Putsch in der Türkei – gab es ein geheimes Drehbuch?

Es ist schon ein erstaunlicher Vorgang, wenn nach einem niedergeschlagenen Putschversuch in der Türkei bereits 24 Stunden später neben 2.500 verhafteten Soldaten (nachvollziehbar) auch 2.400 Richter aus ihren Ämtern geworfen werden. Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der zweifellos die Unterstützung der Mehrheit seines Volkes inne hat, hat den Putschversuch als ein „Geschenk Gottes“ bezeichnet. Nun kann er endlich schalten und walten, wie er will. Nachdem er bereits einen Teil des türkischen Parlaments in diesem Jahr per Mehrheitsbeschluss zu Straftätern erklären lies, räumt er nun auf, „säubert“, wie er das selbst nennt. Machen wir uns nichts vor: die Türkei ist kein Land mehr, dass zu den Staaten der EU auch nur ansatzweise passen könnte. Wenn die EU Rückgrat hat – und das erwarte ich vom aktuellen Brüssel leider nicht – sollten Kommission und EU-Parlament noch in dieser Woche die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei formell für gescheitert erklären. Nach dem Brexit täte es auch gut, mal durchzuzählen, wer noch zum EU-Club dazugehören will. Die Mitgliedschaft ist ja freiwillig. Wer gehen will, soll gehen. Und wer sein Land von einer im Grundsatz demokratischen Gesellschaft zu einem Polizeistaat entwickelt, kann ganz sicher nicht dazu gehören. Und das ist für Europa ein Problem und für die NATO auch. Die Türkei spielt eine überaus wichtige Rolle im westlichen Verteidigungsbündnis, quasi als Frontstaat an den Grenzen zum Wahnsinn. Und sie soll gegen Milliarden aus Brüssel und Berlin das Flüchtlingsproblem Europas, nein, das Flüchtlingsproblem Deutschlands, Österreichs und Schwedens im Griff behalten.

Bleibt die Frage der großen Verschwörung. Hat Erdogan den Putsch selbst inszeniert? Gab es vielleicht ein Drehbuch, nach dem der gescheiterte Putsch bis heute von Erdogan und seinen Leuten entwickelt wird? Auch als Nicht-Verschwörungstheoretiker muss ich leider sagen: Man kann diesen Gedanken nicht ausschließen. Erdogan hat die Skrupellosigkeit, die Mittel und die Macht, um so ein Schmierenstück vor den Augen des globalen Publikums aufzuführen. Und es gab natürlich in der Historie solche Verschwörungen. Nicht der Blödsinn, den uns heute die sogenannten „Truther“ präsentieren, über 9/11 und die angeblich nicht stattgefundene Mondlandung und die Chemtrails, die uns alle kirre machen. Denken Sie an den Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939. Unter dem Tarnnamen „Unternehmen Tannenberg“ inszenierte die SS diesen Angriff. Der „Völkische Beobachter“, das NS-Propagandablatt schlechthin, schrieb darauf unter der Überschrift „Der unerhörte Bandenüberfall auf den Sender Gleiwitz“, dass sich „die polnische Meute“ dazu habe „hinreißen lassen, die Reichsgrenze zu überschreiten, einen deutschen Sender zu überfallen, und die Kriegsfackel an ein Pulverfaß zu legen, dessen Existenz vor der Geschichte die Polen einmal zu verantworten haben werden.“ Was darauf folgte, ist bekannt: Am 1. September 1939 kündigte Hitler an, nun werde „zurückgeschossen“, und der Zweite Weltkrieg begann. Am Ende waren 50 Millionen Menschen rund um den Erdball tot.

Oder nehmen wir den sogenannten „Tonkin-Zwischenfall“ Anfang August 1964. Vor der Küste Nordvietnams griffen damals nach Angaben der US-Marine nordvietnamesische Schnellboote zwei amerikanische Kriegsschiffe mehrmals ohne Anlass an. US-Präsident Lyndon B. Johnson setzte daraufhin die „Tonkin-Resolution“ durch, was zum direkten Eingreifen der USA in den Vietnam-Krieg führte. Erst 1971 enthüllte die „New York Times“, eine der angesehendsten Zeitungen der Welt – oder wie man heute sagt „Lügenpresse“ – die „Pentagon-Papers“, ein geheimes Dokument aus dem US-Verteidigungsministerium. Aus dem ging hervor, dass der Kriegseintritt der USA lange vorher geplant wurde. Die Angriffe auf US.Kriegsschiffe hatte es gar nicht gegeben.

Ja, es gibt politische Verschwörungen, die den Lauf der Weltgeschichte dramatisch verändert haben. Und es gibt den Putschversuch in der Türkei. Hat Erdogan ihn selbst inszeniert? Ich weiß es nicht. Würde ich es ihm zutrauen? Ja.

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Dieser Artikel wurde 42 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Sehen Sie, wie wunderbar Verschwörungstheorien sind?

    Es gibt so viele parallele Züge zu einer Epoche in Deutschland, an die man nicht gerne zurückdenkt. Erdogan hat es ja selber so gesagt: Er stellt sich ein Präsidialsystem vor wie Hitler-Deutschland.

    Ja Erdogan ist sehr beliebt in der Türkei. Wer ihn kritisiert oder beargwöhnt ist inzwischen von Mordanschlägen bedroht. Wer ihm widerspricht ist ein Terrorist. Wer einen unrühmlichen Fleck in der Geschichte der Türkei benennt, selbst wenn das schon hundert Jahre her ist, auch.

    Er ist beliebt, weil er in der Tat die Türkei modernisiert und wirtschaftlich erfolgreich gemacht hat. Ist es nicht wunderbar? Er legt sich mit allen an und will uns übrige Welt seinen Willen aufzwingen, Vorschriften machen. Es ist ein Verbrechen der Deutschen,die Türken in Deutschland zu „assimilieren“ (zu integrieren). Er gibt den Türken einen Nationalstolz. Genau wie damals der Große Führer.

    Verblüffend ähnlich!

    • Günther Toussaint Antworten

      Und hat Erdogan nicht auch schon die eine oder andere Autobahn gebaut?

    • Alexander Droste Antworten

      Interessant ist auch die Rhetorik:

      Bei Widersachern spricht man jetzt auch nicht mehr über Menschen, sondern über Krebs, Viren und Geschwüren, und bei deren Beseitigung von Säuberung. Natürlich wird die Todesstrafe gefordert, vom Mob wie vom Obersten.

      Ein Gottesgeschenk, dieser Putschversuch! Für einen Diktator natürlich.

      Ich bin gespannt, wann die ethnische Säuberung der Türkei beginnt.

      • S v B Antworten

        Stößt Ihnen in diesem Zusammenhang nicht auf, dass in jüngerer Zeit auch die Rhetorik unserer Politiker sehr zu wünschen übrig lässt, wenn es um die Teile des Wahlvolkes geht, welche vom politischen Mainstream abweichen (gemeinhin Dissidenten genannt). Da ist auch „eine gehörige Menge“ drin. Pack, Mischpoke, Dumpfbacken, to name but a few. Wer garantiert uns, dass es hier nicht irgendwann auch einmal zu „türkischen Verhältnissen“ kommen könnte?

        • Alexander Droste Antworten

          Da ist was dran. Immerhin handelt es sich noch um Menschen, nicht um Krankheiten. Wer garantiert uns? Wir selber. Noch. Die „Dumpfbacken“ tun ihren Teil allerdings dazu. Teile der Bevölkerung ergehen sich in Pöbeleien von der allerfeinsten Sorte.
          In der Türkei ist es zu spät. Da hilft nur noch eine Katastrophe. Demokratie und Rechtsstaat hat HitlErdogan abgeschafft.

        • Tina Hansen Antworten

          SvB,

          den Begriff „Pack“ habe ich dem zuständigen Herrn auch nie verziehen. Aber als ich heute in Hannover an der S-Bahn-Haltestelle stand, wo ständig Kurznachrichten gesendet werden, und mal so eben das Wort „Säuberungen“ im Zusammenhang mit unserem großen Freund in der Türkei las, wurde mir ganz anders.
          Es ist in diesem Land okay, jeden, der eventuell und in freundlichen Worten den Schutz unserer Grenzen, die Befolgung unseres Grundgesetzes durch die Regierung, die Abschiebung von schwerkriminellen Migranten und offiziell abgelehnten Asylbewerbern anregt, als „Nazi“ zu beschimpfen. Das ist völlig akzeptiert… aber das eigene Wahlvolk als „Pack“ zu beschimpfen oder mit einem Herrn zu paktieren, der „Säuberungen“ durchführen lässt, das stößt fast niemandem auf.
          Mir ist bewusst, dass die Türkei wahnsinnig wichtig ist für die NATO und damit für unser aller Sicherheit. Aber dass in diesem Land etwas gewaltig in Schieflage ist, stimmt ebenso.

          • S v B

            @Tina Hansen

            Finden Sie wirklich, dass die Türkei „wahnsinnig wichtig“ ist für unsere Sicherheit? Ausgerechnet die Türkei soll der Wächter der europäischen Südostflanke sein, als Bollwerk gegen – ja, gegen wen denn überhaupt? Mir erscheint Ihre Einschätzung äußerst gewagt. Es war/ist doch zu beobachten, dass die Türkei sich in geradezu rasantem Tempo in eine stets unberechenbarere Größe entwickelt. Die Entwicklungen der vergangenen Tage, Wochen und Monate sprechen Bände, und ich frage mich darüber hinaus, ob ein solch unberechenbares Staatswesen überhaupt noch zum NATO-Partner taugt. Die ohnehin sehr umstrittene EU-Mitgliedschaft der Türkei ist nun hoffentlich endgültig vom Tisch.

  2. R. Antworten

    Hm? Ein wenig bin ich auch geneigt, an ein Drehbuch zu glauben. Dem widerspricht nur eins: wie konnte das Drehbuch wissen, dass die Türken (sogar hier in Deutschland) für ihren Erdogan auf die Straße gehen und sich sogar vor Panzer stellen?

    • Wolfgang Antworten

      Weil nicht nur Türken gerne auf die Straßen gehen und für oder gegen was demonstrieren. Das gilt umso mehr als irgend jemand denen vorher gesagt hat, dass sie zu Hause bleiben sollen.

      Das funktioniert hier in Deutschland genauso auch ohne Putsch. Wenn zum Beispiel Herr Gabriel alle Deutschen auffordert zu Hause zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen und danach Frau Merkel sagt, dass sie auf die Straße gehen sollen, dann sind alle auf der Straße.

    • Bettina Antworten

      vielleicht weil es ihre Mentalität ist, für ihren „Führer“ bedingungslos alles zu tun.

    • PeWi Antworten

      Weil die Imame es von ihren Moscheen gerufen haben und es via Medien kam. Die türkische Gemeinde in Deutschland fühlt sich doch nicht Deutschland zugehörig. Es gibt die AKP ebenso hier, genauso wie die Grauen Wölfe. Die Nachrichten werden doch nicht nur in der Türkei vernommen.

  3. Tina Hansen Antworten

    Gestern abend schrieb mir mein jüngerer Bruder eine Kurznachricht: „Was machste so?“
    Ich schrieb zurück: „Rege mich auf. In der Türkei wurde ein Putsch fingiert, um Erdogan noch fester in den Sattel zu hieven!“
    Er: „Ist alles etwas unübersichtlich… Besser erst mal den Ball flach halten.“
    In dem Moment fiel mir ein, dass ich mich kurz zuvor im Blog von Klaus Kelle energisch von Verschwörungstheorien distanziert hatte. Und insofern will ich auch jetzt keine verbreiten. Es ist nur alles mal wieder etwas… merkwürdig. Ein Gefühl wie nach der Wahl in Österreich, die nun wiederholt werden muss, nur viel viel stärker.
    Nach etwas Nachdenken schrieb ich meinem Bruder: „Ich habe aber so ein ganz komisches Gefühl… da stimmt was nicht an dieser Geschichte.“
    Er: „Frauen haben immer irgendwelche Gefühle!“ Zwinkernder Smiley.
    Ich mahnte ernst zum Gender-korrekten innerfamiliären Umgang; er zeigte sich reuevoll. Und doch… und doch… das Gefühl ist da und geht auch nicht weg.

  4. Andreas Antworten

    Machen Sie es doch bitte nicht so kompliziert.

    Vergleichen Sie einfach die Aufnahmen über das türkische Militär ( der zweitgrößten Nato-Armee nach den USA) mit 600.000 Mann, F16 Jagdbombern, Leopardpanzern und ziemlich hart wirkenden Burschen in Uniform, mit den paar Panzern und Fahzeugen, besetzt von verschüchterten Wehrpflichtigen in der „Putschnacht“.

    Wenn das ein Militärputsch gewesen wäre, hätte er funktioniert.

    Wer soll denn bitte mit den paar Geräten und Männekes, die nicht mal in der Lage waren den Sultan am Urlaubsort festzusetzen befehligt haben ? Die Reinkarnation von General George Armstrong Custer?

    • Tina Hansen Antworten

      Ich habe gerade so ein bisschen charmant geschrieben, aber als jemand, der täglich mit dem Militär zu tun hat, möchte ich jetzt mal ein bisschen uncharmant sagen: Ja! Wenn es ein Militärputsch gewesen wäre, hätte es funktioniert oder wäre ganz sicher nicht in ein paar Stunden niederzuschlagen gewesen.
      Lächerlich.

      Uncharmante Grüße.

      • Josef Schmitt Antworten

        Hallo Tina, so ist es.
        Da der Aufenthaltsort von Erdogan bekannt war, hätte der erste Schritt die Festsetzung in seinem Urlaubshotel sein müssen, nicht die Bombardierung nach dessen Abreise.
        Und: Ich war nur einfacher Soldat…….

  5. Andreas Antworten

    Einfach noch mal genauer lesen was ich geschrieben habe und weniger emotional reagieren.
    Und vieleicht wenigstens soweit ūbereinstimmen, dass ein Militärputsch wenigstens eine gewisse ,auch zahlenmässige, Unterstūtzung in der Truppe haben mūsste.

    • Tina Hansen Antworten

      Andreas, ja. Aber ich bin sicher: Das ganze Ding stimmt hinten und vone nicht. Ich schreibe noch mal, muss jetzt mal schlafen gehen;-)

  6. Horst Noll Antworten

    Wow! Diesem Text kann ich nur zustimmen. Und ja, es riecht verdammt nach Drehbuch…

  7. Steffen Antworten

    Inszeniert oder einfach nur wissentlich den nahenden Putsch ausnutzend:
    Das ist der Reichstagsbrand am Bosporus …

  8. Ines Gabriele Köppen Antworten

    Als ich am morgen danach das alles gelesen habe dachte ich nur ja jetzt kann er alle macht ausschöpfen und alles im land niederreißen was es an guten gab (das war nicht viel aber ein guter ansatz) er ist ein selbst verherlichter diktator und bitte Brüssel stopt die aufnahme in die EU er hat nichts mit der rechtstaatlichkeit zu tun

  9. Bernd Minzenmay Antworten

    da bombardieren die Putschisten das Feriendomizil des Herrn Präsidenten, obwohl sie wissen, dass der schon längst abgeflogen war. Und die Putschisten wussten sogar, in welchem Flugzeug der Herr Präsident sass – sonst hätten sie ja schlecht zwei F-16-Jets hinterherschicken können. Und diese müssen von der gleichen zitternden Sorte von Soldatenjüngelchen geflogen worden sein wie die vor der Menge kapitulierenden Panzerinsassen in Istanbul, denn sie haben die anderen beiden F-16-Jets gesehen, die den Präsidentenflieger „beschützt“ haben (s. SPON von heute morgen). Da sind die dann gleich wieder zurückgeflogen, ohne dass auch nur ein Schuss gefallen wäre. Und der Präsident ist dann auf dem Isanbuler Flughafen wohlbehalten (mann, hat der ein Glück! ein Dank an die Vorsehung!) gelandet, obwohl dieser gerade von den Putschisten besetzt worden war. – Vorsorglich ist dann von den Putschisten auch noch der 1000-Zimmer-Präsidentenpalast in Ankara beschossen worden, denn dass die katholische Kirche schon längst das Dogma von der gleichzeitigen Anwesenheit ein und der selben Person an zwei verschiedenen Orten aufgegeben hat, muss ja nicht unbedingt auch für ein muslimisch/islamistisches Land gelten.
    Aber vielleicht ist alles das, was wir uns ja nur aus der Presse pp. zusammenreimen können, wieder mal alles nur Nebel und Täuschung und die Erde eine Scheibe, um die sich die Sonne dreht

    • Wolfgang Antworten

      Also ich glaube auch an eine False-Flag-Operation aber aus anderen Gründen. Denn bei einem solchen Ansatz heraus gibt es alternative Optionen. Eine davon ist die, dass Erdogan von dem Putsch wusste und ihn zuließ, um ihn danach für sich zu nutzen. Das er das wußste, dafür sprach, dass er die Armenienresolution nutzte, um Frau Merkel an einer Reise nach Incirlik zu hindern. Wäre Frau Merkel jetzt dort gewesen, dann wäre die Situation noch brenzliger geworden als sie aktuell ist.

      Und wenn Erdogan von dem geplanten Putsch wußte, dann hat der sich natürlich im entscheidenden Augenblick nicht an seinen eigenen Terminkalender gehalten.

      Darüber hinaus: Der damalige deutsche Führer hatte in seiner Zeit 46 Attentate überlebt. Das ein Putsch nicht klappt ist keineswegs etwas ungewöhnliches.

      Und außerdem: Die Erde ist keine Scheibe, sondern das dreidimensionale Obervolumen einer vierdimensionalen Kugel – denke ich jedenfalls.

    • Tina Hansen Antworten

      Hallo Bernd Minzenmey,

      ich musste gestern aus dieser Diskussion aussteigen, weil ich früh ins Bett musste, hatte mir aber fest vorgenommen, meine Argumente, warum ich an diesen „Putsch“ nicht glaube, noch auseinander zu klamüsern. Wie ich sehe, haben Sie mir die Mühe abgenommen 🙂

  10. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Ganz faule Kiste !
    Gerade die Nummer mit den F 16 – Kampfjets, die Erdogans Flugzeug zwar anvisieren, aber nicht weiter bedrängen, nicht zur Landung zwingen oder gar abschießen, ist doch sehr merkwürdig.
    Und das mit 4 erfolgreichen Putschversuchen ( 1960, 1971, 1980 und 1997 ) sehr erfahrene Militär soll mit Luftwaffe und Heer dermaßen halbherzig und dilettantisch agiert haben ?
    Alles spielt Erdogan wunderbar in die schmierigen Pfoten, nun kann er das Land in seinem Sinne endgültig in eine Diktatur oder ein „Sultanat“ umwandeln.
    Und was noch schlimmer ist: Anscheinend findet die Mehrheit der Türken das auch noch großartig. Kemal Atatürk rotiert mit 3000 Umdrehungen in seinem Grab.
    Und ich behaupte mal : NATO / EU werden ein noch paar Tage lang lamentieren und sich dann der neuen Lage fügen.

    • S v B Antworten

      Kemal Atatürk möge in Frieden ruhen. Wie es scheint, war seine mit großem Nachdruck betriebene „Verwandlung“ der Türkei in einen laizistischen Staat nur vorübergehender Natur. Ich vermute, dass das, was wir gerade erleben, ein Charakteristikum der „wahren Türkei“ ist. Es scheint sich wieder einmal eine Version des (asiatisch-)osmanisch-islamischen Despoten herauszubilden. Dies mag dem Westen nicht gefallen, aber der hat in dieser Sache eben nichts zu melden. Für die Mehrheit der Türken – hier wie dort – scheint der Vorgang durchaus in Ordnung, ja hochwillkommen, zu sein. Mich überrascht das alles nicht sonderlich.

  11. Andreas Schneider Antworten

    Ob eine Inszenierung vorgelegen hat, werden wir hier und heute nicht mit Sicherheit feststellen können. Sicher ist jedoch: die Sache stinkt. Immerhin schüttelt niemand so einfach eine Liste mit mehreren tausend missliebigen Juristen aus dem Ärmel…

    Wie auch immer: im Falle einer Nicht-Inszenierung hat Erdogan die Gelegenheit beim Schopf ergriffen. Das muss ihm der nicht vorhandene Neid lassen…

  12. Steffen K. Antworten

    Genau genommen findet der Putsch JETZT statt … unter Führung von Herrn Erdogan

  13. Christoph Grassl Antworten

    Hitler: Am Ende waren 50 Millionen Menschen rund um den Erdball tot
    Was mich eigentlich aus dem Häuschen bringt, ist die Tatsache, dass die vergeblichen Versuche den realen Sozialismus zu verwirklichen (angeblich) bis zu 140 Millionen Menschenleben gekostet haben und dennoch laufen die Leute mit Ché Guevare-T-Shirt herum und träumen vom Sozialismus ganz nach dem Motto: „Die Idee ist gut, nur die Umsetzung war fehlerhaft“. Glauben Sie mir, eine Idee, die erfordert, dass jeder einzelne Mensch geändert wird, ist nicht gut.

  14. Christoph Grassl Antworten

    zum Thema Vietnam-Krieg habe ich diese Überlegung: der kommunistische Norden hat den Süden überfallen, kein Zweifel! Mit massiver Unterstützung von China und Russland, auch keine Einwände, oder? Haben die Kommunisten unter der Zivilbevölkerung Gräuel angerichtet? Da gehen die Meinungen auseinander, ich denke: selbstverständlich.
    Das Eingreifen der USA in diesem Krieg war unglücklich, wie jeder Krieg unglücklich ist.
    Mit Blick auf den 2. Weltkrieg muss man sagen: hätte die USA nicht vor Kriegseintritt massiv Russland unterstützt und wäre die USA nicht in den Krieg gegen Hitler eingetreten, dann hätten wir sicherlich nicht die Pressefreiheit, die wir jetzt haben und vermutlich hätte die Hälfte der Bevölkerung braune Hemden und die andere Hälfte wäre tot.
    So kann man das Engagement der USA in Vietnam vielleicht etwas neutraler beurteilen?

  15. Uwe_aus_DO Antworten

    Ich bin ziemlich entsetzt darüber, auf welche Nebenkriegsschauplätze man sich hier begibt (Vietnam??). Vietnam ist Geschichte, in der Türkei wird gerade neue Geschichte geschrieben. Richter, Polizisten, andere Staatsdiener, Ausreiseverbot, Bildungseinrichtungen…
    Die Türkei wird zu einer islamistisch geprägten Diktatur. Schlimm genug, aber dann auch noch ein Staat, der uns wegen der Flüchtlingskrise erpressen kann. Hat dazu niemand eine Meinung, oder besser noch konstruktive Vorschläge, wie wir damit umgehen, das schlimmste vielleicht noch verhindern?

    • Dr. Dolhaine Antworten

      Guten Abend allerseits.

      „ein Staat, der uns wegen der Flüchtlingskrise erpressen kann.“

      Ja, was passiert zu Zeit hier eigentlich? Sehen wir irgendetwas von einer effizienten Vorbereitung auf eine neue Flüchtlingswelle, um gerüstet zu sein, wenn Herr Erdogan die Schleusen öffnet? Oder sind wir wieder „total überrascht“, dass da plötzlich große Mengen Menschen kommen? (Diese Überraschung habe ich schon letztens nicht verstanden. Hat der Geheimdienst die Regierung nicht über die Verhältnisse in Syrien und die zu erwartende Flüchtlingswelle informiert? Oder hat er, und Frau Merkel hat mal wieder Aussitzen beschlossen statt im Vorfeld Hütten zu bauen, Kontrollorganisationen einzurichten etc. ?)

      Und zur Türkei: ohne Worte. Erinnern wir uns: Reichstagsbrand, Ermächtigungsgesetz, Säuberungen, Nacht der langen Messer…..

      Mit freundlichen Grüßen
      H. Dolhaine

  16. Alexander Droste Antworten

    Hä? Erdogan sucht Annäherung mit Russland, Assad in Syrien und mit dem Iran. Das hat natürlich mit Öl zu tun, wird behauptet.
    Der Putsch sei nun vom CIA inszeniert um die Türkei mit Chaos zu schwächen und zurück zu bringen, auf den Anti-Putinkurs und Anti-Assadkurs zurück zu bringen?

    Das glaube ich nicht wirklich …

    • Alexander Droste Antworten

      Der Putsch als Drohung Amerikas? Der russische Geheimdienst hat Erdogan gewarnt?

      Viele Ungereimtheiten kommen zutage. Kein Kopf, keine Zielansage, minimaler Angriffsstab, völlige Desinformation über den Aufenthalt des zu Entmachtenden. Das ist doch alles absurd.

      Erdogan fordert die Auslieferung Gülens aus den USA, das sei ein Hinweis auf die amerikanische Rädelsführerschaft wie auch der Abschuss des russischen Kampfjets angeblich von amerikanischer Anweisung erfolgte. Nun entschuldigt sich Erdogan in aller Form, weil er sich ein Stück weit von Amerika emanzipiert.

      Interessante Thesen, nicht war? Was kann man glauben?

  17. Wolfgang Antworten

    Andere These: Es geht um die visumfreie Einreise nach Eurpoa durch die Hintertüre. Zur Zeit sind ca. 11.000 Putschisten im Gefängnis, die nun – so Amnesty – gefoltert werden. Aus denen werden in kürze Personen, die hier Asyl beantragen. Die haben das vorher ausgemacht. Jeder, der nach Eurpa will, der beteiligt sich an dem Putsch.

  18. Felix Becker Antworten

    Komisch, diejenigen, die in der Aufnahme der Türkei in die EU eine „Bereicherung“ Europas sehen (sahen ?) haben sich noch gar nicht zu Wort gemeldet! Wo doch die Mehrheit in der Türkei (und der Türken in Deutschland) hinter Erdogan stehen – also offensichtlich dessen Weltbild teilen.

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