Olympia mit ARD-Volkserziehung
ARD gucken – das verkneife ich mir seit Jahren nahezu konsequent. Ich kann diese Volksbeglückungs- und Erziehungssender der ARD und natürlich auch das ZDF nur noch schwer ertragen. Als aber am Freitagabend im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele stattfand, gab ich mir mal einen vergleichsweise kurzen Ruck.
Der Sportkommentator Tom Bartels und „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo waren aufgeboten worden, und dass es eine gewisse politische Brisanz geben würde, war absehbar. Er glaube, viele Menschen dächten „heute an etwas anderes“, verkündete di Lorenzo. Es sei aber ein Hoffnungsschimmer, dass der Iran erstmals eine Frau ins Olympische Komitee gewählt habe. Als dann die israelischen Sportler kamen, waren erwartbar laute Pfiffe und Buhrufe zu hören.
In Italien gebe es eine „extrem israelkritische Öffentlichkeit“ und starke Sympathien für die Palästinenser, ließ di Lorenzo uns Zuschauer wissen. Immerhin täten ihm die Israelis leid, weil sie die Schmähungen aushalten müssten, obwohl sie ja nichts für die Regierung von Benjamin Netanjahu könnten.
Ich dachte zuerst, ich hätte mich vielleicht verhört. Wird das politische Framing der Staatsanstalten jetzt auch auf den Sport übertragen? Im Iran hat das Mullah-Regime bei Protesten in den vergangenen beiden Monaten Tausende friedfertige Protestler umgebracht. Wenn also schon Volkserziehung: Wie wäre es mal mit ein paar Worten dazu, lieber Kollege di Lorenzo?

 

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Dieser Artikel wurde 1 mal kommentiert

  1. H.K. Antworten

    Die dezentrale Eröffnungsfeier an verschiedenen Orten war schon gewöhnungsbedürftig – zumindest für meinen Geschmack.

    Ich bin mir nicht sicher, welche Sportveranstaltungen Giovanni di Lorenzo bislang so alles moderiert bzw. kommentiert hat.

    Seine gestrigen packenden, mitreißenden und begeisternden Kommentare lassen eine steile Karriere bei den Öffentlich Rechtlichen erwarten …

    Ein geborener, nein, ein begnadeter Sportjournalist mit Haltung.
    Bleibt zu hoffen, daß er – wenn auch nicht im Bild – doch die Regenbogenbinde am linken Arm trug.

    🫢🫢🫢

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