„Deutschlandtrend“ von Infratest dimap: Union jetzt 5 Prozent vor der AfD

CDU/CSU erholen sich leicht, AfD schwächt sich leicht ab. Keine tektonischen Verschiebungen, aber beim Blick auf die vergangenen Wochen leicht zu analysiern.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU/CSU auf 28 Prozent, wie der neue ARD-„Deutschlandtrend“ von Infratest dimap ergab. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als Anfang Februar. Die von einer Vetternwirtschaftsaffäre gebeutelte AfD büßt derweil einen Punkt ein und erreicht jetzt 23 Prozent. Der Abstand zwischen Union und AfD wächst somit von 2 auf 5 Prozentpunkte an und ist so hoch wie zuletzt im Sommer vergangenen Jahres.

Die SPD verschlechtert sich danach um einen Punkt und würde nun von 14 Prozent gewählt. Die Grünen legen einen Punkt auf 13 Prozent zu. Die Linke verliert einen Punkt auf 9 Prozent. Alle übrigen Parteien bleiben unterhalb der Fünfprozenthürde. Rechnerisch möglich wäre damit in erster Linie eine Dreier-Koalition aus Union, SPD und Grünen.

 




Der entmenschlichte Kunde: Von Service-Hotlines, Warteschleifen und Chatbots…

Ich bin echt nicht der Typ des Meckerers, und ich habe jedes Verständnis, wenn Unternehmen gerade in solchen Zeiten Einsparpotenziale heben müssen, wo immer es möglich ist. Aber all die Hotlines, Callcenter und Chatbots gehen mir wirklich auf den Zeiger.

Lassen Sie mich ein ganz aktuelles Beispiel von heute Morgen aus meiner Küche erzählen, damit Sie verstehen, worauf ich hinaus möchte.

Ich habe eine Kaffeemaschine – kein Luxus-Ding mit drei Tanks für Soja-, Hafer- und Mandelmilch zum Aufschäumen. Die hat auch nicht 10.000 Euro gekostet oder 5.000, sondern ist von Tchibo für 168 Euro. Sie kann mittleren Kaffee, großen Kaffee und Espresso. Mit Kapseln, die wir heute „Tabs“ nennen müssen – nicht zu verwechseln mit Tapas, das ist etwas anderes.

Und weil heute Morgen plötzlich kein Kaffee mehr durchlief, nahm ich die Bedienungsanleitung zur Hand und reinigte vorschriftsmäßig die Maschine, zerlegte sie und baute sie wieder zusammen. Kinderleicht, so wie früher beim Bund das G3 mit verbundenen Augen in 90 Sekunden.

So weit, so gut

Doch Kaffee ließ sich trotzdem nicht aufbrühen, nur die Pflege-Taste leuchtete. Kein Problem, denke ich. In Deutschland ist der Kunde König – also Servicenummer von Tchibo angerufen. Tatsächlich ging schnell jemand dran, ein richtiger Mensch, sehr nett, aber bei der Lösung meines Problems konnte er mir leider nicht helfen. Ich sollte ihm nun aber erstmal meine Kundennummer sagen. Ich habe aber keine. Ich bin einfach mal vor zwei Jahren in einen Tchibo-Laden geschlendert und habe mir die Maschine gekauft.

Nun, wenn das so sei, dann müsse ich auf tchibo.de gehen und mich erstmal registrieren, um Hilfe zu bekommen. Ich dankte und rief die Website auf.

Online-Konto angelegt, Service/Hilfe angeklickt und ein Feld öffnete sich, in das ich meine Frage eintragen durfte – nachdem ich vorher bestätigt hatte, dass ich nicht „divers“, sondern einfach nur ein Mann bin. Ich also mein Problem ins Feld eingetragen. Bloß: Meine Nachricht war nicht abzuschicken. Mit der Enter-Taste nicht, und der einzige Button, der noch anzuklicken war, führte zu „weiteren Fragen“. Inzwischen nervte es mich kolossal, denn in meinem Alter ist Lebenszeit etwas sehr Kostbares. Keine Antwort, keine Mail, dafür noch die Frage, ob ich den Newsletter bestellen möchte oder weitere Kaffeemaschinen und – ganz wichtig – ob ich die Datenschutzerklärung auch ganz genau durchgelesen, am besten auswendig gelernt habe.

Der Kunde ist König, heißt es…

„Und hier bin ich, der Kunde“, wie der großartige Michael Douglas in „Falling Down“ gegenüber dem Betreiber des Schnellrestaurants klarstellt, bevor er die Maschinenpistole aus der Sporttasche zieht.

Dieses Hotline-System ist eine Zumutung, jedenfalls das real existierende. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Stunden meines Lebens ich inzwischen in Vodafone-, BMW- oder Warteschleifen der Deutschen Rentenversicherung verbracht habe, um eine Antwort auf eine kleine Frage zu bekommen, die ich aber mindestens bei der Hälfte der zeitintensiven Prozedur nicht bekomme. Waren Sie zufrieden mit der Antwort? Fuckin’ nein, das war ich nicht…

Man verbringt mehr Zeit mit Fahrstuhlmusik als mit echten Menschen, man bespielt Sprachmenüs, die das Problem nicht verstehen oder einen im Kreis herumschicken. Und wenn man durchkommt, haben die Mitarbeiter oft mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache oder keine Befugnis, etwas zu entscheiden.

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale erbrachte das wenig überraschende Ergebnis, dass jeder Fünfte in Deutschland regelmäßig negative Erfahrungen mit dem telefonischen Kundenservice macht. 55 Prozent der Konsumenten äußern sich unzufrieden über den Service von Kommunikationsdienstleistern. Rund 70 Prozent der Probleme, die Kunden melden, bleiben beim ersten Kontakt ungelöst.

Was wäre die Lösung für all das?

Setzen Sie deutschsprachige und kompetente Menschen ins Callcenter, die freundlich sind und Entscheidungen treffen dürfen. Das kostet allerdings wieder Geld. Und damit ist der Kunde eben doch kein König mehr, sondern weiter der Dumme.

Ich gehe jetzt zu Fuß rüber zu McDonald’s und ziehe mir da ein koffeinhaltiges Heißgetränk. Und wenn das so heiß ist, dass ich mir die Lippen verbrenne, rufe ich die Hotline vom McDonald’s-Headquarters in Chicago an und brülle auf den Anrufbeantworter, dass ich sie auf 2 Millionen Dollar Schadenersatz verklagen werde…




AfD schmeißt Abgeordneten aus der Bundstagsfraktion

Die AfD-Bundestagsfraktion hat ihr Mitglied Jan Wenzel Schmidt (34, Sachsen-Anhalt) rausgworfen. In einer Fraktionssitzung sprachen sich heute 80 Prozent der anwesenden AfD-Abgeordneten für einen Ausschluss Schmidts aus.

Grund ist ein Interview, das Schmidt gegenüber „Nius“ gegeben und darin öffentlich die eigene Partei als „Beutegemeinschaft“ bezeichnet hatte.

Schmidt steht allerdings seit Ende 2025 selbst in der Kritik, weil er Mitarbeiter seiner E-Zigaretten-Firma zum Schein in seinem Bundestagsbüro beschäftigt und so Steuergeld veruntreut hatte. Als die AfD gegen Schmidt ein Ausschlussverfahren einleitete, drohte er mit Enthüllungen über „Vetternwirtschaft“.




In der Krise hören wir erstmal, was wir alles nicht können

Ein Airbus A380 der Lufthansa ist ohne Passagiere von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nach München geflogen. Ohne Passagiere. Und das, obwohl sich Zehntausende in der Region dringend aus dem Kriegsgebiet verabschieden wollen.
Eine Passagierbeförderung sei zwar geprüft worden, sei aber leider nicht möglich, schreibt die Fluggesellschaft. An Bord der Maschine seien nämlich lediglich zwei Piloten. Aber – Vorschrift ist Vorschrift – für die Beförderung von Passagieren wäre eine mindestens 17-köpfige Kabinencrew erforderlich gewesen, die leider nicht zur Verfügung gestanden habe.
Tja, da kann man nichts machen, oder?
Mich erinnert das an einen Vorfall ziemlich zu Beginn des Afghanistan-Krieges, der im August 2003 bekannt wurde.
Da durften Bundeswehrsoldaten nicht mit ihren NATO-Partnern auf Patrouille ausrücken, weil – halten Sie sich bitte fest – Jeeps vom Typ „Wolf“ und andere Fahrzeuge für den Dienstbetrieb gesperrt wurden. Denn: Ihre Plaketten zur Abgassonderuntersuchung (ASU) waren abgelaufen.
Unser Land ist einzigartig
Inmitten eines heißen Krieges setzten die militärisch und politisch Verantwortlichen in Berlin die Durchsetzung deutscher Umweltstandards durch. Kein Wunder, dass manche internationale Partner sich über uns lustig machen. Zumal dort damals und wahrscheinlich heute auch die Luftqualität durch Schrottautos und Dieselruß sowieso katastrophal ist.
Nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 gegen die Ukraine hat der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz von einer „Zeitenwende“ gesprochen. Die gibt es bis heute nicht. Wann immer eine Krise ist, erfahren wir erst mal, was alles nicht geht und was wir alles nicht können.
Stromausfall in Berlin – wir haben keine Notstromaggregate verfügbar. Militärpatrouille in der Hölle amKundus – tut uns leid, die ASU-Plakette fehlt. Deutsche stecken fest im Kriegsgebiet – leider ist keine Evakuierung möglich, weil das Personal nicht ausreicht, um Bordservice zu machen und Tomatensaft auszuschenken …




Unermüdlich für Deutschland unterwegs

Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch, setzt sich für Deutschland ein wie kein Zweiter.
Drei Geschwister von ihm arbeiten für die AfD-Bundestagsabgeordnete Claudia Weiß. Ein Schwager von ihm arbeitet beim AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell. Tobias Rauschs Ehefrau ist bei der AfD-Landtagsfraktion angestellt.
Zehn (!) weitere prominente AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt beschäftigen Verwandte eines anderen AfD-Parteifreundes oder ihre eigenen Verwandten. Das haben MDR und ZDF zusammengetragen.
Der Vater des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund arbeitet, wie schon bekannt, im Wahlkreisbüro eines AfD-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt und kassiert dafür 7.725 Euro monatlich.
Tobias Rausch, so fand „Table.Media“ heraus, nimmt gern seine Ehefrau auf Delegationsreisen mit, auch wenn nicht erkennbar ist, warum. Frau Rausch arbeitet für die AfD-Landtagsfraktion. Fotos zeigen das Ehepaar Rausch bei einer Reise des Europaausschusses in Armenien – ein Selfie von beiden vor der Nationalversammlung in Jerewan.
Im Dezember 2025 hat Rausch den Recherchen zufolge seine Gemahlin auch zu einer neuntägigen Delegationsreise der AfD nach New York und Washington, D.C. mitgenommen. Ist echt schön da. Zwei Monate zuvor hatten die beiden geheiratet, in der AfD-Landtagsfraktion spotteten einige zum Jahresende, das seien wohl die ‚Flitterwochen‘ des Paares.
Schön zu wissen, dass es wenigstens eine Partei in Deutschland gibt, die so ganz anders ist als die ‚Systemparteien‘…



Russlands Friedensbemühungen

…sind ein schlechter Witz, ja geradzu eine Verhöhnung der Ukraine und aller Staaten, die sich um ein Ende des Tötens dort ernsthaft bemühen.

Jetzt schlägt Russland vor, eine internationale Übergangsverwaltung unter Verantwortung der UN für die Ukraine einzurichten. Dann sei man „bereit, mit den USA, Europa und anderen Ländern“ über eine Lösung zu sprechen, sagte der russische Vize-Außenminister Galusin gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Tolle Idee, oder?

Ich finde, wir sollten Russland unter UN-Verwaltung stellen und Putin in eine Zelle in Den Haag sperren, bevor verhandelt wird. Liefert endlich „Taurus“ an die ukrainischen Streitkräfte! Sonst begreifen die es nicht im Kreml…

 




BERLINALE 2026: Taxifahren in Lagos und ein „queeres Gefängnis-Epos“

In Deutschland verlieren im Moment durchschnittlich 10.000 Menschen pro Monat ihren Arbeitsplatz. Die Probleme mit der Massenmigration sind weiterhin vielleicht eingedämmt, aber die Unfähigkeit des Bundes und der Länder, konsequent abgelehnte Asylbewerber abzuschieben – insbesondere Kriminelle, die hier schwerste Gewalttaten verübt haben –, ist erschütternd. Mehr als 100.000 Abtreibungen werden jedes Jahr in Deutschland registriert; junges Leben, Geschöpfe Gottes, die einfach ausgelöscht werden.

Viele Themen würden mir einfallen für Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure in einem der bedeutendsten Filmwettbewerbe der Welt: der Berlinale.

Doch was finde ich?

Ein „elektrisierendes Porträt der nigerianischen Megacity Lagos“, in der „Lady“ (gespielt von Jessica Gabriel’s Ujah) mit klassischen Geschlechterrollen bricht. Denn „Lady“, eine „junge, androgyn wirkende Frau“, die sich als eine der wenigen Taxifahrerinnen in der hyper-maskulinen Welt von Lagos durchsetzt, spart eisern jeden Naira, um aus der chaotischen Metropole in die Küstenstadt Freetown (Sierra Leone) fliehen zu können. Und dann, ganz wichtig, taucht plötzlich ihre Freundin „Pinky“ auf, um sie in die glitzernde, gefährliche Welt der Nachtclub-Szene einzuführen. Und klar, sie ist ja Taxifahrerin: „Lady“ fährt dann mit ihrem Auto „eine Gruppe schillernder Sexarbeiterinnen durch die Nacht“.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch

Kultur ist nur Kultur, wenn sie frei ist. Maler sollen Bilder malen, wie und was sie wollen, Theaterregisseure können absurdeste Stoffe inszenieren und natürlich dürfen Filmemacher auch das Vortragen nepalesischer Hirtenlyrik in einem achtstündigen Dokudrama verarbeiten. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass normale Menschen sich das dann auch antun!

Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden unter der Leitung der neuen Intendantin Tricia Tuttle statt, die sich erkennbar bemüht hat, den Rythmus der Stadt aufzugreifen.

Die Aufmerksamkeit zum Start gehört traditionell der „Berlin Opening Night“. In diesem Jahr fand die exklusive Sause im SO/ Berlin Das Stue statt. Das ehemalige dänische Botschaftsgebäude am Tiergarten bot eine perfekte Kulisse für eine Nacht, in der Diskretion und Extravaganz zusammen passten.

Auf dem roten Teppich vor dem Hotel die traditionelle Show der Filmstars: Michelle Yeoh, die in diesem Jahr mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, Hollywood-Größen wie Neil Patrick Harris, Pamela Anderson und ein gut gelaunter Channing Tatum für internationales Flair. Und unsere heimischen Top-Namen waren natürlich dabei: Iris Berben, Daniel Brühl und Matthias Schweighöfer.

In der Sektion Berlinale Special zog vor allem die Horrorkomödie „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger das Publikum an. Isabelle Huppert spielt eine exzentrische Adelige, die zwischen Splatter und High-Fashion wandelt.

Wer schnappt sich nun den Bären?

Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders hat keine leichte Aufgabe. Während früher oft große politische Parabeln dominierten, geht es dieses Jahr – na klar – um Identität (nicht die deutsche, versteht sich), Familie und das Aufbrechen alter Rollenbilder.

Und natürlich, ich hätte sonst etwas vermisst, gibt es das queere Gefängnisdrama „Animol“: „Mit seiner rohen, aber zärtlichen Erzählweise über Liebe unter widrigsten Bedingungen“ gilt es als heißester Anwärter auf den Goldenen Bären. Na dann…

Der Fokus liegt bei dieser Berlinale weniger auf dem erhobenen Zeigefinger als früher. Das ist gut. Aber ob am Ende „das kraftvolle Kino aus Nigeria“, das „deutsche Rollenspiel-Drama“ oder das „queere Gefängnis-Epos“ gewinnt, ist mir persönlich völlig schnuppe.




Der BND ist Russlands Spielchen leid

Ich hatte bei seiner Ernennung vom ersten Tag an ein gutes Gefühl beim neuen BND-Präsidenten Martin Jäger. Der 61-Jährige ist kein Verwaltungshengst oder Parteibuchbeamter, sondern er war immer dort für Deutschland im Einsatz, wo es nicht gemütlich ist.

Deutscher Botschafter im Irak und in Afghanistan: Da ist was los, da geht es nicht um den besten Platz am Buffet. Und seine vorherige Verwendung hat es besonders in sich: Botschafter in der Ukraine.

Das schärft den Blick fürs Wesentliche

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat er heute Sätze gesagt, die Musik in meinen Ohren sind und die alle, denen Deutschlands Sicherheit am Herzen liegt, so viele Jahre vermisst haben.

Der BND, unser Auslandsgeheimdienst, müsse ‚operationeller‘ werden, so Jäger. Er forderte zukünftig ‚schmerzhafte Antworten‘ auf hybride Angriffe gegen Deutschland. Russland und andere Angreifer müssten begreifen, dass Sabotageaktionen spürbare Konsequenzen haben werden.

Laut Jäger war Russland im Jahr 2025 für 321 Sabotagefälle in Deutschland verantwortlich.

 

 




Vetternwirtschaft? Korruption? Also Herr Kelle, das kann man doch gar nicht vergleichen…

Ich weiß jetzt schon, wie die Diskussion hier nach diesem kleinen Exkurs verlaufen wird. Ist ja nicht zum ersten Mal…
Wenn es Verfehlungen bei Merz und der CDU, bei den Grünen und Frau Bas gibt, dann gilt: immer fest druff. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so.
Leider werden hier oft, auch bei anderen Themen, völlig untrschidliche Maßstäbe an Moral und Ehrlichkeit angelegt.
Das sehen Sie dann bei unserem Lieblingsthema
Präsident Selenskyj und die Ukraine sind angeblich so korrupt, dass sie es nicht wert sind, mit dem schönen deutschen Geld unterstützt zu werden. „Lasst die Leute doch verrecken, sie könnten sich ja auch unterwerfen“, schallt es mir dann – ein bisschen schöner formuliert – entgegen. Und der Bundeskanzler – ganz schlimm. Wenn man dann die ausufernde Korruption in Putins Russland vorbringt, dann…, ja, ist das irgendwie ganz etwas anderes.
Haben sich nicht auch CDU-Abgeordnete einst mit Geld aus Aserbaidschan korrumpieren lassen?
Und wie war das mit den Masken-Deals von Jens Spahn oder der kleinen Nebentätigkeit von Philipp Amthor, der ein bisschen als Lobbyist für ein amerikanisches Start-up-Unternehmen dazuverdient hat? 2.800 Aktienoptionen im Wert von 250.000 US-Dollar gab es dafür, Luxusreisen und Aufenthalte in Nobelhotels obendrauf. Alles aufgeflogen, viel öffentlicher Wirbel und Imageschaden. Wie gesagt: gut so!
Doch jetzt wurde die AfD beim Schmutzeln erwischt, und das ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, wo Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im September gerne Ministerpräsident werden möchte und mit knapp 40 Prozent in den Umfragen auch realistische Chancen hat.
Aber jetzt kam raus – nicht durch die böse, böse Mainstreampresse oder das „System“ und das „Parteienkartell“, sondern durch liebe Parteifreunde –, dass man da bei der AfD, die gern als „Partei der kleinen Leute“ in Ostdeutschland auftritt, das System der sogenannten „Über-Kreuz-Anstellungen“ kultivierte.
Weil es gesetzlich verboten ist, dass Abgeordnete eigene Verwandte einstellen, parkt man die Familie bei Kollegen. Und Ulrich Siegmund, den ich als Wahlkämpfer smart, sympathisch und angriffslustig finde, hat – so erzählt man sich in Magdeburg – seinen Vater beim Bundestagsabgeordneten Tobias Korell untergebracht – angeblich mit einem monatlichen Gehalt von bis zu 7.725 Euro. Auch Tobias Rausch, parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, soll gleich drei seiner Geschwister bei der Abgeordneten Claudia Weiss untergebracht haben. Ist das nicht schön?
Als Inhaber einer Immobilien- und Plakatierungsfirma (Rausch Immobilien Service GmbH) habe er im Bundestagswahlkampf 2025 über 40.000 Euro an Aufträgen von einem Einzelbewerber (Robert Farle) angenommen, der gegen den offiziellen AfD-Kandidaten im selben Wahlkreis antrat. Rausch wird auch vorgeworfen, seine Partnerin – ebenfalls bei der AfD angestellt – auf Delegationsreisen (Jerewan, New York und Washington) auf Kosten der Fraktion bzw. der Steuerzahler mitgenommen zu haben.
Halten Sie mich bitte nicht für schadenfroh!
Das bin ich nicht, und es ist mir im Grunde egal, wie die Wahl ausgeht. Sollen die Wähler in ihrer einzigartigen Weisheit entscheiden, was sie wollen.
Aber was nicht geht ist, dass Politiker der einen Partei verteufelt werden und Politiker der anderen Partei heiliggesprochen, weil sie… ja, weil sie in dieser und nicht in der anderen Partei sind. Und schon gar nicht, wenn man sich selbst das Saubermann-Image anhängt, ganz anders zu sein als das „Altparteien-Kartell“. Denn sie sind nicht anders. Sie sind Politiker, die, wenn sie an den Töpfen sitzen, genauso handeln wie die, die da schon länger Platz genommen haben.
Kleine Anmerkung noch am Abend: AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla hat ein feines Gespür für die Stimmung an seiner Parteibasis.
Und er hat natürlich das Grummeln aus Schnellroda (Kubitschek) und Erfurt (Höcke) über die aktuellen Vorgänge mitbekommen. Chrupalla sprach danach von einem „Störgefühl“. Die Verträge seien rechtskräftig und nicht zu beanstanden. Doch: „Ein Geschmäckle hat’s.“
Ja, hat es wohl. Tino Chrupalla beschäftigt übrigens in seinem Wahlkreisbüro die Ehefrau eines anderen AfD-Politikers…

 

 

 




Olympia mit ARD-Volkserziehung

ARD gucken – das verkneife ich mir seit Jahren nahezu konsequent. Ich kann diese Volksbeglückungs- und Erziehungssender der ARD und natürlich auch das ZDF nur noch schwer ertragen. Als aber am Freitagabend im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele stattfand, gab ich mir mal einen vergleichsweise kurzen Ruck.
Der Sportkommentator Tom Bartels und „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo waren aufgeboten worden, und dass es eine gewisse politische Brisanz geben würde, war absehbar. Er glaube, viele Menschen dächten „heute an etwas anderes“, verkündete di Lorenzo. Es sei aber ein Hoffnungsschimmer, dass der Iran erstmals eine Frau ins Olympische Komitee gewählt habe. Als dann die israelischen Sportler kamen, waren erwartbar laute Pfiffe und Buhrufe zu hören.
In Italien gebe es eine „extrem israelkritische Öffentlichkeit“ und starke Sympathien für die Palästinenser, ließ di Lorenzo uns Zuschauer wissen. Immerhin täten ihm die Israelis leid, weil sie die Schmähungen aushalten müssten, obwohl sie ja nichts für die Regierung von Benjamin Netanjahu könnten.
Ich dachte zuerst, ich hätte mich vielleicht verhört. Wird das politische Framing der Staatsanstalten jetzt auch auf den Sport übertragen? Im Iran hat das Mullah-Regime bei Protesten in den vergangenen beiden Monaten Tausende friedfertige Protestler umgebracht. Wenn also schon Volkserziehung: Wie wäre es mal mit ein paar Worten dazu, lieber Kollege di Lorenzo?