Wo politische Macht und großes Geld aufeinandertreffen sind Trump und der „Great Rest“ nicht weit

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ist eine Veranstaltung der Superlative. Es gibt nichts Vergleichbares auf der Welt, und das liegt nicht nur an dem denkwürdigen Auftritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gestern vor der politischen und wirtschaftlichen Elite vor Ort und den vielen Millionen Zuschauern rund um den Erdball. Davos – das ist für die Mächtigen der Welt so was wie der Super Bowl im Sport. Einzigartig.
3000 Teilnehmer, 65 Staats- und Regierungschefs sind dabei, 350 hochrangige Regierungsvertreter, 850 CEOs weltweit führender Unternehmen, wichtige Personen im globalen Machtspiel wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte.

Vergessen Sie die „Bilderberger“ oder Putins Wirtschaftsgipfelchen in Sotschi!

In Davos spielt die Musik.

Der Auftritt von Donald Trump gestern war, wie man es von ihm kennt. Selbstverliebt, in Teilen unverschämt, witzig aber auch aussagekräftig. Dass der Druck aus der Grönland-Frage raus zu sein scheint, war eine wirkliche Nachricht und wird gern gehört.

„Wir haben über Jahrzehnte so viel für euch getan, und jetzt bitten wir nur darum, dass Ihr uns ein Stückchen Eis dafür gebt…“ Solche Sätze gibt es nur von „TheDonald“, oder? Und dann der Zusatz: Wenn Amerikas Wunsch erfüllt werde, dann sei man sehr dankbar. Und wenn nicht, dann werde man es nicht vergessen…

Viele meiner Freunde fremdeln mit Trump, aber ich mag ihn. Nicht alles, aber die große Linie. Das ist ein US-Präsident, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat…

Über was überhaupt nicht gesprochen wird in Davos, ist der große Aufreger in manchen konservativen Milieus. Ich kam vorhin im NIUS-Chat drauf, als einer das Thema ansprach: den „Great Reset“.

Das Weltwirtschaftsforum wagte sich vor fünf Jahren daran, über eine regelbasierte Weltwirtschaftsordnung grundsätzlich zu diskutieren. Man wollte Lehren aus der globalen Covid-19-Pandemie ziehen. Beim Treffen im Juni 2020 stellte der Gründer des WEF, Klaus Schwab, zusammen mit dem Autor Thierry Malleret ein Buch mit dem Titel „Covid-19: Der große Umbruch“ vor. Darin heißt es: „Es geht darum, die Welt weniger gespalten, weniger verschmutzend, weniger zerstörerisch, integrativer, gerechter und fairer zu machen, als wir sie in der Zeit vor der Pandemie hinter uns gelassen haben.“ (K. Schwab, T. Malleret: Covid-19: Der große Umbruch, Schlussfolgerung, S. 293).
Das klingt erst mal gar nicht schlecht, sorgte aber nicht nur in der üblichen Verschwörungs-Szene für heftigen Widerspruch.

Bei solchen Treffen von Politik und Geld liegt der Gedanke schnell nahe, dass da Mächtige hinter verschlossenen Türen die Geschicke der Welt neu ordnen, ohne dafür von uns demokratisch legitimiert worden zu sein.
Und der Begriff „Great Reset“ beinhaltet ja alles, was man braucht in der Welt derjenigen, die ohnehin alles vom „Deep State“ gelenkt sehen. „Corona“ war dabei die bewusst herbeigeführte Schocktherapie, alle finsteren Pläne auf der Weltbühne umzusetzen. Die Grundbausteine unserer Gesellschaft sollen zerstört werden: die Familie, das Vertrauen in Recht und Gesetz und vor allem die (Meinungs-)Freiheit. Eine „Neue Weltordnung“ sei das Ziel, eine autoritäre, supranationale Weltregierung.

Nun, wenn ich mir die aktuelle Welt so anschaue, dann sind wir seither davon weiter entfernt als jemals zuvor in den vergangenen 80 Jahren

Aber solche Erzählungen werden sie nicht mehr los. Die einen behaupten, der Neoliberalismus wolle die Welt übernehmen, andere sehen den „Great Reset“ als Werkzeug, dem Kommunismus weltweit doch noch zum Sieg und zur Herrschaft zu verhelfen. Und ganz ekelhaft wird es, wenn aus der braunen Jauchegrube der angeblich angestrebte globale Umbruch der Weltwirtschaft verknüpft wird mit der angeblichen jüdischen Weltverschwörung. Die Familie Rothschild und George Soros – na klar – sollen drinhängen, aber auch Angela Merkel und Friedrich Merz. Wer glaubt solchen Schmonzes, fragt man sich. Erschreckend viele offenbar.

Apropos Friedrich Merz

Der kam am Morgen in Davos doch noch zu seinem Auftritt auf der Weltbühne, nachdem das geplante Treffen mit Trump am Vortag geplatzt war. Merz, angeblich auch Teil der großen Weltverschwörung, warnte dabei genau davor:
„Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort“, sagte er. Die größte Stärke entstehe aber aus der Fähigkeit, Partnerschaften und Allianzen zu bilden, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt aufbauten.

Da müssten eigentlich alle „Great Reset“-Kritiker aufstehen und Merz applaudieren. Aber so viel Abstraktionsvermögen hat man in diesen Kreisen leider nicht.

Da bastelt man lieber schwarze Internet-Kacheln mit Klaus Schwab im Satanisten-Outfit und findet sich ganz toll überlegen dabei…

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Martin Ludwig Antworten

    Es gab noch nie eine Zeit in Geschichte dieser Welt, in der Macht nicht das einzige war was zählt. Charles Davin hat das seiner Zeit treffend mit den Worten „Survival of the Fittest“ beschrieben.
    Klar ist auch, wer diese grundlegende Weltordnung schlecht findet. Das sind wohl regelmäßig die Machtlosen, die von den Mächtigen in ihre Schranken gewiesen werden und als Spielball zur Durchsetzung von Interessen dienen.
    Deutschland war einst mächtig. Ich würde sogar sagen, dass wir gemessen an der Flächengröße unseres Landes und der Einwohnerzahl das mächtigste Land der Erde waren.
    Friedrich Merz und seine Vorgänger sind und waren genau diejenigen, die unsere einstige Größe und Macht auf einem Alter der Moral und Überheblichkeit geopfert haben und bis zum heutigen Tag nicht in der Lage sind sich die Fehler einzugestehen und die Sauerei vom Altar zu entfernen.

    Ich gebe Merz recht, die Welt ist ein gefährlicher Ort und wir brauchen starke Partnerschaften und Allianzen. Was wir jedoch nicht brauchen sind die Freunde, die wir uns mit deutschem Steuergeld weltweit erkauft haben und die keinen Finger für uns rühren, wenn es wirklich darauf ankommen würde.
    Ich habe an anderer Stelle hier ausführlich beschrieben wie Deutschland in dieser gefährlichen Welt bestehen kann. Es muss nämlich genau genommen nicht „Survival of the Fittest“ lauten, sondern um die Worte „Smartest and Audacious“ ergänzt werden.
    Merz ist dafür ganz sicher der falsche Mann. Die CDU und alle anderen Linksgrünen Moralapostel die falsche Partei. Wir brauchen jemanden wie Trump an der Spitze, der sich traut Probleme klar zu benennen und Veränderungen umzusetzen. Wir haben diese Alternative bereits und sie wird sich langfristig durchsetzen. Ob wir dann noch die Kraft haben zu den Stärksten zu gehören wird sich zeigen, aber selbst wenn nicht, kann auch eine clevere Hausmaus zwischen den größten und gefährlichsten Raubtieren bestehen und ihre Niesche finden.

  2. gerd Antworten

    „Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort“,

    Ich applaudiere. Jetzt muss sich Merz allerdings auch an seinen richtigen Worten messen lassen, oder etwa nicht? Wer dann noch applaudiert hat null Abstraktionsvermögen.

  3. Angelika Antworten

    Interessant fand ich die Rede eines US-Ministers (ich weiß nicht welcher), der sagte, dass die Globalisierung der USA geschadet hätten. Jobs wurden in andere Länder verlagert, um billiger zu produzieren. US-Arbeiter verloren ihre Jobs und die USA hätten ein großes Außenhandelsdefizit. Das wollen sie jetzt ändern.
    Ob das möglich ist, ist fraglich. Die Löhne in den USA sind in absoluten Zahlen noch höher als hier (weil auch die Lebenshaltungskosten höher sind.) Aber es ist im Grunde ein Anti-Reagan und Anti-Thatcher. Beide waren ja dafür, eigene Produktionsstätten, die weltweit nicht konkurrenzfähig sind, zu zerschlagen. JD Vance hat früher schon diese Verlagerung der Industrie ins Ausland, die unter Reagan begann, angegriffen.
    Im Grunde haben Trump, Vance, etc mit den alten Reagan-Republikanern nicht viel gemeinsam. Sie haben vermutlich auch einen großen Teil der alten Arbeiterschaft, die bisher Demokraten wählten, übernommen.

    • gerd Antworten

      „Jobs wurden in andere Länder verlagert, um billiger zu produzieren.“

      Schauen Sie mal bei IkEA in die Regale. Dort ist jeder Stuhl und jedes Möbel, was einigermaßen stehen kann aus dem Ausland importiert. Polen, Rumänien, Bulgarien, Vietnam, Tailand und ganz weit vorne China und Indien. Sogar aus Mexiko werden Fussmatten angeboten.
      Der Kunde findet es ganz toll, wenn er beim Regalkauf nur ein paar Euro locker machen muss. Und ja, billiger muss es immer sein. Ich lebe nahe der niederländischen Grenze. Da braucht niemand der Einheimischen zu versuchen am Wochenende zu tanken oder einen Kaufland, Aldi oder Lidl aufzusuchen. Keine Chance.

    • S v B Antworten

      @Angelika

      Ich meine, die in Ihrem ersten Absatz aufgeführten Klagen aus dem Munde des PROTUS selbst vernommen zu haben). Und zwar während seiner vielbeachteten Rede am Nachmittag eines ersten Tages in Davos. Gerade die Offenheit, die „Streightforwardness“, mit der Trump auch in Davos wohl viele Europäer verschreckt haben mag, hat mir, wie ich – vorsichtshalber im Flüsterton und vorgehaltener Hand – zugebe, wieder ziemlich imponiert. Ich mag Trumps direkte Art. Sein Motto – „Gleich hinein in medias res“; also gar nicht erst um den heißen Brei herum labern. Bin gespannt, wie’s weitergeht; und wie sich ein eventueller game change gerade auch auf Deutschland bzw. die EU auswirken könnte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert