Im Krieg sind Wahrheit und Lüge nicht zu unterscheiden – auch für Journalisten nicht

„Die Wahrheit ist immer das erste Opfer in einem Krieg.“

Sie alle kennen diesen Satz. Hiram Johnson soll ihn vor gut 100 Jahren gesagt haben, damals Gouverneur von Kalifornien. Ein Republikaner, guter Mann also! In diesen Zeiten, in denen wir leben (müssen), sollten wir aber auch den Dichter Bert Brecht nicht vergessen, der gesagt hat:

„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“

Die Lüge gehört zu jedem Krieg dazu, so wie zu jedem anderen Verbrechen auch. Für Politiker, die Entscheidungen von großer Tragweite treffen müssen, ist es bei modernen Kriegen nahezu unmöglich, korrekte Informationen als Grundlage ihrer Entscheidungen zu bekommen. Klar, es gibt Geheimdienste und manche sind richtig gut im Sammeln von Informationen. Aber auch dort wird gefiltert, was wann herausgegeben wird, um welche Reaktion zu bewirken.

Denken Sie an den armen früheren US-Außenminister Colin Powell, der am 5. Februar 2003 vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angeblich unumstößliche Beweise präsentierte, um den bevorstehenden Krieg der USA gegen den Irak vor der Weltöffentlichkeit zu rechtfertigen:

„Meine Kolleginnen und Kollegen, jede Aussage, die ich heute mache, ist durch Quellen untermauert, durch solide Quellen. Dies sind keine Behauptungen. Was wir Ihnen mitteilen, sind Fakten und Schlussfolgerungen, die auf soliden Erkenntnissen beruhen.“

Dazu zeigte er Luftaufnahmen, die etwa Bulldozer zeigten und „frisch planierte Erde“ auf einer Chemieanlage.

Heute wissen wir: Das Weiße Haus schickte den Mann auf eine Mission, die eben genau nicht auf soliden Quellen und seriösen Informationen beruhten. Man ließ Powell ins Messer laufen, weil man das Ziel der Rechtfertigung eines Angriffskrieges unbedingt erreichen wollte. Powell lieferte ab und machte sich selbst für alle Zeiten zum Deppen und Amerika zu einem Land, das heute in den Augen vieler Menschen genauso widerwärtig ist wie Putins Russland.

Wir können wir erfahren, was wirklich passiert hinter der Front?

Klar, Redaktionen bekommen Nachrichten rund um die Uhr, auch welche, die eindeutig zu verifizieren sind. Wenn irgendwo ein Öltank nach Raktenbeschuss brennt, wenn in Butscha Hunderte Leichen auf einer Zufahrtsstraße liegen, wenn die „Moskwa“ abends noch auf dem Schwarzen Meer herumfährt und am nächsten Morgen nicht mehr da ist – da kann man schon berichten.

Und die großen Medien sind ja auch vor Ort durch eigene Berichterstatter vertreten, die oft Kopf und Kragen riskieren, um an die exklusivsten  Informationen zu kommen. CNN war für diese Art Nachrichtenjournalismus die „Mutter aller aktuellen Medien“, wie Saddam das nennen würde. Im Hintergrund Bombeneinschläge, vor der Kamera der CNN-Reporter mit Schutzweste und Stahlhelm und Mikrofon live weltweit dabei.

Aber selbst bei diesen Berichten kann kein Zuschauer ganz sicher sein, dass da Journalisten unter Einsatz ihres Lebens für die Wahrheit und nichts als die Wahrheit unterwegs sind. Manche sicher, aber andere sind eben „embedded Journalists“. Eine Erfindung – wie auch sonst“ – der Amerikaner, die im ersten Irak-Krieg Journalisten „eingebettet“ in operierende militärische Verbände mitnahmen, um von dort aus das Frontgeschehen zu beschreiben für die Heimatfront. Und es gibt herausragende Reportagen von Kollegen, die auf diese Art Seiten des Krieges schildern konnten, wie niemand sonst.

Der Dokumentarfilm „Resteppo“ gilt als ein solches Musterbeispiel, wo zwei Journalisten 2010 in Afghanistan ein Platoon von 15 US-Soldaten begleiteten, rund um die Uhr. In keinem Augenblick kommt in dem Film ein „Experte“ zu Wort, keine Pressesprecher, keine Generäle. Ungeschminkt wird das Leben der einfachen Truppe dokumentiert. Ein Meisterwerk.

Aber natürlich gibt es auch die Kehrseite, den Distanzverlust. Sie erinnern sich vielleicht an den großen Hanns-Joachim Friedrich, Moderator der ARD-Tagesthemen, als das noch eine Nachrichtensendung ohne Volkserziehungscharakter war. Ein Journalist dürfe sich niemals mit einer Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten, sagte „Hajo“ sinngemäß, und er hatte recht damit.

Markus Deggerich, Redakteur des Spiegel, schilderte seine Erfahrungen als Kriegsberichterstatter im Irak. Deggerich sagte, er habe den Eindruck gehabt, „dass es nicht mehr allen [Journalisten] gelingt, noch zu unterscheiden zwischen ihrer Rolle als Journalisten und als Kumpel.“ Die Frage also: Kann man noch unabhängig und sachlich berichten, wenn man im Schützengraben zusammen mit den Soldaten die Suppe geteilt hat? Oder wird man Teil der PR des Militärs, das man begleitet?

Es ist alles nicht so einfach, zu unterscheiden. Manche Journalisten berichten Unsinn, obwohl sie es gar nicht wollen, weil sie geschickt eingebettet und hinters Licht geführt wurden.

Folter, Vergewaltigungen und Morde sind fester Bestandteil von Kriegen

Sie waren es immer, und – davon bin ich überzeugt – werden es auch immer sein. Vergewaltigungen sind dabei ein „probates Mittel“, den Widerstand eines Volkes zu brechen. Das war in Butscha in der Ukraine so, aber nicht nur da, sondern in vielen kriegerischen Konflikten rund um den Erdball. Im Grunde ist es eine Vernichtungspsychologie, wie sie die Nazis anwandten. Ganze Volksgruppen und Ethnien wurden entmenschlicht. Juden wurde der Status als Mensch bestritten, um sie zumindest mit Duldung eines großen Teils der Bevölkerung wegschaffen zu können. Ins Arbeitslager, so sagte man. Heute wissen wir alle, welches Grauen dort auf die armen Menschen wartete.

Familien auseinanderreißen, Kinder verschleppen, Frauen vor den Augen ihrer Männer und Kinder vergewaltigen. All das passiert, jeden Tag auf dieser Welt.

Filme und Fotos, die kaum zu ertragen sind

Im Internet kreisen grausige Fotos und Filme von Massakern und Tötungen. Sowas kennen wir schon aus den Köpfungs-Videos der Söhne Allahs vor 20 Jahren. Sie erinnern sich sicher an diese entsetzlichen Verbrechen.

Und zumindest einige von Ihnen haben die Geschichten gehört, was bei dem Terrorangriff auf Paris damals im Musiktheater „Bataclan“ am 13. November 2015 wirklich passierte. Was Überlebende geschildert haben und Medien nur in sehr nebulösen Andeutungen zu berichten wagten. Ich will mich hier der medialen Omérta unterwerfen. Und glauben Sie mir: Sie wollen das alles gar nicht wissen. Unerträglich ist schon die Vorstellung, aber nicht mit dem Verstand zu ermessen, was die Opfer vom Bataclan in den letzten Minuten ihres Lebens Schreckliches erleiden mussten.

Gestern Nacht habe ich von einem Kollegen Videofilme bekommen, auf denen ukrainische Gefangene angeblich in einem Lager russischer Separatisten zu Tode stranguliert werden. Gefesselt, vollkommen unfähig, sich zu wehren oder auch nur um Gnade zu betteln, kniet da so ein Teufel in Uniform auf der Brust des hilflosen Gefangenen. Das dünne Seil um den Hals des Mannes zieht sich zusammen, bis er nicht mehr atmet. Ich sage Ihnen: sie wollen diese Bilder nicht sehen, und wenn die Opfer „die Falschen“ sind, dann will es ja die eigene Blase auch gar nicht wissen. Ist dann eh alles Fälschung und Bilderberger und blabla…

Aber leider ist das echt, und es gibt nicht nur schwarz und weiß bei einem Krieg. Natürlich war auch das Video echt, wo ukrainische Soldaten gefangenen und gefesselten russischen Soldaten in die Beine schossen, einfach um sie bewegungsunfähig zu machen. Und wie geht es eigentlich den gefangenen Soldaten aus dem Azow-Stahlwerk in Mariupol, alles angeblich „Faschisten“. Glauben Sie, dass diese Männer noch leben? Dass sie versorgt worden sind? Nie im Leben.

Wer kümmert sich um die, sind doch nur Faschisten, können weg? Und manche, die sich selbst beklagen, dass sie auch hier in Deutschland ausgegrenzt, benachteiligt oder sogar angegriffen werden, weilmsie angeblich „Faschisten“ seien, die klatschen hier Beifall, wenn der Führer in Moskau die Männer von Azowstal einfach zu Faschisten und damit für vogelfrei erklärt. Danach fragt keiner mehr, wo die geblieben sind.

Am späten Abend kam noch eine dpa-Meldung rein…

Dutzende ukrainische Kriegsgefangene sollen bei einem Angriff auf ein Gefängnis unter der Kontrolle prorussischen Separatisten in dem Ort Oleniwka bei Donezk in der Ostukraine getötet worden sein. Einfach so.

Die Separatisten sagen, es seien 53 Tote und 75 Verletzte gezählt worden. Dazu zählten auch Soldaten des nationalistischen Regiments Asow, die im Azow-Stahlwerk in Mariupol gekämpft und sich dann ergeben haben, nachdem man ihnen freies Geleit und eine anständige Behandlung versprochen hatte.

Sind die Toten aus Oleniwka auch Männer aus Azowstal? Wen interessiert es noch? Sind ja nur „Faschisten“…

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Dieser Artikel wurde 11 mal kommentiert

  1. Freichrist343 Antworten

    Tatsache ist jedenfalls, dass Russland hohe Verluste hat. Und dass es in Russland einen Bevölkerungsrückgang gibt. So dass Russland langfristig seine Verluste nicht mehr ersetzen kann.
    Russland liefert größere Mengen Erdgas über die Slowakei. Und die Ukraine liefert ab August größere Mengen Getreide über Odessa. Eigentlich könnten die Preise sinken.
    Bei der Wahl in NS am 9. Oktober kann eine politische Wende eingeleitet werden. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

    • Angelika Antworten

      Politische Wende? Glauben Sie ernsthaft, dass die christliche Kirchen (welche auch immer) in der BRD irgendwann wieder einen Fuß auf den Boden bekommen?
      Es wird keine „Wende“ in der BRD geben.

  2. Angelika Antworten

    Weltpolitisch ist dieser Krieg relativ unwichtig. Beide Seiten (Russland und Ukraine) werden irgendwann erschöpft sein. Dann endet der Krieg.
    Die USA werden sich noch mehr in Richtung Asien wenden. Europa bleibt der Trottelkontinent mit dem großen Mundwerk und nichts dahinter. (So eine Art Arabische Liga auf woken Kokain.) Das Framing („Frieren im Winter ist gesund.“) in Europa wird noch wichtiger und notwendiger. Einfach weil der Abstieg Europas weiter gehen wird und man das irgendwie verkaufen muss.
    Taiwan kommt irgendwie an China. (China wäre vermutlich bereit 100 Millionen eigene Bürger dafür zu opfern. Wie viele eigene Bürger wären die USA bereit für Taiwan zu opfern?) Ich vermute, dass weitere Länder wie Japan, Iran, … eine eigene Atomstreitmacht aufbauen.
    Ich glaube nicht, dass die Welt „schlechter“ wird. Nur regeln andere dann die Geschicke der Welt. Wie z.B. der Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien von Russland, der Türkei und noch etwas vom Iran geregelt wurde. Der Westen spielte dabei keine Rolle. Und genauso wird es auch bei anderen weltweiten Konflikten sein.
    Für Europa muss das gar nicht so schlimm sein (kümmert man sich um die eigenen Dinge), wenn nur dieses peinliche europäische Trottelgelaber endlich enden würde.

    • Gerd Rau Antworten

      Das halte ich schon für eine gewagte These, das dieser Krieg weltpolitisch relativ unwichtig ist. Ich finde schon das die Welt schlechter wird (und gefährlicher) wenn immer mehr Diktatoren Länder regieren und die „Demokratien“ nicht mehr bereit sind für Ihre Werte zu kämpfen. Das ist der Grund warum ich in den allgemeinen Amerikahass nicht einstimmen kann, die haben für demokratische Werte(mit allen Einschränkungen) gekämpft und nicht wie es in Europa inzwischen üblich ist, nur gelabbert.
      Winston Churchill hatte schon Recht, „die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, mal abgesehen von allen anderen“

      • gerd Antworten

        Das Amerika der Gegenwart ist allerdings nicht mehr das Amerika von Juni 1944. Mir liegt es fern, beide Amerikas zu lieben oder zu hassen.

      • Angelika Antworten

        Europa steigt weiter ab. Ostasien ist die Zukunft. Vielleicht ganz Asien. Vielleicht noch andere Weltregionen.
        Kriege in absteigende Gegenden zwischen absteigenden Mächten spielen für die Zukunft der Welt keine so große Rolle. Sie sind eher von regionaler Bedeutung.
        Ich habe keinen Hass auf Amerika. Demokratie und Diktator wirkt sich erst mal (per Definition) im Inland aus. Tendenziell dürften Demokratien im Durchschnitt eine „netter“ Außenpolitik betreiben. Aber nur tendenziell. Wenn Demokratien es richtig framen, können sie auch alles machen.
        Viel wichtiger finde ich folgenden Punkt: Die Gefahr, dass man als schwaches Land und schwacher Kontinent in eine Art Knechtschaft geraten kann, wenn man sich gegen „mobbende Mitspieler“ nicht wehren kann.

        • aha Antworten

          Das mit den Schwächen Deutschlands und Europas sehe ich genauso. Die deutschen Schüler haben im Ranking immer Plätze von 12…15 und dahin wird sich das Land entwickeln. Vielleicht nicht ganz so tief, weil wir einen relativ guten Bestand haben, aber sie werden von Anderen beherrscht werden.

          Nach dem 2. Weltkrieg sollen die Deutschs unterschrieben haben, dass sie beherrscht und ausspioniert werden dürfen. Nun gibt es das Gerücht, dass man das bei der Wiedervereinigung wieder unterschrieben hat. Gültig bis 2099! Wenn das stimmen sollte, dann muss man Wissen und Kapital , zum Wohle des gesamten Europas, aus der BRD in andere europäische Länder transferieren.

          Ich lese hier: „Warum jeder Tag ein Muttertag sein sollte!“ Mann oh Mann, das ist Denke aus der Nachkriegszeit. Mittlerweile haben wir ein größeres Frauenproblem. Die schlechten Leistungen unserer Schüler kommen nicht vom Schulsystem, sondern – nach meinen Beobachtungen- von den Müttern.

          An das Thema wird sich aber keine unserer Parteien ran wagen.

  3. Achim Koester Antworten

    Wie Berichte aus Kriegsgebieten von Journalisten manipuliert werden, beschreibt Udo Ulfkotte in seinem Buch recht deutlich: da werden ausgebrannte Panzer mit Benzin überschüttet und angezündet, um davon fernab des Kriegsgeschehens Filmaufnahmen zu drehen. Wer glaubt, dass Relotius ein Einzelfall war, der hält auch die Erde für eine Scheibe.

  4. H.K. Antworten

    Wie die „Zeitung mit den vier Buchstaben“ berichtet, wurde zumindest ein ukrainischer Soldat von Russen mit einem Teppichmesser kastriert und die Bilder werden angeblich in Rußland „bejubelt“.

    Man darf wohl davon ausgehen, daß derartige „Maßnahmen zur Befreiung des ukrainischen Volkes von den Nazis“ keine Einzelfälle sind.

    Ebenso ist wohl anzunehmen, daß auch die ukrainischen Soldaten keine reinen Rauschgoldengel sind.

    Aber daß solche Taten sowie der Einsatz der „Wagner“-Truppe sowie Kadyrows und seiner Leute vom Kreml nicht nur gewollt, sondern auch gedeckt werden, entsetzt einen schon.

    Krieg ist kein Videospiel, bei dem man den Reset-Knopf drücken kann.

    Bleibt abzuwarten, was China bei dem für heute angekündigten „Manöver mit scharfen Waffen“ vor Taiwan so alles anstellt …

    Vermutlich ist das keine „Kaffeefahrt“ zu den Verwandten, die man schon länger nicht mehr besucht hat.

  5. Ludvik Medved Antworten

    Werter Herr Kelle.
    Sie schreiben: „Und wie geht es eigentlich den gefangenen Soldaten aus dem Azow-Stahlwerk in Mariupol, alles angeblich „Faschisten“. Glauben Sie, dass diese Männer noch leben? Dass sie versorgt worden sind? Nie im Leben.“
    Ich weiss auch nicht, was mit diesen Männern geschehen ist.
    Vielleicht waren sie in dem russischen Gefangenenlager, das am Wochenende nachts im Schlaf von der Ukrainischen Armee bombardiert wurde. Bombardiert mit modernsten Mehrfachraketenwerfern aus westlichen Beständen, die ein Ziel in 80 Km Entfernung metergenau treffen. Schade, dass Sie das nicht erwähnt haben.

  6. Alexander Droste Antworten

    Ich war für eine Woche in Weißrussland und habe dort an den Feierlichkeiten zum 80-Jährigen Gedenken an die Opfer der Wehrmacht teilgenommen. Ich resümierte gegenüber der Obrigkeit in Brest, dass soeben für weitere Gedenkstätten gesorgt wird.
    Wenn man einfach mal die Position der „Anderen“ einnimmt, wird so einiges in einem anderen Licht erscheinen. In Weißrussland bedauert man es sehr, dass die Ukraine gegen Russland aufgehetzt wurde und ebenso, dass nun eine solche unnötige Gewalt in der Ukraine losgetreten wurde. Es ist einzig und alleine zum Schaden der Ukrainer.

    Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Russland zu diesem Einmarsch gewissermaßen gezwungen wurde. Welche andere Option hätte es gehabt angesichts der massiven Aufrüstung der Ukraine durch den Westen, was ganz offensichtlich gegen Russland gerichtet ist, und dem Ignorieren der Einwände des Kremls.

    Nicht nur Putin sondern viele Kenner der Verhältnisse in dieser Region in vielen westlichen Ländern haben gewarnt, dass es zu einem Krieg kommt, wenn die Nato die Ukraine eingliedert. Die Vorbereitungen dazu liefen auf Hochtouren. Selbst Rudolf Steiner als Philosoph und Seher hat bereits 1917 klar formuliert:

    „Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist, durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren. Das wesentliche ist, daß diese Gruppe weiß, in dem Bereich des russischen Territoriums liegt eine im Sinne der Zukunft unorganisierte Menschenansammlung, die den Keim einer sozialistischen Organisation in sich trägt. Diesen sozialistischen Keimimpuls unter den Machtbereich der antisozialen Gruppe zu bringen ist das wohlberechnete Ziel. Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, wenn von Mitteleuropa mit Verständnis eine Vereinigung gesucht wird mit dem östlichen Keimimpuls. Nur weil jene Gruppe innerhalb der anglo-amerikanischen Welt zu finden ist, ist als untergeordnetes Moment die jetzige Mächte-Konstellation entstanden, welche alle wirklichen Gegensätze und Interessen verdeckt. Sie verdeckt vor allem die wahre Tatsache, daß um den russischen Kulturkeim zwischen den anglo-amerikanischen Pluto-Autokraten und dem mitteleuropäischen Volke gekämpft wird. In dem Augenblicke, in dem von Mittel-Europa diese Tatsache der Welt enthüllt wird, wird eine unwahre Konstellation durch eine wahre ersetzt. Der Krieg wird deshalb so lange in irgendeiner Form dauern, bis Deutschtum und Slawentum sich zu dem gemeinsamen Ziele der Menschen-Befreiung vom Joche des Westens zusammengefunden haben.

    Es gibt nur die Alternative: Entweder man entlarvt die Lüge, mit der der Westen arbeiten muß, wenn er reüssieren will, man sagt: die Macher der anglo-amerikanischen Sache sind die Träger einer Strömung, die ihre Wurzeln in den Impulsen hat, die vor der französischen Revolution liegen und in der Realisierung einer Welt-Herrschaft mit Kapitalistenmitteln besteht, die sich nur der Revolutions-Impulse als Phrase bedient, um sich dahinter zu verstecken; oder man tritt an eine okkulte Gruppe innerhalb der anglo-amerikanischen Welt die Welt-Herrschaft ab, bis aus dem geknechteten deutsch-slawischen Gebiet durch zukünftige Ströme von Blut das wahre geistige Ziel der Erde gerettet wird.“ (Lit.:GA 173c, S. 264f)

    Quelle: Über Grün gehen

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