es sich z. B. bloß um eine atypische Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit handeln würde, denn dafür haben wir seit Jahren erprobte Prozeduren.

      Nein, es steckt ein „Common sense“, ein Projekt, eine Berufung hinter diesem kollektiven Irrsinn, wie jetzt auch Sarazzin vermutet: „Vielleicht verfolgt diese Kanzlerin auch eine Agenda, an deren Spitze andere Ziele als das Wohl des deutschen Volks stehen. Anders kann ich mir ihr Verhalten kaum erklären.“

  4. colorado 07 Antworten

    Lieber Herr Beck,
    Ja, da würde ich zustimmen, ein „Common sense“……. und hinzufügen, der Verwirrung und Widersprüchlichkeit.
    Hauptsache was Neues, egal wie irrsinnig es ist!

  5. Ingrid Mueller Antworten

    Laut meiner Tageszeitung befürwortet die Mehrheit die Ehe für alle.Nur die ewig gestrigen,konservativen sind dagegen.
    Stimmen diese Umfragen immer?
    Den allermeisten ist es glaub ich egal,sie haben andere Probleme.
    Denken unsere Politiker wirklich,dass das ein wichtiges Wahlkampf Thema ist?

  6. S v B Antworten

    Lieber Herr Kelle,

    im Gegensatz zu Ihnen hatte ich nicht eine einzige Sekunde lang angenommen, dass die „neue“ FDP sich im Wahljahr zu einer liberal-konservativen Partei mausern würde, welche dann auch für einen entsprechenden Wertekanon eintreten würde. Wäre dies wirklich der Fall gewesen, hätte sich für viele, sehr viele!, Wähler tatsächlich eine Alternative zur Alternative aufgetan. Im Ernst: hatten Sie wirklich mit einer echten Erneuerung dieser Partei gerechnet?

    Herr Lindner hat es verstanden, sich und seine Phönix-aus-der-Asche-FDP sehr charmant zu verkaufen. Dabei wurde und wird er phasenweise medial in ähnlich aufdringlicher Form gehypt wie – wahlweise – Schulz oder Merkel. Ach übrigens, wäre es nicht durchaus einer Überlegung wert, die Wahl zum deutschen Bundestag durch ein televisionäres Castingverfahren auszutragen; als längst überfällige Konzession an den Zeitgeist, sozusagen? Ironie aus.

    Sie, Herr Kelle, sowie viele andere müssen dankbar dafür sein, dass Herr Lindner mutig genug war, fragwürdige Positionen diesmal noch vor der Wahl publik gemacht zu haben. Das hat man nicht mehr allzu oft. Die FDP kann’s einfach nicht lassen. Wieder einmal ist es interessant, zu beobachten, dass diese Partei in ihre alten Muster verfällt, indem sie sich genau der gleichen opportunistischen Taktiken bedient, mit welchen sie in der Vergangenheit den einen oder anderen Erfolg erzielen konnte. Allerdings, war es nicht genau diese Attitüde – zusammen mit der Neigung der Parteig zur Klientelpolitik – , die letztlich dafür gesorgt hat, dass die Gelben im Berliner Abgeordnetenhaus ihre Schreibtische leer räumen mussten?

    Was die Ehe für alle angeht, so findet sich dieses Postulat mittlerweile wohl im Forderungskatalog jeder zeitgeistig-mainstreamigen Gruppierung. Da kann und mag auch ein Herr Lindner nicht im Abseits stehen.

    Vermutlich können alle (Liberal-)Konservativen ohnehin zukünftig einpacken. So schaut’s wohl aus, lieber Herr Kelle. Der Mehrheit(?) im Lande scheint inzwischen fast alles egal zu sein.

  7. Alexander Droste Antworten

    Ich sehe die traditionelle Ehe und Familie weniger durch einen als Ehe bezeichneten Fürsorgevertrag zweier Homos mit steuertechtlichen Konsequenzen gefährdet sondern viel mehr durch die Zerschlagung der Familie als Kernzelle der sozialen Gesellschaft. Egotrip, Erwerbszwang und Konsumrausch stehen gemeinsam mit der digitalen Vereinsamung und Angriffe durch meinungsrelevante Presse Pate für bindungsunfähige, dem Hedonismus verfallende Menschheitsindividuen, herangezüchtet durch linke und grüne Ideologien. Nützlich ist das vor allem für Produzenten von Psychopharmaka, Junkfood und Lifestyle-Designer. Der Rattenschwanz an „Wachstumspotentialen“ nebst Steuereinnahmen sind da kaum Grenzen gesetzt. Wem es gefällt … . Für mich ist das nichts. Ich bleibe in dieser Hinsicht konservativ und will für Spinnereien wie oben beschrieben nicht zahlen. Da lohnt es sich zu streiten.

  8. Andreas Meier Antworten

    Als Argumentation, warum die „Ehe für Alle“ nur zu befürworten sei, lese ich immer wieder, dass dann viele arme Waisenkinder endlich die Chance hätten, aus dem Heim zu liebenden Eltern zu kommen. Wenn ich mir nun die Statistik anschaue, sehe ich dass die Anzahl der zur Adoption vorgemerkten Kinder deutlich geringer ist als vor 10-20 Jahren und die Anzahl der adoptionsbereiten Eltern auch jetzt immer noch ein vielfaches die der in Frage kommenden Kinder übersteigt:

    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/KinderJugendhilfe/Tabellen/Adoptionen.html

    Wenn ich nach Erklärungen dafür suche, dass die Zahl der Adoptionen in Deutschland rückläufig ist, lese ich als mögliche Gründe, dass die Situation der Alleinerziehenden heute deutlich besser sei als vor 20 Jahren (weswegen weniger Kinder zur Aoption gegeben würden), Abtreibungen leichter zugänglich und gesellschaftlich anerkannter seien, sowie dass potentielle Eltern ohne eigene Kinder nun eher auf die Angebote der Reproduktionsmedizin zurückgreifen (und so z.B. Leihmüttern in anderen Ländern ihr durch künstliche Befruchtung gezeugtes Kind austragen lassen, statt ein Kind von dort zu adoptieren). So ergiebt die Argumentation, die „Ehe für Alle“ käme gerade auch den vielen armen Waisenkindern zu gute, wirklich keinen Sinn.
    Wenn ich mir die Zunahme an Behandlungen in der Reproduktionsmedizin im gleichen Zeitraum anschaue, etwa hier:

    http://www.deutsches-ivf-register.de/perch/resources/downloads/dirjahrbuch2015d.pdf

    dann scheint es mir realistischerweise eher darum zu gehen, dass in Zukunft homosexuelle Paare den gleichen Zugang zur Reproduktionsmedizin bekommen sollen, wie ihn bislang nur verheiratete heterosexuelle Paare haben. Nur diese Argumentation ließe sich natürlich nicht so gut fürs Marketing verwenden, wie die Geschichte von den armen Waisenkindern.

  9. colorado 07 Antworten

    Heute steht es in meiner Zeitung: Frau Merkel rückt von ihrem klaren Nein gegen die „Ehe für alle ab“. Sie macht es immer so: zuerst abwarten, wohin die Reise geht und dann auf den Zug aufspringen. Für den Machterhalt tut sie alles und macht aus ihrem ursprünglichen Nein zuerst ein „Jein“ und dann ein klares Ja.
    Das nennt man dann moderne Flexibilität, die die komplexe Realität eben verlangt. Nein, vor dieser Art von Flexibilität bekomme ich Angst, denn vor ihr ist nichts mehr sicher. Da stehen keine verlässlichen Prinzipien dahinter, die Vertrauen schaffen.

  10. Laute Spieler Antworten

    Ehe für alle, Genderwahnsinn, Unisextoilette das treibt uns um bis zum Wahnsinn!!! Was sind da schon Flüchtlingskrise, Finanzkrisen, Kriege, Bundeswehreinsätze, Altersarmut usw.? Alles Peanuts!!! Alles nur Ablenkung vom Wesentlichen: Wie können zwei Schwule oder Lesben oder Transen oder Was-weiß-ich nach der Hochzeit korrekt unterschreiben und vielleicht sogar auf die gleiche Toilette gehen? An solchen Fragen entwickelt sich unsere Gesellschaft!!!

  11. colorado 07 Antworten

    Man schämt sich für diese Partei mit dem C vorne dran und für ihre allmächtige Führerin, die sich, von ihren Parteiuntertanen ungefährdet, zur Alternativlosigkeit hochgemausert hat.

  12. Wolfgang Andreas Antworten

    Liebe Poster,
    kommen wir doch wieder von der FDP zum Thema zurück, EHE! Wer sich seit den 60er Jahren intensiv mit der 68er-Ideologie befaßte, nachdem ich Vorlesungen des messerscharfen Kritikers gegen die Neue Linke, wie sie damals genannt wurde, bei Prof. W. Brezinka gehört habe, komme ich zu dem Schluß, daß sich die CDU inzwischen (die andern sowieso!), auf der Schiene diesser (familienfeindlichen) Ideologie bewegt. Schlagzitate damals waren: Wenn Eltern um die Ecke glotzen, sollst du sie in die Fresse rotzen! Oder: Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment…Mit Hilfe der Psychoanalytischen Erziehung wurde der Kampf gegen die Familie systematisch fortgesetzt – unbemerkt von der Elternschaft, die zwar noch kräftig gegen die „Coop-Schule“ protestierten, aber langsam mit der kommunistischen „Salamitaktik“ umgedreht wurden – die CDU auch, bis auf die CSU, die immer angegriffen wurde ( z.B. wg.Betreuungsgeld!), und nun von dem gelegentlich nur taktisch brüllenden bayerischen Löwen Seehofer auch gedreht werden soll. Und dann wird immer wieder an passender Stelle bei CDU/CSU, das „C“ in die Reden eingefügt – damit die bayerischen Pferde nicht scheu werden; und weiter, nicht zu vergessen: sogar auf Parteitagen, wurden die „Werte“ der christlichen Parteien ständig bemüht und plakatiert – das Wort „christliche“ hat man neulich schon weggelassen… Wann streicht man es in den Parteinamen?

  13. H. Urbahn Antworten

    Die Frage, die sich doch aufgrund der Äußerung von Herrn Lindner ergibt, warum hat er dies nicht schon bei der NRW-Koalition zur Bedingung gemacht? Hier war wohl die Erlangung von Minister- und Staatssekretärsposten wichtiger.

  14. Walter Lerche Antworten

    Kann mir mal jemand wenigstens eine nachhaltige und auf unser aller Wohl gerichtete Entscheidung unserer Regierung, des Bundestages oder der EU-Kommission sagen? Ich meine damit nicht solche Themen, wo man einer Gruppe etwas nimmt, um ein Teil davon anderen zu geben und der Großteil verschwindet.
    Gibt es überhaupt noch ein Thema, für das es gesamtgesellschaftlichen Konsens gibt? Oder ist die deutsche Gesellschaft so sehr zerrissen, wie es von der US-Gesellschaft behauptet wird?

    Wird es immer so sein, dass Frau Merkel ihren Machterhalt mit dem Klau fehlender Moral der Sozis verteidigt? Ach, würde sie doch einmal von der AfD etwas übernehmen…. Ach ja, hat sie schon, deshalb tritt die AfD auf der Stelle, aber abgeschoben und ausgewiesen wird trotzdem nicht. – Alles nur Reden, reden, täuschen, verkaufen, ablenken, beschäftigen, …alles Blasen. Blasen in der Großfinanz, Blasen in Berlin und Brüssel. (Muss ich jetzt ins Gefängnis?)

  15. Walter Lerche Antworten

    Lieber Herr Kelle, wohin also nun mit Ihrer Wählerstimme?
    Was halten Sie von dem Denkanstoß eines Ihrer Kommentatoren, wenn wir, alle, die nicht wissen, wohin mit ihrer Stimme, in einer medienwirksamen Aktion der AfD beitreten. Wir würden diese Partei besser machen. Einen medialen Ruf gibt es ohnehin nicht zu verlieren, alles Strukturen sind vorhanden, den rechten V-Leuten wären die Hände gebunden, Qualität der Partei durch gestandene qualifizierte Bürgerliche wächst. Was meinen Sie, wie das im deutschen Wahlvolk einschlagen würde?

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