Bedingt abwehrbereit: In der Köpfen der Deutschen ist die „Zeitenwende“ noch Lichtjahre entfernt

Ehrlich gesagt, ich hätte niemals für möglich gehalten, dass ich noch einmal so viel über Rüstung, Militär und Verteidigungsbereitschaft schreiben müsste, wie es seit 2022 passiert. Wir alle hatten ja nach 1990 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes gedacht, nun sei „das Ende der Geschichte“ mit einem positiven Ausgang erreicht. Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama prägte den Begriff in einem Aufsatz 1989, der sogar noch vor dem Fall der Berliner Mauer in der Zeitschrift „The National Interest“ erschien.

Mit dem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Ostblocks stellte er die These auf, dass der jahrzehntelange Kampf der Ideologien endgültig beendet sei. Die liberale Demokratie westlicher Prägung und die Marktwirtschaft hätten sich nun als „die endgültige Form der menschlichen Regierung durchgesetzt“, behauptete er voller Kühnheit.

Wir alle sind heute schlauer

Der Kampf der Systeme tobt heute wilder als noch zu Zeiten der Sowjetunion und des Kalten Krieges. In ihrer Siegesbesoffenheit haben sich insbesondere in Europa und dann noch einmal schlimmer in Deutschland und Italien die Koordinaten verschoben.

Man vernachlässigte die nationale Sicherheit Deutschlands komplett, rüstete die Bundeswehr zu einer zahnlosen Operettenarmee herunter. Waffen und Kampfsysteme, Panzer und Flugzeuge – das war alles nicht mehr wichtig. Verteidigungsministerinnen schritten mit roten Pumps die Truppenparade ab, „Kampfanzüge“ für schwangere Soldatinnen wurden beschafft und Seminare für „sexuelle Vielfalt“ in der Truppe für die Rekruten veranstaltet. Alles nur noch ein großer Spaß, weil es kann ja nichts mehr passieren. Weil Deutschland und Europa – wir hatten ja angeblich nur noch Freunde überall.

Ministerinnen mit Regenbogenbinde über dem Jackett, Erdgas kaufen aus Russland und Autos verkaufen in China – darauf konzentrierte man sich. Wladimir Putin hat uns mit seinem brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine in die raue Realität dieser Welt zurückgerissen.

Der offenkundige Psychopath mit Minderwertigkeitskomplexen zeigt gleichzeitig, dass auch seine Möglichkeiten mehr als limitiert sind. Aber Moskau arbeitet daran und füllt seine Depots trotz des laufenden Krieges weiter auf. Für was?

Natürlich ist da etwas dran, wenn deutsche Talkshow-Helden spöttisch fragen, was Putin denn mit uns wolle, das sich hier zu erobern lohne.

Aber ich spreche nicht von einem physischen Angriff, von Panzern und Raketen, sondern von einem Europa, das von den Amerikanern verlassen und von der Russischen Föderation dominiert wird. Und das kann niemand wollen, der noch alle Tassen im Schrank hat. Tino Chrupalla wäre also raus.

Die NATO stellt sich seit zwei Jahren effektiv auf, pumpt Milliarden um Milliarden in die Rüstung und Modernisierung ihrer Streitkräfte. Und militärstrategisch ist die NATO stark – mit den USA oder ohne die USA. Für Russland reicht es konventionell immer. Aber Russland hat eben nicht nur alte Panzer und gute Hacker, sie haben auch ein paar Tausend nukleare Sprengköpfe. Ohne die Amis wäre Status heute dann Feierabend für uns.

Ich bin überzeugt, das wird nicht passieren

Denn die Amis sind ja nicht raus, sie blasen mit ihrem Präsidenten bloß gerade die Backen auf. Und sie haben mit ihrer Kritik an der Pussyfizierung der europäischen Streitkräfte ja auch recht. Aber: Nach Trump ist ohne Trump. Niemand weiß, wer in zwei Jahren US-Präsident wäre. Marco Rubio wäre mein Favorit, weil er weiß, dass die Zukunft im Westen liegt und nicht in Deals mit zweifelhaften Gestalten in Moskau, Teheran oder Peking. Außerdem könnte ich dann mein „Rubio 2016“-T-Shirt wieder häufiger öffentlich tragen. Vielleicht wird es ja aber auch wieder ein Demokrat, die ja den Gedanken vom alten Westen noch eher in der politischen DNA haben als die MAGA-Freunde.

Schauen wir mal, auf jeden Fall müssen Deutschland und Europa stark und auf alles vorbereitet sein. „Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit“, hieß vor Jahren mal ein Slogan der NATO. Den hatte ich in meinem Büro hängen mit einem NATO-Wimpel auf dem Schreibtisch. Denn das trifft es 100-prozentig.

Erst als wir Deutschen begannen, die äußere und innere Sicherheit nicht mehr ernst zu nehmen, haben uns die damals verantwortlichen Politiker in diese gefährliche Lage gebracht. Das betrifft übrigens auch unsere drei Nachrichtendienste, die von FDP – manche erinnern sich – und Grünen komplett entkernt wurden mit sogenannter Transparenz und übertriebenem Datenschutz und ätzender Bürokratisierung.

All das ändert sich gerade, und es ist auf einem guten Weg, nach allem, was ich von aktiven Soldaten der Bundeswehr höre.

Und Schweden und Finnland sind ein Riesengewinn für uns Europäer in Fragen der Sicherheit. Natürlich liegt es auch im deutschen Interesse, die Ukraine wirtschaftlich und militärisch zu unterstützen, um als Bollwerk gegen die imperialistischen Gelüste Putins zu bestehen. Niemals wieder darf Russland in eine Situation kommen, wo sie glauben, sie könnten gegen den Westen gewinnen.

Aber es gibt leider eine Kehrseite der Medaille

In der Debatte um die Sicherheit Europas reden wir fast ausschließlich über Panzerzahlen, Munitionsdepots und das Fünf-Prozent-Ziel der NATO. Aber was ist eigentlich mit unserer mentalen Bereitschaft, unsere Freiheit und unseren Wohlstand, unser Rechtssystem und unsere Familien im Ernstfall mit der Waffe in der Hand zu verteidigen?

Ich bin so erzogen worden, dass das eine Selbstverständlichkeit ist für jeden Patrioten.

Aber schauen Sie sich die deutsche Gesellschaft von heute an! Welche Unterwürflinge da unterwegs sind und behaupten, sie seien deutsche Patrioten, das ist atemberaubend.

Eine aktuelle, großangelegte Untersuchung des US-amerikanischen Foreign Policy Research Institute (FPRI) hat mehr als 31.000 Bürger aus den europäischen Mitgliedsstaaten der NATO zu ihrer persönlichen Motivation für einen Verteidigungskampf befragt.

„Would You Fight For Your Country? The Most and Least Willing Among NATO Allies“, ist das Papier überschrieben, das die psychologische und gesellschaftliche Basis der kollektiven Verteidigung analysiert.

Die Ergebnisse sind erschütternd

Methodisch unterscheidet die Studie zwischen der abstrakten Unterstützung für das NATO-Bündnis und der persönlichen Bereitschaft, „im Falle eines Krieges für das eigene Land zu kämpfen“. Die Forscher gehen davon aus, dass moderne Abschreckung nicht nur aus Hardware besteht, sondern aus der Glaubwürdigkeit, diese auch unter dem Risiko des eigenen Lebens einzusetzen.

Die Daten offenbaren eine tiefe geografische und kulturelle Kluft innerhalb der NATO. An der Spitze der Verteidigungsbereitschaft stehen Länder, die entweder eine unmittelbare Bedrohungswahrnehmung teilen oder eine tief verwurzelte Tradition des wehrhaften Patriotismus pflegen.

Die Türkei führt das Feld mit einer Kampfbereitschaft von 88 % einsam an. Dahinter folgen die neuen nordischen Mitglieder Schweden (66 %) und Finnland (64 %) sowie Griechenland (63 %). In diesen Staaten wird die Verteidigung des Territoriums als kollektive Bürgerpflicht verstanden, die eng mit der nationalen Identität verknüpft ist.

Am anderen Ende des Spektrums findet sich der „pazifistische Kern“ Westeuropas. Italien und die Slowakei bilden mit jeweils nur 25 % das Schlusslicht. Deutschland liegt mit 27 % nur knapp darüber. Dass weniger als jeder dritte Deutsche bereit wäre, das eigene Land mit der Waffe zu verteidigen, markiert einen historischen Tiefpunkt und steht in scharfem Kontrast zur proklamierten „Zeitenwende“.

Überraschend sind auch die Werte aus Nordamerika: In den USA (37 %) und Kanada (39 %) ist die Bereitschaft zum persönlichen Kampfeinsatz deutlich geringer, als es das weltpolitische Engagement dieser Mächte vermuten ließe.

Schlussfolgerungen für Deutschland: Die unvollendete Zeitenwende

Die Ergebnisse dieser Studie belegt, dass die von der Bundesregierung ausgerufene „Zeitenwende“ bisher ein rein fiskalisches und materielles Projekt geblieben ist. Zwar werden Sondervermögen für die Bundeswehr bereitgestellt, doch die gesellschaftliche Mentalität der Deutschen ist im „Post-Heroismus“ der vergangenen Jahrzehnte erstarrt.

Die Forscher des FPRI identifizieren das historische Erbe des Zweiten Weltkriegs als Hauptgrund für die deutsche Zurückhaltung.

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Die jahrzehntelange Erziehung zum Pazifismus und das Misstrauen gegenüber dem Militärischen haben eine Gesellschaft geformt, die Sicherheit als Dienstleistung betrachtet, die vom Staat (oder den USA) garantiert werden soll, ohne dass der Einzelne dafür ein persönliches Risiko eingeht. Ihr macht das schon…

Für die deutsche Politik bedeutet: Wenn die Bundeswehr wieder „kriegstüchtig“ werden soll, reicht es nicht aus, Panzer zu bestellen. Es bedarf einer gesellschaftlichen Debatte über den Wert der Freiheit und die Notwendigkeit, diese im Ernstfall aktiv zu schützen. Ohne eine Steigerung der Verteidigungsbereitschaft bleibt zumindest die deutsche Sicherheitspolitik ein Kartenhaus ohne Fundament.

Und es gibt noch einen Aspekt: Die Erosion des Artikels 5

Die NATO basiert auf dem Versprechen: „Einer für alle, alle für einen.“ Doch wenn die Bürger der finanzstärksten Mitgliedstaaten wie Deutschland oder Italien nicht bereit sind, ihr eigenes Land zu verteidigen, wie glaubwürdig ist dann das Versprechen, für die Freiheit Lettlands oder Polens zu kämpfen?

Wenn aber ein Aggressor wie Russland davon ausgeht, dass die westlichen Gesellschaften bei den ersten nennenswerten Verlusten den politischen Druck auf ihre Regierungen zum Rückzug erhöhen, verliert das Bündnis sein stärkstes Schwert.

Außerdem droht die NATO dann zu einer Zweiklassengesellschaft zu mutieren: Auf der einen Seite die „Frontstaaten“ im Osten und Norden, die hochgradig mobilisiert und wehrhaft sind, und auf der anderen Seite die bräsigen „Sicherheitskonsumenten“ im Westen, die sich auf ihrer geografischen Lage ausruhen. Dieses Ungleichgewicht gefährdet den Zusammenhalt des Bündnisses langfristig mehr als jede Pöbelei von jenseits des Atlantiks.




Halbtot an der „Kö“: Was passierte Hector L. in der Düsseldorfer Altstadt?

Hector L. war am Freitagabend in der Düsseldorfer Altstadt mit Freunden feiern. So viel weiß man sicher. Doch als seine Eltern am nächsten Morgen feststellten, dass der 27-Jährige nicht nach Hause gekommen ist, machten sie sich Sorgen und informierten die Polizei. Die stellte schnell fest, dass der junge Rheinberger mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus der Rhein-Metropole gebracht worden war und im Koma lag.

Zwei Passanten hatten Hector L. am Samstagmorgen zwischen zwei und drei Uhr auf Höhe der Hausnummer 21 an der Königsallee („Kö“) entdeckt und den Rettungsdienst verständigt. Die Verletzungen des Mannes hätten nicht so dramatisch ausgesehen, sodass die Rettungskräfte zunächst von einem Sturz ausgingen. Doch die Ärzte im Krankenhaus stellten ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, einen Schädelbruch und eine Hirnschwellung fest. Nach Angaben seiner Lebensgefährtin ringt Hector in diesen Stunden immer noch um sein Leben.

Die Polizei hält erstmal alles für möglich, vom Sturz bis zu einer Straftat. Zunächst würden jetzt Überwachungskameras in der Altstadt gecheckt und seine Freunde befragt.

Der aus meiner Sicht entscheidende Aspekt wird von der „Rheinischen Post“ (RP) erst am Schluss des Artikels erwähnt. Journalisten, die ihren Job beherrschen oder wenigstens ernstnehmen, hätten die Geschichte damit begonnen…

Als nämlich Hector L. am Samstagmorgen nicht nach Hause kam und telefonisch nicht erreichbar war, nutzten die Angehörigen offenbar eine vorinstallierte Ortungsfunktion (wie „Mein iPhone suchen“), auf die sie Zugriff hatten. Und die Familie ortete Hectors Gerät – in unmittelbarer Nähe zu einer Asylbewerberunterkunft in Mönchengladbach. Beim schwerverletzt aufgefundenen Hector fehlten in Düsseldorf sein Handy, das Portemonnaie, seine Uhr und sein Schlüssel. Zumindest wissen wir jetzt, wo das Handy abgeblieben ist.

Wenn ich die Polizei wäre, ich würde dort auch mal nachschauen… für die Rheinische Post nur ein Randaspekt im vorletzten Absatz kurz erwähnt.




Jetzt wäre eine gute Zeit, um sich auf die wichtigste Reise Ihres Lebens zu begeben

Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, aber gestern hat die Karwoche mit dem Palmsonntag begonnen. Für gläubige Christen sind diese Tage spirituell die wichtigsten im ganzen Jahr.

Der Palmsonntag erinnert an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. In vielen Kirchen weltweit werden Palmzweige geweiht und Prozessionen abgehalten. Am Gründonnerstag gedenken wir Christen dann des letzten Abendmahls. Am Karfreitag herrscht eine düstere Grundstimmung. Es ist der Todestag Jesu, ein stiller Tag ohne Glockengeläut, an dem der Kreuzigung des Herrn gedacht wird. Und dann folgt die Osternacht mit dem bombastischen Fest der Auferstehung Christi.

Selbst wenn Sie persönlich kein gläubiger Mensch sind, sollten Sie wissen: Wenn diese Geschichte wirklich wahr ist, dann ist es die größte und wichtigste Geschichte seit Anbeginn der Menschheit.

Und Sie sollten wissen, dass die Lehre Jesu für uns alle – Sie und mich – entscheidende Auswirkungen auf unser Leben und unsere Gesellschaft bis heute hat. Ob Sie das wollen oder nicht.

Denn die Lehre, dass jeder Mensch ein Abbild Gottes ist (Imago Dei), legte den Grundstein für das Konzept universell geltender Menschenrechte. Das Gebot der Nächstenliebe weist uns an, zu helfen, wo immer Menschen in Not sind. Oder auch mal ganz praktisch: Es waren die Klöster im Mittelalter, die zu Zentren der Bildung wurden. Sie bewahrten das Wissen der Antike und gründeten sogar die ersten Universitäten (Bologna, Paris). Das moderne Krankenhauswesen hat seine Wurzeln in der christlichen Klostermedizin und den Hospitälern des Mittelalters, die Kranke kostenlos versorgten. Und so weiter. Die christliche Kirche besteht nicht ohne Grund seit über 2.000 Jahren.

Nebenbei: Die gern erzählte Geschichte von den Mönchen, die angeblich das Bier erfunden haben, stimmt nicht. Aber es waren Mönche, die im Mittelalter daraus dieses wunderbare Getränk entwickelten, indem sie den Hopfen entdeckten und diese eigentlich ungenießbare Kräutermischung beifügten. Mönche fanden nämlich heraus, dass Hopfen das Bier konserviert. Dadurch konnte es gelagert und über weite Strecken transportiert werden. Und ganz wichtig: Erst der Hopfen verlieh dem Bier seine typische herbe Note und klärte die Flüssigkeit, wodurch es ansehnlicher wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der christliche Glaube und die Kirche – das ist viel mehr als ein paar Leute, die einem vermeintlichen Aberglauben folgen. Das muss man wissen in einer Zeit, in der in unserer Gesellschaft Bürgerinitiativen gegen das Glockenläuten am Sonntagmorgen und gegen das Tanzverbot am Karfreitag mobilisieren. Diese Gesellschaft ist wirklich intellektuell und moralisch auf der untersten Stufe der geistigen Nahrungskette angekommen.
Ich erzähle Ihnen das heute wieder einmal, weil ich Sie für dieses Thema sensibilisieren möchte.

Denn wir reden so oft über die vielen, die ausgetreten sind

Aber wir reden selten über die, die weiterhin dabei sind: 19,8 Millionen Katholiken, 17,9 Millionen EKD-Protestanten, 3,5 Mio. Orthodoxe, 500.000 Freikirchler und etwa 100.000 andere wie die Altkatholiken gibt es in Deutschland. Das ist eine ganze Menge. Und wer heute noch in der Kirche ist – trotz der furchtbaren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, trotz leider vieler links-grüner Spinnereien in den EKD-Kirchen –, der denkt sich etwas dabei. Und damit meine ich nicht nur die, die aus Gewohnheit jeden Sonntag zur Kirche schlurfen oder drin bleiben, damit sie festliche Eheschließungen, Taufen und Begräbnisse bekommen.

Ich schreibe immer mal wieder darüber, um denen, die noch nicht genau wissen wohin, Mut zu machen. Auch mit meiner eigenen Geschichte.

Ich stamme aus dem reformatorischen Fürstentum Lippe in Nordrhein-Westfalen, durch und durch evangelisch. Mein „Glaube“ bestand darin, dass meine Eltern und ich jedes Jahr am Heiligabend vor der Bescherung in den Gottesdienst unserer kleinen Gemeinde in Holzhausen-Sylbach gingen. Sozusagen Tradition oder, wenn Sie so wollen, Weihnachtsfolklore.

Dann kamen zwei Jahre Konfirmationsunterricht und die Konfirmation selbst mit Feier und vielen Umschlägen mit Geld darin. Und damit war das Thema Christentum für mich durch.

Ich glaubte nicht an einen Gott, lebte nicht wirklich christlich – welcher junge Mann, der das weibliche Geschlecht entdeckt, macht das denn? In meiner Selbstwahrnehmung war ich Atheist. Manchmal, wenn das Thema beim Bier abends aufkam – selten –, argumentierte ich energisch und selbstgewiss, dass das doch alles nur Quatsch sei.

Ich habe mich geirrt

Weil ich mich irgendwann, 15 Jahre später, aus einem banalen Grund plötzlich mit dem Thema Glaube und Kirche konfrontiert sah. Das ist eine lange Geschichte, die hier zu weit führen würde. Aber zusammengefasst: Wenn man sich darauf einlässt, zu glauben und Christ zu sein, kommen Sie niemals in Ihrem irdischen Leben an ein Ende. Klingt merkwürdig? Ist es aber nicht.

Ich wurde damals nach vier Jahren Lernen und Prüfen katholisch, und ich dachte: Jetzt bin ich da. Was ich überhaupt nicht begriff, ist, dass dieser Moment nicht das Ziel ist, sondern nur der erste Schritt auf einer langen Reise durch das eigene Leben. Es dauerte damals noch gut 30 Jahre, bis ich beschloss, mich nun komplett auf das alles einzulassen. Und ich schwöre: Von diesem Moment an fügte sich plötzlich alles in einer erstaunlichen Klarheit und Logik zusammen.

Glaube ich heute an Gott? Nein!

Ich weiß heute, dass es ihn (oder „etwas“) gibt. Ohne jeden Zweifel.

Vor einigen Jahren gab es einmal eine kurze Situation, als ich morgens im Hausflur meine Jacke anzog, um zur Sonntagsmesse zu fahren. Unsere jüngste Tochter kam aus der Küche vorbei und sagte zu mir: „Papa, musst du schon wieder in die Kirche?“ Und ich nahm mir die Zeit, ihr darauf ausführlich zu antworten, obwohl ich eigentlich los musste.

Dass ich nämlich überhaupt nichts „muss“ und niemand mich maßregeln oder gar bestrafen würde, wenn ich jetzt meine Jacke wieder ausziehe und mir noch ein Marmeladenbrot schmiere. Und dass ich in die Kirche will, weil es mir, wenn ich dort hineingehe und den Gottesdienst feiere, anschließend besser geht als vorher.

Ich bin nicht sicher, ob unsere Prinzessin das damals verstanden hat. Ich hoffe sehr, dass sie diesen flüchtigen Moment heute noch genauso lebendig in Erinnerung hat wie ich selbst.

Die Ostertage sind in meiner Erinnerung fast immer schöne Sonnentage gewesen. Suchen Sie mit den Kindern bunt bemalte Eier im Garten, genießen Sie das Frühstück mit Ihren Lieben und natürlich: Schmeißen Sie am Sonntagnachmittag den Grill an und nutzen Sie die Zeit mit Familie, Freunden und Nachbarn! Aber bitte vergessen Sie nicht, um was es eigentlich geht an diesen Tagen: Das vielleicht wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit…

Ihnen allen eine schöne Karwoche!




Fußball und Identität: Wenn Anpfiff ist, stößt der deutsche Selbsthass an seine Grenzen

In einem Testspiel gestern Abend hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Schweiz mit 4:3 besiegt. Und während man sich in der ach so überkritischen Blase über Antonio Rüdiger aufregt, wofür es allen Grund gibt, erstaunt es selbst mich als Fußballfan, wie sehr die Vorfreude auf die WM im Sommer steigt. Wer sich auf Fußball, verbunden mit dem Singen der Nationalhymne und dem Schwenken schwarz-rot-goldener Fahnen freut, für den ist der Fall Rüdiger nur ein ärgerlicher, aber im Grunde belangloser Nebeneffekt.

Für die „Hater“, die jede Form von überschwänglichem Patriotismus anekelt, sind Fußball-Weltmeisterschaften und Public Viewing der absolute Horror.

Deutschlandfahnen an Autos und Hauswänden, selbst beim Brötchenholen morgens überall Jungs und Mädchen aller Altersgruppen im Deutschland-Trikot. Ganz ehrlich: Ich genieße das sehr. Und ich will, dass WIR gut spielen, kämpfen und gewinnen!

Fußball ist identitätsstiftend für uns Deutsche

Weil seit Jahrzehnten die ganze Welt die deutsche Art, Fußball zu spielen, oftmals hasst, aber gleichzeitig irgendwie auch bewundert. Es ist nicht immer schön anzusehen, es hat nicht immer diese Leichtigkeit, die man Südamerikanern nachsagt, aber wie oft hat die Welt zusehen müssen, wie gnadenlos effektiv Deutschland im Fußball sein kann, wenn es drauf ankommt und sich alle auf das Turnier konzentrieren und sich nicht von Regenbogen-Armbinden und ähnlichem Schwachsinn ablenken lassen.

Ausdauer, Zusammenhalt, Disziplin und Kampfgeist – das macht uns aus, jedenfalls nach der reinen Lehre. Und das nicht nur im Sport. Es gab Zeiten, da funktionierte unsere ganze Gesellschaft so: in der Wirtschaft, an den Schulen und in den Vereinen. Woran erkennt man, dass man in Deutschland ist? Das fragte mich mal ein schwedischer Kollege in einer Redaktion. Die Antwort: Wenn man sieht, wie nachts um 4 Uhr einer in einem Bergdorf in Bayern an der Fußgängerampel steht und auf Grün wartet.

Man lacht darüber als Ausländer und gleichzeitig denkt man: Warum sind die so?

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In Zeiten politischer Polarisierung oder wirtschaftlicher Unsicherheit wirken große internationale Sportereignisse als großes Bindemittel. Und ich wünschte mir, es wäre auch außerhalb einzelner Ereignisse so.

Aber das darf man ja nicht, auch 81 Jahre danach noch nicht. Patriotismus soll „bäh“ bleiben, das wollen Linke, Grüne und Mainstreammedien für alle Zeiten zementieren. Bisher leider mit Erfolg. Am besten erkennt man das am 3. Oktober. Auch da sollten nach meiner Ansicht überall unsere Fahnen an den Häusern hängen, aber irgendwie trauen sich die Meisten das wohl nur dann, wenn Sport ist.

Und was mich lange Zeit verstört hat, ist, dass sich selbst als Patrioten verstehende Bürger dem Selbsthass auf das eigene Land fügen – aber aus ganz anderen Gründen. Nicht wenige Rechte und Konservative wollen, dass Deutschland verliert. Weil Deutschland insgsamt eben eben nicht so ist, wie sie – und ich auch – es sich oft wünschen würden.

Aber ein freies Land ist deshalb ein freies Land, weil Menschen frei entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Ich komme damit klar, wenn Leute anders leben, als ich selbst es für richtig halte – solange sie mir nicht aufzwingen wollen, es so zu tun, wie nur sie es wollen. Aber dass sich Menschen, die in Deutschland leben, freuen, wenn Deutschland scheitert – das ist einfach krank.

In den kommenden Monaten, achten Sie bitte darauf, werden sich besonders in den rechten Milieus wieder viele Stimmen zu Wort melden, die inständig ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Deutschland im Juni in der Vorrunde ausscheidet.

Und wenn Sie genau hinschauen: Das sind die gleichen Leute, die geradezu in fiebriger Erregung darauf warten und hoffen, dass uns das Öl oder Gas ausgeht und dass der Euro, am besten ganz Europa, zugrunde geht.

Wie oft ich jeden Tag irgendwo in den (a)sozialen Netzwerken vom kurz bevorstehenden Untergang lese, ist sagenhaft. Manchmal muss ich wirklich lachen. Denn Deutschland geht gar nicht unter. Und den Euro, der angeblich seit 2008 jedes Jahr – jetzt aber ganz sicher – abgeschafft wird, den gibt es auch in 30 Jahren noch.

Und – Antonio Rüdiger hin oder her – Deutschland ist weltweit eine große Nummer mit vier Weltmeister- und drei Europameistertiteln. Und das ist ja nicht alles. Basketball-Europameister wurde Deutschland im vergangenen Jahr. Im Februar gewannen unsere Handball-Männer die Vize-Europameisterschaft. Das ist alles gar nicht schlecht.

Freitags gehe ich manchmal zu einer Runde „alter weißer Männer“ (keiner jünger als 50) in eine Gaststätte hier im Ort, sage ich mal. Es ist Berlin, aber es ist am Stadtrand, also nicht im urbanen Irrsinn von Mitte, Prenzlauer Berg oder Neukölln.

Bevor der Kellner die Bestellung aufgenommen hatte, war unser Thema schon die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko im Sommer. Wichtigster Aspekt: Wo gucken wir hier zusammen die Spiele? Denn die Anstoßzeiten sind aufgrund der Zeitverschiebung für uns in Deutschland nicht so günstig. Aber wir gucken natürlich alle trotzdem.

Vorgestern hatte mich einer unserer Söhne angerufen, um mir zu erzählen, dass er darüber nachdenkt, sich für die WM eines der neuen Deutschland-Trikots zu kaufen, das ihm optisch sehr gefällt. Ich antwortete, ich werde mein altes anziehen, aber wichtig wäre, wenn er zu einem der Spiele nach Berlin kommt und wir dann zusammen irgendwo mit ein paar Hundert anderen schauen. Wie plakatierte die AfD vor der vergangenen Bundestagswahl doch noch? „Deutschland, aber normal!“ Genau das wünsche ich mir wieder: ein normales Deutschland!




Anderswo ist auch nicht alles Gold, was glänzt: Warum so viele Auswanderer nach fünf Jahren wieder hier sind

Spielen Sie auch mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen? Vielleicht sogar für immer? In unseren eher konservativen und wirtschaftsliberalen Milieus ist das seit einigen Jahren ein Dauerthema.

Einzelne Bekannte von mir haben den Schritt sogar inzwischen vollzogen, und wenn sie alle Möbel auf dem Umzugswagen verstaut und alle Koffer gepackt haben, dann verabschieden sie sich oft wortreich und voller Enthusiasmus und Vorfreude auf ihr vermeintlich sorgenfreies und glückliches neues Leben.

Tja, Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es ja immer gern. Und, ganz ehrlich, ich habe mir solche Gedanken auch schon gemacht, wenn wieder neue Horrorzahlen über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland veröffentlicht werden. Und wenn ich sehe und höre, wie viele Irre in diesem Land unterwegs sind, ein Messer immer griffbereit unter der Jacke. Und dann die Verwahrlosung und Vermüllung in den Großstädten und was es für asoziale Menschen gibt.

Ja, es gibt schon Gründe auszuwandern

Die meisten Deutschen, die den Schritt wagen – kein Witz – ziehen übrigens nicht ins Silicon Valley nach Kalifornien oder auch, wie so gern erzählt wird, nach Ungarn. Sie ziehen in die Schweiz und nach Österreich.

Über 323.600 Deutsche lebten Anfang 2024 in der Schweiz: Alpenpanorama und Käsefondue, ähnlicher Sprachklang, hohe Löhne (aber auch Kosten) und natürlich die Nähe zu Deutschland. So ähnlich ist alles in Österreich, wo 232.700 Deutsche mit Stand 2024 eine neue Heimat gefunden haben.

Das wichtigste Fernziel außerhalb Europas sind natürlich die USA. In Europa sind noch Spanien und Frankreich besonders beliebt zum Auswandern.

Aber dass es jetzt alle aus politischen Gründen nach Ungarn ziehen würde, ist ein Märchen. Und nach Russland wandert überhaupt niemand aus, besonders nicht die Putin-Fans, die es ja in manchen Teilen Deutschlands reichlich gibt, von denen aber – ich bedauere das außerordentlich – niemand wirklich seine Sachen packt und abhaut, sondern hier lieber schimpfend, aber gut und gerne lebt.

Es lohnt sich bei solchem Gerede vom Auswandern – so wie übrigens bei allen Themen – immer mal ein bisschen genauer hinzuschauen.

Wir hören ja jeden Tag, wie viele gut ausgebildete Leistungsträger Deutschland den Rücken kehren. Und wir beklagen, wie viele ungebildete und auch unwillige Menschen aus Shithole-Countrys hier einreisen. Das hat alles einen wahren Kern.

Aber zur Wahrheit gehört auch…

Und das sind offizielle Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im Jahr 2024 verließen 270.000 Deutsche unser Land. Aber im gleichen Jahr kehrten auch 190.000 Deutsche, die einige Jahre vorher „ausgewandert“ waren, wieder zurück. Deutschland verlor also nicht 270.000 gut ausgebildete Fachkräfte, sondern maximal netto 80.000. Das ist auch viel, aber es relativiert unseren Blick auf das Phänomen Auswanderung doch erheblich.

Für viele Auswanderer aus Deutschland ist dieser Schritt nicht final, sondern eine temporäre Lebensphase. Ein sehr hoher Anteil der deutschen Auswanderer ist nämlich nach maximal fünf Jahren wieder zurück in Deutschland.

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Ihre praktischen Erfahrungen in der Fremde – auch wenn es nur innerhalb Europas oder gar dem deutschen Sprachraum war – zeigen nämlich, dass anderswo auch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Über die Gründe für die Rückkehr gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die auf den Erfahrungen von Rückkehrern basieren. Das können zwischenmenschliche Gründe sein, etwa der Wunsch, wieder näher bei Eltern oder Großeltern in der Heimat zu leben oder kranke Angehörige zu pflegen. Das kann der Abschluss eines Studiums oder eines zeitlich begrenzten beruflichen Projektes sein. Und – das wird sehr häufig genannt – wenn man Kinder bekommen und eine Familie gründen will oder wenn der Lebensabend naht, dann ziehen viele Deutsche gern wieder in die Heimat zurück und erfreuen sich daran, in einem Land mit einem weltweit geschätzten Sozial- und Gesundheitssystem leben zu dürfen.

Kein Mensch käme auf den Gedanken, nicht zurück nach Deutschland zu kommen, weil hier die AfD so stark ist oder weil Friedrich Merz Bundeskanzler ist. Das sind alles absurde Horrorgeschichten.

Als ich damals darüber nachdachte, ob ich nicht auch anderswo meine letzten Lebensjahre verbringen könnte als hier, waren meine drei Sehnsuchtsländer die USA, Portugal und Kroatien.

Fantastische Menschen, tolles Wetter und ein Lebensgefühl, das so ganz anders ist als das in Deutschland. Entspannter die Leute, mehr Lebensqualität, mehr Freiheit, fantastisches Essen. Ja, ich könnte überall dort leben und sicher auch noch in einigen anderen Ländern wie Italien, Griechenland oder irgendwo in Skandinavien. Aber ich bin nun mal Deutscher, und ja, irgendwie liebe ich mein Land mit all seinen Brüchen und Behäbigkeiten und seinen Traditionen und Hundehaltern und Gartenzwergen und samstags Auto waschen.

Es ist einfach meine Heimat. Und weit weg von meinen Kindern und meinen Enkeln leben – das schließe ich für mich definitiv aus.




„Deepfake-Porno“: Ist Christian Ulmen vielleicht nur Kollateralschaden für eine gut orchestrierte Kampagne gegen „toxische Männlichkeit“?

Um das gleich klarzustellen: Wenn die Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes ihren Ex-Mann Christian Ulmen wegen der Erstellung von KI-generierten „Deepfake“-Pornos anzeigt, dann ist das keine Lappalie. Es ist ein schwerwiegender Vorwurf, ein Straftatbestand und wäre an Verrat und Niedertracht, die leider auch in Ehen vorkommen, kaum zu überbieten.

Doch wer die Dynamik der vrgangenen Tage aufmerksam im Auge hatte, reibt sich irgendwann die Augen:

Passiert die rasante Abfolge von Veröffentlichung, Empörung, Demonstrationen und politischem Handeln eigentlich zufällig so, wie sie passiert?

Wenn Sie sich intensiv mit dem sogenannten „Geheimtreffen von Potsdam“ beschäftigt haben, dann verstehen Sie wahrscheinlich, was ich meine. Veröffentlichung – Skandal – politische Aktion – und dann auch gleich noch ein fertiges Theaterstück dazu. Nehmen Sie es mir nicht übel: Das stinkt zum Himmel.

Und der aktuelle Fall Fernandes/Ulmen auch

Auf mich wirkt das alles wie eine bestens vorbereitete und durch ein Zusammenspiel feministischer Aktivisten und Politik orchestrierte Kampagne, die Christian Ulmen als „Watschnmann“ für ein größeres politisches Ziel ausnutzt.

Und nochmal: Falls er wirklich KI-generierte Pornofilmchen mit Gesicht und Körper seiner Frau, Mutter seiner gemeinsamen Tochter, produziert und in Umlauf gebracht hat, dann gibt es nichts zu entschuldigen.

Das wäre ekelhaft und niederträchtig – und vielleicht ist es das ja auch.

Aber Freunde: Auch für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung in einem Rechtsstaat. So wie sie auch für Wetter-Präsentator Jörg Kachelmann und ProSieben-Moderator Andreas Türck hätte gelten sollen. Beide wurden zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt, und dennoch wurden beide öffentlich medial hingerichtet.

Schauen wir uns das aktuelle Drama also genauer an

Alles begann mit der offiziellen Trennung des angeblichen „Vorzeigepaars“ Ende 2025. Was folgte, war kein stilles Auseinandergehen, sondern ein medialer Paukenschlag im März.

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Christian Ulmen, ein liberaler Feingeist, sieht sich plötzlich mit Vorwürfen konfrontiert, die seine Existenz bedrohen. Unschuldsvermutung? Schön und gut, aber wir leben – ob wir wollen oder nicht – im digitalen Zeitalter. Sexueller Missbrauch, Herabwürdigung einer Persönlichkeit – das kommt jeden Tag vor und überall. Nur in diesem Fall handelt es sich halt um Prominente, was der ganzen Geschichte eine andere Dynamik verleiht.

Denn Collien Fernandes ist mit „Schauspielerin“ zu kurz erklärt. Sie war eine erfolgreiche VIVA-Moderatorin, schrieb mehrere Bücher und spielt seit 2021 die „Schiffsärztin Dr. Jessica Delgado“ auf dem „Traumschiff“.

Halten Sie mich für einen Verschwörungstheoretiker, aber auf mich wirken der Skandal und die folgenden Ereignisse wirklich so, als liefe alles nach einem ausgeklügelten Drehbuch ab. So, als hätten viele einfach nur auf den Startschuss gewartet, um dann aktiv in das Geschehen mit einzusteigen.

Nur 24 Stunden nach den ersten Berichten meldeten sich (linke) Politiker empört zu Wort. Es folgten Demonstrationen am Brandenburger Tor, professionell organisiert. Im Radio und selbst in den VOX-Nachrichten morgens im Fernsehen wurde nicht nur in einem Verkehrshinweis von Störungen „aufgrund einer Demonstration“ berichtet, wie das üblich ist, sondern es wurde ausführlich erzählt, welche Demo warum und wo stattfindet – so, als wollte man die Zuhörer und Zuschauer beschwören: Geht unbedingt hin!

Das halten Sie für überinterpretiert?

Dann nennen Sie mir nur ein Beispiel, wo in den Mainstreammedien bei einer Demo gegen Abtreibung oder Massenmigration in den Nachrichten vorher der Grund dieses „Aufzugs“ mitgenannt wurde!

Man kennt das aus dem „MeToo“-Kontext: Ein prominentes Einzelschicksal wird skandalisiert und dann politisch ausgenutzt. Das war beim „Fall Brüderle“ so und das war beim angeblichen „Geheimtreffen von Potsdam“ so. Und jetzt ist es mit Frau Fernandes auch so.

Nur zwei Tage (!), nachdem dieser Fall bundesweit die Schlagzeilen beherrschte, legte die SPD einen fertigen Gesetzentwurf für den Bundestag vor. Sportlich, oder? Normalerweise dauert so etwas Monate. Nein, nein, das hatten wir zufällig schon in Vorbereitung, heißt es jetzt von den Sozialdemokraten. Ja, Zufälle gibt es…

Aber Zufälle gibt es in der Politik eben nur selten. Es ist legitim zu fragen, ob hier feministische und woke Allianzen gewirkt haben mit dem Ziel, das gern gesungene Lied von der „toxischen Männlichkeit“ wachzuhalten und zu instrumentalisieren. Eine Strategie, bei der das Private nicht mehr nur politisch ist, sondern als Waffe politischer Pressure-Groups eingesetzt wird. Und wenn Christian Ulmen am Ende eines Prozesses doch freigesprochen würde? Das Bild, das medial und politisch von ihm gezeichnet wurde, bleibt dauerhaft bestehen. Als eine Art Kollateralschaden für die Strategie einer Femi-Industrie und ihre politischen Büchsenspanner in den Parlamenten.




Pfeift auf die „Brandmauer“! Bürgerliche und Rechte setzten im EU-Parlament schärfere Migrationsregeln durch

Endlich! Endlich hat sich die Mehrheit der Europaabgeordneten der bürgerlich-konservativen und der rechten Parteien aufgerafft, das Richtige zu tun.

„Lass die Köter kläffen, die Karawane zieht weiter“, so ähnlich hätte sich Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) heute wohl zum Ergebnis in Brüssel geäußert. Die Mehrheit stimmte vorhin im Europaparlament für eine Rückführungsverordnung, die sogenannte „Abschiebezentren“ in Ländern außerhalb der EU erlaubt. Ursprünglich ein Gesetzentwurf der EVP-Fraktion, der auch CDU und CSU angehören.

Deren Fraktionschef Manfred Weber hatte bereits in einem Interview im vergangenen Dezember gesagt: „Wir werden uns durch niemanden aufhalten lassen, um illegale Migration zu stoppen!“

Als jüngst bekannt wurde, dass es im Europäischen Parlament „auf Referentenebene“ eine „Koordination“ des weiteren Vorgehens zwischen Mitarbeitern der Union und der AfD gegeben hatte, hyperventilierten sogleich das Konrad-Adenauer-Haus und das Kanzleramt.

Denn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lässt keine Gelegenheit aus, seine harte Ablehnung der AfD zu betonen und die „Brandmauer“ nach rechts immer höher zu ziehen.

Aber Fakt ist: Trotz des stürmischen Gegenwindes aus Berlin und einem Trommelfeuer der Mainstream-Medien verabredeten sich Vertreter der EVP – darunter neben der Union auch die österreichische ÖVP – über eine geheime Messenger-Gruppe und trafen sich mit Vertretern der AfD und Abgeordneten der anderen rechten Fraktionen.

Neben Abschiebezentren in Drittstaaten wurden vorhin auch härtere Strafen für abgelehnte Asylbewerber beschlossen, die sich weigern, die EU zu verlassen – von Einreiseverboten bis zur Inhaftierung.

In der emotionalen Debatte stellte EVP-Fraktionschef Manfred Weber noch einmal klar, dass die EU zwar grundsätzlich hilfsbereit sei, doch die Akzeptanz der Bevölkerung bleibe nur dann bestehen, wenn Personen ohne Bleiberecht „konsequent zurückgewiesen werden“. Und Lena Düpont (innenpolitische Sprecherin der EVP) ergänzte: „Die aktuelle Durchsetzungsquote von Rückführungsentscheidungen ist schlichtweg inakzeptabel.“

Viele Bürger in den EU-Staaten dürften nun aufatmen, dass sich Brüssel endlich entschieden hat, konsequent einen Kurs einzuschlagen, der seit Jahren überfällig ist.

Dass Grüne und Rote, die Treiber der Massenmigration in Europa, „not amused“ sind, ist nachvollziehbar.

Birgit Sippel, innenpolitische Sprecherin der sozialistischen Fraktion, schimpfte, mit dem Gesetzentwurf würden abgelehnte Asylbewerber „de facto mit verurteilten Straftätern“ gleichgesetzt. Die EVP habe zudem mit der Zusammenarbeit mit der AfD einen „Tabubruch begangen“.

Und das ist richtig. Wir sollten auch in Deutschland damit beginnen, den Willen der Mehrheit der Wähler durchzusetzen, statt uns von politischen Minderheiten am Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen.




Sorgenfalten an der Südflanke: Sehr unangenehme Überraschungen für die CSU bei den Kommunalwahlen

Es ist ja nicht nur die bayerische Landeshauptstadt München, die belegt, dass sich im Freistaat gerade etwas Gravierendes verändert. Der Grüne Dominik Krause (38) gewinnt gegen den als unbesiegbar geltenden Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD). Er ist der erste Grüne, der in Münchens Geschichte Rathaus-Chef wird. Wenn am 19. September auf der Wies‘n mit dem traditionellen Bieranstich mittags im Schottenhamel-Festzelt durch den Münchner Oberbürgermeister das Oktoberfest eröffnet wird, dann schwingt ein junger, offen homosexuell lebender, Grüner den Hammer und reicht den ersten Maßkrug an Ministerpräsident Markus Söder von der CSU weiter.

Na, das wird a Gaudi!

Denn Krause hatte 2023 das Oktoberfest in München noch als „weltweit größte offene Drogenszene“ bezeichnet.

Die Kommunalwahlen in Bayern, im Schatten der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, haben der aufs Regieren abonnierten volkstümlich-konservativen CSU eine ganze Reihe höchst unangenehmer Überraschungen beschert.

So holte etwa in Regensburg der SPD-Kandidat Thomas Burger einen Riesenrückstand auf und siegte bei der OB-Wahl gegen die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein deutlich mit 53,4 gegen 46,6 Prozent. In Augsburg gab es ebenfalls einen Machtwechsel. Dr. Florian Freund (SPD) siegte gegen die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) und wird im Mai die Amtsgeschäfte übernehmen. Auch Schweinfurt wird nach 30 Jahren CSU-Regentschaft zukünftig von der SPD regiert. Und von 71 Landratsposten gingen etwa ein Dutzend weg von der CSU an Kandidaten der Freien Wähler und auch der Grünen. So in Landsberg am Lech, wo sich die Grüne Daniela Groß in der Stichwahl mit sagenhaften 61,5 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) mit 38,5 Prozent durchsetzte.

Um zu verstehen, was hier gerade passiert: Der Landkreis Landsberg am Lech wurde seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, also seit etwa 80 Jahren, ununterbrochen von der CSU regiert, die seit Herbst 1945 alle Landräte stellte. Und nun eine Grüne …

Von den drei größten Städten Bayerns schaffte es lediglich der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König (CSU) wieder ins Amt – auch erst im zweiten Wahlgang.

Zwei Aspekte sind ebenfalls wichtig: Die Freien Wähler haben die Zahl ihrer Landräte von bisher 14 auf jetzt 28 verdoppelt. Und: Die AfD konnte zwar in Gemeinderäten und Kreistagen viele Mandate hinzugewinnen; es gelang ihr allerdings nicht, auch nur einen Bürgermeistersessel zu erobern.

Gründe für das Abschmelzen der Wählerschaft im Musterstaat Bayern gibt es viele. Manche sind lokal und nachvollziehbar, etwa das Kliniksterben in Landkreisen, das von vielen Bürgern direkt der CSU angekreidet wird.
Und viele Wähler nutzen Kommunalwahlen auch, um der Landesregierung und Söders CSU einen Denkzettel zu verpassen. Ein Freund aus dem CSU-Apparat erklärte mir mal, dass Bayern so eine hohe Lebensqualität habe, dass viele Deutsche aus anderen Bundesländern hierhergezogen seien, die natürlich über die Jahre das „Mia san Mia“-Gefühl in Bayern dämpfen und denen der Zugang zur bayerischen Kultur und den heimischen Traditionen fehle. Kann sein, sollen andere beurteilen.

Ganz sicher aber verliert die CSU ihre angestammte Rolle als die alleinige „Bayern-Partei“ durch den Aufstieg der Konkurrenten rechts von ihr, den Freien Wählern und der AfD.

Und dann zeigt sich gerade bei diesen Wahlen überdeutlich, was auch in anderen Bundesländern passiert ist: Die urbanen Zentren, große Städte mit Universitäten, wählen überdurchschnittlich grün, und auf dem Land, in den Kleinstädten – einst eine sichere Bank für die Christsozialen –, punkten jetzt rechte Konkurrenten, die die CSU nicht mehr als so bissig wahrnehmen, wie sie es einmal war.

Eine Herkulesaufgabe für Söder und die CSU, die stetig weiter ein kleines Stück zerrieben wird zwischen Grünen und der Konkurrenz von rechts. Das wird noch eine Weile irgendwie gutgehen, der Söder ist bekanntlich „a Hund“, aber man muss sich etwas einfallen lassen, um diesem beunruhigenden Trend an der Südflanke etwas Wirksames entgegenzusetzen …




Zwei goldene Wochen für die CDU, starke Zugewinne für die AfD – leider versteht die nicht, was sie grundsätzlich falsch macht

Bei den politischen Journalisten in der Hauptstadt ist es am Wahltag so, dass sie ab dem frühen Nachmittag regelmäßig Trendmeldungen der Demoskopen per WhatsApp bekommen.

Die erste heute erreichte mich exakt um 15:26 Uhr. Die Forschungsgruppe Wahlen (FGW) ermittelte für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 29 bis 31 Prozent für die SPD und 28 bis 30 Prozent für die CDU. Eine Viertelstunde später erreichte mich der ARD-Trend: SPD 32 und CDU 30 Prozent. Alles deutete darauf hin, dass die Union auch in Rheinland-Pfalz ein ähnliches Desaster wie vor zwei Wochen in Baden-Württemberg erleben würde. Und in meinem Kopf schwirrte schon herum, wie ich das am späten Abend in Worte und diesen Artikel für meine Leser fassen könnte.

Aber wenn man diese Zahlen nachmittags erhält, dann muss man wissen, wie sie ermittelt werden

Denn die Meinungsforschungsinstitute suchen vorher Wahlkreise aus, die bei den Wahlen vor fünf Jahren am nächsten am später richtigen Ergebnis lagen. Dann gehen sie dorthin und befragen über den ganzen Tag insgesamt etwa 20.000 Wähler, die aus dem Wahllokal kommen und gerade auf dem Stimmzettel ihre Kreuze gesetzt haben. Manche antworten dann, andere nicht. Dann wird auch nicht nur gefragt, was sie gerade gewählt haben, sondern auch, was sie vier Jahre vorher angekreuzt hatten. Und noch ein paar andere Dinge. Das ist dann das Basismaterial für all die schönen Grafiken, die Sie abends zur Analyse in den Wahlstudios von ARD und ZDF präsentiert bekommen.

Man weiß aber auch, dass die Zahlen nachmittags um 14 oder 15 Uhr noch eine erhebliche Fehlertoleranz ausweisen

Allein schon dadurch, dass nur die Stimmen von Wählern gesammelt werden, die ins Wahllokal gehen. Die Briefwähler sind also unberücksichtigt. Und die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass CDU, Grüne und FDP bei Briefwählern oft überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielen. Mehr als bei denen, die wie SPD- und AfD-Anhänger eher Wahllokale bevorzugen, um selbst dort abzustimmen.

Aus den Trendzahlen um 15 Uhr konnte sich nicht sicher ablesen lassen, wer um 18 Uhr die Nase vorn haben würde. Aber klar war, dass die Wahlbeteiligung steigt – wie sich später herausstellte – hauptsächlich, weil frühere Nichtwähler dieses Mal gewählt hatten, und zwar vorrangig die AfD.

Und sicher war danach auch, dass die FDP und die Freien Wähler, wahrscheinlich aber auch die Linke, die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen würden.

Tatsächlich hatte dann um 17 Uhr die Forschungsgruppe Wahlen auch für ihre Befragungen vor Wahllokalen ihre Prognose zugunsten der CDU geändert. Und Sie alle wissen, dass es dann so gekommen ist.

Nach 35 Jahren wird die CDU in Rheinland-Pfalz wieder den Ministerpräsidenten stellen. Vor zwei Wochen haben sie dieses Ziel knapp verfehlt, und Cem Özdemir schaffte es kurz vor knapp noch, mit seinen Grünen auf Platz 1 zu springen. Aber: Die CDU kehrt im Ländle, einst wie Rheinland-Pfalz eine Hochburg der Union, nach 15 Jahren wieder „auf Augenhöhe“ in die Landesregierung zurück. Und was viele in Deutschland gar nicht so wahrgenommen haben: Auch in Brandenburg ist die CDU als Juniorpartner wieder – ohne Landtagswahl, sondern durch Koalitions-Rochade – in der Landesregierung dabei.

Die vergangenen zwei Wochen waren für die CDU extrem erfolgreich

Und wäre die Performance der Bundesregierung unter Friedrich Merz nicht so grottig, stünde die Union als führende politische Kraft in Deutschland noch weitaus besser da.

Die ständigen Kassandrarufe vom bevorstehenden Untergang der CDU, die „das Schicksal der italienischen DC“ und den Sturz in die Bedeutungslosigkeit erleben werde, sind wirklich ein Stück weit absurd, wenn man sich in der politischen Wirklichkeit bewegt.

Die Union ist innerhalb von zwei Wochen in drei Landesregierungen eingezogen, in denen sie vorher nicht war. Posten werden verteilt, Geld wird verteilt, Strukturen werden ausgebaut. Die CDU ist putzmunter – und leider wird sie das zu weiterer Überheblichkeit verleiten, die vollkommen unangebracht ist, weil die Union einfach nicht strategisch und vor allem längerfristig denkt. Jetzt ist erst mal wieder satte Selbstzufriedenheit angesagt, statt grundsätzlich die Weichen zu stellen für die Zukunft.

Die AfD hat bei den beiden jüngsten Landtagswahlen bärenstark abgeschnitten

In Rheinland-Pfalz fast 20 Prozent (Stand soeben 19,9 %). Ein Fünftel der Deutschen und mehr wollen eine konservativere Politik – im Osten ebenso wie im Westen. Und das Dauergejammer von der bösen Ausgrenzung durch die „Altparteien“ ist ja auch nicht falsch, aber es zeigt auch nicht das ganze Bild. Die Bereitschaft der Union, der Funktionäre wie der Mitglieder, mit der AfD zu koalieren, ist nicht nur schlecht, sie wird immer schlechter.

Das haben die Zahlen gestern Abend in der ARD belegt. 71 Prozent der AfD-Wähler wünschen sich in Mainz eine Regierungsbildung zusammen mit der CDU. Aber 96 Prozent der CDU-Wähler lehnen genau das ab. Und das hängt auch damit zusammen, dass die AfD heute so ist, wie sie ist.

In der deutschen Nachkriegsgeschichte haben es zwei Parteien geschafft, sich aus eigener Kraft dauerhaft im Parteiensystem zu etablieren: die Grünen und die AfD. Die Grünen haben nach deren ersten Wahlerfolgen und chaotischen Parteitagen begonnen, den Kampf zwischen „Realos“ und „Fundis“ final auszufechten. Als das durch war, bekamen die Grünen relativ schnell Zugang zum Politikbetrieb und sind bis heute Gesprächs- und Koalitionspartner überall. Mit der AfD wollen andere Parteien nicht einmal sprechen, geschweige denn kooperieren oder sogar koalieren.

Weil sie diesen Selbstreinigungsprozess bis heute nicht einmal begonnen haben. Weil man in der AfD offen vor einer „Melonisierung“ der Partei warnt, also vor dem erfolgreichen italienischen Modell, wo eine postfaschistische Partei erfolgreich Italien regiert und sogar in der EU-Kommission vertreten ist. Aber selbst viele der führenden Rechtsaußen-Parteien in Brüssel wollen mit der AfD möglichst nichts zu tun haben. Die Union wird nie im Leben mit Politikern vom Schlage Helferich, Höcke oder Moosdorf in irgendeiner Form zusammenarbeiten. Die Ablehnung gegenüber den Putin-Lautsprechern und EU-Hassern ist in CDU und CSU so hoch wie noch nie zuvor.

Noch ein Wort zu den Kleinen: FDP und Freie Wähler (FW) sind gescheitert. Ich sehe im Moment nicht, wie sich die Freien Wähler – außer in Bayern – auf oberen Ebenen (Bund, Länder) erholen können. Das ist eine typische bürgerliche Kommunalpartei, überall verankert. Mehr leider nicht. Und über die FDP habe ich geschrieben, dass ich sie für erledigt halte, wenngleich ich das bedauere. Eine Partei, die nicht einmal mehr zwei Prozent der Wähler hinter sich versammle, habe „ein existenzielles Problem“, sagte Frau Strack-Zimmermann vorhin in einem Interview. Dem ist nichts hinzuzufügen.




Am Sonntag ist Schicksalstag für die FDP: Kommt Christian Lindner zurück?

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Stand heute wird die bisher in Rheinland-Pfalz regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP vom Wähler am Sonntag kein neues Mandat für die Bildung einer Landesregierung erhalten. Alle Umfragen deuten in dieser Woche auf einen Wahlsieg der CDU und eine dann folgende schwarz-grüne Regierung in Mainz hin. Das hängt damit zusammen, dass auch in Rheinland-Pfalz niemand mit der AfD kooperieren will und dass die FDP mit vier Prozent vermutlich den Wiedereinzug in den Landtag nicht schaffen wird. Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Gut möglich, dass sich mancher CDU-Wähler noch schnell umorientiert, um die einstmals liberale Kraft zu beatmen und am Leben zu erhalten.

Gut möglich aber auch, dass dann plötzlich die Sozis wieder knapp vorn liegen und vermutlich die CDU dann wie in Baden-Württemberg wieder nur zweiter Sieger würde, was im Adenauer-Haus zu Herzrhythmusstörungen führen dürfte.

Also, spannend wird es auf jeden Fall am kommenden Sonntag

Das liegt auch daran, dass der Pfälzer gern mal seine Stimmen bunt verstreut. Die Freien Wähler (FW) sind eine respektierte Kraft dort und liegen um die 5 Prozent. Die LINKE ist mit jetzt 6 Prozent keineswegs sicher drin, die Putin-Freunde vom BSW werden ebenso wie die FDP unter 5 Prozent gehandelt bei den Demoskopen.

Und machen wir uns doch bitte nichts vor: Wenn Spitzenkandidatin Daniela Schmitt am Sonntag unter 5 Prozent bleibt und die Partei von der Regierungsbank direkt aus dem Landtag fliegt, dann ist endgültig Feuer unter’m Dach. Bereits nach der für die FDP verlorenen Wahl in Baden-Württemberg vor zwei Wochen wurden Forderungen laut, dass Parteichef Christian Dürr seinen Hut nehmen und zurücktreten solle. Dürr, erkennbar der falsche Mann am Platz auf dem FDP-Oberdeck, formulierte komische Sachen nach dem Tiefschlag von Stuttgart und sagte was davon, dass er jetzt die „Erneuerung“ seiner Partei vorantreiben werde. Man fragt sich unwillkürlich: Was hat er denn dazu bisher geleistet?

Wenn ich Vorsitzender einer traditionsreichen Partei bin und öffentlich so gut wie gar nicht vorkomme und alle immer nur von Lindner, Kubicki und Strack-Zimmermann sprechen, dann mache ich etwas falsch.

Und wenn Dürr am Wahlsonntag in die Wüste geschickt wird, dann ist Generalsekretärin Nicole Büttner ebenso fällig. Die ist mir bisher nur einmal aufgefallen, als sie – durchaus medienwirksam – wettete, sich bei einem Scheitern der FDP in den Landtagswahlen eine Glatze scheren zu lassen.

Aber die bürgerlichen Wähler in Deutschland haben keine Lust mehr auf Kinkerlitzchen dieser Art

Es ist durchaus auch heute noch Platz im deutschen Politikbetrieb für eine bürgerlich-liberale Partei, aber leider ist die FDP das nicht mehr.

Sie ist ein links-wokes Anhängsel, die jeden Unfug in der Bundes-Ampel mitgemacht hat, nur um irgendwie noch dabei zu sein. Wirtschaftsfreundlich? Bürgerrechtspartei? Ableger von Milei in Argentinien gar? Nichts zu sehen von einer Freiheitspartei FDP. Und das war sie ja einst tatsächlich mal.

Ich weiß nicht, wie es mit der FDP weitergehen soll, wenn sie am Sonntag erneut scheitert. Dann gehen die Lichter aus, ob gelb oder magenta.

Die Sehnsucht nach einer Rückkehr von Christian Lindner an die Spitze ist überwältigend an der FDP-Basis, aber der hat bisher nicht erkennen lassen, wieder zurückkehren zu wollen auf die ganz große Bühne. Sie würden ihn frenetisch feiern dafür.