BERLINALE 2026: Taxifahren in Lagos und ein „queeres Gefängnis-Epos“
In Deutschland verlieren im Moment durchschnittlich 10.000 Menschen pro Monat ihren Arbeitsplatz. Die Probleme mit der Massenmigration sind weiterhin vielleicht eingedämmt, aber die Unfähigkeit des Bundes und der Länder, konsequent abgelehnte Asylbewerber abzuschieben – insbesondere Kriminelle, die hier schwerste Gewalttaten verübt haben –, ist erschütternd. Mehr als 100.000 Abtreibungen werden jedes Jahr in Deutschland registriert; junges Leben, Geschöpfe Gottes, die einfach ausgelöscht werden.
Viele Themen würden mir einfallen für Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure in einem der bedeutendsten Filmwettbewerbe der Welt: der Berlinale.
Doch was finde ich?
Ein „elektrisierendes Porträt der nigerianischen Megacity Lagos“, in der „Lady“ (gespielt von Jessica Gabriel’s Ujah) mit klassischen Geschlechterrollen bricht. Denn „Lady“, eine „junge, androgyn wirkende Frau“, die sich als eine der wenigen Taxifahrerinnen in der hyper-maskulinen Welt von Lagos durchsetzt, spart eisern jeden Naira, um aus der chaotischen Metropole in die Küstenstadt Freetown (Sierra Leone) fliehen zu können. Und dann, ganz wichtig, taucht plötzlich ihre Freundin „Pinky“ auf, um sie in die glitzernde, gefährliche Welt der Nachtclub-Szene einzuführen. Und klar, sie ist ja Taxifahrerin: „Lady“ fährt dann mit ihrem Auto „eine Gruppe schillernder Sexarbeiterinnen durch die Nacht“.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch
Kultur ist nur Kultur, wenn sie frei ist. Maler sollen Bilder malen, wie und was sie wollen, Theaterregisseure können absurdeste Stoffe inszenieren und natürlich dürfen Filmemacher auch das Vortragen nepalesischer Hirtenlyrik in einem achtstündigen Dokudrama verarbeiten. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass normale Menschen sich das dann auch antun!
Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden unter der Leitung der neuen Intendantin Tricia Tuttle statt, die sich erkennbar bemüht hat, den Rythmus der Stadt aufzugreifen.
Die Aufmerksamkeit zum Start gehört traditionell der „Berlin Opening Night“. In diesem Jahr fand die exklusive Sause im SO/ Berlin Das Stue statt. Das ehemalige dänische Botschaftsgebäude am Tiergarten bot eine perfekte Kulisse für eine Nacht, in der Diskretion und Extravaganz zusammen passten.
Auf dem roten Teppich vor dem Hotel die traditionelle Show der Filmstars: Michelle Yeoh, die in diesem Jahr mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, Hollywood-Größen wie Neil Patrick Harris, Pamela Anderson und ein gut gelaunter Channing Tatum für internationales Flair. Und unsere heimischen Top-Namen waren natürlich dabei: Iris Berben, Daniel Brühl und Matthias Schweighöfer.
In der Sektion Berlinale Special zog vor allem die Horrorkomödie „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger das Publikum an. Isabelle Huppert spielt eine exzentrische Adelige, die zwischen Splatter und High-Fashion wandelt.
Wer schnappt sich nun den Bären?
Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders hat keine leichte Aufgabe. Während früher oft große politische Parabeln dominierten, geht es dieses Jahr – na klar – um Identität (nicht die deutsche, versteht sich), Familie und das Aufbrechen alter Rollenbilder.
Und natürlich, ich hätte sonst etwas vermisst, gibt es das queere Gefängnisdrama „Animol“: „Mit seiner rohen, aber zärtlichen Erzählweise über Liebe unter widrigsten Bedingungen“ gilt es als heißester Anwärter auf den Goldenen Bären. Na dann…
Der Fokus liegt bei dieser Berlinale weniger auf dem erhobenen Zeigefinger als früher. Das ist gut. Aber ob am Ende „das kraftvolle Kino aus Nigeria“, das „deutsche Rollenspiel-Drama“ oder das „queere Gefängnis-Epos“ gewinnt, ist mir persönlich völlig schnuppe.



Schon bemerkenswert, was so alles unter „Kultur“ verstanden wird.
Ich wüßte gern die genaue Höhe der SteuerInnenzahlergelder, die seitens des Bundes oder/ und der Länder, hier geflossen sind.
Wenigstens wurde der Berliner „Rote Teppich“ von unseren österreichischen Nachbarn als Beispiel für einen halbwegs ordnungsgemäßen Einzug sog. Prominenter in die Festspielarena gefeiert. Beim Wiener Operball wurden zum Mißfallen der deutschen C-Prominenz ja Krethi und Plethi gleichzeitig mit den „Celebs“ auf dem „red carpet“ ausgegossen. O-Ton eines nach Selbsteinschätzung allseits beliebten (Man kennt mich, man mag mich) deutschen Trash-Entertainers: „Die kennt doch keiner!“ Das Dumme daran: Diese „Unbekannten“ finanzieren mit ihren sündhaft teuren Tickets (410 € Eintritt ohne alles) die Veranstaltung.
Und ja, die Berlinale gehört zu den Ereignissen, die dem Normalo locker hinten vorbei gehen, nur zahlen darf er dafür. Eine niedrig dreistellige Anzahl immer der gleichen feiert sich auf Kosten der Algemeinheit. Nepotismus und Satrapentum in Reinkultur. Abhängig von der steuerfinanzierten Filmförderung.
An der Kinokasse reüssieren derweilen die Hollywood-Hau-Drauf-Streifen.
Lange her, dass der deutsche Film noch irgendwie Wegweisendes zuwege brachte: Werner Herzogs oder Wim Wenders‘ Hochzeiten sind schon 40 Jahre vorbei.
Der Rest ist gegendertes Schweigen.
Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben.
Da Film und Theater mit Steuergeld zugeschüttet werden, solange sie nur die richtige „Haltung“ zeigen, wäre es an der Zeit, die Subventionen ersatzlos zu streichen und nach marktwirtschaftlichen Prinzipen von ihren Einnahmen zu leben. Ich erinnere mich mit Grauen an Aufführungen im Wiesbadener Staatstheater, wo selbst die Handlung so erfolgreicher Opern wie dem „Freischütz“ bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde, weil sich der Regisseur (oder war es eine ;in?) selbst verwirklichen wollte. So vergrault man das Publikum.
KANN man(n) alles machen – wenn man(n) im Geld schwimmt.
Sofern aber Rentende kopfüber in Müllkübeln nach Pfandflaschen suchen müssen, das Gesundheits- und Pflegewesen auf dem Rücken liegt und mit allen Beinen strampelt, Schuldächer einstürzen, Schulklos nicht funktionieren, Brücken zusammenbrechen und wir nicht einmal für mehr als drei Tage „verteidigungsfähig“ sind, sollte man ( frau auch ) vielleicht besser noch einmal nachdenken …
Wer zu den Älteren in unserer Gesellschaft gehört, mag sich Neuinszenierungen von klassischen Opern oder Schauspielen nicht mehr antun und sich lieber an die Aufführungen vor Jahrzehnten erinnern.
Auch bei den Filmen gilt es, sorgsam auszuwählen und oft finden sich in der Mediathek hervorragende Streifen.
Ärgerlich ist die Förderung von Filmen, die uns erziehen wollen oder uns eine schöne neue Welt vorgaukeln, die einfach nur gruselig ist.
Da erinnern Sie mich an meinen – ausgerechnet – ersten Besuch der Semper-Oper vor gut 20 Jahren.
Wir waren ca 16 Nasen, allesamt reaktionär in Smoking/ Abendgarderobe gewandet und freuten uns auf „Nabucco“.
Der Bau beeindruckt ja schon von außen. Innen noch beeindruckender.
Dann ging es los.
Vorhang auf – und man ( frau auch ) blickte von außen auf die Mauern und Wachtürme eines KZ, die Wärter in entsprechender Uniform, bewaffnet mit längst verbotenen Armbinden und Karabinern 98K.
Musik- und gesangstechnisch ok, aber das Bühnenbild …
Eine „moderne“ Vorstellung, in der wir geradezu overdressed waren. Jeans und Sneakers und Dreitagebart wären passender gewesen …
Zumindest der anschließende Abend war sehr erbaulich.
@H.K.
So dürfte es mittlerweile in den meisten deutschen Theatern und Opernhäusern aussehen. Kostüme von KZ Häftlingen im Freischütz, Pippi Langstrumpf in „Ariadne auf Naxos“ und radikale Änderung am Libretto, „Tannhäuser“ oben ohne, all das habe ich erlebt, einmal bin ich mitten in der Vorführung rausgegangen, was bei einer 2-er Loge unproblematisch war.
Im Fernsehen kann man gelegentlich Inszenierungen auf den großen Bühnen der Welt sehen:
Ein „Freischütz“ auf der Seebühne in Bregenz, bei dem die Sänger fast permanent im Wasser stehen.
Am MusikTheater in Wien eine „Norma“, die in einer sozialistischen Fabrik im khakifarbenen Overall die Vorarbeiterin ist.
Bei einer Aufführung von „Die Entführung aus dem Serail“ vor etlichen Jahren in Salzburg erschien zu Beginn ein Pärchen auf der Bühne, entkleidete sich und trat wieder ab. Normal?!
Warum kann man die großen Werke nicht so inszenieren, wie sie gedacht wurden? Der Zuschauer ist durchaus fähig, Parallelen zur Gegenwart zu ziehen, ohne daß er mit der Nase darauf gestoßen wird.
Kann man(n) alles machen – wenn es Menschen gibt, die das nicht nur sehen wollen, sondern auch bezahlen. Von IHREM Geld – nicht von „SteuerInnenzahlern“ finanziert.
Aber nach der heutigen „NIUS“-Sendung wundert mich in diesem Land gar nichts mehr – auch nicht „Herzlich Willkommen, liebe Angela !“ …