Danke!

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Hilferuf an Sie hat Früchte getragen. Nachdem ich offen unsere Lage geschildert habe, sind tatsächlich eine ganze Menge Spenden eingegangen, von Beträgen über 10 Euro bis 200 Euro. Ganz herzlichen Dank dafür, dass Sie damit gezeigt haben, dass Sie diesen Blog und meine publizistische Arbeit wertschätzen.

Ja, es wird das zehnte Jahr Denken Erwünscht geben!

Mit herzlichen Grüßen,

 

Ihr Klaus Kelle




Stolz auf diese Soldaten unserer Bundeswehr

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Die Bundeswehr ist im öffentlichen Leben wieder deutlich sichtbarer als in den vergangenen Jahren. Gut, gestern war Sonntag, da sind besonders viele Soldaten auf dem Weg vom Familienwochenende in ihre Kasernen. Velleicht fiel es mir deshalb  besonders auf. Aber auf dem Bahnsteig zuletzt in Berlin, in Ulm oder in Düsseldorf – überall Frauen und Männer in Uniform, die meisten Rucksack auf dem Rücken, manche sogar mit zweien.

Ich finde das wohltuend, diese Rückkehr zur Normalität. Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich Soldaten (oder auch Polizisten) im Alltag sehe.

Vor ein paar Wochen hatte ich auch mal darüber geschrieben, dass ich im Auto auf der A 2 zufällig auf eine Kolonne Bundeswehr-Transporter und gepanzerte Fahrzeuge gestoßen bin. Ich zählte unwillkürlich mit, weil es mir ungewöhnlich erschien, dass es so viele waren. 72 Fahrzeuge der Bundeswehr, die tatsächlich fuhren – Hammer, oder?

Putins mörderischer Angriffskrieg auf die Ukraine hat viele Menschen und ganz sicher auch unsere Politiker aufgeweckt. Wir sind nicht auf einer babyblauen Wolke, auf der ewiger Frieden herrscht und wir uns rund um die Uhr damit beschäftigen, das Liebesleben sexueller Minderheiten zu organisiseren und Quoten einzuführen. Heute geht es um etwas Existenzielles, die Sicherheit unseres Landes. Und ich bin stolz auf diese jungen Männer und Frauen, die bereit sind, unsere Freiheit im Notfall unter Einsatz des eigenen Lebens zu verteidigen.

Irgendwann tue ich es mal, wenn ich irgendwo auf einem Bahnsteig Soldaten in Uniform sehe: dann stehe ich auf und fange einfach an, Beifall zu klatschen. Und wenn Sie zufällig auch dort sind, dann machen Sie bitte mit!

Bitte unterstützen Sie meine Arbeit durch eine Spende über PayPal @KelleKlaus oder durch Überweisung auf unser Konto DE18 1005 0000 6015 8528 18.




Sie haben ein gutes Spiel abgeliefert

Deutschland ist weiter im Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, wohin die FIFA dieses Turnier niemals hätte vergeben dürfen.

Ein Spieler aus Bremen, Niclas Füllkrug, schoß kurz vor Schluss den 1:1-Ausgleich gegen die hochfavorisierten Spanier, die mit dem Namen Füllkrug zukünftig nicht nur Riocha-Karaffen, sondern eben auch diesen agilen deutschen Spieler verbinden werden. Und weil unsere Freunde aus Costa Rica auch Fußball spielen können, hatten sie am Mittag freundlicherweise den Deutschland-Bezwinger Japan besiegt, ergo: alles noch offen für uns, wenn Costa Rica beim Zusammentreffen mit uns keine Dummheiten macht.

Ich gebe zu, dass demonstrativ zur Schau gestellte Desinteresse eines Teils meiner deutschen Landsleute an dieser WM nervt mich. Am späten Nachmittag mit dem ICE in Düsseldorf angekommen, freute ich mich und war sicher, dass ich das Spanien-Spiel mit Familienmitgliedern oder guten Freunden bei ein paar frischen Bieren schauen würde. Aber letztlich hockte ich alleine vor dem Fernseher.

Ein Freund hatte Familienbesuch, der andere muss morgen beruflich früh raus und geht um 20.30 Uhr ins Bett. Ein anderer lag bereits mit seiner Gattin auf dem Sofa, aber ja, die schauten wenigstens das Spiel. Mein ältester Sohn schaute zeitgleich mit seiner Frau zuhause einen „Weihnachtsfilm“, unsere älteste Tochter war in ihrer Wohnung, hatte aber keinen Bock auf Fußball. Und so weiter.

Es war nicht wirklich politischer Protest oder grundsätzliche Ablehnung von WM-Spielen in Katar oder diese dämliche Aktion mit der Kapitänsbinde. Es ist einfach derzeit überhaupt keine WM-Stimmung im Land.  Wo wir früher tagelang besprachen, wer welches Grillfleisch besorgt, wer den größten Flachbildschirm hat und unser aller Gastgeber sein sollte, ob genügend Bier im Keller vorrätig ist, wird nun geschaut, wenn man gerade nichts besseres vorhat. Einer schrieb mir vorhin auf WhatsApp, er habe erstmal nur die erste halbe Stunde geplant, dann würde er wahrscheinlich sowieso keine Lust mehr haben.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ob Sie Fußball mögen oder die WM in Katar boykottieren, geht mich nix an.

Aber ich finde es schade, dass so eine negative Grundstimmung in Deutschland herrscht. Klar, war dieses kindische Binden-Getue, diese dümmliche Unterwerfungsgeste gegenüber den Zeitgeist-Funktionären beim DFB und den woken Mainstreammedien mehr als ärgerlich. Aber bitte: es ist Fußball-Weltmeisterschaft und unsere Jungs haben vier Sterne auf dem Trikot, das ich nebenbei bemerkt otisch sehr ansprechend finde.

Und wir haben endlich wieder eine wirklich gute Mannschaft  mit starken Spielern, eine gute Mischung zwischen erfahrenen Leuten wie Thomas Müller und dem gerade 18 Jahre alt gewordenen Dortmunder Spieler mit dem Namen Youssoufa Moukoko. Aber alleine, weil er nicht Meier oder Schmidt heißt, wird er von einem Teil des schlecht gelaunten Publikums abgelehnt. Weil sie Deutschland scheitern sehen wollen, unsere Regierung scheitern sehen, die Gaspreise unbezahlbar sehen, die Inflation explodieren und diese Mannschaft am besten mit 0:5 gegen Costa Rica nach Hause geschickt.

Und sehen Sie: Da mag ich nicht mitmachen. Ich will nie, dass mein Land scheitert. Nie. Und als Fußballfan eine Mannschaft abzulehnen, weil man Entscheidungen der Funktionäre oder den Bundeskanzler doof findet, das ist selbst doof.

Ich fand klasse, dass Niclas Füllkrug vorhin getroffen hat. Und ich hoffe, dass Deutschland gegen Costa Rica gewinnt und ins Achtelfinale einzieht. Und dann geht’s los! Denn Deutschland – Achtung! – ist eine Turniermannschaft….

 




Jahrestag 24. November 2017: Als der IS Hunderte Muslime abschlachtete

Heute vor fünf Jahren haben rund 4o Mörder der islamistischen Terrorgruppe IS die voll besetzte al-Rawda-Moschee auf der Sinai-Halbinsel angegriffen. Sie warfen Sprengsätze ins Innere, und stellten sich am Eingang und den Fenstern der Moschee auf, in der Anhänger des Sufismus beteten. Sufisten sind gemäßigte Muslime, und deshalb wurden sie zum Ziel der Fanatiker Allahs.

Die Mörder schossen auf alles, was sich bewegte. Die Gläubigen, die aus der Moschee stürmten, ebenso wie auf die eintreffenden Rettungskräfte. Ein Gemetzel. 305 Menschen starben, etwa 100 wurden verletzt. Unter den Toten waren 30 Kinder.

Anschläge wie diese sind nicht in unserem westlichen Bewusstsein. Wir hier haben 9/11, haben Busse in London, Regionalzüge in Madrid und den Bataclan in Paris, aber der islamistische Terror richtet sich überall auf der Welt gegen Menschen und viele Muslime sterben, weil die Mörder keine Unterschiede machen in ihrem Hass. Und deshalb erinnere ich mal wieder an einem Jahrestag daran, dass muslimische Fanatiker nicht nur ein Problem des Westens sind, sondern aller zivilisierten Menschen auf dem Planeten.

 




War’s das jetzt?

Viele von Ihnen kennen die Geschichte dieses Blogs. Bis 2013 war ich als Kolumnist der Rheinischen Post sozusagen der konservative Hofnarr der traditionsreichen, einst bürgerlich-christlich ausgerichteten  Tagezeitung in Düsseldorf. Dann kam ein neuer Chefredakteur, der es wohl nicht so mit widerborstigem Denken hatte und kickte mich raus, obwohl die Leserschaft das imens goutierte, was ich bis dahin abgeliefert hatte.

Was macht ein konservativer Journalist, der rausgeschmissen wird? Natürlich, er eröffnet einen eigenen Blog und schreibt weiter das, was er denkt. So wie vorher, nur ohne Bezahlung.

Von Anfang an folgten mir viele Leser von der RP auf meine wöchentlichen Kolumnen und Gedanken hier auf DENKEN ERWÜNSCHT, einige sind seit 2013 bis heute geblieben und sorgen regelmäßig für Stimmung im Diskussionsforum.

Seit neun Jahren schreibe ich hier für ein bürgerlich-konservatives Publikum. 1862 Artikel habe ich in diesen Jahren verfasst, mehr als 3,5 Millionen Menschen haben mindestens einmal hier gelesen, jeden Tag sind es ein paar Tausend. Nach Broder (Achse) und Tichy waren wir einer der ersten bürgerlich-konservativen Blogs, die in Deutschland an den Start gingen. Die beiden geschätzten Kollegen sind größer, haben mehr Leser, aber ich denke, wir schlagen uns ganz wacker in diesen wirren Zeiten, in denen wir leben.

Was ich versuche, ist, regelmäßig zu formulieren, was ein großer Teil der nicht klar definierten aber zweifellos existenten bürgerlichen Mitte in Deutschland denkt oder nach meiner Ansicht denken sollte. Aber, das ist das Schöne in einer Demokratie, letztlich denken müssen Sie selbst. Ich kann nur Anstöße geben.

Das leidige Geld-Thema

Weil auch professioneller Journalismus keine karitative Veranstaltung ist, habe ich zu Beginn 2013 das Thema Monetarisierung hier offen angesprochen. Wollen wir Werbeanzeigen auf diesem Blog? Eine Bezahlschranke? Abonnements? Und Sie sagten: Lassen wir alles, wir gehen auf Freiwilligkeit und spenden für diesen Blog und meine Arbeit.

Bis vor gut zwei Jahren funktionierte das.

Viele von Ihnen haben nach Ihren Möglichkeiten immer mal wieder was gegeben. Wenn Ihnen ein Text gut gefiel, eine Überweisung. Ein Zehner oder ein Zwanziger, manchmal 50, der ein oder andere bei der „Weihnachtsspende“ auch mal 100 oder 200 Euro. Und dann gibt es noch die, die seit Jahren einen Dauerauftrag eingerichtet haben. Jeden Monat 5 oder 10 Euro.

Ich bin Ihnen allen wirklich dankbar dafür, und möchte das heute auch noch einmal herausstellen: Ohne Sie und Ihre Großzügigkeit gäbe es diesen Blog schon lange nicht mehr.

Doch seit zwei Jahren ist alles anders

Mit Beginn der Corona-Pandemie brachen die Spenden spürbar ein, unsere Einnahmen halbierten sich. Und ich hatte die Hoffnung, dass es nun mit dem Frühjahr und der auslaufenden Corona-Zeit wieder besser werden würde. Aber das war ein Trugschluss. Der Krieg in der Ukraine, die rasant steigenden Preise, die explodierenden Energiekosten, die nahende Rezession und vor allem die ungewisse Zukunft für uns alle, haben die finanzielle Unterstützung bei mir/uns aber auch bei vielen anderen Kollegen massiv einbrechen lassen.

Niemand macht unseren Lesern einen Vorwurf daraus. Butter und Brot, Benzin und die Gasrechnung sind definitiv wichtiger als die Unterstützung alternativer Medien, die dem Mainstream etwas entgegensetzen. Und das haben wir alle in den vergangenen Jahren mit erheblichem Erfolg. Und wir sind darauf auch ein wenig stolz.

Nun stehen wir am Scheideweg

Es ist nicht möglich, diesen Blog weiter zu betreiben und dauerhaft draufzuzahlen. Nicht, dass die Kosten für den Betrieb so hoch wären, aber als Lohnschreiber irgendwo könnte ich meinen Lebensunterhalt locker bestreiten. Als Medien-Berater für Firmen, Verbände und Parteien würde ich wunderbare Rechnungen mit Tagessätzen schreiben, statt nahezu täglich die aktuelle politische Lage hier zu analysieren und Deutschland mit zu retten für lau.

Jetzt naht die Adventszeit, und wie in jedem Jahr bettele ich wieder zu meiner traditionellen Jahresend-Kollekte bei Ihnen um ein paar Euros. Ich würde gern nächstes Jahr mit Ihnen unser Zehnjähriges feiern, noch viele Jahre weitermachen und auch unser alljährliches großes Netzwerktreffen weiter veranstalten. Aber ich kann nicht so weitermachen, wie in den vergangenen beiden Jahren, einfach aus Spaß am Schreiben.

Es ist natürlich Ihre Entscheidung, und ich nehme es niemandem übel, der das eigene Geld erst einmal dafür verwendet, über den Winter zu kommen und der Krise zu widerstehen. Aber ohne Moos nix los, auch und gerade bei den alternativen Medien. Das wollte ich Ihnen heute deshalb  im Detail schildern.

Wenn es Ihnen möglich ist: Bitte spenden Sie dafür, dass wir weitermachen können, dass ich weitermachen kann mit Denken Erwünscht!

PayPal @KelleKlaus

IBAN: DE18 1005 0000 6015 8528 18

Haben Sie herzlichen Dank!

Ihr Klaus Kelle




„…ein sicheres Anzeichen für beginnenden Schwachsinn“

Der Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualaktes nennt man Pornografie.

Pornografie ist in Deutschland nur an Orten erlaubt, an denen Kinder und Jugendliche keinen Zugang haben. So ist die Gesetzeslage. Ein Gesetz, das man mit der Erfindung des Internets und des Smartphons getrost in die Tonne treten kann. Sexualität und Pornografie sind überall präsent, auch bei jungen Schülern auf dem Schulhof. Das ist nicht in Ordnung, aber wie wollen wir, wie kann unser Staat das überhaupt noch eindämmen?

Pornografie ist schlecht für die Entwicklung einer Gesellschaft, insbesondere aber schlecht für diejenigen, die durch die leider unbegrenzten Möglichkeiten des Internets süchtig danach werden und so ihre Fähigkeit, normale Beziehungen zu führen, verkümmern lassen. Die andere Menschen irgendwann vorrangig als Objekte der eigenen Lust betrachten. Und viele dann auch Sex als Ware ansehen, die man kaufen kann, ohne Verantwortungsbewusstsein, ohne Rücksicht auf diejenigen, die ihren Lebensunterhalt, ihre Drogen oder was auch immer damit finanzieren.

Wir wissen nicht, wie viele Kinder und minderjährige Jugendliche heutzutage unsere Hochschulen in Deutschland betreten. Die sollen ja Lehre und Forschung betreiben und zur gedeihlichen Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen. Aber das, was Sie sehen, wenn Sie zum Beispiel die Engangshalle der Bielefelder Universität betreten, entspricht dem wohl kaum. Und wer sich den „Kampf gegen Sexismus“ auf die Fahnen schreibt, der müsste empört sein. Doch große Proteststürme von der Uni, auf der auch ich einige Semester verbringen durfte, konnte ich bisher nicht finden angesichts des aktuellen für jeden zugänglichen Bildnisses an den Büros des Schwulen- und Lesbenreferats dort.

Wir haben lange überlegt, ob wir Ihnen das zeigen, damit Sie eine Vorstellung davon haben, was an staatlichen Universitäten so alles rumhängt – und glauben Sie mir, sexuelle Darstellungen sind da oft noch die harmloseren Dinge. Wenn also niemand an der Universität Anstoß daran nimmt, was da so herumhängt, wenn niemand bei der Uni-Leitung protestiert, denn muss es ja wohl auch in Ordnung sein, wenn Journalisten Ihnen zeigen, was an den von Ihnen finanzierten Hochschulen als normal gilt…

Denn, wie sagte Sigmund Freud einst: „Der Verlust der Scham ist ein sicheres Anzeichen für beginnenden Schwachsinn…“




Patriotismus und Selbsthass passen nicht zusammen

Es ist also genauso gekommen, wie Spötter das erwartet und zunehmend auch öffentlich artikuliert haben. Fußball-WM in Katar, erstes Spiel der Vorrunde, Klatsche gegen Japan. Und wer sich am Abend das 7:0 unseres nächsten Gruppengegners Spanien gegen Costa Rica angeschaut hat – den beschleicht eine Ahnung, dass am Sonntagabend im deutschen Mannschaftsquartier schon die Reisetaschen gepackt werden könnten.

Uli Hoeneß, sozusagen der Vater aller deutschen Fußballmanager, hat es heute in einem RTL-Interview klar ausgesprochen:

„Die WM, wie sie sich derzeit darstellt, wird auf jeden Fall kein Erfolg sein, das ist jetzt schon klar, und sie wird dem Fußball insgesamt auf jeden Fall schaden.“ Amen!

Aber so einfach wollen wir es uns nicht machen. Der Bayern-Ehrenpräsident klagt nämlich nicht nur über das Ansehen der globalen Sportveranstaltung, über sinkende Zuschauerzahlen in den Stadien und vor dem TV-Bildschirmen. Er sagt auch:

„Jahrelang hatte man Zeit genug, die Dinge anzusprechen und die entsprechende Macht auszuüben. Ich glaube, die europäischen Verbände haben überhaupt noch nicht erkannt, welche Macht sie wirklich haben.“

Und das ist der Punkt. Jetzt sind alle gratismutig. Die Mannschaft, unsere Nationalmannschaft, macht sich mit der Beteiligung an der selten dämlichen Binden-Diskussion zum Gespött selbst gutwilliger Fußballfans. Rund um die Uhr wird über fehlende Vielfalt bei der WM und Homosexuellenrechte in Katar in den Medien palavert. Rundfunkmoderatorinnen, deren Namen ich noch nie vorher gehört habe, schaffen es auf Titelseiten, weil sie im Studie diese alberne Binde tragen, die den Sportlern von der FIFA verboten wurde. Und Bundesinnenministerin Nancy Faeser ist besonders mutig und trägt die Armbinde in der Ehrenloge neben dem peinlichen FIFA-Päsidenten. Wo seid Ihr alle die vergangenen zwölf Jahre gewesen?

Was soll das alles? Ein einziges Kasperletheater, und Deutschland ganz vorn dabei.

Wie Sie wissen, teile ich die Kritik an all dem und noch vielen anderen Dingen im Zusammenhang mit dieser Fußball-WM. Aber ich bin auch Fußballfan, und ich bin Deutscher.

Vorhin war es ein bisschen so wie früher – für 45 Minuten wenigstens und ohne Grill. Mit ein paar Freunden vor der Glotze, Deutschland gegen Japan, Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft. Bier auf dem Tisch (König Ludwig Hefeweizen), Siegeszigarren griffbereit. Die erstes Halbzeit unserer Mannschaft war richtig gut, schnell, ballsicher, bestens eingestellt. Wer da etwas anderes gesehen hat, der hat vom Fußball nicht den Hauch einer Ahnung.

Was man den Männern im deutschen Trikot vorwerfen kann, ist einzig, dass sie nach dem 1:0 nicht nachlegen konnten. Meine kühne Behauptung, die wir nie belegen können werden: Wäre das zweite Tor kurz vor der Halbzeit nicht aus einer Abseitsposition gefallen, und die Jungs wären mit 2:0 zum Pausentee gegangen, dann hätte die deutsche Mannschaft das Ding gewonnen, vielleicht letztlich sogar noch 3:0. Und Deutschland läge im Siegestaumel. Aber hätte, hätte, Fahrradkette…

Es kam anders, wie Sie wissen.

Die Japaner kamen auf den Platz zurück, rannten und dribbelten und kämpften, als ginge es um ihr Leben. Sie wollten das Spiel gewinnen. Sie zeigten diesen unbändigen Willen, den man früher bei deutschen Mannschaften bewundert hat. Und sie siegten, völlig verdient mit 2:1 gegen unsere Helden, die dafür bei Armbinden und Haltungsgesten aber stilbildend sind.

Viel spricht dafür, dass am Sonntag gegen Spanien für die deutsche Mannschaft Schluss sein wird. Spanien und Japan kommen weiter, die Deutschen fliegen mit ihren ungetragenen Armbinden nach Hause.

Was mich aber bei all dem stört, ist die Häme eines nicht unerheblichen Teils des Publikums gegen die deutsche Mannschaft.

Das macht man nicht. Auch wenn ich das ganze Theater um Manuel Neuer und Oliver Bierhoff und die FIFA und den DFB und die Armbinde und die Hände vorm Mund für ätzend, ja lächerlich, halte, ist dies unsere deutsche Fußballrepräsentanz in aller Welt. „Unsere“ Nationalmannschaft. Und ich weiß nicht, wie man sich als Patrioten verstehen kann und dann unbedingt will, dass die eigene Mannschaft verliert. Da ist dann der Punkt, wo ich nicht mitgehe.

Wenn man „Deutschland zuerst!“ fordert, und aber gleichzeitig hofft, dass unsere Mannschaft in der Vorrunde ausscheidet, dass es im Winter in unseren Wohnungen kalt bleibt, oder – wie neulich ein Vollhonk auf Facebook schrieb – dass „die Russen gleich durchmarschieren bis zum Rhein“, dann ist man nichts eeniger als ein Patriot.

Und im Übrigen: Die deutsche Mannschaft hat noch immer alle Chancen, das Turnier erfolgreich zu bestreiten. Wir werden im Winter beheizte Wohnungen haben in Deutschland. Und die Russen kommen augenscheinlich nicht mal an Cherson vorbei. Also: den Superpatrioten spielen, aber gleichzeitig hoffen, dass alles zusammenbricht, das ist vollkommen unlogisch.

 




Die nächste bitte: Joana Cotar verlässt die AfD

Die hessische Bundestagsabgeordnete Joana Cotar verlässt die AfD, zu deren Gründern in Hessen sie vor zehn Jahren zählte. Cotar ist das, was man eine Realpolitikerin nennt, sie interessiert sich für das, was im Parlament diskutiert und beschlossen wird, auch abseits der großen gesellschaftlichen Aufregerthemen. Eine engagierte Politikerin, die sich zuletzt intensiv in das wichtige Zukunftsthema Digitalisierung eingearbeitet hatte.

In den vergangenen Jahren gehörte Cotar zu den profiliertesten Politikern in ihrer Partei gegen den Rechtsruck durch das Erstarken des Höckeschen „Flügels“. Im Bundesvorstand kämpfte sie an der Seite ihres (damaligen)Vorsitzenden Jörg Meuthen gegen die Träumer von der völkischen Idylle. Und mit Abscheu schaute sie zunehmend auf das, was man in der AfD nicht nur hinter vorgehaltener Hand als „Beutegemeinschaft“ bezeichnet: den Kampf um Mandate, Pöstchen und Staatskohle.

Joana Cotar war denen lästig, die in der AfD heute den Ton angeben. Nicht wenige werden froh sein, dass die Frau aus Hessen nun nicht mehr mit am Fraktionstisch sitzt, die immer so störende Fragen stellte, und die es sogar vor der vergangenen Bundestagswahl wagte, zusammen mit dem Ex-General Joachim Wundrak als alternatives Duo gegen Chrupalle/Weidel um die Spitzenkandidatur anzutreten – allerdings erfolglos.

Joana Cotar war lästig in der AfD, aber sie war wichtig, weil sie für offenen Meinungsstreit stand und keiner politischen Keilerei aus dem Weg ging. Wie es jetzt weitergeht mit ihr? Zumindest ich weißt es (noch) nicht. Im Bundestag wird sie wohl bleiben. Ob sie sich später politisch weiter engagiert? Ich halte das eher für unwahrscheinlich. Denn Joana Cotar ist finanziell nicht abhängig von Mandaten und der Politik. Es gibt noch ein Leben da draußen…




Unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung

Heute Morgen war die Kirche wieder randvoll, die Sitzbänke reichten nicht aus bei uns in der Gemeinde. Lag es am Christkönigsfest? Ich nehme an, es hatte wohl eher mit der Firmung von einigen Dutzung jungen Christen zu tun, die sich bewusst für ein Leben mit Gott entschieden haben. So ist jedenfalls der Plan. Und ich hoffe, das ist der Antrieb wenigstens von Einigen.

Ich muss zugeben, irgendwo hinten, inmitten der Gläubigen ohne Sitzplatz, kam mir beim Blick auf die sicher 300 – nennen wir sie – Gläubigen kurz der Gedanke: Wie viele von diesen Menschen leben ihren Glauben wirklich noch, jedenfalls so konsequent wie möglich? Ich hatte eher den Eindruck, dass mehr als die Hälfte Verwandte und Freunde der Firmlinge waren, deren Gedanken abschweiften zum anschließenden Mittagessen im Gasthaus in der Nachbarschaft. Vielleicht tue ich den Brüdern und Schwestern auch Unrecht. Aber ich denke immer mal auch am Heiligen Abend, warum sind all die vielen Menschen hier, die ich sonst nie sehe? Klar, Tradition, aus Rücksicht auf die Oma und so weiter, ich kenne die Erklärungen alle.

Ich habe seit ungefähr vier Jahren den Eindruck, dass es bei der christlichen Basis in unserem Land einen deutlichen Umbruch gibt. Der drückt sich selten im Gottesdienst in der Kirchengemeinde aus – leider. Aber bei den evanglischen Freikirchen und bei den neuen Geistlichen Gemeinschaften in der Katholischen Kirche. Ich bin da viel unterwegs und staune wirklich, was alles unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung heranwächst, jung und tiefgläubig.  Gezetter über Segnung der Homo-Ehe und Abendmahl für alle ist da überhaupt kein Thema. Bischofsstreit über den „Synodalen Weg“? Nur etwas für die immer gleichen Lobbygruppen und Funktionäre a la Herrn Bätzing. Wenn interessiert das, was die erzählen?

Es geht um Jesus Christus, nicht um Kirchensteuern und Klimarettung. Glauben Sie mir: Wenn Sie sich einmal darauf einlassen, ist es plötzlich alles ganz schlüssig….




Pfirsich-Eistee in der Wüste

Es war doch klar, dass das Ärger geben würde. Fußball-WM in einem islamisch geprägten Land Arabiens, wie naiv muss man sein, um einen solchen Austragungsort zu wählen, damit „die Welt zu Gast bei Freunden“ eine Party feiern kann? Freunde trinken zusammen Alkohol, jedenfalls die Freunde aus der westlichen Hemisphäre. Und die Freunde aus der östlichen Hemisphäre übrigens auch. Eigentlich alle außer die Freunde in Arabien.

Aber nun hat die FIFA in ihrer unendlichen Weisheit entschieden, und jetzt ist das so.

Immerhin hatte Gastgeber Katar das Zugeständnis gemacht, dass in ausgewiesenen Bereichen alkoholische Getränke an die Freunde aus aller Welt ausgeschenkt werden dürfen. Das hat der oberste Scheich nun – zwei Tage vor Anpfiff – kassiert. Und das ist nicht gut, denn Fußball und Bier – das gehört zusammen, wie ich aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung weiß.

Eine Fußball-WM ohne Bier mit Alkohol, das ist wie der Weltkongress der Veganer in der Metzgerei an der Ecke, das ist wie die Osternachtsmesse im Kölner Dom mit Atheisten. Kurz: das ist unmöglich.

Alkoholfreies Bier soll es immerhin geben, haben wir erfahren, und ich habe in meinem wirklich großen Freundes- und Bekanntenkreis sage und schreibe EINEN, der das regelmäßig und gerne trinkt. Zählen wir die Kölsch-Freunde dazu, sind es eine Handvoll mehr.

Ich bin sehr gespannt, wie sie das durchsetzen werden in Katar, wenn England das Halbfinale erreicht und da 10.000 sehr durstige Liverpool-Fans durch Doha schlendern, denen man Pfirsich-Eistee und alkoholfreies Bier anbietet…