Freigang

Ich hatte gestern nach drei Wochen zum ersten Mal wieder „Ausgang“, d. h. nach meiner Bypass-OP durfte ich – begleitet – den Abend beim Classic Open Air auf der Berliner Gendarmenmarkt verbringen. Ich habe es genossen, möchte ich Ihnen erzählen.

Blauer Himmel, 26 Grad. Gastgeber war der herausragende Jazz-Pianist Joja Wendt, für den richtigen Sound sorgte die Big Band der Bundeswehr – in weißen Marine-Uniformen. Aus der Schweiz trat Jodok Cello auf und für HipHop und Beatbox sorgten die „Naturally 7“. Zugegeben, nicht wirklich Klassik, aber dit is Berlin.

Was ich Ihnen erzählen möchte:

Vor Konzertbeginn kamen die Veranstalter auf die Bühne, um als Gast den von uns allen verehrten Polizeigewerkschafter Rainer Wendt zu begrüßen – unter lautem Beifalls Tausender. In der Pause traf ich den früheren Berliner Innensenator und guten Freund, Frank Henkel (CDU). Gunnar Schupelius war auch da, früher Springer, jetzt NIUS.

Mitten in der deutschen Hauptstadt, die doch angeblich so sehr „failed State“ ist und in der demnächst die DDR wiederbegründet werden soll.

Vergessen Sie all das!

Mir hat der Abend gestern mehr für meine Gesundung gebracht als so manche Pille, die ich in den vergangenen Wochen einnehmen musste. Es ist noch nichts entschieden, gar nichts.




Posse aus Spandau: Julia und die Regenbogenfahne

Der großartige Kollege Gunnar Schupelius von der BZ in Berlin  macht uns auf einen aktuellen Zoff rund um Regenbogenfahnen in Berlin aufmerksam. Dort soll am 4. Juli u. a. vor dem Rathaus in Spandau eine solche Fahne – internationales Symbol der Homosexuellenbewegung – gehisst werden. Julia Fischer, die Frauenbeauftragte_*In des Bezirks hat nun dem Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD), Jörg Steinert, mitgeteilt, dass er auf der kleinen Feierstunde nicht reden darf.

Was hat Steinert verbrochen, der seit 13 Jahren für den LSVD arbeitet? Hat er einer alten Frau ihre Handtasche geraubt? Hat er Hundewelpen ertränkt? Besitzt er Kinderpornos? Wir wissen es nicht. Der Grund, weshalb die Julia ihn nicht dabei haben will, formuliert sie in einem Brief an Steinert:

„Sie sind auf einem Foto mit Richard Grenell zu sehen, der selbst unter den Republikanern noch weit rechts steht. Wie passt das für Sie zu den Themen Vielfalt, Toleranz & Respekt, die wir mit dem Hissen der Fahne einfordern?“

Zu Erklärung: Richard Grenell ist der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, also unseres wichtigsten Verbündeten. Ein Diplomat, der Klartext spricht, was uns Deutschen nicht immer gefällt. Aber dass ein hauptamtlicher Homo-Lobbyist die Regenbogenfahne vor dem Spandauer Rathaus nicht mithissen darf, weil er – nicht mit Charles Manson – auf einem Foto mit dem US-Botschafter zu sehen ist, das ist selbst für Berliner Verhältnisse einfach nur lächerlich.

Zwei Fragen noch:

1) Warum brauchen wir eigentlich heute noch im Deutschland der bunten Vielfalt Frauenbeauftragte?

2) Werden vor Berliner Rathäusern demnächst Fahnen des Bundesverbandes Lebensschutz (BVL) gehisst um an die mehr als 100.000 Abtreibungen pro Jahr in Deutschland zu gedenken?