„Deutschland Passivität ist tief verwurzelt. Der politischen Klasse in Berlin fehlt es an strategischem Denken, sie hasst Risiko und hat wenig Mumm. Wenn es um die schwierigen Fragen der Verteidigung und Sicherheit geht, versteckt sie sich hinter ihrer schmachvollen Vergangenheit, um Pazifismus zu rechtfertigen. (…) Falls Merkel ihre Zurückhaltung in ihrer vierten Amtszeit nicht aufgibt und die großen Pläne des französischen Präsidenten unterstützt, wird Deutschlands strategische und politische Scheu beiden schaden: Macron und Europa.“

So schätzt die New York Times, eine der wichtigsten Zeitungen im bedeutendsten Land auf dem Planeten, den einst wichtigsten Partner Deutschland nach dem jüngsten Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus ein. Es habe eine deutlich entspanntere Atmosphäre als beim Antrittsbesuch vor einigen Monaten geherrscht, berichtet der Spiegel heute.

Doch die Fernsehbilder vom jüngsten Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wo man sich herzte, scherzte und Küsschen verteilte, zeigen den Unterschied. Mit ihrer nach der US-Präsidentschaftswahl Ende 2016 ungehobelten Art und Weise hat diese Bundesregierung massiv an Kredit beim wichtigsten Verbündeten verloren. Kaum vorstellbar, dass Trump die damaligen Belehrungen von Frau Merkel vor laufenden Kameras vergessen wird. Auch das ist schlecht für unser Land.

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Dieser Artikel wurde 16 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Aber sie haben die Mehrheit. Das Volk will es so. Dafür gibt es sukzessive die Quittung.
    Es gibt keine geistigen Größen mehr, die sich von einer Hetzpresse zerreißen lassen wollen. Mittelmaß ist Trumpf.

  2. S v B Antworten

    Das kommt dabei raus, wenn Frau Merkel, bzw. ihre ganze Regierungsentourage, stets glauben, das Recht zu haben, alles und jeden auf diesem Planeten in schulmeisterlicher Manier abkanzeln zu können. Bei dem recht unkonventionell agierenden Herrn Trump beissen die moralapostolischen Herr- und Damenschaften der bundesrepublikanischen Regierungseliten ausnahmsweise auf Granit. Die Überheblichkeit und Besserwisserei, mit welcher Frau Merkel , ja die weit überwiegende Mehrheit im Lande den amerikanischen Präsidenten gerade auch medial abgeurteilt hat, rächt sich allmählich. Merkel-Deutschland könnte, nein wird vermutlich, bei derart undiplomatischen Machtspielchen den Kürzeren ziehen.

  3. Felix Becker Antworten

    Das ist auch meine Sicht Herr Kelle. Das aktuell ins Moralische umgedeutete „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ beherrscht Merkel aber wohl vorrangig nur im Verhältnis zu Trump? Sollte im Ergebnis dabei eine Emanzipation von den USA herauskommen, wäre das wünschenswert. Jedenfalls sollten wir die dem US-amerikanischen (Geschäftszielen) zuwiderlaufenden Wünschen keine Energieträger aus Russland zu beziehen nicht entsprechen. Etwas mehr (Geschäfts) -Beziehungen zu Russland würde egoistischen Bestrebungen der USA weniger Durchsetzung bescheren. Im Übrigen denke ich wird unser Land sich allmählich von der 12jährigen Schmach lösen und damit vom Luxuspazifimus. Nach über 70 Jahren wird das auch höchste Zeit!

  4. Klaus B. Antworten

    Wenn wir wieder Achtung in der Welt gewinnen wollen, werden wir unsere Verteidigungsfähigkeit aus eigener Kraft herstellen müssen – si vis pacem, para bellum (wenn Du Frieden willst, bereite den Krieg vor). So wie es jetzt aussieht könnten wir doch nicht einmal die baltischen Staaten gegen einen kleinen russischen Einmarsch verteidigen. Und was die 12 Jahre betrifft: Ich war damals ein Kind, die Akteure aus der NS-Zeit sind alle tot und schon Adenauer – selbst ein Verfolgter des Regimes – hat meines Wissens gesagt, „die Nazi-Riecherei muß aufhören“.

  5. colorado 07 Antworten

    Als Unsere Kanzlerin nach der Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten glaubte, den Neugewählten an demokratische Tugenden erinnern zu müssen, dachte ich schon, dass sie mit dieser Maßregelung eine politische Dummheit begeht. So viel Menschenkenntnis hätte sie haben müssen, dass sie erkennt, wie sie mit ihrer Moralpose die „Eitelkeit“ eines amerikanischen Präsidenten herausfordert. Und sie hätte wissen müssen, dass es auch nicht gut für ihr eigenes Land ist, wenn sie so über die Stränge schlägt und die wahren Kräfteverhältnisse ignoriert.

    • W. Lerche Antworten

      Vielleicht wollte sie sich damit in erster Linie gegenüber ihren Grünen ins rechte Licht setzen und hat dafür dümmlicher Weise das Treffen mit Trump instrumentalisert. Sie hätte besser – umgekehrt – ihre Verbrüderung mit den Grünen instrumentalisieren solllen, um für Deutschland etwas zum Guten zu tun.

  6. W. Lerche Antworten

    Mal ne dumme Frage: Was sind eigentlich die stets genannten „Gemeinsamkeiten“ von USA und Deutschland? Und welche unterschiedlichen Interessen gibt es? Wie sieht’s mit den oft zitierten gemeinsamen Werten aus?
    „Deutschland ist den USA nicht mehr von Nutzen…“ … Ah ha, da haben wir’s! Dieser Nutzen endete mit dem Fall der Mauer und dem Abzug Russlands aus Deutschland. Ich erlebe das so, dass unsere Mittelschicht seitdem stetig zunehmend ausgeplündert wird, abgezockt, umverteilt nach oben zum mächtigen Kapital und zu Globelplayer, die immer ihren Anteil an der Finanzierung unseres Staates stetig mehr zurückfahren, was wir dann zu übernehmen haben. Wenn ich z.B. bei größeren Gewinnen Steuervergünstigungen bekommen und dafür mein Nachbar mehr bezahlen muss, dann wäre das doch eine „Umverteilung“, oder nicht. Unglaublich, dass es in Europa Steueroasen für US-amerikanische Konzerne wie Google und Apple gibt, die hier Milliarden-Gewinne einfahren. Seltsam das zeitliche aufeinandertreffen von Trumps Forderungen nach Handels-Zöllen und dem europäischen Angriff auf die steuerrliche Unversehrtheit von US-Konzernen z.B. in Irrland. Kurios, dass Irrland alles zu belassen möchte und lieber Subventionen aus Brüssel nimmt. Mir ist das alles sehr suspekt!

    Ich möchte eine Regierung für Deutschland wählen, die sich zu allererst um die Interessen Deutschlands und seiner Bürger kümmert. Dazu gehört auch, dass wir nicht auf halber Strecke eine Gaspipeline aufgeben, für deren Beteiligte G. Schröder eine Milliarden-Bürgschaft unterschrieben hat, bevor er wenige Tage später in den Aufsichtsrat des durch die Bürgschaft abgesicherten russischen Unternehmens eintrat. Und sollten wir für einen Abbruch gerade stehen und stattdessen per Schiff geliefertes US-Gas kaufen „müssen“, dann weiß ich, wer auf jeden Fall nicht unser Freund, Verbündeter oder Partner ist.

    Anfangs freute ich mich über Trumps Wahlerfolg. Die deutschen Gesichter in Berlin und der Mainstream waren eine lustige Show. Dann plötzlich lenkte auch Herr Kelle in diese Richtung ein, bis heute, das fand ich mutig und berechtigt. Doch jetzt, in Kombination mit den Berliner Versagern von CDU und SPD, wird mir der Trump unheimlich und könnte uns zum Schaden sein. Statt diesen Mann zu nutzen und etwas aus der Situation herauszuholen, stellt man sich in Berlin hinten rein und weiß alles besser.

    Das Außenhandelsdefizit ließe sich einfach abbauen, indem man die Leute an den Gewinnen aus Außenhandel stärker beteiligt und die Steuern senkt. Dann entsteht mehr Nachfrage und Importe steigen und Investitionen in Deutschland nehmen zu.
    Stattdessen werden die Gewinne von Aktionären und Banken eingestrichen und nach Panama oder sonst wohin zu unserem Nachteil geschafft. Und so richtig geht’s mit der Aufarbeitung solcher Skandale auch nicht vorwärts, oder!

    Wir sollten uns auf unsere Interessen konzentrieren, mit den Ländern Europas und allen unseren Nachbarn gut zusammenarbeiten, nicht unser Geld bedingungslos nach Brüssel überweisen und versuchen, gut mit Russland klarzukommen.
    Den Menschen in Europa ging es immer in solchen Phasen gut, als sich Russland und Deutschland gut miteinander konnten. In solchen Phasen stieg der Wohlstand und es war Frieden.

  7. Heidi Bose Antworten

    „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“ – und – wer opfert sich und sagt es ihr?

  8. colorado 07 Antworten

    Sehr geehrter Herr Lerche,
    „Den Menschen in Europa ging es immer in solchen Phasen gut, als sich Russland und Deutschland gut miteinander konnten.“ Dese Behauptung müssten Sie mal verifizieren.

    • W. Lerche Antworten

      Ja wissen Sie das denn nicht? Geschichtsunterricht und Wikipedia! Beispiel die lebhaften Handelsbeziehungen zwischen Hansestädten und Gebiete der Ordensritter mit russischen Republiken (z.B. Nowgorod). Und das trotz 240 jähriger Mongolenherrschaft über russische Gebiete und trotz dem expansiven Streben Deutscher Ordensstaaten Richtung Osten.
      Dann die Habsburger, welche mit Russland zusammenarbeiteten, übrigens auch gegen die Osmanischen Angriffe. (Manchmal ließt sich Geschichte wie Gegenward).
      Dann die Öffnung von Peter I für westliche Standards. Z.B. er persönlich lernte in Holland, wie man Schiffe baut. Infolge sogar Freundschaftsvertrag mit Brandenburg.
      Dann das sehr gute Verhältnis Russlands zu Preußen.
      Russland bekam sogar die Rolle eines Schiedsrichters im aufkommenden preußisch-österreichischen Dualismus.
      Dann, war Peter III nicht sogar ein Deutscher?
      Und jetzt kommts: Die Konvention von Tauroggen 1812 war der Auftakt zu einer langen Phase deutsch-russischen Bündnispolitik, der sich Österreich und andere anschlossen. Russland wurde als „Befreier“ von Napoleon gesehen. Zu nennen 1815 die „Heilige Allianz“ (Russland, Preußen, Österreich).
      Gegenbeispiel: Der Interessenkonflikt Österreich-Russland auf dem Balkan brachte Deutschland einen 2-Fronten-Krieg. Um Russland zu schwächen, ließ Ludendorff den Kommunisten „Lenin“ durch Deutschland reisen, bekam wohl reichlich „Taschengeld“ mit auf den Weg und die Folge war 70 Jahre Sowjet-Kommunismus mit unendlich viel Elend und Gewalt und Armut.
      Der Vertrag von Rapallo erinnert mich an die heutige Situation. Der Westen grenzte Russland aus und Deutschland startete Kooperation mit Russland, entwickelte sogar Flugzeute und Kriegsgerät für Russland, ermöglichte Know-How-Transfer. Die gute Phase wurde dann durch Hitler beendet. Und was war die Folge?!

      Also „colorado 67“, nehmen Sie sich mal o. g. geschichtlichen guten und schlechten Phasen zu Russland genauer vor und vergleichen Sie diese miteinander.

      Ich meine schon, wir sollten uns nicht vor den US-geostrategischen Karren spannen lassen, sondern auf unsere Interessen und die unserer Nachbarn den Fokus legen.

      • W. Lerche Antworten

        Man stelle sich mal einen US-Amerikanischen Präsidenten vor, der als Normalo verkleidet nach Europa kommt, um hier etwas zu lernen.

  9. W. Lerche Antworten

    Trump sagt, die Deutschen hätten über 20 Jahre zum Nachteil der USA gut gelebt.
    Frage: Gilt dies nicht schon seit 1945?
    Antwort: Ja, aber bis 1990 war das zum Nutzen der USA.
    Frage: Was war nach 1990 anders?
    Antwort: Die Aufrechterhaltung der deutschen sozialen Marktwirtschaft als Vorzeige- und Front-Gesellschaft gegenüber dem kommunistischen Ostblock mit dorthin destabilisierender Wirkung (Herr Kelle kennt das noch vom SFB und Rias?) in dessen Inneres wird nicht mehr benötigt. Der Aufwand dafür ist für die USA nutzlos geworden.
    Dieser „Aufwand“ war wohl nicht wirklich Aufwand, mit Ausnahme der ersten Nachkriegsjahre vielleicht. Es war wohl eher Mäßigung für die Gewinn-Maximierung, die wir seit dem Mauerfall zunächst schleichend bis jetzt als unverschämt erleben. Wir bekommen einen Kapitalismus wie aus dem Lehrbuch des DDR-Staatsbürgerkunde-Unterrichts, wir haben ihn schon.

    Frage: Wie wird der von Trump aufgelegte Handelsstreit ausgehen?
    Antwort: Merkel und Macron (und noch Mey) werden eine Lösung zaubern, die uns als sehr vorteilhaft verkauft werden wird, weil es hätte sonst viel schlimmer kommen können, wobei wir Normalos bezahlen sollen und zudem die hiesigen Eliten auch einen Teil davon abbekommen werden.
    Antwort: Jedes Thema wird daraufhin abgeklopft und benutzt, noch mehr aus uns rauszuholen und die Profite der Eliten zu steigern, diesseits und jenseits des Atlantiks. Wetten das?

  10. W. Lerche Antworten

    Was ich sehr seltsam finde, das sind neuerliche Töne von den Grünen, z.B. Herrn Trittin, der in Talkshows prognostiziert, dass Trump wohl 8 Jahre im Amt sein wird, also auch die nächsten Wahlen gewinnen wird.
    Sind es doch dieselben Leute die bis jetzt immer wieder sagten, dass Trump nicht die USA seien, nämlich dass es auch die „demokratische USA“ gibt mit guten, demokratisch gesinnten Menschen, die „auf unserer Seite“ zu „unseren Werten“ stünden.
    Was gilt denn nun und um welche Werte geht es? Geht es überhaupt um Werte oder geht es immer schon ausschließlich um Interessen? Wessen eigentlich?

  11. colorado 07 Antworten

    Sehr geehrter Herr Lerche,
    Danke für die Belehrung! Eigentlich wollte ich nur eine „Verifizierung“ bzw die Konkretisierung einer Behauptung.

    • W. Lerche Antworten

      Gerne. Mehr Verifizierung und Konkretisierung als interessierter, mitdenkender Laie stets gerne. Auch ich finde es gut, richtig und notwendig, Thesen und Analysen zu hinterfragen und nicht ungehindert durchkommen zu lassen.
      Ich nehme diesen Blog als einen Ort, wo ich unzensiert meine Gedanken formulieren darf. Gewinn daraus verspüre ich dann, wenn sie (meine Gedanken) sich infolge gegenteiliger oder weiterführender Kommentare entwickeln, korrigieren oder „Kinder kriegen“. Gedankenfehler, Widersprüche und Kritik als Triebkräfte für gesunden Menschenverstand. – Vielen Dank dafür!

  12. W. Lerche Antworten

    Heute hörte ich in einer DLF-Diskussion jemand stichhaltig sagen, wie von Bundestagsabgeordneten wie z.B. Herrn Karst (Kaast o.s.ä.) SPD gemeinsam mit einem CDU-Mann aus der Wahlkreisregion 4 oder 5 Korvetten für die Bundeswehr, die bis dato gar nicht wusste, dass sie solche bräuchte, eingestielt worden sind. Rüstungsprojekte werden also von Volksvertretern vorteilhaft für deren Wahlkreise eingestielt und nicht nach Bedarf!!!! Dieser Herr Kahrst äußerte heute Morgen, dass unsere Verteidigungsministerin in den letzten Jahren je 1 Mrd. Euro Budget für die Bundeswehr NICHT in Anspruch genommen, an den Finanzminister zurückgegeben habe. Und das, obwohl Munition fehlt, eigentlich alles fehlt und zu wenig funktioniert. Auch Panzer seien nur zu 70% je Einheit vorhanden. Bei Übungen füllen sie Panzer aus anderen Einheiten auf. Es gibt wohl auch einen Brief von Bundeswehroffizieren, die sich darüber beklagen, dass für die Beschaffung nicht die Erfordernisse und das Wohl der Soldaten maßgeben seien, sondern eine nicht angreifbare Bürokratie. Und dann werden da angeblich spontan Stückzahlen nachbestellt, wofür die Produktionslinien bereits abgebaut sind. Das dauert dann entweder Jahre oder wird vielfach teurer.
    Das gesamte politische Management der Bundeswehr scheint sowas von daneben und falsch zu sein, dass ich es gar nicht glauben kann.
    Zudem ist mir völlig unverständlich, wie das Nato-Hauptquartier solchen Zustand hinnimmt.
    Woher also soll der Nutzen Deutschlands für die USA kommen?
    Na ja, immerhin können wir gut „Wirtschaftssanktionen“. Seit Putin keine Äpfel mehr aus der EU bekommen darf, gibt es ein Überangebot an Äpfeln im Supermarkt.

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