GASTSPIEL: Alexander Wallasch über ein erschreckend unvorbereitetes Einwanderungsland

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch haben recht: Als mitverantwortlich für das aktuelle Flüchtlingselend darf das militärische und geheimdienstliche Engagement der USA gelten. Aber was heißt das eigentlich? Jetzt könnte man ja die Schuldkette weiter zurückverfolgen und sagen: Schuld ist dann aber noch viel mehr 9/11. Der Angriff von Selbstmordattentätern auf die Twin Towers in New York. Oder noch weiter: Dieser Angriff war aber doch die unmittelbare Folge der Politik der USA im Nahen Osten.

Deutlich wird hier zunächst nur, dass wir mit solchen Auge-um-Auge-Abrechnungssystemen nicht weiter kommen. Noch weniger, wenn wir uns der Widersprüche dieses Denkens gewahr werden. So lässt sich nicht stringent auflösen, warum Wagenknecht und Bartsch einerseits von Schuld sprechen – und Schuld impliziert ja ein Vergehen – andererseits aber in einem Zehn-Punkte-Papier der Linken zur Asylpolitik erklären, dass Flüchtlinge viele positive Aspekte und auch Chancen für die Bundesrepublik bieten würden. Also Einwanderung explizit befürworten. Denn das ließe ja den Schluss zu, man sei erfreut über diesen unerwarteten Bevölkerungszuwachs. Kurz gesagt: Da ist einerseits die berechtigte Kritik an dem Chaos, das amerikanische Interessen im gesamten Nahen Osten und Nordafrika angerichtet haben, und andererseits ein linkes Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft und die Feststellung, das Deutschland heute mit einem Bevölkerungsanteil von Deutschen mit migrantem Hintergrund und Ausländern von annährend 30 Prozent ohne Zweifel als Einwanderungsland bezeichnet werden muss.

Das stellt auch niemand mehr wirklich in Frage. So ist der Streit um die Formulierung „Einwanderungsland“ lediglich noch einer um rechtliche Anpassungen, hin zu diesem Terminus oder eben davon weg. Angela Merkel betrachtet Deutschland ebenso als Einwanderungsland wie Sahra Wagenknecht. Und beide sind sich sogar einig in der Einschätzung, dass Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, also auch –zumindest finanziell – mit einer noch größeren Zahl von Immigraten zurecht kommen könnte.

Eine Rolle, die Wagenknecht sicher schwerer fällen dürfte als Merkel, ist doch das Deutschland-Bild, das die Linke malt, ein deutlich anderes, als das der Kanzlerin. Die Masterthemen der Linken sind nun mal Kinderarmut in Deutschland, soziale Ungerechtigkeit, und diese Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinanderklappt. Es darf hier also festgestellt werden, dass Armut mindestens relativ sein muss. Wer allerdings einmal einen Hartz4-Antrag beim Arbeitsamt gestellt hat, und sei es nur zum Zwecke der vorübergehenden Aufstockung, der wird von solchen Relativierungen wenig halten.

Nun hatte aber ausgerechnet jene Bundeskanzlerin, die Deutschland heute zum Einwanderungsland erklärt, noch (oder schon?) 2010 festgestellt, dass die multikulturelle Gesellschaft in der Bundesrepublik gescheitert sei: „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“ Die spanische Zeitung El Mundo setzte damals direkt nach und ergänzte: „Eine multikulturelle Gesellschaft ist ein Mythos und in der Realität zum Scheitern verurteilt.“ Noch einmal drei Jahre zuvor hatte der Schriftsteller und Regisseur Ralph Giordano in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk erklärt: „Nach 30 Jahren können wir sagen, die Integration ist gescheitert. (…) Ich denke, die Politik hat die Bevölkerung nicht gefragt, weil sie die Antwort wusste, nämlich dass die Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, und nicht aus rassistischen und neonazistischen, rechtsextremistischen Gründen.“

Wohlgemerkt, Merkel und Giordano beziehen sich hier nicht auf die aktuelle oder auf die noch zu erwartende Einwanderungswelle nach Deutschland, sondern auf jene Menschen, deren Vorfahren als sogenannte „Gastarbeiter“ überwiegend aus der Türkei nach Deutschland kamen und blieben. Die meisten von ihnen sind heute deutsche Staatsbürger. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass die deutsche Gesellschaft daran gewachsen ist. Oder notwendigerweise daran wachsen musste: Man hat sich arrangiert, ohne dass die Neubürger ihre alte Kultur gänzlich ablegen mussten. Kein Kind von Herkunftsdeutschen geht heute in einen Kindergarten ohne Kontakt auch zu Deutschen mit migrantem Hintergrund zu haben.

Die Betreuungsquote der Kinder aus Einwandererfamilien ist zwischen 2008 und 2011 von 9,1 auf 14 Prozent angestiegen. Eklatante Defizite gibt es trotzdem noch. So haben immer noch mehr Deutsche mit migrantem Hintergrund schlechtere Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Und das sogar noch, wenn man gleiche schulische Leistungen voraussetzt. Allerdings ist auch diese Tendenz rückläufig. So ist zwischen 2005 und 2010 der Anteil von Schülern mit migrantem Hintergrund, die Abitur oder Fachabitur machen, um insgesamt 36 Prozent gestiegen und diese positive Tendenz setzt sich bis heute fort.

Wenn man also hier von einer beschleunigten Entwicklung sprechen mag, dann steht dem allerdings eine deutlich verlangsamte Entwicklung im tatsächlichen integrativen Moment innerhalb des gesellschaftlichen Lebens gegenüber. Nach wie vor kann von einem regelmäßigem ernsthaften Miteinander zwischen den Herkunftsdeutschen und Deutschen mit migrantem Hintergrund nicht die Rede sein. So muss man im privaten und kulturellen Bereich weiterhin von Parallelgesellschaften sprechen. So betrachtet darf die multikulturelle Gesellschaft tatsächlich als gescheitert betrachtet werden, zumindest dann, wenn man davon ausgegangen wäre, das nach drei oder sogar vier Generationen Menschen unterschiedlicher Herkunft heute wie die Herkunftsdeutschen zuvor miteinander zusammenleben. So stellte das Bundesministerium im „Monitor Familienforschung“ Ausgabe 24 fest, das „durch die anhaltende Nachfrage von Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation nach Heiratspartnern aus den Herkunftsgesellschaften ihrer Eltern, (…) Heiratsmigration in ihrer quantitativen Bedeutung in Zukunft zweifellos noch zunehmen (wird).“

Was sagt das nun aber alles über die aktuelle Problematik dieser schon als „unumkehrbare Völkerwanderungen“ (Welt, 08/2015) bezeichneten Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland aus? Zunächst einmal sind die Deutschen heute nicht die Deutschen von 1970. Von irgendeiner gesellschaftlich-kulturellen Homogenität kann überhaupt nicht mehr die Rede sein. Und die meisten Vorurteile gegenüber Deutschen mit migrantem Hintergrund sind heute gesellschaftlich geächtet. Ebenso ist der Wille zur Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders auf beiden Seiten unzweifelhaft spürbar. Man ist aufeinander zugegangen. Ob nun freiwillig oder einer unabänderlichen Situation geschuldet. Daran ändern auch Sarrazin und Pirincci nichts.

Darf man also annehmen, die zu erwartende Einwanderungswelle nach Deutschland träfe auf positivere Voraussetzungen als sie es noch 1970 hätte erwarten können? Nein, das darf man leider nicht. Denn heute wie damals ist Zuwanderung nicht Ergebnis eines Volksbegehrens, sondern Resultat politischer Entscheidungen, politischer Fehlentscheidungen und noch mehr eklatanter politischer Versäumnisse. Letztere sind heute so wirkmächtig wie nie zuvor. So hat es beispielsweise die Bundesregierung in Totalverweigerung versäumt, rechtzeitig auf europäischer Ebene Voraussetzungen für eine quotierte Einwanderung zu schaffen. Außenpolitisch hat man es zugelassen, oder musste es gar zulassen, dass die Bündnispartner – allen voran die USA – im Nahen Osten und in Nordafrika jenes brutale Chaos anrichten, das die Grundvoraussetzung für eine ungesteuerte zu erwartende Masseneinwanderung nach Deutschland ist. Der amerikanische Präsident besitzt aktuell sogar die Frechheit, der Bundeskanzlerin in ihrer positiven Haltung in der Einwanderungsfrage zu gratulieren.

Und nicht zuletzt hat man es innenpolitisch mit der Verweigerung oder schlicht dem Unvermögen in der Durchsetzung aller zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel zu tun: bei gestrafften Asylverfahren, konsequenter Abschiebung, in der Bekämpfung von Parallelgesellschaften und auch bei der Bekämpfung rechtsradikaler Gewalt in den neuen Bundesländern. So hat man dafür gesorgt, dass wir heute eben nicht die besten Voraussetzungen für ein Einwanderungsland anbieten können.

Das Unvermögen der Politik, der deutschen Bundesregierungen, wird noch einmal deutlicher, betrachtet man eine fast ein Jahrzehnt alte Einschätzung in der „Berliner Zeitung“: Dort sprach man erstaunlicherweise, von einer Fehleinschätzung, wo man der Bundesregierung aus heutiger Sicht sogar eine gewisse Weitsicht bescheinigen könnte. Aber warum wurde wieder besseren Wissens nicht entsprechend gesetzgebend gehandelt?

Dort heißt es: „Schon seit Jahren geht die Zuwanderung zurück und betrug laut dem letzten Migrationsbericht gut 780 000 Personen im Jahr 2004. (…) Eine ähnliche Entwicklung ist bei Asylbewerbern zu verzeichnen. Die Zahlen zeigen, dass die Grundannahme der Union, Deutschland sei ein beliebtes Einwanderungsland, nicht haltbar ist. Hinzu kommt eine Entwicklung, die Demografen schon seit langem ankündigen. Ab 2010 prognostizieren sie einen Facharbeitermangel. Spätestens dann wird selbst die Union erkennen, dass ihre Regelungen zu rigoros waren und Deutschland geschadet haben.“

Sprechen wir zuletzt noch über einen weiteren wichtigen Player im Einwanderungskarussel: über die Rolle der deutschen Industrie. Sie war es doch, die schon in den 1960ern durch massive Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei überhaupt erst das Integrationsproblem der späteren Jahrzehnte schuf. Nein, nicht weil man diese Menschen anwarb, sondern dadurch, das man die Folgekosten in Milliardenhöhe für diese vielen gescheiterten und wenigen erfolgreichen Integrationsmaßnahmen einfach dem deutschen Steuerzahler überließ. Wenn also 2010 der damalige BDI-Chef Hans-Peter Keitel forderte (Interview in „Frankfurter Rundschau“): „Es geht aber in erster Linie um einen Mentalitätswechsel. Wir müssen bereit sein zu akzeptieren, dass wir systematisch Zuwanderung nach Deutschland haben werden und brauchen“, dann dürfen wir seinem BDI-Nachfolger Ullrich Grillo heute zurufen: Bitte, da habt ihr sie! Schneller als sicherlich erwartet. Stellt Euch also jetzt auch Eurer Verantwortung. Langfristig! Nicht nur für Eure Aktionäre, sondern als gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt.

Inwieweit man damit allerdings nun eine qualifizierte Zuwanderung aus den EU-Staaten nach Deutschland verhindert – die war ja auch noch vor wenigen Jahren Wunsch der Industrie – wird sich erst in Zukunft zeigen. Sie meinen, nachher sei man ja immer schlauer? Dann vergessen Sie dabei, dass Politik eben nicht nur die Aufgabe hat, Zukunft irgendwie wage zu prognostizieren, sondern im Gegenteil: Zukunft aktiv zu gestalten. Eine Zukunft übrigens, die dem Wohle des Volkes ebenso zu dienen hat, wie sie aus dem Willen des Volkes heraus entstehen muss. Anders geht es nicht. Man nennt dieses Auslaufmodell übrigens Demokratie. Eine Demokratie im Verbund mit einer Souveränität, die es im Übrigen auch erlaubt, wehrhaft aufzutreten gegenüber einem militärischen und geheimdienstlichen Engagement der USA. Ursache und Wirkung eben.

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This article has 29 comments

  1. Uwe_aus_DO Reply

    In mindestens einem Punkt möchte ich dem Gastkommentator entschieden widersprechen: Multikulti ist gescheitert.

    Ich habe große Angst vor einer Islamisierung unserer Gesellschaft und trete entschieden gegen entsprechende Tendenzen ein. Und das real existierende Multikulti setzt viele unserer Grundrechte (Gleichberechtigung, Meinungs- und Religionsfreiheit usw.) aufs Spiel, das ist nicht zu tolerieren.

    Nun aber haben wir Flüchtlinge. Menschen, die nicht wegen guter Sozialleistungen oder vieler Freiheiten für Kleinkriminelle zu uns kommen, sondern weil ihre islamistischen „Brüder“ sie massiv an Leib und Leben bedrohen. Diese Menschen verdienen es, hier aufgenommen zu werden.

    In dieser Flüchtlingswelle liegt eine gr0ße Chance, auch um die Folgen des Demographiewandels abzufedern, und auch Herr Wallasch sieht das offensichtlich so, wenn er dem BDI-Präsidenten ins Stammbuch schreibt, da seien doch nun die (potentiellen) Fachkräfte, nach denen er ständig ruft.

    Jawohl, so könnte es sein. Wenn wir diesen Menschen klar machen: Hier sind die Deutschkurse, dort die Schulen, und dann die Jobs. Ihr seid herzlich willkommen, Euch hier zu erholen, dann einzuleben und mitzuarbeiten. Und ich habe die Hoffnung, dass diese Menschen gelernt haben, was der Islam mit seinen Auswüchsen, was Intoleranz und Menschenverachtung bedeuten, und deshalb unsere freiheitliche Grundordnung nicht nur anerkennen, sondern sogar aktiv verteidigen, auch uns, egal ob wir Christen, Juden, „Ungläubige“ oder was auch immer sind.

    Nur: das ist eben nicht Multikulti, wie es hier gelebt wurde und wird…

  2. Alexander Wallasch Reply

    Lieber Uwe aus Do.
    Ich gebe zu bedenken, das diese Menschen natürlich auch wirtschaftsflüchtlinge sind, sonst wären sie in der Türkei geblieben oder Griechenland oder Ungarn. Wir müssen darüber streiten, wie legitim das ist. Es ist allerdings mind. nicht gesetzteskonform. Das befreit uns allerdings nicht davon, der Welt zu zeigen, das wir in der komfortablen Position sind, Menschlichkeit von ihrer besten Seite zu zeigen. Aufgabe der Politik wird es sein, zukünftig Einwanderung nicht einfach passieren zu lassen, sondern zu steuern. Einverstanden ?

    • Uwe_aus_DO Reply

      Sorry, nein. Einwanderung steuern? Unbedingt. Aber, bitte: Wie hätten diese Menschen in der Türkei, in Griechenland oder Ungarn bleiben sollen, so wie sie da behandelt werden??

      • Alexander Wallasch Reply

        @Uwe_aus_DO
        Wie sie dabeibleiben hätten können? Sorry – Schauen Sie keine Nachrichten? Die wollen nicht da bleiben! Im Gegenteil, sie verweigern die Registrierung, verweigern die „Verbringung“ in UNterkünfte und verweisen darauf, nur auf der Durchreise zu sein. Also offensichtlich auch Wirtschaftsflucht. Wie man das beurteilen mag ist eine andere Frage, aber es ist ein Fakt.

        • Uwe_aus_DO Reply

          Hmmm, werden sie so schlecht behandelt, weil sie weiter wollen oder wollen sie weiter, weil sie schlecht behandelt werden? Ich glaube die Antwort gibt sich von selbst….

          • Alexander Wallasch

            Ne, die Ungarn können sogar mit Wattebäuschchen schmeißen, das macht die wirtschaftlichen Perspektiven in Ungarn nicht besser.

  3. Tom Reply

    In
    http://bazonline.ch/schweiz/standard/Aus-Asylanten-werden-Sozialhilfefaelle/story/19937027

    zitiert die Zeitung eine Studie des Bundes:
    „Im Jahr 2012 war von den erwerbsfähigen Flüchtlingen mit Aufenthaltsbewilligung (bis fünf Jahre Aufenthalt in der Schweiz) und erwerbsfähigen, vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen (bis sieben Jahre Aufenthalt in der Schweiz) die grosse Mehrheit von der Sozialhilfe abhängig. Bei den Eritreern waren es 91 Prozent, bei Iranern 84 Prozent. Auch bei Flüchtlingen aus Sri Lanka, die allgemein als gut integriert gelten, bezogen drei von vier erwerbsfähigen Personen Sozialhilfe (75 Prozent).

    Bei Flüchtlingen aus der Türkei waren es fast neun von zehn (89 Prozent). Die Quote ist damit höher als bei Menschen aus Syrien (87 Prozent). Am besten schnitten die Chinesen ab mit 69 Prozent.“

    Soviel zu Chancen.

    Wir in Europa suchen immer die Klugen, die dennoch so dumm sind, unser Sozialsystem zu finanzieren. Wenn die Jungen die kommen, Ihre Eltern mit Familienzusammenführung nachkommen lassen, verringert das den erhofften Effekt.

    Wirklich Gute gehen außer im der Klassische Musik mit wenigen Ausnahmen doch viel lieber nach, wenn schon Europa, GB (der Sprache wegen) die anderen nach US, Kanada oder Australien.

  4. Tom Reply

    Ich denke die wichtigste „Voraussetzungen für ein Einwanderungsland“ ist ein Sozialsystem, das zumindest für neu kommende unattraktiv ist.

  5. S v B Reply

    Nochmal. Ich habe etliche Jahre in einem klassischen Multi-Kulti-Land gelebt. Wenn multi-kulti lediglich bedeuten soll, dass irgendwie – mehr oder weniger – erfolgreich vor sich hin gewirtschaftet werden soll, ok, das funktioniert. Engere private Verbindungen oder ein sich einander annäherndes übergeordnetes Identitätsbewusstsein, nein, das habe ich leider nicht festgestellt. Ich habe die Angehörigen der einzelnen Ethnien (auch Religionen) als deutlich separate Gruppierungen wahrgenommen, die in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit durchaus in Kontakt miteinander standen, aber danach doch getrennte Wege gingen. Von einer Nation wie ich sie von Deutschland her kannte, konnte eigentlich keine Rede sein. Vermutlich würde den nach neuen Mitarbeitern lechzenden Vertretern der deutschen Wirtschaft diese Art des Zusammenlebens vollauf genügen, vielen anderen Bewohnern dieses Landes hingegen nicht. Denn sie existieren durchaus, die – unsichtbaren – Wände aus Glas.

    • Tom Reply

      In welchem Land, wenn ich fragen darf?
      Wie ausgeprägt war/ist dort der Sozialstaat?

      • S v B Reply

        Zu Ihrer Frage: jeder auch nur einigermaßen Gesunde zwischen 18 und 60 ist für seinen Lebensunterhalt in besagtem Land selbst verantwortlich. Ab 60 Jahren erhält jeder des weitaus größten Bevölkerungsanteils, der nicht mit Firmenrenten oder gar staatlichen Pensionen gesegnet ist, eine einheitliche Staatsrente in Höhe von umgerechnet etwas mehr als 100 Euro (unter hiesigen Lebenshaltungskosten gar nicht mal so unähnlichen Bedingungen). Für den Rest muss der Familienverband aufkommen, wie eh und je. Hartz IV-ähnliche Strukturen und Zuwendungen: Fehlanzeige. Kindergeld: ja, aber dürftig. Schwer Kranke oder Behinderte erhalten ebenfalls eine Zuwendung, die es dem Individuum aber nicht ermöglicht, ohne zusätzliche familiäre Unterstützung über die Runden zu kommen. Das Gesundheitssystem ist zwar für alle dort(!) einigermaßen zufriedenstellend, aber nur die wirklich Wohlhabenden (darunter natürlich auch viele gut besoldete Staatsdiener), kommen aufgrund teurer Privatversicherungen – die den in Deutschland üblichen Tarifen entsprechen! – in den Genuss von „Spitzenmedizin“ (wie sie hierzulande eigentlich jedem geboten wird).

        Wie kann Deutschland nur all die kostbaren und in der Welt sicher einmaligen sozialen Errungenschaften so leichtfertig aufs Spiel setzen? Hätten unsere Entscheidungsträger und die All-Welcome-Begeisterten nur den Hauch einer Ahnung davon, dass man nicht nur gewinnen, sondern ganz fix auch massiv verlieren kann! Vielleicht ist die sträfliche Unbekümmertheit der Tatsache geschuldet, dass die meisten einfach gar nicht wissen oder es einfach nicht wahrhaben wollen, dass sich die Lage – ehe man sich versieht – zum Schlechteren hin entwickeln kann. Wo sollten diese Erfahrungen auch herrühren?

        „WAS DU ERERBST VON DEINEN VÄTERN, ERWIRB ES, UM ES ZU BESITZEN „. Ein tiefgründiger und kluger Rat, der in seiner Gültigkeit zeitlos ist. Ihn zu beherzigen, ist heute leider völlig uncool.

    • Alexander Wallasch Reply

      @SvB
      ja, ein eklatanter Unterschied 😉
      Aber ich bin ja nicht mein eigenes Lektorat. Das hat hier der Betreiber der Seite freundlicherweise erledigt. Ich bin also beinahe schuldlos. 😉 Danke für den Hinweis.

  6. Tom Reply

    Danke für Ihre Antwort.
    Ja, so kann nebeneinander leben funktionieren.

    Ein toll ausgebautes Sozialsystem verlangt wie es scheint, eine ziemlich homogene Gesellschaft.

    Ich kann von einem Bewohner eigentlich nur fordern, dass er sich an sein eigenes moralisches Koordinatensystem hält. Unterscheiden sich diese Koordinatensysteme zu stark, kommt es zu Schieflagen.

    So finanziert der Unterhaltsvorschuss für alleinerziehende Frauen die Polygamie mancher muslimischer Männer, die sich genau an die im Islam dafür geltenden Regeln halten.

        • Alexander Wallasch Reply

          Ja, ja – aber der Schluß den Sie daraus ziehen ist ja verkehrt. Frau zwei und drei würd auch so auf Hartz4 leben, denn der Mann st ja selbst Hartz4ler – alos nicht in der Lage regulär für seine nicht staatlich getrauten Ehefrauen zu zahlen. Es ergibt unterm Stirch einfach kein positives Rechenbeispiel. Sorry .

          • Tom

            Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe.

            Wenn es (rein hypothetisch) kein Geld für alleinerziehende Mütter geben würde, dann könnten gute, gläubige Muslime keine polygame Ehe eingehen, wenn sie die zusätzliche Frau nicht versorgen könnten. Ihr „Koordinatensystem“ – ihre Regeln – würden es ihnen verbieten.

            Da aber der deutsche Staat die Versorgung der zusätzlichen Frauen übernimmt und sie damit von dieser Bürde befreit, kann jeder, selbst der Arbeitslose in Übereinstimmung mit seinen Regeln polygam leben.

            Ich vermute mal, dass Sie diesen Absatz im verlinkten Artikel überlesen haben:

            „Während es in arabischen Ländern selbstverständlich ist, dass Männer für den Unterhalt einer Zweit- oder Drittfrau aufkommen und sich deshalb nur Reiche diesen Luxus leisten können, übernehmen das in Deutschland die Jobcenter, sodass auch Arbeitslose der Vielweiberei frönen können.“

          • Tom

            Falls es dem Verständnis dient, ersetzte ich das Wort „Unterhaltsvorschuss“ durch „Vorsorge des Staates“

            Mein Statement lautet also neu:
            So finanziert die Vorsorge des Staates für alleinerziehende Frauen die Polygamie mancher muslimischer Männer, die sich genau an die im Islam dafür geltenden Regeln halten.

          • Alexander Wallasch

            ne, denn ganz egal, wie man es dreht und wendet, potenziell – oder zu einer ganz hohen Wahrscheinlichkeit – übernimmt der Stadt die VErsorgen all dieser Menschen, völlig unabhängig von irgendeiner muslimen Ehe, Doppelehe oder sonstwas. Und das hat wenig mit dem Muslim zu tun, aber sehr viel mit den aktuellen deutschen Gesetzen.

          • Tom

            Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selbst.

            Aus Systemsicht benötigt es so mehr Importbräute.

            Versuchen Sie es doch probehalber mal aus der Sicht des polygamen Mannes der zwar arbeitet aber mit seinem Lohn nur eine Frau versorgen kann.

            „wenig mit dem Muslim zu tun, aber sehr viel mit den aktuellen deutschen Gesetzen“

            wer hat gegenteiliges behauptet?

  7. Alexander Droste Reply

    Integration, das müssen die Leute, also wir, schon selber machen. Wenn der Nachbar also irgendwie Fremder ist, so gibt es dreierlei Reaktionen: Ignorieren, attackieren oder interessieren. Ersteres funktioniert nur begrenzt, denn man weiß ja, was dann passiert; Parallelgesellschaft nach eigenen Gesetzen und die sind nicht immer nützlich. Zweiteres funktioniert auch, das haben wir vor ca. 80 – 75 Jahren in seiner vollkommenen Ausprägung gehabt. Für Menschen ist das aber unwürdig, sowohl für die Attackierer wie auch die Attackierten. Bleibt also die dritte Variante. Da ist also ein Fremder, der fremd redet und fremde Gewohnheiten hat, meist sogar fremd aussieht. Nun ja, primitive Menschen reagieren darauf eben mit Abscheu. Gebildete Menschen, diese sollte es hierzulande in Überzahl geben, es besteht ja Schulpflicht (ahemm, etwas ironisch), lassen sich von solchen Äußerlichkeiten nicht schrecken, gehen auf diesen Fremden zu und fragen nach seiner Befindlichkeit. Dieser Fremde wird sicherlich nicht dem freundlichen Nachfrager mit dem Messer bedrohen.

    Das ist also das gesellschaftliche Problem: Die Vermeidung. Ob Politiker oder Normalbürger. Wenn „die da“ kommen, verstecken wir uns erst mal hinter der Gardine und denken uns allerlei Szenarien aus, die wir für wahr erklären. Also der Muslim ist grundsätzlich bös. Der schlitzt uns alle auf und hält sich auf unsere Kosten ein Harem. Solche und ähnliche Vor-Urteile werden sorgfältig gepflegt. Und daraus resultieren dann oben genannte Varianten eins und zwei.
    Die offene Gesellschaft und ihr Sozialstaat sind deswegen gefährdet, weil nicht interessiert wird. Wer sich interessiert, der integriert auch sogleich – zumindest zeitweilig. Dann kann man auch über Gewohnheiten und Regeln sprechen, ohne das in Besserwisserei ausarten zu lassen. Also, der Staat sind wir und wir stellen die Regierung auf. Hat die Regierung nichts getan, dann haben wir sie nicht dazu gedrängt. Und warum nicht? Weil wir uns lieber hinter der Gardine verstecken!

    Umso erfreulicher ist trotz der US-Chaospolitik im Nahen Osten und des Hohns seitens des Amerikanischen Präsident, des um sich greifenden Islamismus, der in der Tat eine große Bedrohung ist, dass die Bürger in Deutschland sich nicht mehr verstecken, sondern interessieren, helfen, wo sie können und das so überwältigend, dass man mit der Organisation der Hilfsbereitschaft gar nicht nach kommt. Dafür beginne ich ein wenig stolz zu sein auf unsere Multi-Kulti-Nation. Denn die Helfer sind bestimmt zu Großteilen selber einmal Fremde im Land gewesen. Im Übrigen ist Hilfsbereitschaft eines der obersten Gebote im Islam. Jedem muss geholfen werden, egal, welcher Religion, Ernie oder Nationalität der Hilfsbedürftige angehört (eigenes Koran-Studium).

    Bleibt noch die Kostenfrage. Zur Zeit sieht es so aus, dass auf 1000 Einheimische 1 Asylsuchender kommt. von den 1000 sind ca. 500 erwerbstätig. Da findet sich doch bestimmt noch ein Knopf im Portemonet.

    • Tom Reply

      Es gibt einen 4 Weg: Traditionelle Einwanderungsländer fordern Integration von den Einwanderern (USA, Kanada; Australien, NZ).
      Zu Ihrer Rechnung: Ich denke Sie haben sich um den Faktor 10 geirrt:
      80.000.000 Einwohner
      1.000.000 für 2015 (hört man mittlerweile öfter als dir noch relativ jungen 800.000)
      München rechnet derzeit angeblich durch den Familiennachzug mit der vierfachen zahl.

      ohne Familiennachzug: 1 Asylant auf 80 Einheimische

      mit Familiennachzug: 1 Asylant auf 20 Einheimische

      oder, wenn die Hälfte abgeschoben wird (500.000)

      ohne Familiennachzug: 1 Asylant auf 160 Einheimische

      mit Familiennachzug: 1 Asylant auf 40 Einheimische

  8. Alexander Wallasch Reply

    Wir dürfen bei aller Fremdenfreundlichkeitseuphorie – der eine oder andere ist ja schon besoffen vor Selbstliebe – nicht ganz vergessen, das Staaten Grenzen haben. Es darf eben mitnichten jeder einreisen und leben wo er möchte. Das mag man bedauern, muss man aber nicht. Dänemark schließt mal eben seine Grenzen und schalten „Bleibt zu Hause“ Anzeigen in Arabischen Ländern. grotesk? Möglicherweise. Aber was tun, um klar zu machen, das die Aufnahmekapazität endlich ist? Vielleicht nicht morgen, aber möglicherweise übermorgen. Und dann? Die Länder, in denen der Westen Chaos angerichtet hat, bluten aus. Es ist ja nicht wie in den 1960ern, wo das türkische Präkariat aus Anatolien auswanderte. In Syrien ist es zum Teil die Intelligenzia.

  9. Alexander Droste Reply

    Wir werden wohl bald auch noch eine Welle kurdischer Flüchtlinge bekommen. Dann geht die Rechnung wie oben noch etwas knapper. (Sorry für den Rechenfehler). Heute stand in der RP ein Bericht über ein Progrom gegen Kurden in der Türkei. Dieser Artikel erinnert mich da an die Geschichten meiner Großeltern. Es gibt da sehr eindeutige Parallelen von zwei Personen mit absolutem Machtanspruch, der Art und Weise dessen Durchsetzung und der Unterstützung durch das Ausland. Nur sind die Kurden (PKK) nicht ganz so lammfromm, wie seinerzeit die Opfer des anderen Terrorregimes. Es ist eine Schande, mit einem wie Erdogan noch förderliche Beziehungen zu pflegen.

  10. S v B Reply

    @Alexander Droste

    Das von Ihnen als Idealfall genannte gutnachbarliche Zusammenleben zwischen gebildeten Schichten und „Fremden“ funktioniert in ausgewiesenen multikulturellen Gesellschaften eben nicht ganz so wie sich das manch einer hierzulande gerne vorstellt. In meiner zweiten Heimat, einem Multi-Kulti-Land, ist eigentlich ein jeder eher positiv berührt, wenn in die just frei gewordene Immobilie nebenan wieder Personen aus dem eigenen Kulturkreis einziehen. Auch wenn ein Neubaugebiet entsteht, kann man beobachten, dass Mitglieder einer bestimmten Ethnie anfangen, die ersten Grundstücke zu bebauen. Danach ist die Wahrscheinlichkeit dann umso größer, dass dieses Gebiet auch weiterhin von Angehörigen der selben Volksgruppe bevorzugt und bebaut wird. Bauwillige anderer Ethnien schauen sich infolge dessen gerne nach einer Siedlungsmöglichkeit in anderen Gegenden um. Diese Verhaltensweise, die ich sehr oft beobachtet habe, spielt sich dabei ja keinesfalls auf einer Einbahnstraße ab. Auch die „andere“ Seite fühlt sich eigentlich immer wohler, wenn sie unter sich ist. Eine mit mir befreundete indisch-stämmige Muslima, hat es mir einmal wie folgt erklärt: „We just like to know what to expect“ (Wir wissen eben gerne, was uns erwartet). So einfach ist das, und so probat.

  11. Alexander Wallasch Reply

    Wer gerade Maybritt Illner gesehen hat mit Söder und gabriel, weiß mehr um den aktuellen Satnd der Verfassung derer, de uns regieren: Man hat Panik bekommen. Klar ist geworden, das man nun selbst längst nicht mehr an den Segen der Einwanderung glaubt. Im Gegenteil ist ein Heer von Langzeit Hartz4lern wahrscheinlicher, als ein Segen an Arbeitskräften für die deutsche Wirtschaft. Es ist außerdem klar auch da wird nun vrzweifelt gegengesteuert, das man die Lösungen für anstehende Probleme der heimischen Bevölkerung wird zurückschieben müssen, was wiederum zu Unruhen und einem veränderten Wahlverhalten führen wird. Apokalypse tommorrow? Es klang fast so..

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