Im Zuge der „Spiegel“-Affäre im Oktober 1962 und der darauf folgenden Staatskrise sprach Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) am 7. November des gleichen Jahres im Bundestag und verwendete dabei die Formulierung: „Ein Abgrund von Landesverrat im Lande“.
In diesen Tagen, in denen wir alle Zeugen des zweiten großen Spionagefalls in Deutschland in der Geschichte nach 1949 werden, muss ich häufig an diesen Adenauer-Satz denken. Ja, ein Abgrund von Landesverrat könnte das sein, was gerade häppchenweise ans Tageslicht kommt.
Der einstige BND-Präsident August Hanning, also früher Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes, hat nach Ausscheiden aus dem Amt von seinen vormaligen Büroleiter regelmäßig gegen Geld geheime Dokumente gekauft und diese ausgewertet und für noch mehr Geld an interessierte Kunden verscherbelt. Landesverrat nennt man das, und Nutznießer dürften die frühere Sowjetrepublik Aserbaidschan, und damit automatisch Moskaus Geheimdienste, gewesen sein.
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Heute berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ unter Bezug auf mehrere Quellen – vermutlich aus dem Kreis des BKA – dass der geldgeile Herr Hanning „über mehrere Jahre hinweg“ intensiv Kontakt zu enem Mitarbeter des chinesischen Geheimdienstes in Deutschland pflegte. Die Frage des Spiegel an die Bundesanwaltschaft, ob Haninng dem auch Geheimdokumente aus dem BND zugesteckt hatte, blieb bis jetzt unbeantwortet.
Durch das Nachrichtenmagazin wissen wir aber inzwischen, um welchen Mann es konkret geht: Wang Jianzheng, hochrangiger Militär und „Diplomat“, der in Deutschland für Peking „gedient habe“.
Hanning habe den Chinesen nach seiner Pensionierung mehrfach auch in China getroffen. Wang erklärte inzwischen, er könne sich nicht zu den Vorwürfen äußern, habe aber lange keinen Kontakt zu Hanning gehabt.
Das wird wohl dauerhaft so bleiben, denn nach allem, was gerade zu Tage kommt, dürften Hanning und sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. – inzwischen beide erfreulicherweise im Gefängnis – keine Gelegenheit mehr bekommen, feindliche Agenten zum Abendessen zu treffen.
Von mir aus können sie den Rest ihre Lebens in einer Zelle sitzen. Landesverrat ist eklig.
22 Kommentare
Bei der ganzen Sache, stört mich inzwischen eins ganz gewaltig und es ist unappetitlich zum Quadrat: offensichtlich war die Presse über die Festnahme wieder mal vorinformiert und deshalb vor Ort.
Wie bei den „Rollator-Putschisten“; von daher ist zu erwarten Herr Kelle, dass Ihr Wunsch Herr Hanning lange im Gefängnis sitzt, sich erfüllt (wohl ohne Verurteilung …)
HGM hat übrigens einen ganz anderen Blick auf die ganze Angelegenheit.
„ Ex-BND-Chef Hanning in Haft – Maaßen erhebt schwere Vorwürfe gegen Justiz“
ist bei TE zu lesen
@Johannes,
dass HGM einen anderen Blick auf das Thema hat, das weiß ich. Und das ist ja auch kein Problem.
Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass HGM für Hannings Sicherheitsfirma „System 360“ als Berater gearbeitet hat.
Journalistische Recherchen u. a. der „Welt“ ergaben, dass es im Firmenumfeld von „System 360“ unklare Eigentümerstrukturen und direkte wirtschaftliche Spuren nach Russland gibt.
Hanning war als „Russlandchef“ bei der britischen Beratungsfirma G3 (Good Governance Group) tätig und trat – der frühere Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes! – bei einem Gerichtsverfahren in London als Entlastungszeuge für den sanktionierten russischen Oligarchen Oleg Deripaska auf, der zum engsten Machtzirkel Wladimir Putins gezählt wird.
Sicher alles nur ein Zufall, aber sollte man wissen, über wen man hier spricht…
Eventuell soll auch HGMs Ruf beschädigt werden. Er gibt Gerüchte, nach denen er Innenminister in Sachsen-Anhalt werden soll.
Den Hannig lässt man über die Klippe gehen und schadet HGM. Aus der U-Haft kommt der nicht lebend raus.
Die Presse ist bei seiner Verhaftung dabei, aber von Manfred D. erfährt man nichts. Das ist doch der eigentliche Dieb.
Gut ein Dutzend Politiker sind in die ganzen Beratungsgeschäfte verwickelt. Alles höchst undurchsichtig.
Die „Beraten“ alle nicht für einen warmen Handschlag.
Wieso dürfen Geheimnisträger bei so was mitmischen?
offensichtlich war die Presse über die Festnahme wieder mal vorinformiert 🙂
Natürlich…
@Herrn Kelle
Mir sagt diese Vorinformation zur Festnahme im Kern, dass – unabhängig von konkreten Vergehen (die selbstredend aufgeklärt gehören) Herr Hannig als Person medial verbrannt und zerstört werden soll. Wie sehen Sie das?
Es wird von politischer Seite (wer auch immer dies in Auftrag gab) ein Narrativ geframt, aus dem es kein Entkommen geben soll. Und via „Kontaktschuld“ und über Bande auch weitere Personen (HGM ??) medial zerstört werden sollen.
Mit Rechtsstaarlichkeit und der Unschuldsvermutung hat dies nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun.
Offensichtlich befinden sich Teile der politischen Elite in Deutschland derart im Panikmodus, dass sie vor nichts mehr zurück schrecken.
@Johannes,
nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Natürlich haben Medien Kontakte in Behörden, besonders Polizei und Staatsanwaltschaft. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn ein Rollkommando zur Hausdurchsuchung antritt, und der WDR eine Stunde vorher vor dem Haus des Betroffenen Kameras und Beleuchtung aufbauen. Oder Kachelmann, der auf dem Weg von der U-Haft ins Gericht extra so lange von Beamten durch den Hof geführt wurde, damit die BILD Fotos schießen kann.
Aber wenn Behörden und Politiker Journalisten instrumentalisieren und für ihre Zwecke einsannen, dann ist es legitim, wenn Journalisten sich ihre eigenen Wege suchen.
Ich habe das früher auch selbst verschiedentlich so gemacht.
Als nach der Wende die Mainzer Straße in Berin – eine üble antifa-Häuserzeile – geräumt wurde, war ich mit zwei Kollegen von Radio Hundert,6 dabei und um punkt 6 Uhr live in den Nachrichten auf Sendung – als einzige um diese Zeit. Und glauben Sie mir, ich hatte nicht nachts einen Traum, was genau um 6 Uhr dort passiert…
kk
@Herrn Kelle
Auch hier würde ich differenzieren: ihr persönliches Beispiel würde ich nicht in eine Reihe mit den Beispielen der letzten 3-4 Jahre stellen wollen.
Zumal, wie bekannt ist, Herr Henning Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Verfolgung unschuldiger gestellt (in der Sache der Block-Erbin).
Und wo wird gleich der Spiegel, der vor Ort war, gemacht? Sorry, aber das sieht mir immer seltsamer aus. Und die Politik nehme ich da mal raus (wie ich Anfangs dachte). Es sieht mir immer mehr nach einer sehr bösen Retourkutsche aus.
Landesverrat klar.
Allerdings wie von Maaßen bei TE bemerkt, die Medien sind über den Zeitpunkt der Verhaftung informiert. Die Medien kennen den finanziellen Background von Hannig.
Maaßen fragt sich auch, wie 2000 geheime Dokumente unbemerkt aus dem BND geschmuggelt werden können. Per e-mail geht nicht. Die haben keine USB Anschlüsse oder CD-Laufwerke. Die Kopierer/Drucker sind codiert. Es gibt Taschenkontrollen. Wie geht das über den Zeitraum?
Meine Frage, wer ist dieser Manfred D. Warum nennt man seinen Namen nicht. Der taucht nirgendwo auf. In 20 Jahren wird der Büroleiter von vier Präsidenten nicht genannt. Warum wird der nicht an die Öffentlichkeit gezerrt? Der soll doch die Dokumente gestohlen haben.
Wieso lässt man zu, das ein BND Chef so in finanzielle Schieflage gerät? Mit Schulden ist jeder ein Sicherheitsrisiko. In manchen Ländern wirst du damit noch nicht mal Polizist.
Der Vollständigkeit halber. Diese BND Präsidenten haben sich bestehlen lassen. Was machen sie eigentlich beruflich?
Gerhard Schindler – FDP
Bruno Kahl – CDU
Martin Jäger – CDU
Das wird noch lustig. Hatte aber keiner Zeit sich drum zu kümmern. Alle mussten AfD Tweets auswerten.
„Zu Schmidbauer wird notiert, dass es offene Fragen zum russischen Agenten Jan Marsalek gibt. Für Wirecard lobbyierte Karl-Theodor zu Guttenberg auch bei Angela Merkel, deren erstem Kabinett 2005 Wolfgang Schäuble als Innenminister mit August Hanning als Staatssekretär angehörte. Guttenberg, Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans Georg Maaßen und der interimistische Chef der CDU Mecklenburg-Vorpommern Philipp Amthor waren mit dem merkwürdigen Unternehmen Augustus Intelligence verbunden, bei dem Hanning über Aktienoptionen verfügte (mehr dazu hier). Als Privatmann ist Hanning Präsident der Pluteos AG, einer Schweizer Firma mit „Intelligence und Sicherheit auf Weltniveau“, dessen Board auch Samuel Danilowitsch angehört, der bei Investitionen in Russland berät. Hanning steht an der Spitze der Pluteos-Tochter System 360, die von der deutschen Geschäftsfrau Christina Block engagiert wurde, die ihre Kinder mithilfe von Ex-Agenten aus Dänemark entführte, wo sie bei ihrem Vater lebten. Hanning fungierte selbst als Russlandchef der britischen Firma G3 Strategic Intelligence. Die lettische PNB Banka, der später die Lizenz entzogen wurde, erhielt 2013 mit Grigory Guselnikov aus UK einen neuen Mehrheitseigentümer, der dafür Geld von Piotr Kondroschev einsetzen sollte. 2017 wurde Hanning in den Aufsichtsrat aufgenommen, später auch Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der als Politiker konservativ-liberal war. Zum Verhängnis wurde der PNB Banka, dass sie in die Norvik Bank investierte, nachdem diese Eigentümerin der russischen Vyatka Bank wurde. Übrigens war der jetzige NATO-Generalsekretär Mark Rutte (als Politiker konservativ-liberal) 2011 beim Start von Nord Stream dabei wie Angela Merkel und Dmitri Medwedew.“
https://alexandrabader.wordpress.com/2026/10/07/wir-tun-ein-bisschen-so-als-taten-wir-etwas-gegen-spionage/
„Sowjetrepublik Aserbaidschan, und damit automatisch Moskaus Geheimdienste“:
Aserbaidschan ist dank Öl sehr reich. Die können eine unabhängige Außen- und Interessenpolitik betreiben. Die kaufen auch westliche Abgeordnete nur für eigene Interessen. Vielleicht geben sie die Daten an Russland weiter. Vielleicht auch an Israel. (Aserbaidschan arbeitet eng mit Israel zusammen.) Oder sonst einen Staat.
Eventuell ist die ganze Nummer der Versuch, uns vom nächsten Ölversorger zu trennen?
Eventuell ist die ganze Nummer ein Versuch, uns vom nächsten Ölversorger zu trennen?
Aserbaidschan und Russland haben keine guten Beziehungen.
„Die Wahrheit könnte Teile der Bevölkerung verunsichern“.
…
„Heute berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“
Das gleiche Magazin, welches Siegmund als den gefährlichtsten Mann in Deutschland auf’s Titelbild als Fahndungsfoto abdruckt. Kann weg. Braucht kein Mensch.
Wer den Spiegel ernst nimmt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
Schade,Herr Kelle,dass Sie als kritischer Mensch, so schnell bei Vorverurteilungen durch die Mainstreammedien dabei sind. Das alles erinnert von der Machart sehr an den Rollatorputsch. Da kann natürlich was dran sein, aber was wissen wir denn? Haben Sie es wirklich nötig das Relotiusblatt zu zitieren?
Lieber @Gregor Oblonsky,
bei so großen Geschichten ist der „Spiegel“ immer nah dran und bestens in den Kreise vernetzt. Außer denen und BILD hat da keiner so schnell Zugang zu iternen Informationen. Das ist einfach Fakt. Und „Relotius“ war ein Skandal, das stellt niemand in Frage. Aber eben auch nur ein Skandal. Als der „Spiegel“ in die Barschel-Affäre einstieg, haben Sie das auch erstmal alles in Frage gestellt?
Medien heißt doch nicht, dass man sich raussucht, was einem gefällt und das dann konsumiert. Alles andere denken wir uns dann weg?
Wir hatten hier vor ein paar Wochen eine intensive Diskussion, weil alles, was bei der AfD zu kritisieren wird, konsequent ignoriert wird. Und wenn Merz den Hunger in der Welt besiegt, dann ist das trotzdem böse.
So funktioniert das nicht – weder in der Politik, noch in den Medien.
Der ehemalige Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes kauft bei einem früheren Mitareiter Geheimdokumente des BND und verscherbelt die an andere Staaten – und da kommen Sie mit Relotius??? Gut, dass Leute wie Hanning damit nicht durchkommen.
„Medien heißt doch nicht, dass man sich raussucht, was einem gefällt und das dann konsumiert. Alles andere denken wir uns dann weg?“
Im heutigen Zustand des Spiegel ist das eine durchaus mögliche Variante, das „Sturmgeschütz der Demokratie“ zu lesen. Im Zusammenhang mit Hanning, glaube ich eher H.G. Maaßen der diese Räuberpistole als „konstruiert“ bezeichnet. Der ist nämlich mit Hanning nicht nur bestens vernetzt, sondern bezeichnet ihn als persönlichen Freund. Dass bei der Verhaftung von Hanning ein Spiegel Team vor Ort anwesend war, ist mir persönlich Beweis genug, für eine Inszenierung.
Wer eins und eins zusammenzählen kann, sollte darauf kommen, daß jemand, dem man die ( nicht gerade kleinliche ) Pension pfändet, damit in Geldnöte geraten und so zumindest „anfällig“ für „Angebote, die man nicht ablehnen kann“ werden KÖNNTE …
Ist die Pension eines BND Präsidenten denn so dürftig, dass er im Alter auf Zuverdienst angewiesen ist ? Und sich mit seinem Zuverdienst bei der baltischen Bank ( excusez le mot ) in die Scheiße geritten hat ? Wenn Sie mich fragen , gehört für solche Beamte im Ruhestand ein absolutes Betätigungsverbot .
Ungefähr 11.000 Euro brutto monatlich – da könnte man zurecht kommen