Gauweilers neue Idee klingt originell – wird aber nix

Wenn man in Deutschland ins Gespräch kommen will, dann muss man entweder zu „ungescriptet“ oder zur BILD gehen. Und weil bei Bens Portal jüngst Björn Höcke stundenlang plaudern durfte, hat CSU-Urgestein Pater Gauweiler die Variante BILD genutzt. Seine Analyse: Es gibt seit Jahren deutliche Mehrheiten rechts von der Mitte, gleichzeitig regiere die Regierung links von der Mitte.

Die Erkenntnis ist nicht neu, aber dennoch richtig

Deshalb schlägt der Bayer etwas Originelles vor. Die AfD sei „tabuisiert“, die FDP „zu schwach“, deshalb sollte seine CSU bundesweit in einer Wahlgemeinschaft mit den Freien Wählern (FW) an den Start gehen.

Das sei das geeignete Mittel gegen den durch die „Brandmauer“ entstandenen Zwang, immer mit SPD und Grünen falsche Politik machen zu müssen.

Nur in Bayern – na klar – sei das dank der CSU und der Freien Wähler anders.

Seit 2018 regieren die ruhig und erfolgreich den Freistaat, auch weil FW-Chef Hubert Aiwanger das Profil seiner Partei deutlich geschärft habe.

Natürlich, das weiß natürlich auch Gauweiler, ist das alles nicht so einfach. Bundesweite Listenverbindungen verschiedener Parteien sind nämlich in Deutschland nicht erlaubt, Listenvereinigungen allerdings schon. Da müssten Juristen nochmal drüber schauen.

Ich bin bei sowas skeptisch

Die Freien Wähler haben zuletzt bei Wahlen schlecht abgeschnitten, sind in Brandenburg und Rheinland-Pfalz aus den Landesparlamenten geflogen und nicht einmal nahe 5 Prozent bei der Bundestagswahl gekommen.

Es ist eigentlich alles da, um Deutschland schon jetzt vernünftig zu regieren, wenn die Union mit der „Brandmauer“ aufhörte und sich die AfD von völkischen Schwurblern und „Kremlstrichern“ konsequent trennen würde. Und da beides nicht passiert, wurschteln sie alle so weiter und träumen von neuen Parteien.




Peter Gauweiler hat recht

Unterwegs bei der CSU in Bayern. Der Mann, der mich vom Bahnhof abholt und zum Hotel kutschiert, fragt mich vor dem Einsteigen ins Auto: „Seehofer weg oder nicht?“ Ich antworte: „Seehofer weg!“ Nicht, weil der Mann als Ministerpräsident einen schlechten Job gemacht hätte, aber wenn eine Partei zehn Prozent verliert, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das gilt übrigens auch für andere Parteien bei neun Prozent Verlust…

Das Thema Seehofer ist den ganzen Tag über allgegenwärtig, jedenfalls in CSU-Kreisen. Am Abend eine Veranstaltung, es geht um die Frage, ob man unseren Medien noch vertrauen kann, um Facebook und Fake-News. Bevor ich reden darf, drängeln sich noch Kamerateams von RTL und der ARD in den Saal. Es geht um Seehofer. Medien wollen in diesen Tagen die Stimme der Basis hören. Niemand nimmt ein Blatt vor den Mund, ob Funktionär oder einfacher Wähler. „Horst, es ist Zeit“, wird überall rezitiert. Peter Gauweiler hat diese Mahnung vor ein paar Tagen an seinen Vorsitzenden gerichtet. Und Peter Gauweiler hat recht…