Wenn sogar die linksalternative Tageszeitung TAZ von den grotesken sogenannten „Ostermärschen“ langsam die Nase voll hat, dann sollten wir zumindest das ernstnehmen. Israel ist an allem schuld, so kann man zusammenfassen, was die pazifistisch gesinnten Apo-Opas in diesem Jahr zum Besten geben. Der Aufruf zu den Ostermärschen 2017 enthält – so die TAZ – „eine ziemlich hässliche und stinkende Pflanze: ein scheinbar unausrottbares Zerrbild von Israel und dessen Dämonisierung“. Das kann man so sagen.

Die einige Demokratie im Nahen Osten wird zusammen mit Türkei, Saudi-Arabien und Katar als „autoritäres und reaktionäres Regime“ bezeichnet. Den Terrorexporteur Iran und das Folter- und Giftgas-Paradies Syrien erwähnt man dagegen überhaupt nicht.

Dabei ist das nicht neu. Die Ostermärsche und die „Friedensbewegung“ dokumentieren seit ihrer Gründung alljährlich eine Doppelmoral, die atemberaubend ist. Alles, was irgendwie „Westen“ ist, ist immer das Böse. Vorneweg die USA, natürlich die Nato und klar: Ursula von der Leyen, die jüngst mit einem Seminar für „Sexuelle Vielfalt“ in der Bundeswehr für Furore sorgte. Auch sie ist gewissermaßen eine Gefahr für den Weltfrieden. Jedenfalls in den Augen dieser Leute, über die man milde lächeln könnte, wenn sie nicht alljährlich eine starke mediale Begleitmusik erfahren würden. Obwohl angesichts schrumpfender Teilnehmerzahlen zunehmend bedeutungslos, finden 20 Langbärte, die mit „Pace“-Fahnen durch Bochum radeln und Bratwürste für den Frieden grillen, immer noch ein Kamerateam, das draufhält und uns dann abends im WDR, SWR oder der ARD über „die Friedensbewegung“ berichtet.

Dies ist ein freies Land, auch öffentlich-rechtliche Anstalten dürfen selbst entscheiden, über was sie berichten und über was nicht. Aber das bedeutet nicht, dass wir es ernstnehmen müssen. Eine „Bewegung“, die sich für den Frieden stark macht, aber dabei Iran, Nordkorea, Hisbollah & Co. ausblendet, hat keinen Anspruch darauf, ernstgenommen zu werden. Nicht einmal, wenn das Fernsehen berichtet…

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This article has 15 comments

  1. Leyh Reply

    Hallo Herr Kelle,
    ich bin ein eifriger Leser aber ein fauler Schreiber.
    Ich werde im Mai 65 und habe mir zum Geburtstag 2 Shirt bedrucken lassen.
    Aufschrift: Ich will mein Land zurück.
    Ich werde diese Shirt sobald es die Temperaturen zulassen in aller Öffentlichkeit tragen.

  2. Ruth Reply

    Sehr geehrter Herr Kelle,

    warum regen Sie sich hier so auf? Warum geben Sie selbst diesen Apo-Opas eine Plattform? Kritisieren aber, wenn irgendwelche ÖR Anstalten darüber berichten sollten – über etwas, was bei den meisten Zuschauern gar nicht richtig wahr genommen wird und ebensoschnell wieder vergessen wird. Warum? -, weil diese „Friedenbewegung“ eben nichts bewegt, überhaupt nichts!

    Mich nervt es auch nicht, wenn einige dieser „Weltverbesserer“ sich nur dem einen oder Krisenherd widmen und andere nicht ebenfalls erwähnen.
    Dazu sind diese Oster-Demos einfach zu oberflächlich, letztendlich zu unwichtig geworden. Oder anders gefragt, haben diese Proteste in der Vergangenheit schon jemals etwas verbessert?

    Ebensowenig wenn nach dem nächsten Anschlag von Anhängern der „friedlichen“ Religion hunderte oder gar tausende „Je Suis Charlie“ rufen, oder Kerzchen in London, Orlando, Nizza, Brüssel, Berlin oder St. Petersburg usw. aufstellen. Den Tätern sind diese Aktionen ebenso egal, wie den kriegstreibenden Nationen die Ostermärsche. Oder meint jemand tatsächlich, das würde die Täter beeindrucken und sie würden sofort den Koran umschreiben und ebenfalls Kerzchen aufstellen, statt die nächste Axt oder Machete zu schnappen und um sich schlagen, oder weitere Bomben basteln, bzw. zwischendrin sich die neuesten Schnellfeuerwaffen besorgen?

    Eine sachliche Demo oder eine bundesweite Ausstellung unter dem Motto „Friedensbewegung“ wäre vielleicht mal angebracht, mit Fakten, gerne mit Unterstützung für das ÖR, sofern diese überhaupt noch in der Lage sind sachlich Fakten aufzulisten ohne für alles Herrn Putin oder die AfD verantwortlich zu machen. Eine Osteraktion unter dem Thema Friedensbewegung: mit Fakten, wo es überall auf der Welt brodelt, von wem in den letzten 50 Jahren die meisten Kriege ausgingen – mit welcher Begründung – und was mit diesen Kriegen und Opfern erreicht wurde und vor allem auch, was nicht erreicht wurde, wessen Interessen mit diesen Kriegen vertreten wurden, wer daran verdient und profitiert hat.
    Ebenso sollte der weltweite Terror ein Thema sein – hierzu gibt es sehr gute, teils schockierene geprüfte und nachweisbare Listen im Internet.

    In diesem Sinne … frohe Ostern – bzw. wer hat die 5000 Osterreier im Bochumer Stadtpark geklaut?

    • Walter Lerche Reply

      Jemand, welcher der deutschen Sprache halbwegs mächtig ist, wird das Projekt der Eier im Bochumer Stadtpark wohl kaum falsch verstanden haben.
      (genau dieser Satz wurde mir von Focus für einen Komentar abgelehnt.)

  3. Alexander Droste Reply

    Gerne halte ich mal dagegen: Verändern oder verbessern werde ich damit den Horizont, damit das Gefühl etwas gemildert wird, dass man nur im moralischen Müll steht.

    Ja, Friedensbewegung muss man machen, nicht propagieren. In Israel, diesem in manchen Kreisen verfehmten Land gibt es Friedensbewegungen, gemeinsam betrieben von Christen, Juden und Muslimen. Sie organisieren gemeinsame Wanderungen auf den Pfaden Abrahams. Es gibt Freundschaften zwischen Menschen, von denen man sagt, von denen manche nur wünschen, dass sie spinnefeind seien. Sie setzen sich zusammen in ein Boot und machen eine Weltumsegelung. Das Symbol ist doch super: Wir sitzen alle in einem Boot. Solche Aktionen sind in unseren Medien kaum eine Meldung Wert, getreu der Pressemaxime „good news are bad news.“ So auch eine Aktion von Friedensaktivisten, die sich zusammentun und einen Ausflug nach Russland machen. „Wir wollen keinen Krieg mit Russland.“ und „Russland ist besser als sein Ruf.“ Diese Aktion wurde begleitet vom öffentlich rechtlichen Fernsehen. Oh und ah, könnte man sagen, wie fein. Wenn nur nicht der perfide Wille zur spaltenden Propaganda dahinter stehen würde. Es wurde unterstellt, Moskau würde nur wieder eine Propagandaschau inszenieren und hätte diese Aktion bezahlt.

    Unsere Gesellschaft hat zwar nicht den Holokaust vergessen, man wird ja ständig in die Kollektivbuße hineingestoßen – auch noch in der dritten Generation danach. Aber wie sich Krieg anfühlt, das haben wir vergessen. Wir werden allmählich wieder kriegslüstern und lassen uns vereinnahmen von einem Land, das seit mindestens 200 Jahren ständig in irgendwelche Kriege verwickelt ist, nur nicht im eigenen Land. Ein Land mit Präsidialsystem, dessen Präsident stets aus denselben Kreisen kommt. Ein Land, in dem es Folter und Todesstrafe gibt. Ein Land, das eine zutiefst rassistische Gesellschaft hat. Ein Land, in dem Darwinismus mit Verdrängung, Kampf und gnadenlose Konkurrenz zum guten Ton gehört. Das nennt man dort Freiheit.

    Ich bin ein Friedensaktivist indem ich fortwährend betone, dass wir keinen Krieg brauchen. Der ist für nichts gut und nützt niemanden außer denen, die mit dem Kriegsgerät Geld verdienen. Auch diese Leute brauchen wir nicht. Wir brauchen eine Zivilisation, die Fairness auf den Fahnen stehen hat. Eine, die nicht tonnenweise Lebensmittel vernichtet, während nebenan Leute verhungern. Wir brauchen keine Industrie, die alles zum Minimalpreis in Übermassen produziert und kleineren Mitbewerbern das Wasser abgraben. Wir brauchen Wertschätzung, Qualität, Teilhabe und Mitgefühl. Das bringt dann den Frieden. Das tötet Ideologien.

    Wir sind ein freies Land. Noch. Aber totalitäre Züge werden immer offensichtlicher. Das wird hier im Blog ausgiebig beklagt. Demokratie ist ein Wunschdenken geworden. Das einzige, was wir wählen dürfen ist, wie und von wem wir ausgenommen werden. Wir werden beherrscht von einer Geldmafia. Und die ist nicht an Frieden interessiert. Krieg ist ein Geschäftsmodell und wenn man Bestehendes Zerstört und Zufriedenheit zerstört, generiert man Bedürftigkeit und das ist eine sichere Einnahmequelle. Das gilt es zu korrigieren.

    Diese Hässlichkeit blende ich aus und freue mich, dass Ostern ist, meine Familie zusammenkommt, die Sonne scheint und kühle Frühlingsschauer herunter regnen. Die Bäume sprießen und die Tiere kommen aus ihrem Winterschlaf oder aus südlichen Ländern zurück wie schon sein Millionen von Jahren. Gott segnet das Leben und die Friedfertigen. Das kann mir niemand nehmen.

  4. Konrad Kugler Reply

    Herr Droste, unsere „Kampfmittel“ wurden von der Muttergottes in Fatima vor 100 Jahren benannt: Gebet, Fasten, Opfer bringen. Damit hätte der WK II verhindert werden können.

    1950 in Amsterdam: Das geoffenbarte Gebet:

    Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters, sende jetzt deinen Geist über die Erde.
    Laß den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker, damit sie bewahrt bleiben mögen vor Verfall, Unheil und Krieg.
    Möge die Frau aller Völker, die [einst Maria war] Jungfrau Maria unsere Fürsprecherin sein. Amen.

    In den folgenden 50er und 60er Jahren Ikonoklasmus, „Geist des Konzils“, Aufstand gegen Donum vitae, befeuert vom ZdK, 68er Verwahrloser und Kulturbanausen, Niedergang von Kirche und Gesellschaft, Abtreibungswahn.

    Dann Medjugorje, ein klassisches Beispiel der Widerständigkeit:
    Man unterstellt, daß es sich um eine trickreiche Manipulation durch den Teufel handeln könnte und sucht krampfhaft nach Zweifelhaftem, um die Bitten der Gottesmutter ablehnen – nein eher ignorieren zu können. Jugoslawienkrieg.

    Dabei wäre es vernünftig gewesen, Mittwoch und Freitag mit Fasten bei Brot und Wasser die „teuflische“ Seite zu blamieren. Wien berichtet von einem erheblichen Teil der Priesterberufungen durch Medjugorje, dagegen hatte München letztes Jahr nur den Zugang von einem Seminaristen.

    Wo ist die Wahrheit?

    Ich sehe sie gerade auch in Genesis! Die Wissenschaft trickst mit halbgaren Aussagen. Nichts kann sie zum Entstehen des Urknalls sagen, aber im Cern sucht man das Gottesteilchen, aus dem das All entstanden sein soll. Und für die Entstehung des Lebens geht sie mit lächerlichen Theorien hausieren. So Hoimar von Ditfurth: Der Geist fiel nicht vom Himmel. Das ist eine phantastische Sammlung von Phänomenen in der Natur, die er allerdings dem all- und wundermächtigen Begriff „Entwicklung“ zuschreibt. Auch der Geist soll eine Entwicklung aus der Materie heraus sein? Dazu gehört schon eine gehörige Portion von geistiger Verschrobenheit.

    Alle Lebewesen müssen gleichzeitig da gewesen sein – nur so ist die unglaublich komplizierte Bedingtheit und Verschränktheit erklär- und verstehbar.

    Paulus war bis vor Damaskus Ideologe. Solche sind weder durch Wort noch durch Beispiel belehrbar, sondern nur durch göttlichen Eingriff bekehrbar. Für diese Behauptung gibt es sicher tausende Beispiele.

    • Alexander Droste Reply

      Vielen Dank, Herr Kugler,

      für den Exkurs in die christliche Mystik, die doch noch wesentlich weiter zurück reicht, als die Entstehung des Neuen Testaments. Die Mystik ist reich an Bildern, die Sachverhalte erklären, für die es keine Begriffe gibt.
      Allerdings sind die Naturwissenschaften keine Phantastereien, ebensowenig wie die Mystik. Wenn alle Lebewesen gleichzeitig erschaffen worden wäre (physisch), dann wäre auf der Welt sehr wenig Platz gewesen und Geburt und Tod wären überflüssig. Sie sind es aber nicht, sondern sie sind Voraussetzung für den göttlichen Plan. Die Evolutionstheorie ist zwar unvollkommen aber absolut unbestreitbar. Alles entwickelt sich – panta rhei, wie es wohl Heraklit zu formulieren wusste – alles fließt. Der Geist Gottes schwebte über den Wassern und er teilte die Welt in Himmel und Erde, er schuf das Licht und dann alles Lebendige in mehreren Tagen. Das kann man nicht wörtlich nehmen, das sind Bilder, die Tatsachen umschreiben. Die Physik akzeptiert nur Tatsachen, die durch Messmethoden belegbar sind. Sie streitet aber, wenn es sich um seriöse Wissenschaftler handelt, anderes auch nicht ab. Diese verweisen an die anderen Wissenschaften Philosophie und Theologie. Alles Leben geht aus Leben hervor und ist verschieden von dem Leben, das es hervorbringt. Und darin liegt der Geist Gottes verborgen: Die Vielfalt der Möglichkeiten im Werden und Entstehen. Was Gott von Anfang an erschaffen hat, ist geistiger Art und kann sich in der physischen Welt offenbaren und muss sich bewähren. Die Kräfte, die Amorphes in Konkretes zwingen, werden als Naturkräfte bezeichnet. Jene Kräfte, die Konkretes wieder zur Auflösung bringen und ins Chaos zwingen, ebenfalls. Beides sind widerstreitende Kräfte, die von den Lebewesen aktiv in Waage gehalten werden. Der Wille dazu und die Fähigkeit dazu ist der göttliche Odem. Das ist philosophisch betrachtet nicht mehr mystisch, sondern logisch. Das ist denkerisch belegbar. Damit wird das Göttliche manifest. Gott kann hier als Prinzip und weniger als Wesenheit verstanden werden und wird für den Naturwissenschaftler eine glaubhafte Tatsache jenseits des physisch Messbaren. Die Einheit aus Leib, Seele und Geist im Lebendigen ist naturwissenschaftlich empirisch nachweisbar und offenbart sich in den Wirkmechanismen der Organismen. Neurophysiologie und Psychologie sind die Wissenschaften, die sich zwischen physischer und nichtphysischer Welt zu bewegen vermögen.

      Ich hoffe, Ihnen gefällt dieser kleine philosophische Versuch. Ich erfreue mich jedenfalls auch an der Mystik. Sie gibt mir viele Anregungen, die dingliche Welt zu hinterfragen.

      Viele Grüße,

      Alexander

    • Alexander Droste Reply

      Gebet, Fasten und Opfer sind unsere Waffen gegen Selbstsucht, Willkür und Verschwendung – Selbstzucht, Disziplin, Mitgefühl und selbstlose Liebe sind die Mittel dagegen. Selbstsucht, Willkür und Verschwendung sind animalische Wesen, die in der menschlichen Seele hausen. Nun, der Mensch ist ein animalisches Wesen und ein gottähnliches ist er auch. Er steht aufrecht zwischen Himmel und Erde. Gott schuf den Mensch sich zum Ebenbild. Das tat er, indem er ein schöpferisches Wesen Mensch erschuf. Und dem Schöpfungsgeist ist leider auch ein Vernichtungsgeist hinzugesellt. Wir können nur spekulieren, ob auch das von Gott so vorgesehen ist. Wo etwas neu entstehen soll, muss durch Vernichtung des Bestehenden erst Platz geschaffen werden. Was aber müssen wir ertragen? Vernichtung durch Sturm und Beben oder durch Kriege der Mitmenschen? Um das Zweite zu verhindern, müssen wir das Tier im Mensch besiegen. Das ist nur durch Erziehung zu Umsicht und Bescheidenheit, zu Moral zu bewerkstelligen. Leider hat das auch die Theologie jedweder Religion nicht geschafft. „Gott, beschütze uns und vernichte die Anderen.“ Das ist eine Gotteslästerung. Man fordert Gott auf, Partei zu ergreifen und sich gegen seine Schöpfung zu richten? Das ist die Aussage aller alten Schriften. Damit richtet sich das Schicksal gegen uns selbst. Das neue Testament jedoch lautet: „Erlöse uns von dem Bösen.“ Der tumbe Mensch schaut dabei auf das Böse, das von außen kommt. Djihad im Islam bedeutet den heiligen Krieg und gemeint ist gegen das Tier in mir drin. „Wenn einer einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ So steht es im Koran. „Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um.“ So sagte es Jesus. Und: „Vergelte nicht Böses mit Bösem … , sondern dagegen segne … .“ Nur so wird die Welt friedfertiger.

      Die Natur will Differenzierung. Gott ist die Vielfalt im Werden und Entstehen. Gott will also auch die Vielfalt der Völker und Gedanken. Nur ist es auch möglich, dieses gemeinsam zu sein und zu leben, wenn man es denn will?

      Eine Bratwurst drauf: Ja!

  5. Konrad Kugler Reply

    Sehr geehrter Herr Droste,

    ich darf Sie schon darauf hinweisen, daß ich die Wissenschaften nicht als Phantastereien bezeichne. Dafür sehe ich keinen Grund. Aber daß sich Wissenschaftler an einen neuen Glauben, Darwinismus und Evolutionismus, binden, dafür gibt es genug Beweise. Beide verhindern freies Denken.

    Sie werden nicht bestreiten können, daß das Weltbild des Einzelnen sein Denken prägt. Seit der ersten Klasse Volksschule glaube ich an die Erschaffung der Welt durch Gott. ER ist allmächtig. ER kann das. Nie habe ich an die Evolution geglaubt (!), sie nur für möglich gehalten. Dann besuchte mich ein junger Mann aus einer Würzburger Institution wg. Glaubenskurs. Bei einem Gespräch kamen wir an die Schöpfung. Dabei fragte ich ihn direkt: Woran glauben Sie in dieser Frage?

    Er befürchtete wohl eine spöttische Bemerkung, als er zögerte. „Ich glaube an die Schöpfung in sechs Tagen.“ Das war für mich eine klare Aussage, ab der ich mich interessiert dieser Frage zuwandte. Seit 30 Jahren! [Kein Erweckungs- oder Bekehrungserlebnis] Ratio. Genesis als Sachbuch, statt Verschwurbeltes von Wissenschaftserklärern. Wie sich Einzelne für dumm verkaufen um die Entstehung des Lebens zu erklären: Glühend heiße Meteore bringen organisches Material auf die Erde????

    • Alexander Droste Reply

      Lieber Herr Kugler,

      die Erschaffung der Welt in sechs Tagen als Tatsache zu behandeln ist ebenso abenteuerlich wie die Vorstellung, dass glühende Meteore das Leben auf die Welt gebracht haben. Das sind Mythen. Es gibt für den Initialfunken des Lebens viele Theorien, darunter auch schlüssige. Doch diese bleiben vage Spekulation. Aber als deutlichstes Indiz für ein sich fortwährend entwickelndes Leben ist die Tier- und Pflanzenzucht. Hier entwickelt sich etwas unter der Regie des Menschen, welcher sich der Kräfte der Natur und, wenn man so will, der Hilfestellung Gottes bedient. Wie vielfältig und variabel Gott Leben erschafft, das immer aus Lebendem hervorgeht, wurde sehr dezidiert von dem Ordenspriester Gregor Mendel dokumentiert. Seine empirischen Beobachtungen sind Grundlage der Genetik. Die Genetik befasst sich mit jenen Strukturen, die Gottes Geist kodieren und verschlüsselt halten. Kleine Änderungen in diesen Strukturen entscheiden, wie das künftige Lebewesen geartet ist oder ob es überhaupt lebensfähig ist. Und jedes Lebewesen unterscheidet sich im Detail vom nächsten, so, wie wir uns unterscheiden, bei allen Gemeinsamkeiten. Wir werden geboren, leben, pflanzen uns ggf. geschlechtlich fort und sterben beizeiten. Das ist Gottes Plan. Meine Kinder unterscheiden sich von mir und voneinander und sind aus meiner Frau herausgekommen, ich war Zeuge, haben sich jeweils von einem Baby zu erwachsenen Menschen entwickelt und sind nicht soeben am sechsten Tag plötzlich da gewesen.
      Evolution geschieht. Wie genau, weiß bislang Gott allein. Eine gewisse konkrete Vorstellung gibt es dazu mit vielfältigen stichhaltigen Belegen.

    • Alexander Droste Reply

      Um dem Schöpfungsmythos jedoch Respekt zu zollen, so sei die Frage erlaubt, was mit „Tag“ gemeint ist. Ein Tag kann ja hier nicht das meinen, was wir darunter verstehen, den Sonnenumlauf. Ist es vielmehr das Erdzeitalter im geologischen Sinn oder im astronomisch kosmischen Sinn?
      Eineweitere Frage wäre nach dem siebten Tag, an dem Gott ruht (e). Ruht er noch? Wenn ja, wer oder was bewegt die Welt jetzt, wer setzt die Schöpfung fort? Oder findet jetzt keine Schöpfung mehr statt?
      Ist deswegen die Menschheit außer Rand und band?

    • Alexander Droste Reply

      Da ich mich in Kultur und Natur gleichermaßen zu Hause fühle, ist für mich eine Synthese der verschiedenen Denkmodelle ein Bedürfnis und bedarf großer geistiger Beweglichkeit. Dogmatismus dagegen, egal on welcher Richtung, schränken das Denken erheblich ein und führen zuletzt, wenn es keine Bereitschaft für Offenheit gibt, zu Krieg. Ich bin extrem friedliebend und belasse Sie in Ihrer Weltanschauung, wenn es Sie glücklich macht. Geistige Entwicklung dagegen heißt jedoch Konsensuierung von Denkmodellen. Absolute Wahrheiten bleiben ohnehin bei Gott.

  6. Walter Lerche Reply

    Kirche ist eine von Menschen gemachte Organisation, die Gott instrumentalisiert. Kirche fördert Gemeinschaft und lebt durch sie. Die kirchliche Lehre ist von normal begabten Menschen nicht wirklich zu verstehen. Sie ist so kompliziert und mehrdeutig, dass sich sogar die kirchlichen Gelehrten darüber streiten. Handwerker und Bauern, die das nicht verstehen, kommen deshalb nicht in die Hölle. Anderfalls gäbe es im Himmel nur schlaue Leute. Und wer die religiösen Texte wörtlich nimmt, hat sowieso schon verloren. – Dagegen finde ich Buddhismus sehr viel einfacher und verständlicher für jedermann, auch ohne Kathedralen und ohne Zentralismus. Bei den 10 Geboten treffen sich beide. Religion sollte gut für unser Leben sein, einfach von jedem verständlich, sollte Lust machen, daran zu glauben – unsere Lebensqualität verbessern.
    Wenn etwas Kompliziert ist, was auch einfach geht, gerät es schnell in Nachteil.

    Da die Gedanken frei sind, schließe ich die Möglichkeit nicht aus, dass wir neuzeitliche Menschen, die wir so plötzlich in der Welt waren und noch kein Bindeglied zur Abstammung gefunden worden ist, via Gentechnik von den „Göttern“ nach deren Ebenbilde geschaffen worden sind, um ihnen im wahrsten Sinne des Wortes zu dienen. Die brauchten uns schnöde für die Arbeit. Und weil sie zerstritten waren, gierig und machtbesessen wie wir (d. h. wir wie sie), waren sie irgendwann weg und wir instrumentalisierten sie …bis heute. – Ohne Religionen gäbe es weltweite Anarchie. Aber nun, was wir heute haben, läuft auch nicht gut für uns.
    Das Grundübel ist halt das Böse im Menschen. Dieses in den Griff zu kriegen, darum geht es.
    Ich finde es gut, wenn jemand seinen Ritualen nachgeht, z.B. 100 x Maria anbetet, Sprüche aufsagt, in Stille meditiert, gemeinschaftliche Rituale pflegt, … wenn ihm das gut tut und er dadurch seine Mitte findet. – Ich persönlich brauche keine Rituale und keine Kirche, auch wenn ich gut finde, dass es sie für andere gibt. So viel Freiheit muss sein.

  7. Klaus Hilbert Reply

    Wer wundert sich noch, daß die ÖR-Berichterstattung ausgiebig über 50 sogenannte Friedenskämpfer berichtet, nicht aber die Versammlungsfreiheit einer Partei verteidigt? Man weiß doch, wenn in Australien ein Känguru stolpert, ist unser Fernsehen vor Ort, nicht aber wenn Gewaltverbrecher mit Migrationshintergrund Frauen belästigen.

  8. St.Ex Reply

    Oder wir zünden ein Licht an und stellen uns in die Lichterkette. Dann gehören wir zu den Guten. Kritische Stimmen sind meistens rechtsradikal.
    Und wenn eine Frau sich wehren sollte und Pfefferspray einsetzt wird in Anbetracht dieses „Waaaffen-Einsatzes“ gleich eine Parallele zu Winnenden und sonstigen Amoktaten gezogen. Notwehr und Nothilfe sind seitens der neueren politischen „Merkwürdigkeiten“ nicht mehr zeitgemäß.
    Nacht Deutschland!

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