Der Mord an Miguel A. (23): Grausames Spiegelbild einer gleichgültigen Gesellschaft, die zunehmend verwahrlost
Viele Menschen in Zella-Mehlis müssen die sich über Stunden wiederholenden Schreie und Hilferufe von Miguel A. (23) gehört haben in dieser Nacht im Juni des vergangenen Jahres in der thüringischen Kleinstadt. Und es gab sogar Augenzeugen, die gesehen haben, wie da ein junger Mann, gezeichnet von schweren Misshandlungen und nur in Unterwäsche, durch ein Wohngebiet der 13.000 Einwohner-Stadt rennt. Um sein Leben rennt. Doch niemand hilft in dieser Nacht in Zella-Mehlis. Nicht ein einziger kommt wenigstens auf die Idee, 110 zu wählen und die Polizei zur Hilfe zu rufen.
Fenster bleiben geschlossen, die Türen verriegelt – was für ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft…
Am nächsten Morgen findet irgendwer die Leiche von Miguel in einem Bachlauf. Opfer einer grausamen Gewalttat und ebenso das Opfer einer kollektiven Passivität, des Versagens von Menschen, die sich vermutlich alle für gute Bürger und nette Nachbarn halten.
Vor drei Tagen hat vor dem Landgericht in Meiningen der Prozess und die Aufarbeitung dieser widerlichen Ereignisse begonnen.
Angeklagt sind vier junge Menschen: zwei Mädchen, damals im Alter von 15 und 16 Jahren, und zwei männliche Jugendliche. Gemeinschaftlicher Mord durch Unterlassen und gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft. Egal, was die Richter letztlich urteilen werden, es bringt Miguel nicht zurück, der als lebensfroher junger Mann galt, der für seine Familie eine glückliche Zukunft aufbauen wollte.
Doch daraus wird nichts, denn der junge Mann wurde von ein paar gefühlskalten Kindern, die er kannte, über Stunden gequält. Sie schlugen ihn mit einem Gürtel, sprühten ihm Tierabwehrspray in seine Augen, und dann hetzten sie ihn durch den Ort bis zu einem Bachlauf, in den Miguel völlig orientierungslos stürzte und ertrank. Seine Peiniger sollen dabei zugesehen haben.
Die Gewalttat ist erschütternd
Und erschütternd ist auch, dass Miguels verzweifelter Kampf ums Überleben nicht im Verborgenen stattfand.
Die Polizei vernahm später über 50 Zeugen. Viele gaben zu, sie hätten damals Schreie gehört. Und einige sahen die Treibjagt sogar durch ihre Wohnungsfenster. Doch niemand unternahm etwas. Kein einziger. Das alles belegt eine tiefe Erosion unseres gesellschaftlichen Fundaments. Und bitte, denken Sie nicht, dass sowas nur ein bedauerlicher Einzelfall ist!
Der Fall Miguel A. reiht sich in eine alarmierende Serie von Gewalttaten in Deutschland ein, bei denen die Täter immer jünger und die Taten immer enthemmter werden.
Experten warnen seit Jahren vor der zunehmenden Verrohung und moralischen Verwahrlosung wachsender Teile unserer Gesellschaft. Ein schleichender Prozess, eine Symbiose von Empathie-Verlust, nie gelernter sozialer Kompetenz – weder im Elternhaus noch in der Schule – und wahrscheinlich auch der Digitalisierung, wo das eigene Leben weitgehend im Smartphone stattfindet. So schwindet dann irgendwann, manchmal schnell, die Fähigkeit, das Leid anderer als eigenes Problem überhaupt noch wahrnehmen zu können. Was geht mich das an…?
Aber es gibt einen wichtigen Aspekt, vor dem wir auch die Augen nicht verschließen dürfen
Die Zurückhaltung von Zeugen ist oft Ausdruck eines tiefen Misstrauens gegenüber dem Staat und der Angst vor möglichen Rache gewaltbereiter Gruppen oder davor, „in irgendwas reingezogen zu werden“.
Schmerzhaft für Miguels Angehörige ist auch der Ausschluss der Öffentlichkeit
Wieder einmal ist auch hier der Opferschutz wichtiger als die Tat selbst, weil zwei der Angeklagten minderjährig sind. Vor dem Gerichtsgebäude in Meiningen demonstrierten zum Prozessauftakt Freunde und Verwandte mit Plakaten: „Gerechtigkeit für Miguel“. Sie fordern Transparenz, doch das Gesetz erwartet Diskretion.
So darf das nicht bleiben!
Die Grausamkeit dieser Tat schreit geradezu nach öffentlicher Aufarbeitung. Ein Mord durch Unterlassen, begangen von Kindern und Jugendlichen an einem wehrlosen jungen Mann, das darf nicht im Stillen verhandelt werden, wenn die Ursachen dafür uns alle, jeden Einzelnen, betreffen!
Der Tod von Miguel A. ist ein brutaler Weckruf an die ganze Gesellschaft, denn die Wirklichkeit, die hier sichtbar wird, erzählt von Entmenschlichung, Gleichgültigkeit und Verwahrlosung. Das sind keine guten Grundlagen für die Zukunft unserer Kinder und Enkel.



Erschreckend. Grausam. Entsetzlich.
Nicht nur, daß solche Taten geschehen.
Nicht nur, daß kollektives Wegsehen inzwischen an der Tagesordnung ist.
Besonders erschreckend, grausam und entsetzlich ist für mich, daß KINDER in der Lage sind, etwas Derartiges zu tun.
Und wahrscheinlich hat noch nicht einmal EINER ein „schlechtes Gewissen“. Vermutlich wissen diese „Kinder“ gar nicht, was das ist.
Im Grunde passt dieses „Ereignis“ in die Reihe, zusammen mit dem Bericht über die verwahrlosten Kinder, die nur durch Zufall entdeckt wurden.
Man fragt sich unwillkürlich, WAS bitte ist in diesem Land los, im „Land der Dichter und Denker“, im „besten Deutschland, das wir jemals hatten“, im „Land, in dem wir gut und gerne leben“ ???
Wenn Kinder keinerlei Konsequenzen erwartet, wenn sie z.B. kleine Igel als Fußbälle durch die Gegend schießen oder ansonsten sich an wehr- und hilflosen Tieren auslassen, wundern wir uns und jaulen geradezu auf – zumindest einige, die, die noch nicht komplett abgestumpft sind.
Aber woher kommt ein solches asoziales, völlig unemphatisches Verhalten von Kindern und Heranwachsenden ?
Und insbesondere, woher kommt ein solches verstörendes Verhalten gerade bei Mädchen ?
Wir haben uns als Junx früher auch mal auf dem Nachhauseweg von der Schule geprügelt. Wobei das Wort „prügeln“ damals eine völlig andere Bedeutung hatte. Meist war der „Höhepunkt“, daß es ein paar Ohrfeigen von allen beteiligten Lausebengels gab.
Niemand von uns, da bin ich sicher, wäre auf die Idee gekommen, einem anderen Jungen und erst recht keinem Mädchen auf den Kopf oder ins Gesicht zu treten oder auf den Körper zu springen.
Niemand von uns wäre auf die Idee gekommen, einen kleinen, zufällig gefundenen Igel als Fußball durch die Gegend zu schießen. Eher wäre der kleine Kerl mit nach Hause genommen und aufgepäppelt worden.
Seit Jahren reden wir darüber, daß jugendliche Täter vor Erreichen des 14. Lebensjahres nicht strafmündig sind.
Sie können einen Obdachlosen anzünden, einen Menschen halb tot prügeln: Es werden im schlimmsten Fall die Personalien festgestellt und der kleine Racker „seinen Erziehungsberechtigten übergeben“, auch, wenn die selbst heillos überfordert sind.
Konsequenzen ? Keine. Im äußersten Fall drei Stunden iphone-Entzug, der beim ersten Genöhle sofort beendet wird, damit die Eltern ihre Ruhe haben.
Und die Schule ?
Wie soll eine halbwegs vernünftige „Erziehung“ in der Schule ein verkorkstes Elternhaus ersetzen, wenn in der Klasse kaum jemand Deutsch spricht und neben einem Klassenlehrer noch bis zu vier Sozialarbeiter für zumindest ein wenig Ruhe und Ordnung sorgen müssen, wenn Lehrer von den lieben Kleinen mit den süßen braunen Augen bedroht oder sogar mit einem Messer angegriffen werden ?
Wie sollen Kinder lernen, sich „gesittet“ ( was für ein altmodisches Wort ! ) oder „sozial“ zu benehmen, wenn sie mitbekommen oder hören, wie Lehrer Angst vor ihnen haben, wie im Krankenhaus und in der Notaufnahme Ärzte und Krankenschwestern angegriffen und verletzt werden, wenn sie erleben, daß vielerorts das Recht des Stärkeren gilt ?
Und wie sollen Jugendliche und auch Erwachsene Respekt und Achtung ( auch so etwas Altmodisches ) lernen oder entwickeln, wenn sie mitbekommen, daß sogar in der Politik in höchsten Kreisen gelogen wird, daß sich die Balken biegen und niemand, wirklich niemand, zur Rechenschaft gezogen wird ?
Wer bitte ist in diesem Land für was und für wen noch ein „Vorbild“ ??
Eine „Ruckrede“ à la Roman Herzog reicht hierzulande bei Weitem nicht mehr aus, um all das, was jahrzehntelang völlig verbockt wurde, wieder geradezurücken.
Wie sagte ein Freund kürzlich ? „Dieses Land hat den Kipp-Punkt längst überquert“.
Ich fürchte, er hat recht.
Am Abend kommt folgende Meldung:
„Mindestens 100.000 Euro Schaden
Mädchen ( 15 ) soll zwei Wohnhäuser angezündet haben“.
Wohl nur durch ein Wunder wurde bei den nächtlichen Bränden niemand in den Mehrfamilienhäusern verletzt. Es hätte auch ganz anders ausgehen können.
Quelle: Bild online, 11.01.2026, 20:18
Wir haben einen Kanzler der es vollkommen legitim findet, ungeborenes Leben bis zur Geburt zu entsorgen. Was wundern wir uns?
„Grausames Spiegelbild einer gleichgültigen Gesellschaft, die zunehmend verwahrlost.“ M. E. fängt die – emotional-intellektuelle – Verwahrlosung, ich hole mal etwas weiter aus, in den sogenannten bürgerlichen Kreisen an. Da werden Menschen von anderen, die sich so sehr um rechte „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ sorgen, salopp als „Nazis“ (Esken: „Nazi-Partei“) oder „Faschisten“ bezeichnet, da benehmen sich im Bundestag Abgeordnete (unsere Volksvertreter[*innen]) grenzwertig.
Ja, ok, das Parlament ist auch dazu da, unterschiedliche Ansichten pointiert vorzutragen, man muss nicht nur süßlich-nett sein, aber es wird zum Teil schon stark geholzt, mit äußerst aggressiven Untertönen, oft als Kampf AfD gegen Rest der Parteien/Rest der Parteien gegen AfD. Gut, dass Bürger die Bundestags-Protokolle unserer Elite nicht lesen!
In der WELT bezeichnet eine leitende Redakteurin (Franziska Zimmermann) die AfD und die (bezeichnenderweise dann kaum thematisierte) Linke gleich mal als „Deutschland-Hasser“. Darunter geht es heutzutage nicht. „Hass“ ist ein Modewort politischer Narrative geworden. Und es ist immer die andere Seite, die „hasst“. (S. Freud lässt grüßen.)
Will sagen: Was wundern wir uns über den Extremismus und Gewalt der „Straße“ bzw. nicht sozialisierter junger unkontrollierter Straftäter, wenn Feindseligkeit heutzutage in bürgerlichen Kreisen verbal entspannt ausgelebt wird. Hohe Feindseligkeit geht einher mit mangelnder Empathie für die Gegenseite.
Bei denjenigen, die Gewalt zugucken, ist es aber wohl nicht immer mangende Empathie, sondern schlicht: Angst, sich einzumischen. Nicht gut, aber zum Teil nachvollziehbar.
Ja, alles richtig, liebe(r) @EH,
allerdings nehmen sich die Parteien gegenseitig nichts. Herr Brandner und Frau Weidel sind im Holzen da zumindest auf Augenhöhe mit den anderen.
kk
Lieber Herr Kelle,
die Aussage, dass niemand die 110 gewählt hat, ist wahrscheinlich nicht ganz richtig. Ich habe im Internet unter MDR-Aktuell vom 19. Juli 2025 folgende Aussage gefunden:
„Auf MDR Thüringen-Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni mehrere Notrufe eingingen und auch Polizei aus der Dienststelle in Suhl entsandt wurde. Weitere Infos zu den Einsätzen oder der Anzahl der Notrufe hat die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht mitgeteilt.“
Das nährt die Hoffnung, dass die Menschen nicht ganz so herzlos sind. Es gibt eher auf dem Land ein Problem mit der polizeilichen Präsenz vor Ort. Ich kenne die Örtlichkeit in Thüringen nicht, kenne stattdessen meine Situation im Rheinland gut. Sollten ich im Rheinland in einer Sommernacht Hilferufe auf der Rheinuferstraße hören und die 110 rufen, kommt die Polizei aus der 20 km entfernten Kreisstadt. Theoretisch wollen sie innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein. Praktisch bedeutet das im Sommer, Urlaubszeit und alle Streifenwagen sind bereits in der Kreisstadt im Einsatz und wenn sie dann mal da sind, sind sie auch sofort wieder weg.
Lieber @Querdenker,
vielen Dank für den Hinweis. Ich kümmere mich mal darum, dazu mehr Infos zu bekommen.
kk
Nochmal @Querdenker,
wir haben nachgefragt bei der Staatsanwaltschaft.
In der Tatnacht im Juli 2025, als der Miguel A. durch die Straßen von Zella-Methis um sein Leben rannte, gab es keinen einziger Notruf bei der Polizei zu dem Verbrechen. Nicht einen.
Hinterher hätten Zeugen gesagt, sie hätten da zwar was gehört, aber nicht als lebensbedrohlichen Notfall eingeschätzt und deshalb nicht 110 angerufen.
Die Gerüchte, dass Bürger angerufen hätten und die Polizei nicht gekommen sei, werden von den Behörden explizit als falsch bezeichnet.
kk
Gerade heutzutage könnte man sich vorstellen, dass ein aus dem Tiefschlaf hochgeschreckter – oder auch noch vor dem Bildschirm weilender – Bürger einige Mühe haben dürfte, allein aufgrund der vernommenen Laute einen „nächtlichen Vorfall“ auf der Straße einzuschätzen. Da mag es leider schon vorkommen, dass Hilferufe oder andere Laute falsch eingeschätzt werden könnten. Deshalb mein Vorschlag. – was immer uns an verzweifelten Rufen zu nächtlicher Stunde erreichen könnte, sollte, um nur nichts zu versäumen, bedingungslos und sofort der Polizei gemeldet werden. Ausnahmslos. Angesichts nicht eben weniger grausamer nächtlicher Verbrechen im Land wird die Polizei dem wohlmeinenden Ohrenzeugen später wohl kaum Vorwürfe machen. Jedenfalls sollte sie es nicht. Wie ich mich selbst kenne, hätte ich einen Notruf abgesetzt. Schließlich gab es auch in diesem Falle nur zwei Möglichkeiten. Entweder hätte sich meine vorsorgliche Meldung zugunsten des armen Opfers „bezahlt gemacht“, oder man wäre auf einen „gröberen Scherz“unter Jugendlichen hereingefallen. Und wenn man mich am Tag danach vielleicht auch als hysterisch bezeichnet hätte und meinen Notruf als überzogen (ob einer „etwas lauteren Auseinandersetzung“ unter Jugendlichen) bezeichnet hätte? So what?! – Schließlich habe ich selbst schon zweimal in meinem jungen Leben die Erfahrung machen müssen, wie es sich anfühlt, wenn man selbst in der Opferrolle steckt, verzweifelt um Hilfe schreit, aber die Schreie vermeintlich(!) ungehört in der Dunkelheit verhallen.