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Die katholische Kirche lebt

Auf dem Petersplatz in Rom hat am Vormittag Papst Franziskus die Totenmesse für seinen Vorgänger im Petrusamt, den deutschen Papst Benedikt XVI gelesen (zelebriert wurde von Kardinal Giovanni Battista Re). Ich habe mir den Livestream angeschaut und wohlwollend wahrgenommen, dass in der katholischen Kirche in der Nachbarschaft die Glocken geläutet wurden.

Das Requiem war würdig, Zehntausende Gläubige waren dabei, fast 4000 Priester, Bischöfe, Kardinäle. Nach – wie ich das empfinde – wirklich dunklen Jahren meiner Kirche, nach all den schrecklichen Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche Jesu, nach Vertuschungen, nach Heuchelei, nach so vielen, die den Namen Gottes mit Schmutz überzogen haben, waren das mal wieder zwei Stunden, in denen ich als Katholik durchatmen konnte. Und feststellen, dass es meine katholische Kirche noch gibt, und dass sie immer noch stark ist, dass sie lebt trotz all der Bemühungen der Mehrheit der deutschen Würdenträger, wo ich zögere, dieses Wort angesichts des zerstörerischen Treibens von Herrn Bätzing an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz überhaupt zu verwenden.

Mein Papst, langjährige Leser hier wissen das, war und ist Johannes Paul II. Als ich mich vor vier Jahrzehnten auf der langen Weg begab, den christlichen Glauben für mich zu entdecken, war dieser großartige Mann aus Polen einer der wichtigen Faktoren. Ein wahrer Heiliger, der sich dem Sturm des Zeitgeistes auch im hohen Alter und gebrechlich mutig entgegenstellte, gestützt auf seinen Hirtenstab. Er war es, der die katholische Weltkirche in die Schlacht gegen den gottlosen Kommunismus führte. Seine Fotos und große Holzkreuze trugen die Arbeiter in der Danziger Werft, als sie sich gegen das Machtsystem auflehnten. Gott ist bei uns, wer soll uns aufhalten?

Jede Zeit hat ihren Papst. JP II war genau der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als die großen Umbrüche im Osten Europas ihren Lauf nahmen. Und dann der Deutsche, Joseph Ratzinger aus Bayern, Papst Benedikt XVI. Ein hochintellektueller Feingeist, ein gelehrter, einer, der nach den aufregenden Jahren davor der richtige Mann schien, die Kirche wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. Es gelang ihm nicht, die Welle an Schmutz aus allen Ecken seiner Kirche, überlagerte alles. Noch nach seinem Tod zeigten Kirchenhasser null Erbarmen und versuchten, das Andenken an Benedikt zu beschmutzen, in dem sie eine alte Geschichte aus seiner Amtszeit als Erzbischof in München und Freising aufzuwärmen versuchten. Doch die Wahrheit ist, dass Benedikt XVI der erste Papst war, der sich mit Opfern getroffen und mit ihnen zusammen gebetet hat. Er ordnete strenge Regeln für die Priesterausbildung an, änderte die Verfahren, wenn Missbrauchsfälle entdeckt wurden. Opfer erhielten Entschädigungszahlungen – was haben eigentlich die Grünen getan, um den Opfern der Missbrauchsfälle in ihren Gründerjahren gerecht zu werden? Ausgerechnet Papst Benedikt verantwortlich zu machen für das, was in der Kirche geschehen konnte, ist grotesk.

Und jetzt Papst Franziskus, ein Pontifex mit dem ich immer mal fremdele, ohne seine Rolle in Frage zu stellen. Wenn die Hälfte der Katholiken auf diesem Planeten in Latein- und Südamerika leben, dann ich doch klar, dass nicht immer ein Italiener Papst wird, sondern dann auch zum Beispiel einmal einer aus Argentinien. Ich sehe, dass Franziskus nichts an der Lehre zu ändern versucht. Manche Äußerungen allerdings…naja.

Jede Zeit hat ihren Papst. Ich hoffe übrigens, dass der nächste einer aus Afrika sein wird. ich habe da einen Mann im Auge, aber davon erzähle ich Ihnen später einmal.

Möge Gott Sie alle segnen!




Halleluja! Die Katholische Kirche bleibt katholisch

Alle Jahre wieder, das ist nicht nur ein wunderschönes deutsches Weihnachtslied, es beschreibt auch bestens die immer wiederkehrende Nerverei einen schrillen Bewegung in der katholischen Kirche dieses Landes, die so gern evangelisch werden möchten. Und man fragt sich, warum gehen all die Bätzings und Stetter-Karps nicht einfach und machen rüber zu den Protestanten?

Denn das, was sie für die römisch-katholische Kirche fordern, das gibt es ja dort: Priester, die heiraten dürfen, Frauen am Altar und was sonst noch so immer wiederkehrend von der Bewegung „Kirche von ganz unten“ (oder so ähnlich) mit einiger Zähigkeit immer wieder aufs Tapet (nicht Tablett) gebracht wird.

Ich binvor 41 Jahren aus freiem Willen von der evangelischen zur katholischen Kirche konvertiert – nach einem dreijährigen Findungsprozess und einigen Monaten Unterricht jeden Montag im Pfarrhaus. Ich wollte kein Larifari, ich wollte Gott finden. Und das kann man, nebenbei bemerkt, nicht einfach durch das Ausfüllen von Formularen. Gott finden ist ein langer, manchmal steiniger Weg. Manchmal ist man kurz davor, aufzugeben. Manchmal hadert man mit dem, was der Höchste tut oder auch sein lässt. Aber aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern: In dem Moment, wo sie sich ganz unbefangen auf Jesus Christus einlassen, merken Sie, dass es alles ganz klar und logisch ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Der „Synodale Weg“, wie der neue Versuch der Protestantisierung der katholischen Kirche in Deutschland genannt wird, dreht sich – gähn – na um was schon? Richtig, die Sexualmoral. Die katholische Kirche hat da eine ganz klare Haltung, ruft aber zunehmend Unmut hervor, wenn wieder Fälle sexuellem Missbrauchs in der Kirche und durch Kleriker bekannt werden. Ekelhafter geht es nicht, und dass die Kirche oft weggeschaut oder solche „Priester“ einfach nur versetzt hat, statt sie der Polizei zu übergeben, ist nie wieder gutzumachen und besudelt die Kirche Jesu bis in alle Ewigkeit.

Die Regeln in der Kirche haben sich inzwischen verändert, ein Ordensmann erzählte mir, dass sie die Anweisung haben, zum Beispiel bei Jugendcamps im Sommer, die Kinder überhaupt nicht mehr zu berühren. Also, wenn einer der Jungs beim Fußball ein Tor schießt, dann dürfen sie nicht einmal mehr auf die Schulter klatschen oder ein „Give me 5“ zelebrieren.

Aber die Behauptung, der Zölibat sein Schuld an den vielen Fällen sexuellen Missbrauchs in Deutschland, ist grotesk. Übr 90 Prozent all dieser Verbrechen finden in Familien oder der Nachbarschaft und dem Freundeskreis statt. Und dann kommen die Missbrauchsfälle in evangelischen Gemeinden und Einrichtungen, im Sportverein oder bei der Jugendfeuerwehr hinzu – alle nicht für zölibatäres Leben bekannt.

Nur die Zerstörer der katholischen Kirche kommen immer wieder mit dem Zölibat an, weil sie den Sexualtrieb als den richtigen Hebel sehen, die im Kern konservative Kirche zu zerstören. Heute haben immerhin noch 21 katholische Bischöfe verhindert, dass ein Beschluss zur „Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral“ durchkommen konnte bei den Synodalen.

Ich danke diesen Gottesmännern!

 

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Besuch bei den Brüdern und Schwestern: Anders, aber nicht eine Sekunde fremd

Zu den Vorzügen meiner Profession gehört es, jeden Tag neue und meistens spannende Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen. Ich bin seit 38 Jahren Redakteur, so die korrekte Berufsbezeichnung für einen ausgebildeten Journalisten. Ich fühle mich gesegnet, dass ich bin heute meinen Beruf und mein Hobby Neugier in Einklang bringen kann. Und weil gesegnet etwas mit Christus zu tun hat, diese Geschichte…

Ein Freund, den ich – wie so viele – einst auf Facebook kennengelernt habe, ist – wie seine Familie auch – engagiert in einer Freikirche. Vergangene Woche ludt er mich zum wiederholten Mal zu einem Männer-Grillabend in der Gemeinde ein, und endlich hatte ich an dem Abend Zeit und fuhr hin. Was ich da erlebte, können Sie hier nachlesen.

Heute folgte ich dann auch seiner Einladung zu einem Gottesdienst in einer Stadt ganz nah an Düsseldorf.

Vorweg: Der ein oder andere von Ihnen weiß, dass ich 1981 von der evangelischen Amtskirche zur Katholischen Kirche konvertiert bin. Ich habe oft darüber geschrieben, wie es mir mit dieser Entscheidung erging und heute noch ergeht. Kurz: Ich ruhe in mir und meinem christlichen Glauben, und kaum eine Woche, an dem ich nicht neue Dinge erlebe und lerne. Das Leben ist ja überhaupt ein ständiger Prozess des Lernens und – wenn es gut läuft – der Weiterentwicklung.

Vielleicht ist Ihnen im Absatz zuvor aufgefallen, dass ich katholisch mit einem großen „K“ und evangelisch mit einem kleinen „e“ geschrieben habe. Aber Sie täuschen sich, wenn Sie denken, dass machte ich, um die protestantischen Brüder und Schwester abzuwerten. Weit gefehlt. Es ist ein reiner Zufall, dass ich damals nicht zu einer Freikirche gewechselt bin. Ich hatte einfach einige katholische Freunde damals, die mich ganz selbstverständlich auf den Weg begleiteten, als ich entschieden hatte, der linken lippischen EKD-Landeskirche den Rücken zu kehren.

Ich bin wirklich gern katholisch, tief geprägt durch Papst Johannes II, bis heute „mein Papst“. Aber ich fühle mich nicht als „echter“ oder gar besserer Christ. Ich möchte nur, wenn ich Mitglied der gesamten Kirche Jesu bin, nicht über Klima, NATO-Doppelbeschluss, Gendern und Homo-„Ehe“ belehrt werden.

Ich gehe in einen  Gottesdienst, um von Jesus Christus zu hören, um mehr und mehr zu verstehen, und um zu IHM zu beten. Und das ist heute leider auch in der deutschen katholischen Amtskirche immer schwerer zu finden. Und ich finde diese Nähe bei Freikirchen und Evangelikalen genauso, als wenn ich in einer Heiligen Messe bin, wo Gott zu spüren ist, wo man ihm näher sein kann als im Alltagsleben. Ich gehe vorzugsweise zu den Messen, die von Priestern des Ordens der Legionäre Christi zelebriert werden. Die sind charismatisch, die predigen leidenschaftlich. Ich liebe die Zeit dort. Und ja, bevor Sie mir erboste Mails schreiben, ich kenne natürlich die leidvolle Geschichte um den verlogenen Gründer des Ordens, der seiner Gemeinschaft so schweren Schaden zugefügt hat.

Das ist ja auch immer eine Tragik, wenn man von Menschen, die mal als Apostel betrachtet hat, belogen und betrogen wird. Und die gibt es natürlich auch in den christlichen Kirchen, in anderen Religionen, in Sportvereinen, Parteien und der eigenen Familie. Wenn man sonntags in die Kirche geht, beweist man dadurch keineswegs automatisch, dass man ein gottesfürchtiges Leben lebt und wirklich an IHN glaubt, an seine Existenz. Und so wie in meiner katholischen Kirche widerwärtige Missbrauchsfälle in erschütternder Zahl geschehen sind, so kenne ich zumindest persönlich einen Evangelikalen, der ein niederträchtiger Heuchler ist und für mich ein Stück weit das verkörpert, das man wohl als „das Böse“ bezeichnet. Wenn Sie Christ sind, wissen Sie, dass sich auch dieser Mann eines Tages dafür wird verantworten müssen, was er getan hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Was ich Ihnen sagen möchte, ist, dass ich es mit dem großartigen Johannes Hartl halte, dem Leiter des Gebetshauses in Augsburg und Organisator der wunderbaren MEHR-Konferenzen, wo christlicher Glaube gemeinsam intensiv gelebt wird, wo Tausende meist junge evangelische und katholische Christen zusammenkommen, und – außer bei der Eucharistie – miteinander beten, singen und IHN feiern.

„Ich interessiere mich nicht mehr für Labels“, hat Johannes mal gesagt. In einer sich immer stärker von Gott abwendenden Gesellschaft ist es völlig irrsinig, dass wir uns noch untereinander zoffen, wie die Amtskirchen-Funktionäre das lustvoll zelebrieren, und die deutschen Gremien des Herrn Bätzing die Protestantisierung und bei manchen Themen Banalisierung der Katholischen Kirche betreiben. Es interessiert mich nicht mehr, was solche Leute sagen. Ich habe gelernt, von evangelikalen Freunden übrigens, mich immer stärker direkt auf  Jesus selbst zu konzentrieren in meinem Glaubensleben. Und ich habe katholische Priester, die noch immer katholische Priester sind und bleiben werden, egal, was Herr Bätzing und seine grünwoke Laienschar erzählen. Nie war der Begriff Laie so treffen wie im Zentralkomittee der deutschen Katholiken.

Wie hat es Dir gefallen, wollte mein Freund wissen, als wir nach dem Gottesdienst zusammen mit seiner Frau noch einen Capuccino tranken. Und ja, es war sehr gut, aber es war anders.

Die tiefe Glaube der evangelischen Christen um mich herum war überall deutlich zu spüren in dieser bis auf den letzten Platz besetzten Kirche. Der Lobpreis mit den Texten auf Videowand und die Liveband, christliche Popmusik, waren anders als in meiner angestammten Gemeinde am Niederrhein, wo man Orgel und Chorgesang vorzieht. Aber es war sehr schön, es war jung und mitreißend. So viele junge Familien, so viele Kinder. Und ich dachte, eigentlich schön, dass wir Christen die Wahl haben zwischen dem traditionellen Ritus bei den Katholiken und der modernen Form des Gottesdienstes in den Freikirchen.

Ich habe mich keine Sekunde „anders“ oder fremd gefühlt vorhin. Die Eucharistie hat mir gefehlt – natürlich, wie sollte es anders sein? Aber ich werde sicher in dieser Woche auch noch zu einer katholischen Messfeier gehen. Und ich fand es fremd, dass kein „Vaterunser“ gebetet wurde, das Gebet, dass der Herr uns aufgetragen hat zu beten…

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Maria 2.0 gescheitert: Gründerinnen treten aus katholischer Kirche aus

Die Gründerinnen der Initiative „Maria 2.0“, die aus der katholischen Kirche die evangelische Kirche 2.0 machen wollten, sind gescheitert. Elisabeth Kötter und Andrea Voß-Frick erklärten gestern ihren Austritt aus der Katholischen Kirche, und ich begrüße das sehr. Nicht, weil ich frauenfeindlich wäre oder etwas gegen Reformdiskussionen in der Kirche habe, sonden weil ich anerkenne, dass die beiden konsequent handeln.

„Jetzt reicht es!“ haben sie ihrer früheren Kirche noch trotzig hinterhergerufen. Und ja, liebe Frau Kötter und liebe Frau Voß-Frick, vielen von uns reicht es schon lange mit den immer gleichen Debatten, mit dem immer gleichen weinerlichen Unterton, mit dem immer gleichen verstaubten Vorhaltungen, die insbesondere die Katholische Kirche in Deutschland seit Jahrzehnten plagen.

Es sei unmöglich, „die Machtstrukturen zu ändern“ haben sie noch erklärt. Das ist eine gute Nachricht am Morgen. Denn wer in „Machtstrukturen“ denkt, der hat Jesus Christus definitiv nicht verstanden.

Ich hoffe, Elisabeth Kötter und Andrea Voß-Frick werden ihren Weg finden, vielleicht zu den evangelischen Brüdern und Schwestern, bei denen alles, was „Maria 2.0“ fordert, ja Alltag ist. Man muss ja nicht katholisch sein. Aber man darf es. Und das ist gut so.

 

 




Die Sorgen eines Landpfarrers: „Das Problem kommt mitten aus der Kirche“

Pfarrer Meik Schirpenbach versteht seine Kirche nicht mehr. Der leitende Pfarrer für die Pfarreien der Katholischen Kirche in Grevenbroich und Rommerskirchen im Rheinland hat sich mit einem offenen Brief im Internet zu Wortgemeldet, der überschrieben ist mit: „Fragen an meine Kirche“?

Und diese Fragen sollten den Oberen der Amtskirche in den Ohren klingeln.

„Ich liebe meine Kirche und vor allem die Botschaft, für die sie einsteht. Was sich jedoch im Moment in Teilen unserer Kirchenleitung abspielt, kann ich den Menschen, die mich fragen, nicht mehr erklären!“

Unter Bezug auf die in Köln unter Verschluss gehaltene Untersuchung über die schrecklichen Missbrauchsfälle aber auch in Bezug auf die umstrittene Umstrukturierung der Pfarrgemeinden wirft Schirpenbach seinen Oberen vor, den Kontakt zum Volk Christi zusehens zu verlieren. Wörtlich fragt er:  „Haben wir vor Ort keine Ahnung von der Sache?“ Und konstatiert: „Das Vertrauen in weite Teile der Kirchenleitung ist auch bei den treuesten Kirchgängern zutiefst erschüttert!“

Ein Gefühl, das die Christen überall in Deutschland schon seit einigen Jahren umtreibt. Denken erwünscht dokumentiert den Brief in voller Länge:

Fragen an meine Kirche – Sorgen eines Landpfarrers im Rheinland

Ich bin ratlos. Ich bin Pastor auf dem Lande, in 21 Pfarreien, und übe meinen Dienst mit Freude aus. Ich liebe meine Kirche und vor allem die Botschaft, für die sie einsteht.

Was sich jedoch im Moment in Teilen unserer Kirchenleitung abspielt, kann ich den Menschen, die mich fragen, nicht mehr erklären. Ich habe versprochen, von meiner Herde, meinen Pfarreien Schaden abzuhalten, aber wie soll ich sie in der jetzigen Situation schützen, wo das Problem mitten aus der Kirche kommt?

Was unsere Leute in diesen Tagen nicht mehr verstehen, ist der Umgang in unserem Bistum mit den Missbrauchsvergehen: warum da was jetzt nicht veröffentlicht werden kann. Ich hatte noch versucht, das zu verstehen und zu erklären – doch was inzwischen hier draußen ankommt ist, dass sich hohe Amtsträger hinter den Kulissen streiten, wer denn nun Verantwortung übernehmen soll. Stimmt es, dass da jetzt schon Anwälte im Spiel sind?

Ich erfahre, dass Mitglieder im Betroffenenbeirat sich ausgenutzt, irregeleitet und belogen, ja zum zweiten mal missbraucht vorkommen. Es gibt Retraumatisierungen, weil durch diese Umstände alles Erlittene wieder hochkommt. Nimmt man wahr, was man den Missbrauchsopfern antut? Reicht die Tatsache nicht, dass sie das so fühlen?

Im Evangelium des vergangenen Sonntags spricht Jesus davon, dass das, was wir dem geringsten seiner Schwestern und Brüder antun, ihm antun. Die Missbrauchsopfer sind anwesender Christus in unserer Kirche. Wird hier Jesus Christus aus der Kirche rausgedrängt, weil er lästig ist? Würde sich jemand trauen, unser Allerheiligstes aus dem Tabernakel auf die Straße zu schütten? Christus ist im leidenden Menschen genauso anwesend wie in der Eucharistie: So habe ich es von der Heiligen Elisabeth von Thüringen und der Heiligen Juliane von Lüttich, der Erfinderin des Fronleichnamsfestes gelernt.

Das Vertrauen in weite Teile der Kirchenleitung ist auch bei den treuesten Kirchgängern zutiefst erschüttert.

In diese substanzielle Krise hinein soll im Zuge des pastoralen Zukunftsweges unseren Pfarreien ein Umbruch abverlangt werden, der auf Jahre Kräfte binden und Konflikte herbeiführen wird, indem sie zu einer Großpfarrei fusioniert werden müssen. Unsere Leute fragen: warum? Wir haben doch viele gut funktionierende Kirchenvorstände. Warum etwas funktionierendes zerschlagen? Sicher sind in den Plänen auch viele gute und zukunftweisende Ideen. Aber nach den Informationsveranstaltungen, wo uns ein idealisierter Film präsentiert wurde, sagten die meisten nur: „Wir glauben und vertrauen denen in Köln nicht mehr.“ Weiß man dort, was das bedeutet?

Wer soll die Konflikte hier ausbaden? Was ist, wenn kaum einer mehr für die neuen Kirchenvorstände im kommenden Jahr kandidiert? Da kenne ich schon die Antwort aus Köln: „Sie sind der Pfarrer! Darum müssen Sie sich kümmern.“

Warum fehlt bei aller Schau in die Zukunft der Ansatz bei der Gegenwart, beim Gespür des Gottesvolkes? Warum wird das, was heute in der Kirche lebt, kleingeredet? Zu wenig Glaube? Wer kann das überhaupt bestimmen?

Stimmt es, dass ein hoher Amtsträger unseres Bistums verkündet, dass das, was jetzt ansteht, die größte Veränderung der Kirchenstrukturen seit Napoleon sei? Damals wurde ein Landpfarrer Bischof, Marc-Antoine Berdolet, der jede Gemeinde persönlich besuchte, zuhörte und dann das veränderte, was notwendig war. Muss die Bistumsleitung angesichts der Vertrauenskrise jetzt nicht umso mehr das Gespräch auf Augenhöhe suchen? Im kalten Verwaltungsdeutsch der Bistumsverwaltung werden die Gemeinden in Stadt und Land als „die Fläche“ bezeichnet. Verrät das eine Haltung, die sich selbst als den Mittelpunkt wähnt?

Haben wir vor Ort keine Ahnung von der Sache? Es gibt in der Bistumsverwaltung viele engagierte, kompetente und kooperative Fachleute, die es ernst nehmen, dass sie Dienstleister der Pfarreien sind, mit denen wir ausgezeichnet zusammenarbeiten, aber andere behandeln unsere Ehren- und Hauptamtler von oben herab und sprechen vom Geld des Bistums, bei dem sie überlegen müssten, was davon welcher Gemeinde zustehen könnte. Hat man vergessen, dass es unsere Gemeindemitglieder hier sind, – knapp 40.000 Katholikinnen und Katholiken– die die Kirchensteuer zahlen, die so die Bistumsverwaltung alimentieren, und dass meine Kolleginnen und Kollegen in der Seelsorge vor Ort diese Menschen bei der Stange halten? Wieso will man in Köln allein über Geld bestimmen, das einem nicht gehört? Engagierte Christinnen und Christen hier sagen: Der Bistumsleitung gehe es um Geld und Macht, nicht ums Evangelium. Das sind keine nachgebeteten Floskeln. Muss einem solch eine Vermutung nicht an die Substanz gehen?

Dass wir sparen müssen, weiß hier jeder. Leute auf dem Land sind pragmatisch. Aber wie soll ich vermitteln, dass möglicherweise zwei Millionen Euro als Finanzspritze für den Erhalt eines Altenheims bei uns gereicht hätten, während in Köln, wie ich höre, für eine neue Theologische Hochschule zweistellige Millionenbeträge bereitstünden? Wir haben in Bonn eine ausgezeichnete Fakultät, die vom Land finanziert wird. Braucht es jetzt nicht gerade finanzielle Zeichensetzungen im sozialen Bereich, um etwas Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen?

Nimmt man in Kauf, dass viele Engagierte sich stillschweigend abwenden? Oder sind das Christinnen und Christen, die sowieso nicht gut genug waren? So denken Leute, die sich für bessere Christen halten. Wo bleibt die Verantwortung eines Hirten? Wir Pfarrer sollen die Gespräche mit den Ausgetretenen führen, aber was sollen wir denn zu Dingen sagen, für die wir nichts können? Ich möchte als Priester nicht in Sippenhaft genommen werden, weder für Mitbrüder, die Missbrauch begangen haben noch für Versagen in der Kirchenleitung.

Ich sehe die Gefahr, dass unsere Kirche über Jahre weiter nur mit sich selbst beschäftigt sein wird. Ist es nicht die Sorge um die Institution, die zur Vertuschung geführt hat? Brauchen wir nicht die schonungslose Erschütterung, damit aus Trümmern Neues wachsen kann?

Haben wir überhaupt noch eine missionarische Kraft? Die aktuellen Skandale gehen an die Glaubenssubstanz. Ich höre Vorwürfe wie „Glaubenszerstörer“, oder dass die Kirche vor die Wand gefahren werde und sie nur noch eine Karikatur ihrer selbst sei. Das höre ich von Menschen, die glauben möchten. Ich hätte es nicht gedacht, aber die Person eines Amtsträgers kann da viel aufbauen und zerstören. Glaube ist etwas sehr Sensibles. Der Kern unserer Botschaft ist verstellt, weil wir in der Kirche nicht als Auferstandene leben, sondern Angst um uns selbst, um Formen und hierarchische Strukturen haben. Das heraufziehende Unwetter wird schon zeigen, was stabil ist und was nicht.

Dabei werden unsere Kirche und ihre Botschaft mehr gebraucht denn je, weil immer mehr Menschen in unserem Zusammenleben auf der Strecke bleiben. Was ist allein mit der Herausforderung durch den Klimawandel? Da haben wir doch Lösungswege! Papst Franziskus hat das alles längst auf den Punkt gebracht. In der Flüchtlingskrise 2015 war ich stolz auf die Zeichen, die unsere Kirche setzte. Ist es nicht allein eine Zivilisation der göttlichen Liebe, mit der das Leben auf unserem Planeten eine Zukunft hat? Aber unsere Sprachrohre sind verstopft mit einem tödlichen Mix aus Skandalen, Selbstgerechtigkeit und dem Beharren auf Nebensächlichkeiten. Wer sucht noch Lösungswege für die Menschheitsprobleme bei unserer Botschaft? Wer erwartet von der Kirche noch etwas?

Ich sehe ein reiches Erbe in unserem Lande, das aufs Spiel gesetzt wird. Als Mensch, der zutiefst in der Kultur unseres Landes verwurzelt ist, tut mir das weh. Dabei ist darin so viel geistiger Reichtum und so viel Kreativität verborgen. Aber selbst unsere Kirchengebäude, auf die wir gerade im Rheinland so stolz sein können, werden von Kirchenverantwortlichen nur noch als Ballast empfunden. Fängt man an, unser Erbe zu verschleudern, um Nebensächliches um jeden Preis zu erhalten? Ist da nicht längt ein versteckter Selbsthass am Werk?

Warum sagen mir Menschen, dass sie sich um mich sorgen, dass ich Konsequenzen fürchten müsste, wenn ich solche Fragen stelle? Warum haben sie den Eindruck, dass unsere Kirche in Bezug auf den Klerus ein System von Befehl und Gehorsam sei, von unbedingter Loyalität und totaler Identifikation, Macht und Abhängigkeit, das keine Nestbeschmutzer dulde? Erschreckt es nicht zu Tode, dass wir mit solchen Kategorien in Verbindung gebracht werden? Viele unterstellen uns einen Korpsgeist, aus dem heraus der Schutz der eigenen Gruppe wichtiger war als das Leid der Missbrauchsopfer. Warum wird immer nur davon gesprochen, dass es einzelne sind, die Fehler machen, dabei wissen wir doch als Theologen und Menschenkenner, für die wir uns halten, dass es sündige Strukturen gibt, die das befördern?

Ich bin nur ein Pfarrer vom Lande, vom Rande, kurz vor dem Abgrund – am Tagebau. Vielleicht fehlt mir einfach der weltkirchliche Weitblick oder der theologische Tiefgang, sodass ich letztlich alles falsch sehe. Ich bete viel, aber auf meine Fragen finde ich im Gebet keine Antwort. Es bleibt die Ratlosigkeit.

In der Frage steckt allerdings eine Kraft, die die Antwort nicht immer hat. Deshalb möchte ich zuletzt auch unsere Gemeinden, die einzelnen Christinnen und Christen etwas fragen: Wollt Ihr Euch das kaputtmachen lassen, was euch wertvoll ist? Wollt ihr die Kirche nur denen überlassen, die sie vor die Wand zu fahren drohen? Ist euer Glaube nicht viel stärker als der Kleinmut vieler kirchlicher Verantwortungsträger -weil Ihr Fragende und Suchende seid, Pilgernde auf rauen Wegen, engagiert für das Unmittelbare, für unsere Orte, die allesamt Gottesorte sind? Ist euch die Botschaft des Evangeliums nicht zu kraftvoll, als dass Kleingeister und Angsthasen sie ersticken könnten? Sind wir nicht zu katholisch, das heißt allgemein, voll Weltverantwortung, als dass wir uns herausdrängen lassen? Ahnt Ihr nicht, dass unsere Zeit die Hoffnung des Evangeliums und den spirituellen Reichtum des Christentums nötiger braucht denn je? Haben wir Angst vor einem reinigenden Unwetter, dass die Turmspitzen hinwegfegen, die Grundmauern aber nicht erschüttern kann? Ist es vielleicht ein Fehler, dass wir Lösungen von der Kirchenleitung erwarten?

Ich sehe keine Alternative, als dass wir hier vor Ort als Kirche weitermachen.




Wem kann man überhaupt noch vertrauen, wenn nicht einmal mehr Priestern?

Ich erinnere mich noch genau an diesen Abend in Köln. Es war in der Vorweihnachtszeit 2010, und ich war mit einem hochrangigen Mann der katholischen Kirche in Deutschland zum Essen verabredet. Ein Hintergrundgespräch „unter Drei“, wie man das in Journalistenkreisen nennt. Wir saßen in einem kleinen italienischen Lokal an der Aachener Straße, tranken wunderbaren Wein aus Sizilien, aßen Pasta und Fisch. So ein wenig Einstimmung auf das kurz bevorstehende Weihnachtsfest, der Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus, dachte ich. Im Nachhinein fehlte am Menü nur ein herrlich duftender Bratapfel mit Rosinen, Nüssen und Marzipan als Dessert, dann wäre der Abend kulinarisch perfrekt gewesen.

Doch Weihnachtsstimmung kam nicht auf, denn nach ein paar Minuten privaten Geplänkels kam der Mann gegenüber zur Sache. Gerade waren einzelne schlimme Fälle von sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener in katholischen Schulen und Kinderheimen bekannt geworden. „Das ist nur eine kleine Spitze des Eisbergs“, sagte mein Gesprächspartner und griff zu seinem Weinglas. „Da kommt eine Lawine auf unsere Kirche zu von einem Ausmaß, das Du dir nicht einmal vorstellen kannst!“

Wir redeten den ganzen Abend nur über dieses Thema. Er erzählte mir von Ermittlungsakten, die er eingesehen hatte, vom Leid der Kinder, deren Eltern dieser 2000 Jahre alten Institution blind vertraut hatten. Wem, wen nicht einem katholischen Priester kann man seine Kinder anvertrauen? So fragten wir uns und redeten und redeten. Hängt dieses schlimme Thema mit dem Zölibat zusammen, der Ehelosigkeit von katholischen Klerikern? Unfug, denn 90 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder, geschehen in der Familie und dem Bekanntenkreis. Da gibt es kein Zölibat, aber Missbrauch jede Menge. UndwWie groß wird der Schaden für die Institution Weltkirche sein, und was wird mit dem Pontifikat des deutschen Papstes Benedikt XVI?

Nein, es war kein unbeschwerter Abend wie einige Male zuvor. Keine Witzchen über den ein oder anderen Monsignore, kein Austausch über all die unappetitlichen Machtspielchen in der Bischofskonferenz. Der Abend war bedrückend, einfach nur bedrückend. Als dann später all der Dreck öffentlich wurde, die schrecklichen Enthüllungen aus katholischen Einrichtungen rund um den Globus, da habe ich immer wieder an dieses Abendessen in Köln gedacht. So auch heute Nachmittag, als ich mich journalistisch mit den schlimmen Vorgängen beschäftigen musste, die sich im katholischen Jungenheim für schwer Erziehbare nahe München ereignet haben sollten. Vor vielen Jahren, aber das macht es ja nicht besser.

Ich habe ein emotionales Verhältnis zu meiner Kirche, in der ich als Kind nicht sozialisiert und in die ich nicht hineingeboren wurde. Und ich stehe fest in meinem  Glauben, den ich vor etwa 30 Jahren entdeckt habe. Damals folgte ich der ungeheuren Faszination des polnischen Papstes Johannes Paul II. Und bis heute bin ich ein Teil der Kirche Jesu, gläubig, demütig – ok, ich gebe zu, das mit der anderen Wange, die man hinhalten soll, wenn man geschlagen wird, das macht mir zu schaffen, denn es widerspricht meinem Naturell. Aber das ist ein anderes Thema.

Was ist Ihnen sagen will: ich kenne inzwischen so unglaublich viele wunderbare Christen – katholische wie evangelische – , die ihren Glauben ernstnehmen und leben. Für die das tägliche Gebet zum Tag dazugehört wie Brot und Kaffee am Morgen. Als ich 2016 einen schweren Herzinfarkt erlitt, war der erste Besucher bei mir auf der Intensivstation ein katholische Priester, den ich seit vielen Jahren kenne. Mein Freund Felix hatte ihn angerufen, um zu erzählen, was passiert war. Und er ließ alles stehen und liegen und raste zum Krankenhaus, um mir beizustehen. Das werde ich ihm nie vergessen. Ich könnte hier zwei Stunden weiterschreiben über viele schöne Dinge und unglablich viel Gutes, was die Kirche Christi leistet auch heute. Über wunderbare Priester und Ordensleute, über Laien in der Gemeindearbeit und bei den Sozialdiensten. Nein, die Kirche Jesu ist kein Sündenpfuhl, sie ist nicht Satans Spielwiese.  Aber sie ist schwer angeschlagen durch das Wirken wirklich böser Menschen, Menschen, die ich abgrundtief verachte für das, was sie sind und was sie getan haben.

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Friede sei mit Dir!

Das Virus ist allgegenwärtig. Und überall präsent, auch wenn ich wie wohl die meisten von Ihnen unsicher bin, ob er wirklich so gefährlich ist, wie viele behaupten. Manche sagen so, manche so.

Heute Morgen auf dem Weg zur Heiligen Messe, am Eingang zur Kirche halten Leute aus dem Pfarrgenmeinderat die Kirchentüren auf, damit die Gläubigen nicht die Türgriffe anfassen müssen. Die Weihwasserbecken leer, Friedensgruß nach dem Vaterunser unerwünscht. Bloß nicht anfassen. Gottvertrauen, klar. Aber sicher ist sicher.

Anders als vergangene Woche ist die Kirche sehr voll, zweiter Fastensonntag, es geht auf Ostern zu. Und das ist wichtig. Sehr wichtig, jedenfalls für die Menschen, die noch wissen, dass es hier nicht um Hasen und Ostereier geht, sondern um ein epochales Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Aber das ist ein anderes Thema.

Als es zum Friedensgruß kommt und zunächst alle starr nach vorn schauen, durchbricht einer in der zweiten Reihe das sterile Nichts und streckt seiner Nachbarin die Hans hin:  „Der Friede sei mit Dir!“ Sie greift zu, und sofort beginnen auch andere damit, einige umarmen sich, manche lachen. Hey, wir sind das Volk Gottes, vor was sollen wir Angst haben?

Ein wirklich befreiender Moment in unserer Kirche in Kempen am Niederrhein. Und die Erinnerung daran, was auch für uns alle, also auch Sie, gilt: Nur einer muss den Rücken gerade machen und beginnen, dann ist alles möglich…




Dann geht doch bitte endlich!

Annegret Kramp-Karrenbauer hat festgestellt, dass ein „Ende des Zölibats“ die „katholische Kirche attraktiver machen könnte“. Da sind Zweifel angebracht, denn die katholische Weltkirche steht insgesamt deutlich besser da, als die von der Saarländerin geführte ehemalige Volkspartei. Wo das in der Kirche nicht so ist – hallo Kardinal Marx! – folgt sie genau solchen Leuten, die eine Anbiederung an die Gesellschaft und ihren Zeitgeist fordern. Ich meine, wenn „attraktiver machen“ jetzt der Maßstab ist, dann sollten in der Heiligen Messe Videos von Schalke gegen Dortmund gezeigt und Bier ausgeschenkt werden. Die Kirche Jesu existiert seit 2000 Jahren, weil sie genau das nicht macht, sich anpassen, um attraktiv zu werden. Beim Glauben geht es um Wahrheit und nicht um Populismus.

Mal ernsthaft: Warum kommen dauernd Leute daher und geben der Kirche Ratschläge, die nie im Leben auch nur auf die Idee kommen würden, selbst Priester oder Nonne zu werden? Ich meine, es gibt die evangelische Kirche, die sich ja vom Grundsatz her auch auf die gleiche Geschichte Jesu berufen. Da können Pfarrer heiraten und sich scheiden lassen und wieder heiraten. Wer’s mag… wechselt doch einfach!

„Keiner will mehr heiraten, aber die Priester sollen jetzt müssen“, sagte mal ein Prälat bei einer Diskussion an der Uni Köln zu diesem Thema. Niemand muss katholisch sein.  Niemand muss Priester oder Ordensfrau werden, Frau Kramp-Karrenbauer. Aber diejenigen, die sich freiwillig dafür entscheiden, diesen Weg einzuschlagen, die haben jedes Recht dazu. Oder sind wir keine Gesellschaft der Toleranz und Vielfalt? Oder gilt Vielfalt nicht, wenn man in der falschen Kirche ist.

Es gibt Dinge, die man kritiseren kann, natürlich auch in der katholischen Kirche. Aber mehr als die Frage ob Frauen Priester werden dürfen oder ob es den Zölibat geben sollte, nerven mich Leute, die gebetsmühlenartig immer mit dem gleichen Kram daherkommen.

 




Fürbitten thematisch mal breiter anlegen!

„Und wir bergüßen besonders unsere Sternsinger…und Sternsingerinnen…“ Fing schon gut an, die Heilige Messe heute morgen in unserer Gemeinde. Ich bin ja froh, dass man _* nicht aussprechen kann. Dieser Pfarrer hätte es zweifellos getan…

Verstehen Sie mich nicht falsch, die Leistung der Frauen in der Katholischen Kirche ist nicht hoch genug zu würdigen. Viele Gemeinden wären ohne Frauen gar nicht mehr lebensfähig. Zum Beispiel heute bei uns – die Fürbitten wurden von fünf jungen Frauen vorgebetet, eine Dame aus dem Pfarrgemeinderat „moderierte“ ein wenig und befragte die Glübigen in der vollbesetzten Kirche, und dann kam der eucharistische Teil, den dann der Priester übernahm. Und das ist auch richtig so, denn Jesus Christus hat vor 2.000 Jahren zwölf  Männer zu Aposteln ausgewählt, und ich denke, dass der Sohn Gottes sich etwas dabei gedacht hat.

Bei den Fürbitten ging es um den Frieden auf  der Welt und um arme Kinder im Libanon – auch das völlig nachvollziehbar und richtig, dafür zu beten in der Kirche Jesu. Was denn sonst?

Dennoch fehlt mir etwas, nicht heute, aber immer bei den Fürbitten in meiner Kirche, nämlich der Fokus auf die Dinge, die im eigenen Land suboptimal laufen. Klar, es wird auch mal für arme Familien in Deutschland gebetet, aber schon bei Fürbitten, bei denen es um Hass und Rassismus geht, hat es stets nur eine Richtung – nämlich die, die hassen, weil sie Fremden nicht die helfende Hand reichen wollen. unabhängig davon, ob diese Fremden mit dem Messer auf uns losgehen, Terroranschläge vorbereiten oder Frauen vergewaltigen. Kann man machen. Aber wann beten wir mal für die Fremden, die uns hassen? Für die Hassenden, die Polizisten oder Politiker gewaltsam angreifen?

Ich bin seit gut 30 Jahren katholisch und habe schon in vielen Regionen gelebt, aber so eine Fürbitte habe ich noch nie gehört…

 




Keine Zeit für’s Vulven malen

Heute ist ein großer Tag für das Volk Christi. Im Rahmen des Evangelischen Kirchentages findet um 14.30 Uhr im Dortmunder Schauspielhaus der Workshop „Vulven malen“ statt. Schade, dass ich nachher nicht in Dortmund sein kann, das hätte ich mir nicht entgehen lassen. Das große Treffen der EKG-Christen mit über 100.000 Teilnehmern ist seit Jahren an Banalitäten kaum zu toppen. So viele wunderbare evangelische Christen leiden beinahe körperlich an dem Unfug, den ihre Amtskirche veranstaltet.

Und, was genauso dramatisch ist: Auch die deutsche Römisch-Katholische Amtskirche beschreitet diesen Irrweg ins Nichts mit wachsender Begeisterung. Einzig die vielen geistlichen Gemeinschaften wie Jugend 2000, Gemeinschaft Immanuell, Legionäre Christi, Nightfever, Opus Dei und weitere bieten dem Volk Jesu ein geistliches Alternativprogramm.

Apropos Alternative: die AfD, immerhin stärkste Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, darf beim rot-grünen Happening nicht auftreten. Das könnte all die Klima- und LSBTTIQ-Aktivisten beim evangelischen Happening beunruhigen. Ich hoffe, ich habe keinen wichtigen Buchstaben vergessen….

Heute wird’s also nix mit mir und den Vulven in Dortmund. Schade. Vielleicht darf ich nächstes Mal dabei sein, wenn Penisse oder Diverses gemalt werden…