Wollen Sie die Mauer auch zurück?

Es beginnt, wie immer, wenn es in einem Beitrag von mir um Russland und Putin geht. Ich schreibe, was ich denke, und es beginnt…

Gestern habe ich für TheGermanZ eine ausführliche Analyse zur Situation Russlands geschrieben. Mit vielen Aspekten und Fakten. Und ich komme zu dem Ergenis, dass Putins Vorgehen in den vergangenen Jahren zu einem epischen Desaster führen wird.

Das darf man anders sehen, man kann dem natürlich viele eigenen Gedanken und Fakten entgegensetzen. Abenteuer Meinungsfreiheit – wie es mal in einem Werbespruch der „Jungen Freiheit“ treffend hieß.

Aber das passiert ja nicht

Ein langjähriger politischer Weggefährte aus Thüringen, sympathischer Kerl, schreibt, „in letzter Zeit bist du nur noch von Hass zersetzt. Ziemlich furchtbar!“ Und ein anderer behauptet, ich nähme „auf ihrem schmalen Pfad keine Blume am Wegesrand wahr. Absolutistisch, fanatisch, schwarzweiß. Isso.

Gleichzeitig schreibt mir in anderer politischer Weggefährte zum gleichen Text: „…wieder einmal ein treffend formulierter Beitrag von Dir“. Und noch einer: „Das Sowjet-Ende war großartig.“

Abenteuer Meinungsfreiheit, oder?

Alle hier genannten Personen sind Konservative, bei den meisten Themen sind wir durchaus gleicher Meinung. Der einzige Unterschied zwischen den Erstzitierten und dan anderen ist, die einen stammen aus Ost- und die anderen aus Westdeutschland.

So, und nach den ersten Scharmützeln entwickelt sich dann meistens eine gute Diskussion zwischen Ost und West daraus. Und das bereitet mir Freude, wenn zum Beisiiel einer, der häufig sehr kritisch auf viele Beiträge von mir reagiert,  dann schreibt:

„Es ist immer interessant zu lesen, wie Du die Dinge siehst. Und oft erfahre ich durch Dich Dinge, die ich noch nicht wusste oder noch nie sooo gelesen habe, wie Du sie einordnest.“

Aber ich solle doch bitte vermeiden, Worte wie „Putinlutscher“ zu benutzen, und auch mal zuhören, wenn er – Deutscher Ost – die Dinge anders sieht. Und das tue ich, weil ich mich gerne inhaltlich auseinandersetze und mich nicht nur als „Ami-Hure“ oder „Systembüttel“ schmähen lassen muss, was immer mal vorkommt in verschiedenen Abstufungen.

Also mein Thema heute: Warum gibt es kaum noch Diskussionskultur in diesem Deutschland Jahrzehnte nach Vollendung der staatlichen Einheit? Warum können Ost und West nicht vernünftig miteinander streiten?

Mein Freund Sebastian, Ostdeutscher, war gestern hier zu Besuch, wir kamen genau auf das Thema zu sprechen.

Was ist los in diesem Land?

Im Jahr 36 der Einheit.

Er sagt, dass viele Ostdeutsche ihre westlichen Landsleute bis heute als Klugscheißer wahrnehmen, belehrend und überheblich.  
Viele Menschen hätten den totalen Systembruch 1989/90 erlebt, kaum jemand in Westdeutschland könne sich die Existenzängste vorstellen, die damals auf dem Gebiet der DDR herrschte. Ja, man wollte reisen und ein anständiges Auto fahren. Aber man will auch ernstgenommen werden – auch bei Diskussionen und Streit mit seinen eigenen Lebenserfahrungen. Und das kann ich nachvollziehen.
Ich hab das andere Extrem auch selbst mal erlebt in der Coronazeit, wo ich in Sachsen zu einer – sagen wir mal – verschwiegenen Veranstaltung eingeladen war.
Und wo mir irgendwann in der Diskussion dann ein Teilnehmer an den Kopf knallte, „von einem Wessi lasse ich mir überhaupt nichts sagen“. Nett war das nicht, aber sofort sprangen mir damals andere Landsleute Ost bei und wiesen solchee dummen Pauschalierungen zurück.
Aber die Frag stellt sich natürlich schon: Immer gegen alles sein, was die Wessis wollen? Und umgekehrt natürlich?
Das kann nicht die Lösung sein
Umfragen aus den Jahren 2024 und 2025 zeigen, dass eine Rückkehr zur Mauer für die große Mehrheit der Deutschen keine Option ist. s stimmt aber auch, dass es eine beständige Gruppe gibt, die zurück in die „gute alte Zeit“ die Teilung wollen.
Laut ARD-„Deutschlendtrend“ sind 60 Prozent der Deutschen insgesamt zufrieden mit der Wiedervereinigung. Repräsentative Langzeitdaten (wie von YouGov oder Forsa) zeigen stabil, dass sich 10 bis 15 Prozent der Deutschen die Mauer zurückwünschen.

Interessanterweise war der Wunsch nach der Mauer in der Vergangenheit im Westen oft sogar höher als im Osten (ca. 14–16 % im Westen vs. 10–13 % im Osten). Im Westen wird dies oft mit den Kosten der Einheit begründet, im Osten mit dem Verlust sozialer Sicherheit oder der Abwertung der eigenen Biografie.