Zu dem Lächerlichsten, das es in Sachen politischer Aktionismus in Deutschland gibt, gehören die sogenannten Ostermärsche der sogenannten Friedensbewegung. Als Massendemonstrationen gegen das atomare Wettrüsten mobilisierten die Ostermarschierer in den 80er Jahren Hunderttausende unter dem Banner “Nie wieder Krieg”. Heute sind diese alljährlichen Veranstaltungen eher private Treffen ergrauter 68er-Veteranen, ergänzt durch jeweils eine Handvoll Jungaktivisten aus Linke oder den versprengten Resten von DKP, SDAJ und MLPD, oder wie Helmut Kohl es sagen würde, den “Fußkranken der Weltrevolution”. In Mainz (200.000 Einwohner) kamen dieses Jahr hochgerechnent 200 Demonstranten zusammen, in Mannheim (320.000 Einwohner) waren es sage und schreibe 35 (in Worten: fünfunddreißig) und in Duisburg (480.000 Einwohner) waren es 250. Nun könnte man sagen: Lasst ihnen doch ihren Spaß mit Bratwurst grillen für den Frieden und Radtouren mit bunten Fähnen und Papp-Drohnen! Und das lasse ich ihnen auch, zumal ich Idealisten erstmal immer gut finde in einer weitgehend entpolitisierten und zunehmend hedonistischen Gesellschaft, wenngleich ich befremdlich finde, dass das Thema stets ausschließlich die “Kriegspolitik” von Bundeswehr, NATO, USA und EU ist, während islamistische Horden halbe Länder im Nahen Osten gewaltsam unter Kontrolle bringen, islamistische Mörderbanden ungehindert mordend und vergewaltigend durch Afrika ziehen und Kreml-Vladi den kleinen “grünen Männchen” zu ganz neuer Bedeutung verholfen hat. Aber sei’s drum: dies ist eine freie Gesellschaft und Parallelwelten sind nicht verboten.
Was allerdings wirklich ärgerlich ist: die mediale Aufmerksamkeit, die diesen irrelevanten Ostertreffen Jahr für Jahr zugestanden wird. Wenn in Düsseldorf kürzlich 15.000 Jäger gegen ein seltsames Jagdgesetz des grünen Umweltministers demonstrieren, dann ist das selbst dem öffentlich-rechtlichen Lokalsender WDR nur einen Kurzbeitrag im Fernsehen wert. Wenn in Berlin 6.000 Menschen gegen Abtreibung und Sterbehilfe demonstrieren, findet das bundesweit in den Medien nicht statt. Wenn in Stuttgart 2.416 Menschen gegen den rot-grünen Frühsexualisierungsplan demonstrieren, reicht das für 1 Minute in den SWR-Lokalnachrichten, die weitgehend auf die 200 krakeelenden Gegendemonstranten eingehen. Aber wenn irgendwo 35 Leute die USA geißeln, sind die Kamerateams da. Journalisten sollen die Wirklichkeit abbilden, habe ich in meiner Ausbildung zum Redakteur mal gelernt. Irgendwie scheint das nicht mehr modern zu sein.

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 11 mal kommentiert

  1. Dr. H. J. Blumbach Antworten

    Lieber Herr Kelle, glauben Sie denn allen Ernstes, daß Sie mit Ihren so richtigen Kommentaren etwas bewirken? Die von Ihnen behandelten Themen sind doch unseren Politikern piepegal. Die haben doch ganz andere Prioritäten wie zum Beispiel bis zum Exzess entwickelten Gender Mainstream oder Sicherung ihrer Pfründe und Pensionen oder Gesetzesänderungen, um Gewalttätern freie Hand zu lassen.
    Hilfe für Flüchtlinge ist keine Frage, auch wenn diese aus Ländern kommen, um dem sicheren Tod durch den doch so friedlichen Islam zu entkommen. Zuwanderer, die wir doch so dringend zu brauchen haben, sollen sich bitte schön so benehmen, daß sie die Sitten und Gebräuche des Gastlandes akzeptieren, sind sie doch nach Aussagen unserer Politiker – allen voran Gabriel – hochspezialisierte Fachkräfte. Eine Geschäftsfrau berichtete mir, sie sei von 4 hochspezialisierten Fachkräften überfallen worden. Dann scheinen 80% so eine Art Kollateralschaden zu sein? Wer in unmittelbarer Nähe der “Wohnstätten” solcher Fachkräfte lebt, kennt sein Viertel nicht mehr wieder. Müll kommt aus dem Fenster auf die Straße, Kinder klauen in der Apotheke, betteln nachts die Notdienstkunden an und pöbeln sie dann an etc. Es hat sich eine Rattenplage entwickelt. Die Stadtverwaltung meint, das sei in dem Land, aus dem sie kommen, völlig normal, man könne dagegen nicht tun. Es gibt so viele nach unserem Verständnis Mißtände, gegen die alles “meckern” nichts nützt. Lohn es sich denn überhaupt, irgendetwas nicht gut zu finden wenn man wetß, das es nichts bringt? Es kann nur den Frust wachsen lassen. Aber machen Sie bitte weiter! Gruß H. J.. Blumbach

    • Klaus Kelle Antworten

      Lieber Herr Blumbach,

      ob ich etwas bewirke? Ich denke schon, denn eine wachsende Zahl von Menschen liest meinen Blog, und ich weiß, dass darunter z. B. auch Abgeordnete sind, die ebenso denken wie ich. Was ich versuche, ist, Themen aus einem Blockwinkel der bürgerlichen Mitte aufzubereiten, ohne mich parteipolitisch festzulegen. Schnell wird sich nichts ändern, aber das Bewusstsein, dass wir mehr Freiheit und weniger Staat brauchen, dass Gender Mainstreaming eine gefährliche Pseudowissenschaft ist und anderes wächst, denn es gibt eine ganze Reihe Autoren, die sich mit diesen und ähnlichen Themen beschäftigen und ebenfalls viel gelesen werden. Kurzfristig ändert sich nichts, aber ich habe Hoffnung in Bezug auf die Zukunft.

      Beste Grüße, Klaus Kelle

      • Helmut Zilliken Antworten

        So ist es Herr Kelle.
        Schreiben schreiben schreiben und viel mündlich weitertragen. Bei jeder sich passenden Gelegenheit Menschen in solche Diskussionen einbeziehen und sich laut und vernehmlich zu Wort melden. Dabei muß man allerdings mitunter den Mut haben, sich “lächerlich” zu machen, da der Zeitgeist mitlerweile in aller sozialen Schichten und in allen Altersgruppen angekommen ist! Ich für mein Teil werde ganz sicher in der nächsten Zeit ehrenamtlich in einem Seniorennetzwerk diesbezüglich Gutes tun und Mitdenker versammeln und somit Platz für Andersdenkende schaffen. Wohlan denn, möge die Übung gelingen.

    • Uwe_aus_DO Antworten

      Sehr geehrter Herr Blumbach,

      ich verstehe nicht recht, was Sie mit Ihrem Kommentar sagen oder gar bewirken wollen. Herr Kelle ist mit der Sitation unzufrieden – was soll er tun? Sich in-sich-hinein-ärgern? Oder dazu aufrufen, die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender zu besetzen, notfalls mit Gewalt??
      Natürlich ist es frustrierend, dass manche Meinung so wenig Widerhall findet, aber wer sie nicht artikuliert, hat von vornherein verloren.

  2. Jürgen Backhaus Antworten

    Hallo Herr Kelle,
    auch ich habe die stündlich wiederholten Nachrichten von den Ostermaerschen der Friedensbewegung mit einem gewissen Befremden gehört und mich gewundert das solch ein Aufhebens darum gemacht wird. Aber wie die Gewichtung einzelner Ereignisse von den Redaktionen bewertet wird kann ich nicht nachvollziehen, das ist doch eher Ihr Ressort, Herr Kelle. Es gibt leider sehr viele Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft, die es häufiger in die Nachrichten schaffen sollten. Vielleicht müssen die Redaktionen öfters Ihren Blog und die dazugehörigen Kommentare lesen!

    • Klaus Kelle Antworten

      Lieber Herr Backhaus, ein paar Journalisten sind ja hier als Leser dabei, wie ich weiß. Vielleicht hilft’s etwas…. 🙂

      Beste Grüße, Klaus Kelle

  3. Alexander Droste Antworten

    Mich wundert es eher, dass es nur so wenige sind, die ihre Haltung gegen Kriege und Gewalt kund tun. Auch das etwas beschränkte Themenspektrum irritiert mich. Und wenn Antiamerika- und Prorusslandstandarten hoch gehalten werden, ist das ja nicht völlig abstrus. Abstrus wäre eine überhebliche Verhöhnung. Aber Sie haben es ja schon angesprochen – die Gewaltexzesse in Asien und Afrika sind ein ernstes Thema, das anscheinend in dieser Bewegung unterbewertet zu sein scheint. Ich würde aber diese Pazifistengruppen nicht lächerlich machen. Eher die Art der Berichterstattung gibt Anlass zum Hohn. Und somit sei der Ball an die Journalisten zurückgespielt.

  4. Andreas Schneider Antworten

    Wer es für nötig befindet, für oder gegen etwas auf die Straße zu gehen, möge dies doch tun. Grundsätzlich (und stehe ich allein da?) bin ich jedoch durch das permanente Bombardement mit Demonstrationen für oder gegen was auch immer mittlerweile dermaßen gegen die Inhalte abgestumpft, dass ich Demos fast nur noch als lästig wahrnehme und einen Bogen darum mache – auch nicht der eigentliche Sinn der Sache, oder? Allerdings hat zu dieser Haltung ganz massiv der Event-Charakter so mancher “Demo” des so gepriesenen “Bürgertums” beigetragen. Hat dieses Einlullen etwa System?

    Was mich aber in erster Linie verstört, aufbringt, deprimiert, ist die in diesem Beitrag – einmal mehr – zu Recht kritisierte Aufarbeitung seitens der Medien. Es gibt mittlerweile nur noch recht wenige Sachverhalte, die bei mir den Eindruck hinterlassen, dass man mich objektiv (!) informiert. Mehr und mehr erscheint mir die Medienwelt als Träger verquaster Ideologien, die jeglichem Sachverstand, jeglicher Logik und oftmals auch der Physik widersprechen.

    Zu Jugendzeiten beschrieben Lehrkräfte, die noch persönliche Erfahrungen aus NS-Zeiten in den Unterricht einfließen lassen konnten, derartiges Auftreten der Presse als typisches Indiz für totalitäre Regime. Passt da nicht ins Schema, wie a. a. O. Eckhart Kuhla einen Beitrag zur angeblichen “Ungerechtigkeit” bei der Entlohnung weiblicher Arbeitskräfte mit „’Wenn man eine Unwahrheit oft genug wiederholt, dann wird es für den Bürger zur Wahrheit’, so ein bekannter Informationsminister aus dem letzten Jahrhundert” einleitet?

  5. Felix Becker Antworten

    Den Ostermarschierern ist angesichts dessen, dass es eine “putin`sche Eroberungspolitik” gibt, dass es Taliban, IS und Bokoharam gibt, dass Fidel Castro nicht sozialistisch arm/bescheiden sondern hinter den Augen der Öffentlichkeit in Saus und Braus und feudal lebte, offensichtlich die Puste ausgegangen.
    Ich finde es tröstlich, dass die Realität breiteren Raum bekommen hat!

  6. Uwe_aus_DO Antworten

    Je mehr die Unterschiede zwischen den (nicht-radikalen) Parteien verschwinden, je weniger regiert (und stattdessen “alternativlos gehandelt”) wird, desto mehr Macht werden die Richter -siehe den Kommentar vom 13. März- und die Medien bekommen.
    Im Falle der öffentlich-rechtlichen wird das sogar noch von uns selbst bezahlt… Ich glaube daran, dass ein gebührenfinanziertes Fernsehen insgesamt für mehr Qualität sorgt, derzeit aber interpretieren ARD, ZDF und Co. ihre Unabhängigkeit nur so, wie es ihnen passt, das Meinungsbild der Bevölkerung wird in keiner Weise mehr abgebildet, für mein Empfinden auch die Realität nicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.