Konsequent das Richtige tun, auch wenn es kompliziert ist
Darf man Gewerkschaften eigentlich noch kritisieren? Oder muss man alles hinnehmen, was die tun – als einfacher Bürger, als Unternehmer oder auch als Staat? Fast scheint es mir so, und deswegen erlaube ich mir, das heute mal zu hinterfragen.
Die Gewerkschaft ver.di zum Beispiel startet heute mit einem Warnstreik, der den öffentlichen Personennahverkehr bis etwa Sonntagmorgen weitgehend lahmlegen soll. Busse, Trams und U-Bahnen sollen für 48 Stunden in den Depots bleiben. Berlin ist besonders betroffen, aber auch Großstädte wie München, Nürnberg, Frankfurt/M., Kassel und so weiter.
Gerade Berlin – das sich manche, die demnächst wieder hier die Regierung hier stellen könnten, gerne als autofreie Stadt wünschen.
Wie macht man das eigentlich als Arbeitnehmer in einer „autofreien Stadt“, wenn Gewerkschaften den öffentlichen Personennahverkehr in Geiselhaft nehmen? Mit dem Fahrrad oder Schlauchboot auf Schicht und das Bruttosozialprodukt steigern?
Und für was überhaupt?
ver.di zum Beispiel fordert in den kommunalen Verkehrsbetrieben unseres Landes „Erleichterungen für die Beschäftigten“. Kürzere Wochenarbeitszeiten und in Bayern, Brandenburg, Saarland, Thüringen sowie bei der Hamburger Hochbahn geht es – was sonst – um höhere Löhne und Gehälter.
Weniger Arbeit, mehr Geld – das hätte ich auch gern, aber keine Chance.
Wenn Sie Unternehmer sind und Krise ist, dann sind Sie am Ar…, da hilft Ihnen niemand. Und wenn Sie es doch schaffen – viele Unternehmer und Existenzgründer sind clever, und sie schaffen es mit harter Arbeit, Ideenreichtum und Improvisationsvermögen dann doch wieder, erfolgreich zu bleiben und Geld zu verdienen –, dann kommt Frau Reichinnek, die mit dem von uns bezahlten A 8, und will es Ihnen wegnehmen.
Der Wert von Selbstständigkeit, Unternehmertum und Risikobereitschaft wird in Deutschland überhaupt nicht wertgeschätzt. Stattdessen schafft man Regeln über Regeln, regiert in die Unternehmen hinein, baut bürokratische Hemmnisse en masse auf.
Wenn alle nur noch angestellt arbeiten – beschäftigt am besten beim Staat und seinen Unternehmen –, dann gibt es keinen Wohlfahrtsstaat mehr wie den unseren. Aber erklären Sie das mal denen, die unkündbar beim Staat oder mit üppigen Versorgungsansprüchen beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk ihr Dasein fristen!
Demnächst ist Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide (Brandenburg)
Tesla-Boss Elon Musk hat die Belegschaft – fast 11.000 Leute – in einer aktuellen Videobotschaft gewarnt, die IG Metall zu wählen. Das ist erst einmal ungewöhnlich, vor allen Dingen, weil seine ‚Gigafactory‘ in der Provinz, die aus guten Gründen dort Grünheide heißt, ein echter Glanzpunkt für das an Glanzpunkten arme Brandenburg ist.
Zwar ist die IG Metall auch bisher schon die stärkste Gruppe im Betriebsrat, aber eine absolute Mehrheit will Musk nicht. Und ich kann ihn verstehen, weil das, was die IG Metall will – 35-Stunden-Woche bei vollem Bezügen zum Beispiel – die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gefährden würde. Musk, ein global mega-erfolgreicher Unternehmer, setzt auf direkte Kommunikation mit seinen Mitarbeitern und sagt, er brauche keine Vermittlung durch ‚externe‘ Organisationen wie Gewerkschaften.
Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die IG Metall in Grünheide immer wieder Sand ins Getriebe der Gigafactory wirft und – wie Musk sagt – Unruhe stiftet. Musk droht deshalb indirekt sogar damit, den Ausbau der sogenannten „Gigafactory“ zu stoppen, wenn die IG Metall die Wahl gewinnt. Oder wie er es genau gesagt hat in seiner Videobotschaft: „Nun, die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen.“
Bei der vergangenen Betriebsratswahl 2024 stellte die IG Metall die größte Gruppe, die Sitzmehrheit ging aber an nicht gewerkschaftlich organisierte Vertreter. Musk will verhindern, dass ein mächtiger, feindlich gesinnter Block sein unternehmerisches Handeln beeinträchtigen könnte. Jeder Unternehmer würde das tun.
Gewerkschaften und Betriebsräte sind im Grunde natürlich wichtig und eine gute Sache. Man muss ja „die Leute mitnehmen“, sie anständig vertreten und dafür sorgeen, dass die Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens teilhaben. Das ist Soziale Marktwirtschaft pur.
Wenn die Eigentümer Gewinne einfahren, ist es gut und richtig, wenn auch die Belegschaft daran partizipiert. Aber, liebe Freunde, was ist eigentlich, wenn Unternehmen in die Krise rutschen, gar von Insolvenz bedroht sind und sich verschulden müssen? Wo ist die Gewerkschaft, wo sind die Politik, die dann kommen und sagen: Jetzt müssen wir aber mal Gehalt kürzen oder wenigstens zwei Stunden in der Woche mehr arbeiten?
Ja, ich weiß, auch das hat es immer mal gegeben, wenn große Unternehmen sanieren mussten, um nicht pleite zu gehen. Geschenkt!
Aber in einer Zeit, in der sich Deutschlands Wirtschaft – und damit das ganze Land – in einer schweren Krise befindet, in der das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt, in der jeden Monat 10.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gehen, in der im Maschinenbau, der Chemieindustrie und der Automobilbranche die Zahlen so schlecht wie selten sind – ist das die richtige Zeit für Streiks um weniger Arbeiten, aber gleichzeitig mehr Gehalt bekommen? Ist das die Aufgabe von Gewerkschaften?
Bestimmt haben Sie auch schon mal Sperrmüll abtransportieren lassen, oder? Besonders wenn ein Umzug bevorsteht, ist die richtige Zeit zum Auszumisten. Was braucht man wirklich noch von dem alten Kram? Das angewetzte Nachttischchen von der Oma, das morsche Bücherregal und die Waschmaschine, die bei jedem Waschgang klingt, als drohe in Kürze eine Explosion im Haus. Weg damit!
Und, glauben Sie es oder nicht: Sperrmüll funktioniert zumindest in der Provinz prima. Portal der Stadtverwaltung online anschreiben, Antwort vom städtischen Müllabholer, Termin ausgemacht und fertig. Wirklich fertig. Heute Morgen zwischen 8 und 10 Uhr war Abholzeit, um 8:02 Uhr waren die Jungs mit ihrem großen Laster da. Die klingelten gar nicht, die packten einfach an, luden ein paar Minuten lang den ganzen Kram auf und fuhren weiter. Als ich um Viertel nach acht aus dem Fenster schaute, war alles weg. Hammer, ich finde es schön, in einem Land zu leben, wo die kleinen Dinge einfach funktionieren.
Und natürlich weiß ich auch, dass nachher einige auf Facebook unter meinem Link posten werden, dass früher 8 Uhr 8 Uhr hieß und nicht 8:02 Uhr, Scheiß-System. Und Einzelne werden schreiben, dass Deutschland untergeht, weil … irgendwas. Ach ja, die Gasspeicher sind grad hipp. Gibt es eigentlich so was wie „Sperrmüll-Untergang“? Herr Kelle, schauen Sie sich mal das neueste Ganser-Video auf YouTube an, damit Sie verstehen, wie die Ablagerungen der Chemtrails, mit denen uns die Amerikaner vergiften, in alte Möbelstücke eindringen … ja, ist viel los in der Welt.
Ich habe übrigens hier die Provinz besonders hervorgehoben, also wo wir leben, weil es in vielen deutschen Ballungszentren anders zu sein scheint.
In Berlin zum Beispiel, nur ein paar Kilometer entfernt von uns
Die deutsche Hauptstadt hat ein massives Müllproblem, obwohl sich die Berliner Stadtreinigung (BSR) nach Kräften bemüht. Zumindest haben die gute Pläne ausgearbeitet, aber es scheitert halt in der Realität genauso wie bei den Fahrplänen der Deutschen Bahn. Pläne gut, Umsetzung ungenügend.
Und in Berlin, wahrscheinlich auch in Dortmund, Duisburg oder Nürnberg, liegt es halt auch am asozialen Verhalten mancher Mitbürger – Zugereiste ebenso wie Einheimische. Allein im Berliner (Problem-)Bezirk Neukölln gehen jährlich rund 15.000 Meldungen über illegale Müllkippen ein. Das „Stadtbild“ leidet in vielen Kiezen unter Holzregalen, Matratzen und Möbeln, die einfach am Straßen- oder Wegesrand vor sich hinschimmeln. Und was macht die Politik? Vielleicht mehr Kontrollen, mehr Müllmänner und Fahrzeuge? Ach iwo, es werden höhere Bußgelder verhängt, was aber völlig egal ist, weil man die Verursacher sowieso nicht erwischt. Aber eine weggeworfene Zigarettenkippe – dafür zahlt der Berliner, der sich erwischen lässt, schon mal 250 Euro.
Lassen Sie mich noch einen anderen positiven Aspekt erwähnen!
In der Vergangenheit haben wir bei Umzügen meistens ein Unternehmen beauftragt, das alles erledigt. Das ist fein, kostet aber viel Geld. Wenn man rechnen muss, bevor man Geld ausgibt, organisiert man vieles selbst und legt auch selbst Hand an. Und, nebenbei bemerkt: Eine Waschmaschine durchs Treppenhaus wuchten, das war gestern Abend das letzte Mal in meinem Leben …
Aber es ist erstaunlich, was es alles an Nachbarschaftshilfe und Services gibt, von denen zumindest ich nie zuvor etwas gehört habe.
Wussten Sie, dass Sie sich nicht nur Umzugsfirmen mit LKW, Kisten und Gurten mieten können, sondern auch einfach nur einzelne Kistenträger, oft Studenten? Also starke Jungs, die morgens vorbeikommen, eine Stunde schleppen und wieder gehen für kleines Geld. Oder auch für gar nichts, wenn Sie an das wunderbare Portal www.nachbarschaftshilfe.de denken. Beispiel: Ich bin handwerklich überfordert, einen schweren Hängeschrank in der Küche ab- und in einer anderen wieder anzubauen. Ehrlich, ich hab es versucht, aber es überforderte mich technisch und physikalisch. Also auf nachbarschaftshilfe.de und kurz das Problem geschildert. In Minuten melden sich Hans, Lothar und Sven aus der Nachbarschaft und kommen vorbei. Problem gelöst. Das ist wirklich mega, was es heute alles gibt. Und ja, ich weiß, früher kannte man alle Nachbarn persönlich. Aber das war halt früher …
Zu den schönsten und auch lustigsten Erlebnissen der Nachwendezeit gehört für irgendein Wahlabend im Jahr 1990. Es waren die ersten freien Wahlen in den neu geschaffenen Bundesländern in Ostdeutschland, und die SED stand als „PDS“ auf den Stimmzetteln. Die ARD schaltete nach der ersten Trendmeldung zu den Wahlpartys der Parteien – Sie kennen das. Und als man zur PDS schaltete und der Moment um 18 Uhr eingeblendet wurde, da jubelten die Genossen, als stünden sie auf der Dortmunder Südtribüne: Jaaaaaaaaaa! Ich hoffe, manchen der PDS-Hanseln damals ist in dem Moment aufgefallen, dass sie gerade einen der Hauptgründe bejubelten, warum ihr sozialistisches System zusammengebrochen ist und die freiheitliche Demokratie haushoch überlegen ist.
Die freuten sich unbändig und laut, weil man in einer Demokratie auch als Demokratiefeind gewählt werden kann. Einfach so, vom Volk, ohne Manipulation, ohne dass vorher ein Modrow morgens das Ergebnis für den Abend schon auf einem Zettel zum Vollzug notiert.
It’s democracy, stupid!
Das müsste man allen zurufen, die immer noch als Betonköpfe in ihren gewohnten Parteidenkschablonen ausharren – und zwar in allen Parteien. Dabei ist es erstmal vollkommen egal, ob sie CDU oder SPD, AfD oder Grüne oder was auch immer wählen. Entscheidend ist, dass sie überhaupt wählen dürfen. Dass sie wenigstens in der großen Linie die Richtung mitentscheiden können – oder am besten im Detail auch bei Volksentscheiden. Alles ist besser als Autokratien und Diktatoren. Wirklich alles. Und immer.
Der großartige Publizist Harald Martenstein hat das gerade in einem herausragenden Beitrag unter Beweis gestellt. Martenstein ist seit Langem einer der Besten unserer Zunft. Aber mit seiner Rede am Freitag im Hamburger Thalia Theater hat er einen Meilenstein der Demokratiebegründung gesetzt. Man fragt sich unwillkürlich, warum die meisten unserer Bundespräsidenten eigentlich intellektuell zu limitiert sind, um solche bestechenden und überzeugenden Grundsatzreden ans Staatsvolk zu halten.
Er warnte vor dem Hintergrund eines real drohenden Verbotsverfahrens gegen die rechte AfD, dass man mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, dieselbe auch abschaffen könne. Natürlich kann man das – brillant argumentiert. Martenstein sezierte, dass klar zu entscheiden sei zwischen „rechts“ und „rechtsradikal“, erinnert an harte konservative Knochen wie Adenauer, de Gaulle und Churchill, die gegen Hitler gekämpft haben. Und wörtlich weiter:
„Das meist abwertend gebrauchte Wort Populismus suggeriert, dass es ein Fehler wäre, beim Regieren auf die Zustimmung der Bevölkerung Wert zu legen – genau diese Idee: Alle Macht muss durch den Willen der Mehrheit gerechtfertigt sein. Das ist nun einmal die Grundlage unserer Verfassung. Mit einem Verbot mehrheitsfähiger Parteien entzieht man diesem Staat seine Legitimation und verwandelt ihn in ein autoritäres Regime. Dafür muss man dann aber schon sehr gute Gründe haben. Man muss es mit einem Gegner zu tun haben, der selbst die Demokratie abschaffen will. Man muss sich in einer Notwehrsituation befinden.“
Sie müssen die Rede nachlesen oder auf YouTube anschauen… ein intellektueller Hochgenuss – versprochen! Und erst das Entsetzen im Publikum…ganz wunderbar.
Besonders gefällt mir auch diese Passage:
„Wenn Sie wollen, dass die AfD verboten wird, müssen Sie nachweisen, dass diese Partei das Land in ein anderes System überführen möchte. Zum Beispiel, indem sie alle Parteien ausschaltet, die nicht das Weltbild der AfD teilen. Also – ich wiederhole mich – indem sie ungefähr das tut, was einige von Ihnen gern möchten. Aber von einer Verbotsforderung der AfD gegen die politische Konkurrenz ist bisher nichts bekannt. Es genügt für ein Verbot keineswegs, dass einzelne Parteimitglieder rechtsextremen Bullshit von sich geben.“
…indem sie ungefähr das tut, was einige von Ihnen gern möchten
Ich glaube nicht, dass viele der Zuschauer im Thalia Theater begriffen haben, wie hart und treffend Martenstein ihnen in diesem Moment den Spiegel vorgehalten hat.
Aber erlauben Sie mir aus aktuellem Anlass noch einen anderen Gedanken zum Thema Demokratie und Betonköpfe!
Wirklich viel Resonanz erhielt ich gestern auf einen Artikel bei TheGermanZ über den politischen Herausforderer des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán in Ungarn. Eine wahre Flut von Mails und Beiträgen in den sozialen Netzwerken, oftmals in persönlich beschimpfender Art und Weise – aber das ist ja hierzulande üblich geworden. Leider oftmals auch von Seiten der Hyperpatrioten, jedenfalls in der persönlichen Selbstwahrnehmung.
Viktor Orbán sei quasi der Superpolitiker auf europäischer Bühne; der Mann, der Brüssel die Stirn bietet, selbst wenn die Kommission seinem Land den Geldhahn zudreht. Und der, der immer noch Geschäfte mit Russland macht und das ukrainische Nachbarland in unflätiger Weise beschimpft. Darf man natürlich alles – und dabei wird dann auch wenig über Korruption und Inflation gesprochen, weil Orbán ja ein Held für Deutschlands Rechte ist.
Als Orbán am 3. April 2022 mit absoluter Mehrheit erneut zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, war ich in Budapest auf einer großen und zunehmend feuchtfröhlichen Siegesparty mit dabei. Wir hatten viel Spaß an diesem Abend. Viele politische Freunde, auch aus anderen Ländern, feierten Orbáns Sieg enthusiastisch mit, so wie ich auch. Sein Verhalten gegenüber der Ukraine hat mich dann Stück für Stück von ihm entfremdet, aber Orbán ist ein beeindruckender Konservativer, der sein Land in Bereichen wie öffentlicher Sicherheit und Familienpolitik mehr als stabil gehalten hat – und dem dafür jeder Dank gebührt.
Doch nun gibt es einen Gegenkandidaten: Péter Magyar, der es schaffen könnte, den Amtsinhaber im kommenden April zu besiegen. Denn der 44-jährige Jurist gehörte früher selbst zum inneren Kreis von Orbáns Fidesz-Partei und ist ein bürgerlicher Konservativer, also kein Linker. Wäre er Sozialist, hätte er in Ungarn keine Chancen beim Wahlvolk.
Die aktuellen Umfragen in Ungarn sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Orbán und Magyar mit Vorteilen für den Herausforderer. Magyars TISZA-Partei lag bei Umfragen vom Februar 2026 bei den schon entschlossenen Wählern mit 48 zu 40 Prozent vor Fidesz. Allein wenn Sie nur den Fakt beschreiben und berichten, dass es dieses Mal eng werden könnte, werden Sie persönlich beschimpft. Das ist wirklich faszinierend zu lesen, was manche Zeitgenossen dann absondern.
Aber es gibt natürlich auch viele kluge Menschen, die mir sachlich und begründet widersprechen, weil sie meinen, Orbán müsse auf jeden Fall gewinnen und weiterregieren. Und wenn er wiedergewählt wird, habe ich kein Problem damit. Die Ungarn sollen wählen, wen sie wollen. Alles gut.
Zu den klugen Frauen mit diametral anderer Meinung gehörte heute Morgen auf Facebook auch eine bekannte AfD-Politikerin, die mir sachlich und freundlich erklärt, dass Orbán aus diesen und jenen Gründen unbedingt wiedergewählt werden müsse. Ich antwortete ihr ebenso sachlich und freundlich, dass da in Ungarn eine neue Partei plötzlich entstanden ist, die jetzt auf Augenhöhe mit dem Mann von der „Altpartei“ ist. Ob ihr das bekannt vorkomme und ob sie nicht der Meinung sei, dass man das ernst nehmen müsse, wenn trotz des Superhelden von Fidesz da plötzlich jemand ist, der aus dem Nichts so viel Rückhalt in der Bevölkerung hat.
Ich bin gespannt, ob sie antwortet…
„Under Destruction“ – so lautet das Motto der 62. Münchner Sicherheitskonferenz, die morgen im noblen „Bayerischen Hof“ von Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet wird. „Under Destruction“ – das bedeutet so viel wie „im Prozess der Zerstörung“, ein Motto, das nichts Gutes verheißt. Denn offensichtlich ist, dass die regelbasierte Ordnung auf der Welt ins Wanken geraten ist. Der russische Angriff auf die Ukraine ist dabei ein Menetekel, ein unheilvolles Vorzeichen, aber bei Weitem nicht das einzige.
Vielleicht ist es deshalb ein gutes Zeichen, dass ausgerechnet in einer Zeit maximaler transatlantischer Spannungen die USA die größte Delegation ihrer Geschichte an die Isar schicken. Das macht man nicht, wenn man mit den Europäern nichts mehr zu tun haben will oder sie als Bündnispartner nicht ernst nimmt. Angeführt wird diese Machtdemonstration von Außenminister Marco Rubio, der – anders als Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr – sein Augenmerk wohl auf die außenpolitischen Verwirrungen und globalen Herausforderungen richten wird. Was wir Europäer allerdings nicht erwarten dürfen, sind von ihm diplomatische Freundlichkeiten.
Rubio kommt nicht als Bittsteller, sondern wird den Europäern in München unmissverständlich klarmachen, dass die Zeiten der vielen Sicherheits-„Trittbrettfahrer“ auf Kosten der Vereinigten Staaten endgültig vorbei sind. Das ist nicht neu, das hat Präsident Donald Trump schon 2017 bei Beginn seiner ersten Amtszeit unmissverständlich klargemacht. Und die meisten Europäer haben das verstanden und begonnen, deutlich aufzurüsten für die eigene Sicherheit.
Der „Munich Security Report 2026“ liefert dabei die analytische Steilvorlage für das kommende Wochenende. Das Dokument liest sich wie die Bestandsaufnahme nach einem Erdbeben. Während die vergangenen Konferenzen in München der Versuch waren, irgendwie noch Brücken zu bauen, geht es heute darum, inmitten der Trümmer der weltweiten Sicherheitslage neue Pflöcke einzuschlagen.
Gerade hat die NATO ihr neues Kommando „Arctic Sentry“ in Betrieb genommen. Gut möglich, dass die Arktis demnächst Frontlinie im Kampf der Machtblöcke sein wird. Und die „Tech Strategy Initiative“ soll klären, wie die Welt mit KI-Waffensystemen umgeht, die schneller entscheiden, als jeder General es kann. Der „Terminator“ lässt grüßen …
Und – ganz wichtig – was folgt politisch aus der starken ökonomischen Abhängigkeit der Europäer von China?
Inmitten der zu erwartenden hitzigen Debatten über diese Fragen schmerzt die kurzfristige Absage des kanadischen Premierministers Mark Carney. Der sagte seine Reise nach München nach der Schießerei an einer Schule mit zehn Toten verständlicherweise ab. Aber gerade Carney hatte erst beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos weltweit für Aufsehen gesorgt mit einer Rede, in der er die alte regelbasierte Weltordnung für „tot“ erklärte und seinen selbstbewussten Plan für eine Strategie der Mittelmächte ohne US-amerikanische Hegemonie vortrug. Kanada, Japan und die Europäer müssten ihr Schicksal endlich in die eigenen Hände nehmen.
Mehr als 1.000 Teilnehmer, darunter 60 Staatschefs, dürfen sich in München nicht auf feierliche Communiqués und harmonische Kaminabende freuen. Das Wochenende der Sicherheitskonferenz wird ein heikler Drahtseilakt, in dem einerseits der Westen Geschlossenheit und Stärke gegenüber Russland und China zeigen muss, ohne dabei aber den Graben zwischen den europäischen Partnern und dem mächtigen Verbündeten in Washington tiefer aufzureißen.
Ob das Modell der alten Weltordnung danach eine Renaissance erlebt oder die Welt von morgen ganz neu gedacht und errichtet wird – davon werden wir in den kommenden drei Tagen eine Menge erfahren.
Mahmood D. ist kein netter Mann. Der 37-jährige Gast unseres Landes stammt aus Afghanistan und hat seine frühere Lebensgefährtin in Berlin immer wieder geschlagen, sie misshandelt und vergewaltigt. Irgendwann wurde er festgenommen und im Juni 2025 vom Landgericht Berlin I zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt.
Doch vor drei Wochen wurde er auf Weisung des Kammergerichts trotz seiner erwiesenen Gefährlichkeit freigelassen.
Der Vorsitzende Richter einer Großen Strafkammer beim Landgericht hatte nach Verkündung des Urteils das Verhandlungsprotokoll nicht fristgerecht verfasst. So konnte das Urteil nicht wirksam werden. Mahmood läuft, wie heute der „Tagesspiegel“ berichtet, seit drei Wochen frei in Berlin herum.
Es ist atemberaubend, was in dieser Stadt alles möglich ist
Und da muss man nicht einmal nach Berlin schauen, denn Fehler passieren auch den Besten überall mal. Aber so etwas?
Seine Ex-Partnerin wurde inzwischen an einen sicheren Ort gebracht und steht rund um die Uhr unter Polizeischutz. Mahmood hat angekündigt, dass er sie töten werde, weil sie ihn 2024 angezeigt hat und er daraufhin festgenommen wurde. Und der spaziert jetzt in der Hauptstadt ungehindert herum? Ernsthaft?
„Die Behörden überprüfen derzeit, ob der Afghane mit einer Fußfessel überwacht oder in sein Heimatland abgeschoben werden kann“, berichtet der „Tagesspiegel“ weiter. Wie überprüfen? Die wissen es nicht und müssen prüfen???
Und der Tagesspiegel hat noch einen …
Der zuständige Richter, so haben die Kollegen erfahren, leide unter einer Suchtkrankheit und habe in der Folge dessen die gesetzten Fristen verpasst. Ihm wurde mittlerweile der Vorsitz der Großen Strafkammer entzogen. Disziplinarische Maßnahmen würden geprüft. Er ist derzeit krankgeschrieben.
Berlin ist Berlin, das wissen wir alle. Und Fehler können passieren. Einer spielt Tennis nach dem Terroranschlag in seiner Stadt, der andere verpasst Fristen und ein Gewaltverbrecher spaziert durch Berlin. Alles verständlich, aber Freunde: So etwas darf nicht passieren! Und es ist ja zu befürchten, dass die Berliner Wähler in ihrer grenzenlosen Weisheit im September einen neuen rot-rot-grünen Senat wählen werden. Glauben Sie mir: Besser wird es dann nicht …
Haben Sie auch den Super Bowl geguckt vergangene Nacht? Ich habe mir die „Halftime Show“ mit „Bad Bunny“ noch gegeben und war dann so gegen 4 Uhr in meinem Bett, was für einen Mann meines Alters respektabel, aber dann auch genug ist.
Die Seattle Seahawks haben übrigens gegen die New England Patriots mit 29:13 gewonnen. Ich hatte mich vor Beginn tatsächlich auf die Seahawks festgelegt, aber nicht, weil das eine Herzensangelegenheit für mich wäre, sondern weil man in meiner konservativen Welt bei einem Wettkampf immer vorher wissen muss, zu wem man hält.
Und ich schaue den Super Bowl ja nicht, weil American Football persönlich mein Sport Nummer 1 wäre. Ich mag es, einmal im Jahr in das uramerikanische Lebensgefühl einzutauchen. Das „Colonial-Café“ in Werder (Havel) war bis auf den letzten Platz besetzt, viele im vorwiegend männlichen Publikum trugen Trikots – vorwiegend der Patriots – und das Burger-Menü mit Süßkartoffelpommes und Bacon war perfekt. Dazu zwei große irische „Murphy’s“ – viel mehr brauchst du nicht als Mann…
Witzigerweise plauderten meine Freunde und ich in den zwei Stunden, bevor es losging, ausführlich darüber, was Mannsein eigentlich heute noch in Deutschland bedeutet und wie nervtötend diese ganze grün-woke Blase doch ist, aber dann war Amerika und Charlie Puth sang die Nationalhymne, dass man Gänsehaut bekommen konnte.
„Bad Bunny“ war der Star für die Halbzeitshow, ein weltweit mega erfolgreicher Rapper aus Puerto Rico. Ich fand seine Performance gut, aber auch ungewöhnlich, wenn man in den Jahren vorher Katy Perry, Lady Gaga oder Justin Timberlake und Snoop Dogg gesehen hat. Gaga war übrigens vergangene Nacht auch dabei, solide in Blau, stimmstark wie immer.
Nur dem amerikanischen Präsidenten hat es gar nicht gefallen
Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die Halbzeitshow sei „absolut furchtbar“ und „eine der schlechtesten aller Zeiten“. Trump regt sich auf, dass der Auftritt des „Hasen“ größtenteils auf Spanisch dargeboten wurde. Wörtlich: „Niemand versteht ein Wort, das dieser Typ sagt“.
Naja, das mag für seine MAGA-Freunde zutreffen. Die 68 Millionen Mexikaner, Puerto-Ricaner und Kubaner in den Vereinigten Staaten dürften das mehrheitlich anders gesehen haben. Viele von denen wählen Trump übrigens auch…
Soweit hat der Präsident wohl nicht gedacht, und sein Pressestab bestellte wohl gerade per Mail Pizza für die Mittagspause, als es im Weißen Haus um die Frage ging, ob führende Politiker zu sportlichen und kulturellen Events nicht auch mal den Mund halten können.
Zu Olympia hat er sich auch geäußert
Die Eröffnungsfeier fand er wohl nicht so gut. Und während olympische Wettkämpfe in der Regel den Patriotismus im eigenen Land befeuern, meint Trump, er müsse den amerikanischen Freestyle-Skifahrer Hunter Hess öffentlich als „echten Loser“ beschimpfen. Irgendeinen Grund wird Trump wohl haben dafür, aber warum hält er nicht einfach mal das Maul?
Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten, nominal und real der mächtigste Mann auf dem Planeten. Warum muss er etwas dazu sagen, was er von Bad Bunny und Hunter Hess hält? Oder nebenbei, nur in einem Halbsatz, dass er die nicht gut findet. Aber Trump kann nur die große Keule, und irgendwann nervt das auch Menschen wie mich, die vieles von dem, was er tut, richtig und manchmal gut finden, wie zum Beispiel die Maduro-Aktion.
Mit seinen schnippischen Bemerkungen wertet Trump selbst die Aussagen von Bunny und Hess deutlich auf. Würde er sie ignorieren, wäre deren Kritik an Trump bedeutungslos, das erwartbare Gejammer aus der linkswoken Kulturszene. Erst weil Trump reagiert und dann auch noch so harsch, wird die Kritik der Kulturszene relevant.
Wir hatten das ja hier im Kleinen auch vor Jahren schon, wo man sich fragt, warum zu politisch komplizierten Themen im ARD-Talk bei Will oder Maischberger plötzlich irgendwelche zweitklassigen ARD-Schauspieler in der Runde sitzen, um über die Stabilität des europäischen Finanzsystems mitzureden.
Gestern Abend wurde Gil Ofarim „Dschungelkönig“ und weinte vor Freude, wahrscheinlich vor allem über die 100.000 Euro Preisgeld, die er von RTL bekommt. Dann kann er diese 40.000 Euro Schmerzensgeld an den Hotelmitarbeiter bezahlen, den er fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte. Und die 30.000 Euro Prozess- und Anwaltskosten gleich mit.
Aber würde Bundeskanzler Friedrich Merz dazu auf X twittern, wie doof er Ofarims Outfit mit Krone und Zepter fand?