Das Kubicki-Beben: Hat diese FDP doch noch eine Chance?
Es ist ein Bild selten erlebter Tristesse, das die einstige „Partei der Freiheit“ im Frühjahr 2026 abgibt. Wer das Hans-Dietrich-Genscher-Haus in Berlin-Mitte besucht, findet verwaiste Büros und eine gedrückte Stimmung. Seit die FDP bei der Bundestagswahl 2025 mit 4,33 Prozent krachend an der Sperrklausel scheiterte und dann jüngst in den Landtagswahlen fast überall zur Bedeutungslosigkeit schrumpfte, sind die Worte vom Überlebenskampf und dem Abgrund keine Übertreibung mehr.
Die FDP ist heute eine weitgehend außerparlamentarische Opposition (APO) – nur in sechs von 16 Bundesländern ist sie noch im Landtag vertreten.
Blasser Verwalter des Niedergangs
Lange Zeit wirkte Christian Dürr, der die Partei nach dem Desaster von 2025 übernahm, wie der sprichwörtliche Kapitän auf einer sinkenden Jolle. Seine Auftritte sind hölzern, seine Botschaften erreichten jenseits der sozialen Medien kaum noch das allgemeine Bewusstsein. Er galt als ein Mann des Übergangs, nun könnte er der Mann des Untergangs werden.
Dabei steckt Deutschland in schlimmen Krisen – einer Krise der Wirtschaft und einer Krise der Freiheit. Eigentlich jede Menge Ansatzpunkte, um eine scharfe, liberale Kante gegen die Merz-Regierung zu zeigen. Aber nichts passiert.
Doch gerade als man die Liberalen endgültig abschreiben wollte, steigt nun ein Phönix aus der Asche hervor: Wolfgang Kubicki, liberales Urgestein und das ewige Enfant terrible seiner Partei, verkündete ausgerechnet kurz vor Ostern die persönliche politische Auferstehung. Mit jungen 73 Jahren zwar keine Wundertüte mehr, aber viele Liberale sehen in dem kantigen Kopf aus dem hohen Norden eine unverwechselbare „Marke“ für die FDP, der sich am Rednerpult des Bundestages und in Fernsehtalkshows beeindruckend schlug und für Titelschlagzeilen sorgte.
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Kubicki verspricht eine FDP ohne „ideologischen Firlefanz“ und will seine Partei für jene Wähler wieder attraktiv machen, die aus Protest zur AfD abgewandert sind. Er ist der lautstarke Gegenentwurf zum überforderten Dürr – ein politisches Schwergewicht, das keine politische Rauferei scheut.
Mit Henning Höne, dem Chef der NRW-FDP, tritt auch ein Vertreter der jüngeren Generation an. Höne steht für einen sachlicheren, modern-liberalen Kurs. Er möchte die Partei programmatisch und personell modernisieren. Die FDP solle nicht zur One-Man-Show werden, argumentiert er. Aber wahrscheinlich braucht die FDP genau das jetzt.
Christian Lindner, der die FDP über ein Jahrzehnt lang prägte und 2021 in die Ampelregierung führte – ein gravierender Fehler –, hat abgewunken, als jetzt lautstark nach seiner Rückkehr gerufen wurde. Eine Rückkehr in die aktive Politik lehnt er strikt ab.
Und während alle auf die Kandidatenschau der FDP gucken, bleibt eine Frage weiter unbeantwortet:
Wofür braucht Deutschland diese Partei überhaupt noch?
Als profilloses Anhängsel und Mehrheitsbeschaffer für rot-grüne Traumtänzereien ganz sicher niemand.
Andererseits: In einer Zeit, in der staatliche Interventionen und hohe Steuern die TV-Debatten dominieren, wäre eine Stimme für Eigenverantwortung, Marktwirtschaft und Bürgerrechte notwendiger denn je.
Mit Kubickis Kandidatur hat die FDP zumindest erreicht, dass man in Deutschland wieder über sie spricht. Ob das reicht, werden wir sehen.