Die erste Fernsehdebatte der Kandidaten um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ist vorbei. Gut so! Wie Sie wissen, bin ich grundsätzlich ein großer Bewunderer der USA und des american way of life. Ein Land, aufgebaut auf Freiheit und Recht, das jedem Bürger den Weg frei räumt, etwas aus seinem eigenen Leben zu machen – der Tellerwäscher, Sie wissen schon – ist phantastisch. Und in direktem Vergleich zu den kollektivistischen Systemen, in denen der Einzelne nichts zählt, überstrahlt es auch heute noch glanzvoll alle anderen Gesellschaftsmodelle.  John Winthrop, beschrieb die “Shinig City upon a Hill” im Jahr 1630, nachdem er mit elf Schiffen und 700 Siedlern die neue Welt erreicht hatte, in einer Predigt, die der frühere US-Präsident Ronald Reagan am 11. Januar 1989 in seiner Abschiedrede an die Nation aufgriff. Er sagte:

„Ich habe von der strahlenden Stadt mein ganzes politisches Leben lang gesprochen, aber ich weiß nicht, ob ich jemals genau das vermittelt habe, was ich sah, als ich davon sprach. Aber in meiner Vorstellung war es eine große stolze Stadt, gebaut auf Felsen stärker als Ozeane, windgepeitscht, von Gott gesegnet und von Menschen aller Art bewohnt, die in Harmonie und Frieden lebten…”

(Die ganze Rede ist ein Genuss für Menschen, die die “Reagan-Revolution” damals verfolgt haben. Sie können die Ansprache des unvergesslichen Präsidenten unten in voller Länge anschauen. Der Teil, von dem ich hier schreibe, beginnt etwa bei 18:00 min)

Und gestern nun diese Fernsehdebatte. Nichts dokumentiert mehr den beunruhigenden Absturz dieser so vitalen Nation, den wir in diesen Tagen erleben, als das Aufeinandertreffen dieser beiden Sturköpfe. Unfähig zum Austausch unterschiedlicher Konzepte, unfähig, dem anderen zuzuhören, unfähig, die vorher vereinbarten Regeln für die Debatte auch nur im Ansatz zu akzeptieren. Ein Beispiel dafür, wie man es in einer demokratischen und zivilisierten Gesellschaft auf keinen Fall machen sollte. Eine einzige Enttäuschung….

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Dieser Artikel wurde 18 mal kommentiert

  1. Querdenker Antworten

    Für mich ist das der Ausdruck einer politischen Elite, die nicht in der Lage ist vernünftig miteinander zu kooperieren und gar nichts von der menschlichen Kommunikation verstanden und verinnerlicht hat. Wir erwarten alle, dass ein Handwerker seine Werkzeuge professionell einsetzt. Das Werkzeug von Politiker und Journalisten ist das geschriebene und gesprochene Wort und sie setzen ihr Werkzeug stümperhafte ein. Vielleicht ist das Hauptproblem die Zielsetzung, der Handwerker will eine gute und ehrliche Arbeit abliefern und dazu braucht er sein Werkzeug. Politiker wollen nicht untereinander und mit den Bürgern offen und ehrlich kommunizieren und kooperieren und für alle Seiten eine akzeptable Lösung finden. Sie wollen ihre persönlichen Pfründe sichern, Macht ausüben und ihre Vorstellungen durchdrücken. Für diesen Zweck wären eigentlich Knüppel und Schwert die geeigneteren Werkzeuge. Glücklicherweise nutzen wir diese Waffen in unserer Zeit nicht mehr und sie müssen es mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort bewerkstelligen. Was dann regelmäßig in die Hose geht, besonders schön bei Twitter und Facebook zu beobachten, in den USA wie bei uns.

    • DivineCrusader Antworten

      Interessant. Wäre ja hier das gleiche. Es geht nicht um die Sache, sondern um links gegen rechts, für viele im Prinzip um Gut gegen Böse.
      Da braucht es keine Argumente, keinen Austausch.
      Selbst wenn man in der Sache der anderen Seite mal zustimmen würde kann man es nicht, denn es sind ja die Bösen.

      • S v B Antworten

        Da diese tiefe, durch zunehmend verbissenere Unversöhnlichkeit geprägte, Spaltung der jeweiligen Gesellschaften fast schon zum Markenzeichen einiger westlicher Länder avanciert ist, darf man bezweifeln, dass die so harten, paralysierenden und total kontraproduktiven Verkantungen in naher Zukunft zu lösen sein werden. Bereitschaft zu Kompromiss und Aussöhnung ist eigentlich nirgends mehr vorhanden. Man könnte spekulieren, dass die im Vergleich zu früher völlig veränderte, mehrheitlich digitale Medienlandschaft einen ganz erheblichen Beitrag zu dieser bedauerlichen und höchst Besorgnis erregenden Entwicklung leistet.

  2. Achim Koester Antworten

    Man verzeihe mir das Wortspiel, aber nach dieser Debatte traue ich allen “Biden” nicht zu, ein guter Präsident zu sein.

  3. H.K. Antworten

    Verwunderlich ist für mich der Ton, der normalerweise die Musik macht.

    „Halt doch mal die Klappe, Frau“ – man stelle sich Derartiges einmal beim Duell Merkel ./. Scholz vor …

    Da wundern wir uns, daß niemand mehr Respekt – vor wem oder was auch immer – hat ?

    O tempora, o mores …

    • S v B Antworten

      Na ja, auch in der deutschen Politik hat sich schon manch hochrangiger Politiker völlig im Ton vergriffen. Ich verweise hier nur auf Herrn Pofalla, der Herrn Bosbachs “Fresse” nicht mehr sehen mochte, sowie auf das Taubersche “Arschloch”, ein Etikett, welches Tauber all denen anheftete, die nach seinem Dafürhalten nicht (genug) für Merkel waren. Von Contenance und Edelmut strotzten solche Aussagen nun wirklich nicht. Aus den politischen Glashäusern dieses Landes fliegen mitunter also auch ganz beachtliche Brocken.

      • H.K. Antworten

        Ja, Sie haben recht.

        Zu den beiden genannten „Herren“ äußere ich mich nicht.
        ( Es wäre wenig schmeichelhaft. )

        Zumindest wurden deren Aussahen nicht vor laufenden TV-Kameras getätigt.

        Übrigens im Gegensatz zu „A…… im Bundestag“ aus dem Mund des sym- und em-pathischen, leider, leider leicht gestrauchelten ( zugereisten, nicht echten ) Hamburger Politikers mit glücklosen Ambitionen auf das Amt des Wehrbeauftragten …

        Und dann war da noch der weltgewandte, mittlerweile wieder weniger vollschlanke turn-beschuhte Grüne, dem zufällig ein Polizist in die Faust lief, mit seiner Äußerung „mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein A…“.

        😁

  4. HB Antworten

    Egal, was man über Trump findet, er scheint ein guter und erfolgreicher Vater zu sein. Da kann er punkten. Mehr Erfolg, als dass es in der eigenen Familie gut weitergeht, kann man als Mensch nicht haben!

  5. DivineCrusader Antworten

    Grade gelesen auf tagesschau.de, dass Trump und Biden sich gegenseitig Versagen vorwerfen. Frei nach Pispers:”Da ham’se endlich mal alle Recht.”. 😀

  6. HB Antworten

    Meine USA-Cousine: ….like to little Boys in the schoolyard…
    Frage: “Tauschen wir? Wir nehmen Trump und Ihr die Merkel”
    “I actually saw several videos with her shaking…..”
    “…..die deutschen Medien dürfen das nicht zeigen…”
    So, wie es auch strengstens verboten ist, sie beim Essen zu filmen. Die Tischmanieren müssen unterirdisch sein. Das hatte auch Helmut Kohl schon reklamiert. Und dazu die Fingernägel!
    Wir haben absolut keinen Grund, fremdländische Politiker zu kritisieren!

  7. Christoph Friedrich Antworten

    Die USA, “aufgebaut auf Freiheit und Recht”?

    Lange waren die USA ein Land der Sklaverei – aufgebaut auf Freiheit und Recht?

    Die USA raubten den Indianern deren Land und rotteten sie fast aus – aufgebaut auf Freiheit und Recht?

    Die USA begannen ihre Geschichte mit einem Krieg (gegen England) und beginnen seitdem immer wieder neue Kriege – aufgebaut auf Freiheit und Recht?
    44 Präsidenten gab es bisher in den USA – nur zwei davon führten (bisher) keinen Krieg, Carter und Trump.
    Anmerkung zur Zählung: Trump wird als 45. Präsident bezeichnet, aber Grover Cleveland wird dabei als 22. und 24. Präsident gezählt, weil zwischen seinen beiden Amtszeiten Benjamin Harrison als 23. Präsident amtierte.

    Ein Satz in einem kanadischen Film (Die rote Squadron) bleibt mir unvergessen, in dem ein Kanadier (Mountie) zu einem US-Amerikaner sagt:
    “Bei uns war das Recht vor den Menschen da, bei euch die Menschen vor dem Recht.”
    Nicht umsonst gibt es die Redewendung von dem “Wilden Westen”.
    Die Freiheit mag in den USA ja von Anfang an pro forma weitverbreitet gewesen sein (aber auch nur für die US-Amerikaner), das Recht definitiv nicht. Und da es mit dem Recht haperte, haperte es auch mit der Freiheit der Schwächeren. Das mit den Rechtsdefiziten änderte sich im Laufe der Zeit zwar, aber doch ziemlich langsam.

    • Klaus Kelle Antworten

      Ja, die USA sind auf Recht und Freiheit aufgebaut. Wer sollte das besser wissen als wir Deutschen?

      Einfach mal vergleichen, wie die Deutschen unter russischer Besatzung und unter westlicher Besatzung gelebt haben!
      Ohne die USA (und ihre Alliierten) steckten wir heute noch im Nazi-Dreck. Ja, mit Krieg!
      Die USA sind das einzige Land, das ich kenne, wo Bürger vor das Verfassungsgericht gehen können und gewinnen, weil Radarkontrollen auf Highways gegen die Verfassung verstoßen. Das möchte ich hier mal erleben…
      Die USA waren das erste Land, dass noch 1989 den Anspruch der Deutschen auf Wiedervereinigung unterstützt haben.
      Und Chicken Wings und Curly Fries bei Hooter’s sind einzigartig….

      • Christoph Friedrich Antworten

        Ich habe doch deutlich genug nachgewiesen, daß die USA keineswegs auf Recht und Freiheit aufgebaut sind (s. meinen Vorbeitrag).

        Auch die ersten Jahre Westdeutschlands unter US-amerikanischer (und übrigens auch englischer und französischer Besatzung) waren alles andere als rechtsstaatlich und freiheitlich (schon einmal etwas von den Rheinwiesenlagern gehört, nur so als Beispiel?)

        Ohne die USA hätte die Sowjetunion nicht einen Großteil Europas und auch einen Teil Deutschlands unterwerfen können; ob die Nazis ohne die USA immer noch herrschen würden, ist auch nur wilde Spekulation; meiner Meinung nach lebte der NS-Staat hauptsächlich von Hitler, und der hätte ja nicht ewig gelebt.

        Ob die USA wirklich das einzige Land sind, in dem Bürger erfolgreich vor das Verfassungsgericht gehen können, sei auch einmal dahingestellt; so wie im heutigen Deutschland muß es ja nicht überall zugehen.

        Ja, die USA unterstützten damals die Wiedervereinigung Deutschlands, die Sowjetunion aber auch. Und die Sowjetunion schlug bereits in den 1950ern die Wiedervereinigung Deutschlands vor, aber eben als neutralen Staat – was u.a. von den USA abgelehnt wurde.
        Übrigens: Westdeutschland wurde damals von der Adenauer-CDU geprägt, und Westdeutschland ist viel größer und hat viel mehr Einwohner als Mitteldeutschland (Kant, Kopernikus u.a. waren nun einmal Ostdeutsche, Luther und Bach dagegen nicht); bei einer damaligen Wiedervereinigung wäre Deutschland wahrscheinlich/vielleicht die alte Bundesrepublik geblieben, während es inzwischen doch mehr und mehr in eine DDR 2.0 abgleitet.

        Chicken Wings und Curly Fries bei Hooter’s mögen einzigartig sein, aber das beste Gericht sind sie keinesfalls. Rehbraten mit Rahmsoße, Preiselbeeren und Spätzle beispielsweise ….

        • S v B Antworten

          Genauso wie man sich davor hüten sollte, Personen zu idealisieren, sollte man, vielleicht in noch höherem Maße, davon absehen, Nationen (Staaten, Länder, wie immer man sie nennen will) über den grünen Klee zu loben. Herr Kelle ist bekennender USA-Fan. Da mag es dann schon mal vorkommen, dass vornehmlich die vielen positiven Aspekte dieses Landes herausstellt werden, während sich die gewiss ebenso vielen negativen unter dem Tisch wiederfinden. Letztlich wird In allen, allen(!), Ländern der Erde ausschließlich mit Wasser gekocht. Man sollte sich also bei keiner persönlichen Bewertung von seiner all-over-Begeisterung fürs Objekt davontragen lassen. Natürlich kann man auch bei einem Land regelrecht ins Schwärmen geraten (geht mir z. B. mit einigen afrikanischen Ländern so). Allerdings sollte sich Schwärmerei vorzugsweise auf unverfängliche “Gegenstände” beschränken – als da wären Landschaften, Natur, Wetter, Essen, Freundlichkeit der Bewohner, usw. Mit einer allzu wohlwollenden, ja schwärmerischen, Beurteilung anderer Aspekte (wie Geschichte, Sozialstrukturen, Rechtsprechung, Politik u. a. m.) begibt man sich dann doch allzu oft auf schlüpfriges Terrain.

          • HB

            Aus der Ferne kann man vieles idealisieren. So wie die hiesigen Türken im Komfortdeutschland, die dann für die Türkei Erdogan wählen.

  8. gerd Antworten

    Nun wollen wir auch bedenken, dass gegen den aktuellen Präsidenten der USA, ein noch nie dagewesener Shitstorm in den Medien weltweit betrieben wird. Nichts was Trump tut und sagt wird für ihn ausgelegt. Ich glaube der Mann weiß genau wie er auf der Klavitatur der Medien spielen muss, um eine wachsende Schar der unentschlossenen Wähler auf seine Seite zu bringen. Sein Todesurteil wäre es, wenn er sich für irgendetwas in seiner Amtszeit entschuldigen würde.

    • Labrador Antworten

      Richtig Gerd, im derzeitigen Klima wird man durch entschuldigen immer 2-ter Sieger.

      Empfehle zum selber suchen Dave Rubins Kommentar zur Diskussion, da der Link nicht durchkommt

      Der selbe Moderator, der bereits 2016 die selbe Frage gestellt hat, ob Trump “white supremacy” eine Absage erteile, der bereits 2016 darauf eine mehr als deutliche “Absageerteilug” bekommen hat, ist sich, obwohl von Fox News, nicht zu blöd, die Frage wieder zustellen, auf die er eine weniger ausführliche Antwort als 2016 bekommt. Einige Journalisten bohren darauf bei der Pressesprecherin nach, die liefert ihnen eine Liste von Trumps Aussagen. Daraufhin fragt man(n) sie, ob sie eine Absage an was im Nahmen des Präsidenten abgeben könne.

      Man kann sich natürlich fragen, warum nicht einfach den Standardsatz bei jeder Anfrage wiederholen. Wäre aber nicht sonderlich klug, da geht es doch nur darum, Trump Rassismus anzuhängen, indem man ihn immer wieder etwas abschwören lässt, dass er von Anfang an nicht vertreten hat.
      Die Eltern hier können ja einen Versuch machen und die eigenen Kinder immer wieder beteuern lassen, sie hätten nicht in die Keksdose gegriffen, die leer ist. Warnung, ich werde für die danach fälligen Therapiekosten nicht aufkommen

      Man darf auch fragen, warum man Biden nicht immer und immer wieder fragt ob er BLM und der Antifanten eine Absage erteil. Dazu gibt es von ihm nämlich wesentlich weniger als von Trump gegen ws

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