Vetternwirtschaft? Korruption? Also Herr Kelle, das kann man doch gar nicht vergleichen…
Ich weiß jetzt schon, wie die Diskussion hier nach diesem kleinen Exkurs verlaufen wird. Ist ja nicht zum ersten Mal…
Wenn es Verfehlungen bei Merz und der CDU, bei den Grünen und Frau Bas gibt, dann gilt: immer fest druff. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so.
Leider werden hier oft, auch bei anderen Themen, völlig untrschidliche Maßstäbe an Moral und Ehrlichkeit angelegt.
Das sehen Sie dann bei unserem Lieblingsthema
Präsident Selenskyj und die Ukraine sind angeblich so korrupt, dass sie es nicht wert sind, mit dem schönen deutschen Geld unterstützt zu werden. „Lasst die Leute doch verrecken, sie könnten sich ja auch unterwerfen“, schallt es mir dann – ein bisschen schöner formuliert – entgegen. Und der Bundeskanzler – ganz schlimm. Wenn man dann die ausufernde Korruption in Putins Russland vorbringt, dann…, ja, ist das irgendwie ganz etwas anderes.
Haben sich nicht auch CDU-Abgeordnete einst mit Geld aus Aserbaidschan korrumpieren lassen?
Und wie war das mit den Masken-Deals von Jens Spahn oder der kleinen Nebentätigkeit von Philipp Amthor, der ein bisschen als Lobbyist für ein amerikanisches Start-up-Unternehmen dazuverdient hat? 2.800 Aktienoptionen im Wert von 250.000 US-Dollar gab es dafür, Luxusreisen und Aufenthalte in Nobelhotels obendrauf. Alles aufgeflogen, viel öffentlicher Wirbel und Imageschaden. Wie gesagt: gut so!
Doch jetzt wurde die AfD beim Schmutzeln erwischt, und das ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, wo Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im September gerne Ministerpräsident werden möchte und mit knapp 40 Prozent in den Umfragen auch realistische Chancen hat.
Aber jetzt kam raus – nicht durch die böse, böse Mainstreampresse oder das „System“ und das „Parteienkartell“, sondern durch liebe Parteifreunde –, dass man da bei der AfD, die gern als „Partei der kleinen Leute“ in Ostdeutschland auftritt, das System der sogenannten „Über-Kreuz-Anstellungen“ kultivierte.
Weil es gesetzlich verboten ist, dass Abgeordnete eigene Verwandte einstellen, parkt man die Familie bei Kollegen. Und Ulrich Siegmund, den ich als Wahlkämpfer smart, sympathisch und angriffslustig finde, hat – so erzählt man sich in Magdeburg – seinen Vater beim Bundestagsabgeordneten Tobias Korell untergebracht – angeblich mit einem monatlichen Gehalt von bis zu 7.725 Euro. Auch Tobias Rausch, parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, soll gleich drei seiner Geschwister bei der Abgeordneten Claudia Weiss untergebracht haben. Ist das nicht schön?
Als Inhaber einer Immobilien- und Plakatierungsfirma (Rausch Immobilien Service GmbH) habe er im Bundestagswahlkampf 2025 über 40.000 Euro an Aufträgen von einem Einzelbewerber (Robert Farle) angenommen, der gegen den offiziellen AfD-Kandidaten im selben Wahlkreis antrat. Rausch wird auch vorgeworfen, seine Partnerin – ebenfalls bei der AfD angestellt – auf Delegationsreisen (Jerewan, New York und Washington) auf Kosten der Fraktion bzw. der Steuerzahler mitgenommen zu haben.
Halten Sie mich bitte nicht für schadenfroh!
Das bin ich nicht, und es ist mir im Grunde egal, wie die Wahl ausgeht. Sollen die Wähler in ihrer einzigartigen Weisheit entscheiden, was sie wollen.
Aber was nicht geht ist, dass Politiker der einen Partei verteufelt werden und Politiker der anderen Partei heiliggesprochen, weil sie… ja, weil sie in dieser und nicht in der anderen Partei sind. Und schon gar nicht, wenn man sich selbst das Saubermann-Image anhängt, ganz anders zu sein als das „Altparteien-Kartell“. Denn sie sind nicht anders. Sie sind Politiker, die, wenn sie an den Töpfen sitzen, genauso handeln wie die, die da schon länger Platz genommen haben.
Kleine Anmerkung noch am Abend: AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla hat ein feines Gespür für die Stimmung an seiner Parteibasis.
Und er hat natürlich das Grummeln aus Schnellroda (Kubitschek) und Erfurt (Höcke) über die aktuellen Vorgänge mitbekommen. Chrupalla sprach danach von einem „Störgefühl“. Die Verträge seien rechtskräftig und nicht zu beanstanden. Doch: „Ein Geschmäckle hat’s.“
Ja, hat es wohl. Tino Chrupalla beschäftigt übrigens in seinem Wahlkreisbüro die Ehefrau eines anderen AfD-Politikers…



in diesem Land ist bereits seit geraumer Zeit nicht mehr entscheidend, WAS jemand tut oder sagt, sondern WER etwas tut oder sagt.
„Gleiches Recht für ALLE“ gilt schon lange nicht mehr – das dürfte mittlerweile der größte Optimist ( um nicht zu sagen: der Dümmste … ) begriffen haben, spätestens seit dem Urteil des holsteinischen Verwaltungsgerichts in Sachen Genosse Günther oder dem des Bundesverfassungsgerichts beim Thema „Otto-Wels-Saal“.
Wer erinnert sich noch an die Vetternwirtschaft bei den Grün*/-/:/_/•/Innen in den von ihnen besetzten Bundesministerien ?
Wer redet noch über Habeck, Graichen, Kellner „and family“ ? ( Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, daß dort Ehepartner offensichtlich nicht den gleichen Nachnamen tragen. So fällt Manches nicht gleich so auf ).
Ein kurzes Grummeln gab es. Ein Staatssekretär mußte zurückgetreten werden. Rückzahlung von ( zu unrecht ? ) kassierten staatlichen Geldern ? M.W. Fehlanzeige.
Wer redet über die „Zuwendungen“ an den „Harry Potter der CDU MeckPomm“ ?
Zur Strafe wurde er Staatssekretär.
Wer spricht noch von Edathy oder Kahrs ? Kennt diese Namen überhaupt noch jemand ?
Was ist mit Spahn und seinen ich weiß nicht wieviele Millionen verplemperter Euronen der SteuerInnenzahler für die Beschaffung und dann „Entsorgung“ völlig unnötiger Millionen ( oder Milliarden ? ) Masken ?
Und wie war das noch mit seiner 4,5 Millionen-Villa in feinsten Berliner Stadtteil – für einen CDU-Abgeirdneten mit Wahlkreis MÜNSTER ?
Er wurde FRAKTIONSCHEF der Union !
Schwämmchen drüber – schließlich will der Mann ja noch mal Kanzler werden.
Was „die da“ in Sachen „Vetternwirtschaft“ bei der Anstellung von Mitarbeitern treiben, ist legal !
Wer Steuerschlupflöcher ( aus )nutzt, handelt auch „legal“.
Aber: ist alles, was „legal“ ist, auch „legitim“ ?
Auch, wenn „die da“ die Anstellung von Verwandten überkreuz oder wie auch immer mit „Stigma der AfD“, „schwer zu bekommende zuverlässige Mitarbeiter“ etc. etc. begründen, und das „legal“ ist, so hat es ein Geschmäckle.
Nur: WENN ( zu recht ! ) Empörung, dann bitte konsequent und mit gleichen Folgen für ALLE.
Nachtrag:
Wer bitte – außer der „Zeitung mit den vier Buchstaben“ – berichtet vom „Skandal“ um Bahn-Sicherheitschefin Zur und ihren „Lebensabschnittspartner“, den ehemaligen Kriminalbeamten und jetzigen SPD-Abgeordneten Sebastian Fiedler ?
Und daß ausgerechnet in der Causa „Familienklüngel bei denen da“ nun der Grünende Konstantin von Notz die Backen aufpustet, kommt schon fast wie Slapstick rüber …
Ohne nun diese Gebaren der AfD rechtfertigen zu wollen, weil es die anderen Parteien ebenso praktizieren (man denke an den Grünen Graichen und seinen Clan/Trauzeugen). Mitnichten. Bei der AfD dürfte es aber noch einen anderen, gewichtigen Grund geben, der sie von den anderen Parteien im Bundestag unterscheidet: man ist äußerst misstrauisch bei der Besetzung von Stellen. Die persönliche Empfehlung, weil der Kandidat/die Kandidatin der empfehlenden Person bestens bekannt ist, bietet da einen hohen Schutz. Es könnte also auch der Gesamtsituation geschuldet sein. Als die AfD für sich Vetternwirtschaft vollmundig ausschloss, haben sie die inzwischen genommene Entwicklung hin zu einem Beobachtungsfall durch den Verfassungsschutz nicht vorausgedacht.