Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und CDU-Landesvorsitzender, hat sich festgelegt. Neun Prozent Verlust – das ist doch kein Problem. Eine Kursänderung der Union werde es wegen so einer Lappalie nicht geben. Und wenn Armin Laschet das sagt, dann ist das so, denn als NRW-Ministerpräsident ist er ein mächtiger Mann und – das wiegt in der KanzlerInnen-Partei noch viel schwerer – er ist in Berlin bei Hofe gut gelitten, einer der treuesten Gefolgsleute Merkels durch alle Stürme.

Eine Kurskorrektur wird es also nicht geben bei der CDU? Wenn alle weiter mittanzen und einmal im Jahr brav 11 Minuten und 40 Sekunden Beifall klatschen, wird es eben weiterhin ein großangelegtes Konjunkturprogramm für AfD und FDP geben. 33 Prozent ist für die Union ein schwacher Wert, aber da ist auch noch viel Luft nach unten.

Ein Freund, CDU-Mitglied in Nordrhein-Westfalen, schrieb mir eben über seinen Landesvorsitzenden: „Das ist wie auf der Titanic, nur dass der Kapitän noch Gas gibt statt dem Eisberg auszuweichen…“ Mir fällt da zum gleichen Thema ein schöner Satz ein, den ein norwegischer Freund in ähnlichem Zusammenhang mal zu mir sagte: „It’s like arranging the tables on deck of the Titanic…“

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Dieser Artikel wurde 17 mal kommentiert

  1. colorado 07 Antworten

    Neun Prozent Verlust – kein Problem!, sagt Armin Laschet. Mehr Arroganz geht nicht.
    Statt nüchtern und sachlich nach Ursachen des Wahldebakels zu suchen, übt man den blinden Schulterschluss. Demokratische Willensbildung in einer „demokratischen“ Partei geht anders. Quo vadis, CDU?
    Alles deutet darauf hin, dass es in dieser Partei so weitergeht wie bisher, bis zur nächsten Wahlpleite.

  2. S v B Antworten

    Lieber Herr Kelle, ich erinnere mich noch gut, als Sie nach der Wahl Laschets in NRW gleichsam ein „neues Zeitalter“ anbrechen sahen. Na ja, zumindest sprach aus Ihnen ein erkleckliches Maß an Hoffnung und frohem Mut, dass sich die Misere im Land endlich zum Guten hin wenden könnte.

    Zusammen mit anderen Kommentatoren hier im Blog vermochte ich Ihre Euphorie über die sich angeblich abzeichnende Wende damals ganz und gar nicht nachzuvollziehen, geschweige denn zu teilen. Leider stellt sich nun heraus, das die „Schwarzseher“ von damals jetzt Recht behalten dürfen. Wie gerne würden wir Skeptiker auf diese Genugtuung nun verzichten.

    Trotzdem: die Hoffnung stirbt zuletzt. Abwarten und Tee trinken. Ich selbst präferiere allerdings heiße Schokolade. Wie wissenschaftlich belegt ist, verfügt dieses köstliche Getränk über stimmungsaufhellende Substanzen; also genau über das, was ich jetzt dringend benötige.

    • Klaus Kelle Antworten

      Liebe SvB,

      wo Sie bei mir „Euphorie“ über Herrn Laschet entdeckt haben wollen, müssen Sie mir bei Gelegenheit mal erklären 🙂

      Aber ja, grundsätzlich gilt: jedes Bundesland, das aus den Klauen von Rot-Grün befreit wird, ist erstmal erfreulich. Dazu stehe ich auch in NRW, zumal dort jetzt eine schwarz-gelbe Koalition regiert und nicht – wie zunächst befürchtet – eine große…

      • S v B Antworten

        Na ja, Sie waren, wie auch ich, zunächst mal sehr erleichtert über Herrn Laschets Sieg in NRW. Dies verbessert immerhin die Lage im Bundesrat (und mittelfristig hoffentlich auch im Bundesland). Dass der gewiss sehr freundliche und fröhliche Herr Laschet in Erwägung ziehen würde, seine verehrte Chefin und ihre Politik auch nur ansatzweise in Frage zu stellen, habe ich zu keinem Zeitpunkt angenommen. Immerhin ist er, wie die allermeisten prominenten CDU-Mitglieder, Teil der Merkelschen Höflingsriege. Auch er zählt mit Sicherheit zu den berüchtigten Duracell-Klatschhasen.

  3. Noyoulikeme Antworten

    Mit Muttis erster Reaktion „Sie hatte sich mehr erhofft….“ ist das Drama eigentlich hinreichend erklärt. Die Königinifizierung Deutschlands hat längst Spähren weit jenseits der Kohlschen Gloriatempel erreicht. 67 Prozent der Wählerschafft haben Mutti ihr volles Vertrauen ausgesprochen … Die Botschaft aber versteht sie nicht. Statt dessen: die Königin hofft und bankt als wären Wahlen ein Entenjagdausflug für Monarchen, bei dem es mal besser oder schlechter läuft, Dank dem devoten Volke aber für die Monarchin in jedem Fall prächtig, weil die tote Enten von den Bäumen werfen.

    • S v B Antworten

      L’état ce moi. Angela Dorothea I, genannt die Große, im Jahre 2017. Genug Höflinge, die ihr zu Diensten stehen und ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen scheinen, hat sie schließlich auch. Wann wird wohl erstmalig ein „Lever de la Reine“ im Bundeskanzleramt zelebriert werden, gefolgt von der Präsenz der Höflinge bei der Morgentoilette. Hat es sowas nicht schon mal gegeben?

      Sorry, aber ich kann mich dieser Tage nur noch mittels Ironie einigermaßen bei Laune halten…

  4. Andreas Meier Antworten

    Bei Reaktionen von Regierungs-Politikern muss man im Moment immer mitdenken, dass Sie sich innerlich im Kriegsmodus befinden. Aus meiner Sicht hat es etwas von einer Paranoia der Etablierten, die merken, dass das System, in dem sie oben schwimmen, langsam brüchig wird. Wenn man Merkel zuhört, wie sie sich als Fels in der Brandung im Kampf gegen AfD, Putin, Trump, Brexit, Orban,Erdogan usw. stilisiert, das hat etwas von: Wir sind im Krieg und da müssen jetzt alle (hinter mir) zusammen stehen. Ich denke, dass man so auch Laschets Bemerkung einordnen kann. „Ja, die Verluste sind nicht schön, aber wir müssen im Kampf gegen all das Böse zusammenstehen. Diskussionen und Selbstzweifel würden uns nur schwächen“. Seltsam nur, dass bei anderen Gelegenheiten die gleichen Politiker das schöne Liedchen pfeiffen:“ Deutschland ging es nie besser als heute.“

  5. Klaus Beck Antworten

    Also, ich ich finde den von Ihnen attestierten „Kriegsmodus“ unserer Politikdarsteller und deren Kommentare über den neuen/alten Feind sehr aufschlußreich und letztlich auch höchst unterhaltsam:

    Wenn Herr Kohrs (SPD) jetzt „rechtsradikale A…löcher“ im Bundestag sieht, Frau Engelmaier (SPD) bereits Fackelzüge der AfD zum Reichstag ausgemacht hat und das unsägliche „Jagen“ des Herrn Gauland bereits Dutzende Male in der Geschichte der Republik ohne nachfolgende Schnappatmung und den Gebrauch von Nitrospray hingenommen wurde, erhält man ohne viel Mühe tiefgehende Einblicke in die schwer deformierten Charaktere der Insassen aus der geschlossenen Abteilung der Betonburg an der Spree.

    • S v B Antworten

      Sie haben völlig recht, lieber Klaus Beck. Nur, wie kann diesem Affentheater – wenn schon nicht kurzfristig, so doch wenigstens mittelfristig – Einhalt geboten werden? Nicht nur hier, aber besonders hier, im Lande haben sich, beginnend mit der 68er-Bewegung, Denkmuster in die Köpfe hinein gefressen, die man sich in dieser inzwischen fast unübertrefflichen Vollendung noch vor wenigen Jahren nicht hätte vorstellen können. Ein allmähliches Zurückfinden zur rationalen und emotionalen Normalität, zu einem Mindestmaß an Anstand in Politik, Medien und letztlich auch in der Gesellschaft lässt vermutlich noch eine Weile auf sich warten. Für mich ist das bisher erreichte Niveau nur sehr schwer auszuhalten; es ist auf der ganzen Line unwürdig.

      • labrador12 Antworten

        Liebe SvB

        Vielleicht hilft das Video von Orit Arfa „Sag mir wo die Nazis sind“
        „Die israelische Schriftstellerin und Journalistin Orit Arfa ging für Achgut . com und das Jewish Journal in der Wahlnacht auf Nazi-Jagd. Und zwar bei der AfD-Siegesfeier in Münchnen: „München, Bierhalle, Hitlerputsch 1923, ihr wisst schon!““

        • S v B Antworten

          Ich habe das Video auch gesehen. Orit Arfa hat allen Anhängern des Hysterismus gekonnt einen Spiegel vorgehalten. Ob die Adressaten dies erkennen, bezweifele ich zur Zeit noch.

          PS: Hatte einige Mühe, das überkorrekte Korrekturprogramm zu überlisten. „Hysterismus“ wollte es partout nicht gelten lassen; Historismus hingegen kam für mich hier nicht in Frage. Wenn die Dinge im Land allerdings so weitergehen wie bisher, könnte es meine(?) Wortneuschöpfung am Ende vielleicht doch noch in den Duden schaffen.

      • Klaus Beck Antworten

        Liebe SvB,

        ich glaube, dass der Ansatz, dass sich solch eine gesellschaftspolitische Entwicklung irgendwie vorhersagen, beeinflussen oder gar aufhalten ließe, einer näheren Betrachtung wert ist.

        In der Systemtheorie und auch der Experimentalpsychologie gibt es Bereiche, die die aktuell sich in atemberaubender Weise vollziehende gesellschaftliche Veränderung als klassisch nichtlineares dynamisches System einordnen, in dem bei einer imaginären Versuchswiederholung selbst bei identischem „Versuchsaufbau“ bereits minimalste, dem Beobachter kaum zugängliche Mikroveränderungen, jeweils zu einem dramatisch anderen Verlauf des Experiments und zu einem signifikant anderen Ergebnis führen.

        Solche komplex-dynamischen Systeme können durch zufällig eintretende Störfaktoren oder Resonanzen, müssen aber eben nicht zwangsläufig im Chaos enden, sondern können auch in eine Konvergenz oder in ein periodische Zyklen übergehen oder auch „zur Ruhe kommen“, so dass alle Vorhersagen bezüglich der aktuellen politischen Entwicklung unter dem Blickwinkel eines solchen Modells letztlich spekulativ bleiben müssen.
        So gesehen, ist vielleicht gerade der von einem anderen Poster weiter oben reklamierte „Kriegsmodus“ der exakt richtige Faktor zur Deeskalation, ggf. aber auch das brennende Streicholz im Heuschober.
        So lebensfremd und provokativ es auch klingen mag: Das Ausmaß des einzelnen Störfaktors im System und auch der Ort des Eingriffs in das System korreliert unter solchen systemtheoretischen Annahmen nicht hinreichend mit der Wahrscheinlichkeit des Entstehen eines Chaos. Hendryk Broder sprach kürzlich im Interview so treffend vom „Genossen Zufall“, der eben auch die Atombombe in Nordkorea beinhalte, und der Ohnmacht, diesen „Genossen“ im Hinblick auf die Auswirkungen nur abwarten zu können.

        So ist der von Ihnen genannte, auch von mir geteilte Wunsch „zur Normalität zurückzufinden“ oder dem System wieder „Anstand“ einzuhauchen vergleichbar mit dem uralten Wunsch zum Vorhersagen und Beherrschen des Wetters oder von Naturkatastrophen.

        • S v B Antworten

          Hervorragender Kommentar, Herr Beck.

          Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen gehören gewiss zu den komplexesten Vorgängen überhaupt. Vorhersehbar im eigentlichen Sinne sind sie gewiss nicht. Sie können es aus den vielfältigen, von Ihnen zitierten Gründen, auch gar nicht sein. Ich denke hier unwillkürlich an den berühmten Flügelschlag eines Schmetterlings, der, wie bisweilen kolportiert wurde, Einfluss auf die Wetterlage auf der anderen Seite des Globus haben soll. Nichts ist so beständig wie der Wandel, alles fließt, oder auch Nix is fix, wie man in Österreich sagt.

          Dem Menschen selbst bleibt die (steuernde) Kontrolle so gut wie immer versagt. Eine grundehrliche, aber für die meisten ganz bestimmt auch eine zutiefst enttäuschende Einsicht, weil sie – anstatt die menschliche Macht zu beweisen – gnadenlos die menschliche Ohnmacht vor Augen führt.

          Allerdings möchte ich mich doch dafür stark machen, dass jeder, der eine gute Zukunft unseres Landes (und Europas) nicht schon völlig abgeschrieben hat, in seinem eigenen, zugegeben verschwindend kleinen, persönlichen Umfeld alles Mögliche unternimmt, um absolut nicht erstrebenswerten Entwicklungen sowie der Gefahr des moralischen Verfalls zumindest ein wenig entgegen zu wirken. Mehr geht ohnehin nicht. Was den „riesigen Rest“ dann angeht, möchte ich ausnahmsweise eine Anleihe beim Islam machen und sage Inshallah.

  6. S v B Antworten

    Wie ich heute irgendwo auf einer (seriösen) Online-Seite las, soll sich die überwiegende Mehrheit der CDU/CSU-Mitglieder angeblich nun doch wieder hinter Merkel versammeln. Verstehe dies, wer kann.

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