Heute Morgen wurde ich mal wieder geblitzt. Mein Vergehen: Ich war unterwegs auf einer zweispurigen Straße, hinter mir kein weiteres Fahrzeug zu sehen. An den Lichtern erkennbar bemerkte ich, dass mir in etwa zwei Kilometer Entfernung ein Auto entgegenkam. Sonst nichts. Außer natürlich dem Staat, der in Form eines Mittelklassewagens mit eingebautem Verkehrsmessgerät am Fahrbahnrand stand. Warum schickt mein Staat, der auch von mir finanziert und legitimiert wird, am Samstagmorgen gegen 10 Uhr jemanden zu einer fast vollkommen leeren Straße, um mich abzukassieren? Habe ich einen anderen Mitbürger gefährdet? Ein Kleinkind vielleicht oder einen anderen Autofahrer? Bin ich gerast auf einer leeren Straße mit 63 km/h? Habe ich einen Verkehrsunfall verursacht? Und warum steht da an dieser Stelle überhaupt ein 50 km/h-Schild? Ohne erkennbaren Sinn und Verstand. Die freudlose Existenz dort im Staats-Auto, die an einem grauen Samstagmorgen frieren muss, um mich inflagranti zu erwischen, kostet vermutlich mehr, als das Bußgeld, dessen Höhe ich nun demütig erwarte und selbstverständlich bezahle, damit all die Gleichstellungsbeauftragt_*Innen, Friedensforscher, Klima-Experten und antifa-Bediensteten, die sich unsere Gesellschaft leistet, ein Auskommen haben. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Und wissen Sie, weil ich immer mal wieder über Parkverbotsschilder, Spielverbotsschilder, Lärmverbotsschilder und ähnliches Schreibe, weiß ich genau, wie meine Post nachher im Mail-Ordner aussehen wird. Da werden dutzende Mitbürger schreiben, dass ich ein übler Verkehrsrowdy bin, dem man statt 20 Euro 200 Euro aufdrücken oder am besten ein generelles Fahrverbot aussprechen sollte. Glauben Sie nicht? Bekomme ich jedesmal nach solchen Beiträgen. Denn Ordnung muss sein…

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 18 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Wenn da nicht mal ein Migrant zu schnell fährt. Der wird gnadenlos abgeschoben (vielleicht, oder darf noch mal zu schnell fahren). 🙂

    Aber Herr Kelle, das ist doch nur zu Ihrem eigenen Schutz. Bei diesem Wetter so zu rasen … 🙂

    Oder einfach mal locker den Expresszuschlag ohne weitere Folgen zahlen, damit diese Straße auch in Zukunft sicher zu befahren ist. 😉

    Beste Grüße,

    A. Droste

  2. Franz-Peter Dohmen Antworten

    Ihre Elegie spricht mir aus dem Herzen und ja, die braven Mitbürger, die im letzten Absatz Erwähnung finden, durfte ich nach einschlägigen Kommentaren in verschiedenen Foren ebenfalls immer wieder genießen.

    Diese bedauernswerten Menschen reagieren auf das Ihren Denkgewohnheiten ungewohnte, wie Legebatterie-Hennen, die man in die Freiheit entlässt – verständnislos und panisch.

    Gerade in Zeiten häufig nicht nachvollziehbarer Kuscheljustiz beim Anrichten schwerer und schwerster Schäden und Straftaten muss die immer maßloser werdende Sanktionierung von „opferlosen Verbrechen“ thematisiert werden. Danke, dass Sie das mit diesem Beitrag getan haben.

  3. Ingmar Pering Antworten

    Lieber Kollege Kelle, natürlich wissen wir, dass die nachfiskalischen Gesichtspunkten gewählten Kontrollstellen keinerlei verkehrspolitischen Hintergrund haben.
    Sie dienen als legalisiertes fiskalisches Mittel um Einnahmen zu generieren. Die paar Kontrollen an Unfallschwerpunkten oder vor Schulen/Kindergärten sind das Feigenblatt dazu….

  4. Docmed Antworten

    Klaus, wie schön ist es in solch deprimierender Stimmung doch Trost in der Familie zu finden: „Papa, da haben se Dich endlich mal wieder zu schnell erwischt., …sagt Mama doch auch immer😩“

  5. Wolfgang Antworten

    Die Ursache für diese Art von Tempolimiteritis ist die allgemeine Lärmbelästigung. Gerade an Sonn- und Feiertagen werden Landstraßen von Gruppen von jugendlichen Fahrern und Motoradfahrern genutzt die mit umgebauten Fahrzeugen und vor allem coolem Sound unterwegs sind. Diese Fahrzeug vermasseln den Anwohnern von solchen Straßen in der Regel diese Tage komplett, vor allem wenn ein Feiertag in der Nähe liegt. Wenn man die erwischt, dann sind die an diesen Stellen in der Regel deutlich drüber und dann sind die Strafen auch höher (teilweise gibt es dann auch schon mal Führerscheinentzug für einen Monat). Normalerweise könnte man das auch ändern, in dem man Strafen einführt für zu laute Fahrzeuge aber irgendwie scheint das in Deutschland ein Problem zu sein. So etwas hätte was mit Vernunft zu tun aber davon haben wir nicht mehr ganz so viel.

    Das mit dem Tempolimit ist dabei die softe Lösung. Bei uns werden zum Beispiel komplette Straßen wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Da kommt dann richtig Freude auf, wenn man den Umweg eines Umweg eines Umweges fahren darf.

  6. Helga Antworten

    „Warum schickt mein Staat, der auch von mir finanziert und legitimiert wird, …..“

    Ganz einfach: Weil er es kann! Von Ihnen muss er genausowenig wie von mir etwas befürchten. Wir zahlen! Immer!

    Wir zahlen in der Bahn! Wir zahlen Strafzettel! Wir zahlen Steuern! Denn wir sind “ schon länger Hierlebende“, denen es zu lange zu gut ging. Außerdem kann man das als Belohnungseinsätze für Polizisten betrachten, als Verschnaufpause sozusagen.

  7. Günter Munz Stuttgart Antworten

    Wir leben in einer verkehrten Welt. Autofahrer, die erst einmal viel Geld in den Unterhalt eines Fahrzeuges investieren und auch die regionale Wirtschaft damit letztendlich finanzieren, werden krininalisiert und bei einer geringfügigen Überschreitung der Geschwindigkeit gnadenlos verfolgt. Genauso die Falschparker. Sie sind nicht im Focus der Politik, das sind die Fahrradfahrer, die teilweise rüpelhaft und mitunter sehr aggresiv auftreten, weil Sie es können. Erlebe ich fast täglich auf den Straßen und Gehwegen von Stuttgart. Diese Klientel darf die Tübinger Straße blockieren um gegen die „Umweltverschmutzung“ in Stuttgart zu demonstrieren. Die Demo wurde aufgelöst, aber rechtliche Folgen muss Niemand der Verantwortlichen befürchten. So vor 2 Tagen geschehen. Den Einsatz der Polizei zahlt der Steuerzahler. Nur um mal so ein Beispiel zu nennen. Deshalb bin ich auch bei Ihnen Herr Kelle, Ihr Artikel ist vollkommen legitim in der Sache. Vielen Dank.

  8. Gast Antworten

    Das „Lärm-Argument“ gilt m.E. nicht in jedem Fall: ich hatte einen Pkw, dessen Getriebe so ungünstig abgestimmt war, dass ich bei 50 km/h mit höherer Drehzahl fahren musste, als das bei 60 km/h der Fall gewesen wäre – von Wind und Reifengeräuschen einmal abgesehen.

  9. Andreas Schneider Antworten

    Mich erwischte es am 2. November 2016 auf der A1 bei Wetter in einer 130er Zone – mit strammen 137 km/h.

    Dieses weltbewegende Vergehen, etwas mehr als gutes Marschtempo zu schnell unterwegs gewesen zu sein, wurde zunächst der Autovermietung zugeleitet und ging von dort unter Angabe des damaligen Mieters zurück an die Ordnungsbehörde. So erhielt ich das amtliche Schreiben quasi als Neujahrsgruß.

    Es geht um ein Bußgeld von 10 €. In meiner kaufmännischen Ausbildung anno 1981-1983 lernten wir, Unwichtiges ad acta zu legen, sofern die Kosten-Nutzen-Rechnung eine Beschäftigung damit als unsinig erscheinen ließ: die Faustregel war, dass ein Schriftstück ca. 25 DM an Verwaltungskosten bedeutete.

    Immerhin hat der Irrsinn Methode…

  10. Marie Antworten

    In einem Artikel unserer Tageszeitung beklagte sich ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung, daß die geplanten (!!!) Einnahmen aus Verkehrskontrollen noch nicht erreicht wurden und man aus diesem Grund nun verstärkte Einsätze durchführen werde. Ich rätsele nun, ob es eine Warnung oder nur Naivität war.

  11. Pettenberg Antworten

    Man muß ja nicht geblitzt werden. Es liegt an der Fahrweise.
    Geschwindigkeitsübertretungen anderer haben mich häufig in die Bedrouille gebracht. Und das Lamentieren über das nächtliche Blitzen ist so überflüssig wie ein Kropf.
    Pettenberg

  12. Ludwig Fent Antworten

    Ihre Antwort „Ist das nicht verboten?“ auf den Beitrag von „Gast“, einfach eine Blitz-App auf Ihr Handy zu laden, fasse ich als Ironie auf.

    Wenn sich alle Autofahrer Blitzer-Apps auf ihr Handy laden, können die „Erzieher“ ihre Geräte einpacken.

    Andererseits muss ich schon konstatieren, dass es jeder selbst in der Hand hat, den Radarfallen eine Nase zu drehen, indem er sich an die Geschwindigkeit hält. Ich habe auch reichlich Lehrgeld bezahlt und meine Lehren draus gezogen, habe trotzdem auch immer wieder Glück, denn immer halte ich mich auch nicht daran.

    Wenn man allerdings die Leitsysteme auf Autobahnen beobachtet, muss man häufig annehmen, dass dort jemand sitzt, der entweder völlig besoffen ist, oder sich einfach einen Spass daraus macht, die blöden Autofahrer zu verarschen.
    Was da alles rum geschaltet wird, ohne Sinn und Verstand, (dreispurig, bolzengerade, ruhiger Verkehr, trockene Fahrbahn, plötzlich Beschränkung auf 80km) das darf man als Unverschämtheit bezeichnen und hier müsste eingegriffen werden.

    Ich bezeichne dies oftmals als verbotenen Eingriff in den Strassenverkehr.

  13. Felix Becker Antworten

    Nun, der Staat. -vertreten durch seine Beamten – erfüllt hier seinen -sich selbst auferlegten ( schafft viele Beamtenplanstellen ) Erziehungsauftrag gegen die zu Erziehenden. Und diese zu Erziehenden haben gefälligst keine unerhörten Fragen zu stellen! Jawoll, Her Kelle😀

  14. Walter Lerche Antworten

    Das gehört zu den steigenden Nebenkosten, die man für ein Leben in Deutschland tragen muss. Dazu zähle ich auch GEZ-Steuer für Haushalte ohne Fernsehen. Aus einem Teil davon generieren sich dann Aufwand für Rechtsanwälte, Gutachter, Gerichte, Verwaltung, Umsatzsteuer, Einkommensteuer. Wichtig dabei ist, dass Ihr Geld den Besitzer wechselt. Wenn die Großen kaum Steuern zahlen, dann finanziert sich der Staat über die Kleinen. Im Übrigen zeigt der Staat im Fall dieses Beitrags sein wahres Gesicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.