Waren die Jünger Jesu ein „Pastoralteam“?

Ich gibt so Begrifflichkeiten, die bei mir, wenn ich sie höre, automatisch den Blutdruck nach oben treibt.

„Pastoralteam“ ist so eines dieser Worte, das vorhin – vor Beginn der Heiligen Messe – jemand aus eben diesem Pastoralteam verwendete, um der Gemeinde mitzuteilen, was alles so los ist in den nächsten Tagen an Konzerten, Gruppenstunden, Sammlungen etc…

Das ist erstmal auch gar nichts Böses

Pastoralteam (auch Pastoralverbund) ist einfach die Gruppe von Haupt- und Ehrenamtlichen in einer katholischen Kirchengemeinde und besteht – Gott sei Dank auch noch – aus den Priestern und Diakonen. Also alle, die so eine Gemeinde zusammen mit Leben ausfüllen, was ja gut ist.

Aber dann wünschte der gute Mann da vorne am Mikrofon, bevor der Pfarrer auch noch ran durfte, „uns allen noch eine gute Andacht“, und in dieser Sekunde beschloss ich, später etwas dazu zu schreiben, weil mich diese…ja, Banalisierung meines und hoffentlich für viele von Ihnen auch unseres Glaubens nervt.

Ich bin vor über 40 Jahren von einer (sehr linken) evangelischen Landeskirche zur katholischen Kirche konvertiert. Weil ich nicht etwas über den NATO-Doppelbeschluss oder den Feminismus und das schwere Dasein der Transsexuellen hören wollte, sondern über Jesus Christus.

Doch inzwischen finde ich in Teilen der deutschen katholischen Kirche genau diesen Hang zur Banalisierung des Christlichen.

Ich weiß dabei natürlich um die Notwendigkeiten, Kirchengemeinden auch zu verwalten. Und wenn der sonntägliche Besuch der Messe geringer wird, dann muss man wohl auch Gemeindestrukturen überdenken und ggf. verändern.

Andererseits: Wenn „Pastoralteams“ primär damit beschäftigt sind, Großpfarreien zu verwalten, Immobilien zu managen und Budgets zu optimieren, dann ist vom Heiligen nicht mehr viel übrig. Wäre mal interessant, ob es der Begriff „Pastoralteam“ – auf latein „pastoralis dolor“ – im Vatikan tatsächlich Verwendung findet.

Papst Benedikt XVI. hatte im September 2011 in seiner herausragenden Ansprache im Freiburger Konzerthaus vor einer „Verweltlichung“ seiner Kirche gewarnt“:

„In der geschichtlichen Ausprägung der Kirche zeigt sich aber auch eine gegenteilige Tendenz: dass die Kirche nämlich […] in gewisser Weise selbstgenügsam wird, sich in der Welt einrichtet, [und] sich selbst genug ist.“ 

Ich glaube, der Papst meinte damals genau das, was mich als einfachen Gläubigen morgens in der Messe stört.

Mit „Entweltlichung“ wollte der Pontifex damals nicht den kompletten Rückzug aus der Welt anstoßen, sondern die Abkehr von einer rein funktionalen Sichtweise seiner Kirche. Er wollte, dass das Religiöse, das Heilige, nicht hinter dem Administrativen verschwindet und der Glaube nur noch als eine Art Grundsatzprogramm von einem Team verwaltet wird.

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Dieser Artikel wurde 7 mal kommentiert

  1. S v B Antworten

    Lieber Klaus,
    habe den Artikel zwar noch nicht ganz zu Ende gelesen (was ich im Anschluss an meinen Kurzkommentar selbstverständlich tun werde), aber bei der Übersetzung von „pastoralis dolor“ bin ich doch stutzig geworden. Vor mehr als einem halben Jahrhundert habe ich nämlich gelernt, dass lateinisch „dolor „im Deutschen vorrangig mit Schmerz (sowie mit bedeutungsverwandten Wörtern) zu übersetzen ist; mit dem neudeutschen Begriff „Team“ also eher nicht.

  2. Alexander Droste Antworten

    Während der Sozialismus heutzutage den Christus erneut ans Kreuz schlägt, würfeln die Kirchen um seine Kleider.

    Dazu kann ich nur zitierend raunen: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

    Man glaubt, Christ zu sein, weiß aber schon nicht mehr, warum man Ostern oder Weihnachten feiert, geschweige denn alle anderen christlichen Feste. Das ist der heutige Glaube und man ereifert sich dabei mit Dogmatismus um aus meiner Sicht satanische Verwirrung. Das war früher schon so und wird es wohl noch so weiter betreiben. Das ist übrigens der Hauptgrund für massenweise Austritte. Gar nicht mal die Kirchensteuer, die es auch nur in D gibt. Die Ausgetretenen sind überzeugt, dass man auch ohne diese Kirchen guter Christ sein kann. Da ist wohl was dran.

    • H.K. Antworten

      Die Kirchensteuer als Grund für den Kirchenaustritt ist m.E. nur vorgeschoben.

      Der wesentliche Punkt ist aus meiner Sicht auch nicht der „liebe Gott“, an den die Menschen nicht mehr glauben würden.

      Wer einmal vor der Kirche z.B. willkürlich fragt, wer denn den Grund für christliche Feiertage nennen kann, wird vermutlich nur vereinzelt zutreffende Antworten bekommen.

      Der wesentliche Grund für massenweise Kirchenaustritte liegt wohl eher am „Bodenpersonal“ und dessen Verhalten. Ich allein könnte schon genügend Fälle nennen.

      Dabei wird jedoch jedes negative Beispiel gern verallgemeinert und die, die wirklich gut sind, werden vergessen.

  3. S v B Antworten

    @KK

    Man kann die katholische Kirche nur warnen, der evangelischen nachzustreben, es ihr am Ende gleich zu tun. Unter diesem Aspekt ist interessant, was ein britischer Islam- Wisssenschaftler vor wenigen Jahren konstatierte, nämlich dass „ein Reformed Islam No Islam“ mehr wäre; dies mit allen zu erwartenden (negativen) Konsequenzen für die muslimische Glaubensgemeinschaft, die Umma.
    Schon damals übertrug ich diese kluge Einsicht, dieses einleuchtende Resümee gedanklich auf die Katholische Kirche, was letztlich wohl bedeutet, dass eine „reformierte“ katholische Kirche keine katholische Kirche mehr ein wird. Eine gefällige Anbiederung an den jeweiligen Zeitgeist – insbesondere an den gegenwärtigen – könnte das Aus – sowohl für den Islam wie auch für die katholische Kirche bedeuten. Millionen, wenn nicht Milliarden verunsicherter und spirituell heimatlos gewordener Menschen wären die traurige, ja desaströse langfristige Folge. Die evangelische Kirche ist diesbezüglich schon weit vorgeprescht, will heißen, dass sie bereits so weit von ihrem eigentlichen Auftrag, ihrem Markenkern sozusagen, abgedriftet ist und dass schon deshalb eine Rettung des illustren Vereins in Form eines überzeugenden spirituellen Rückbaus wohl kaum mehr zu bewerkstelligen sein wird. Wenn man die Programme der vergangenen evangelischen Kirchentage studiert, gelangt man schnell zu der Überzeugung, dass die evangelische Kirche den spirituellen Point of no return schon überschritten hat. – Was Martin Luther dazu wohl zu sagen hätte?

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