„Invasion“? Geht’s auch eine Nummer kleiner?

Die rund 60.000 Flüchtlinge, vorwiegend junge Männer, die vergangene Woche die spanische Enklave Ceuta stürmten und sich in Teilen extrem daneben benahmen (Geschäfte plündern, Schlägereien), sind weitgehend wieder zürück in ihrer marokkanischen Heimat. Angeblich seien 55.000 inzwischen wieder zu Hause, behaupten die Behörden.

Die Bilder und Handyvideos aus Ceuta waren dennoch schockierend für uns alle und sorgen immer noch für aufgeregte Debatten in den sozalen Netzwerken, wobei der Wort „Invasion“ immer wiederholt wird, wohl, weil das so schön gruselig klingt.

Aber zur Wahrheit, die vielen Menschen offenkundig dabei gar nicht bewusst ist, gehört, dass nicht ein einziger dieser „Flüchtlinge“ den Boden der europäischen Staatengemeinschaft betreten hat. Ja, ja, ich weiß, rechtlich gehört Ceuta zu Spanien, aber – deshalb Enklave – der Flecken Land befindet sich jenseits des Mittelmeers auf afrikanischem Territorium.

Zwischen Ceuta und dem europäischen Kontinent liegen 17 Meilen offenes Meer. Das hätten wohl kaum 60.000 Leute schwimmend durchquert.

Ceuta ist ein Problem, und die EU und Spanien müssen konsequente Maßnahmen möglichst schnell umsetzen, damit sich das nicht wiederholt. Aber „Invasion“? Geht’s auch eine Nummer kleiner?




Friedrich Merz hatte seine Chance – warum jetzt die zweite Reihe übernehmen muss, um die CDU vor dem Absturz zu retten

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist eine einzige Enttäuschung – für mich, der 2025 nach 16 Jahren bei einer Bundestagswahl erstmals wieder die CDU gewählt hat – gerade auch wegen Friedrich Merz – aber auch für viele andere bürgerliche Wähler in Deutschland, die die Mitte noch nicht aufgeben und zusehen wollen, wie sie zwischen dynamischen Rechten und Linken zerrieben wird.

Wer historisch ein bisschen belesen ist, erkennt die Parallelen zum Ende der Weimarer Republik – wenngleich TikTok-Heidi nicht mit den Kommunisten und Alice Weidel überhaupt nicht mit der Nazipartei zu vergleichen sind. Nicht einmal im Ansatz!

Mir geht es um die Funktionsweisen, wie auf demokratischem Wege ein „System“ komplett ausgehebelt werden kann.

Genau daran arbeiten Extremisten auf beiden Seiten, an einer „Querfront“, die erst einmal unser in vielen Bereichen überaus erfolgreiches System und seine Repräsentanten aus dem Weg schaffen will, um dann „etwas Neues“ zu schaffen. Auch das kennen wir aus der Geschichte, und nein, meistens endet das gar nicht gut.

Aber reden wir über Kanzler Merz und die Union

Inzwischen ist sie die zweitstärkste, aber immer noch dominierende Parteienfamilie in Deutschland – Tendenz stark fallend.

Die Hasser der Christdemokratie prophezeien bereits seit zehn Jahren, dass der Weg der CDU in den Abgrund führt. Lesen Sie nach, wie die Democrazia Cristiana (DC) in Italien pulverisiert wurde, Herr Kelle!

Das wird in Diskussionen in den (a)sozialen Netzwerken immer gern vorgebracht, damit es dramatisch klingt. Aber DC und CDU sind nur vergleichbar darin, dass sie einst auf einem christlichen Wertefundament gegründet wurden und dass sie jahrzehntelang die Geschicke ihrer Länder leiten konnten – und das bei weitem nicht immer schlecht.

Doch das Scheitern der DC war nicht die Folge falscher politischer Orientierung, sondern krimineller Verstrickungen mit dem Organisierten Verbrechen, volkstümlich: mit der Mafia.

Denken Sie nur als ein prägnantes Beispiel an den siebenmaligen DC-Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, dem enge Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra nachgewiesen wurden.

Diese Enthüllungen zerstörten das christlich-wertkonservative Fundament der Partei total, die sich 1994 nach massivem Wählerschwund, internen Flügelkämpfen und dem totalen moralischen Bankrott offiziell auflöste.

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Das ist nicht zu vergleichen mit der Spendenaffäre um Helmut Kohl, der auf geheimen Wegen Geld einwarb, um im letzten Volkskammerwahlkampf mit der „Allianz für Deutschland“ gegen die DDR-Kommunisten und ihr Milliardenvermögen bestehen zu können.

Weder Kohl noch Schäuble, weder Merkel noch Merz kann irgendjemand ernsthaft vorwerfen, sich persönlich bereichert und mit dem Organisierten Verbrechen paktiert zu haben.

Giulio Andreotti war dazu über Jahre hinweg im Zentrum eines der spektakulärsten Mordprozesse der europäischen Nachkriegsgeschichte. Ihm wurde vorgeworden, die Ermordung des investigativen Journalisten Carmine „Mino“ Pecorelli im Jahr 1979 in Auftrag gegeben zu haben. Das ist eine ganz andere Kategorie, als wenn Helmut Kohl seine Staatsgäste immer wieder zum „Saumagen“-Essen einlud.

Ich bin überzeugt, dass die CDU eine Chance hat

Eine Chance zu überleben und die Chance, auch wieder stärkste politische Kraft in Deutschland zu werden.

Aber nicht mit diesem Führungspersonal, nicht mit dieser Hasenfüßigkeit und „Brandmauer“ und vor allem: nicht jetzt.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte das Ende von Friedrich Merz als Regierungschef einläuten.

Könnte, persönlich glaube ich nicht an eine absolute Mehrheit der AfD im Magdeburger Landtag. Weil nicht nur die Rechten taktisch wählen können, sondern auch die anderen nicht doof sind.

Ob die CDU in Sachsen-Anhalt mit 23 oder 20 Prozent verliert, ist egal. Wenn dafür SPD, Grüne und FDP mit Leihstimmen knapp über die Fünf-Prozent-Hürde gehievt würden.

Dann hat Herr Siegmund keine absolute Mehrheit der Mandate

Aber: Das löst kein Problem, denn die Union und die anderen traditionellen Parteien müssten eine Allparteienkoalition bilden, und das wäre schlecht. Niemals darf die Union mit der Linken gemeinsame Sache machen!

Eine Minderheitsregierung der CDU in Sachsen-Anhalt unter Kooperation mit der AfD oder diese als Juniorpartner – man kann sich vieles vorstellen. Aber keine Koalition mit dem einzigen gemeinsamen Nenner, bloß die AfD zu verhindern. Wenn die das erneut versuchen, ist die absolute Mehrheit der AfD beim nächsten Mal sicher.

In dem vielen Hickhack um Friedrich Merz, Jens Spahn und Patrick Schnieder in den vergangenen Tagen ist eine Personalie aus Brandenburg nicht sonderlich aufgefallen. Aber sie ist es wert, genau betrachtet zu werden

Denn die 29-jährige JU-Landesvorsitzende Laura Strohschneider, eine Juristin und Geschäftsführerin eines mittelständischen Immobilienunternehmens, galt als stilles, aber eines der profiliertesten Nachwuchstalente der Christdemokraten in Ostdeutschland. Ohne Bundestagsmandat führte sie als JU-Chefin ihren Verband mit klarem politischem Kompass, was in der notorisch zerstrittenen Brandenburger CDU an sich schon ein Wert ist.

Ihr Rücktritt als Landesvorsitzende der Jungen Union und gleichzeitig der Austritt aus der CDU reißt die Fassade der personellen Geschlossenheit ein, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Thorsten Frei, mühsam aufrechtzuerhalten versucht.

In ihrer fulminanten Austrittserklärung sezierte Strohschneider die Glaubwürdigkeitskrise der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung.

Sie warf der Parteispitze vor, aus nackter „Angst vor dem Verlust des Koalitionspartners SPD“ notwendige Reformen zu blockieren. Konkret geißelte sie die Verwässerung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse zu Beginn der Legislaturperiode und die jüngsten Pläne zur Einkommensteuerreform. Diese führe in Verbindung mit explodierenden Sozialabgaben dazu, dass „die Fleißigen“ in der Gesellschaft immer weniger Netto vom Brutto übrigbehalten.

Das „Zünglein an der Waage“ war für sie jedoch die unappetitliche, rein machtpolitisch motivierte Kabinettsrochade von Kanzler Merz: Dass ausgerechnet Carsten Linnemann – einst als programmatischer Hoffnungsträger der Jungen gefeiert – nun das Bundesgesundheitsministerium übernimmt, obwohl er dieses Amt zuvor explizit für sich abgelehnt hatte, empfand Strohschneider als finalen Bruch mit jeglicher politischer Wahrhaftigkeit.

Ähnliches gelte für den Umgang mit dem gestürzten Fraktionschef Jens Spahn, dessen privates Handeln im eklatanten Widerspruch zu den offiziell verkündeten Leitlinien der Partei stehe. „Ich habe angefangen, mein politisches Engagement in Gesprächen zu umschiffen, weil ich es nicht mehr rechtfertigen konnte“, so ihr bitteres Fazit.

Frau Strohschneider ist jetzt raus

Aber sie hat ihrer Partei einen unschätzbaren Dienst erwiesen, nämlich die Erkenntnis, dass pragmatische Kompromisse kein Ersatz für anständige Politik im Sinne der eigenen Wähler sein können.

Und in der zweiten und dritten Reihe der CDU sitzen junge, kluge Köpfe, die sich noch erinnern, was christdemokratisch bedeutet und dass man die Versprechen an seine Wähler auch nach dem Wahltag halten muss.

Pascal Reddig, Chef der Jungen Gruppe der Bundestagsfraktion, wäre da zu nennen, der das Netzwerk der unter 35-jährigen Abgeordneten organisiert.

Oder Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), der frisch in den Bundestag eingezogen ist. Winkel liefert die rhetorische und inhaltliche Munition für den Generationenkonflikt. Er treibt die Partei in der Renten- und Steuerpolitik vor sich her und warnt unermüdlich vor einer Politik, die auf Kosten der Jugend die Gegenwart finanziert.

Johannes Volkmann fällt mit schneidigen Reden auf. Der Enkel von Altbundeskanzler Helmut Kohl hat sich im Auswärtigen Ausschuss längst aus dem Schatten seines berühmten Großvaters herausgearbeitet. Volkmann argumentiert hochgradig analytisch, sachbezogen und fernab von plattem Populismus. Er verkörpert den Typus des intellektuellen Realpolitikers, der die strategischen Fehler der Merkel- und Merz-Jahre penibel seziert, um außen- und wirtschaftspolitisch neue Leitlinien für ein zukunftsfähiges Deutschland zu entwerfen.

Wollen Sie noch mehr? Marc Henrichmann, Vorsitzender des extrem wichtigen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) für die Geheimdienste, den Sie in diesen Tagen auf allen Fernsehkanälen finden. Carolina Bosbach wäre zu nennen, Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates der CDU. Sie transportiert die ordnungspolitische Kritik des Nachwuchses medienwirksam in Talkshows und Wirtschaftsforen.

Die CDU steckt in einer tiefen Krise, um das zu erkennen, müssen Sie kein Politologe sein.

Aber zu glauben, Merz, Wüst oder Günther würden den Weg aus der Sackgasse finden, ist naiv.

Diese Leute sind nicht die Hoffnung für bürgerliche Christdemokraten, sie sind der Weg in die Bedeutungslosigkeit der großen, stolzen Volkspartei von Konrad Adenauer und Helmut Kohl.

Es wäre zu wünschen, dass dieses Kabinett und dieser Bundeskanzler bald an ihr Ende kommen.

Und danach darf auf gar keinen Fall weitergewurschtelt werden wie in den vergangenen Jahren. Sie erinnern sich: Kramp-Karrenbauer, Laschet, Spahn. Jetzt muss konsequent verjüngt und neu aufgestellt werden. Dann klappt’s auch wieder mit dem Wähler.




Mit der Wahl von Frei ist gar nichts gut für Merz und die CDU

„Die Personal-Rochade, die Friedrich Merz vorgenommen hat, finde ich schwierig, weil sie auf einer persönlichen Ebene ganz seltsam und unschön gelaufen ist. Ich finde sie aber auch schwierig, weil ich nicht nachvollziehen kann, inwiefern das ein Zeichen nach vorne sein soll.“

Das hat die Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) Brandenburg, Laura Strohschneider, in ihrer Rücktrittserklärung und zum gleichzeitigen Austritt aus der CDU geschrieben. Und die Frau ist dabei beileibe nicht die einzige, die so empfindet.

Wer nach der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gestern und der Wahl von Thorsten Frei mit überzeugenden 92 Prozent in die Nachfolge von Jens Spahn an der Spitze der Fraktion meint, nun sei die Krise der Union und ihres Bundeskanzlers Friedrich Merz vorbei und diese könne nun locker im Sommerloch versickern, der hat keine Ahnung, wie Politik funktioniert.

Natürlich denken Abgeordnete der Union auch ans persönliche politische Überleben. Das ist systemimmanent.

Und natürlich wäre jedes Ergebnis unter 90 Prozent bei der Wahl zum Fraktionschef peinlich gewesen. Aber die Wahl von Thorsten Frei ist die Wahl von Thorsten Frei. Ganz sicher ist sie kein Zeichen des Vertrauens in den Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz.

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Allein wie Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder nach der Fraktionssitzung in Berlin und in Anwesenheit von Merz den aus dem Amt gedrängten Jens Spahn geradezu überschwänglich lobte und ihm eine politische Zukunft attestierte, das war ganz großes Polit-Kino. Und man sah Merz an, wie sehr ihn das anko… ihm das missfiel.

„Ich glaube, dass der Weg von Jens Spahn noch nicht beendet ist“, so Söder und weiter: „Jemand mit solchen Talenten und so einer politischen Kraft, der wird sicher irgendwann wieder eine führende Rolle übernehmen.“

Wir alle sind gespannt

Und da ich die CDU über Jahrzehnte in der Innenansicht erlebt habe, halte ich das nicht einmal für unwahrscheinlich. Masken-Milliarden, Leihmutter-Kind, Brosius-Gersdorf – was schert mich mein Geschwätz von gestern, oder?

Der Unmut in der Union ist bei Funktionären, Abgeordneten, Mitgliedern und Wählern immens.

Dabei kocht die Empörung besonders um das Hickhack mit Verkehrsminister Patrick Schnieder hoch, der in der Fraktion offenbar ein gutes Standing hat. Am Donnerstag vergangener Woche rief der Bundeskanzler mit dem Händchen für richtige Zeitpunkte Schnieder am letzten Urlaubstag auf einem Campingplatz in Island an, um ihm mitzuteilen, dass er gefeuert sei.

Dumm nur, dass der von Merz vorgesehene Nachfolger im Ministeramt, Fritz Güntzler, am folgenden Freitagmorgen um 4 Uhr in der Nacht dem Kanzler eine SMS schickte, dass er es sich anders überlegt habe und nicht Minister werden wolle, weil er vom Verkehrssektor keine Ahnung habe.

Man wünschte sich, auch andere Ministeranwärter in der Vergangenheit hätten so viel Schneid gehabt. Dann hätten wir auf manchen Baer-Bock verzichten können.

Carsten Linnemann, jetzt neuer Gesundheitsminister, hatte einen Ministerjob bei Merz im vergangenen Jahr abgelehnt, weil er selbst einräumte, er hätte – nur als Beispiel – Beispiel als Gesundheitsminister keinerlei Fachkompetenz. Ein Jahr später ist nun alles tutti!

Wahrscheinlich hat er als Generalsekretär im Konrad-Adenauer-Haus nebenbei ein paar Fachbücher über Gesundheitspolitik gelesen und ist jetzt unser bester Mann dafür…




Entsteht in Ceuta ein neuer Migranten-Hotspot?

Mehr als 1.500 Migranten, überwiegend junge Männer, sind innerhalb einer Woche schwimmend in der an Marokko grenzende spanische Exklave Ceuta angelandet.

Angesichts der dramatischen Bilder hat Regionalpräsident Juan Jesús Vivas die Zentralregierung in Madrid aufgefordert, aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ den Notstand auszurufen und Einheiten der Streitkräfte an die Grenze zwischen Marokko und Ceuta zu verlegen.




Liebesgrüße aus Dubai: Putin lässt Telegram-Gründer Durow weltweit jagen

Russland hat den Gründer des Messengerdienstes „Telegram“, Pawel Durow, wegen des Vorwurfs der Unterstützung von Terrorismus weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Der Inlandsgeheimdienst FSB behauptet, Chats und Bots in dem Dienst nicht zu sperren, die ukrainische Geheimdienste und Terrororganisationen zur Anwerbung von Personen für Sabotageakte und Anschläge in Russland nutzten. Tatsächlich ist bekannt, dass russische Geheimdienste Telegram ebenfalls nutzen, um Ukrainer für Anschläge anzuwerben.

Russland hat das Internet für seine Bürger seit Beginn des Angriffskrieges auf das Nachbarland massiv eingeschränkt. Auch Telefonate über Telegram werden blockiert, der Dienst insgesamt gedrosselt.

Inzwischen hat sich Durow öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Auf Elon Musks Plattform X veröffentlichte Durow ein Foto, auf dem er den Mittelfinger in die Kamera steckt…

Der Telegram-Gründer hat seinen Hauptwohnsitz seit 2017 in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate).




Das Strandkorb-Paradoxon: Warum die Deutschen trotz Dauerkrise im Buchungsrausch sind

Sind Sie auch unterwegs in diesen Tagen? Mit Freunden und der Familie auf Rügen, Mallorca oder am Tegernsee? Die Seele baumeln lassen, bei 35 Grad Eis essen und abends bei Gino noch drei Averna aus Sizilien bestellen?

Wir schreiben den Sommer 2026, und auf den ersten Blick wirkt Deutschland wie ein Land in tiefer Agonie.

Schlägt man die Zeitungen auf, dominieren Berichte über wirtschaftliche Stagnation, steigende Lebenshaltungskosten und – unübersehbar – es herrscht eine tief sitzende Frustration über die politische Führung im Land insgesamt und über Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Besonderen.

Und diese Unzufriedenheit ist ohne Zweifel begründet. Aktuellen Umfragen zufolge blicken fast 60 Prozent der Bürger mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Handlungsfähigkeit dieser Regierung.

Doch zur Wahrheit gehört auch ein Blick auf die Flughäfen und Autobahnen Richtung Süden

Denn Deutschland befindet sich trotz allerlei Krisen erneut im kollektiven Urlaubsrausch.

Diese Sommerwochen bescheren der Reisebranche eine erstaunlich resiliente Konsumlust.

Für das gesamte Touristikjahr rechnen Analysten mit einem Rekordmarktvolumen von fast 85 Milliarden Euro, wovon allein die aktuelle Sommersaison knapp 57 Milliarden Euro verschlingt.

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung haben konkrete Urlaubspläne oder sind bereits an ihrem Urlaubsort. Die Reisefrequenz hat damit den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreicht.

Erfreulicherweise wählen 35 Prozent der Deutschen den Urlaub im eigenen Land

Das ist nämlich wirklich schön und steigert – na klar – das Bruttosozialprodukt.

Die Küsten an Nord- und Ostsee sowie die Bergregionen in Bayern sind restlos ausgebucht. Wer es ins Ausland schafft, drängt vorzugsweise ans Mittelmeer. Spanien bleibt mit Mallorca an der Spitze der Beliebtheitsskala, dicht gefolgt von Italien und Frankreich, wo Urlauber gezielt nach Entschleunigung und kulinarischer Verlässlichkeit suchen.

Gleichzeitig erleben Flugpauschalreisen in die Türkei und nach Griechenland einen massiven Boom.

Trotz gestiegener Kosten geben die Deutschen im Schnitt mehr als 1.500 Euro pro Person für ihren Haupturlaub aus – so viel wie noch nie zuvor.

Wie passt das aber zusammen: maximale Unzufriedenheit und maximaler Konsum?

Die Bürger beklagen an der Supermarktkasse jeden Cent Preiserhöhung, schimpfen über die Belastungen durch die Energiewende und strafen die Politik in den Umfragen ab – doch sobald es um die Ferien geht, sitzt das Portemonnaie locker. Schimpfen wir Deutschen also, wie so oft kritisiert, lediglich „auf höchstem Niveau“?

Soziologen und Tourismusforscher warnen vor einer Pauschalisierung und sprechen von einer Art „Kompensationskonsum“. In Zeiten, in denen langfristige Lebensentwürfe – wie der Traum vom Eigenheim oder eine verlässliche Altersvorsorge – durch Inflation und wirtschaftspolitische Unsicherheit für viele in weite Ferne rücken, verschiebt sich die Prioritätensetzung.

Wenn das Ersparte auf der Bank ohnehin an Wert verliert und die Zukunft ungewiss scheint, investieren die Menschen ihr Geld lieber im Hier und Jetzt.

Der Jahresurlaub wird so zum unantastbaren mentalen Schutzraum

Man spart im Alltag, verzichtet unter dem Jahr auf Restaurantbesuche oder neue Kleidung, um sich gleichzeitig die zwei Wochen Auszeit im Sommer nicht nehmen zu lassen.

Doch der kollektive Milliarden-Umsatz verschleiert auch eine tiefe gesellschaftliche Spaltung in Deutschland

Die Rekordsummen der Reisebranche werden vor allem von der oberen Einkommenshälfte getragen, die trotz der Krise über genügend finanzielle Polster verfügt und teilweise sogar zwei- oder dreimal im Jahr verreist.

Am anderen Ende der Skala sieht die Realität eher bitter aus: Fast ein Viertel der Deutschen kann sich statistisch gesehen nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise leisten.

Die statistische (und reale) Reiselust der Deutschen ist kein Gegenbeweis für eine existierende Krise. Sie ist eher ein Symptom dieser Krise.

Das kollektive Verreisen scheint eher so etwas wie eine kurze Flucht aus der Realität zu sein, die als überfordernd, teuer und politisch instabil wahrgenommen wird.

Für wenige Wochen im Jahr tauschen Millionen Bürger die Sorgen über die nächste Nebenkostenabrechnung und den Frust über die Bundespolitik gegen Sonne, Strand – vielleicht ein Stückchen altgewohnter Normalität.

Wenn dann der Herbst kommt und die Koffer wieder ausgepackt sind, wird die politische und wirtschaftliche Realität die Urlauber dann wieder einholen – und im September gehen die Wähler dann braungebrannt in die Wahllokale in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.




Aus, Aus, Aus! Das Spiel ist aus: Spanien ist Weltmeister – Beobachtungen zu einer fantastischen Fußball-WM

Spanien ist Fußball-Weltmeister 2026 – und das ist auch gut so. In einem insgesamt eher enttäuschenden Finale setzte sich die „Selección“ dank des Treffers von Ferran Torres in der 106. Minute mit 1:0 durch.

Gestatten Sie mir die persönliche Anmerkung, dass ich schon vor Anpfiff auf Spanien gesetzt und gehofft hatte, obwohl ich mit denen eigentlich nicht viel zu tun habe.

Aber wenn in einem Turnier der besten Nationalmannschaften des Planeten Deutschland ausscheidet – immer meine Nummer 1 – und unter den verbleibenden acht Mannschaften sieben aus Europa und eine aus Südamerika kommen, dann bin ich immer auf Seiten der Europäer.

Obwohl jeder Fußballfan eine Grundsympathie für Argentinien, für Maradona und Messi hat – ich auch. Im Grunde ja auch für Brasilien, weil uns allen immer wieder die spielerische Leichtigkeit des Auftretens der Südamerikaner fasziniert hat.

Deutschland, das war früher immer Disziplin und Struktur, die Britten waren volle Pulle nach vorn. Aber Südamerika – das ist Samba und Tango statt Stehblues und Foxtrott.

Und wenn nach Abpfiff die Statistik zeigt, dass die Spanier 20-mal aufs Tor des Gegners geschossen haben und Argentinien ganze zwei Mal einen Abschluss versuchte, dann ist Spaniens Sieg zu 100 Prozent verdient.

Kommen wir also zur Begleitmusik

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni brach nach dem Finale seine Pressekonferenz unter Tränen ab und konnte kaum noch sprechen, so sehr ging ihm die Niederlage ans Herz. Und die Millionen in den Straßen Argentiniens und die Zehntausenden live im Stadion werden ähnlich empfunden haben. Sie alle hätten besonders ihrem Superstar Lionel Messi zum Abschluss seiner Karriere noch einmal den WM-Titel gegönnt.

„Er ist der beste Fußballer, der jemals einen Fußballplatz betreten hat“, brachte Scaloni über Messi noch heraus: „Daran wird sich nichts ändern!“

Kann sein, wenngleich man mit Superlativen immer vorsichtig sein sollte. Lamine Yamal ist erst 19 Jahre alt und schon jetzt herausragend. Wer weiß, was aus dem noch wird, wie viele Trophäen er einsammelt in der Zukunft. Und, ganz ehrlich: Pelé, Beckenbauer, Beckham, Mbappé, Haaland, Kane und viele andere Superstars konnten und können an guten Tagen auch Spiele im Alleingang gewinnen.

Ein Tropfen Wasser in den Wein

Fußball, auch wenn eine WM ein Milliardengeschäft ist, hat auch viel mit Sportsgeist, Ehre und Respekt zu tun. Wenngleich man bei einer WM oder Europameisterschaft sein Land repräsentiert. Dass die argentinischen Spieler bei der Siegerehrung der Spanier denen demonstrativ den Rücken zuwandten, war würdelos und eine Schande. Denn der Sieg der Spanier war verdient und sportlich errungen. Selbst wenn man nach einer Niederlage enttäuscht ist, muss man Haltung zeigen.

O.k., von Donald Trump war zu erwarten,

dass es nicht ohne Peinlichkeit enden würde. Wie er nach der Pokalübergabe bräsig im Jubel-Bild stehen blieb und erst vom FIFA-Chef Gianni Infantino mit sanftem Druck aus dem Bild gezogen wurde, das war schon strange. Aber hat es Sie wirklich überrascht? Mich nicht. Dass die WM in den USA die schönste, beste aller Zeiten sein würde, wussten wir schon vor dem ersten Anpfiff, oder?

Doch bleiben wir bei Infantino und allem, was vorausgesagt wurde über die Drei-Länder-WM.

Nichts davon hat sich bewahrheitet

Die Amis, Kanadier und Mexikaner waren perfekte Gastgeber. Die Stadien waren nahezu immer ausverkauft, die WM hat Milliarden Dollar in die Kassen des Weltfußballverbandes FIFA, aber auch in Gastronomie und Hotels gespült. Es gab keine Sicherheitsprobleme, die Sonne schien und die an Wucher grenzenden Preise hielten niemanden ab, Spaß zu haben mit Menschen aus der ganzen Welt. Schotten im Kilt mit Dudelsäcken, rudernde Norweger – jeden Tag konnten wir vor dem Bildschirm sehen, wie es sein könnte in einer friedlichen Welt. Könnte.

Und natürlich gab es zum Schluss noch Meinungsstreit in den (a)sozialen Netzwerken

Eine „Half-Time-Show“ wie beim Super Bowl – passt das zu einem WM-Finale im Weltfußball? 27 statt 15 Minuten Halbzeit – nein, mir persönlich kam das fremd vor.

Aber Versuch macht kluch – ich finde es ok, dass sie es versucht haben, und die Show mit Superstars wie Madonna, Justin Bieber und Shakira war perfekt, wie die Begrüßungsworte vor Spielbeginn von Tom Cruise und der Auftritt von Robbie Williams auch.

Hey, das ist Amerika!

Die USA und die FIFA haben der Welt ein rasantes Spektakel geschenkt, das für uns Deutsche den Blick geschärft hat, dass wir trotz vier Sternen sehr weit von der Weltspitze entfernt sind. Aber ich hoffe auf Jürgen Klopp und eine goldene Zukunft für den Fußball hierzulande.

Und ich habe unglaublich viel Freude gehabt an den Spielen unserer europäischen Freunde. England hätte ich es nach 60 Jahren von Herzen mal wieder gegönnt. Die Norweger, Belgier, Franzosen und Spanier – die Musik im Weltfußball spielt immer noch auf dem alten Kontinent. Und da kann ich mich ehrlich mitfreuen…

Alternative und freie Medien gibt es heute viele in Deutschland. Bürgerlich-konservativ und dennoch in der Mitte – das ist selten geworden. Wenn Sie möchten, dass wir mit unserem Kurs weiterfahren in die Zukunft, dann unterstützen Sie unsere publizistische Arbeit mit einer Spende auf das Konto DE18 1005 0000 6015 8528 18 oder mit PayPal auf das Konto @Vers 1 Medien GmbH…




Rechts ist machbar, Herr Nachbar!

Oft werde ich durch Veranstaltungen, bei denen mir etwas auffällt (wie zuletzt das Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt), oder durch private Treffen mit Freunden zu Themen motiviert, die ich Ihnen dann im „Frühen Vogel“ mit ein paar eigenen Gedanken präsentiere.

Gestern war wieder ein Moment, als mich ein sehr guter langjähriger Freund besuchte, um sich nach der Entwicklung meines Gesundheitsprozesses zu erkundigen und vor Ort davon zu überzeugen.

Das medizinische Thema war schnell geklärt – es geht voran, jeden Tag ein Stück.

Und welches Thema folgte dann? Na klar, die AfD und der heftige Streit zwischen dem größten Landesverband NRW und der Bundespartei, zwischen Alice Weidel und Martin Vincentz.

Viele sagen, es gehe dabei um reine persönliche Machtinteressen und in Einzelfällen um persönliche Abneigungen, keineswegs aber um den Kampf zwischen Realpolitikern und Extremisten. Ich sehe das anders.

Klar dreht es sich in der Parteipolitik auch immer um Macht, das ist das Wesen des politischen Kampfes, sozusagen systemimmanent. Es geht auch um Pöstchen, Geld und Perspektiven. Und was in diesem Fall das vorherrschende Motiv ist, kann ich als Betrachter von außen nicht abschließend beurteilen.

Aber gewollt oder ungewollt: Mit dem mutigen Vorgehen von Martin Vincentz ist – endlich – die Schlacht um Seele und Zukunft der AfD eröffnet.

Das hätte schon vor vielen Jahren geschehen sollen, dann wäre womöglich auch keine „Brandmauer“ entstanden – eine unfassbar dumme Strategie der CDU, die die AfD immer nur stärker gemacht hat.

Viele in der AfD haben lange auf Alice Weidel gesetzt: Bundessprecherin, Kanzlerkandidatin, leidenschaftliche Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag, das bürgerliche Gesicht aus dem Westen. Nicht völkisch, nicht national.

Zu gern hat man die Kehrseite der Medaille dabei ignoriert

Denn Frau Weidel hat keine echte eigene Hausmacht in ihrer Partei. Sie war und ist immer darauf angewiesen, strategische Bündnisse auch mit zwielichtigen Gestalten des Höcke-Schnellroda-Lagers zu schließen, um ihre Mehrheiten zusammenzubekommen. Und, liebe Freunde, so ist Politik. Kaum jemand auch in den lange etablierten Parteien, der nicht zu solchen schrägen „Moves“ gegriffen hätte, um innerparteilich weiterzukommen.

Das ist erstmal nicht zu skandalisieren. Dann – im Falle Weidel – schon eher ihre Nebenaußendiplomatie.

Die AfD-Bundessprecherin hat eine beeindruckende Biografie. Sie absolvierte ihr Wirtschaftsstudium mit einer Doktorarbeit über das chinesische Rentensystem, lebte und arbeitete mehrere Jahre lang in Shanghai und Peking und spricht fließend Chinesisch. Unter anderem war sie als Analystin der Bank of China tätig.

Medien deckten dann aber auf, dass sich Alice Weidel – abseits ihres offiziellen Terminkalenders, also konspirativ – häufig mit dem damaligen chinesischen Botschafter Wu Ken in Berlin getroffen hat. Bei den Gesprächen in einer „privaten Berliner Villa“ habe es sich um einen Austausch über den Ukraine-Krieg und die geopolitische Rolle Chinas gehandelt, erklärte Weidel.

Aber warum fanden diese Treffen geheim statt?

Warum gibt es keine Pressemitteilung, mit der die AfD informiert, dass Frau Weidel den chinesischen Botschafter zu einem Meinungsaustausch über das Thema Ukraine und die Rolle Chinas in der Welt trifft – selbst wenn das Gespräch selbst vertraulich ist?

Aber beide Seiten versuchten, es zu verschleiern? Warum? Hat Weidel die deutsche Regierung über ihre Gespräche mit Ken informiert, wie das bei den etablierten Parteien üblich ist? Nichts deutet darauf hin. Führt sie diese Art von Nebenaußenpolitik heute weiter? Vielleicht auch mit Moskau?

Und jetzt dieses Macht-Bündnis gegen Vincentz und die NRW-AfD zwischen der gebildeten Kosmopolitin gemeinsam mit dem völkisch-nationalistischen Fahnenschwenker Helferich, dem „freundlichen Gesicht des NS“, wie es heißt. War ja nur Spaß, sagt der. Ich kenne seinen Humor nicht, aber ich empfinde eine Selbstbezeichnung als freundliches Gesicht des NS als alles andere als „Spaß“. Es ist widerwärtig.

So wie die kolportierte Geschichte von einem Parteitag der AfD, wo er vor seinem Redeauftritt gescherzt haben soll, er mache jetzt „den Freisler“.

Die AfD kann ihre Personalien natürlich entscheiden, wie sie will

Aber warum die Bundestagsfraktion 2021 beschloss, diesem Herrn Helferich den Zutritt zu verweigern, obwohl er auf dem AfD-Ticket für den Bundestag kandidierte und ihn 2025 – trotz laufendem Parteiausschlussverfahrens – plötzlich durchwinkte, als gäbe es die Vorgeschichte nicht, ist mehr als erklärungsbedürftig.

Denn es ist ja nicht das Grundsatzprogramm der AfD, das zu „Brandmauern“ führt.

Es sind die gewollten Grenzüberschreitungen Einzelner. Der eine Funktionär trägt am Rednerpult einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt ein T-Shirt der russischen Söldnergruppe Wagner, der andere AfD-Kreisverband organisiert eine Studienreise nach Österreich zum Geburtshaus von Adolf Hitler, wieder andere posieren vor einem Weinregal mit Flaschen mit Hitler-Konterfei und neuerdings wird auf AfD-Wahlveranstaltungen auch schon mal die Hymne des untergegangenen SED-Staates gesungen. Ist ja alles nur Satire, oder? Einfach nur Spaß…

Aber es ist gar kein Spaß

Denn so sehr ich die „Brandmauer“ gegenüber der AfD ablehne und es für einen Skandal halte, wie man die größte Oppositionspartei und derzeit in Umfragen stärkste Partei in Deutschland mit der Arroganz der Macht ihrer parlamentarischen Rechte beraubt, so sehr kann ich nachvollziehen, dass niemand mit einer Helferich-Höcke-Moosdorf-Ebner-Steiner-Schnellroda-AfD wie auch immer zusammenarbeiten wird. Niemand.

Die einzige Möglichkeit, diesen Zustand auch im Sinne Deutschlands zu verändern: Die AfD muss ihren Laden in Ordnung bringen, saubermachen. Feinde des „Systems“, Einflussagenten Russlands und anderer unappetitlicher Gefahren für unser Land konsequent politisch kaltstellen, sie aus Ämtern und Mandaten drängen, so wie Joschka Fischer das einst bei den Grünen erfolgreich betrieb.

Ist Martin Vincentz also jetzt der Joschka Fischer der AfD?

Zumindest hätte er das Zeug dazu. In AfD-internen Chatgruppen ist heute Morgen durchaus viel Respekt vor dem sympathischen Arzt aus dem niederrheinischen Tönisvorst zu lesen – von „last man standing“, Mut und Härte, die man dem Familienvater gar nicht zugetraut hätte. Angeblich hat er gestern eine Einstweilige Verfügung gegen den AfD-Bundesvorstand auf den Weg gebracht: Weidel und Co. sollen sich gefälligst aus der Kandidatenaufstellung des Landesverbandes heraushalten. Hammer, der Mann.

Martin Vincentz könnte der Mann sein, der die AfD in eine Machtteilhabe führt, sie zu einer normalen rechtskonservativen Partei formt, die Deutschland wieder auf Kurs bringt. Wenn sie ihn nicht vorher politisch killen – all die Nutznießer des bisherigen AfD-Systems.

Denn rechte Politik ist demokratisch machbar

Und damit komme ich zurück zum Besuch meines Freundes gestern. Der ist nämlich, das müssen Sie wissen, ein strikter Gegner der AfD.

Völkisch-nationalistisch, das stößt ihn genauso ab wie mich und die große Mehrheit der Deutschen. Und nicht umsonst lehnen viele der großen, einflussreichen europäischen Rechtsparteien jede Zusammenarbeit mit der deutschen AfD-Delegation in Brüssel im EU-Parlament ab.

Aber Giorgia Meloni, die imponiert auch meinem Freund, der politisch meistens leicht links von der Mitte gewählt hat. Und Péter Magyar in Ungarn findet er gut. Und ich wagte einzuwerfen, dass im Grunde – trotz Fußfessel – auch Marine Le Pen eine beeindruckende Frau und rechts ist.

Rechts ist ja keine Seuche, keine Krankheit. Es ist einer der beiden entscheidenden Faktoren, die eine Demokratie in der Balance halten.

Das vergessen wir oft, weil heute „rechts“ medial und von linken Parteien immer als „Nazi“ geframt wird, gegen die man kämpfen müsse. Tatsächlich galt ich während meiner Schulzeit, als ich politisch sozialisiert wurde, als rechts – weil ich in der Jungen Union (JU) aktiv war. Und meine Mitschüler bei den Jusos, die waren links.

Ganz normal alles. Und im Grunde ist es das heute auch noch

Aber es braucht einen Common Sence in der Gesellschaft, ein paar Essentials, auf die sich alle politischen Kräfte einigen, damit es funktioniert. Ja zu Demokratie, Rechtsstaat und Meinungsfreiheit. Eigentlich ganz einfach. Und frei, fair und tolerant gegenüber allen, die mitmachen wollen – für ein besseres Deutschland. Für und gegen alles andere können und müssen wir streiten und kämpfen.Gar nicht so schwer, oder?

 

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Leihmutterschaft: Die Empörung über Jens Spahn (CDU) kocht immer höher – stehen wohlhabende Politiker über dem Gesetz?

Die Empörung über den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn, der gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke am Mittwoch bekannt gegeben hatte, sie seien „Eltern“ geworden, ebbt nicht ab.

Eine sogenannte Leihmutter in den USA hatte das Baby für das prominente gleichgeschlechtliche Paar ausgetragen und zur Welt gebracht.

Gelten für die, die es sich leisten können und/oder die prominent sind und politischen Einfluss haben, andere Regeln als für die einfachen, normalen Bürger?

Denn „Leihmutterschaft“ ist aus guten Gründen in Deutschland verboten. Weil es die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers bedeutet, wie wir das aus illegalem Organhandel oder im Grunde von der Prostitution auch kennen. Es macht Menschen und ihre Körper zu einer Ware.

„Es sollte im Jahre 2026 doch absoluter Konsens sein, dass Frauen sich nicht gegen Geld hergeben müssen, damit sich eine kleine, wohlhabende Gruppe selbstverwirklichen kann“, schreibt heute Morgen ein Freund von mir auf Facebook, und ich stimme ihm zu 100 Prozent zu.

Jens Spahn und vorher der CDU-Politiker und Suchtbeauftragte der Bundesregierung Prof. Dr. Hendrik Streeck haben sich – entgegen der Gesetzes- und Beschlusslage in Deutschland und ihrer eigenen Partei – etwas in Deutschland Verbotenes herausgenommen – einfach, weil sie es sich leisten können.

Und das, dazu muss man kein Prophet sein, wird die Politikverdrossenheit weiter anheizen und wird weitere Menschen von der Union wegtreiben. Zumal in Berlin glaubhaft erzählt wird, dass Jens Spahn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor der Veröffentlichung über den möglicherweise heraufziehenden Sturm informiert und dieser gratuliert habe.

In (a)sozialen Netzwerken wird neben der Doppelmoral Reicher auch die Homosexualität von Spahn und Streeck herausgestellt, was ich für höchst abstoßend halte.

Denn Leihmutterschaft ist kein „Homo-Thema“

Es ist ein Thema von Ethik und Moral. Auch heterosexuelle Paare, die sich ihren Kinderwunsch auf natürliche Art nicht erfüllen können, suchen sich Leihmütter im Ausland, die für materiellen Gegenwert ein Kind mit dem Sperma des männlichen Partners austragen. Und weil sich das alles in einer Grauzone bewegt, ist es schwer, das Thema konkret zu fassen. Experten und Lobbyisten schätzen, dass in Deutschland alljährlich mehrere hundert Kinder durch internationale Leihmütter geboren werden (Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren).

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Nach deutschem Recht (§ 1591 BGB) ist immer die Frau die rechtliche Mutter, die das Kind geboren hat. Wunscheltern müssen die Kinder oft über Umwege (wie eine Stiefkindadoption oder Vaterschaftsanerkennung) im deutschen System registrieren. Ein zentrales Register für den Weg über eine Leihmutter gibt es dabei nicht.

Agenturen vermitteln weltweit in Länder mit schwammigen Gesetzen, darunter auch bestimmte Bundesstaaten der USA (wie Kalifornien), nach Georgien, in die Ukraine oder neuerdings auch vermehrt nach Südamerika.

In den Resten der einst christlich-werteorientierten CDU kocht die Empörung über Jens Spahn besonders hoch.

Der habe sich „komplett unglaubwürdig gemacht“ und bewiesen, dass George Orwell in seinem Roman „Animal Farm“ recht hatte, als er schrieb: „All animals are equal, but some animals are more equal than others.“ Das heißt: „Alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher als andere.“ Orwell wollte auf heuchlerische Ideologien wie den Sozialismus hinweisen, die trotz Versprechen auf Gleichheit privilegierte Klassen schaffen, die tun und lassen können, was sie wollen.
Inzwischen mehren sich auch in der Union die Stimmen, die Spahn einen Rücktritt nahelegen, der noch vor Jahren selbst führend dazu beigetragen hat, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten wurde. Tritt er nicht selbst zurück, so seine Kritiker, sollte die Bundestagsfraktion ihn als ihren Chef abwählen.

So äußerte sich Marion Rosin, Vorsitzende der Thüringer Frauen Union, gegenüber Funke-Medien, dass Leihmutterschaft in Deutschland aus guten ethischen Gründen verboten ist. „Wer dieses Verbot durch eine Auslandslösung umgeht, setzt sich über den Geist des deutschen Gesetzes hinweg.“ Und: Wenn die Glaubwürdigkeit eines Spitzenpolitikers verloren gehe, „ist Rücktritt eine Frage der Konsequenz“, so Rosin.

Besonders deutlich äußerte sich auch Hubert Hüppe, langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter und jetzt Chef der einflussreichen „Senioren-Union“. Gegenüber dem Magazin „Focus“ sagte Hüppe, den ich persönlich für einen der ehrlichsten, anständigsten und glaubwürdigsten CDU-Politiker der vergangenen Jahrzehnte halte: „Die Union war immer eindeutig dagegen, Frauen und Kinder zu einer Ware zu machen. Es sei nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen.“ Hüppe bekannte, er sei von der Nachricht über Spahns Elternschaft „persönlich geschockt“ gewesen.

„Ich kann den Kinderwunsch verstehen. Aber man hat von Politikern, von unseren Volksvertretern, etwas anderes zu erwarten“, sagte Sean Zielinski, Vorsitzender der Jugendorganisation des christdemokratischen Arbeitnehmerflügels. Und weiter: „Spahn kann schlecht seine Handlungen als Privatmensch und Vater von der politischen Debatte trennen.“

Die CDU in Hilchenbach (NRW) schrieb auf Instagram: „Wer als führender CDU-Politiker an einem Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland festhält, selbst aber den Weg über das Ausland nutzt, schafft einen Widerspruch, der viele Mitglieder und Wähler irritiert.“

Und so weiter und so weiter …

Spahn war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister. Im Jahr 2020 antwortete sein Ministerium auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, dass eine Änderung in der damals laufenden Legislaturperiode nicht geplant sei – und erklärte, die Ratio der Regelung liege „primär in der Wahrung des Kindeswohls“. Und im Jahr 2015 hatte das Magazin „GQ“ Spahn, damals gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit den Worten zitiert: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“

Nun wissen wir es alle…




„Operation Filibuster“. Die AfD in NRW steht vor der nächsten offenen Feldschlacht

Was schon vor Jahren hätte passieren müssen, bricht nun in der AfD unkontrolliert aus: die Auseinandersetzung zwischen – ich sage es salopp – Realos und Fundis, zwischen denen, die ernsthaft eine andere Politik für Deutschland wollen, und Extremisten, die dieses „System“ von innen heraus zerstören wollen.

Die Grünen standen nach ihrem ersten Wahlerfolg 1983 vor ganz ähnlichen Problemen.

Die Gruppe um den Hessen Fischer erkannte das Dilemma und nahm den Kampf auf gegen Maoisten, „Stadtindianer“ (Pädophile) und Spinner aller Art.

Die AfD als honorige Professorenpartei hat es nach ihrer Gründung leider laufen lassen – im Irrglauben, man müsse nur die besseren Konzepte bei der Euro-Staatsschuldenkrise mit den Belastungen für die deutschen Steuerzahler haben, dann werde schon alles gut.

Nichts ist gut geworden

Außer natürlich die Wahlergebnisse und Umfrageergebnisse. Die AfD steht bärenstark da und kann im Herbst sogar bei ein oder zwei Landtagswahlen in Ostdeutschland auf eine erste echte Machtperspektive hoffen. Die unterirdische etablierte Politik spielt ihr in die Karten, allen voran Friedrich Merz, der unbeliebteste Bundeskanzler seit 1949, der leider nicht „liefert“. Immerhin versucht er es jetzt erkennbar, aber das wird nicht reichen, solange zum Beispiel das Problem mit der Massenmigration nicht erkennbar gelöst ist. 25 Afghanen raus, 1000 rein – das ist kein Erfolgsrezept.

Die Bürgerlichen versagen in Deutschland irgendwie immer

Sie haben in den 30er Jahren in der Weimarer Republik versagt, sie haben in den 60ern in Westdeutschland versagt, und sie versagen heute. Im Großen wie im Kleinen. Und, glauben Sie mir, es ist deprimierend, wenn man – wie ich – bürgerlich ist und sein will.

Man kann das an vielen großen und kleinen Beispielen deutlich machen. Die Extremen, das sind in der Regel diejenigen, die „Action“ veranstalten. Die gehen raus, die demonstrieren, die gründen neue Parteien, veranstalten „Geheimtreffen“ und spenden auch nennenswertes Geld für ihre Pläne. Die Bürgerlichen legen ihre Ersparnisse für die Kinder an und planen Urlaub auf Norderney.

Als in Schleswig-Holstein der Machtkampf in der AfD einst tobte und ein Landesparteitag anstand, bei dem die schrille „Doris“ re-installiert werden sollte, wurden von ihren Anhängern Bustouren und Hotelübernachtungen organisiert, damit bloß alle Kader rechtzeitig da waren, um ihre Wahlunterlagen in Empfang zu nehmen. Die „Anderen“ schauten mal, wer so kommt am Samstag.

Ähnlich bei der spektakulären Abwahl der niedersächsischen AfD-Vorsitzenden Dana Guth im Herbst 2020 auf einem Parteitag in Braunschweig, bei dem ich zugegen war.

Alle Zeichen standen auf Sieg der Realpolitikerin, und dann wurde sie vom rechtsnationalen Lager Jens Kestners mit 278 zu 248 Stimmen weggefegt. Später erzählte man mir, dass auf den Unterstützerlisten für Guth etwa 80 AfD-Mitglieder standen, die zugesagt hatten zu kommen – und die dann aber nicht da waren. Ich weiß noch, es war ein herrlicher Sonnentag. Da haben „Bürgerliche“ auch mal etwas anderes vor.

Die Rechten in der AfD ticken anders

Die sammeln ein, was sie kriegen können. Erstmal stark werden, dann sehen wir weiter. Und wenn wir ehrlich sind, ist das nicht dumm.

Wenn die Basis steht, dann machen wir etwas Richtiges daraus. Blöd nur, wenn dann die Falschen die Strippen ziehen.

Bernd Lucke, Frauke Petry, Jörg Meuthen – ich kenne alle drei, alles honorige und auch beeindruckende Leute. Aber das Sagen in der AfD haben heute andere. Die Strategie von Schnellroda, die den Höcke-„Flügel“ so stark und einflussreich machte, spielte eine wichtige Rolle. Auch Einfluss und – wie man hört – Geld „von außen“.

Und damit kommen wir nach Nordrhein-Westfalen

Dort ist im kommenden Jahr Landtagswahl, und die AfD wird vermutlich erheblich stärker als bisher. Das hat sie im Wesentlichen ihrem Vorsitzenden Dr. Martin Vincentz zu verdanken, einem Arzt und Realo. Weil NRW der mitgliederstärkste Landesverband der AfD ist und mehr Mitglieder hat als die AfD in ganz Ostdeutschland zusammen, versuchen die destruktiven rechtsnationalen Kräfte, den Mann wegzubeißen. Da werden Koalitionen geschmiedet, das können Sie sich in Ihren schlimmsten Alpträumen nicht ausdenken.

Das „freundliche Gesicht des NS“, der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, ist im Kampf gegen Vincentz die zentrale Figur in NRW, und er hat mächtige Unterstützer in Berlin. Welche Rolle die Sprecherin Alice Weidel dabei spielt, wird in den Kulissen offen erzählt. Ich beobachte nur, aber es scheint keine gute zu sein. Bloß nicht Herrn Vincentz zu mächtig werden lassen…

Am vergangenen Wochenende fand in Marl ein erster Showdown statt

Da begann die AfD, ihre Liste für die Landtagswahl aufzustellen. Der Verlauf der Veranstaltung war überaus bemerkenswert, denn die „Realos“ wählten durch. Auf den ersten 22 Listenplätzen finden sich nun ganze zwei zukünftige Abgeordnete, die dem rechten Lager um Helferich klar zuzurechnen sind. Eine Wackelkandidatin soll dabei sein – der Rest ist Vincentz-Lager.

Das sorgte für Aufsehen und in der Helferich-Kulisse für blankes Entsetzen.

Fortan verlegte man sich auf pure Destruktion ohne Rücksicht auf Verluste oder das Ansehen der AfD. Helferichs Helfer schlugen dann am Sonntag mehr als 100 Kandidaten für einen einzigen Listenplatz vor. Offenkundig geht es jetzt nur noch um Chaos. Am Wochenende geht es weiter und am Wochenende danach auch.

„Wir appellieren an alle Teile der Partei, sich entsprechend professionell zu verhalten und nicht zu spalten“, erklärten die Bundessprecher Tino Chrupalla und Alice Weidel in einer gemeinsamen Erklärung. Sie schlugen einen „Mediator“ für den Parteitag vor, was von Vincentz und der Vorstandsmehrheit in Nordrhein-Westfalen brüsk abgelehnt wurde.

Der Grund für die Ablehnung ist nachvollziehbar.

Denn die Vincentz-Gegner mobilisieren in einer internen Chatgruppe heftig gegen ihn und seine Leute. Name der Gruppe: „Operation Filibuster“. Prominente AfD-Mitglieder und Abgeordnete sind da drin, Vertraute von Alice Weidel auch, die doch eigentlich Mediatoren für den innerparteilichen Frieden vorschlägt.

Auf jeden Fall wird es wieder bunt bei der AfD an Rhein und Ruhr, wenn man am Wochenende zur nächsten Runde zusammenkommt. Ich habe mal ein bisschen geschmökert in den Screenshots aus der Gruppe. Da wird eine Menge auszuzählen sein bei der zu erwartenden Kandidatenflut…