Hängepartie in Magdeburg: Wo ist eigentlich Ulrich Siegmund?
Können Sie sich eigentlich noch an Ulrich Siegmund erinnern? Dieser AfD-Kandidat, der vor zwei Wochen fulminant die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt gewonnen hat? Dem zur absoluten Mehrheit ganze drei Abgeordnete im Parlament fehlen und der seitdem – der Volksmund würde sagen – ohne Hose dasteht? CDU, SPD, Grüne und Linke/SED wollen nicht einmal Gespräche über die Bildung einer Koalition oder wenigstens Zusammenarbeit mit ihm führen.
Das BSW/SED ist bereit zu sprechen, will aber keine Koalition und Siegmund auch nicht zum Ministerpräsident wählen.
Nach dem Jubel am Wahlabend herrscht Katerstimmung bei der AfD
Sie alle wissen, dass Politik, Machtpolitik, immer etwas von einem Basar in Marrakesch hat. Es wird gefeilscht, es wird gedealt und bisweilen auch geschmiert. Vielleicht überrascht uns Herr Siegmund nächste Woche doch noch alle und zaubert drei Abgeordnete anderer Fraktionen aus der Tasche, die – natürlich aus tiefster staatbürgerlicher Verantwortung – die Seiten wechseln. Und die dann, ganz zufällig, in vier Wochen Staatssekretär der AfD-geführten Regierung werden oder ein Ferienhaus in Dänemark besitzen.
Kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit: das würde die AfD niemals tun!
Union und SPD haben sowas schon gemacht, die Stasi hat Abgeordnete gekauft, um Willy Brandt vorübergehend im Amt zu halten. CDU-Politiker haben Schmiergeld und Aufträge aus früheren Sowjetrepubliken abgegriffen für Wohlverhalten bei Abstimmungen und in Redebeiträgen. Also, bitte: Warten wir die nächsten Tage einfach mal ab! Alles ist möglich…
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Gestern Abend drehte sich in der ARD bei Maischberger auch alles um Sachsen-Anhalt. Der frühere CDU-Ministerpräsident Rainer Haseloff, immerhin 15 Jahre im Amt, wies die Schuld für die deftige Klatsche seiner Partei ganz eindeutig Berlin zu: bei Bundeskanzler Friedrich Merz.
Der habe für viele Menschen in Sachsen-Anhalt eine entscheidende Rolle gespielt, ihr Kreuz auf dem Wahlzettel bei der AfD zu setzen.
Bis ein neuer Ministerpräsident in Magdeburg gewählt sei, führe sein Nachfolger Sven Schulze die Geschäfte in der Staatskanzlei jetzt weiter. Dass der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund Stimmen von CDU-Abgeordneten erhalten werde, schließt Haseloff aus.
In der Maischberger-Sendung saß auch BSW-Chefin Sahra Wagenknecht
Ihre Partei werde den AfD-Kandidaten Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen, versicherte Wagenknecht. Um dann gleichzeitig eine Breitseite gegen Umweltminister Carsten Schneuider (SPD) abzufeuern: „Nicht das BSW ist verantwortlich dafür, dass die AfD diesen Höhenflug hat.“ Das habe die SPD erheblich mitzuverantworten durch ihre katastrophale Migrationspolitik, durch gigantische Sprit- und Lebensmittelpreise sowie eine falsche Gesundheits- und Rentenpolitik.
In der AfD gäbe es Menschen, die gefährlich seien, versichert Wagenknecht, und da hat sie zweifellos recht.
Diese Leute hätte die AfD selbst schon vor Jahren kaltstellen müssen. Aber man hat vorgezogen, jegliches politisches Strandgut erst einmal einzusammeln. Kurzzeitig eine erfolgreiche Strategie, jetzt, da die AfD an der Macht schnuppert, ein Fehler.