Handwerks-Präsident will Sonntagsbackverbot kippen

Endlich spricht es mal einer aus. Warum dürfen Tankstellen und Backstationen sonntags Brötchen aufbacken, aber Bäcker nicht frisch backen? Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, will jetzt das sogenannte „Sonntagsbackverbot“ für Bäcker aufheben und dann auch gleich noch die unsinnige Bonpflicht abschaffen.

Beides hat die schwarz-rote Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart. „Trotzdem passiert nichts. Backstationen und Tankstellen dürfen sonntags aufbacken, während der Handwerksbäcker benachteiligt ist“, sagt Dittrich.

Ihm könne keiner erzählen, dass „das Abendland untergeht, wenn wir dieses Verbot abschaffen“. Die Untätigkeit der Regierung symbolisiere für ihn den deutschen „Reformstillstand“, kritisierte der Handwerkspräsident.

Nach dem Arbeitszeitgesetz dürfen Bäckereien an Sonn- und Feiertagen bis zu drei Stunden Backwaren herstellen und liefern. Im Koalitionsvertrag heißt es, der sogenannte Ausnahmekatalog im Arbeitszeitgesetz für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung solle um das Bäckereihandwerk erweitert werde. Dabei sollen hohe Standards im Arbeitsschutz gewahrt bleiben.

Tankstellen und Backstationen wärmen Brötchen nur auf, so Dittrich. „Wenn ein Bäckereibetrieb einen Backofen hat, gilt das als Produktion – und die ist sonntags nur eingeschränkt erlaubt. Das benachteiligt den ortsansässigen Bäcker, der an Sonn- und Feiertagen nur drei Stunden backen darf“, beklagte er. „Dabei kenne ich Betriebe und Beschäftigte, die sagen: ‚Ich will ganz gerne sonntags kommen, weil ich da einen Zuschlag bekomme auf meine Arbeitszeit.‘ Dittrich: „Lasst die Bäcker doch einfach machen!“




DAS ist eine Spezialoperation….danke, Mr. President!

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben am frühen Morgen Venezuelas Hauptstadt Caracas angegriffen. Eine Spezialeinheit der „Delta Force“ nahm dabei den bisherigen Staatsschef Nicolas Maduro und seine Frau fest und brachten sie außer Lasndes.

Für 11 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) kündigte Trump eine Pressekonferenz in seinem Domizil Mar-a-Lago an. Dort werde er die Öffentlichkeit umfassend informieren.

Venezuelas Hauptstadt Caracas war seit etwa 2 Uhr Ortszeit  von schweren Explosionen erschüttert worden. Seit September vergangenen Jahres haben die US-Streitkräfte immer wieder Boote von Drogenschmugglern im Ostpazifik und in der Karibik angegriffen. Trump wirft Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Im Dezember hatte der US-Präsident gesagt, die Tage von Maduro, der auch von vielen europäischen Staaten nicht als rechtmäßiger Präsident Venezuelas anerkannt wird, seien „gezählt“.

Die Delta Force, eine Eliteeinheit des US-Heeres, war auch für die Operation im Jahr 2019 verantwortlich, bei der der frühere Anführer des sogenannten Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi, getötet wurde.

 




Die Silvesternacht 2016 und das skandalöse Versagen des medialen Mainstreams sind nicht vergessen

Als ich gestern vor zehn Jahren in der Küche einen Filterkaffee aufbrühte und mich anschließend an den PC setzte, um die morgendliche Nachrichtenlage zu checken, wusste ich noch nicht, was für ein ungewöhnlicher Tag in meinem Journalistenleben das werden würde. Ich betrieb damals ein kleines Nachrichtenportal namens „NRWjetzt“ mit wenig mehr als 3000 Aufrufen am Tag, also jetzt nicht gerade die BILD-Zeitung.

Ich schaute online, was da so berichtet wurde in der Neuen Westfälischen(Bielefeld), der Münsteraner Zeitung und dem Kölner Stadt-Anzeiger über die Silvesterfeierlichkeiten überall. Und alles schien fein zu sein, Silvesternacht eben – Feuerwerk, Saufen, ein paar Schlägereien. Ich erinnere mich sogar noch, dass ein FAX von der Pressestelle der Kölner Polizei in meiner Redaktion ankam, wo man mitteilte, was für eine fröhliche und wunderbare Silvesternacht die Domstadt erlebt habe. Zitat: „weitgehend friedlich“.

Doch die Silvesternacht in Köln und – wie sich später herausstellte – in Hamburg, Berlin, Bielefeld und anderswo auch – war alles andere als friedlich gewesen.

Irgendwann am Vormittag schrieben mir Facebook-Freunde und fragten, ob ich schon gehört habe, was in Köln losgewesen sei. Und ich antwortete: Nichts war los.
Aber von Minute zu Minute verdichtete sich die Indizienlage, dass in Köln Empörendes geschehen war.
Auf dem großen Platz vor und im Hauptbahnhof waren geschätzt 1500 „junge Männer“, Migranten größtenteils auf Nordafrika, in Horden unterwegs und begrabschten, belästigten und beklauten Frauen. „Die waren mit ihren Händen wirklich überall. So etwas habe ich noch nie erlebt“, zitierte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine 22-Jährige, die es miterlebt hatte, Aber die Zeitung berichtete nicht am 1. Januar, sondern erst ab dem 4. Januar, was tatsächlich passiert war.

Sie erinnern sich: Es war die Zeit von „Refugees welcome“

Und ich bin nicht so vermessen zu denken, ich hätte mehr gewusst als die Kollegen von WDR, Kölnischer Rundschau und Express. Sie wagten nur nicht, das Offensichtliche zu berichten. Wie auch BILD, ARD, RTL nicht. Einfach niemand.

Und ich werfe das auch niemandem vor, der da als Jungredakteur in seinem Büro sitzt zum Beispiel bei der BILD, für die ich vorher gearbeitet hatte, und die „Arschkarte“ für den Frühdienst am Neujahrsmorgen gezogen hatte.

„Refugees welcome“ – das war im September 2015 eine BILD-Zeile, von Kai Diekmann selbst erfunden, soweit ich weiß. BILD unterstützte anfangs die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorangetriebene Aufnahme der Flüchtlinge aus aller Welt. Und dann sitzt da ein junger Mann allein in der Redaktion, sein Boss ist noch im Skiurlaub und nicht erreichbar, und muss entscheiden, was berichtet wird. Nicht leicht, das können Sie mir glauben! Da kann so in schöner Job auch mal schnell weg sein…

Als mir jedenfalls damals Handyvideos aus dem hysterischen Gekreische und Gedränge im Kölner Hauptbhnhof geschickt wurden, war mir klar, dass da etwas Großes passiert. Und ich dachte: Jetzt müssen doch die großen Medien einsteigen.
Aber es geschah nichts
Null. Irgendwann am Nachmittag gab es eine 15-Zeilen-Meldung, ich glaube in der „Kölnischen Rundschau“, es habe ein paar Übergriffe von „jungen Männern“ gegeben. Das war alles. Niemand verwendete das Wort Flüchtling, niemand beschrieb das Ausmaß der Ausschreitungen.
Was soll ich sagen? Irgendwann gegen Mittag wagte ich es dann zu veröffentlichen, was ich wusste. Die Täter waren sogenannte „Flüchtlinge“.

„Ich habe es leider auch genau so erlebt und mir steigen bei deinen Worten schon wieder die Tränen in die Augen! Das was ich gestern erlebt habe, hat mich ehrlich schockiert. Man kam nicht vor und nicht zurück und konnte auch nicht ausmachen, wer es war. (….) Leider wird damit alles in Frage gestellt, alle Hilfesuchende in Verruf gebracht“
schriebt eine „Andrea“ später. Eine andere: „Als wir um Hilfe gerufen haben, haben sie gelacht.“ In einer Facebook-Gruppe aus Köln berichteten immer mehr Augenzeugen: „Also ich war gestern auch dort und es war eine Katastrophe. Fleischbeschau, man konnte nirgends hinsehen weil man angegafft und angequatscht wurde.“

Als jemand in dieser Facebook-Gruppe schrieb, die Täter seien überwiegend „Araber“ gewesen, wurde – kein Witz – die ganze Gruppe gelöscht.

Am 2. Januar wagt es dann mit dem „Focus“ als erstes großes Medium in Deutschland, zu berichten, was passiert war. Beim WDR, von dessen Zentrale aus man in Köln direkt auf den Bahnhofsvorplatz schauen kann, kein Wort, was wirklich passiert war. Erst am 4. Januar, als der Kölner Polizeipräsident eine Pressekonferenz veranstaltete und danach zurücktrat, brachen medial alle Dämme.

Vorher herrschte ein Komplettversagen des deutschen Journalismus
Und auch der Politik. Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) war jedenfalls bis zum 4. Januar nicht zu erreichen.

Mein Artikel auf dem kleinen NRW-Portal verzeichnete an diesem Tag 65.000 Aufrufe, ein für uns nicht zu träumen gewagter Erfolg. Als wir am nächsten Tag in einem weiteren Stück die Frage aufwarfen, wo eigentlich die Feminismus-Industrie heute sei, die mit Schwarzers Magazin „Emma“ ja ihren Sitz in Köln hat, riefen 350.000 Leser diesen Beitrag auf in ganz Deutschland.

Journalismus ist das Abbilden der Realität, nicht das Bewerten und nicht das Unterdrücken von Wirklichkeit. Ich bin da vielleicht ein wenig altmodisch…bis heute.




Lernen aus Le Bons Meisterwerk „Psychologie der Massen“: Wir müssen aufhören, über jedes digitale Stöckchen zu springen, das man uns hinhält

In einer Zeit, in der das Smartphone unser Tor zur digitalen Welt geworden ist, die uns sekündlich mit den globalen Erregungskurven konfrontiert, wirkt Gustave Le Bons Buch von der „Psychologie der Massen“ aus dem Jahr 1895 wie eine Prophezeiung, die heute ihre schärfste Form vermutlich in dieser Zeit und in diesem Land erreicht hat.

Wir blicken oft mitleidig auf die 30er Jahre in Deutschland zurück und fragen uns, wie eine ganze Gesellschaft so kollektiv den Kompass verlieren konnte.

Wir wiegen uns in der bürgerlichen Sicherheit, dass Bildung, Aufklärung, eine wenigstens rudimentäre christliche inspirierte Erziehung und inzwischen sogar das Internet uns immun machen könnte gegen allerlei wahnsinnige Verführungen. Wie konnten die nur so blöde sein, fragen wir uns dann, wenn wir auf „Phoenix“ eine Dokumentation sehen, die uns ekstatische Österreicher bei der Ankunft „des Führers“ an der Wiener Hofburg im März 1938 zeigen. Was hat man denen vorher ins Trinkwasser geschüttet, so fragt man sich dann unwillkürlich, wenn man den Irrsinn betrachtet.

Doch die Wirkung der Masse auf das Individuum hat noch immer nach dem gleichen Muster funktioniert.

Wenn Sie schon mal in ausverkauften großen Fußballstadien waren, wissen Sie, was ich meine. Oder wenn einst bei Konzerten von Michael Jackson oder auch den „Backstreet Boys“ ohnmächtige Kids zuhauf aus der Menge gezogen wurden von Ordnern und Sanitätern, lange bevor die Popidole überhaupt auf der Bühne angekommen waren – es funktioniert immer auf die gleiche Art und Weise.

Le Bons zentrale These ist schlicht und beängstigend

Sobald der Einzelne Teil einer Masse wird, sinkt sein intellektuelles Niveau. Punkt.

Das Individuum, der Einzelne, gibt seine kritische Urteilskraft an der Garderobe des Kollektivs ab und tauscht sie gegen die Wärme der Zugehörigkeit in der Menge und die Wucht der einfachen Parole ein.

In der Masse, so behauptet Le Bon, ist der Mensch nicht mehr fähig zu logischen Schlussfolgerungen; er denkt in Bildern, in Affekten und in absoluten Wahrheiten. Was Le Bon im 19. Jahrhundert an physischen Menschenansammlungen auf den Boulevards von Paris beobachtete, erleben wir heute als eine digitale Ansteckung.

Die sozialen Medien wirken dabei als Brandbeschleuniger. Ein Tweet, ein kurzes TikTok-Video oder eine aus dem Kontext gerissene Schlagzeile lösen beim Einzelnen eine Erregung aus, die keine sachliche Prüfung des Themas mehr zulässt.

Die deutsche Aufregungsgesellschaft ist heute genauso leicht zu lenken wie früher

Das ist die ernüchternde, ja erschreckende Wahrheit. Die Ränder des politischen Spektrums, ob links oder rechts, beherrschen die Klaviatur der Massenpsychologie meisterhaft. Sie arbeiten mit dem, was Le Bon „Prestige“ nennt – einer aura-artigen Autorität, die keinen Widerspruch duldet.

Wenn die radikale Rechte heute von „Widerstand“ spricht und gleichzeitig einem autoritären Führer in Russland huldigt, ist das ein logischer Widerspruch, der jedoch in der Logik der Masse überhaupt keine Rolle spielt.

Die Masse hungert nicht nach Logik, sondern nach Identität und Feindbildern. Sie will das Selbstbestimmungsrecht der Völker predigen und es im nächsten Moment opfern, wenn es der eigenen Erzählung vom „er konnte ja nicht anders“ dient.

Das können Sie besonders beim Umgang mit dem ukrainischen Präsident Selenskyj in den Putin-freundlichen Milieus rechts und links erkennen.

Gebt den Leuten nur ein Feindbild, und zwei Drittel marschieren sofort los

Oder, wie Kriegsphilosophen empfehlen: „First take out the Leader“. Das ist der halbe Sieg. Deshalb setzen die hybriden Angriffe aus St. Petersburg und ihre Hilfstruppen in Deutschland genau dort an, bei dem tapferen Anführer in Kiew.

Was über Selenskyj im Netz, auf Telegram und auf TikTok geteilt und verbreitet wird, ist in den meisten Fällen dermaßen grotesk, dass ich oft spontan lachen muss, wenn ich wieder irgendeine neue „Enthüllung“ über den Mann lese oder anschaue. Etwa, dass er über eine Mailänder Anwaltskanzlei, die ihm gehören soll, das Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg gekauft habe. Das ist zwar frei erfunden, aber sie schauen es zu Hunderttausenden an und – schlimmer noch – sie glauben den Schmonzes.

Oder, noch dümmer, mitten im Krieg habe Selenskyj ein Spielcasino auf Zypern für 60 Millionen Euro erworben, natürlich mit abgezweigtem deutschen Steuergeld.

Sie lesen das, und müssen spontan loslachen 

Aber eine Masse Mensch, die solche Schauergeschichten aus der St. Petersburger Trollfabrik unbedingt glauben will, ist für rationale Argumente heute gar nicht mehr erreichbar.

Hier zeigt sich auch die gefährliche Parallele zu den 1930er Jahren der Weimarer Republik: Viele Menschen empfinden eine tiefe Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer immer komplexeren Welt.

Damals war es das Radio und die Masseninszenierung auf dem Marktplatz; heute ist es der Algorithmus, der uns in Echokammern einpfercht, bis wir glauben, unsere kleine, laute Gruppe sei „das Volk“.

In der Logik der Aufregungsgesellschaft gilt Sachlichkeit heute als mangelnde Leidenschaft.

Wer differenziert, wer das „Einerseits-Andererseits“ versucht, wird zwischen den mahlenden Steinen der Ideologen zerrieben.

Die „Psychologie der Massen“ lehrt uns, dass die Zivilisation oft eine sehr dünne Decke ist, die jederzeit reißen kann, wenn die „Führer“ der Masse die richtigen Knöpfe drücken.

Für uns Deutsche ist das eine paradoxe Angelegenheit heutzutage. Während wir technisch im 21. Jahrhundert leben, sind unsere emotionalen Reaktionsmuster oft noch immer auf dem Stand der 30er Jahre – impulsiv, unversöhnlich und sehnsüchtig nach der starken Hand, die das Chaos ordnet.

Ruhiges Abwägen der vorgetragenen Argumente, andere Meinungen auch auszuhalten und standhaft zu bleiben, auch wenn man damit mal in der Minderheit ist, sowas wäre wie ein Immunsystem gegen das, was wir in unserem Land gerade erleben.

Erst wenn wir aufhören, über jedes digitale Stöckchen zu springen, das man uns hinhält, entziehen wir der toxischen Massenpsychologie die Energie.

Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich nicht nur an der Wahlurne, sondern auch in der täglichen persönlichen Entscheidung, kein Rädchen im Getriebe der kollektiven Erregung zu sein, sondern sich die Zeit zu nehmen, zu prüfen und abzuwägen, was Wahrheit und was Fiktion ist.

Wie konnte das damals passieren, fragen Sie?

Genau so, weil man sich damals von der gesteuerten Erregung genauso hat treiben lassen, wie das heute auch wieder versucht wird.




Die stille Rebellion: Warum Bürgerlichkeit das radikalste Projekt unserer Zeit werden könnte

In einer Welt, die jeden Tag ein Stück schriller, lauter und impulsiver wird, in der Algorithmen die Empörung bewirtschaften und die radikale Rhetorik das Samtschwert des Arguments durch den Vorschlaghammer des Ressentiments ersetzt, wirkt ein Begriff seltsam aus der Zeit gefallen: Bürgerlichkeit.

Wer heute von Form, Anstand und Sachlichkeit spricht, erntet oft ein müdes Lächeln oder wird als Ewiggestriger oder schlimmer abgestempelt.

In der hitzigen gesellschaftlichen Debatte um den NATO-Doppelbeschluss griff der frühere SPD-Politiker Oskar Lafontaine seinen Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview mit dem stern massiv öffentlich an. Schmidt spreche weiter von Pflichtgefühl Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das aber seien „Sekundärtugenden“, mit denen man auch ein KZ betreiben könne.

Doch bei genauerer Betrachtung ist das Festhalten an diesen Werten und Begriffen heute kein Eskapismus in eine vermeintlich heile Welt von gestern. Es ist ein Akt der Rebellion, vielleicht sogar die letzte verbliebene Form des intellektuellen Widerstands gegen den kollektiven Kontrollverlust.

Ich kenne zwei junge Musiker, die sehr erfolgreich mit christlicher Rap-Musik sind und die manchmal vor Zehntausend tanzenden Teenies auftreten und bei Spotifi amerikanische Rap-Größen mühelos bei den Klickzahlen überholen. Die beiden Jungs („O’Bros“) sind nicht nur sympathisch und musikalische Supertalente, sie sind auch klug. „Eigentlich machen wir doch das, was Rap ausdrücken sollte“, sagte mir einer der Beiden mal, als wir uns in Augsburg zufällig trafen.

Rap-Musik ist in seinem Ursprung Ausdruck einer Kultur des Dagegen-seins, eine Rebellion gegen „das System“, aber auch gegen den gesellschaftlichen Mainstream. „Fast alle Rapper singen das Gleiche, ey, yo, Motherfucker, Bullen, Sex Drogen Gewalt“, erklärt er mir weiter. Nichts mehr von weg vom Mainstream, von Ausbrechen, alles immer das gleiche dem Zeitgeist angepasste langweilige Zeugs.“

Und ich finde, da ist verdammt viel dran

So wie auch der einstige TV-Late Night-Talker Harald Schmidt recht hat, der mal in einem Interview sagte, es sei ja leicht und gefahrlos, Witze über die katholische Kirche zu machen. Die intellektuelle Avantgarde aber müsse sich in solchen Zeiten gerade auf die Seite des Papstes stellen. Das ist verdammt revolutionäres Denken.

Heute bürgerlich zu sein, das wird oft missverstanden. Es ist nicht die Farbe der Gardinen oder das Bausparkonto oder Gartenzwerge auf dem Rasen.

Wahre Bürgerlichkeit ist eine innere Architektur

Sie ist die Fähigkeit, Distanz zu den eigenen Impulsen zu wahren und die Welt nicht als Schauplatz der eigenen Selbstverwirklichung, sondern als einen Raum der Mitverantwortung zu begreifen.

Es ist gewissermaßen die Haltung des „Citoyens“, der weiß, dass Freiheit keine freundliche Gabe eines mildtätigen Staates ist, sondern Freiheit ist erst einmal da.
Oft musste sie mühsam erkämpft werden. In unserer heute hektischen Zeit, in der das „Ich“ alles und das „Wir“ nur noch ein Kampfbegriff ist, wirkt bürgerliche Selbstbescheidung geradezu radikal.

Welche Partei in Deutschland steht heute noch für Bürgerlichkeit, fragte ich vorhin meine KI

Und sie bot mir die CDU, die WerteUnion und die Freien Wähler als Antwort an.

Aber das stimmt nicht.

Auch die alte SPD, die wohlstandverwahrlosten Grünen und – manche erinnern sich – die FDP stehen in großen Teilen für Bürgerlichkeit.

Meine erste große Liebe in der Schule war eine schönes 16-jähriges Mädchen aus einem, ich sage es mal salopp, SPD-Haushalt. Ihre Eltern, unglaublich liebenswerte Menschen, waren SPD-Genossen, sie waren im Sportverein dort in dem Ort aktiv, am Samstag guckte man Fußball in der ARD-„Sportschau“, dann wurde gegrillt und Herforder Pils getrunken, oft kamen Freunde und Nachbarn einfach dazu.
Wer würde diesen Menschen absprechen, dass sie zutiefst bürgerlich sind, auch wenn nicht in der CDU?

Bei der Bewertung der Bürgerlichkeit der politischen Flügelstürmer in Deutschland, ist es zumindest auf der Linken einfach

Die radikale Linke diskreditiert das Bürgerliche oft als bloßes Herrschaftsinstrument.

Wenn Identität über Leistung gestellt wird und die Sprache nicht mehr dem Austausch von Argumenten, sondern der moralischen Erziehung dient, wird das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft untergraben. Das war ja die Idee der Aufklärung.

Bürgerlichkeit bedeutet eben, den anderen als ebenbürtiges Individuum zu betrachten, nicht als Repräsentanten einer Gruppe oder „Klasse“. Sie verlangt den Mut zur Sachlichkeit, auch wenn das Gefühl nach lauter Empörung schreit.

Auf der anderen Seite, also der AfD, ist das Maß an Bürgerlichkeit noch nicht final zu bewerten.

Natürlich gibt es den zutiefst bürgerlichen Kern an der Basis der Partei. Unübersehbar, jeder weiß das, der AfD-Leute in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis hat.

Aber die Partei hat es bisher nicht geschafft, auch nicht gewollt, die klare Trennlinie zu ziehen zwischen dem im Grunde bürgerlichen Geist der Partei und der radikalen Rechten dort. Die bezeichnen sich zwar auch gern als bürgerlich, aber entkernen den Begriff im gleichen Atemzug schon wieder. Da könnte ich viele Beispiele aus eigenem Erleben hier anführen.

Bürgerlichkeit ist untrennbar mit der Souveränität des Individuums und der Loyalität zum Rechtsstaat verbunden.

Wer jedoch im Namen der Heimat auf das Scheitern der Fußball-Nationalmannschaft hofft, weil ihm die Hautfarbe der Spieler (Nachbar Boateng) oder deren Gesinnung (Regenbogen-Binde) nicht gefällt, wer jahrelang für die Wiedereinführung der Wehrpflicht und starke deutsche Streitkräfte streitet, und das dann aufgibt, weil man Herrn Putin in Moskau nicht beunruhigen will, der ist nicht bürgerlich und übrigens auch nicht patriotisch. Bürgerliche und Patrioten stehen IMMER zu ihrem Vaterland.

Vielleicht wirkt Bürgerlichkeit auf viele Menschen so „langweilig“, weil sie keine einfachen Heilsversprechen bietet.

Bürgerlichkeit ist anspruchsvoll

Sie ist tolerant, sie hält die Komplexität der Welt aus, ohne in Zynismus zu verfallen oder einfachen „Lösungen“ hinterherzulaufen. Sie ist der Versuch, im Sturm nicht mitzuschreien, sondern den Deich zu verstärken.
Bürgerlich zu sein heißt heute: den Laden zusammenzuhalten, wenn alle anderen ihn anzünden wollen. Das gab es schon einmal in den 30er Jahren in Deutschland. Damals versagte das Bürgertum komplett. Wir alle sollten die Fehler von damals nicht noch einmal machen…




Psycho-Gespräch mit der KI

Der zweite Weihnachtstag ist in meiner Wahrnehmung der langweiligste Tag des ganzen Jahren, also ganz subjektiv.  Man hat alle Lieben getroffen oder zumindest mit ihnen geredet. Man hat viel zu viel gegessen und kann Gänsekeulen mit Klößen und Rotkohl ebenso wie Marzipankartoffeln nicht mehr sehen, geschweige denn essen. Und ja,  ich zumindest freue mich morgen wieder auf den publizistischen Gefechtsstand.

Neujahr ist auch…wenig produktiv bei  mir

Und so neigt man im Alter schonmal zu einer gewissen Albernheit an solchen Tagen.

Eben habe ich eine tiefenpsychologische Fachkorrespondenz mit meiner KI – ich bevorzuge Gemini – begonnen über die wirklich wichtige Frage, was es über MICH aussagt, wenn meine drei derzeitigen absoluten Lieblingsschauspielerinnen die Film-Charaktere Carrie Mathisen (Homeland), Vesper Lynd (Casino Royale) und Catherine Banning (Thomas Crown Affäre) sind.

KI sagt mir darauf, dass ich mich nicht für oberflächliche Heldinnen zu interessieren scheine.
Und: Sie schätzen Frauen, die gleichzeitig stark und zerbrechlich, loyal und verräterisch oder genial und am Rande des Abgrunds sein können.“
Darin finde ich mich wieder….



Neujahrsgrüße aus Palma….

Ein lieber Freund von mir, Christian K., lebt seit Jahren auf Mallorca. Er ist selbständig und irgendwie Entrepreneur, beruflich und familiär aber auch weiter viel in Deutschland und der Schweiz. So auch vergangene Woche. Rechtzeitig vor Silvester war er aber hier weg, denn – so sagt er – er will Silvester entspannt feiern. Und das sei in diesem modernen Deutschland leider nicht mehr möglich…

Mit den besten Wünschen an Sie alle schreibt er mit eben:

„Trotz der Menschenmassen blieb alles friedlich. In Palma aßen die Menschen ihre zwölf Trauben, die in Spanien traditionell um Mitternacht gegessen werden, zu den Schlägen der Rathausuhr…“

So kann man das neue Jahr auch begrüßen, oder?




Genießen Sie die frische Januarluft – die pustet den Kopf durch…

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe (und wünsche), Sie sind alle gut ins neue Jahr gekommen, fröhlich und unversehrt!

Ihnen allen wünsche ich auch an dieser Stelle ein wunderbares, erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2026!

Politisch habe ich da wenig Hoffnung, aber ich will nicht gleich meckern zum Start ins neue Jahr.

Gerade war ich mit dem Hund unterwegs, eine Runde durch den Ort, Gassi gehen, wie man das früher nannte. Herrlich, so sollte ein Jahr immer beginnen. Frühstück in Ruhe (Toast, Vollkornbrot, gekochtes Ei, Aufschnitt und viel schwarzer Kaffee). Und dann raus in die frische Winterluft. 2 Grad Celsius haben wir gerade, es ist windig, aber es soll trocken bleiben. Und der Schnee von gestern früh ist schon wieder weg.

Ich hatte Ihnen ja vor Silvester schon geschrieben, was ich vom kaum noch zu kontrollierenden Treiben in der Nacht vom Jahreswechsel halte. Wir waren wie geplant gestern Abend in Berlin um 17 Uhr in der Messe, danach etwas essen in einem kleinen Restaurant in der Nähe der Kirche, und gegen 21 Uhr verließen wir die deutsche Hauptstadt wieder. Es gibt auch in der brandenburgischen Provinz einiges zu bewachen.

Für Kleinkinder, Hunde und Katzen ist Silvester definitiv nicht schön. Die verstehen nämlich überhaupt nicht, was da los ist. Irgendwer pöbelte mich gestern auf Facebook an uns schrieb sinngemäß, das sei doch wohl das Problem derjenigen, die sich Haustiere anschafften. Müsse man ja nicht. Sozialverhalten geht anders…

Schon bevor das Silvestertreiben begann, war es am frühen Abend für ein 16-jähriges Mädchen aus Leipzig auch schon wieder vorbei. Sie versuchte, einen in Deutschland nicht zugelassenen, Silvesterböller zu entzünden. Der explodierte und riss dem Mädchen ihren kleinen Finger und Teile des Ringfingers ab. Ob andere Jugendliche im kommenden Jahr zu Silvester vernünftiger sind, wenn sie das jetzt hören? Ich glaube nicht.

Zugegeben, es ist das Vorrecht der Jugend, nicht vernünftig sein zu müssen. Und oft beneide ich meine Kinder und andere junge Leute dafür, aber vollkommen unsinnige Risiken einzugehen – ich bin froh, dass ich das heute nicht mehr tun muss.

Mein kleiner Spaziergang mit dem Hund vorhin war ein wunderbarer Start ins neue Jahr. Kein anderer Mensch auf der Straße, nicht ein einziger. Überall liegen Böllerreste und Holzstangen herum, aber das war vor 50 Jahren auch schon so am Neujahrsmorgen.

Das neue Jahr hat gut begonnen. So ein Spaziergang in der frischen Januarluft hätte nur noch am Ostseestrand schöner sein können…

Passen Sie gut auf sich auf in 2026!

Herzliche Grüße

Ihr Klaus Kelle




Die dunkle Seite der Sicherheit: Wie Jack Bauer und Carrie Mathison unser Rechtsverständnis herausforderten

Ich habe die Dezember-Abende genutzt, mir noch einmal die Staffeln der US-Serie „Homeland“ anzuschauen. Da geht es – natürlich – um die Nationale Sicherheit der USA, die unbedingt geschützt werden muss – in diesem Fall von der famosen Claire Danes in der Hauptrolle als CIA-Agentin Carrie Mathison.

Atemberaubende Plots, Spannung und Ernsthaftigkeit in einer Zeit nach den Anschlägen von 9/11. Eine andere atemberaubende, wenn auch ganz anders angelegte Serie ist „24“, die mir mein Freund Ralf vor vielen Jahren empfahl, als es noch kein Netflix, dafür an jeder Ecke Videoshops gab. Als ich ihm sagte, ich hätte noch nie eine Folge von „24“ gesehen, das damals – glaub ich – auf ProSieben ausgestrahlt wurde, antwortete er spontan, ich solle ihm einfach vertrauen, in die nächste Videothek gehen und Geld ausgeben für die erste Staffel, damals auf DVD.

„Vertrau mir einfach!“ – was soll ich da machen, und Ralf, der mich seit Jugendzeiten wahrscheinlich besser kennt als jeder andere Mensch auf der Welt, hatte natürlich recht. Ich habe „24“ mit allen Sinnen verschlungen damals, die ersten fünf Staffeln habe ich über die Jahre bestimmt jede fünfmal komplett angeschaut. „Failure is not an Option“, so auch heute noch mein Lebensmotto.

Es war ein bizarrer Moment der Mediengeschichte, als im Jahr 2006 eine Delegation hochrangiger US-Militärs und Verhörspezialisten in den Produktionsbüros der Serie 24 in Los Angeles erschien. Ihr Anliegen war kein technisches, sondern ein moralisches: Sie baten die Produzenten, die Folterszenen der Hauptfigur Jack Bauer in den Filmen zu reduzieren.

Der Grund für den überraschenden Besuch hatte einen konkreten Hintergrund: Junge US-Soldaten im Irak und in Afghanistan begannen, die brutalen Methoden Bauers eins zu eins in die Realität zu übertragen. Wenn der Held im Fernsehen durch Schmerz in Sekunden an Informationen kam, warum sollte man sich dann im Feld an die komplizierte „Genfer Konvention“ halten?

Dieser Vorfall, der sich tatsächlich ereignet hat, markiert den Beginn einer gesellschaftlichen Debatte, die bis heute nachwirkt: Inwieweit darf ein Rechtsstaat seine eigenen Fundamente einreißen, um sein Überleben zu sichern? Die Serien 24 und Homeland wurden zu den wichtigsten Laboratorien für dieses ethische Experiment.

<strong>24: Das Diktat der tickenden Uhr</strong>

In 24 wurde ein Szenario zur moralischen Norm erhoben, das Juristen als „Ticking Time Bomb“ bezeichnen.

Prämisse: Eine Atombombe tickt im Herzen einer Stadt, tausende Leben sind in Gefahr, und ein Verdächtiger schweigt beharrlich. Ist Folter in diesem Fall legitim? Die Serie beantwortete dies durch alle Staffeln mit einem lauten und eindeutigen „Ja“.

Die Machart der Serie „24“ ist das sogenannte Echtzeitformat, die unerbittlich tickende Uhr. Die Bombe tickt, keine Zeit mehr zum Nachdenken oder um in Gesetzbüchern zu blättern.

Jack Bauer wurde damals zum Prototyp des „notwendigen Ungeheuers“. Er handelte außerhalb des Gesetzes, um das Gesetz zu retten. Die Serie suggerierte dabei zwei gefährliche Gedankenmodelle, die in die reale Politik einsickerten: Erstens, dass Folter verlässlich und sofort funktioniert. Zweitens, dass derjenige, der die Folter ausübt, ein tragischer Held ist, der die moralische Schuld für uns alle auf sich nimmt.

Rechtsphilosophisch ist das eine Katastrophe, denn ein Staat, der Folter zulässt, verliert seine moralische Überlegenheit gegenüber den Terroristen. Dennoch führten die Bilder von Jack Bauer dazu, dass in der Ära nach 9/11 die Akzeptanz für „verschärfte Verhörmethoden“ in der US-Bevölkerung signifikant stieg. Die Fiktion hatte die Hemmschwelle der Realität gesenkt.

<strong>Homeland: Die Erosion der Seele</strong>

Während 24 die Action feierte, blickte Homeland ab 2011 auf die Trümmer dieser Politik. Die Serie war ein Stück weit so etwas, wie das intellektuelle Korrektiv.

Hier hieß unsere (und meine persönliche) Heldin, Carrie Mathison, keine unbesiegbare Kampfmaschine, sondern eine psychisch labile Analystin. Homeland verlagerte die Frage der Legitimität vom physischen Schmerz hin zur moralischen Erosion staatlichen Handelns.

Hier wurde der „Krieg gegen den Terror“ als eine endlose Spirale aus Drohnenangriffen, Überwachung und Verrat dargestellt. Während Jack Bauer das Gesetz mit dem Messer brach, brach Carrie Mathison es mit dem Computer und der Drohne. Die Serie thematisierte die „gezielte Tötung“ – ein rechtsstaatliches Paradoxon. Wenn ein Staat Menschen auf Basis von Geheimdienstinformationen ohne Prozess per Knopfdruck liquidiert, verlässt er den Boden des Due Process (des ordentlichen Gerichtsverfahrens).

Homeland zeigte die Kosten: Jedes Kind, das durch einen „Kollateralschaden“ einer US-Drohne starb, wurde zum Rekrutierungswerkzeug für die nächste Generation von Terroristen. Die Serie stellte die unbequeme Frage: Wenn wir alle überwachen und jeden Verdächtigen aus der Luft eliminieren, welche Freiheit verteidigen wir dann eigentlich noch?

Der fundamentale Unterschied beider Serien, die ich Action-Fans und politisch interessierten Mitbürgern unbedingt empfehle, liegt in der Perspektive. 24 ist eine Serie der Bestätigung. Sie gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass es einfache, wenn auch schmutzige Lösungen für komplexe Probleme gibt. Sie ist ein Plädoyer für den Ausnahmezustand als Dauerzustand.

Homeland hingegen ist eine Serie der Zerrüttung. Sie zeigt, dass staatliches Handeln zur Terrorabwehr oft ein verzweifeltes Tasten im Dunkeln ist, das die Handelnden selbst zerstört. Carrie Mathison verliert ihre Familie, ihren Verstand und ihre Heimat an den Dienst – ein Symbol für den Staat, der sich im Kampf gegen den äußeren Feind innerlich selbst zerfrisst.

Der Rechtsstaat sollte sich aber dadurch auszeichnen, dass er auch im Angesicht der tödlichen Bedrohung nicht die Mittel seiner Feinde übernimmt.

<strong>Das klingt gut, oder?</strong>

Ist aber gar nicht so einfach, wenn Sie US-Präsident sind und ein entführtes Passagierflugzug ist unterwegs, um sich ins Capitol in Washington zu bohren. „24″ zeigte uns die Versuchung, diesen Pfad zu verlassen; „Homeland“ zeigte uns den Preis, den wir dann dafür zahlen.

Schön, in einem Staat zu leben, wo man sich über solche Themen Gedanken macht….




Silvester auf den Straßen? Ich brauche das lebensgefährliche Theater nicht mehr

Unsere deutschen Landsleute sind ja inzwischen auch international bekannt dafür, dass sie gerne und viel jammern. Dies ist zu teuer, da klappt etwas nicht, hier kommt die Bahn zu spät, da wird der Müll in Problemhäusern nicht abgeholt, Messerstechereien und, und, und …

Dennoch erstaunt die Meldung gestern, dass die Kauflust der Deutschen bei Feuerwerkskörpern und Silvesterböllern zum Jahreswechsel 2025/2026 Rekordwerte erreicht.

Vor dem anstehenden Jahreswechsel erzielte die Branche bereits einen Rekordumsatz von rund 197 Millionen Euro – ein Plus von etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und das Statistische Bundesamt meldet, dass die Importe von Feuerwerkskörpern bis September 2025 bereits um 62,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen sind.

Ein Grund sei der Trend zu teureren Verbundfeuerwerken und Batterien. Diese kosten pro Stück deutlich mehr als einzelne Raketen, bieten dafür aber eine längere, choreografierte Show.

Was gerne dabei ausgeblendet wird, ist, was in der Silvesternacht überall in Deutschland in den Krankenhäusern los sein wird. Mindestens fünf Todesfälle und zahlreiche Verletzte durch Feuerwerkskörper gab es im vergangenen Jahr.

<strong>Ich muss Ihnen sagen: Ich will das alles nicht mehr</strong>

Nicht, weil ich alt geworden oder eine Spaßbremse bin, das ist es überhaupt nicht.

Fast mein ganzes Leben habe ich Silvester geliebt. Raclette oder Fondue essen, Gesellschaftsspiele und dann nachts raus und ordentlich böllern. Feuerwerk mit Tausenden goldenen und silbernen Sternchen – oder erinnern Sie sich noch an diese kleinen Ballons, die man zum Schweben brachte? Bis ein Mal ein Haus, ich glaube im Sauerland, abfackelte und es dann – na klar – verboten wurde.

Als ich selbst jung und schön war, gehörte Silvester zu den Höhepunkten des Jahres.

Was haben wir für Partys gefeiert, was wurden da an Wahrheiten morgens um vier ausgesprochen, geknutscht sogar – ach, ich habe gute Erinnerungen an diese Zeiten. Später, als ich dann älter wurde und politisch aktiv war, ich schwöre es: Vor jeder Silvesterparty schauten wir zusammen mit allen Gästen die Silvesteransprache des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Die war gar nicht immer so bewegend, aber es gehörte einfach zum Silvesterabend dazu, so wie für andere „Dinner for One“ oder Bleigießen.

Ich gönne wirklich jedem seinen Spaß, und unsere Kinder werden natürlich mit Gleichaltrigen feiern. Ich hoffe, dass sie gut ins neue Jahr hinüberkommen, vor allem aber, dass sie gesund und heil irgendwann in der Nacht nach Hause kommen.

Ich habe ein paar Mal in meinem späteren Leben in Großstädten nachts auf der Straße den Übergang ins neue Jahr gefeiert. Am Brandenburger Tor in Berlin, in der Düsseldorfer Altstadt oder in Augsburg auf irgendeinem kleinen Berg, wo man sich traf, um das Feuerwerk über der Stadt anzuschauen mit „Aaaahhhh“ und „Oooohhh“. Aber es waren immer auch einzelne dabei, die meinten, zum Feiern gehöre es dazu, Raketen in die Menge zu schießen oder Böller zwischen Menschengruppen zu werfen. Wer so etwas macht, ist ein Verbrecher. Ich weiß, vor Jahren haben sich „Gastfamilien“ in Berlin-Neukölln gegenseitig beschossen, von Balkon zu Balkon, aus Gründen der „Nachbarschaftspflege“ wohl.

<strong>Es ist irre, wie sich unser Land verändert hat in nur 10 oder 15 Jahren</strong>

An Silvester vergangenes Jahr wurden – ich habe es oben erwähnt – fünf Menschen bei den „Feierlichkeiten“ getötet. 100 Menschen wurden in Deutschland mit schweren und schwersten Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert, und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) registrierte über 905 Augenverletzungen, was einen traurigen Höchststand seit Beginn der Erfassung darstellt. In vielen Fällen führten diese Verletzungen zur völligen Erblindung dieser Personen.

<strong>Bitte führen Sie sich das vor Augen!</strong>

Das ist kein Spaß mehr, was hier abgeht. In unserem Land, das mal für Ordnung und Anstand international gerühmt wurde.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Dirk Peglow, hat die von der Bundesregierung geplante Gesetzesverschärfung bei Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte, Polizisten sowie Angehörige der Gesundheitsberufe begrüßt. „Die Ankündigungen sind kurz vor der Silvesternacht ein wichtiges Signal“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte zuvor in einem aktuellen Lagebild einen Rekordstand bei Angriffen auf Polizeibeamte gemeldet. 2024 gab es demnach in Deutschland 46.367 registrierte Fälle, so viele wie noch nie seit Erhebung der Daten. Gegenüber dem Vorjahr sei das eine Steigerung. Seit 2015 haben Gewalttaten gegen Polizisten laut BKA um 38,5 Prozent zugenommen. Noch stärker angewachsen ist in der gleichen Zeit die Zahl der von den Gewalttaten betroffenen Einsatzkräfte insgesamt – sie liegt um 67,2 Prozent (!) höher als 2015.

<strong>Es ist einfach nur noch Irrsinn, was hier passiert</strong>

Und wir schicken junge Polizeibeamte zu Tausenden in die Stadtzentren zu dem, was man immer noch „Feiern“ nennt, um die Situation auf den Straßen unserer Städte irgendwie halbwegs wieder unter Kontrolle zu behalten.

Das Asi-Verhalten gibt es von Deutschen, aber – Achtung, böse, böse, Herr Kelle – massiv wachsend von jungen Migranten. Unvergessen ein Fernsehbeitrag, ich glaube von BILD, kann aber auch schon NIUS gewesen sein, wo junge Gäste aus Arabien fröhlich vor der Kamera im Feuerwerks-Chaos von Berlin lachend standen und bekannten, das erinnere sie an den Bürgerkrieg in Syrien.

Nein, dieser Staat, unser Staat ist nicht mehr fähig, auf derartige Herausforderungen zu reagieren.

In Berlin hörte ich vorhin einen Radiobeitrag darüber, dass in einigen Problemzonen ein Böllerverbot von den Behörden ausgerufen wurde. Das wird bestimmt ein ebenso großer Erfolg wie all die Messerverbote überall…

Wir gehen Silvester um 17 Uhr in Berlin in den Gottesdienst zum Jahresabschluss, dann um 18.30 Uhr essen in einem Restaurant. Spätestens um 21.30 Uhr sind wir zu Hause, vertreiben uns irgendwie die Zeit, halten die Hunde bei Laune, damit sie ab Mitternacht nicht komplett durchdrehen, und hoffen, dass wir dann ab vier Uhr schlafen können, wenn es draußen langsam ruhiger wird. Und das Schönste ist am 1. Januar morgens, wenn die Kinder nach und nach wach werden und mir per WhatsApp gute Wünsche und Herzchen schicken.

Passen Sie auf sich auf! Es wird nicht lustig morgen Abend …

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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