Hinter den Kulissen der AfD ist etwas in Bewegung geraten. Frauke Petry hat mir ihrer Grundsatzkritik an den ständigen Querschlägen insbesondere von Alexander Gauland absolut recht. Eine Partei, die sich selbst rechts im Koordinatensystem verortet und wenige Tage vor einer vielleicht entscheidenden Wahl über die Wehrmacht des Dritten Reiches philosophiert, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Ich erwarte dennoch nicht, dass die richtigen Aussagen von Frau Petry der AfD am Sonntag schaden werden. Zu viele Menschen in Deutschland empfinden einen Überdruss gegen den etablierten Einheitsbrei im Parteiensystem unseres Landes. Die Zehn-Prozent-Hürde wird die Partei allemal nehmen. Aber was danach kommt, wird möglicherweise richtig spannend.

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Dieser Artikel wurde 14 mal kommentiert

  1. S v B Antworten

    Ich hingegen meine, dass die Spannung hinter den Kulissen aller übrigen Parteien für diese inzwischen absolut unerträglich geworden ist. Für den kommenden Sonntag zeichnet sich inzwischen ein recht beeindruckender „Erdrutsch“ ab. Und einmal mehr scheint sich das alte Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ zu bewahrheiten.

    Viele mündige Wähler haben diesen Wahlkampf als in höchstem Maße unfair, ja als geradezu unappetitlich empfunden. Überdies war die mediale Begleitung zu dem ganzen unwürdigen Spektakel hoch manipulativ, dabei jämmerlich durchschaubar und darum schlichtweg peinlich. Seit vier Jahren schon bin ich mir sehr sicher, wo genau ich am Sonntag mein Kreuzerl setzen werde. Selbst wenn morgen sonst noch etwas von irgendwelchen investigativen Schreiberlingen unterm Teppich heraus gezerrt werden, oder der Himmel gar auf die Erde fallen sollte. Es reicht.

    Hoffentlich werde ich am Sonntag kurz nach sechs dann ein Gläschen Prosecco leeren können, auf das Wohl einer starken, neuen Oppositionspartei im deutschen Bundestag, die diesen Namen auch zurecht führt. Aber auch, wenn das Wahlergebnis anders aussehen würde, würde ich mir ebenfalls ein Gläschen zu Gemüte führen. Dann eben darauf, dass der von mir als fast schon als traumatisch empfundene Spuk des scheußlichen Wahlkampf-Gezeters dann endlich, endlich ein Ende hat. Prosit – Deutschland kann’s gebrauchen.

  2. Franz Reinartz Antworten

    Herrn Gaulands „Philosophierereien“ über die Wehrmacht finde ich degoutant. Ich erinnere mich gut an die „Gute-Nacht-Geschichten“ meines Vaters aus seiner „Wehrmachtszeit“. Ich fand die Geschichten als Kind durchaus faszinierend und verstehe erst heute so richtig, welche Angst und welche Verzweiflung daraus gesprochen hat. Mag sein, dass die WM zu ihrer Zeit die effektivste Armee gewesen ist.
    Ich besitze den Marschkompass meines Vaters. Ein Stück ist abgebrochen. Er hat sich damit im Frühjahr 1945 aus der Tschechoslowakei nach Bayern retten können. Sein bester Freund ist dabei offenbar in russische Gefangenschaft geraten und verschollen.
    Mein Papa war erst Beobachter in Peenemünde – es ging um die Entwicklung gelenkter Bomben, dann Bodenpersonal der Luftwaffe in Frankreich. Er hat erzählt, wie es sich anfühlt unter MG-Beschuss von Jagdflugzeugen zu sein („gerannt wie die Hasen“).
    Als es keine „Luftwaffe“ i.e.S. mehr gab, wurden die Soldaten gefragt, wohin sie sich freiwillig melden wollen. Mein Papa und sein bester Freund wollten dann Sanitäter werden („Dann kommen wir nicht an die Ostfront.“). Sie wurden Sanitäter, sie kamen an die Ostfront (damals bereits in Ostpommern). Die Geschichten aus dem Winter 44/45 könnte man zu einem Buch verdichten.
    Nein, die Wehrmacht taugt nicht als Maßstab. Keine Armee taugt als Maßstab. Jede Armee tötet die Soldaten.

  3. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Ich bin mir keineswegs sicher, dass die AfD zwingend die 10% Hürde nimmt. Ich habe den Eindruck, dass etliche Bürger, die vorher mit der Wahl der AfD gedroht hatten, nun doch noch kneifen und wieder die CDU wählen oder sich von Herrn Lindner blenden lassen.
    Ungeschickte Äußerungen von Herrn Gauland, die dann von den Medien und den konkurrierenden Parteien um so geschickter unter Sperrfeuer genommen werden, tragen ebenfalls dazu bei, dass mancher Wähler nun doch nicht die AfD wählt.
    Die AfD – Politiker sollten doch mittlerweile gelernt haben, dass ihre Aussagen mit einem anderem Maß gemessen werden, als ähnliche Aussagen aus anderen Parteien. ( z.B. „Entsorgen “ )

    • Klaus Kelle Antworten

      Wir wollen aber nicht ausblenden, dass das Grundproblem ist, was Gauland sagt und nicht etwa, dass die Medien darüpber berichten, lieber Herr Schumacher!

      • S v B Antworten

        Hat irgend jemand jemals dieser „persona non grata“ wirklich genau und dabei völlig unvoreingenommen zugehört?

  4. U. Reimann Antworten

    Ich bin zuversichtlich das die AFD die 10 % Hürde nimmt. Auch wenn ich nicht alles gut finde was die Partei so von sich gibt, brauchen wir sie. Ich möchte mal wieder ohne Angst aus dem Hause gehen, vor allem bei Dunkelheit. Und F. Merkel ich kann sie nicht mehr hören, wir müssen, wir könnten, wir haben, sie ist doch die Kanzlerin muss heissen, ich werde. Ich stelle schon mal eine Flasche Sekt kalt.

  5. Walter Lerche Antworten

    Die überwiegende Realität zu dem, was hier über Gauland, Petry, den Medien und die Wirkung auf morgige Wähler könnte eine ganz andere sein:
    Ich z.B. habe davon nichts mitbekommen, obwohl ich mich alltäglich informiere. Wie viele Wähler bekommen ebenfalls nicht davon mit?
    Wie viele von denen, die es mitbekommen haben, wählen sowieso eine andere Partei oder wählen gar nicht?
    Die Medien multiplizieren Herrn Gaulands Aussagen und erreichen damit genau das Gegenteil von dem, weshalb sie das tun. Kann sich hier wirklich niemand vorstellen, dass viele Wähler sich gerade wegen Herrn Gauland für die AFD entscheiden? Andere wählen die AfD wegen Petry. Wenn beide medial als wichtig nach vorn gebracht werden, dann bringt das der AfD zusätzliche Stimmen.
    Sehr oft schießen sich die Medien-Journalisten ins eigene Knie.

  6. F. Giroud Antworten

    Bezüglich Wehrmacht hier eine Äußerung von Charle de Gaulle:

    „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Soldaten nach einem verlorenen krieg umgeht“.

    Demnach sind sehr, sehr viele Deutsche ( auch anscheinend Teilnehmer dieses Forums )
    charakterlos!!

    • S v B Antworten

      Vorsicht, Vorsicht, liebe/r F. Giroud. Allmählich muss man in diesem Land nämlich damit rechnen, dass selbst der große Charles de Gaulle für einen solch ungeheuerlichen Ausspruch postum in die rechte Schmuddelecke verbannt wird, und die so kostbare wie damals mühsam errungene deutsch-französische Freundschaft von unseren politisch Superkorrekten nach vielen Jahrzehnten einer gründlichen Revision unterzogen wird. Hat dieser Mann gar auch zu nahe am rechten Rand gestanden? Dies dürfte man doch wohl keinesfalls durchgehen lassen, oder? Deutschland gehört auf die Couch! (Ironie aus).

  7. Bernd Ulrich Antworten

    Zu unserer Erinnerung: Am 3. Dezember 1952 gab Bundeskanzler Konrad Adenauer vor dem Deutschen Bundestag diese Erklärung ab:

    „Wir möchten heute vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierungen erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferungen ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, daß der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden. Es muß auch gemeinsame Aufgabe sein, und ich bin sicher, wir werden sie lösen, die sittlichen Werte des deutschen Soldatentums mit der Demokratie zu verschmelzen.“

    Ob nun Gaulands Äußerungen in diesen Kontext einzuordnen sind, das entzieht sich meiner Kenntnis. Denn bisher hat die Presse nur über Fragmente aus seiner Rede berichtet. Um den Gesamtzusammenhang zu verstehen wäre der vollständige Text hilfreich.

  8. Konrad Kugler Antworten

    Kanzlerin egal Medien egal charakterlos. Das ist dem Ausspruch einer jungen Ukrainerin nachempfunden, die auf unserem Hof arbeiten musste. Sie verlangte von meinem Vater, daß er Besen- und Hackenstiel absägen solle, wie sie es von zu Hause gewohnt war: Gebückt kehren und hacken.
    Von ihr ist der Spruch übeliefert: Hitler und ‚Stalin egal Hund.
    Wer nur einen Hauch Ahnung von einer Diktatur hat, weiß, welch furchtbare Folgen die Denunziation dieser Rede für die Ukrainerin und meine Mutter gehabt hätte.

  9. Walter Lerche Antworten

    Das erinnert mich an das Buch „1989“, in dem die Wahrheit aus der Vergangenheit täglich neu geschrieben wird. Bald gibt es uns nicht mehr, die wir es aus dem Munde unserer Eltern und Großeltern hörten. Dann kann man den jungen Leuten nach Belieben ein X für ein U machen.
    Mal etwas im Zusammenhang aufzunehmen, dazu sind bereits heute nur noch wenige Willens und überhaupt in der Lage.
    Der ständige Blick aufs Smartphone geht vor. Das ist ein Glücksfall für Meinungsmacher.

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