Verehrter Herr Präsident! Halten Sie doch einfach mal den Mund…!

Haben Sie auch den Super Bowl geguckt vergangene Nacht? Ich habe mir die „Halftime Show“ mit „Bad Bunny“ noch gegeben und war dann so gegen 4 Uhr in meinem Bett, was für einen Mann meines Alters respektabel, aber dann auch genug ist.

Die Seattle Seahawks haben übrigens gegen die New England Patriots mit 29:13 gewonnen. Ich hatte mich vor Beginn tatsächlich auf die Seahawks festgelegt, aber nicht, weil das eine Herzensangelegenheit für mich wäre, sondern weil man in meiner konservativen Welt bei einem Wettkampf immer vorher wissen muss, zu wem man hält.

Und ich schaue den Super Bowl ja nicht, weil American Football persönlich mein Sport Nummer 1 wäre. Ich mag es, einmal im Jahr in das uramerikanische Lebensgefühl einzutauchen. Das „Colonial-Café“ in Werder (Havel) war bis auf den letzten Platz besetzt, viele im vorwiegend männlichen Publikum trugen Trikots – vorwiegend der Patriots – und das Burger-Menü mit Süßkartoffelpommes und Bacon war perfekt. Dazu zwei große irische „Murphy’s“ – viel mehr brauchst du nicht als Mann…

Witzigerweise plauderten meine Freunde und ich in den zwei Stunden, bevor es losging, ausführlich darüber, was Mannsein eigentlich heute noch in Deutschland bedeutet und wie nervtötend diese ganze grün-woke Blase doch ist, aber dann war Amerika und Charlie Puth sang die Nationalhymne, dass man Gänsehaut bekommen konnte.

„Bad Bunny“ war der Star für die Halbzeitshow, ein weltweit mega erfolgreicher Rapper aus Puerto Rico. Ich fand seine Performance gut, aber auch ungewöhnlich, wenn man in den Jahren vorher Katy Perry, Lady Gaga oder Justin Timberlake und Snoop Dogg gesehen hat. Gaga war übrigens vergangene Nacht auch dabei, solide in Blau, stimmstark wie immer.

Nur dem amerikanischen Präsidenten hat es gar nicht gefallen

Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die Halbzeitshow sei „absolut furchtbar“ und „eine der schlechtesten aller Zeiten“. Trump regt sich auf, dass der Auftritt des „Hasen“ größtenteils auf Spanisch dargeboten wurde. Wörtlich: „Niemand versteht ein Wort, das dieser Typ sagt“.

Naja, das mag für seine MAGA-Freunde zutreffen. Die 68 Millionen Mexikaner, Puerto-Ricaner und Kubaner in den Vereinigten Staaten dürften das mehrheitlich anders gesehen haben. Viele von denen wählen Trump übrigens auch…

Soweit hat der Präsident wohl nicht gedacht, und sein Pressestab bestellte wohl gerade per Mail Pizza für die Mittagspause, als es im Weißen Haus um die Frage ging, ob führende Politiker zu sportlichen und kulturellen Events nicht auch mal den Mund halten können.

Zu Olympia hat er sich auch geäußert

Die Eröffnungsfeier fand er wohl nicht so gut. Und während olympische Wettkämpfe in der Regel den Patriotismus im eigenen Land befeuern, meint Trump, er müsse den amerikanischen Freestyle-Skifahrer Hunter Hess öffentlich als „echten Loser“ beschimpfen. Irgendeinen Grund wird Trump wohl haben dafür, aber warum hält er nicht einfach mal das Maul?

Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten, nominal und real der mächtigste Mann auf dem Planeten. Warum muss er etwas dazu sagen, was er von Bad Bunny und Hunter Hess hält? Oder nebenbei, nur in einem Halbsatz, dass er die nicht gut findet. Aber Trump kann nur die große Keule, und irgendwann nervt das auch Menschen wie mich, die vieles von dem, was er tut, richtig und manchmal gut finden, wie zum Beispiel die Maduro-Aktion.

Mit seinen schnippischen Bemerkungen wertet Trump selbst die Aussagen von Bunny und Hess deutlich auf. Würde er sie ignorieren, wäre deren Kritik an Trump bedeutungslos, das erwartbare Gejammer aus der linkswoken Kulturszene. Erst weil Trump reagiert und dann auch noch so harsch, wird die Kritik der Kulturszene relevant.

Wir hatten das ja hier im Kleinen auch vor Jahren schon, wo man sich fragt, warum zu politisch komplizierten Themen im ARD-Talk bei Will oder Maischberger plötzlich irgendwelche zweitklassigen ARD-Schauspieler in der Runde sitzen, um über die Stabilität des europäischen Finanzsystems mitzureden.

Gestern Abend wurde Gil Ofarim „Dschungelkönig“ und weinte vor Freude, wahrscheinlich vor allem über die 100.000 Euro Preisgeld, die er von RTL bekommt. Dann kann er diese 40.000 Euro Schmerzensgeld an den Hotelmitarbeiter bezahlen, den er fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte. Und die 30.000 Euro Prozess- und Anwaltskosten gleich mit.

Aber würde Bundeskanzler Friedrich Merz dazu auf X twittern, wie doof er Ofarims Outfit mit Krone und Zepter fand?

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Martin Ludwig Antworten

    In der linken Ecke – Olympia mit ARD-Volkserziehung
    In der rechten Ecke – Verehrter Herr Präsident! Halten Sie doch einfach mal den Mund…!

    Klaus, diese beiden Beiträge könnten gegenteiliger nicht sein. Dennoch stammen sie beide aus deiner Feder… als Leser muss ich gestehen, dass ich absolut ratlos zurück bleibe und nicht verstehen kann, was du dir denn jetzt tatsächlich wünscht.
    Zur Erklärung: Trump spricht sich schon immer gegen die Politisierung von Sport aus und er kritisiert hier Sportler und die Halbzeitshow, weil eben genau das nicht passiert. Soll er jetzt künftig lieber zusehen, wie die größte Sportveranstaltung der Welt zu einem Spektakel für Woke-Gutmenschen und Linkswähler wird oder darf er als „mächtigster Mann der Welt“ klare Kante gegen diesen Missbrauch der Medien zeigen? Das wäre ja dann, was du dir auch von Olympia wünscht und du auch artikuliert hast – nur fehlt dir eben die Reichweite des POTUS

    • Klaus Kelle Antworten

      …als Leser muss ich gestehen, dass ich absolut ratlos zurück bleibe und nicht verstehen kann, was du dir denn jetzt tatsächlich wünscht.

      @Martin Ludwig,

      Trump spricht sich schon immer gegen die Politisierung von Sport aus Du bist lustig, hast Du gesehen, wie der sich an den Fifa-Präsidenten heranwanzt? Trump wäre auch gestern zum Super Bowl gekommen, aber er wusste wohl, dass er in Kalifornien und von Bad Bunny da keinen freundlichen Empfang zu erwarten hätte.

      Was ich wünsche steht im Text und ich meine es gut mit ihm

    • gerd Antworten

      @Martin Ludwig

      Man kann D. Trump ja einiges nachsagen, aber er ist mit Sicherheit kein Mensch der sich den Mund verbieten lässt.

  2. Achim Koester Antworten

    „Die 68 Millionen Mexikaner und Puertoricaner verstehen sehr wohl Spanisch“.
    Soll das bedeuten, dass wir demnächst unsere (überflüssigen) Halbzeit- und Eröffnungsshows auf türkisch und arabisch abhalten können?

  3. gerd Antworten

    „Aber würde Bundeskanzler Friedrich Merz dazu auf X twittern, wie doof er Ofarims Outfit mit Krone und Zepter fand?“

    Ofraims Outfit mit Krone zu Zepter ist doof. Warum soll ein Kanzler das nicht twittern dürfen?

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