62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC): Es gibt keine regelbasierte Weltordnung mehr – und wie jetzt weiter?
„Under Destruction“ – so lautet das Motto der 62. Münchner Sicherheitskonferenz, die morgen im noblen „Bayerischen Hof“ von Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet wird. „Under Destruction“ – das bedeutet so viel wie „im Prozess der Zerstörung“, ein Motto, das nichts Gutes verheißt. Denn offensichtlich ist, dass die regelbasierte Ordnung auf der Welt ins Wanken geraten ist. Der russische Angriff auf die Ukraine ist dabei ein Menetekel, ein unheilvolles Vorzeichen, aber bei Weitem nicht das einzige.
Vielleicht ist es deshalb ein gutes Zeichen, dass ausgerechnet in einer Zeit maximaler transatlantischer Spannungen die USA die größte Delegation ihrer Geschichte an die Isar schicken. Das macht man nicht, wenn man mit den Europäern nichts mehr zu tun haben will oder sie als Bündnispartner nicht ernst nimmt. Angeführt wird diese Machtdemonstration von Außenminister Marco Rubio, der – anders als Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr – sein Augenmerk wohl auf die außenpolitischen Verwirrungen und globalen Herausforderungen richten wird. Was wir Europäer allerdings nicht erwarten dürfen, sind von ihm diplomatische Freundlichkeiten.
Rubio kommt nicht als Bittsteller, sondern wird den Europäern in München unmissverständlich klarmachen, dass die Zeiten der vielen Sicherheits-„Trittbrettfahrer“ auf Kosten der Vereinigten Staaten endgültig vorbei sind. Das ist nicht neu, das hat Präsident Donald Trump schon 2017 bei Beginn seiner ersten Amtszeit unmissverständlich klargemacht. Und die meisten Europäer haben das verstanden und begonnen, deutlich aufzurüsten für die eigene Sicherheit.
Der „Munich Security Report 2026“ liefert dabei die analytische Steilvorlage für das kommende Wochenende. Das Dokument liest sich wie die Bestandsaufnahme nach einem Erdbeben. Während die vergangenen Konferenzen in München der Versuch waren, irgendwie noch Brücken zu bauen, geht es heute darum, inmitten der Trümmer der weltweiten Sicherheitslage neue Pflöcke einzuschlagen.
Gerade hat die NATO ihr neues Kommando „Arctic Sentry“ in Betrieb genommen. Gut möglich, dass die Arktis demnächst Frontlinie im Kampf der Machtblöcke sein wird. Und die „Tech Strategy Initiative“ soll klären, wie die Welt mit KI-Waffensystemen umgeht, die schneller entscheiden, als jeder General es kann. Der „Terminator“ lässt grüßen …
Und – ganz wichtig – was folgt politisch aus der starken ökonomischen Abhängigkeit der Europäer von China?
Inmitten der zu erwartenden hitzigen Debatten über diese Fragen schmerzt die kurzfristige Absage des kanadischen Premierministers Mark Carney. Der sagte seine Reise nach München nach der Schießerei an einer Schule mit zehn Toten verständlicherweise ab. Aber gerade Carney hatte erst beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos weltweit für Aufsehen gesorgt mit einer Rede, in der er die alte regelbasierte Weltordnung für „tot“ erklärte und seinen selbstbewussten Plan für eine Strategie der Mittelmächte ohne US-amerikanische Hegemonie vortrug. Kanada, Japan und die Europäer müssten ihr Schicksal endlich in die eigenen Hände nehmen.
Mehr als 1.000 Teilnehmer, darunter 60 Staatschefs, dürfen sich in München nicht auf feierliche Communiqués und harmonische Kaminabende freuen. Das Wochenende der Sicherheitskonferenz wird ein heikler Drahtseilakt, in dem einerseits der Westen Geschlossenheit und Stärke gegenüber Russland und China zeigen muss, ohne dabei aber den Graben zwischen den europäischen Partnern und dem mächtigen Verbündeten in Washington tiefer aufzureißen.
Ob das Modell der alten Weltordnung danach eine Renaissance erlebt oder die Welt von morgen ganz neu gedacht und errichtet wird – davon werden wir in den kommenden drei Tagen eine Menge erfahren.



Hat nicht Herr Merz jüngst bei den Saudis von regelbasierten Ordnung gesprochen, die dort vorhanden sei? Herr Özdemir heiratet, Boris Palmer hält die Traurede, Stuttgart ist pleite, die Grünen schlagen Frau Merkel als künftige Bundespräsidentin vor und Papa, Mama und der große Bruder übernehmen die Führerscheinausbildung, ohne daß in irgendeiner Weise die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird. Das Geld wird dann weniger in Fahrschulen getragen und mehr in Karosseriewerkstätten und Anwaltskanzleien. Unser aller Kfz-Versicherungen werden dann sicher auch billiger.
Alles bestens.
Alles bestens.
„Es gibt keine regelbasierte Weltordnung mehr“:
Früher gab es die Pax Romana. Rom war so stark, dass Rom entschied, wer Krieg führen durfte und wer nicht. Das war die regelbasierte Weltordnung dieser Zeit.
In Europa der Neuzeit gab es immer wieder kontrollierte Kriege. Dabei wurden Gebiete verschoben. Schlesien kam an Preußen. Elsass und Lothringen an Frankreich. … Sobald aber eine Macht zu stark wurde, haben sich alle anderen gegen ihn verbündet. Das war die regelbasierte Weltordnung dieser Zeit.
Zur Zeit des Kalten Krieges war die Welt zwischen USA und Sowjetunion aufgeteilt. Und keiner mischte sich zu stark in die andere Seite ein.
In der Zukunft werden China und USA DIE beiden großen Player sein. Andere wie Russland, Türkei, Indien, Brasilien, … sind Regionalmächte, die auch ihre Macht ausweiten werden. Aber im Grunde entscheiden die USA und China wie die regelbasierte Weltordnung der Zukunft aussieht. Alle anderen haben dabei relativ wenig mitzureden.
Die größte Gefahr ist: Es gibt die etablierte Macht USA und die neue Macht China, die auch einen Platz an der Sonne will. Taiwan reicht da niemals.
Und es gibt noch die Möglichkeit, eines wirklich starken und vereinten Kerneuropas. Ohne Uschi und Orban, mit Merz, Rutte und Stubb ist das möglich
Nur kärgliche drei Namen und dann von einem „wirklich starken und vereinten Kerneuropa“ sprechen? So ganz ohne Ungarn? Donnerwetter, aber mir scheint dies eine – arg bescheidene – Illusion zu sein. Regelbasierte Weltordnung? Na sowas. Ging ich bisher doch allen Ernstes davon aus, dass es sich bei dieser, neben der ebenfalls viel zitierten, erfolgreichen feministischen Außenpolitik, um einen weiteren genialen, ja patentverdächtigen Einfall unserer tragischerweise an die UN verlorenen Star-Diplomatin Annalena B. handeln könnte. Kerneuropa? Welche Länder hat man darunter zu verstehen? Und… wo sollen denn dann die vielen anderen Länder „unterkommen“? Und… was passiert mit der stattlichen Anzahl der Länder, die sich Hoffnungen auf einen EU-Beitritt machen? April, April? Oder doch WürstchenSchnappen? – Was ich mir ganz konkret unter Kerneuropa vorzustellen habe, weiß ich nicht. Beschämend? Halt – vielleicht eine Wiedergeburt der alten EG/EWG? Tut mir leid, aber Dein Vorschlag, Deine Vision, so wohlmeinend sie auch sein mag, scheint mir doch allzu spontan und unausgegoren. Überzeugen vermag sie mich jedenfalls nicht. Der Traum, sich ein starkes Europa quasi als cis-atlantische Kopie der USA oder gar Chinas(!) herbeizuwünschen, mag zwar für manchen „etwas haben“, aber er wird – jedenfalls auf überschaubare Zeit – nicht wahr werden. Wenn überhaupt jemals. –