Donald Trump hält die Welt in Atem – aber dieses Mal sind Deutschland und Europa vorbereitet

Langweilig ist es nicht mehr auf der Welt, seit US-Präsident Donald Trump am 20. Januar die Amtsgeschäfte im Weißen Haus übernommen hat. Seine Ankündigung – hohe Strafzölle gegen alle entwickelten Handelsländer und Verbündeten zu erheben, sofern die nicht ihre Produktion in die USA verlegen – ist ein beispielloser Schachzug. Allerdings einer, der sich für die Vereinigten Staaten zum Boomerang erweisen könnte. Denn so langsam zeichnet sich ab, dass die Staaten der Europäischen Union (EU) einen Plan haben, es ihrem einstigen Anführer der freien Welt heimzuzahlen.

Und das wirft erneut die Frage auf, ob Trump wirklich so erratisch denkt und handelt, oder ob er einen genialen Plan hat, den Westen insgesamt stärker zu machen und Lasten und Fähigkeiten auf viele starke Schultern zu verteilen.

So, wie sie es auch bei der NATO machen

„They have to pay their bills“, hat Trump mehr als einmal auf großer medialer Bühne herausposaunt, und wer könnte ihm dabei ernsthaft widersprechen?
Wenn 40 Prozent der europäischen Handelsschiffe durch den Suezkanal fahren, aber nur drei Prozent der amerikanischen – warum sollen die USA mit großem Aufwand die Sicherheit dort garantieren? Wenn in Europa ein furchtbarer Krieg tobt, zwei Flugstunden entfernt von Berlin, warum sollen die USA deutlich mehr Lasten für die Verteidigung der Ukraine gegen den Wahnsinnigen im Kreml tragen als die Amerikaner?
Man könnte es größer zusammenfassen

Warum müssen 330 Millionen Amerikaner 500 Millionen Europäer vor 130 Millionen Russen schützen?

Trumps Zollverkündigung kann die Europäische Union endlich stark machen, selbstbewusst, handlungsfähig. Und so, wie es scheint, hat sich Brüssel seit Trumps Wahl im November 2024 darauf vorbereitet, dass es Probleme mit dem Mann geben wird.

Nach der vollmundigen Ankündigung aus Washington – übrigens mit markigen Worten und einfachen Schautafeln, leider wackeligen Fakten von Trump erneut meisterhaft inszeniert – hat Brüssel gestern angekündigt, dass es ab Mitte dieses Monats „Gegenzölle“ auf amerikanische Produkte erheben wird. Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder, Jeans und Erdnussbutter. Die werden – cleverer „Move“ – vornehmlich in US-Staaten produziert, die auch republikanische Hochburgen sind.

Das dicht bedruckte EU-Sanktionspapier, das Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gestern präsentierte, listet erstaunlich viele Möglichkeiten auf, der amerikanischen Wirtschaft Nadelstiche zu versetzen, die der Bevölkerung dort nicht gefallen dürften und die den Ruf Trumps als Meister aller „Deals“ beträchtlich schaden könnten. Der Vorsitzende des Handelsausschusses im europäischen Parlament, Bernd Lange (SPD), bezeichnet das Papier martialisch als „Bazooka“ möglicher Gegenmaßnahmen. Und die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses des Europaparlaments, Anna Cavazzini (ebenfalls Grüne), beschrieb sogar detailliert die Möglichkeiten der EU, für US-Unternehmen
den Zugang zu Banken-, Versicherungs- und Kapitalmärkten in Europa einzuschränken. Na, das wäre aber was los…

Und damit wären die Möglichkeiten der Europäer nicht einmal ausgereizt, wenn Sie etwa an eine denkbare „Digitalsteuer“ denken, die US-Konzerne wie Amazon, Netflix, Google oder auch Elon Musks X treffen könnten.

Apropos Elon Musk…

Für den smarten Tech Milliardär läuft es auch gar nicht rund, seit er als Nebenjob seinen Präsidenten beim Bürokratieabbau berät und sich innerhalb Wochen damit erstaunliche viele Feinde geschaffen hat. Der Absatz seiner Tesla-Autos rauscht in den Keller

Konkret: . Der Elektroauto-Hersteller lieferte zwischen Januar und Ende März 336.681 Fahrzeuge aus, deutlich weniger als erwartet, die Tesla-Aktie fiel um fünf Prozent, die Tesla-Neuzulassungen in den Mitgliedsländern der Europäischen Union brachen in den ersten beiden Monaten um 49 Prozent auf nur noch 19.000 Wagen ein. In Deutschland waren die Neuzulassungen im Februar bei mageren 1.429 Fahrzeugen gegenüber 6.038 im Vorjahreszeitraum.

Nein, wir sind nicht wehrlos

Deutschland nicht, und Europa auch nicht. Analysten gehen davon aus, dass die von Trump verkündeten Zölle in den ersten beiden Jahren die Leistung unserer Volkswirtschaft vermutlich um nicht mehr als 0,3 Prozent herunterdrücken wird. Denn die USA – obwohl unser größter Handelspartner – steuern nur 10,3 Prozent unseres Außenhandelsvolumens bei. Das ist viel, aber es ist auch nicht dramatisch. Erst ab dem dritten Jahr könnte es deutlich schlechter werden – wenn in den Vereinigten Staaten allerdings auch die Vorwahlen zur nächsten Präsidentschaft anlaufen.

Sie kennen die alte Volksweisheit: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Nachdem Brüssel seine „Bazooka“ vorgestellt hat, kündigte man an, dass man natürlich gern mit den amerikanischen Freunden über alles reden könne. Und – erstaunlich – Trump reagierte sofort – auf seine ganz eigene Art:
„Solange sie uns etwas geben, das gut ist“, sei er bereit, mit den europäischen Freunden über alles zu sprechen…

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Dieser Artikel wurde 15 mal kommentiert

  1. Luzius Ferase Antworten

    Man sollte doch bitte die jeweiligen Einfuhrsteuern, Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren, die obendrauf kommt, summieren. Das ist mit einfachen Rechenoperationen zu bewerkstelligen. Gut, die Umsatzsteuer ist in den USA etwas komplexer, da jeder Bundesstaat diese selbst festlegt ( Summe aller drei US-USt-Komponenten: 0% Deleware bis rd. 13% Alaska). Dafür gibt es (bisher) keine Einfuhrsteuer. So jedenfalls mein Kenntnisstand.

  2. Paul Antworten

    Und kein Wort davon, dass Trump nichts weiter tut, als seine Zölle an die der EU und anderer Handelspartner anzupassen.

    • Gerd_ Rau Antworten

      Da empfehle ich ihnen Paul Krugmann, ein Top Ökonom, der einfach mal die Steuern verglichen hat und zu dem Ergebniss kommt das Trump Unsinn erzählt.

  3. Martin Ludwig Antworten

    Trump macht genau das, was seine Wähler von ihm erwarten und weswegen seine Umfragewerte sorgar steigen. Das gefällt den Europäern, insbesondere dem links-grünen Block aus NGO’s, Journalisten und Parteien in Deutschland nicht, ist aber dennoch Teil der Warhheit, die diesseits des Atlantiks gerne ausgeblendet wird.

    Trumps Taktik ist dabei längst bekannt. Er strümt nacht vorne und wartet auf die Reaktionen. Dann wägt er ab, wie viel er rausholen kann und rudert wieder zurück. Das geniale dabei ist, er rudert nie ganz zurück, sondern sichert sich jedes Mal eine bessere Ausgangslage für den nächsten Zug.
    Wären wir im american Football, wäre Trump eine Trainer-Legende. Er verliert niemals auch nur einen Yard sondern gewinnt bei jedem Spielzug wichtige Meter.

    Was die Zölle betrifft hat Trump übrigens vollkommen recht:
    Mit welcher Berechtigung erhebt Deutschland beispielsweise 10 % Zölle auf amerikanische Fahrzeuge, während die USA nur 2,5 % auf deutsche Autos erheben? Die EU erhebt im Schnitt 39 % Zölle auf amerikanische Waren. Die USA dagegen ungefähr 15 % auf Europäische.
    China erhebt 67 %, die USA künftig 34 %… die Liste geht endlos so weiter und fast immer verliert die USA in der Gegenüberstellung. England hingegen erhebt 10, die USA ebenfalls – es geht also doch, wenn sich die EU nichtmehr einmischt in die Politk einzelner Staaten!

    Auch seinen Ausführungen zum Suezkanal und zu unserem Schutz sind absolut richtig und nachvollziehbar.
    Der deutsche Wohlstand basiert zum Teil auf Ausbeutung der USA. Das läuft ähnlich, wie damals mit Afrika, wo heute plötzlich von einer „Schuldkultur“ und „Reputationen“ gesprochen wird.

    Zu Elon Musk sage ich einfach nur, dass jedem Menschen klar sein muss, dass der reichste Mensch der Erde nicht dumm sein kann. Elon weiß, was er tut und Aktienkurse oder Fahrzeugverkäufe interessieren ihn zum Glück so wenig, wie der berühmte Sack Reis in China.
    Musk hat sogar selbst mehrfach erwähnt, dass die Tesla-Aktien hoffnungslos überbewertet sind und er jedem vom Kauf dieser überzogenen Wertpapiere abraten würde.
    Unendlich Reich sein muss dahingehend wahnsinnig schön sein. Man hat endlich die Freiheit zu Sagen und zu Tun was immer man möchte, ohne die Folgen seiner Überzeugungen schmerzlich spüren zu müssen.
    Ich beneide Musk sehr.

  4. Querdenker Antworten

    So wie ich es verstanden habe, hat die US-Administration für Trump alle Kosten, die bei exportierten amerikanische Waren aufgeschlagen werden addiert. Das sind Zölle, Steuern, Bürokratiekosten und Subventionen für heimische Produkte. Danach setzt er diesen Aufschlag in Relation zu den US-Aufschlägen auf importierte Waren. Ob an der einen oder anderen Stelle Äpfel mit Birnen verglichen werden, ändert nichts an der Kernaussage der Schieflage. Die eigentliche Frage ist, wie geht man damit um. Man könnte sich unaufgeregt und mit Selbstbewusstsein mit der US-Seite zusammensetzen. Konstruktiv nach vorne schauen, welche Handelshindernisse können weg, um dem Handel für beide Seiten zu erleichtern. Man könnte damit gemeinsam eine Antwort zum chinesischen Staatskapitalismus finden. Genau das sehe ich aber nicht. Vielmehr bestätigen die Trump-Hasser das Sprichwort „Getroffene Hunde bellen“ und zusätzlichen stellt man im trotzigsten deutsch/europäischen Größenwahn eine Liste mit Gegenzöllen auf. Selbstverständlich haben die Bürokraten dabei wieder 150-prozentige Arbeit geleistet. Dieser Größenwahn kommt mir vor wie eine Ameisenstadt, auf deren Hügel ein Elefant getreten ist. Die Ameisen krabbeln aufgeregt umher und eine Ameise schafft es sogar auf den Elefantenrücken und unten brüllen sie „würg ihn Uschi, Uschi mach ihn kalt“.

    • Dr. Hildegard Königs-Albrecht Antworten

      Verhandlungen mit Trump machen auf jeden Fall mehr Sinn als jetzt Zölle auf amerikanische Waren zu erheben. Damit dreht man nur an der Zollschraube.

      Der wichtigste Punkt in Trumps Zollpolitik scheint das Ungleichgewicht zu China zu sein. Die Chinesen überschwemmen den amerikanischen Markt mit Billigprodukten, die nicht nur durch Niedriglöhne und Arbeitseifer günstig sind, sondern auch noch vom Staat subventioniert werden.
      So machen sie zum Beispiel mit kleinen, preiswerten Elektrofahrzeugen der europäischen Autoindustrie so stark Konkurrenz, daß sie den Markt komplett beherrschen.

      • H.K. Antworten

        Wenn et‘Uschi mit dem Fuß aufstampft, dann wird das so gemacht – bis The Donald kleinmütig in Brüssel angekrochen kommt !

      • Martin Ludwig Antworten

        Na dann müssen die Grünen wohl Mal einen Offenbarungseid leisten. Geht es wirklich um CO2 und Klimaschutz, dann sind billige Elektroautos für die breite Masse doch genau der richtige Weg… und wenn die Chinesen dann auch noch die Subventionen anstelle der Deutschen übernehmen, dann ist das doch der feuchte Traum von Annalena und Ricarda?!

        …oder geht es beim Klimaschutz vll. in Wahrheit um etwas ganz anderes und die „neue Freiheit“ der Mittelschicht ist so überhaupt gar nicht im Sinne der kommunistischen Parteien, die Mobilität und den Freiheitsbegriff der damit verbundenen ist durch die Hintertür abschaffen wollten…

        Ein Schelm, wer böses denkt.

  5. Tina Hansen Antworten

    SO allmählich sollte man doch gelernt haben, „The Donald“ zu lesen. Er will einen Deal machen. Also Aufregung weg und verhandeln.

  6. gerd Antworten

    „aber dieses Mal sind Deutschland und Europa vorbereitet“

    Das denke ich nicht. Deutschland und Eurpa können mit Politkern die ihre Wahlversprechen einhalten nichts anfangen. Das ist völliges Neuland für unsere korrupte Politikerkaste.

  7. thomas0469 Antworten

    Die Digitalsteuer – die brillante Idee von Baerbock und von der Leyen. Wenn die nur endlich erhoben wird, dann werden die Europäer alle in Scharen zu den nicht existierende Alternativen aus Europa wechseln….
    Mal ehrlich – keine Gemeindeverwaltung hierzulande ist in der Lage auch nur einen Brief ohne Windows und MS Office zu schreiben, obwohl es da durchaus Alternativen gibt.

  8. Johannes Antworten

    Ich sehe das ganz anders: Auf dass, was kommt, wenn’s so weitergeht, ist Deutschland & die EU nicht im mindesten vorbereitet.

    Die sozialistische Attitüde, die in wirtschaftlicher & gesellschaftlicher Hinsicht in der EU & v.a. in Deutschland um sich greift, ist denkbar ungeeignet, den USA Paroli zu bieten.

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