Genießen Sie die frische Januarluft – die pustet den Kopf durch…

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe (und wünsche), Sie sind alle gut ins neue Jahr gekommen, fröhlich und unversehrt!

Ihnen allen wünsche ich auch an dieser Stelle ein wunderbares, erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2026!

Politisch habe ich da wenig Hoffnung, aber ich will nicht gleich meckern zum Start ins neue Jahr.

Gerade war ich mit dem Hund unterwegs, eine Runde durch den Ort, Gassi gehen, wie man das früher nannte. Herrlich, so sollte ein Jahr immer beginnen. Frühstück in Ruhe (Toast, Vollkornbrot, gekochtes Ei, Aufschnitt und viel schwarzer Kaffee). Und dann raus in die frische Winterluft. 2 Grad Celsius haben wir gerade, es ist windig, aber es soll trocken bleiben. Und der Schnee von gestern früh ist schon wieder weg.

Ich hatte Ihnen ja vor Silvester schon geschrieben, was ich vom kaum noch zu kontrollierenden Treiben in der Nacht vom Jahreswechsel halte. Wir waren wie geplant gestern Abend in Berlin um 17 Uhr in der Messe, danach etwas essen in einem kleinen Restaurant in der Nähe der Kirche, und gegen 21 Uhr verließen wir die deutsche Hauptstadt wieder. Es gibt auch in der brandenburgischen Provinz einiges zu bewachen.

Für Kleinkinder, Hunde und Katzen ist Silvester definitiv nicht schön. Die verstehen nämlich überhaupt nicht, was da los ist. Irgendwer pöbelte mich gestern auf Facebook an uns schrieb sinngemäß, das sei doch wohl das Problem derjenigen, die sich Haustiere anschafften. Müsse man ja nicht. Sozialverhalten geht anders…

Schon bevor das Silvestertreiben begann, war es am frühen Abend für ein 16-jähriges Mädchen aus Leipzig auch schon wieder vorbei. Sie versuchte, einen in Deutschland nicht zugelassenen, Silvesterböller zu entzünden. Der explodierte und riss dem Mädchen ihren kleinen Finger und Teile des Ringfingers ab. Ob andere Jugendliche im kommenden Jahr zu Silvester vernünftiger sind, wenn sie das jetzt hören? Ich glaube nicht.

Zugegeben, es ist das Vorrecht der Jugend, nicht vernünftig sein zu müssen. Und oft beneide ich meine Kinder und andere junge Leute dafür, aber vollkommen unsinnige Risiken einzugehen – ich bin froh, dass ich das heute nicht mehr tun muss.

Mein kleiner Spaziergang mit dem Hund vorhin war ein wunderbarer Start ins neue Jahr. Kein anderer Mensch auf der Straße, nicht ein einziger. Überall liegen Böllerreste und Holzstangen herum, aber das war vor 50 Jahren auch schon so am Neujahrsmorgen.

Das neue Jahr hat gut begonnen. So ein Spaziergang in der frischen Januarluft hätte nur noch am Ostseestrand schöner sein können…

Passen Sie gut auf sich auf in 2026!

Herzliche Grüße

Ihr Klaus Kelle




Zusammenhalten in der Krise – das können wir in Deutschland auch heute noch

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ruft die Bürger in der Coronakrise zum Zusammenhalt auf. Er sagte heute: „Jetzt geht es darum, dass wir alle zusammenhalten, um die weitere Verbreitung möglichst zu verlangsamen, krankheitsanfällige Menschen zu schützen und Leben zu retten.“

Und das ist mehr als eine übliche Politikerfloskel. Tatsächlich mehren sich die Anzeichen überall in Deutschland, dass viele Bürger in einer großen Krise zusammenrücken – organisiert aber oft auch spontan. Eine gute Freundin aus Hamburg berichtet mir eben von Nachbarschaftshilfe im Mietshaus, wo junge Leute für den Rentner (70) von gegenüber die Einkäufe erledigen, damit er nicht raus in den Supermarkt mit all seinen Infektionsrisiken muss. Und weil die Kita nebenan geschlossen wird, organisieren die Mütter jetzt privat eine Kinderbetreuung für andere Mütter, die Montag wieder arbeiten müssen.

„Vielleicht erwächst aus einer solchen schlimmen Situation auch etwas , was gut ist“, sagt meine Bekannte, und spontan fallen mir die Novembertage 1989 ein, wo die DDR die Grenzen öffnete und plötzlich ganz Berlin eine einzige Familie zu sein schien. Ich war als Journalist im Trubel dieser einzigartigen Nacht unterwegs, irgendwo am Übergang Bernauer Straße, als mich eine junge Frau aus Ostberllin ansprach, deren Motorrad verreckt war. Mein Tontechniker und ich setzten Himmel und Hölle in Bewegung, dass jemand kam, der das reparieren konnte. Die junge Ostberlinerin war total  glücklich und sagte einen Satz, den ich nie vergessen werde: „Seid Ihr im Westen alle so nett?“ Nein, sind wir leider nicht, aber damals strahlte ich nur und war stolz auf uns alle, die mithalfen.

Ich erinnere mich auch noch an meinen  Chefredakteur bei Radio Hundert, 6, in den 90ern selbst im Kofferraum eines Autos aus der DDR geflüchtet. Er sprach an einem U-Bahnhof eine Familie mit zwei Kindern an, die dort auf einer Bank kauerten und offenbar nicht wussten, was sie jetzt tun sollen: zurück nach Ost-Berlin oder einfach bleiben? Mein Chef sprach sie an und bot Hilfe an. Die Familie übernachtete bei seiner Familie im Haus.

Mein kleiner aber bärenstarker Fußballverein sollte heute Abend in Bielefeld den Rivalen aus Osnabrück an die Wand spielen und drei Punkte auf dem Weg in die Erste Liga einfahren. Ich wollte es im Fernsehen anschauen. Abgesagt – wie alle Spiele der Profiligen. Und doch hatte es etwas Gutes, denn es waren viele Lebensmittel eingekauft worden vorher. So rief die Arminia bei der Heilsarmee an, die mit einem Kleintransporter alles abholte und heute Abend an Bedürftige in der Stadt verteilte. Solche Dinge passieren derzeit überall. Wir rücken zusammen, wir finden wenigstens für eine begrenzte Zeit unser Gemeinschaftsgefühl wieder. Und in der Not kommen auch all die Eigenschaften wieder zu Tage, die man uns Deutschen auf der ganzen Welt nachsagt.

Natürlich gibt es auch negative Ausreißer. Eine Lehrerin aus Ostdeutschland erzählte mir vorhin am Telefon, wie sie am Vormittag bemerkte, dass einige ihrer Grundschulkinder auffällig husteten. Sie rief die Eltern dieser Kinder an, um sie zu bitten, die Kleinen aus der Grundschule abzuholen und gegebenenfalls zum Arzt zu bringen. Manche reagierten verärgert und blafften die besorgte Pädaggogin an, was ihr einfiele, bei der Berufstätigkeit wegen so einer Kleinigkeit zu stören. Es sind diese Geschichten, die einen manchmal an den Menschen verzweifeln lässt. Aber die Mehrheit von uns ist in Ordnung, davon bin ich auch heute noch überzeugt.,