Alles richtig gemacht, Mr. President!
Sie wissen, dass ich in Sachen Trump immer wieder schwanke. Einerseits finde ich viele Dinge, die er tut, richtig, und auch seine disruptive Art, politische Prozesse anzustoßen, gefällt mir. Andere Sachen, wie etwa sein Umgangsstil mit Kritikern, Journalisten und seine bisweilen frauenfeindlichen Sprüche, gehen mir zu weit – für einen Mann mit Anstand und Stil sowieso, für den Präsidenten der Vereinigten Staaten aber unbedingt.
Doch die Art und Weise, wie derzeit mit hanebüchenen Andeutungen versucht wird, Trump im Zusammenhang mit den Epstein-Files in den Morast zu ziehen, das geht einfach zu weit.
Es gibt bei über drei Millionen ausgewerteten Akten, Mails, Fotos und Videos nicht einen einzigen Beweis oder auch nur ein Indiz, dass dieser Mann im Sumpf um Epstein dabei war. Ja, man kannte sich, Trump war auch auf Partys und Epstein war mal in Mar-a-Lago, aber dass Trump sich mit minderjährigen Frauen „vergnügt“ haben könnte, ist bisher nichts als heiße Luft aus dem Repertoire seiner notorischen Gegner und Feinde. Davon gibt es ja viele.
Jetzt das neueste Ding
Die Tageszeitung „Miami Herald“ hat die Befragung des ehemaligen Polizeichefs von Palm Beach veröffentlicht, der sich zu Epstein und Trump äußerte.
Michael Reiter leitete von 2001 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 das Palm Beach Police Department.
Darin erzählt Reiter, dass er dem FBI von einem Telefonat aus dem Juli 2006 berichtet hat. Trump habe ihn damals angerufen und ausgesagt, dass sowohl in Palm Beach als auch in New York über Epstein und die „Mädchen“ geredet werde. Zu dieser Zeit wurde die erste Anklage wegen Sexualdelikten gegen Epstein öffentlich.
Trump soll Reiter damals gesagt haben: „Gott sei Dank, dass Sie ihn stoppen. Jeder wusste, dass er das tut.“ Reiter hatte dem FBI danach gesagt, Trump soll Ghislaine Maxwell als Epsteins „Mitarbeiterin“ oder „Helferin“ bezeichnet haben. Weiter: „Sie ist böse, konzentrieren Sie sich auf sie!“
Außerdem habe Trump ihm gesagt, dass er einmal in Epsteins Nähe war, als Teenager anwesend waren. Trump habe die Veranstaltung daraufhin direkt verlassen.
Hat Trump an Orgien teilgenommen, wusste er von sexuellem Missbrauch minderjähriger Mädchen? Davon steht nirgendwo etwas.
Alles, was wir wissen, ist, dass Trump bei einer Party von Epstein war – wie anscheinend die halbe Menschheit bei Epsteins Partys war – und sich unwohl fühlte. So unwohl, dass er die Polizei darüber informierte, dass hier etwas stattfinde, um das man sich kümmern sollte.
Und was wird daraus gemacht? Trump wusste vom Kindesmissbrauch.
Dazu eine kleine Geschichte: Vor 20 Jahren war ich mal beim Sommerfest einer großen, Ihnen allen bekannten Zeitung. Unter den 200 Gästen, ein buntes Völkchen, war auch der Vorstandschef eines großen Kaufhauskonzerns.
Ich stand zufällig mit meinem Glas in seiner Nähe, als er an einem Stehtisch drei, vier grell geschminkte Frauen in kurzen – ich weiß gar nicht, ob man das noch so nennen kann – Röcken und High Heels erblickte. Möglicherweise Gewerbetreibende, keine Ahnung, wer die eingeladen hatte.
Der Konzernchef sah die Damen, sagte kurz etwas zu seinen Begleitern, und alle drehten sich um und verließen das Fest.
Das fiel mir eben ein, als ich die Geschichte aus dem „Miami Herald“ las. Aus meiner Sicht war das bei Trump nichts anderes, nur dass er sogar die Polizei informierte, weil er kein gutes Gefühl dabei hatte. Alles richtig gemacht, trotzdem beschimpft man ihn.