Der AfD-Landtagsabgeoprdnete Wolfgang Gedeon sollte wegen Antisemitismus-Vorwürfen aus seiner Partei und Fraktion fliegen. Doch nun gab es nur eine Light-Lösung. Der Mann, der die ekelhaften und – historisch belegt – gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ über eine Weltverschwörung der Juden zur Erlangung der Weltherrschaft, mit den Worten sie seien zwar „moralisch die unterste Schublade“, aber „intellektuell hochwertig, ja genial“ kommentierte, lässt sein Mandat erst einmal ruhen. Ist ja nett von ihm. Seine AfD-Landtagsfraktion, die Bundespartei, sie hatten bisher nicht die Kraft, Gedeon rauszuschmeißen. Das ist schäbig. Ja, auch ein Juden-Hasser, hat in einem Rechtsstaat Anspruch auf Anhörung und ein faires Verfahren. Gerade. Aber im Fall Gedeon liegen alle Fakten auf dem Tisch. Die industrierelle Massenvernichtung von Juden in Hitler-Deutschland nannte er „gewisse Schandtaten“, Hetzer, die den Holocaust leugnen, sind für den AfD-Herren „Dissidenten“, also Menschen, die in autoritären Diktaturen für ihre Überzeugungen verfolgt werden. Autoritäre Diktaturen – so etwas wie unser Land, meint er wohl.

All das geht gar nicht. Dass diese solche gruselige Gestalt 71 Jahre „danach“ in einem deutschen Parlament auftreten darf, ist nicht zu akzeptieren. Klar, er ist gewählt, und wenn vor der Wahl bekannt gewesen wäre, wie Gedeon denkt, wäre er – davon bin ich überzeugt – jetzt nicht im Landtag von Baden-Württemberg. Da darf er nun sitzen und sich über üppige Diäten freuen, der Herr Gedeon. Dass muss das Parlament, das muss diese Gesellschaft aushalten. Aber das Mindeste ist, dass die AfD klare Kante zeigt. Natürlich, es gibt auch gedultete Antisemiten bei der Linken und wahrscheinlich in anderen Parteien. Aber eine Partei, die für Transparenz und für einen neuen Politikstil antritt, ja, die konservativ und damit mit dem latenten Vorwurf, rechtsextrem zu sein, leben muss, kann sich keinen Herrn Gedeon leisten.

Dieser Mann muss aus seiner Partei fliegen, lieber heute als morgen. Und er muss im Landtag größtmögliche Ächtung aller anderen Abgeordneten erfahren. Für solche Leute wie Wolfgang Gedeon ist kein Platz in einer freiheitlichen Demokratie.

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Dieser Artikel wurde 14 mal kommentiert

  1. Stefan Winckler Antworten

    Klaus, ich bin völlig Deiner Meinung. Gedeon ist nicht Mitte-Rechts, nicht „konservativ“, nicht „patriotisch“. Es lässt sich von „politisch pervers“ sprechen, wenn jemand im Jahre 2016 (!) mit den „Protokollen der Weisen von Zion“ zu argumentieren versucht. Die Extremismusforschung spricht von einem „lunatic fringe“, einem „verrückten Rand“, der Thesen von Gedeons Art zu verbreiten sucht und sich immer weiter in bizarren Theorien verrennt.
    So manches Mal versuchten Rechtsradikale, Verschwörungstheoretiker und gescheiterte Existenzen in neuen Parteien ihr Glück. Das ist nicht neu. Bei Bekanntwerden von Gedeons Thesen hätte jedoch schnellstmöglich der Partei- und Fraktionsausschluss folgen müssen.

  2. Rainer Buck Antworten

    Ich hatte über ein paar anerkennende Worte als Nachruf auf Herrn Meuthen nachgedacht, denn dass die Fraktion in Bezug auf den Ausschluss Gedeons nicht ausreichend mitzöge, schien mir klar. – Ihr Kommentar, Herr Kelle, kommt so rüber, als hielten Sie die AfD für eine honorige Partei, von der man erwarten kann, dass sie sich von einem Gedeon ziemlich selbstverständlich trennt. – Ich halte eine Partei, die von Leuten wie Gauland, Petry und -am furchtbarsten- Höcke repräsentiert wird für krank bis in den Kern.

    • Klaus Kelle Antworten

      Lieber Herr Buck, es ist allgemein bekannt, dass ich kein AfD-Parteigänger bin. Ich weiß aber, dass es da durchaus honorige Leute gibt, übrigens ist die Kommentatorin Anette Schultner hier eine davon. Ich muss sagen, ich hätte gedacht, dass gerade unter Herrn Meuthen, jemand wie Gedeon ruckzuck rausgeschmissen nwürde. Dass das nicht der Fall ist, halte ich für enttäuschend. Von Gauland und Höcke erwarte ich gar nichts.

  3. Anette Schultner Antworten

    http://www.idea.de/politik/detail/christen-in-der-afd-antisemitismus-wird-nicht-geduldet-97250.html

    -> auf Grundlage meiner Pressemitteilung:

    Schultner: Keine Toleranz dem Antisemitismus

    Als Bundesvereinigung „Christen in der Alternative für Deutschland“ lehnen wir jeglichen Antisemitismus in aller Schärfe ab. Wir stellen uns klar dem Judenhass entgegen, ob dieser religiös oder biologistisch begründet wird oder im Gewand volksverhetzender Begriffe auftritt wie unter anderem dem vom „globalen Finanzjudentum“. Rassistische Verschwörungstheorien wie sie in der Fälschung „Protokolle der Weisen von Zion“ stehen, haben in der ChrAfD selbstverständlich keinen Raum. Wir bekämpfen sie.

    Von der AfD erwarte ich, dass sie den verschiedenen Facetten von Antisemitismus mitsamt seinen Vertretern stets in aĺler Entschiedenheit entgegentritt – und natürlich auch, wenn dieses Problem innerparteilich auftritt. Antisemitismus gehört nicht in die AfD und kann in ihr nicht geduldet werden.

    Aus grundsätzlichen völkerrechtlichen Gründen und auch in unserer besonderen historisch bedingten Verantwortung als Deutsche steht für uns das Existenzrecht Israels selbstverständlich in keiner Weise zur Disposition.

    Als Christen haben wir zu Juden eine darüber hinausgehende Verbundenheit: Juden wie Christen beten zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (2. Mose 3, 15); als Christen wissen wir zudem um die bedeutende Rolle des Volkes Israel in Gottes Heilsplan.

    Aufgrund einer gegen Juden gerichteten, jahrtausendealten Geschichte von Verfolgung, Vertreibung und sogar Mord war das Wiedererstehen Israels im 20. Jahrhundert ein Segen. Auf der ganzen Welt wünschen sich Juden bei der Pessachfeier traditionell am Ende des Sederabends: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Auch uns Christen ist es Anliegen, dass unseren jüdischen Geschwistern Israel mit Jerusalem als Heimathafen erhalten bleibt.

    Verantwortlich:
    Anette Schultner,
    Sprecherin der Bundesvereinigung „ChrAfD“

  4. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Als AfD – Versteher wünsche auch ich mir, dass diese Partei sich schnellstmöglich von Figuren wie Herrn Gedeon trennt. Sonst ist sie nicht mehr wählbar.
    Unsere sich m.E. im Sinkflug befindende Demokratie benötigt jedoch den frischen Wind einer seriösen konservativen Alternative. Und als solche sehe ich die AfD noch.
    Bekanntlich tritt die CSU ja nicht bundesweit an und Herr Seehofer kann nur bellen, nicht aber beißen. Auch deswegen ist die AfD wichtig.
    Aber eine AfD, die womöglich irgendwann von Herrn Hoecke und Herrn Gedeon dominiert wird, wird nicht lange existieren.
    Wie die Trennung von dem Lucke – Flügel nötig war, um nicht lediglich zu einer zweiten FDP zu werden, so ist nun die Trennung von Herrn Gedeon nötig, um nicht zu einer zweiten NPD zu mutieren.

  5. Thomas Rolle Antworten

    Das Leugnen des Holocaust ist strafbar, warum wurde Herr Gedeon also noch nicht belangt? Ich habe keinen Text von ihm gelesen, aber die erwähnten Textstellen werden, wie so oft bei AfD Äußerungen, im Sinne des Schreibers gedeutet. Antisemitismus und Judenhass, sowie das Leugnen des Holocaust kann ich aus den Zitaten nicht herauslesen, das interpretieren andere hinein. Solange er von keinem Gericht verurteilt ist ist er unschuldig. Wenn es nicht zur Verurteilung reicht wird mit der Moralkeule Judenhass draufgeschlagen, das wirkt in Deutschland immer

    • Walter Lerche Antworten

      Richtig. Ich kannte bisher den Namen Gedeon nicht. Zu den honorigen Diäten fallen mir stets die Phrasendrescher, Unfähgien, Untätigen, ideologischen Volksvertreter ein, die nichts dagegen tun, dass unser Geld als Resultat unserer Lebensleistung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entwertet wird. Da sitzen Leute, die begehen Wortbruch, stellen sich als pädophil heraus, hinterziehen Steuern, Bonusmeilen, polarisieren, diskriminieren Andersdenkende und Alte, … und mir bleiben von 1 Euro Gwinn vor Steuern nur 15 Cent für mich persönlich.

      Übrigens ist Herr Sarazin, dessen Bücher und Thesen ich für notwendig und zutreffend halte, immer noch in der SPD. Die SPD hatte keine Kraft, ihn zu entfernen. War bei der CDU nicht auch mal was? Ach ja, die falsch verbuchten Parteispendengelder! Die CDU hatte damals nicht die Kraft, sich von den Betroffenen zu trennen. Die Folgen tragen wir bis heute – Angela Merke nutzte die Schwäche der CDU mit der Gunst der Stunde. – Ein teure Geschichte für alle Einzahler.

    • Klaus Kelle Antworten

      Habe ich irgendwo geschrieben, dass er gegen Strafgesetze verstoßen hat? Ich rede von politischer Hygiene, nicht von Strafverfolgung.

  6. Iggy Antworten

    „Schmeißt diesen schrecklichen Mann endlich aus der AfD-Fraktion!“
    Richtig, denn falls es nicht geschieht, bleibt ein widerlicher Beigeschmack, der diese Partei vergiften könnte. Wäre schade drum. Aber ich wähle sie trotzdem, ’s gibt ja keine Alternative. Auch schade drum.

    • Walter Lerche Antworten

      Genau so ist das leider. – Wenn ich möchte, dass die etablierten Parteien aus ihren Fehlern lernen, sich verbessern und vor allem ehrlich werden, dann erreiche ich das nicht dadurch, indem ich sie wähle.

  7. Markus Estermeier Antworten

    Links-Außen und Rechts-Außen sind offensichtlich gar nicht so weit voneinander entfernt. Krude Thesen und unausgegorene Gedankenfürze hatte der Herr Gedeon bereits zu seinen KPD-Zeiten in die Welt posaunt.

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