Schäuble und die Punks auf Sylt: Wie wäre es denn mal mit arbeiten?

Erinnern Sie sich noch? Im Sommer waren Dutzende sogenannte „Punker“ mit dem 9-Euro-Ticket auf die (nicht nur) bei Wohlhabenden beliebte Insel Sylt gereist und hatten dort – im wahrsten Sinne des Wortes – ihre Zelte aufgeschlagen. Medienberichten zufolge gab es weniger Proteste der Gäste als der Kommunalpolitiker und Gastronomen vor Ort, die für die Zukunft ausbleibende Gäste befürchteten. Inzwischen ist der Spuk vorbei und die Punks zogen nach mehreren Wochen friedlich wieder ab.

Erst jetzt wurde aber eine interessante Geschichte bekannt, die sich damals dort ereignete.

Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble – er wird morgen 80 Jahre alt – verbrachte damals ebenfalls seinen Urlaub auf Sylt. Ein Mann aus dem „Zeltlager“ hatte Schäuble daraufhin angeschrieben, ob er bereit sei, mit ihnen ein Gespräch zu führen. Und was machte Schäuble? Er rief den Problem-Bürger direkt an, um sich zu einem Treffen zu verabreden. Schäuble: «Damit hatte er nicht gerechnet.»

Und so fand dieses ungewöhnliche Treffen tatsächlich statt. «Sie haben einen Tisch für mich hingestellt, mit Kaffee, Milch, Wasser, Apfelsaft. Wir haben dann eineinhalb Stunden kontrovers debattiert», erzählte der frühere Bundesminister und Bundestagspräsident.

Hauptsächlich sei darüber diskutiert worden, dass Sylt nicht allein den Reichen gehöre. «Sie wollten die Kurtaxe nicht zahlen, da war ich nicht mit ihnen einer Meinung», erzählte Schäuble später dem Berliner „Tagesspiegel“. Und weiter: «Ich habe ihnen gesagt, wenn sie Geldprobleme hätten, könnte ich Ihnen vielleicht einen Aushilfsjob vermitteln.»

Die Resonanz auf das Angebot sei allerdings gering gewesen.

 

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Dieser Artikel wurde 2 mal kommentiert

  1. H.K. Antworten

    „ Inzwischen ist der Spuk vorbei und die Punks zogen nach mehreren Wochen friedlich wieder ab.“

    So ganz freiwillig war der Abzug wohl nicht …

    „ Mehr als drei Monate bevölkerten bis zu 50 Punks („Für mehr soziale Gerechtigkeit“) die Promi-Insel Sylt.
    Erst lagerten sie vor der Wilhelmine, dann vorm Rathaus, auch ein Ausflug nach Kampen stand auf dem Programm und sorgte für Unbehagen im Millionärs-Dorf.
    Es hagelte Beschwerden über Lärm, Dreck und Hinterlassenschaften.

    Montag die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig: Die Punks müssen ihr Lager räumen.
    Mittwoch früh rückten 120 Polizisten mit Helmen und Knüppeln an, um das Urteil durchzusetzen. …“

    ( Bild, 14.09.2022 )

  2. S v B Antworten

    Vielleicht würde Herr Schäuble sich ja auch zu Gesprächen mit den Straßenklebern bereit finden? Schließlich sollte auch bezüglich dieser uneinsichtigen Störenfriede nichts unversucht bleiben. Mitunter tun sich selbst noch für altgediente Spitzenpolitiker völlig neuartige Einsatzmöglichkeiten auf.

    Irgendwie vermeine ich in erstgenanntem Fall „entfernte Parallelen“ zur neuesten Praktik einiger US-amerikanischer Gouverneure zu erkennen. Diese haben vor Kurzem damit begonnen, zentral- und südamerikanische Migranten aus republikanisch regierten Staaten in demokratisch regierte zu verfrachten. Dort sind diese jedoch ganz und gar unwillkommen. Nicht ganz unähnlich also dem „verhaltenen Empfang“ für die ebenso unerwünschten Besucher der Insel Sylt.

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