Wo man ganz weit weg von den Problemen der Leute ist

Es ist faszinierend, aber irgendwie auch beängstigend, wie sich ein Teil der Gesellschaft, unserer Gesellschaft, der Deutschen, von der etablierten Politik abwendet. Das Phänomen ist nicht neu, über Politiker wurde, wird und wird auch in Zukunft immer geschimpft. Wie sollte es anders sein, in einer Demokratie? Und die Kritiker der etablierten Parteien haben ja recht mit ihrer Kritik. Kritik an der personellen aber vor allem inhaltlichen Alternativlosigkeit. Wenn in Umfragen 70 Prozent der Deutschen sagen, sie wünschen keinen weiteren Massenzuzug aus islamischen Ländern nach Deutschland, und im Bundestag steht kein einziger Abgeordneter auf, und sagt genau das, was diese Wähler meinen, dann suchen sich die Leute eben andere Abgeordnete. So einfach ist das. Flüchtlinge, Integration, Atomausstieg, Gender Mainstreaming – es wird nicht mehr kontrovers diskutiert, es wird nicht mehr gestritten. Man ist sich einig. Das Bundeskabinett hat jetzt wieder viel Geld zur Verfügung gestellt, um 100.000 Kita-Plätze zu schaffen. Warum nicht, wenn so viele Familien das wollen oder brauchen? Man muss ja mal daran erinnern, dass es auch viele Familien in Deutschland gibt, die solche Plätze in Anspruch nehmen MÜSSEN, weil sie sonst ihr Arbeits-Leben nicht organisieren können. Weil sie das Geld brauchen, um ihr und das Leben ihrer Kinder zu finanzieren. Da kann man die traditionelle Familie loben und preisen, aber da gibt es eben auch die normative Kraft des Faktischen.

Und da gibt es die Berater, die PR-Strategen, die Spin-Doktoren, die Einflüsterer in Berlin, die bei Gambas in Curryrahm sitzen, italienischen Edel-Rotwein schlürfen und Politikern gute Ratschläge erteilen, obwohl sie selbst nichts verstehen. Ein paar von ihnen kenne ich, sind auch nette Kerle dabei (Frauen übrigens, wie ich gerade merke, überhaupt nicht… sollten wir da nicht mal ein paar staatliche Beauftrage auf dieses Problem ansetzen, damit die Diskriminierung nicht weiter fortschreitet?) Aber zurück zu den „PR-Spezialisten“. Einer von ihnen, der mich bei Facebook aus der Freundesliste gekickt hat, weil ich mich nicht tief genug vor der Bundeskanzlerin verneigen wollte, ist mir in bester Erinnerung geblieben. Immer wenn irgendwo in den Netzwerken jemand was von Verbrechen schrieb, in denen Flüchtlinge als Akteure waren, grätschte er rein. Frauen massenhaft durch Nordafrikaner sexuell belästigt, Islamisten, die einen FKK-Strand in der Provinz stürmen, Hassprediger, die öffentlich in unseren Fußgängerzonen predigen und ihre Bücher verteilen – sie nehmen es gar nicht zur Kenntnis, was sich in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren verändert hat. Die Arbeitslosenzahlen sind deutlich gesunken, sagen sie dann. Und die Rente steigt. Und geht es uns im Vergleich zu den meisten Ländern der Erde nicht gut? Klar! Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist unsere Nachbarin, die nachmittags an der Tür klingelt, völlig aufgelöst, weil sie mit ihrem achtjährigen Sohn Kastanien im Stadtpark sammeln wollte. So wie früher, vor #wirschaffendas. So, wie auch meine Mutter mit mir früher Kastanien sammelte im Stadtpark. Ohne dass da dutzende junge Männer aus Nordafrika betrunken abhängen – wahrscheinlich die, die intensiv Deutschkurse besuchen – und sie und ihren Sohn anpöbeln, beleidigen und obszöne Gesten machen. Unserer Nachbarin ist egal, ob sie später 2,40 Euro Rente im Monat mehr bekommt. Die will wissen, wo man einen Verteidigungskurs machen kann. Und ob wir im Wechsel unsere Kinder mit dem Auto fahren können, weil wir keine ruhige Minute mehr haben, wenn wir die Achtjährigen morgens im Dunklen mit dem Fahrrad zwei Kilometer zur Schule fahren lassen. Einen Brief an einen Politiker schreiben? Auf den Gedanken würde sie gar nicht kommen. Jüngst hörte ich von einer Bundestagsabgeordneten, die jetzt ins EU-Parlament wechseln will. Sie erzählte im kleinen Kreis, dass das für sie besser sei, weil man nicht mehr so viel reisen müsste und sie dann mehr Zeit für ihre Kinder habe. Ob sie wohl Leute wie unsere Nachbarin kennt?

Und damit komme ich noch einmal zum Anfang dieses Beitrages zurück. Horst Seehofer, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, hat gestern etwas Gutes und Richtiges gesagt. An die Adresse von Frau Merkel und ihrer CDU sagte er: Wenn nach der Bundestagswahl 2017 eine Koalition unter Führung der CDU zustande kommen könnte, wird die CSU nur dann dabei sein, wenn es eine feste Obergrenze von maximal 200.000 für die Aufnahme von Flüchtlingen gibt. Andernfalls gehe die CSU in die Opposition. Gegen die CDU. Spontan sprang ich von meinem Bürostuhl auf und begann, 12:25 Uhr Minuten zu klatschen. Doch heute Morgen, auf Facebook war es genau anders herum. „Der bayerische Löwe miaut mal wieder“, „Dampfplauderer“, „Lächerlich – wer soll das glauben“, „der labert wieder nur“ und so weiter und so weiter. Mein PR-Kollege in Berlin wird das leider nicht lesen. Der hat mich ja blockiert. Da bleiben ihm die schlechten Nachrichten für seine Auftraggeber erspart….

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 14 mal kommentiert

  1. treu Antworten

    Die CSU und ihr Noch-Chef sind, mit Verlaub, einfach nur noch lächerlich und nicht mehr ernstzunehmen. Das diese ganzen Wendemanöver und dieses ganze elende Herumtaktieren nach großtönenden und dann wieder relativierten Aussagen ihres Vorsitzenden die Basis immer noch so geduldig mitmacht und über sich ergehen läßt ist entweder nur mit einer besonderen bayerischen Gemütsverfassung oder mit dem leider überall bei den „Etablierten“ vorhandenen Parteisoldatenkadavergehorsam zu erklären. Der Bürger und Wähler findet darauf keine Antwort mehr.

  2. Walter Lerche Antworten

    In Ihrem denkwürdigen Beitrag, lieber Herr Kelle, finde ich mich wieder.
    Ob es das Geplänkel der CSU ist oder die sog. Politikänderung Merkels, oder die von der AfD kopierten Forderungen des Stuttgarter Innenministers, von den Linken und Sozis ganz zu schweigen, gelangte ich zur Erkenntnis, das wir alle nur noch verarscht werden. Man beschäftigt uns mit Polit-Theater.
    Sie beschreiben sehr treffend in Ihrem Beitrag das Offensichtliche.
    Die eigentlichen Ursachen für die Zerstörung und die Bedrohung unseres gewohnten Lebensniveaus liegen tiefer, kaschiert und verdeckt durch solch Geplänkel. Aber das scheint niemand zu interessieren oder es ist zu schwierig für die Leute zu denken.
    Mal angenommen, nur mal gedacht, die Politiker würden ihre Kunst der Darstellung verbessern und die Leute rhetorisch ganz auf ihre Seite bringen. Angenommen, sie würden die Leute dazu bringen, ihnen zu glauben und die alltäglichen negativen Erscheinungen hinnehmen und nicht gegen die Politik lenken. Und die Politiker würden inhaltlich so weiter machen wie bisher. Dann wäre doch Ihr Beitrag hinfällig, oder? – Wäre dann unsere Situation besser oder schlechter? Besser vielleicht in dem Sinne, wie ein Krebskranker besser mit seiner Krankheit lebt, wenn er das nicht weiß.
    Schlechter auf jeden Fall, denn so wie ein Krebskranker wegen Unwissenheit notwendige Gegenmaßnahmen verschleppt, desto schlimmer und schneller wird der weitere Verlauf sein.
    Seitdem der größte Konkurrent des Kapitals, der real existierende Sozialismus, verschwunden ist, kennt es kein Halten mehr. Stetig mehr stillt es seine Gier aus den Taschen der Leute. Jedes Thema wird zur Umverteilung genutzt. Jüngstes Beispiel: Die Vereinbarung zwischen Regierung (+ Grüne) mit EON, RWE und Wattenfall über Finanzierung und Folgekosten des Atomausstiegs inkl. -Abfalls. Selbstverständlich werden die 23 Mrd. Euro für die Beseitigung des Atommülls nicht reichen. Und so hat man bereits die nächste Stellschraube zum Abkassieren kreiert. Rechnerisch lässt sich das so wenig überprüfen, wie der jährlich übermäßig steigende Geldfluss von Bürgern über die Krankenkassen und Versicherungswirtschaft. Da sitzen die Spitzenverbände hinter verschlossenen Türen zusammen mit Regierung und kungeln gegen fleisßige Leute. Heraus kommt dabei meist etwas, was dann jahrelang die Tröge von Juristen füllt. Die ganze Zeit und oft nach dem Ende wissen die Leute immer noch nicht, was Recht ist. Und raten Sie mal, für wen die letzte juristische Inszanz dann entscheidet, jedenfalls in den Fällen, wo es um großes Geld geht! – Dieser Prozess läuft weltweit. Einige Länder sind da schon weiter und in anderen Ländern läuft das langsamer.
    Nach nur 17 Jahren Euro Einführung wird er schon gegen die Wand gefahren.
    Für die EU-Südländer ist das ein Segen. Für Deutschland ist das fatal. Spätestens beim Crash sind die Südländer ihre Schulden los und Deutschland sein Vermögen.
    Ich meine mit Vermögen die private Altersvorsorge, gespartes Geld, gesparte Lebensleistung, das Geld der Leute. Ich glaube inzwischen, genau das war von Anfang der Plan.
    Die „Flüchtlinge“ sind nur ein Thema von vielen, welches wie viele benutzt wird, um an das Geld der Leute zu kommen und die Mittelschicht abzuschmelzen.

  3. Tina Hansen Antworten

    „Man muss ja mal daran erinnern, dass es auch viele Familien in Deutschland gibt, die solche Plätze in Anspruch nehmen MÜSSEN, weil sie sonst ihr Arbeits-Leben nicht organisieren können. Weil sie das Geld brauchen, um ihr und das Leben ihrer Kinder zu finanzieren.“

    In dem mittelständischen Wohnviertel am Rande einer deutschen Großstadt, in welchem ich mich seit Jahren sehr wohlfühle, herrscht kein Mangel an Betreuungsplätzen. Wir verfügen über 3 – relativ kleine – Kinderkrippen, 3 – ziemlich große – Kitas für Kinder unterschiedlicher Altersstufen, 1 klassischen Halbtagskindergarten und 1 alternativen Kinderladen, der von einer Elterninitiative betrieben wird. Einen Kita-Platz hatte denn auch die junge Mutter gefunden, die neulich in der S-Bahn gut hörbar einem Kumpel ihr Leid klagte. Sie war alleinerziehend, halbtags berufstätig, die 2jährige Tochter von 8 bis 14 Uhr in Betreuung. Da das Geld nicht ausreichte, stockte sie mit Hartz 4 auf. Sie machte einen intelligenten Eindruck und wirkte auch optisch keineswegs wie ein typischer „Sozialfall“. Wütend war sie, in welcher Weise man ihr auf dem Amt Druck machte, so schnell wie möglich wieder in Vollzeit zu arbeiten. Sie wollte das aus Rücksicht auf ihre Tochter (noch) nicht, denn: „Die ist noch nicht soweit. Die ist mittags immer schon völlig erledigt, wenn ich sie abhole. Ich will ihr das bis abends noch nicht zumuten, die schafft das noch nicht.“
    Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich persönlich finde es richtig, dass der Staat für solche Fälle heute Kita-Plätze zur Verfügung stellt. Ich finde es allerdings bedauerlich, dass in unserer Gesellschaft kaum noch thematisiert wird, was KINDER fühlen und brauchen. Das ist auch so ein Punkt…

  4. H. Urbahn Antworten

    Es besteht kein Grund weitere 100000 Kita-Pöatze einzurichten. Unsere sogenannte Elite, die zig Milliarden ohne Schwierigkeiten für illegaale Einwanderer in einem Jahr aufbringt, hat kein Geld dafürr, daß zu tun, was das Beste für kleine Kinder ist,nämlich von ihren Müttern bereut zu werden. Diese Kita-Plätze stammen doch einer rein kommunistischen Ideologie. ist auch kein wunder, wenn man sich die lebensgeschichte von merkel ansieht.

    • Tina Hansen Antworten

      Soweit ich weiß bzw. soweit ich es in den Medien gehört habe, ist der von Eltern artikulierte Bedarf an Kita-Plätzen noch immer nicht gedeckt. Wenn eine Mehrheit der Bevölkerung für den Kita-Ausbau ist, so soll der Kita-Bereich meinetwegen ausgebaut werden – das ist Demokratie. Ich würde mir allerdings wünschen, dass wir eine begleitende gesellschaftliche Debatte darüber führen würden, ob dies denn eigentlich den Bedürfnissen kleiner Kinder entspricht. Ich jedenfalls lernte noch in der Schule, dass ein Kind in den ersten drei Lebensjahren eine feste Bezugsperson, nach Möglichkeit die Mutter, haben sollte.
      Kinder sind so unterschiedlich. Ich habe zwei kleine Nichten im Kita-Alter. Die eine kam erst unmittelbar vor ihrem 3. Geburtstag in die Einrichtung, und dies zunächst nur halbtags. Sie klagte – wörtlich – über „Stress“: „Ich kann meinen Eisladen gar nicht mehr aufmachen [im Sandkasten zu Hause, TH], ich habe jetzt soviel Stress!“ Die andere kam mit 1,5 Jahren in die Vollzeit-Kita und antwortete auf meine vorsichtige Frage, ob es da denn schön sei, strahlend: „JA!“
      Ich würde mir eine differenzierte Debatte über das Thema wünschen. Aber vermutlich ist es dafür nun zu spät.

    • Walter Lerche Antworten

      Diese Kita-Plätze werden nicht zum Wohlgefallen der Bevölkerung gebaut.
      Die Wirtschaft fordert das, damit die jungen Muttis arbeiten gehen und Mehrwert schaffen.
      Gender-Ideologie fördert das, um die Kinder vom Einfluss der Eltern zu entfernen.
      Gender ist die Ungleichheit ein Dorn im Auge, wenn einige Kinder vorteilhafter Weise Zeit mit den fürsorglichen Eltern verbringen gegenüber anderen, so die Eltern lieber was anderes machen.
      Ich hätte mir vor 30 Jahren mehr Kita-Plätze gewünscht, damals hätten wir sie gebraucht. Damals sagte man mir allerorts, dass dafür kein Bedarf bestünde.
      Damals reichte ein Einkommen für die ganze Familie. Heute reichen kaum 2.

    • Heinz-Juergen Antworten

      Danke,
      dem kan ich mich uneingeschränkt anschließen.
      Oder….
      ja, nicht nur die merkel’sche Lebensgeschichte sehen, da sind auch noch andere „Leichen im Keller“.

  5. klaus-hilbert Antworten

    So lange Sozialismus und Kapitalismus im Wettbewerb standen, zeigte sich der Kapitalismus von seiner besten Seite. Dann brach der Sozialismus weitgehend zusammen. Nicht mehr im Wettbewerb stehend, brauchte der Kapitalismus keine Rücksicht mehr zu nehmen und uferte aus. Vorstandsbezüge explodierten. Konnten bis dahin Familien von einem Einkommen leben, war das für viele plötzlich vorbei!
    Heute ist die Million nichts mehr. In den Medien überschlagen sich die Meldungen von Milliardengeschäften und Firmenübernahmen in Milliardenhöhe. Wie konnte man sich so leicht von unserer guten D-Mark trennen?

    • labrador12 Antworten

      Lieber Herr Hilbert,

      ich habe so meine Zweifel, ob das was wir heute in Europa haben, sehr viel mit Kapitalismus zu tun hat. Staatskapitalismus a la China, da könnte ich durchaus akzeptieren. Warum?
      – eine Staatsquote von weit über 50%
      – viele (zumindest alle Großen) werden von Staat und EZB „gerettet“
      – große Player wie etwa der Öffentliche Rundfunk oder die Sozialindustrie sind zumindest mittelbar abhängig vom Staat

      natürlich können sich die großen Unternehmen auch unter solchen Bedingungen irgendwie zurechtfinden:
      – Die können sich die Lobby-„Arbeit“ von Berlin bis Brüssel leisten.
      – Die können, da bereits international aufgestellt, viel leichter ins Ausland verschieben.
      Damit können sie wenigstens sicherstellen, dass kaum ein Kleiner mit einer „Großen Idee“ auch groß wird. Das ist zwar nicht das Himmelreich für diese Bosse, aber es sichert den Platz in der ersten Reihe fußfrei und verhindert durch die schützende Hand des Staates „zuviel“Wettbewerb und damit die Hölle (namens Konkurs) für denselben.

      Die Konkurrenz ist doch bei vielen Aufträgen der öffentlichen Hand, eher von den Nebenleistungen abhängig, denn vom Preis/Leistungsverhältnis in der Sache selbst. Das muss nicht zwangsweise Geld sein, auch eine wohlgesonnene Haltung gegenüber der Regierung oder einer Partei (zB Auftritt von Zetsche bei den Grünen) hat Ihren Preis. Und ein Frühstück mit dem Minister … diesem Philister, das kostet, ist doch klar 🙂

      Was Gesamtdeutschland mit seiner Einheitspartei aus CDUSPDGrüneLinke im Vergleich zu Einparteiensystemen/Staatskapitalismus wie China (oder auch Bayern) fehlt, ist die Einheitsfront-interne Möglichkeit von Kritik.

      Ein Beispiel:

      Vor kurzem las ich von einem Chinesen, dessen Tanten Ärztinnen in irgendeiner Provinz sind. Da gab es etwas am dortigen Gesundheitssystem zu kritisieren und die beiden mutigen Frauen taten das auch. Daraufhin wurden sie aufgefordert, der KP beizutreten, denn „parteiintern ist Kritik nicht nur erlaubt, sondern sogar hochwillkommen“, selbst wenn sie außerhalb der Partei verboten ist. Auch die CSU hat mit dem internen Wettbewerb einen gewissen Reinigungsmechanismus eingebaut, der der Einheitsfront inklusive CDU gänzlich abhanden kam (mehr als 11 Minuten!).

      Fehlen nur noch Klatsch-Animateure, wie beim Musikantenstadl. Da gab es Choreographen für den Publikumsapplaus, die das Publikum im Kamerabereich von Außerhalb zum Klatschen und Schunkeln animiert haben, damit so richtig Fröhlichkeit rüberkommt. Genauso Fake, wie die Sesselwärmer bei den Oskar-Verleihungen.

  6. klaus-hilbert Antworten

    Antwort zu Iabrador12
    Es ist einfach, alles der Globalisierung zuzuschreiben. Aber schauen wir uns doch mal in Deutschland um: Unbefristete Stellen werden immer weniger angeboten. Junge Leute schleust man von Praktikum zu Praktikum. Kirchliche Institutionen (ich nenne nur Caritas) die von Steuergeldern und Spenden finanziert werden vergeben nur noch 10- oder 20 Stunden Stellen, von denen kein Mensch leben kann. Mit China hat das alles herzlich wenig zu tun. Dann noch unsere herrliche Einheitswährung zuzüglich Herrn Draghi: Monat für Monat hat er 80 Milliarden Euro drucken lassen für die es keinen wirtschaftlichen Gegenwert gibt und dafür Ramschpapiere gekauft. Viele Millionen Bürger werden um Ihre Ersparnisse betrogen. Irgendwann wird sich Herr Draghi mit einer phantastischen Pension zurückziehen und verkünden, er habe es doch gut gemeint.

    • labrador12 Antworten

      Lieber Herr Hilbert

      Ich verstehe nicht ganz, wie Sie auf die Idee kommen, ich würde „Alles“ der Globalisierung zuschreiben, aber beginnen wir vom Ende Ihrer Argumentationskette.

      1) das Wirtschaftliche

      Mich würde die Pension des Herr Draghi nicht weiter stören, wenn sie leistungsorientiert wäre. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass Herr Draghi so dumm ist wie schlecht Sie und ich seine Tätigkeit bewerten. Ich bin da nur ein kleines Licht, da gibt es viel größere Kaliber die das ähnlich sehen. Wenn Herr Draghi also klüger ist, als man aufgrund seiner Taten meinen würde, dann fragt man sich, wem seine Handlungen nützen. Da fallen mir zuerst alle südlichen EU Staaten ein (inkl Frankreich, obwohl dass schon sehr weit im Norden liegt, leider wandert auch Österreich immer weiter in den Süden). Alle Staaten mit einer hohen Staatsverschuldung hängen an diesem Tropf. Denn aufgrund von Basel I-III müssen die Banken von den Kreditnehmern kaum zu erbringende Garantien verlangen, wohingegen selbst Anleihen von Pleitestaaten als vergleichsweise sicher gelten.

      Daher wandert das Geld, dass Herr Draghi so emsig druckt, aufgrund der Entwertung zu einem guten Teil aus den Taschen all Jener, die Geld am Sparbuch haben, in den Sozialsozialstaat anderer Länder. Das freut deren Bewohner (Griechen haben (auch mit deutschem Geld) zB heftig in den Londoner Immobilienmarkt investiert, Italiener besitzen eher Immobilien als Deutsche, die im Vergleich eher mieten) Mit dem erhaltenen Geld kaufen nicht wenige sozial schwache zB iPhones, die sie sich sonst nie leisten könnten. Das freut Laura Jobs und alle anderen Besitzer von Apple Aktien…

      Durch den Konsum der mehr oder weniger Stützungs-Bedürftigen wandert dieses Geld schlussendlich dorthin, wo es sich schon immer gesammelt hat, auch wenn sich die Namen der Empfänger mit der Zeit ganz gewaltig ändern. siehe unten

      Die wirklich Reichen schützen sich durch Besitz anstelle von Geld. Dadurch treffen sie Inflation und Nullzinsen nicht. Davon hat aber das junge Paar nichts, dass auf eine größere Wohnung spart. Die Eltern, die für ein Eigenheim zurücklegen, oder die Oma, die sich für die Enkerl das Geld vom Mund abspart, sie alle werden „abgezockt“ durch Inflation, Nullzinsen und zukünftig, sollte das Bargeld abgeschafft werden, sprechen manche auch schon von negative Zinsen. Das wäre dann wie Wasser sammeln mit einem löchrigen Eimer. Man kann oben kaum so schnell nach schütten als es unten raus rinnt. Dieser Zustand ist POLITISCH gewollt. Klar, die wirklich Reichen können auch damit leben, aber mit Kapitalismus hat das nichts zu tun.

      Wenn man mehr verteilen will, als man erwirtschaftet, dann muss man eben die Zukunft (oder Andere) beleihen.

      Wenn man den Kreis der Beschenkten immer weiter zieht, dann werden immer höhere Steuern fällig. Der Zehnte, also etwa 10%, das war einmal, heute sind wir bei weit über 50%. Zugegeben, heute kommt auch mehr zurück.

      ()
      Die Eltern von Bill Gates waren gut gestellt, aber keine Milliardäre,
      – Steven Jobs, Adoptivkind, middle class (biol. Vater „Spremaspender [ich zitiere Jobs über seinen Vater]“ war Sohn eines Self made Millionärs in Syrien)
      – Amancio Ortega, Sohn eines Eisenbahners
      – Warren Buffett, middle class
      – Carlos Slim Helú, Sohn eines Einwanderers der sich hochgearbeitet hat
      – Jeff Bezos, middle class
      – etc…

    • labrador12 Antworten

      (2)

      immer noch von unten nach oben und es hat immer noch nichts mit Kapitalismus oder Globalisierung zu tun …

      Sie fragen, warum die zB die Caritas nur 10 oder 20 Stunden Jobs vergibt?
      1) ich bin dafür die falsche Adresse, fragen Sie mal Ihren Pfarrer, im Ordinariat, bei der Caritas selbst …
      2) ich habe eine ganz persönliche Vermutung. Hadmut Danisch hat darüber öfter auf seinem blog geschrieben, zB „Wenn Geisteswissenschaftler Erdbeeren pflücken“ am 6.9.2016 23:24
      Es gibt mittlerweile viele Studien mit viel zu vielen Studenten, die qualifizieren für genau NICHTS.

      Wie wenige neue Theaterwissenschaftler (Antropologen, Politologen, GenderI_*#~nen, …) benötigt unsere Gesellschaft pro Jahr? Wo sollen die vielen Anderen arbeiten?

      Also schafft man Jobs als Gleichstellungsbeauftragte in Firmen, in der Verwaltung und in der Caritas. Damit jeder zumindest ein bisschen von dem Kuchen erhält, gibt es keine Vollzeitstellen mehr. Letztlich werden selbst die Stellen bei der Caritas vom Staat bezahlt.

      Und obwohl jene mit ihrem Können kaum zur Gesellschaft beitragen, wollen sie alle Teilhabe an Mobiltelefon, Transport (Erdöl), … welche von etwa 10% intellektuell und 10% manuell erwirtschaftet werden müssen, damit man diese Produkte im Ausland bezahlen kann. Das ist der riesige Rucksack, den die etwa 20%, die „wirklich“ arbeiten, tragen müssen.

      Ich traf mal eine Anthropologin, die nach dem Ende eines Auslandsprojektes beim AMS (~Bundesamt für Arbeit) aufschlug. Jetzt arbeitet sie 20 Stunden für die Caritas (Flüchtlinge); besser als Daumen lutschen, oder?
      Eine andere serviert jetzt, nach einem „Master“ in Internationales Irgendwas (kann mich nicht mehr erinnern, der Begriff war zu lang) Vollzeit Kaffee in Tagungsräumen.

      Sie sehen also, dass man All das auch ganz ohne Globalisierung und ohne Kapitalismus, aber nicht ohne Markt erklären kann: Wenn viele etwas studieren, dass kaum einer benötigt, dann gibt es kaum Jobs; es kann trotzdem ein schönes Hobby sein.

  7. klaus-hilbert Antworten

    Iabrador12 (wer immer das ist)

    Wir können uns weiter mit Argumenten und Gegenargumenten zudecken: Ich werde nie behaupten, das alleinseligmachende Wissen zu besitzen! Natürlich gibt es Beispiele für den Aufstieg in bedeutende Positionen. Bill Gates hat ohne Zweifel die Welt umgestaltet. Aber diese Beispiele, so viele es auch sind, bleiben doch sehr in der Minderzahl.
    Daß Herr Draghi mit seiner Finanzpolitik nur die südlichen Schuldnerländer im Blick hat, ist doch klar. Dazu paßt, das Griechenland den Rentnern, die weniger als 850 € Rente bekommen, ein Weihnachtsgeld beschert. Wie edel! Im Jahr 2013 veröffentlichte das Bundessozialministerium einen Bericht über Renten und Pensionen. Danach betrug die Durchschnittsrente in den alten Bundesländern 985 € (Männer) und 484 € (Frauen). Die Beamtenpensionen sind nur ganz geringfügig höher: 2940 €( Landesbeamte).

  8. Williwob Antworten

    Für mich ist Seehofer auch nur ein „Apparatniks“ – Profiteur, Schauspieler und Jongleur des eigenen persönlichen wirtschaftlichen Rahmens statt prinzipienfester konservativer konsequenter Stratege. Sein moralisches und politisches Kapital und Glaubwürdigkeit er durch die ewigen Nörgeleien und Drohungen ohne Folgen längst verspielt! ER,nur ER hat und hatte es in der Macht, der Kaiserin das Vertrauen zu entziehen und endlich den ersehnten Politwechsel herbei zu führen. Er macht es nicht aus Angst vor dem Verlust der eigenen Pfründe und Größe, die am Napf der CDU hängt. Dabei bin ich mir sicher, das die CSU mit genau den Bedingungen und Verträgen zur CDU wechselnd zur AfD keinerlei Angst haben müßte und sachlich wieder auf den Boden vernünftiger Politik käme.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.