Wahl in Sachsen-Anhalt: Liebe Bischöfe, bitte mal wieder ins Lukasevangelium schauen…
Morgen ist es so weit. Sachsen-Anhalt wählt und das politisch interessierte Deutschland schaut mit angehaltenem Atem auf das, was sich am Abend nach Schließung der Wahllokale ereignen wird.
Persönlich glaube ich, dass es wenig spektakulär wird.
Natürlich werden Ulrich Siegmund und die AfD mit Abstand als Sieger durchs Ziel rennen. Um das zu wissen, muss man kein Hellseher sein. Und, liebe Freunde, die CDU arbeitet ja auch seit Jahren intensiv daran, dass die AfD immer größer und einflussreicher wird.
Und wenn wir in die demoskopische Glaskugel schauen
Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, dass die AfD die absolute Mehrheit der Mandate im Landtag von Magdeburg erreichen wird. Die finanziellen Möglichkeiten der linksgestrickten Kampagnenmacher von NGOs wie „Campact“ zeigen natürlich Wirkung. SPD und Grüne, die vor wenigen Wochen noch am Fünf-Prozent-Abgrund zu scheitern drohten, sind inzwischen in den Umfragen spürbar erholt. Und je mehr Parteien es in den Landtag schaffen, desto mehr schrumpft die Chance für Siegmund, mit 42 Prozent allein regieren zu können.
Aber will er das überhaupt?
Kurz vor Öffnung der Wahllokale irritiert der smarte Wahlkämpfer die Öffentlichkeit mit der Aussage, man müsse jetzt erst mal warten, bis gewählt wurde, und sich dann am Montag das Ergebnis anschauen.
Im Gespräch bei der BILD sagte er: „Was mache ich, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind? Soll ich die dann mit der Trage in den Landtag reintragen zum Abstimmen?“
Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wurde mit einer Stimme Mehrheit gewählt – seiner eigenen. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte bei seiner Wiederwahl im Dezember 1976 genau eine Stimme Mehrheit im Bundestag, und sein Nachfolger Bundeskanzler Helmut Kohl 1994 exakt zwei Stimmen Mehrheit.
Beide gewählt, Mund abwischen und weiter!
Siegmunds Aussage irritiert wirklich. Ich verstehe, wenn er sagt, er will nur mit absoluter Mehrheit regieren, dann kann ich das nachvollziehen. Aber ein politischer Spitzenjob – und die Wahl des ersten AfD-Ministerpräsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wäre ein historisches Ereignis – ist nicht mit einer Vollkasko-Mentalität zu erreichen.
Was machen die Kirchen eigentlich?
In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder Bischöfe und andere einflussreiche Stimmen aus den christlichen Kirchen vernommen, die ihre Schäfchen intensiv davor warnen, die AfD zu wählen. Bei der evangelischen Amtskirche wundert das niemanden mehr, seit sie zu einer rot-grünen Vorfeldorganisation verkümmert ist, für die alles rechts von Dunja Hayali eine Gefahr für den Fortbestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist.
Aber dass ein gestandener Mann wie Berlins Erzbischof Heiner Koch auf dieses Niveau herabsteigt, hätte ich so nicht erwartet.
In einem Interview auf dem Portal katholisch.de sagt Koch, man müsse als Kirche „auch das Risiko eingehen, dass sich AfD-Wähler innerhalb der Gemeinde abwenden“. Solche Fälle sind mir nicht bekannt, aber ich kenne viele Fälle, in denen die Kirche gläubige AfD-Mitglieder zum Beispiel aus Pfarrgemeinderäten und anderen Funktionen rausgeschmissen hat.
Ausgrenzung statt ausgestreckte Hand
Denken Sie an den saarländischen AfD-Landtagsabgeordneten Christoph Schaufert, der 2024 aus dem Verwaltungsrat der Kirchengemeinde St. Marien in Neunkirchen entlassen wurde!
Oder im Erzbistum Paderborn, wo man Julian-Bert Schäfer, einem Beisitzer im AfD-Kreisvorstand, untersagte, weiter Messdiener sein zu dürfen und in seiner Gemeinde die Orgel zu spielen.
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Mir scheint, in den Kirchenverwaltungsgremien und beim hohen Klerus hat man den Blick dafür verloren, was eigentlich Auftrag als christliche Kirche ist. Das erfahren wir etwa im Lukasevangelium (5,31-32). Da sagt Jesus Christus:
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.“
Politiker der SED-Nachfolgepartei wie Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Jan van Aken dürfen übrigens bisweilen als Gastprediger in Gottesdiensten auftreten. Da hört man wenig Kritik von Bischöfen. Aber was waren schon DDR-Mauerschützen und Stasi gegen so einen gefährlichen Beisitzer im AfD-Vorstand von Paderborn, oder?