Viele CDU-Politiker und Wähler waren nach den Koalitionsverhandlungen 2013 mit der SPD enttäuscht über die Ergebnisse. „Die haben uns über den Tisch gezogen“, sagte mir damals einer, und ein anderer „Die Sozis haben ihre Agenda zu 100 Prozent durchgesetzt. Und wir? Wir haben eine weitere Amtszeit für Merkel bekommen.“

Heute berichten mehrere Tageszeitungen, dass sich Spitzenpolitiker von FDP und Grünen um Christian Lindner und Cem Özdemir im Hinterzimmer getroffen haben, um abzusprechen, wie sie die ungleich größere Union dieses Mal über den Tisch ziehen werden. Während die Union eher einer Selbsthilfegruppe zum Verarbeiten unangenehmer politischen Entwicklungen gleicht, denn der stärksten politischen Kraft im Land. Es ist ein Elend, ansehen zu müssen, wie geradezu unpolitisch und vollkommen kraftlos CDU und CSU in diesen Tagen sind. Eindeutig die falschen Leute am falschen Platz.

Nur kurz zur Information: Die FDP will das Finanzministerium, die Grünen wollen das Außenministerium. Den Rest lesen Sie bitte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung…

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Dieser Artikel wurde 9 mal kommentiert

  1. Franz Reinartz Antworten

    Damit würde dann wahr werden, was Herr Schulz – sich um Kopf und Kragen redend (so Lindner) – am Wahlabend äußerte, dass nämlich FDP und Grüne alles bekämen, was sie wollten, um des Machterhalt unserer Kaiserin Angela I. willen.
    Dass die CSU sich diesen Forderungen nicht entgegen stellen wird, ist für mich ausgemacht. Denen ist es wichtiger, die Personalrangeleien rechtzeitig vor der Wahl des nächsten Bayernkönigs (Horst I. vs. Markus I.) zu klären.
    Die cdU wird noch die Landtagswahlen in Niedersachsen abwarten, bevor sie allem zustimmt. Ich denke, es wird in Hannover einen Wechsel geben und Herr Weil wird seinen Posten im VW-Aufsichtsrat gegen einen besser dotierten im VW-Vorstand wechseln können.
    Mir scheint, die Infantilisierung der deutschen Politik ist nicht mehr rückgängig zu machen.

    • Klaus Beck Antworten

      Lieber Herr Reinartz,
      mit Infantilisierung hat das leider wenig zutun, zumal ja im Kindischen oft auch das Unverbrauchte und Ehrliche mitschwimmt.

      Die „da drinnen“ (von ganz links bis ganz rechts) ignorieren die „da draußen im Lande“ schlichtweg und es darf spekuliert werden, ob aus Gründen des Opportunismus oder des Irreseins, wahrscheinlich aber einer ziemlich unappetitlichen Melange aus beiden Zuständen.

      Und wenn Sie schon die bayerische Monarchie ansprechen: Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach hat man unter sehr ähnlichen Umständen – diskutiert wird bis heute lediglich das Maß der Freiwilligkeit – seinerzeit im Würmsee, heute auch Starnberger See genannt, aufgefunden.

  2. colorado 07 Antworten

    Ihrer großen Vorsitzenden Angie zuliebe wird sich die Partei wieder und weiter beklauen lassen. Recht so, wenn sie so blöd ist!
    Und im Übrigen ist dieses Geschachere um die Posten einer gestandenen Demokratie unwürdig.

  3. Ruth Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle,

    ist es wirklich so, dass die CDU von ihrem letzten Koalitionspartner „über den Tisch gezogen“ wurde? Warum hatte die CDU denn nicht charakterstarke, ihren Wählern gegenüber verantwortliche Parteimitglieder, die sich eben nicht „über den Tisch“ ziehen ließen?

    Und jetzt? Es geht doch schon weiter, man verrückt sogar Herrn Schäuble, um ja Plätze frei zu machen, für die, die da kommen mögen, obwohl noch gar nichts besprochen wurde. Was ist das für ein Zeichen? Kommt her, zieht uns „wieder über den Tisch“, Hauptsache Mutti bleibt Kanzlerin?

    Dies, ebenso wie das weitere Verhalten der ÖR und den meisten anderen Medien, bestätigt nur, dass man letztendlich nichts begriffen hat.

    Apropos Medien, hierzu ist eben ein interessanter Artikel von Herrn Roland Springer erschienen: Wahlschlappe für die deutschen Meinungsführer-Medien. Lesenswert!

    In diesem Sinne,
    es ist noch nicht vorbei.

  4. S v B Antworten

    Widerlich, dieses Geschachere um die Ministerämter. Wenn die FDP einen guten Mann hätte, der das Amt des Finanzministers kompetent ausfüllen könnte, wäre der Posten bei dieser Partei sicher besser aufgehoben als bei den Grünen. Dass sicher gerade ein Herr Lindner zu diesem Amt berufen fühlt, lässt mich schaudern.

    Als Außenminister mag ich mir weder die Traumtänzerin vom Dienst (KGE), noch den auf mich stets leicht hektisch wirkenden Herrn Özdemir vorzustellen. Seine Türkischkenntnisse wären bei Verhandlungen mit Ankara gewiss von Vorteil, aber diese stellen – für mich jedenfalls – auch schon die einzige Empfehlung Özdemirs für das Amt des Außenministers dar.

    Auch wenn mich manch einer jetzt als „Rassistin“ (ein inflationär und dazu noch meist falsch angewandter Kampfbegriff) bezeichnen wird: noch(!) sollten Ministerposten, vor allem in Schlüsselministerien, wenn möglich mit Schonlängerhierlebenden ohne Migrationshintergrund besetzt werden.

    Nichtachtend seines charmanten schwäbischen Akzents könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Herrn Özdemirs Herz im Zweifel spürbarer pocht, wenn es um die Belange des Landes seiner Väter geht. Ich würde Özdemir eine deutliche Affinität zum Land seiner Väter, die mit der Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft sicher nicht erloschen ist, niemals zum Vorwurf machen. Wie könnte man dies? Oberste Priorität sollte für einen Minister der deutschen Bundesregierung jedoch ausnahmelos das Wohl der Bundesrepublik haben. Schließlich legen die Damen und Herren ihren Eid eben darauf ab.

    Übrigens: die Kanzlerin soll solches in der Vergangenheit ja auch schon des öfteren getan haben. Vielleicht ist dies allerdings „ein bisschen“ in Vergessenheit geraten; wenn schon nicht bei uns, so doch anscheinend bei ihr.

  5. colorado 07 Antworten

    Dass die Grünen das Außenministerium wollen, soll an die „Ära Fischer“ erinnern. Außerdem kann man sich in diesem Amt die meisten Meriten holen und ist dem innenpolitischen Gehacke entzogen. Schlau und ausgekocht sind sie schon, diese Grünen.

    • S v B Antworten

      Wenn es in diesem Staate selbst ein beruflich völlig unbeleckter, ehemals linksfaschistischer Straßen-Revoluzzer bis in ein Ministeramt schaffen konnte (der später dann sogar Gastvorlesungen an renommierten Universitäten halten durfte), scheint mir die Zahl derer, die für einen Ministerposten in Frage kommen, besonders in der Partei Die Grünen nachgerade grenzenlos zu sein.

      In diesem Land ist für die Ausübung der meisten Berufe eine qualifizierte Ausbildung zwingend vorgeschrieben. Bei der Besetzung der Position eines Resort-Vorstands, sprich Ministers, lässt man dagegen sträfliche Beliebigkeit walten. Ein Skandal, wie ich finde.

  6. Uwe_aus_DO Antworten

    Man erinnere sich an die legendäre TV-Diskussionsrunde am Abend der Bundestagswahl 2005, als Schröder so gar nicht einsehen wollte, dass die SPD weniger Stimmen hatte als die CDU und es für Rot-Grün nicht mehr reicht.

    Wer Zugang zu dem Ausschnitt hat, möge sich ihn noch einmal ansehen. Denn wegen des Aufregers über Schröders Auftritt hat man etwas übersehen: Schon da wurde deutlich, dass die CDU (nein, Frau Merkel) der SPD erhebliche Zugeständnisse inhaltlicher und personeller Art machen würde, weil es auf die Kanzlerin nun einmal ankommt. Was hier beklagt wird, ist eine „Erscheinung“ der gesamten Regierungszeit von Angela Merkel.

  7. Uwe_aus_DO Antworten

    Im Nachrichtenportal von ntv wird gerade über die wichtigsten Ministerposten spekuliert, danach würden Lindner Finanz- und Özdemir Außenminister.

    Spannend, wie sein erster Besuch in Istanbul verläuft… und er kann endlos Bonusmeilen sammeln!! Reicht das nicht für die grüne Regierungsbeteiligung?

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