Tino Chrupalla mit nur 53,4% wieder AfD-Bundessprecher – das ist schwach

Nichts Neues beim Bundesparteitag der AfD im sächsischen Riesa. Tino Chrupalla setzte sich mit mageren 53,4 Prozent gegen den stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Norbert Kleinwächter, durch, der als Kandidat der Gemäßigten in der latent rechts eingeordneten AfD mit einem guten Drittel wenigstens ein anständiges Ergebnis erzielte.

Fakt ist aber auch: die bürgerlich-konservative Mitte dieser Partei, die sich hauptsächlich im Westen Deutschlands findet, verliert deutlich an Boden. Mit Chrupalla, Weidel (67,3%) und den Stellvertretern Stephan Brandner, Peter Boehringer und Mariana Harder-Kühnel – alle drei Bundestagsabgeordnete – wurden die Wunschkandidaten Chrupallas durchgewunken. Alles im Griff auf dem blauen Schiff.

Chrupalla sprach nach der Wahl von einem «Aufbruch», doch seine Kandidatenliste 1:1 durchzudrücken, zeugt nicht von Integrationswillen und ausgestreckter Hand zu seinen Kritikern, was wenigstens ein kleines bisschen Größe bewiesen hätte. Vor allen Dingen aber ist es politisch dumm. Denn die alten Frontlinien bestehen weiter, und nichts deutet darauf hin, dass diese AfD zur Ruhe kommt oder wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt.

Ein Bundessprecher, der bloß im Amt bestätigt werden muss, und der dann nur knapp über die Hälfte der Delegierten hinter sich versammeln kann, der ist ein schwacher Anführer. Also genau das, was ihm seine Kritiker nach einer langen Reihe verlorener Wahlen immer wieder vorgeworfen haben. „Er kann es einfach nicht“, ist immer wieder von Abgeordneten und Parteifunktionären zu hören.

Wie es mit der AfD weitergeht, das kann ich heute natürlich nicht einschätzen. Das werden im Zweifel die nächsten Wahlen zeigen, demnächst in Niedersachsen. Aber die politische Karriere von Tino Chrupalla ist vorbei, auch wenn er es noch einmal knapp ins Amt an der Parteispitze geschafft hat.

 

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Dieser Artikel wurde 15 mal kommentiert

  1. H.K. Antworten

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Außer:
    Über kurz oder lang zerlegt sich die AfD selbst.
    Schade, für viele enttäuschte, heimatlos gewordene CDU-Wähler.

    Und:
    Mehr als bedauerlich, daß jemand wie Jörg Meuthen die Brocken hingeworfen hat.

    Nichts gegen Malermeister, ein absolut ehrbarer, unentbehrlicher Beruf.
    Aber zahlreiche verlorene Wahlen sprechen eine deutliche Sprache.

    Ob Norbert Kleinwächter, der schon mal vom Rednerpult des Deutschen Bundestages auch die Omi zuhause grüßt, das Ruder hätte herumreißen können, …

    • Heiko Evermann Antworten

      Meuthen wusste, warum er nicht wieder angetreten ist. Er wäre nicht gewählt worden. Kleinwächter war der einzige der Moderaten, der seinen Hut in den Ring geworfen hat. Das moderate Lager hat es bei den anderen Wahlgängen gar nicht erst versucht. Sie hätten auch keinen Stich gemacht.

      • Johannes Antworten

        Ja, alles in allem keine gute Entwicklung. Gedanklich beschäftige ich mich auch bereits ab und an mit dem „Koffer packen“. Zähle zu dem moderaten Lager und bin sehr enttäuscht von diesem Parteitag.

        Nicht nur, dass es DIESE Doppelspitze, incl. des nahezu gesammten BuVo, ist, sondern die absolut unterirdische und unwürdige Veranstaltung am Sonntag, die inzwischen zu einer Art „Markenkern“ der AfD geworden ist. Problem dabei: dieser Politik-Style ist den Bürgern schlicht nicht vermittelbar und politisch führt er immer tiefer in die Isolation.

  2. Wolfgang Heppelmann Antworten

    Was mir an Chrupalla und bei einigen anderen AFD – Oberen so aufstößt, ist die Rußland – und besonders Putin- Besoffenheit. Wenn das nicht aufhört, bin ich der Nächste, der aus der Partei austritt. Nichts gegen die Russen; ein Volk, das genauso gerade von einem „(ver)-Führer“ in’s Verderben geführt wird, wie wir es aus eigener Geshichte kennen. Aber daß sich AFD- ler wie Chrupalla mitverführen lassen, lasse ich denen nicht durchgehen.

    Chrupalla: Ich erwarte ein klares Bekenntnis zu Gunsten eines überfallenen Volkes: Versagen Sie dem russischen Verführer Ihre Freundschaft, sonst verlieren Sie mich, und nicht nur mich!

    • H.K. Antworten

      Ich hatte zwar einige Sympathien für die Partei, da es zumindest zeitweise so schien, als könnten enttäuschte Unionswähler dort eine neue politische Heimat finden, die nicht links-grün abgedriftet ist.

      Aber die auch nach dem 24. Februar anhaltende Rußland-freundliche Einstellung so mancher dort hat mich mehr als nur verwundert.

      Auch das auf dem gestrigen Parteitag immer wieder festzustellende Nachtreten auf Jörg Meuthen hat mich weiter auf Distanz gebracht.

      Und die zunehmend in Höckes Hand gehaltenen Zügel schrecken mich noch weiter ab.

      Wer nach diesem Parteitag von einem „Neuaufbruch“ redet, kann nur meinen, daß es weiter nach rechts geht.

      Als nächstes dürfte dann die Wiederaufnahme von Kalbitz in die Partei erfolgen.

      Danke. Das war‘s dann wohl.

      • gerd Antworten

        „Danke. Das war‘s dann wohl.“

        Genau, mit Scholz, Baerbock, Habbeck und Co. sind wir sehr viel besser aufgestellt. 😉

        • H.K. Antworten

          Ihre Schlußfolgerungen kann ich nicht nachvollziehen.

          Nur, weil ich etwas an der AfD kritisiere, muß ich „Scholz, Baerbock, Habeck & Co“ doch nicht toll finden.

  3. H.E. Antworten

    Aus Sicht eines Außenstehenden (und wegen 33° Grad ausschnittsweisen TV Zusehers):
    1. Eher langweilig! Die Hauptakteure z.T. mit wenig Esprit. Unfair waren m.E. nur einige wenige Fragen aus dem Kreis der Delegierten.
    2. Erwähnenswerte inhaltliche Differenzen waren für Nichtinsider kaum vorhanden.
    Die Inhalte (auch zu UA oder EU) hätten m.E. vor wenigen Jahren so oder so ähnlich in jeder CDU oder FDP Versammlung vorgetragen werden können; meinetwegen rechtskonservativ, aber keinesfalls extremistisch.
    3. Der Phönix-Professor war erkennbar bemüht, aus der Veranstaltung einen „Höcke-Parteitag“ zu machen. Das war durchsichtig und wohl Vorgabe der Phönix- Redaktion!? Die Kommentatoren des Senders waren aber relativ neutral.
    4. Negativ war für mich die „Biederkeit“. Ein sehr geringer Frauenanteil, wenige junge Teilnehmer, wenig charismatisches Personal (Besonders der Vorsitzende), sehr defensives Verhalten, keinerlei Modernität, keine Aufbruchstimmung insbesondere auch nicht verbunden mit neuem, jungen, dynamischen Personal mit Ausnahme von Erika Steinbach 🙂
    Mein Fazit: Nicht viel passiert, dagegen dringend notwendig: Personal um junge Menschen, insbesondere auch Frauen zu begeistern.

  4. H.e. Antworten

    … wenn die Presse richtig berichtet (ich habe das nicht mehr verfolgt), war das gestern ganz anders. Zeigt, die AfD ist wenig professionell und Höcke anscheinend vollkommen selbstverliebt. Warum stellt er sich nicht einfach mal zur Wahl?. Feigheit oder doch keine überragende Mehrheit?

    • gerd Antworten

      „… wenn die Presse richtig berichtet“

      Im Zusammenhang mit der AfD? Sie scherzen!

    • H.K. Antworten

      Es ist doch mehr als verständlich, daß die Presse so über die AfD berichtet, wie sie berichtet.

      Wenn man(n) weiß, daß – angeblich – über 80% der „Haltungs- und Qualitäts-Journalist*/-/:/_/Innen“ links-grün verortet sind, können die gar nicht anders, als diese Partei zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

      Es ist doch nicht von ungefähr, daß im Verhältnis zu anderen Parteien ( gefühlt nahezu 1000:1 ) fast niemand von „rääächts“ in Talkshows eingeladen wird.

      Während manche links-grüne/n Politiker*/-/:/_/Innen offenbar ein Feldbett bei ARD und ZDF stehen haben ( unser Gesundheits-Karlchen hat ganz sicher keine eigene Wohnung ), offenbar an 9 Abenden gleichzeitig in verschiedenen Quasselsendungen der Öffentlich-Rechtlichen sitzen, sieht und hört man von „denen da“ quasi nichts.

      Fair und „ausgewogen“ geht anders. „Meinungsbildung“ auch.

      Aber ich muß auch sagen, daß so mancher in dem Laden es offenbar drauf anlegt, Krawall und Klamauk zu veranstalten.

      Ich denke u.a. an den Bundestagsvizekandidaten Glaser, der im „Hohen Hause“ mit Wollmütze auf dem Kopf ans Rednerpult – ääh: sorry: ans REDENDEN-Pult – trat.

      Oder wenn auf dem Parteitag am Wochenende ein ARD-Reporter auftaucht, Alice Weidel interviewt und ihr dabei irgendwelche SS-Broschüren unter die Nase hält, die angeblich am Eingang verteilt wurden.

      SIEHT sowas niemand ? KONTROLLIERT das kein Saal- oder Ordnungsdienst ?

      Oder SOLL das so ?

      Mit solchen Aktionen schießt sich die AfD selbst ins Knie.
      Und verliert wieder ich weiß nicht wieviele Wähler.

  5. gerd Antworten

    „und ihr dabei irgendwelche SS-Broschüren unter die Nase hält, die angeblich am Eingang verteilt wurden.“

    ;-D
    Das sind die selben ARD Reporter die die AfD mit Standarten und Fackeln durch Berlin marschieren sehen, nachdem sie den Reichstag besetzt haben.
    SS- Broschüren, wie sollen die aussehen? Wer hat die „angeblich“ verteilt?

    „Mit solchen Aktionen schießt sich die AfD selbst ins Knie.“

    Welche Aktion genau? Weidel druckt auf ihrem PC SS-Broschüren und verteilt diese unter das Volk?

    • H.K. Antworten

      Ich denke, etwas Derartiges sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden.

      Die AfD muß immer damit rechnen, daß es irgendwelche Störenfriede oder Dumpfbacken gibt, die einen Parteitag aufmischen wollen. Antifa lässt grüßen.

      Und aus diesem Grund herrscht da m.W. eine gewisse „Achtsamkeit“, insbesondere an den Eingängen und Zufahftswegen.

      Und dann bekommt eine solche Aktion, wo – angeblich – „ein ganzer Stand“ am Eingang aufgebaut war, niemand Verantwortliches mit ??

      Für Reporter der ÖR ein gefundenes Fressen !
      Kostet die AfD ja nur wieder ein paar tausend Wähler …

  6. gerd Antworten

    „Und dann bekommt eine solche Aktion, wo – angeblich – „ein ganzer Stand“ am Eingang aufgebaut war, niemand Verantwortliches mit ??“

    Schon mal drüber nachgedacht, ob dieser ominöse Stand jemals existierte? Nicht? Bitte nachholen!

    • H.K. Antworten

      Ach, kommen Sie …

      WAS würden SIE als Vorsitzende/r, der mit einem solchen Vorwurf konfrontiert wird, tun – und zwar SOFORT ?

      ICH zumindest würde diesen – angeblichen – Stand unverzüglich selbst aufsuchen oder zumindest jemanden beauftragen, das zu tun. Vorzugsweise OHNE diesen ARD-Reporter, denn FALLS der Stand tatsächlich existiert, würde ich sofort davor gefilmt. Gefundenes Fressen …

      Aber wenn dieser Stand NICHT existiert, WAS würden SIE dann tun – SOFORT ?

      Und, WAS ist passiert ?

      Eben. Nichts.

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