Gilt die Unschuldsvermutung eigentlich auch für Männer?

Kennen Sie noch „Mr. Big“ aus der US-Serie „Sex and the City“? Ich habe alle Folgen gesehen damals – natürlich mit meiner Frau zusammen. Männer allein schauen sowas nicht, so wie auch „Desperate Housewives“ nicht. Aber zusammen, kann man machen.

„Mr. Big“, der im wahren Leben Chris Noth heißt, ist gerade in erheblichen Schwierigkeiten. Zwei Frauen haben dem smarten Herzensbrecher aus der amerikanischen Kultserie sexuelle Übergriffe in den Jahren 2004 und 2005 vorgeworfen. Und nun rollt die Empörungsmaschinerie an. Die Medien berichten, die drei ehemaligen Kolleginnen distanzieren sich öffentlich. «Wir sind zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen gegen Chris Noth», schreiben sie in einer Mitteilung, die am Montag auf den Social-Media-Kanälen von Sarah Jessica Parker, Cynthia Nixon und Kristin Davis veröffentlicht wurde.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Wenn diese Vorwürfe zutreffen, muss der Staatsanwalt ermitteln, wenn Noth sexuell übergriffig geworden ist und Frauen zum Sex gezwungen hat, dann gehört er bestraft, in letzter Konsequenz vielleicht eingesperrt. Aber es gibt da auch Merkwürdigkeiten.
Ich werde immer hellhörig, wenn sich Menschen nach 15 Jahren plötzlich erinnern, dass sie sexuell genötigt wurden.
Das erinnert mich an den FDP-Politiker Rainer Brüderle, der im Jahr 2013 an einer Hotelbar spät abends einer Journalistin sagte, dass sie in ihrem Dirndla sehr gut aussehe. Wahrscheinlich hat sie ihm damals ein Lächeln geschenkt und „vielen Dank“ oder sowas gesagt. Als Brüderle ein Jahr später zur Bundestagswahl Spitzenkandidat der Liberalen wurde, veröffentlichte dieselbe Frau – die so furchtbar belästigt wurde, dass sie in den Monaten dazwischen immer wieder beruflich und ohne Probleme mit Brüderle zu tun hatte – einen großen Artikel über den „Vorfall“, der zum unverzüglichen Start der #MeeToo-Kampagne im Internet führte. Plötzlich waren alle Frauen Opfer und alle Männer Täter. Einer Frau die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen? Eine schwere sexuelle Verfehlung, oder?
Chris Noth hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe inzwischen als «kategorisch falsch» zurückgewiesen. «Nein heißt immer Nein – das ist eine Grenze, die ich nicht überschritten habe. Die Begegnungen waren einvernehmlich», wurde der 67-Jährige im Branchenblatt «The Hollywood Reporter» zitiert. Und das ist die zweite Merkwürdigkeit – ich konnte nichts finden, dass die beiden Frauen, die von Noth angeblich zum Sex genötigt wurden, Strafanzeige bei der Polizei erstattet hätten.
Alles, was passiert, ist dass – zufällig nahezu zeitgleich mit dem Neustart der HBO-Serie „Sex and the City“ – der „Hollywood-Reporter“ berichtet und die Feminismus-Lobby empört ist. Noth wurde inzwischen bei CBS rausgeworfen, wo er in der Serie «The Equalizer» Darsteller war.
Wirklich, es gibt da kein einvernehmliches Männer-Ding mit Augenzwinkern. Einen Frau oder einen Mann oder gar ein Kind zum Sex zu zwingen, ist ekelhaft und unentschuldbar. Es muss bestraft werden, je nach Art des Übergriffs auch mit Knast. Aber die Unschuldsvermutung ist ein hohes Gut in unserer Rechtsordnung. Ein Artikel in einem Yellowpress-Celebrity-Blättchen sollte nicht Karrieren zerstören können – oder vielleicht auch welche befördern, wenn Leute zur richtigen Zeit derartige schwere Vorwürfe erheben, ohne Beweise zu haben, ohne dass ermittelt wird.
Aus Los Angeles wird inzwischen berichtet, dass es das mit der Ehe von Herrn Noth dann wohl auch gewesen sein dürfte… Kollateralschaden nennt man das jetzt wohl.

Alternative Medien erreichen immer mehr Menschen in Deutschland mit ihren Nachrichten und Meinungen – so wie dieser Blog. Aber wir brauchen Ihre Hilfe für unsere Arbeit. Bitte unterstützen die auf PAYPAL hier oder durch eine Überweisung auf unser Konto bei der Berliner Sparkasse DE18 1005 0000 6015 8528 18 !

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 19 mal kommentiert

  1. Ruth Antworten

    Lieber Herr Kelle,
    mir geht es wie Ihnen – dieses ganze me-too Geschnatter geht mir enorm auf die Nerven. Nach Jahren fällt irgendeiner Tussi ein, meistens wenn sie selbst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind, dass sie irgendwann von irgendwem, besonders beliebt von einem heute noch erfolgreichen, möglichst vermögenden Mann, belästigt wurden. Nicht etwa sofort, als die angebliche Belätstigung statt fand.

    Wenn es gravierend war, dann weiss ich das sofort und dann gehört es sofort zur Anzeige gebracht. Auch damit man den „Täter“ sofort verantwortlich machen kann und ihm nicht noch Jahrzehnte die Chance gibt, einfach so weiter zu machen.

    Wieviele Fälle, auch die Vorwürfe in der Katholischen Kirche, wären nicht eskaliert, hätte man die Taten sofort angezeigt. Nein, man duckte sich weg und sah seelenruhig zu, wie es anderen genauso erging. Ist das nicht auch eine Straftat?

    Zurück zu diesem Me-Too Tussis – ein Gedankenspiel.

    Was passiert bei den hysterischen Damen und Medien, wenn der Täter ein „Ein Mann“ ist, wenn in unserem Land junge Frauen belästigt, bedroht, vergewaltigt werden? NICHTS ! Man hört nichts von den dauerempörten Grazien, die alle sofort me-too plärren wenn der Täter ein reicher, erfolgreicher Mann ist.

    Ebenso, wenn es sich durch Prozesse herausstellt, dass der Beschuldigte sich eben doch nichts zu schulden kommen lies, u.a. bei Karl Dall oder auch der bei den Medien umstrittene Fall von Kavanaugh, wenn es dann zu einem Freispruch kommt, die lauten Me-Too-Anklägerinnen nichts als Lügnerinnen und Wichtigtuerinnen waren, dann verschwinden diese Berichterstattungen irgendwo im Kleingedruckten. Da findet nicht eine ebenso pompöse Artikelserie statt, wie zuvor bei dem Geplapper.

    Irgendwo auch unfassbar, was sich Männer heutzutage alles bieten lassen müssen. Gibt es keine Kerle mehr, die sich trauen hier richtig auf den Putz zu hauen, sich zu wehren und diese Lügentussis zu entlarven.

    Auch ich möchte nicht falsch verstanden werden, eine Vergewaltigung muss angeklagt werden – der Täter zur Rechenschaft gezogen werden, aber sofort !!!! und nicht erst je nach Launen Jahre später.

  2. Franz Reinartz Antworten

    Eigentlich ist es ganz einfach: Männer, also solche Inhaber von Primärgenitalien, die sich dazu bekennen und sich selbst auch als Mann bezeichnen, sind immer und überhaupt an allem schuld. Besonders, wenn sie weiß sind und/oder schon älter. Frauen dagegen sind immer Opfer. Immer und unter allen Umständen. Weil Frauen offenbar im landläufigen Sinne „dumm“ sind. Das haben Sie, lieber Herr Kelle, doch sicher schon von Ihrer Frau vermittelt bekommen.
    Der Mann von Welt hält sich daher von Frauen fern. Dann moppert „sie“ zwar, keinen abbekommen zu haben, er jedoch kann sich daran erfreuen, nicht in Verdacht zu geraten. MGTOW heißt das Zauberwort. Ich fahre gut damit.

    • Klaus Kelle Antworten

      Eine interessante Betrachtungsweise, lieber Herr Reinartz! Tatsächlich hat meine Frau noch nichts Derartiges verlauten lassen, und dumm ist sie ganz sicher nicht.

      Schönen Abend! Klaus Kelle

  3. H.K. Antworten

    Vergewaltigung sind m.E. absolut widerlich und werden nur noch durch Mißbrauch von Kindern übertroffen.

    Ob nun ein Mann mit zwei Frauen, zehn Frauen mit zwanzig Männern: wenn alle das sollen, bitte sehr.

    Angeblich finden ja die meisten Vergewaltigungen in der Ehe statt.
    Und ich will auch gar nicht in Frage stellen, daß es unmögliche, ekelerregende Männer gibt, die ihre Frau grün und blau prügeln.
    Solche Typen gehören in den Knast. Und am besten selbst einmal ordentlich verprügelt, damit sie wissen, wie es ist.

    Aber diese lautstarken, nach Jahren öffentlich gemachten Empörungsausbrüche machen mich i.d.R. stutzig.

    Was @Ruth bereits ansprach:
    Insbesondere auch in den Kirchen, wo angeblicher Mißbrauch z,T. erst nach dem Tod des Betreffenden, ja, viele Jahre später, angeprangert wird und sich derjenige nicht einmal mehr wehren kann, sollten doch jeden halbwegs Denkenden hellhörig machen.

    Auch da geht es zumeist nur um eines: Geld.
    Und davon haben die Kirchen ja genügend.

    Selbstverständlich gibt es Frauen, die von irgendwelchen Vorgesetzten, Chefs, Regisseuren oder sonstwem, der der Karriere nützlich sein könnte, unter Druck gesetzt und belästigt werden.

    Soll aber, wie man(n) hört, auch vorkommen, daß da so manche Dame „abgeblitzt“ ist und nun nach „Rache“ dürstet.

    Die „Unschuldsvermutung“ gilt nur, wenn es politisch oder gesellschaftlich opportun ist.

  4. Alexander Droste Antworten

    Als Vergewaltigung ist schon Augenklimpern und Lächeln in die Richtung eines menstruierenden Menschen anzusehen. In der Gegenrichtung kann es die Einladung zur Vergewaltigung bedeuten. Hach, ist das Leben heute liebevoll.

  5. Ketzerlehrling Antworten

    Oh weh, der Nächste, den man nach Jahren anklagt, sich daneben benommen zu haben. Natürlich gibt es diese Fälle und als Frau kann man sich vorstellen, wie schwierig es ist, darüber zu reden. Vor allem, wenn die Übergriffigen Prominente sind. Aber merkwürdig ist es dennoch, dass nach so vielen Jahren plötzlich derartige Dinge ans Licht kommen und gleich mehrfach. Er ist nicht der einzige und wird nicht der letzte sein. Man darf gespannt sein, was an diesen Vorwürfen dran ist. Ist er schuldig, gehört er weggesperrt, ist er es nicht, seine angeblichen Opfer. Wieso macht man nicht einmal bei Frauen Ernst? Vielleicht fällt dann bei der einen oder anderen der Groschen, dass sie nicht generell Narrenfreiheit haben auf diesem Planeten.

  6. Pingback: Gilt die Unschuldsvermutung eigentlich auch für Männer? - FreeSpeech.international

  7. Luzi Ferase Antworten

    Das ist doch ein ertragreiches Wirtschaftsfeld. Immer schön alles, was früher zwischenmenschliches Tun war, monetarisieren und\oder ideologisieren. Der Gruensozialismus macht ueberall Fortschritte. Der bürgerliche Humanismus wird wirkgenau ausgemerzt.

  8. S v B Antworten

    Die ideologische Wiege dieser und anderer – ähnlich radikaler – Bestrebungen, welche als Feindbilder allzu gerne (alte) weiße Männer ins Visier nehmen, ist im feministisch-woke geprägten universitären Bereich der US-amerikanischen West Coast zu finden. Leider lassen sich die europäischen Gesellschaften immer öfter durch diese fast schon mittelalterlich anmutenden, gar an die berüchtigten Hexenverfolgungen erinnernden Anschuldigungen und Vorgehensweisen so beeindrucken, dass sie infolge dessen zu vergleichbaren eigenen Aktionen animiert werden. Mit dem ungeheuren Sensationswert, den das öffentliche „Waschen schmutziger Wäsche“, gefolgt von der sozialen Hinrichtung des Beschuldigten, heute wie damals zweifellos hat, kann und darf diese Besorgnis erregende Entwicklung, in der man billigend in Kauf nimmt, vielleicht gar darauf abzielt, menschliche Existenzen zu vernichten, keinesfalls aufgewogen werden.

    Auch in diesem Zusammenhang ein Buchtipp: Alain Finkielkraut „Ich schweige nicht – Philosophische Anmerkungen zur Zeit „. – Anstelle eines Prologs tritt in diesem Werk übrigens ein Dialog zwischen Finkielkraut und Peter Sloterdjik, Absolut lesenswert!

  9. Stefferl Antworten

    Zur Frage der Gleichbehandlung bzw. Ungleichbehandlung von Männern und Frauen vor dem Gesetz möchte ich das Strafgesetzbuch zitieren:

    § 183 Exhibitionistische Handlungen
    (1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

    Von Frauen ist hier keine Rede. Deswegen können Frauen in dem Bereich machen, was sie wollen, während dies Männern nicht gestattet ist.

    • Achim Koester Antworten

      Möglicherweise liegt es daran, dass sich so gut wie kein Mann von einer nackten Frau belästigt fühlt 😀😀

      • S v B Antworten

        How come???

        Aber, lieber Herr Koester, was nicht ist, wird sicher noch werden. Gesellschaftspolitisch arbeitet man jedenfalls unermüdlich daran, dass dies so wird. Männer aus anderen Gegenden der Welt geben sich diesbezüglich zwar noch auffallend renitent, aber dem wird mittelfristig sicher beizukommen sein. Wir werden die Sache mal im Auge behalten, okay?

  10. Achim Koester Antworten

    Die #metoo Bewegung setzt gekonnt die rechtsstaatlichen Prinzipien außer Kraft, denn sie sind Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Meistens sind die angeblichen Vorfälle ja auch noch verjährt. Warum aber traut sich kein Beschuldigter, den Spieß umzudrehen und mit erlaubten rechtlichen Mitteln zurückzuschlagen, d.h. die Frauen wegen Rufmords auf Schadenersatz zu verklagen? Da könnten doch einige Millionen fällig werden, und der Spuk wäre ein für allemal vorbei.

  11. H.K. Antworten

    Ich weiß nicht, wer trotz Weihnachtsstress Gelegenheit hat, hereinzuschauen.

    In jedem Fall:

    Ein frohes, optimistisches Weihnachtsfest allerseits und für das Neue Jahr alles erdenklich Gute, Glück, Zufriedenheit, vor allem aber beste Gesundheit und Gottes Segen !

    Ich freue mich auf viele spannende Artikel und Kommentare im Neuen wie im zu Ende gehenden Jahr !

    Ihr
    H.K.

  12. Franz Reinartz Antworten

    Lieber Herr Kelle,
    Sie werden wissen, welchen Unterton ich meinem Beitrag geben wollte. Ich lese die Bücher und sonstige Beiträge Ihrer Gattin mit großem Genuss und Gewinn.
    In der Tat beobachte ich aber mit Sorge, dass in den letzten Jahren Frauen von der herrschenden Politik grundsätzlich als unselbständige Opfer und Männer grundsätzlich als triebgesteuerte Täter karikiert werden.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes 2022.
    Franz Reinartz

  13. Wolfgang Heppelmann Antworten

    … „Chris Noth hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe inzwischen als «kategorisch falsch» zurückgewiesen“…

    Lieber Herr Kelle, es wird ihm nichts nützen.

    In der jetzt schon länger laufenden Phase des extremistischen Feminismus sehen wir, das alles Männliche als kriminell, sexistisch, Frauenfeindlich, oder gar krankhaft verunglimpft wird. In der Reclame erscheinen Männer fast nur noch als herumhampelnde Idioten. Was daraus folgt, weil ein sich dagegen wehren kontraproduktiv ist, daß immer mehr Männer seit Jahren den Kontakt zu Frauen auf ein Minimum reduzieren, kaum noch Bindungen mit ihnen eingehen, und überhaupt sich nicht mehr mit Frauenproblemen beschäftigen mögen. Die Recht-(?)- sprechung tut ein übriges, indem Männer nach dem Scheitern ihrer Ehe, meist auf Jahrzehnte völlig ausgeplündert werden, und auch den Zugang zu ihren eigenen Kindern verlieren. Männer gelten heute als gesellschaftliche Störenfriede, wegen besonderer Triebhaftigkeit als Kinderschänder, Vergewaltiger, Naturzerstörer, oder Kriegstreiber. Alles Männliche ist somit krankhaft. Heute werden schon in „unseren“ Schuhlen Jungen systematisch gegenüber Mädchen gebrandmarkt.

    Immer mehr Männer mit solchen Erfahrungen ziehen sich auch aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zurück. Das führt immer stärker zu Leistungsverweigerung und Desintegration, vor allem bei jüngeren Männern. Es gibt heute eine stark ansteigene Zahhl von solchen „Aussteigern“, was sich deutlich am Arbeitsmarkt und bei der sinkenden Zahl von ausbildungsbereiten jungen Männern zeigt.

    Was das zur Folge haben kann, beschreibt Dr. Helen Smith in ihrem Buch „Men on strike“, auf Deutsch erschienen: „Männerstreik, warum immer mehr Männer sich der Gesellschaft verweigern“.

    Sehr zu empfehlen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.