Der Mord an Miguel A. (23): Grausames Spiegelbild einer gleichgültigen Gesellschaft, die zunehmend verwahrlost

Viele Menschen in Zella-Mehlis müssen die sich über Stunden wiederholenden Schreie und Hilferufe von Miguel A. (23) gehört haben in dieser Nacht im Juni des vergangenen Jahres in der thüringischen Kleinstadt. Und es gab sogar Augenzeugen, die gesehen haben, wie da ein junger Mann, gezeichnet von schweren Misshandlungen und nur in Unterwäsche, durch ein Wohngebiet der 13.000 Einwohner-Stadt rennt. Um sein Leben rennt. Doch niemand hilft in dieser Nacht in Zella-Mehlis. Nicht ein einziger kommt wenigstens auf die Idee, 110 zu wählen und die Polizei zur Hilfe zu rufen.

Fenster bleiben geschlossen, die Türen verriegelt – was für ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft…

Am nächsten Morgen findet irgendwer die Leiche von Miguel in einem Bachlauf. Opfer einer grausamen Gewalttat und ebenso das Opfer einer kollektiven Passivität, des Versagens von Menschen, die sich vermutlich alle für gute Bürger und nette Nachbarn halten.

Vor drei Tagen hat vor dem Landgericht in Meiningen der Prozess und die Aufarbeitung dieser widerlichen Ereignisse begonnen.

Angeklagt sind vier junge Menschen: zwei Mädchen, damals im Alter von 15 und 16 Jahren, und zwei männliche Jugendliche. Gemeinschaftlicher Mord durch Unterlassen und gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft. Egal, was die Richter letztlich urteilen werden, es bringt Miguel nicht zurück, der als lebensfroher junger Mann galt, der für seine Familie eine glückliche Zukunft aufbauen wollte.

Doch daraus wird nichts, denn der junge Mann wurde von ein paar gefühlskalten Kindern, die er kannte, über Stunden gequält. Sie schlugen ihn mit einem Gürtel, sprühten ihm Tierabwehrspray in seine Augen, und dann hetzten sie ihn durch den Ort bis zu einem Bachlauf, in den Miguel völlig orientierungslos stürzte und ertrank. Seine Peiniger sollen dabei zugesehen haben.

Die Gewalttat ist erschütternd

Und erschütternd ist auch, dass Miguels verzweifelter Kampf ums Überleben nicht im Verborgenen stattfand.

Die Polizei vernahm später über 50 Zeugen. Viele gaben zu, sie hätten damals Schreie gehört. Und einige sahen die Treibjagt sogar durch ihre Wohnungsfenster. Doch niemand unternahm etwas. Kein einziger. Das alles belegt eine tiefe Erosion unseres gesellschaftlichen Fundaments. Und bitte, denken Sie nicht, dass sowas nur ein bedauerlicher Einzelfall ist!

Der Fall Miguel A. reiht sich in eine alarmierende Serie von Gewalttaten in Deutschland ein, bei denen die Täter immer jünger und die Taten immer enthemmter werden.

Experten warnen seit Jahren vor der zunehmenden Verrohung und moralischen Verwahrlosung wachsender Teile unserer Gesellschaft. Ein schleichender Prozess, eine Symbiose von Empathie-Verlust, nie gelernter sozialer Kompetenz – weder im Elternhaus noch in der Schule – und wahrscheinlich auch der Digitalisierung, wo das eigene Leben weitgehend im Smartphone stattfindet. So schwindet dann irgendwann, manchmal schnell, die Fähigkeit, das Leid anderer als eigenes Problem überhaupt noch wahrnehmen zu können. Was geht mich das an…?

Aber es gibt einen wichtigen Aspekt, vor dem wir auch die Augen nicht verschließen dürfen

Die Zurückhaltung von Zeugen ist oft Ausdruck eines tiefen Misstrauens gegenüber dem Staat und der Angst vor möglichen Rache gewaltbereiter Gruppen oder davor, „in irgendwas reingezogen zu werden“.

Schmerzhaft für Miguels Angehörige ist auch der Ausschluss der Öffentlichkeit

Wieder einmal ist auch hier der Opferschutz wichtiger als die Tat selbst, weil zwei der Angeklagten minderjährig sind. Vor dem Gerichtsgebäude in Meiningen demonstrierten zum Prozessauftakt Freunde und Verwandte mit Plakaten: „Gerechtigkeit für Miguel“. Sie fordern Transparenz, doch das Gesetz erwartet Diskretion.

So darf das nicht bleiben!

Die Grausamkeit dieser Tat schreit geradezu nach öffentlicher Aufarbeitung. Ein Mord durch Unterlassen, begangen von Kindern und Jugendlichen an einem wehrlosen jungen Mann, das darf nicht im Stillen verhandelt werden, wenn die Ursachen dafür uns alle, jeden Einzelnen, betreffen!

Der Tod von Miguel A. ist ein brutaler Weckruf an die ganze Gesellschaft, denn die Wirklichkeit, die hier sichtbar wird, erzählt von Entmenschlichung, Gleichgültigkeit und Verwahrlosung. Das sind keine guten Grundlagen für die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

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Waren die Jünger Jesu ein „Pastoralteam“?

Ich gibt so Begrifflichkeiten, die bei mir, wenn ich sie höre, automatisch den Blutdruck nach oben treibt.

„Pastoralteam“ ist so eines dieser Worte, das vorhin – vor Beginn der Heiligen Messe – jemand aus eben diesem Pastoralteam verwendete, um der Gemeinde mitzuteilen, was alles so los ist in den nächsten Tagen an Konzerten, Gruppenstunden, Sammlungen etc…

Das ist erstmal auch gar nichts Böses

Pastoralteam (auch Pastoralverbund) ist einfach die Gruppe von Haupt- und Ehrenamtlichen in einer katholischen Kirchengemeinde und besteht – Gott sei Dank auch noch – aus den Priestern und Diakonen. Also alle, die so eine Gemeinde zusammen mit Leben ausfüllen, was ja gut ist.

Aber dann wünschte der gute Mann da vorne am Mikrofon, bevor der Pfarrer auch noch ran durfte, „uns allen noch eine gute Andacht“, und in dieser Sekunde beschloss ich, später etwas dazu zu schreiben, weil mich diese…ja, Banalisierung meines und hoffentlich für viele von Ihnen auch unseres Glaubens nervt.

Ich bin vor über 40 Jahren von einer (sehr linken) evangelischen Landeskirche zur katholischen Kirche konvertiert. Weil ich nicht etwas über den NATO-Doppelbeschluss oder den Feminismus und das schwere Dasein der Transsexuellen hören wollte, sondern über Jesus Christus.

Doch inzwischen finde ich in Teilen der deutschen katholischen Kirche genau diesen Hang zur Banalisierung des Christlichen.

Ich weiß dabei natürlich um die Notwendigkeiten, Kirchengemeinden auch zu verwalten. Und wenn der sonntägliche Besuch der Messe geringer wird, dann muss man wohl auch Gemeindestrukturen überdenken und ggf. verändern.

Andererseits: Wenn „Pastoralteams“ primär damit beschäftigt sind, Großpfarreien zu verwalten, Immobilien zu managen und Budgets zu optimieren, dann ist vom Heiligen nicht mehr viel übrig. Wäre mal interessant, ob es der Begriff „Pastoralteam“ – auf latein „pastoralis dolor“ – im Vatikan tatsächlich Verwendung findet.

Papst Benedikt XVI. hatte im September 2011 in seiner herausragenden Ansprache im Freiburger Konzerthaus vor einer „Verweltlichung“ seiner Kirche gewarnt“:

„In der geschichtlichen Ausprägung der Kirche zeigt sich aber auch eine gegenteilige Tendenz: dass die Kirche nämlich […] in gewisser Weise selbstgenügsam wird, sich in der Welt einrichtet, [und] sich selbst genug ist.“ 

Ich glaube, der Papst meinte damals genau das, was mich als einfachen Gläubigen morgens in der Messe stört.

Mit „Entweltlichung“ wollte der Pontifex damals nicht den kompletten Rückzug aus der Welt anstoßen, sondern die Abkehr von einer rein funktionalen Sichtweise seiner Kirche. Er wollte, dass das Religiöse, das Heilige, nicht hinter dem Administrativen verschwindet und der Glaube nur noch als eine Art Grundsatzprogramm von einem Team verwaltet wird.

Wenn Sie meine Arbeit unterstützen wollen, können Sie das mit einer Spende auf das Konto DE18 1005 0000 6015 8528 oder über PayPal @Vers 1 Medien GmbH tun. Vergelt’s Gott!




Sturmtief „Elli“: Keine Sorge! Nur wenige Wochen noch, dann beginnt die Klima-„Hitzekatastrophe“

Wenn ich heute Morgen aus dem Fenster schaue, dann sehe ich…Winter. Vielleicht kommt nachher die „Katastrophe“ auch noch, aber so richtig glaube ich nicht daran.

Wenn ich mich an meine Jugend erinnere, dann war Schneefall auch im März normal. Und als ich damals nach Bayern, in die Nähe von Augsburg, zog, da war um diese Zeit im Januar ein Drittel meines Tagesablaufs ausgefüllt mit Scheeschippen. Ich will das überhaupt nicht kleinreden, was gerade passiert, aber ist das wirklich so ein singuläres Ereignis? Ich weiß, es gab am Morgen bereits zwei Todesfälle, die mit Sturmtief „Ellie“ zusammenhängen, aber liebe Leute, auch das ist zwar tragisch, aber nicht neu.

Eine geschlossene Schneedecke, Schneewehen auf den Straßen und Temperaturen, die zum Tee am Kamin einladen. Und zeitgleich alarmiert der Mediale Mainstream: „Schneise der Verwüstung“, „Milliardenschäden“ und „lebensgefährliche Grenzwetterlagen“. Die CDU sagt ihre Klausurtagung in Mainz ab, die Bahn stellt den Betrieb in Norddeutschland teilweise ein, und der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt in violetten Farbtönen vor dem Sturmtief „Elli“.

Meteorologisch gesehen ist „Elli“ tatsächlich kein gewöhnliches Tiefdruckgebiet. Der Antrieb hinter dem Sturm ist der „Jetstream“, ein Starkwindband in der oberen Atmosphäre. Laut DWD erreicht dieser im Winterhalbjahr Geschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometern pro Stunde. Das ist wirklich nicht üblich so. Was aber „Elli“ wirklich ungewöhnlich macht, ist die momentane „Grenzwetterlage“: Im Norden arktische Kaltluft, von Südwesten her milde und feuchte Luftmassen. Das bedeutet: massive Niederschläge, als Schnee oder – was gefährlicher ist – als gefrierender Regen („Blitzeis“). Das ist nicht lustig.

Dass aber heute jede Schneeflocke eine „Breaking News“ auf dem Bildschirm auslöst, wirkt auf viele Menschen – auch mich – tatsächlich wie „Klimahysterie“

Seit den 60er Jahren sind die Wintertemperaturen in Deutschland tatsächlich um 1,5 bis 2 Prozent gestiegen. Das ist Statistik, das ist belegt. Aber ist das „menschgemachter Klimawandel“, oder ist es vielleicht normal? Ich meine, es gab auch Hitzeperioden oder Eiszeiten, bevor ich mit meinem Diesel-PKW fuhr oder Deospray benutzte….

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist gerade darauf hin, dass die Schadenssummen durch Winterstürme Milliarden erreichen. Das liegt aber nicht zwingend daran, dass die Stürme objektiv schlimmer geworden sind, sondern dass wir heute zum Beispiel auch mehr Werte besitzen, die kaputtgehen können – von der Solaranlage auf dem Dach bis zur sensiblen Elektronik in unseren Autos.

Wenn ich heute Morgen aus dem Fenster schaue und nur Schnee sehe, darf ich nicht ignorieren, dass zumindest die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes keine Schikane, sondern wichtig sind. Das bedeutet ja nicht, dass wir sofort in Panik verfallen müssen. Passen Sie einfach ein bisschen mehr auf als normalerweise und denken Sie daran: ein paar Wochen noch, dann beginnt die Hitzekatastrophe…




Das fangen sie nie wieder ein… warum Kai Wegner im September abgewählt wird

Politiker, die den Alltag nur verwalten, braucht kein Mensch.

In unserem wirklich sympathischen Nachbarland Belgien dauerte die Bildung einer neuen Regierung nach der Parlamentswahl mal 541 Tage – von Juni 2010 bis Dezember 2011. Und wissen Sie was? Die Welt ist nicht untergegangen und nicht einmal Belgien.

Besser noch: Während Belgien keine Regierung hatte seinerzeit stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 um 2,7 % und 2011 um 1,8 %. Damit lag Belgien über dem Durchschnitt der Eurozone. Und die Arbeitslosenquote sank.

Unsere westlichen Staaten sind in den vergangenen Jahrzehnten so gut durchstrukturiert worden, dass der Laden auch mal eine Zeit lang läuft ohne die regierende Exekutive. Dafür gibt es viele Beispiele, die Metropole Berlin gehört leider nicht dazu. Aber dazu komme ich gleich…

Die politischen Köpfe an der Spitze werden nämlich dann wirklich relevant, wenn die Gemeinschaft, wenn der Staat und seine Bürger, in ernsten Schwierigkeiten stecken. Dann zeigt sich, wer etwas drauf hat, dann wissen die Bürger, auf wen sie vertrauen können, wenn es ernst wird. Und dann wählen sie auch entsprechend, wenn sie das nächste Mal zu den Urnen gerufen werden.

Hamburgs einstiger Innensenator Helmut Schmidt (SPD) ist dafür ein Paradebeispiel

Als die größte deutsche Hafenstadt 1962 von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht wurde, übernahm er die gesamte Führung, obwohl er dafür in diesem Ausmaß kein Mandat hatte. Er machte einfach, handelte schnell und entschlossen, rief die Bundeswehr zur Hilfe und sorgte durch seine Entscheidungen dafür, dass das Schlimmste verhindert werden konnte. Die Leute haben ihm das gedankt danach, und sie brachten den kühlen Hamburger mit der – wie alle dachten – „Prinz-Heinrich-Mütze“ bis ins Bundeskanzleramt, auch wenn er tatsächlich zeitlebens eine „Elblotsenmütze“ vom Hamburger Mützenmacher Eisenberg trug. Aber das ist eine andere Geschichte…

Gerhard Schröder, auch einst Bundeskanzler von den Sozis, hatte bei der Bundestagswahl 2002 keine Chance und nutzte sie.

Alle Umfragen prognostizierten einen deutlichen Vorsprung des Unions-Kandidaten Edmund Stoiber von der CSU.

Doch dann gab es im August das Elbe-Hochwasser, eine Jahrhundertflut

Und alles änderte sich, weil Schröder diesen unglaublichen Machtinstinkt hat.

Viele von Ihnen werden sich noch erinnern: der Bundeskanzler kurz vor der Bundestagswahl mit Gummistiefeln und Regenjacke der Bundespolizei im Katastrophengebiet rund um Grimma.

Der Macher, der da ist, wenn seine Leute in Not sind. Der Hilfe zusagt, Hände schüttelt, Zuversicht verbreitet. Niemand werde allein gelassen mit seinen Nöten. Schröder versprach unbürokratische Unterstützung und verschob geplante Steuersenkungen, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Seine Entschlossenheit steigerte seine Popularitätswerte massiv und spülte ihn später erneut ins Kanzleramt.

Und Edmund Stoiber? Der war in Urlaub und maulte von dort aus über all das, was Schröder angeblich falsch mache. Das kommt nicht gut an beim Wahlvolk.

Man könnt noch viel erzählen zu diesem Thema. Über Helmut Kohl etwa, der zwar den Fall der Mauer nicht ausgelöst hat, aber als sie dann fiel und der „Mantel der Ge’chichte“ wehte, beherzt zugriff, seine Polen-Reise sofort abbrach, um nach Berlin zu eilen. Und dann wagte er es auch noch – unerhört – abends mit seiner ersten Frau Hannelore einen Zehn-Punkte-Plan zur Einheit zu verfassen, ohne den Koalitionspartner oder andere Staatschefs zu fragen. Er machte es einfach, und das lieben die Leute.

Natürlich gibt es auch Negativbeispiele, etwa den CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der wie der sichere nächste Bundeskanzler aussah, bevor erneut eine Flutkatastrophe, dieses Mal im Ahrtal, über die Menschen hereinbrach.

Zwar reiste Laschet hin, war ja auch nicht weit von seiner Heimatstadt Aachen entfernt, aber dann lachte er im Hintergrund fröhlich über den Scherz eines Parteikollegen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorne vor Fernsehkameras den Opfern der Hochwasserkatastrophe mit ernster Miene sein Mitgefühl aussprach.

So etwas fangen Sie nie wieder ein. In diesen fünf Sekunden hat Laschet die Bundestagswahl verloren, da können sie Reden halten und Plakate kleben, so viel sie wollen.

Damit kommen wir zu Berlins sogenanntem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner

Der ist auch von der CDU und beherrscht den Umgang mit den Menschen ganz offensichtlich auch nicht, wie wir am Wochenende in Zehlendorf erleben konnten.

Im Berliner Südwesten haben linksradikale Vollpfosten mit einem Anschlag 45.000 Haushalte vom Strom abgeschnitten. Dummes Pack, das Revolution auf Kosten frierender Menschen spielt. Es lohnt sich nicht über deren Beweggründe und „Erklärungen“ auch nur ein Wort zu verlieren. Finden, festnehmen, einsperren!

Aber da ist jetzt eine dramatische Situation in Berlin, und man fragt sich, wo ist eigentlich der Regierende?

Erstmal wäre es seine Pflicht, in Zeiten der Not für seine Bürger sichtbar zu sein. Und dann – für Politiker nicht ganz unwichtig – findet am 20. September eine Abgeordnetenhauswahl in Berlin statt.

Der linksterroristische Anschlag auf Kabel an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde sorgte seit dem frühen Samstagmorgen für den Stromausfall, von dem 45.000 Haushalte, aber auch mehr als 2200 Unternehmen waren direkt betroffen. (Inzwischen konnten 14.000 Haushalte und 500 Gewerbekunden wieder angeschlossen werden, teilt Stromnetz Berlin vorhin mit)

Aber die Wut über das Versagen des Regierenden Bürgermeisters ist groß

Denn der war am Samstag nicht vor Ort zu sehen, er war nicht bei den Menschen, die in ihren Wohnungen in der Kälte saßen, kein Licht hatten und kein warmes Essen. AfD-Politiker kochten nebenbei ihr trübes Süppchen und brachten angebliche Zusammenhänge zwischen Berlinern in Not und Notstromaggregaten, die in die Ukraine geliefert würden, in Umlauf. Populismus der übelsten Art, aber den Kreml freut’s bestimmt…

Zurück zu Wegner: Der trat dann Sonntag vor die Kameras und machte – wie ich finde – alles noch schlimmer.

Er sei nicht untätig gewesen, habe im Büro gesessen, das zweifellos gut beheizt war, und ganz doll viel telefoniert, um Hilfe zu organisieren. An der ersten Sitzung des Krisenstabes hat er aber angeblich auch nicht teilgenommen, weil er noch in Urlaub war, wird im Netz kolportiert. Ob das stimmt, kann ich jetzt (noch) nicht sicher behaupten.

Aber die Not der Menschen und die – in Berlin wundert das niemanden – lahmarschige Politik macht die Leute wütend, wie lange nicht mehr.

Zwei alte Leute mit Pflegegrad 4 und 5 hätten die Nacht in einer Turnhalle verbringen müssen, berichtet die „Welt“ heute Morgen. Und auf X ist ein wütender Mann im Video zu sehen, der Wegner direkt vorwirft, sich nicht genügend um eine ausreichende Notversorgung zu kümmern. „Sie haben ein Haus. Das hier sind alte Menschen. Das ist nur widerlich“, schimpft der Mann. Und: „Das ist doch unfassbar. Was ist los in dieser Stadt, Herr Bürgermeister?“ „Wieso schläft ein Mann eine Nacht in dieser Halle, der hat einen hohen Pflegegrad (…) Ich habe so einen Hals, wie man hier mit alten Menschen umgeht.“

CDU-„Stadtoberhaupt“ Wegner zeigt Verständnis und entblödet sich nicht, vor laufenden Kameras zu sagen: „Wer möchte das schon gern, bei diesen Temperaturen ohne Wärme, ohne Strom zu sein?“

Ja, und wer möchte schon gern solch einen empathielosen Mann weiter an der Spitze der deutschen Hauptstadt haben?

Ich heiße Kelle und nicht Nostradamus, wie Sie wissen. Aber ich sage Ihnen voraus: Kai Wegner wird im September abgewählt. Und das ist auch richtig so. Selbst schuld.

Und als Mann vom Fach mit viel Erfahrung in Sachen politischer Kommunikation frage ich mich ernsthaft, was all die Berater und PR-Experten und Pressefuzzis rund um unsere Top-Politiker beruflich machen. Ihren Job jedenfalls nicht.




Steven King für ganz Arme…wirrer ARD-„Tatort“ – und niemand findet einen Lichtschalter

Ich schaue seit vielen Jahren den ARD-„Tatort“, wenn überhaupt mal, dann nur noch aus Versehen. Das war mal ganz anders früher, da war Sonntag um 20.15 Uhr fast eine „heilige Pflicht“. Man kannte die Fernseh-Kommissare wie eigene Familienmitglieder, man wurde meistens bestens unterhalten, und – vor allem – die meisten Folgen spielten sich in der realen Welt ab. Mit Handlungen, die man dem Genre „Krimi“ gedanklich zuordnen konnte.

Das ist seit Jahren vorbei

Irgendwann hatte ich, hatten wir, keine Lust mehr auf die Volkserziehungskrimis des Staatsfunks, wo schnell klar war, dass der Täter auf jeden Fall der Unternehmer oder sein gieriger kokainabhängiger Sohn, aber quasi nie der Migrant war. Und es wurde nicht bei einem Banküberfall oder aus Leidenschaft gemordet, sondern es war irgendwas mit trans- oder homosexuellen Menschen, die ihre sexuellen Präferenzen verheimlichen  mussten, weil der katholische Pfarrer im Ort sonst blablabla…Sie wissen, was ich meine! Nicht sachgerecht entsorgter klimaschädlicher Sondermüll oder Flüchtlinge, die sich verstecken müssen, weil der böse tätowierte rechte Kahlkopf abend vor dem Haus auftaucht.

Man kann das alles machen, wirklich. Künstlerische Freiheit und so. Aber wenn Sie nur noch diese Dauerberieselung erfahren, reicht es irgendwann, oder?

Gestern Abend war es mal wieder so weit

Sonntagabend, Langeweile, Netflix wenig überzeugend, warum also nicht? Mal wieder Tatort gucken.

Ich nehme es vorweg: Es war der idiotischste und zugleich langweiligste Fernsehkrimi, den man sich überhaupt nur vorstellen kann.

Und ich hätte es ahnen müssen

„Schwarzwald-Krimi“ – wie das schon klingt. Vor allem, wenn man die Region und die Mentalität da unten kennt. „Kommissarin“ Franziska Tobler und  Kollege Friedemann Berg auf Verbrecherjagd. Da braucht man keine Schlaftablette mehr.

Alles drehte sich um ein Märchen, im Tatort „Das jüngste Geißlein“, frei nach dem „Wolf und die sieben Geißlein“ der Gebrüder Grimm.

Friedemann Berg findet, eigentlich zur Zeit nicht im Dienst, ein ängstliches Mädchen, versteckt im Inneren einer Standuhr… so begann es, und mehr will ich auch nicht erzählen, weil es so unglaublich belanglos ist, wie deutsche Fernsehkrimis eben sein müssen.

Das kleine Mädchen ist jedenfalls traumatisiert und sein Stiefvater ist irgendwann erstochen worden, und dann ist auch die Mutter irgendwie tot. Alles völlig wirres Zeugs.

Und natürlich – Sie kennen das aus der Ukraine – es gab eine Vorgeschichte und einen richtigen Vater und Musikkassetten mit Märchen.

Und dann fiel der Kommissarin die Kaffeetasse aus der Hand und die Kollegen sind misstrauisch gegen den anderen Kommissar, und der ist aber der einzige, mit dem das Mädchen reden will, weil er ihr mal „Frère Jacques“ auf Deutsch vorgesungen hat. Das kannte sie aber schon, nur auf Rumänisch, was wir erst am Ende erfahren.

Können Sie mir noch folgen?

Immer ist irgendein Problem, und immer ist es dunkel im Haus, fast durchgehend. Das Mädchen ist im Haus, die Kommissarin dann auch, ihr Kollege und zwei uniformierte Beamte durchsuchen das dunkle Haus. Und niemand kommt auf den Gedanken, einfach mal das Licht anzuschalten. Und nein, es spielt nicht in Zehlendorf gestern Abend, sondern im Schwarzwald.

Effekthascherei und Gaga-Handlung, Spannung null, Witz null und Erotik gibt es in der ARD sowieso nicht.

Mein Tatort-Erlebnis gestern Abend reicht erst mal wieder für ein, zwei Jahre…

Und bitte: Zahlen Sie Ihre Gebühren pünktlich! Sonst bekommen Sie echt Ärger…




Blackout im Berliner Südwesten: Linksterroristen bekennen sich zum Anschlag – 45000 Wohnungen weiter ohne Strom

Die linksextreme Berliner „Vulkangruppe“ hat sich zum Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten bekannt. In ihrem Bekennerschreiben sprechen sie von einer „gemeinwohlorientierten Aktion“, wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet. Die Terrororganisation ist den Sicherheitsbehörden bestens bekannt, denn der aktuelle Anschlag – noch immer sind 45.000 Haushalte im Großraum Zehlendorf ohne Strom – ist nur der aktuelle Fall in einer Reihe ähnlicher Verbrechen.

So bekannten sich die Linksterroristen vorher schon zu den Angriffen 2021 und 2024 auf die Stromversorgung der „Tesla-Gigafactory“ im brandenburgischen Grünheide. Und im Mai 2025 legte die „Vulkangruppe“ an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage im Berliner Stadtteil Dahlem Feuer. Das damalige Bekennerschreiben war mit „Villenviertel lahmlegen“ überschrieben. „Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten“, heißt es im damaligen Text.

Der Berliner Verfassungsschutz analysiert, die Sabotageakte der „Vulkangruppe“ hätten das Ziel, „die Verwundbarkeit der urbanen Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur zu offenbaren und die öffentliche Ordnung zu stören“.

So deute ein Strategiepapier der Terrororganisation aus dem Jahr 2015 auf eine feste Organisationsstruktur hin. Danach gebe es Hinweise, dass die „Vulkangruppe“ dem anarchistischen Spektrum in Berlin zuzuordnen sei.

„Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft. Bei den weniger wohlhabenden Menschen im Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen.“

Na, dann ist ja alles gut, oder?

Das wird die Menschen, die in großen Teilen noch bis Donnerstag frieren oder ihr Wohnungen verlassen mussten, ja beruhigen.

Ich meine, Zyniker könnten sagen: Selbst schuld, wenn eine Stadt seit vielen Jahren linksextreme Biotope nicht nur zulässt, sondern auch aktiv fördert. Der CDU-geführte Senat von Kai Wegner ist da leider keine Ausnahme.

Der Anschlag wurde am Samstag auf eine Kabelbrücke über den Teltow-Kanal verübt. Betroffen waren die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern werde.

Am 9. September des vergangenen Jahres kam es ebenfalls zu einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, durch den rund 50.000 Haushalte im Südosten der Stadt (Köpenick und Adlershof) zeitweise ohne Strom waren.
Die Reparaturarbeiten an den beschädigten Kabeln dauern bis heute an. Urheber sollen ebenfalls die Linksterroristen der „Vulkangruppe“ sein, zumindest deuten Erkenntnisse der Ermittler vom LKA darauf hin. Wie ich Berlin kenne, wird jetzt erstmal der Kampf gegen rechts intensiviert…




Die Silvesternacht 2016 und das skandalöse Versagen des medialen Mainstreams sind nicht vergessen

Als ich gestern vor zehn Jahren in der Küche einen Filterkaffee aufbrühte und mich anschließend an den PC setzte, um die morgendliche Nachrichtenlage zu checken, wusste ich noch nicht, was für ein ungewöhnlicher Tag in meinem Journalistenleben das werden würde. Ich betrieb damals ein kleines Nachrichtenportal namens „NRWjetzt“ mit wenig mehr als 3000 Aufrufen am Tag, also jetzt nicht gerade die BILD-Zeitung.

Ich schaute online, was da so berichtet wurde in der Neuen Westfälischen(Bielefeld), der Münsteraner Zeitung und dem Kölner Stadt-Anzeiger über die Silvesterfeierlichkeiten überall. Und alles schien fein zu sein, Silvesternacht eben – Feuerwerk, Saufen, ein paar Schlägereien. Ich erinnere mich sogar noch, dass ein FAX von der Pressestelle der Kölner Polizei in meiner Redaktion ankam, wo man mitteilte, was für eine fröhliche und wunderbare Silvesternacht die Domstadt erlebt habe. Zitat: „weitgehend friedlich“.

Doch die Silvesternacht in Köln und – wie sich später herausstellte – in Hamburg, Berlin, Bielefeld und anderswo auch – war alles andere als friedlich gewesen.

Irgendwann am Vormittag schrieben mir Facebook-Freunde und fragten, ob ich schon gehört habe, was in Köln losgewesen sei. Und ich antwortete: Nichts war los.
Aber von Minute zu Minute verdichtete sich die Indizienlage, dass in Köln Empörendes geschehen war.
Auf dem großen Platz vor und im Hauptbahnhof waren geschätzt 1500 „junge Männer“, Migranten größtenteils auf Nordafrika, in Horden unterwegs und begrabschten, belästigten und beklauten Frauen. „Die waren mit ihren Händen wirklich überall. So etwas habe ich noch nie erlebt“, zitierte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine 22-Jährige, die es miterlebt hatte, Aber die Zeitung berichtete nicht am 1. Januar, sondern erst ab dem 4. Januar, was tatsächlich passiert war.

Sie erinnern sich: Es war die Zeit von „Refugees welcome“

Und ich bin nicht so vermessen zu denken, ich hätte mehr gewusst als die Kollegen von WDR, Kölnischer Rundschau und Express. Sie wagten nur nicht, das Offensichtliche zu berichten. Wie auch BILD, ARD, RTL nicht. Einfach niemand.

Und ich werfe das auch niemandem vor, der da als Jungredakteur in seinem Büro sitzt zum Beispiel bei der BILD, für die ich vorher gearbeitet hatte, und die „Arschkarte“ für den Frühdienst am Neujahrsmorgen gezogen hatte.

„Refugees welcome“ – das war im September 2015 eine BILD-Zeile, von Kai Diekmann selbst erfunden, soweit ich weiß. BILD unterstützte anfangs die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorangetriebene Aufnahme der Flüchtlinge aus aller Welt. Und dann sitzt da ein junger Mann allein in der Redaktion, sein Boss ist noch im Skiurlaub und nicht erreichbar, und muss entscheiden, was berichtet wird. Nicht leicht, das können Sie mir glauben! Da kann so in schöner Job auch mal schnell weg sein…

Als mir jedenfalls damals Handyvideos aus dem hysterischen Gekreische und Gedränge im Kölner Hauptbhnhof geschickt wurden, war mir klar, dass da etwas Großes passiert. Und ich dachte: Jetzt müssen doch die großen Medien einsteigen.
Aber es geschah nichts
Null. Irgendwann am Nachmittag gab es eine 15-Zeilen-Meldung, ich glaube in der „Kölnischen Rundschau“, es habe ein paar Übergriffe von „jungen Männern“ gegeben. Das war alles. Niemand verwendete das Wort Flüchtling, niemand beschrieb das Ausmaß der Ausschreitungen.
Was soll ich sagen? Irgendwann gegen Mittag wagte ich es dann zu veröffentlichen, was ich wusste. Die Täter waren sogenannte „Flüchtlinge“.

„Ich habe es leider auch genau so erlebt und mir steigen bei deinen Worten schon wieder die Tränen in die Augen! Das was ich gestern erlebt habe, hat mich ehrlich schockiert. Man kam nicht vor und nicht zurück und konnte auch nicht ausmachen, wer es war. (….) Leider wird damit alles in Frage gestellt, alle Hilfesuchende in Verruf gebracht“
schriebt eine „Andrea“ später. Eine andere: „Als wir um Hilfe gerufen haben, haben sie gelacht.“ In einer Facebook-Gruppe aus Köln berichteten immer mehr Augenzeugen: „Also ich war gestern auch dort und es war eine Katastrophe. Fleischbeschau, man konnte nirgends hinsehen weil man angegafft und angequatscht wurde.“

Als jemand in dieser Facebook-Gruppe schrieb, die Täter seien überwiegend „Araber“ gewesen, wurde – kein Witz – die ganze Gruppe gelöscht.

Am 2. Januar wagt es dann mit dem „Focus“ als erstes großes Medium in Deutschland, zu berichten, was passiert war. Beim WDR, von dessen Zentrale aus man in Köln direkt auf den Bahnhofsvorplatz schauen kann, kein Wort, was wirklich passiert war. Erst am 4. Januar, als der Kölner Polizeipräsident eine Pressekonferenz veranstaltete und danach zurücktrat, brachen medial alle Dämme.

Vorher herrschte ein Komplettversagen des deutschen Journalismus
Und auch der Politik. Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) war jedenfalls bis zum 4. Januar nicht zu erreichen.

Mein Artikel auf dem kleinen NRW-Portal verzeichnete an diesem Tag 65.000 Aufrufe, ein für uns nicht zu träumen gewagter Erfolg. Als wir am nächsten Tag in einem weiteren Stück die Frage aufwarfen, wo eigentlich die Feminismus-Industrie heute sei, die mit Schwarzers Magazin „Emma“ ja ihren Sitz in Köln hat, riefen 350.000 Leser diesen Beitrag auf in ganz Deutschland.

Journalismus ist das Abbilden der Realität, nicht das Bewerten und nicht das Unterdrücken von Wirklichkeit. Ich bin da vielleicht ein wenig altmodisch…bis heute.




Lernen aus Le Bons Meisterwerk „Psychologie der Massen“: Wir müssen aufhören, über jedes digitale Stöckchen zu springen, das man uns hinhält

In einer Zeit, in der das Smartphone unser Tor zur digitalen Welt geworden ist, die uns sekündlich mit den globalen Erregungskurven konfrontiert, wirkt Gustave Le Bons Buch von der „Psychologie der Massen“ aus dem Jahr 1895 wie eine Prophezeiung, die heute ihre schärfste Form vermutlich in dieser Zeit und in diesem Land erreicht hat.

Wir blicken oft mitleidig auf die 30er Jahre in Deutschland zurück und fragen uns, wie eine ganze Gesellschaft so kollektiv den Kompass verlieren konnte.

Wir wiegen uns in der bürgerlichen Sicherheit, dass Bildung, Aufklärung, eine wenigstens rudimentäre christliche inspirierte Erziehung und inzwischen sogar das Internet uns immun machen könnte gegen allerlei wahnsinnige Verführungen. Wie konnten die nur so blöde sein, fragen wir uns dann, wenn wir auf „Phoenix“ eine Dokumentation sehen, die uns ekstatische Österreicher bei der Ankunft „des Führers“ an der Wiener Hofburg im März 1938 zeigen. Was hat man denen vorher ins Trinkwasser geschüttet, so fragt man sich dann unwillkürlich, wenn man den Irrsinn betrachtet.

Doch die Wirkung der Masse auf das Individuum hat noch immer nach dem gleichen Muster funktioniert.

Wenn Sie schon mal in ausverkauften großen Fußballstadien waren, wissen Sie, was ich meine. Oder wenn einst bei Konzerten von Michael Jackson oder auch den „Backstreet Boys“ ohnmächtige Kids zuhauf aus der Menge gezogen wurden von Ordnern und Sanitätern, lange bevor die Popidole überhaupt auf der Bühne angekommen waren – es funktioniert immer auf die gleiche Art und Weise.

Le Bons zentrale These ist schlicht und beängstigend

Sobald der Einzelne Teil einer Masse wird, sinkt sein intellektuelles Niveau. Punkt.

Das Individuum, der Einzelne, gibt seine kritische Urteilskraft an der Garderobe des Kollektivs ab und tauscht sie gegen die Wärme der Zugehörigkeit in der Menge und die Wucht der einfachen Parole ein.

In der Masse, so behauptet Le Bon, ist der Mensch nicht mehr fähig zu logischen Schlussfolgerungen; er denkt in Bildern, in Affekten und in absoluten Wahrheiten. Was Le Bon im 19. Jahrhundert an physischen Menschenansammlungen auf den Boulevards von Paris beobachtete, erleben wir heute als eine digitale Ansteckung.

Die sozialen Medien wirken dabei als Brandbeschleuniger. Ein Tweet, ein kurzes TikTok-Video oder eine aus dem Kontext gerissene Schlagzeile lösen beim Einzelnen eine Erregung aus, die keine sachliche Prüfung des Themas mehr zulässt.

Die deutsche Aufregungsgesellschaft ist heute genauso leicht zu lenken wie früher

Das ist die ernüchternde, ja erschreckende Wahrheit. Die Ränder des politischen Spektrums, ob links oder rechts, beherrschen die Klaviatur der Massenpsychologie meisterhaft. Sie arbeiten mit dem, was Le Bon „Prestige“ nennt – einer aura-artigen Autorität, die keinen Widerspruch duldet.

Wenn die radikale Rechte heute von „Widerstand“ spricht und gleichzeitig einem autoritären Führer in Russland huldigt, ist das ein logischer Widerspruch, der jedoch in der Logik der Masse überhaupt keine Rolle spielt.

Die Masse hungert nicht nach Logik, sondern nach Identität und Feindbildern. Sie will das Selbstbestimmungsrecht der Völker predigen und es im nächsten Moment opfern, wenn es der eigenen Erzählung vom „er konnte ja nicht anders“ dient.

Das können Sie besonders beim Umgang mit dem ukrainischen Präsident Selenskyj in den Putin-freundlichen Milieus rechts und links erkennen.

Gebt den Leuten nur ein Feindbild, und zwei Drittel marschieren sofort los

Oder, wie Kriegsphilosophen empfehlen: „First take out the Leader“. Das ist der halbe Sieg. Deshalb setzen die hybriden Angriffe aus St. Petersburg und ihre Hilfstruppen in Deutschland genau dort an, bei dem tapferen Anführer in Kiew.

Was über Selenskyj im Netz, auf Telegram und auf TikTok geteilt und verbreitet wird, ist in den meisten Fällen dermaßen grotesk, dass ich oft spontan lachen muss, wenn ich wieder irgendeine neue „Enthüllung“ über den Mann lese oder anschaue. Etwa, dass er über eine Mailänder Anwaltskanzlei, die ihm gehören soll, das Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg gekauft habe. Das ist zwar frei erfunden, aber sie schauen es zu Hunderttausenden an und – schlimmer noch – sie glauben den Schmonzes.

Oder, noch dümmer, mitten im Krieg habe Selenskyj ein Spielcasino auf Zypern für 60 Millionen Euro erworben, natürlich mit abgezweigtem deutschen Steuergeld.

Sie lesen das, und müssen spontan loslachen 

Aber eine Masse Mensch, die solche Schauergeschichten aus der St. Petersburger Trollfabrik unbedingt glauben will, ist für rationale Argumente heute gar nicht mehr erreichbar.

Hier zeigt sich auch die gefährliche Parallele zu den 1930er Jahren der Weimarer Republik: Viele Menschen empfinden eine tiefe Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer immer komplexeren Welt.

Damals war es das Radio und die Masseninszenierung auf dem Marktplatz; heute ist es der Algorithmus, der uns in Echokammern einpfercht, bis wir glauben, unsere kleine, laute Gruppe sei „das Volk“.

In der Logik der Aufregungsgesellschaft gilt Sachlichkeit heute als mangelnde Leidenschaft.

Wer differenziert, wer das „Einerseits-Andererseits“ versucht, wird zwischen den mahlenden Steinen der Ideologen zerrieben.

Die „Psychologie der Massen“ lehrt uns, dass die Zivilisation oft eine sehr dünne Decke ist, die jederzeit reißen kann, wenn die „Führer“ der Masse die richtigen Knöpfe drücken.

Für uns Deutsche ist das eine paradoxe Angelegenheit heutzutage. Während wir technisch im 21. Jahrhundert leben, sind unsere emotionalen Reaktionsmuster oft noch immer auf dem Stand der 30er Jahre – impulsiv, unversöhnlich und sehnsüchtig nach der starken Hand, die das Chaos ordnet.

Ruhiges Abwägen der vorgetragenen Argumente, andere Meinungen auch auszuhalten und standhaft zu bleiben, auch wenn man damit mal in der Minderheit ist, sowas wäre wie ein Immunsystem gegen das, was wir in unserem Land gerade erleben.

Erst wenn wir aufhören, über jedes digitale Stöckchen zu springen, das man uns hinhält, entziehen wir der toxischen Massenpsychologie die Energie.

Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich nicht nur an der Wahlurne, sondern auch in der täglichen persönlichen Entscheidung, kein Rädchen im Getriebe der kollektiven Erregung zu sein, sondern sich die Zeit zu nehmen, zu prüfen und abzuwägen, was Wahrheit und was Fiktion ist.

Wie konnte das damals passieren, fragen Sie?

Genau so, weil man sich damals von der gesteuerten Erregung genauso hat treiben lassen, wie das heute auch wieder versucht wird.




Die stille Rebellion: Warum Bürgerlichkeit das radikalste Projekt unserer Zeit werden könnte

In einer Welt, die jeden Tag ein Stück schriller, lauter und impulsiver wird, in der Algorithmen die Empörung bewirtschaften und die radikale Rhetorik das Samtschwert des Arguments durch den Vorschlaghammer des Ressentiments ersetzt, wirkt ein Begriff seltsam aus der Zeit gefallen: Bürgerlichkeit.

Wer heute von Form, Anstand und Sachlichkeit spricht, erntet oft ein müdes Lächeln oder wird als Ewiggestriger oder schlimmer abgestempelt.

In der hitzigen gesellschaftlichen Debatte um den NATO-Doppelbeschluss griff der frühere SPD-Politiker Oskar Lafontaine seinen Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview mit dem stern massiv öffentlich an. Schmidt spreche weiter von Pflichtgefühl Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das aber seien „Sekundärtugenden“, mit denen man auch ein KZ betreiben könne.

Doch bei genauerer Betrachtung ist das Festhalten an diesen Werten und Begriffen heute kein Eskapismus in eine vermeintlich heile Welt von gestern. Es ist ein Akt der Rebellion, vielleicht sogar die letzte verbliebene Form des intellektuellen Widerstands gegen den kollektiven Kontrollverlust.

Ich kenne zwei junge Musiker, die sehr erfolgreich mit christlicher Rap-Musik sind und die manchmal vor Zehntausend tanzenden Teenies auftreten und bei Spotifi amerikanische Rap-Größen mühelos bei den Klickzahlen überholen. Die beiden Jungs („O’Bros“) sind nicht nur sympathisch und musikalische Supertalente, sie sind auch klug. „Eigentlich machen wir doch das, was Rap ausdrücken sollte“, sagte mir einer der Beiden mal, als wir uns in Augsburg zufällig trafen.

Rap-Musik ist in seinem Ursprung Ausdruck einer Kultur des Dagegen-seins, eine Rebellion gegen „das System“, aber auch gegen den gesellschaftlichen Mainstream. „Fast alle Rapper singen das Gleiche, ey, yo, Motherfucker, Bullen, Sex Drogen Gewalt“, erklärt er mir weiter. Nichts mehr von weg vom Mainstream, von Ausbrechen, alles immer das gleiche dem Zeitgeist angepasste langweilige Zeugs.“

Und ich finde, da ist verdammt viel dran

So wie auch der einstige TV-Late Night-Talker Harald Schmidt recht hat, der mal in einem Interview sagte, es sei ja leicht und gefahrlos, Witze über die katholische Kirche zu machen. Die intellektuelle Avantgarde aber müsse sich in solchen Zeiten gerade auf die Seite des Papstes stellen. Das ist verdammt revolutionäres Denken.

Heute bürgerlich zu sein, das wird oft missverstanden. Es ist nicht die Farbe der Gardinen oder das Bausparkonto oder Gartenzwerge auf dem Rasen.

Wahre Bürgerlichkeit ist eine innere Architektur

Sie ist die Fähigkeit, Distanz zu den eigenen Impulsen zu wahren und die Welt nicht als Schauplatz der eigenen Selbstverwirklichung, sondern als einen Raum der Mitverantwortung zu begreifen.

Es ist gewissermaßen die Haltung des „Citoyens“, der weiß, dass Freiheit keine freundliche Gabe eines mildtätigen Staates ist, sondern Freiheit ist erst einmal da.
Oft musste sie mühsam erkämpft werden. In unserer heute hektischen Zeit, in der das „Ich“ alles und das „Wir“ nur noch ein Kampfbegriff ist, wirkt bürgerliche Selbstbescheidung geradezu radikal.

Welche Partei in Deutschland steht heute noch für Bürgerlichkeit, fragte ich vorhin meine KI

Und sie bot mir die CDU, die WerteUnion und die Freien Wähler als Antwort an.

Aber das stimmt nicht.

Auch die alte SPD, die wohlstandverwahrlosten Grünen und – manche erinnern sich – die FDP stehen in großen Teilen für Bürgerlichkeit.

Meine erste große Liebe in der Schule war eine schönes 16-jähriges Mädchen aus einem, ich sage es mal salopp, SPD-Haushalt. Ihre Eltern, unglaublich liebenswerte Menschen, waren SPD-Genossen, sie waren im Sportverein dort in dem Ort aktiv, am Samstag guckte man Fußball in der ARD-„Sportschau“, dann wurde gegrillt und Herforder Pils getrunken, oft kamen Freunde und Nachbarn einfach dazu.
Wer würde diesen Menschen absprechen, dass sie zutiefst bürgerlich sind, auch wenn nicht in der CDU?

Bei der Bewertung der Bürgerlichkeit der politischen Flügelstürmer in Deutschland, ist es zumindest auf der Linken einfach

Die radikale Linke diskreditiert das Bürgerliche oft als bloßes Herrschaftsinstrument.

Wenn Identität über Leistung gestellt wird und die Sprache nicht mehr dem Austausch von Argumenten, sondern der moralischen Erziehung dient, wird das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft untergraben. Das war ja die Idee der Aufklärung.

Bürgerlichkeit bedeutet eben, den anderen als ebenbürtiges Individuum zu betrachten, nicht als Repräsentanten einer Gruppe oder „Klasse“. Sie verlangt den Mut zur Sachlichkeit, auch wenn das Gefühl nach lauter Empörung schreit.

Auf der anderen Seite, also der AfD, ist das Maß an Bürgerlichkeit noch nicht final zu bewerten.

Natürlich gibt es den zutiefst bürgerlichen Kern an der Basis der Partei. Unübersehbar, jeder weiß das, der AfD-Leute in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis hat.

Aber die Partei hat es bisher nicht geschafft, auch nicht gewollt, die klare Trennlinie zu ziehen zwischen dem im Grunde bürgerlichen Geist der Partei und der radikalen Rechten dort. Die bezeichnen sich zwar auch gern als bürgerlich, aber entkernen den Begriff im gleichen Atemzug schon wieder. Da könnte ich viele Beispiele aus eigenem Erleben hier anführen.

Bürgerlichkeit ist untrennbar mit der Souveränität des Individuums und der Loyalität zum Rechtsstaat verbunden.

Wer jedoch im Namen der Heimat auf das Scheitern der Fußball-Nationalmannschaft hofft, weil ihm die Hautfarbe der Spieler (Nachbar Boateng) oder deren Gesinnung (Regenbogen-Binde) nicht gefällt, wer jahrelang für die Wiedereinführung der Wehrpflicht und starke deutsche Streitkräfte streitet, und das dann aufgibt, weil man Herrn Putin in Moskau nicht beunruhigen will, der ist nicht bürgerlich und übrigens auch nicht patriotisch. Bürgerliche und Patrioten stehen IMMER zu ihrem Vaterland.

Vielleicht wirkt Bürgerlichkeit auf viele Menschen so „langweilig“, weil sie keine einfachen Heilsversprechen bietet.

Bürgerlichkeit ist anspruchsvoll

Sie ist tolerant, sie hält die Komplexität der Welt aus, ohne in Zynismus zu verfallen oder einfachen „Lösungen“ hinterherzulaufen. Sie ist der Versuch, im Sturm nicht mitzuschreien, sondern den Deich zu verstärken.
Bürgerlich zu sein heißt heute: den Laden zusammenzuhalten, wenn alle anderen ihn anzünden wollen. Das gab es schon einmal in den 30er Jahren in Deutschland. Damals versagte das Bürgertum komplett. Wir alle sollten die Fehler von damals nicht noch einmal machen…




Die dunkle Seite der Sicherheit: Wie Jack Bauer und Carrie Mathison unser Rechtsverständnis herausforderten

Ich habe die Dezember-Abende genutzt, mir noch einmal die Staffeln der US-Serie „Homeland“ anzuschauen. Da geht es – natürlich – um die Nationale Sicherheit der USA, die unbedingt geschützt werden muss – in diesem Fall von der famosen Claire Danes in der Hauptrolle als CIA-Agentin Carrie Mathison.

Atemberaubende Plots, Spannung und Ernsthaftigkeit in einer Zeit nach den Anschlägen von 9/11. Eine andere atemberaubende, wenn auch ganz anders angelegte Serie ist „24“, die mir mein Freund Ralf vor vielen Jahren empfahl, als es noch kein Netflix, dafür an jeder Ecke Videoshops gab. Als ich ihm sagte, ich hätte noch nie eine Folge von „24“ gesehen, das damals – glaub ich – auf ProSieben ausgestrahlt wurde, antwortete er spontan, ich solle ihm einfach vertrauen, in die nächste Videothek gehen und Geld ausgeben für die erste Staffel, damals auf DVD.

„Vertrau mir einfach!“ – was soll ich da machen, und Ralf, der mich seit Jugendzeiten wahrscheinlich besser kennt als jeder andere Mensch auf der Welt, hatte natürlich recht. Ich habe „24“ mit allen Sinnen verschlungen damals, die ersten fünf Staffeln habe ich über die Jahre bestimmt jede fünfmal komplett angeschaut. „Failure is not an Option“, so auch heute noch mein Lebensmotto.

Es war ein bizarrer Moment der Mediengeschichte, als im Jahr 2006 eine Delegation hochrangiger US-Militärs und Verhörspezialisten in den Produktionsbüros der Serie 24 in Los Angeles erschien. Ihr Anliegen war kein technisches, sondern ein moralisches: Sie baten die Produzenten, die Folterszenen der Hauptfigur Jack Bauer in den Filmen zu reduzieren.

Der Grund für den überraschenden Besuch hatte einen konkreten Hintergrund: Junge US-Soldaten im Irak und in Afghanistan begannen, die brutalen Methoden Bauers eins zu eins in die Realität zu übertragen. Wenn der Held im Fernsehen durch Schmerz in Sekunden an Informationen kam, warum sollte man sich dann im Feld an die komplizierte „Genfer Konvention“ halten?

Dieser Vorfall, der sich tatsächlich ereignet hat, markiert den Beginn einer gesellschaftlichen Debatte, die bis heute nachwirkt: Inwieweit darf ein Rechtsstaat seine eigenen Fundamente einreißen, um sein Überleben zu sichern? Die Serien 24 und Homeland wurden zu den wichtigsten Laboratorien für dieses ethische Experiment.

<strong>24: Das Diktat der tickenden Uhr</strong>

In 24 wurde ein Szenario zur moralischen Norm erhoben, das Juristen als „Ticking Time Bomb“ bezeichnen.

Prämisse: Eine Atombombe tickt im Herzen einer Stadt, tausende Leben sind in Gefahr, und ein Verdächtiger schweigt beharrlich. Ist Folter in diesem Fall legitim? Die Serie beantwortete dies durch alle Staffeln mit einem lauten und eindeutigen „Ja“.

Die Machart der Serie „24“ ist das sogenannte Echtzeitformat, die unerbittlich tickende Uhr. Die Bombe tickt, keine Zeit mehr zum Nachdenken oder um in Gesetzbüchern zu blättern.

Jack Bauer wurde damals zum Prototyp des „notwendigen Ungeheuers“. Er handelte außerhalb des Gesetzes, um das Gesetz zu retten. Die Serie suggerierte dabei zwei gefährliche Gedankenmodelle, die in die reale Politik einsickerten: Erstens, dass Folter verlässlich und sofort funktioniert. Zweitens, dass derjenige, der die Folter ausübt, ein tragischer Held ist, der die moralische Schuld für uns alle auf sich nimmt.

Rechtsphilosophisch ist das eine Katastrophe, denn ein Staat, der Folter zulässt, verliert seine moralische Überlegenheit gegenüber den Terroristen. Dennoch führten die Bilder von Jack Bauer dazu, dass in der Ära nach 9/11 die Akzeptanz für „verschärfte Verhörmethoden“ in der US-Bevölkerung signifikant stieg. Die Fiktion hatte die Hemmschwelle der Realität gesenkt.

<strong>Homeland: Die Erosion der Seele</strong>

Während 24 die Action feierte, blickte Homeland ab 2011 auf die Trümmer dieser Politik. Die Serie war ein Stück weit so etwas, wie das intellektuelle Korrektiv.

Hier hieß unsere (und meine persönliche) Heldin, Carrie Mathison, keine unbesiegbare Kampfmaschine, sondern eine psychisch labile Analystin. Homeland verlagerte die Frage der Legitimität vom physischen Schmerz hin zur moralischen Erosion staatlichen Handelns.

Hier wurde der „Krieg gegen den Terror“ als eine endlose Spirale aus Drohnenangriffen, Überwachung und Verrat dargestellt. Während Jack Bauer das Gesetz mit dem Messer brach, brach Carrie Mathison es mit dem Computer und der Drohne. Die Serie thematisierte die „gezielte Tötung“ – ein rechtsstaatliches Paradoxon. Wenn ein Staat Menschen auf Basis von Geheimdienstinformationen ohne Prozess per Knopfdruck liquidiert, verlässt er den Boden des Due Process (des ordentlichen Gerichtsverfahrens).

Homeland zeigte die Kosten: Jedes Kind, das durch einen „Kollateralschaden“ einer US-Drohne starb, wurde zum Rekrutierungswerkzeug für die nächste Generation von Terroristen. Die Serie stellte die unbequeme Frage: Wenn wir alle überwachen und jeden Verdächtigen aus der Luft eliminieren, welche Freiheit verteidigen wir dann eigentlich noch?

Der fundamentale Unterschied beider Serien, die ich Action-Fans und politisch interessierten Mitbürgern unbedingt empfehle, liegt in der Perspektive. 24 ist eine Serie der Bestätigung. Sie gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass es einfache, wenn auch schmutzige Lösungen für komplexe Probleme gibt. Sie ist ein Plädoyer für den Ausnahmezustand als Dauerzustand.

Homeland hingegen ist eine Serie der Zerrüttung. Sie zeigt, dass staatliches Handeln zur Terrorabwehr oft ein verzweifeltes Tasten im Dunkeln ist, das die Handelnden selbst zerstört. Carrie Mathison verliert ihre Familie, ihren Verstand und ihre Heimat an den Dienst – ein Symbol für den Staat, der sich im Kampf gegen den äußeren Feind innerlich selbst zerfrisst.

Der Rechtsstaat sollte sich aber dadurch auszeichnen, dass er auch im Angesicht der tödlichen Bedrohung nicht die Mittel seiner Feinde übernimmt.

<strong>Das klingt gut, oder?</strong>

Ist aber gar nicht so einfach, wenn Sie US-Präsident sind und ein entführtes Passagierflugzug ist unterwegs, um sich ins Capitol in Washington zu bohren. „24″ zeigte uns die Versuchung, diesen Pfad zu verlassen; „Homeland“ zeigte uns den Preis, den wir dann dafür zahlen.

Schön, in einem Staat zu leben, wo man sich über solche Themen Gedanken macht….