Gegenüber der Türkei sind Deutschland, EU und NATO nur noch Papiertiger

„Als Resultat der islamisierten Innen- und Außenpolitik Ankaras hat sich die Türkei zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen entwickelt.“

Unsere Bundesregierung, die sich außenpolitisch im Allgemeinen und in Sachen Türkei im Speziellen samtpfötig gibt, redet endlich mal Klartext. In einer als „vertraulich“ klassifizierten Antwort der Bundesregierung nämlich auf eine entsprechende Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen (Linke). Das Erdogan-Regime unterhalte enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft in Ägypten, den Terrororganisationen in Syrien und der Hamas, die Israel gerne früher heute als morgen auslöschen würde. Im Handelsblatt lese ich dazu: „Würde es sich nicht um Erdogan, sondern um Putin handeln, hätte der Westen längst harte Wirtschaftssanktionen verhängt. Erdogan dagegen bekommt für seine Flüchtlingsbremse einen Drei-Milliarden-Scheck der EU. Vielleicht sollte man das Geld aus Brüssel künftig direkt an die Terrorgruppen weiterleiten. Das spart zumindest die Überweisungsgebühr.“ Zynisch, aber da ist was dran.

Tatsächlich sind Europa und die NATO, aber insbesondere Deutschland in einer explosiven Lage. Die Regierung von Frau Merkel hat Deutschland in eine Abhängigkeit von der Türkei gebracht, die uns bei einem Anführer wie Präsident Erdogan erpressbar macht. Ich selbst habe ein unverkrampftes Verhältnis zur Türkei an sich. Zwischen Deutschland und der Türkei gibt es historische Bande, drei Millionen Türken leben hierzulande, die meisten gern und absolut integriert. Über 70.000 Unternehmen „mit Migrationshintergrund“ sind in Deutschland registriert, klar, da sind auch viele Döner-Stände dabei. Aber im Großen und Ganzen habe ich mit Kollegen und Bekannten, die aus der Türkei stammen und hier leben, immer gute Erfahrungen gemacht. Die Türkei sorgt dafür, dass der Strom an Flüchtlingen nach Deutschland nicht wieder anschwillt. Die Türkei stellt dem westlichen Verteidigungsbündnis wichtige Stützpunkte zur Verfügung, damit dieses im Syrien-Krieg handlungsfähig ist.

Heute las ich, dass die türkische Regierung Tausende Kleinkriminelle aus den Haftanstalten entlässt, um „Putschisten“ in Massen in Zellen sperren zu können. Von „Säuberungen“ redet Erdogan, von Einführung der Todesstrafe. Und seine neue Sympathie zu Russland sollte jeden im Westen beunruhigen, der noch klar bei Verstand ist. Was müsste ein handlungsfähiger Staat eigentlich tun? Die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU endgültig beenden. Und der Türkei klar sagen: man kann nicht mit Russland und der Hamas an einem Tisch sitzen, wenn man weiter zur NATO gehören will. Doch was wird unser Land, was werden EU und NATO tatsächlich tun? Nichts! Das ist eines der vielen Dramen unserer Zeit.

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This article has 8 comments

  1. H. Urbahn Reply

    Sehr geehrter Herr Kelle,
    die erste maßnahme gegen die derzeitige Regierung der Türkei (ich schreibe bewußt nicht gegen die Türkei), die die Bundesregierung ergreifen sollte, ist der sofortige Rückzug der der deutschen Soldaten aus der Türkei, die ohnehin dort nur aus fadenscheinigen Gründen stationiert sind. Die zweite Maßnahme müßte die sofortige Aussetzung der Beitrittsverhandlung zur EU sein.
    Bemerkenswert ist ja, daß die Bundesregierung durchaus informiert ist, über die Verbindung der türkischen Regierung zu Organisation, die in ihren jeweiligen Ländern einen islamischen Gottesstaat errichten wollen. Als vor gut einem Jahr bekannt wurde, daß der IS in großen Mengen Erdöl in die Türkei transportierte als finazielle Basis für ihre Waffenbeschaffung und Herr Erdogan daran mitverdiente, wurde dies von unserer Bundesregierung geleugnet und leider auch von unserer Presse nicht aufgegriffen. Man war in der Presse wohl zu sehr damit beschäftigt, auf Rußland, dessen Kampfflugzeuge diesen Tanklastern den Garaus gemacht hatten einzudreschen.

  2. Walter Lerche Reply

    ein Denkmodell: Man stelle sich vor, nicht unsere Volksvertreter bestimmen die Richtung, sondern Wirtschaft und Kapital. Und die Hauptaufgabe der Volksvertreter wäre es, diese Richtung umzusetzen. Dazu würde auch gehören, das dabei störende, misstrauische Volk zu beschwichtigen, abzulenken, zu beschäftigen und zu erklären, was bis an die Oberfläche dringt. (Ende Denkmodell)

    Ich stelle mir vor, dass über allem das militärstrategische Interesse der USA an der Türkei besteht. Danach kommen die Interessen der Wirtschafts- und Finanzlobbies. Und erst danach kommen solche vernünftigen, moralisch aufrechten Aspekte wie in diesem guten Beitrag von Herrn Kelle.

    Und dabei scheint es völlig egal zu sein, welche der etablierten Parteien gerade am Ruder ist, solange dieses Ruder ferngesteuert wird statt vom mehrheitlichen Volkswillen.

    zurück zum Denkmodell: Mein Empfinden ist, dass es vor 1990 ein gewisses „Miteinander“ von Politik und Wirtschaft gab. Man brauchte sich gegenseitig, jeder hatte Einfluss auf den anderen. Nach dem Fall der Mauer war die Bundesregierung mit dem Management und den Notwendigkeiten für die ehemalige DDR überfordert. Sie gab das Zepter ab an die Wirtschaft, die sich wohlfeil anbot und versicherte, diesen Prozess zu meistern. Bei dieser Rollenverteilung scheint es geblieben zu sein.

  3. IW Reply

    Vorsicht Herr Kelle,
    bei den „70.000 Unternehmen mit Migrationshintergrund“ beziehen Sie sich vermutlich auf die Bertelsmannstudie: Migrantenunternehmen sind Jobmotor in Deutschland.
    Da zitiere ich gern die BADISCHEN NEUSTEN NACHRICHTEN (DLF-Presseschau 12.8.):
    „Es lohnt ein Blick aufs Detail“…“Wer genauer hinschaut, der weiß, dass die Studie Migranten als Menschen definiert, die nach 1949 nach Deutschland kamen; ausserdem deren Kinder. Fast jeder kennt einen Chinesen, der mit seiner Familie seit Jahren erfolgreich ein Restaurant betreibt, oder einen türkischen Kfz-Werkstattbetreiber oder einen aus Italien stammenden Delikatessenhändler.“

    So gesehen sind 70.000 Unternehmen nach 65 Jahren nicht wirklich viel; allein der IHK-Kammerbezirk Dresden verzeichnet aktuell rund 96.000 Mitgliedsunternehmen.
    Sorry, aber mir scheint diese Veröffentlichung ein weiterer Versuch zu sein, die ungeduldiger und zorniger werdenden Bürger zu besänftigen.
    Herzliche Grüße.

  4. Bernd Minzenmay Reply

    Lieber Klaus Kelle,
    das dachte ich auch einmal, dass die meisten bei uns lebenden Türkischstämmigen integriert sind. Bis ich gelesen habe, dass 75 % der hier Wahlberechtigten die nationalistisch-islamistische AKP des Herrn Erdogan gewählt haben und – wenn ich den Statistiken trauen darf – mehr als die Hälfte der „Mitbürger mit türkischen Wurzeln“ den Regeln des Islam den Vorrang vor unseren Grundrechten geben. (In der Türkei selbst haben nur knapp über 50 % der Wahlberechtigten für die AKP gestimmt!). Das ist keine Integration, sondern der Beweis für ein nachhaltiges Scheitern.
    Politische, von der AKP entsandte Ditib-Imame bejubeln in Freitags-Predigten widerspruchslos die Brandstiftungen von Geschäften nicht AKP- orientierter Türkischstämmiger. Dem Drehbuch nach schreibt die Türkei gerade das Jahr 1938. Und die AKP-Türken in Deutschland finden das alles ganz toll und demonstrieren noch pro Erdogan zu Zehntausenden! – Da ist ein Kommentar, den ich kürzlich gelesen habe, nur noch niedlich: „Hier demonstrieren die Hühner, die bei uns frei laufen dürfen, für die Einführung der Käfighaltung“. – Wann kommt der Knall?

  5. PeWi Reply

    Sie mögen ja gute Erfahrungen mit türkischen Mitbürgern hier zu haben. Ich nicht. Ich kenne sie dauerbeleidigt und anmaßend. Man kann dabei höflich und freundlich sein, wie man will. Vielleicht weil ich eine Frau bin, okay. Ich habe auch genügend türkische Kinder gesehen (Jungen), wie die mit ihren Müttern umspringen, in einem einem Stadtviertel bei uns, welches fast fest in deren Hand ist. Männern gestehe ich da eine andere Erfahrung zu. Man erhält schon eine blöde Antwort wenn man mal interessiert fragt, weil ich es nicht weiß als Atheistin, ob sie auch Ostern feiern würden. Was ist schon dabei, wenn man da mal fragt. Ich feiere es z.B. nicht. Oder bezahlen sie mal, wenn man essen geht, die Rechnung als Frau, wie man dann behandelt wird. Ihr türkischer Freundeskreis scheint keineswegs typisch für Türken in Deutschland zu sein. Ich meide zwischenzeitlich türkische Geschäfte. Ich muss mir das nicht antun, als Mensch 2. Klasse – nur weil ich Frau bin – behandelt zu werden.

  6. S v B Reply

    1.) Die fünf deutsch-türkischen Ehen (Frau Deutsche, Mann Türke – nur scheint es überhaupt „möglich“ und „erlaubt“), die in meinem erweiterten Bekanntenkreis geschlossen wurden, sind alles andere als glücklich oder auch nur passabel verlaufen. Sie sind inzwischen ausnahmslos geschieden worden. Wie mir scheint, liegt die Scheidungsquote hier also wohl signifikant höher als bei deutsch/deutschen, deutsch-italienischen/französischen/britischen (etc. etc.) Ehen. Dett fiel ma uff, wie der Berliner sagt.

    2.) Die junge, freundliche Sprechstundenhilfe meines Zahnarztes (dezent europäisch gekleidet, keinerlei Kopfbedeckung), in Deutschland geboren und dem Anschein nach gut integriert, meinte auf meine Nachfrage hin, dass ein „Biodeutscher“ oder anderer „Westler“ für sie niemals als Ehepartner in Betracht käme. Moslem müsste er sein, vorzugsweise natürlich Türke. Mangels Brüdern sei sie froh, dass ihre Vettern (ebenfalls in Deutschland geboren) die Rolle der „Aufpasser“ über ihre Unversehrtheit übernommen hätten. Dabei hatte ich eigentlich angenommen, sie sei froh, keine Brüder zu haben, unter deren Kuratel sie dann vermutlich stünde. So kann man sich irren.

    Gleich und gleich gesellt sich gerne. Das ist verständlich, völlig in Ordnung und wird sehr wahrscheinlich noch sehr lange so sein. Eine bunt durchmischte und umfassend homogenisierte Gesellschaft ohne entsprechende, oft geradezu abgekapselte, Parallelgesellschaften (wie sie sich linksgrüne Naivlinge und Ignoranten im Lande herbei fantasieren) ist und bleibt eine Utopie.

  7. Dieter Krüll Reply

    D.K.

    Sehr geehrter Herr Kelle,
    ich schäme mich fast, in den Tenor der vorstehenden Stellungnahmen einstimmen zu müssen. Auch ich habe viele gute Erfahrungen mit türkischstämmigen Mitbürgern gemacht.
    Was aber ist, wenn diese sich wirklich entscheiden müssen. Dann gilt: Türkisch vor deutsch, Islam und Sharia vor Toleranz und Grundgesetz usw. usw.

    Ein Freund hat in Hamburg einen großen Baustoffhandel. Über drei türkische Mitarbeiter ist er voll des Lobes, pünktlich, zuverlässig, fleißig einfach prima. Die Frage, was sie vom IS halten würden: Der IS ist gut, weiter so!!!!!
    Was soll man dazu sagen?

    Dieter Krüll

  8. Tina Hansen Reply

    Die Situation in der Türkei macht mich ratlos, und ich ringe vergeblich um einen klaren Standpunkt. Ich bin weiterhin der Meinung, dass die Türkei als NATO-Partner unverzichtbar ist; zudem hat Frau Dr. Merkel unser Land in der Flüchtlingsfrage abhängig und erpressbar gemacht.
    Zugleich sind die Vorgänge in der Türkei („Säuberungen“) unerträglich – und meiner Ansicht nach durch einen fingierten Putschversuch bewusst und planmäßig herbeigeführt worden.
    Was tun?
    Ich weiß es nicht.

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