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Wir sollten genauer definieren, was Diebstahl ist

Der Jesuitenpater Jörg Alt hat kurz vor Weihnachten in der Nürnberger Innenstadt für Aufsehen gesorgt. Aus Containern einer Supermarktkette hat er Lebensmittel „gerettet“, die am Tag nicht verkauft wurden und kostenlos an Bedürftige verteilt. Nun läuft ein Ermittlungsverfahren gegen den katholischen Gottesmann, weil er gegen den § 242 des Strafgesetzbuches verstoßen und deshalb Diebstahl begangen hat. „Containern“ nennt er selbst das, was er getan hat und er sagt, sein Ziel sei es gewesen, über derartigen zivilen Ungehorsam selbst angeklagt zu werden.

„Wir haben ein System, das dem Profit dient, aber nicht dem menschlichen Bedarf angemessen ist“, so Alt, dessen demonstrative Aktion nicht die einzige dieser Art in Deutschland war und die auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zielt, das entschieden hat, dass Diebstahl eben Diebstahl ist, so wie es jetzt in den bayerischen Gesetzen steht. Dass aber Gesetze auch geändert werden können, wenn politische Mehrheiten das wollen und so beschließen.

Und der Artikel 14, Absatz 2 unseres Grundgesetzes bestätigt ausdrücklich die Sozialpflichtigkeit des Eigentums.

Ist das Stehlen und dann Verteilen von Lebenmitteln, die zur Vernichtung aussortiert wurden, obwohl sie frisch und genießbar sind, eine Straftat, wenn die Empfänger Arme und Obdachlose sind? Ein Thema, mit dem sich unsere Gesellschaft und die verantwortlichen Politiker dringend beschäftigen müssen.

Natürlich kostet die Produktion von Nahrungsmitteln Geld, der teilweise Import von Obst und Gemüse, die Logistik, die Speditionen, die Kühllaster, die Bäckereien, die Molkereien und, und, und…alle wollen bezahlt werden für ihre Arbeit, alle wollen ihren Mitarbeitern Lohn auszahlen für deren oftmals harte Arbeit. Und alle machen das nicht zum Selbstzweck, sondern weil sie damit auch Gewinn erwirtschaften wollen und Steuern zahlen, die den ganzen Laden in Deutschland am Laufen halten.

Das muss man ja auch mal sagen: Wir leben in einer Marktwirtschaft, einer sozialen, aber wir leben in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Das ist der Grund, warum es Deutschland und den Staaten des Westens immer noch vergleichsweise so gut geht. Sozialismus und Planwirtschaft – das ist die Pest, das ist das Elend für alle, nicht für eine Teil der Gesellschaft. So wie der Strom nicht einfach zufällig aus der Steckdose kommt, so findet Wertschöpfung nicht durch das endlose Drucken von Geld statt, sondern durch Produktivität und Gewinnstreben.

Also: die Sache hat – wie viele wichtigen Themen – zwei Seiten. Und dennoch geht es hier nicht um die Art der Stromerzeugung oder Änderungen der lokalen Gewerbeordnung, sondern um Menschen in bitterer Not. Mitbürger von uns, die in ihrer kleinen Bude hocken und sich von Ja-Dosensuppen ernähren, auch am Heiligen Abend, wenn bei den zwei Drittel Happy Few das Wildgulasch mit Kroketten und Preisebeeren aufgetischt wird.

Ich bin kein Sozialist, das wissen Sie hoffentlich. Ich bin ohne Wenn und Aber für den Kapitalismus mit einer starken sozialen Komponente. Wenn Unternehmen großen Gewinn erwirtschaften, dann müssen auch die Mitarbeiter und ihre Familien etwas davon haben. In meiner Welt bedeutet das aber im Umkehrschluss auch, dass wenn Unternehmen Verluste machen, sie auf Finanzbehörden und Gewerkschaften setzen müssten, die dann nicht noch das Letzte aus ihnen herauspresst. Und ich fürchte, da hakt es leider etwas in Deutschland.

Findet schnell einen Weg, dass niemand in diesem Land mehr hungern und in Mülltonnen nachschauen muß, ob man da noch etwas verwenden kann! Es ist für allen möglichen Unsinn Geld da, Milliarden werden für falsche Entscheidungen in der Politik verballert. Und es kann nicht sein, dass hier am heiligen Abend Kinder vor der Glotze sitzen und sich von Kartoffelchips ernähren müssen.

Wissen Sie, genau genommen müsste unser Staat, müsste die Politik ein umfassendes Programm auflegen, was fördern und fordern beinhaltet, um den Menschen am unteren Rand unserer Gesellschaft wieder auf die Beine zu helfen. Das müsste Staatsziel sein, nicht sowas wie der Gender-Schwachsinn. Deutschland hat alle Mittel, um ein solches Programm aufzulegen, aber wir haben ja wichtigere Probleme….

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