Demokratie und Demoskopie – beides ist schon toll!

Im aktuellen „ARD-Deutschlandtrend“ verliert die sogenannte Ampel-Koalition zum ersten Mal ihre Mehrheit bei den Wählern in Deutschland. Die Union verbessert sich und die AfD auch. Die steht derzeit bei stolzen 14 Prozent, und der Wiedereinzug in den Landtag bei der demnächst stattfindenden Niedersachsen-Wahl, dürfte sicher sein, was vor einem halben Jahr noch nicht unbedingt so aussah.

Vorhin musste ich ein bisschen grinsen, als ich sah, wie viele AfD-Freunde in den Sozialen Netzwerken die Links von den „Systemmedien“ und vom „Mainstream“ überall teilen, Daumen hoch, Smileys. Weil ich mich erinnere, dass dieselben Leute immer dann, wenn die Umfragen und Medienberichte gerade nicht gut sind, behaupten, das sei doch eh alles gefaked, also Manipulation, um die AfD schlecht aussehen zu lassen.

Ich finde es gut, dass die Meinungsforscher in Deutschland, zumindest die meisten, ihre Arbeit weiterhin gut und unbestechlich machen, zumindest wenn es um die Wahlumfragen geht.

Übrigens…nach der Wiedervereinigung hatte ich ebenso viel Freude an den Wahlpartys der SED/PDS, wenn die ersten Hochrechnungen im Fernsehen aufflimmerten. Dann brach orkanartiger Jubel aus, weil die 5% übersprungen wurden. Und zum ersten Mal haben diese Leute da praktisch erfahren, dass man auch bei Wahlen Erfolg haben kann, ohne dass Herr Modrow vor der Wahl schon die gewünschten Ergebnisse auf einem Zettel aufschreibt.

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Dieser Artikel wurde 12 mal kommentiert

  1. H.K. Antworten

    Hm.
    Ob tatsächlich die meisten Umfrageinstitute unbestechlich und „objektiv“ ihre Arbeit machen, möchte ich nicht beurteilen.

    Ich halte von Umfragen wenig bis gar nichts.

    Schon die Fragestellung impliziert doch oftmals die Antwort bzw. die Auslegung der Antworten.

    „Wären Sie dagegen, ein höheres Gehalt zu bekommen ?“

    Auf diese Frage würde wohl kaum jemand „nein“ antworten.

    Also ist das Umfrageergebnis „89% der Beschäftigten wollen mehr Geld“.

    Lautet die Frage „wurden Sie schon einmal überfallen ?“, so werden die meisten mit „nein“ antworten.

    Umfrageergebnis: „Die übergroße Mehrheit in diesem Land fühlt sich sicher“.

    Ebenso einfach lässt sich die Frage „Würden Sie lieber an Corona erkranken und auf der Intensivstation liegen oder lieber die Maske tragen ?“ beantworten.

    Umfrageergebnis: „90 % der Menschen sind für das Tragen der Maske“.

    Und wie oft alle Umfrageinstitute völlig danebengelegen haben, wird meist am Wahlabend ersichtlich.

    Ich denke noch darüber nach, wie die Frage genau formuliert war, die dazu führte, daß „Mutti“ gefühlt ein Vierteljahrhundert die „beliebteste Politikerin Deutschlands“ war.

    Vielleicht wurden nur sie und 10 männliche Namen genann ?

    • Achim Koester Antworten

      Lieber H.K.
      Wie fast immer: volle Zustimmung👍
      Es wird schon in der Ausbildung der angehenden Meinungsforscher großer Wert darauf gelegt, die Fragen so zu formulieren, dass die Antwort im Sinne des „richtigen“ Ergebnisses ausfällt, andererseits könnte ich mir vorstellen, dass die Auswahl der Befragten ebenfalls ein wichtiges Kriterium darstellt, um ein Wunschergebnis zu erhalten. Ein gutes Beispiel war (ausgerechnet!) eine Umfrage bei „Hart aber fair“ in einem grünen Bezirk, bei der die Befragten zunächst den Aufkleber „Atomkraft ja bitte“ vehement ablehnten, dann aber auf die Alternative „Blackout oder AKW?“ ihre Position um 180° änderten.
      „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ (Bertolt Brecht)

      • H.K. Antworten

        Lieber Herr Koester,

        ich fürchte, diese Ausbildung betrifft nicht nur die Meinungsforscher, sondern auch Journalist*/-/:/_/•/Innen …

        Links-grün muß es sein, dann kommt man ( frau auch ) an die Fleischtöpfe der Öffentlich Rechtlichen …

  2. Johannes Antworten

    Schwampelt die Ampel in der restlichen Legislaturperiode weiter so wie bisher, dann wird das noch ein richtiger AfD-Booster und die AfD muss nichts weiter tun, als nicht mit Polemik diesen Trend zu brechen; was inzwischen gut zu gelingen scheint.

    Dann können sich (die Hoffnung stirbt zuletzt 😉 ) vielleicht bei der kommenden BT-Wahl, CDU und FDP mit der Frage beschäftigen, die sich aktuell in Schweden stellt…

    Zu den „sozialen“ Medien: AfD´ler sind doch auch nur Menschen und sind mal so, mals so drauf. Wie halt alle anderen Menschen auch 😉

  3. S v B Antworten

    Also, wenn ich so mit „den Leuten“ rede – und dies tue ich seit Jahren quasi täglich und absichtlich, weil ich u. a. meinen Landsleuten zu gerne „aufs Maul schaue“. Die Begegnungen ergeben sich zumeist zufällig mit einer erstaunlichen Anzahl sehr unterschiedlicher, mir vordem nicht bekannter Individuen, sprich Fremder. Dabei gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass das Gros zumindest dieser Personen sich bezüglich ihrer politischen Einstellung als enorm AfD-affin herausstellen. Die weit überwiegende Mehrheit meiner Gesprächspartner mag die AfD wohl eher nicht gewählt haben (aufgrund des von allen anderen politischen Parteien und den Medien seit ihrer Gründung mit nicht nachlassender Verve betriebenen Bashings), aber inhaltlich unterscheidet sich „der Mann auf der Straße“ (wie ich ihn oder sie einfach mal nenne) ganz offenbar in fast nichts von den programmatischen Forderungen dieser Partei. Da es dem Bürger nach wie vor eine gehörige Portion Mut abverlangt, „zu gestehen“, dass er AfD-Wähler ist, gehören die 14% AfD-Affinen in der Umfrage vermutlich zu den wenigen „Todesmutigen“, die es überhaupt wagen, ihr Bekenntnis zu dieser Partei abzulegen, sprich zuzugeben, dass sie die AfD gewählt haben bzw. wählen würden. Diesbezüglich habe ich übrigens im eigenen Freundeskreis schon vor Jahren eine Art von privatem Waterloo erleben müssen. Dass man mich in vordem sehr harmonischer, bestens gelaunter Runde bei einem leckeren Abendessen nicht an Ort und Stelle gelyncht hat, nur weil ich die AfD als Wahlmöglichkeit genannt hatte, grenzte an ein Wunder. Ohne jegliche Vorwarnung stürzte sich, Hyänen gleich(!), die ganze Freundesrunde unisono auf mich. Ich war schockiert ob solcher vordem nie erlebter, aggressiver verbaler Vehemenz. Besagter Vorfall wurde von mir noch an selbigem Abend unter „unerwartete, aber sehr wertvolle Lehren“ in meinem mentalen Ordner wichtiger Lebenserfahrungen abgelegt.

    • Achim Koester Antworten

      Liebe S v B,
      Ihr Beitrag hat mich hinsichtlich der Reaktion auf Ihre Bemerkung zunächst erschüttert, nach kurzer Überlegung jedoch in meiner Meinung bestärkt. dass man hierzulande alles sagen darf, aber nur, wenn man bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Das ist nicht nur in totalitären Staaten so, sondern auch in Demokratien, und im Grunde ja auch normal, wenn, ja wenn die Konsequenzen in einer sich daraus ergebenden demokratischen Diskussion bestehen. Falls nicht, rücken wir schon ein gutes Stück näher an die Diktatur.

    • Alexander Droste Antworten

      Sehr beeindruckend Ihre Schilderung und ich gestehe, auch schon mal todesmutige Überlegungen gemacht zu haben. Nichts desto trotz, Sarah Wagenknecht ist für AfD-Wähler die beliebteste Politikerin und Kanzlerin der Herzen, wenn es nicht Anna-Lena Baerbock für fast alle Journalisten ist. Man muss ja nur die richtigen Leute Fragen. Somit haben wir Stoff für eine perfekte Soap opera bei der künftigen Wahl. Ich spare schon mal für Popcorn, das ja wohl dann mit Gold aufgewogen wird.

  4. Andreas Schneider Antworten

    Ich bin bei Umfragen aller Art nach einem recht kuriosen Erlebnis um 1998 herum sehr skeptisch (geworden).

    Seinerzeit wurde ich zum ersten und bislang einzigen Male Teilnehmer einer Umfrage – ich empfing (gerade zur Zeit meiner Teilnahme an einer Weiterbildung, in der es eben auch um Marktforschung ging) einen Anruf, in dem es um die Werbewirksamkeit bzw. Bekanntheit für einen Müslianbieter ging (ob es sich dabei um die seinerzeit noch relativ unbekannte Marke Seitenbacher handelte?). Man spielte mir einige Spots vor, die bei mir kaum verständlich und wie mit einem uralten Grammphon abgespielt ankamen. Es folgten mehrere Fragen, offenkundig zur Verifizierung meiner sicherlich nicht sonderlich hilfreichen Antworten zu den Spots. Dabei stelle sich denn heraus, daß bei dem Anruf ein Fehler unterlaufen war: meine damalige Vorwahl gehörte nicht zum Einzugsgebiet der Umfrage; ich vermute einen Zahlendreher.

    Bei besagter Weiterbildung führte der Referent die Teilnehmer genüßlich aufs Eis und zeigte uns damit auf, wie schwierig es ist, allein nur 8 wertneutrale Fragen zum Angebot der kleinen Cafeteria des Bildungszentrums zu erstellen. Was wir in 2-3 Stunden glaubten erledigt zu haben, nahm denn tatsächlich 3 Unterrichtsabende in Anspruch, ehe alle Fallstricke um (unbeabsichtigte) Suggestivfragen u. dgl. m. beiseite geräumt waren. Eine ernüchternde Erfahrung.

    Ich sehe Umfragen seitdem mit anderen Augen und frage mich mit Blick auf mein tagtägliches Erleben, ob und inwieweit die Umfrageinstitute (und sei es unbeabsichtigt) Cluster gebildet haben und sich somit am Ende immer wieder weitgehend im gleichen Personenkreis bewegen.

    Das mag fehlgedeutet sein; zugegebenermaßen findet mein Leben z. B. auch nicht gerade im „linksgrünen“ Milieu statt, was einige Alltagsbeobachtungen beeinflussen wird. Dennoch bleibt ein sehr skeptisches Empfinden.

    • H.K. Antworten

      Wenn wir schon davon ausgehen dürfen, daß bei Umfragen die Fragestellung so gewählt wird, daß ein bestimmtes Ergebnis herauskommt, so sollten wir nicht vergessen, daß der Fragesteller bemüht sein dürfte, in vorgegebener Zeit möglichst viele Befragte zu interviewen bzw. sein Pensum an zu Befragenden schnellstmöglich abzuarbeiten.

      Daraus läßt sich schließen, daß eine Diskussion oder viele Gegenfragen zur Fragestellung nur hinderlich, wenn nicht lästig sind und Erklärungen nur Zeit kosten.

      Meine Frage ist nun, wenn schon hier Manipuli, Manipula betrieben wird, was eigentlich permanent auf uns einrieselnde Nachrichten und Informationen – seitens der Medien – bewirken.

      Wenn manche Dinge nur oft genug wiederholt werden, setzen sie sich fest. „Rechtspopulistisch“ ist ein solcher Begriff.
      „Linkspopulistisch“ scheint es nicht zu geben.

      Die – häufig – von mir wegen ihrer Offenheit und sich damit von den meisten Medien abhebenden, geschätzten „Zeitung mit den vier Buchstaben“ berichtet u.a. heute wiederum von einem Polizisten aus Berlin, der syrische Flüchtlinge „fremdenfeindlich“ beleidigt haben soll.

      „Polizist schon früher auffällig“ ist der Titel.

      „ Berlin – Der Polizeibeamte, dem unangemessenes und aggressives Verhalten gegenüber einer syrischen Familie vorgeworfen wird, wurde bereits zuvor wegen anderer Verfehlungen strafversetzt.

      Jörg K. wurde dann als Streifen-Polizist im Abschnitt 31 (Neu-Hohenschönhausen) eingesetzt. Dort kam es am 9. September während eines Einsatzes bei einem syrischen Ehepaar zu den Vorfällen, die die Familie per Video dokumentierte: „Das ist mein Land, und Du bist hier Gast.“ und „Halt die Fresse, fass mich nicht an …“, soll der Beamte gesagt haben.
      Gegen den Syrer (39) lag ein Haftbefehl wegen Schwarzfahrens vor (750 Euro). Seine Frau (28) soll wegen Beleidigung polizeibekannt sein. Beide erstatteten nach dem Vorfall Anzeige gegen den Beamten.
      Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Jörg K. wurde erneut versetzt, diesmal in den Innendienst.
      Am Samstag will sich die syrische Familie auf einer Pressekonferenz der Linken zu dem Vorfall äußern.“

      WAS macht eine solche Meldung

      a) mit den Polizeibeamten

      b) mit uns

      c) mit ( polizeibekannten, per Haftbefehl gesuchten ) Flüchtlingen ?

      Manipuli, Manipula …

      Und per Haftbefehl gesuchte Straftäter geben bei uns eine Pressekonferenz, während die, die unsere Sicherheit ( vor Straftätern ! ) gewährleisten sollen, öffentlich gebrandmarkt und vorverurteilt werden.

      • S v B Antworten

        Als sich neulich herausstellte, dass es ein grüner Stadtrat mit exotischen Wurzeln selbst gewesen war, der höchstpersönlich Gegenstände seines persönlichen Eigentums (z. B. seinen PKW) mit Nazi-Symbolen beschmiert hatte, um so rassistische Angriffe seitens fremdenfeindlicher autochthoner Bevölkerungskreise vorzutäuschen, zeigte man sich bei den Grünen wenigstens kurzzeitig betroffen, vielleicht sogar ein wenig beschämt. Mich hingegen hat diese Story eher amüsiert, hat bei mir gar eine gewisse Häme hervorgerufen, wie ich freimütig zugebe.

        Betreffs Meinungsumfragen gehe ich davon aus, dass die jeweiligen Fragen von den Instituten stets mit sehr viel Bedacht formuliert werden. Da ich in meinem Leben aber noch nie zu etwas befragt worden bin (jedenfalls nicht von einem Meinungsforschungsinstitut), kann ich mir zur Qualität der Fragen keine Aussage erlauben. Vorstellbar wäre für mich allerdings, dass viele, wenn nicht die meisten, Fragen als geschickte Suggestiv-Fragen ausformuliert sein könnten. Damit das Umfrageergebnis weder den Auftraggeber noch die Allgemeinheit allzu sehr besorgt. Aber, wie schon gesagt – mich fragt ja eh keiner. Wieso eigentlich (nicht)?

  5. Wolfgang Andreas Antworten

    Bei den Umfrageergebnissen schalte ich im Videotext sofort weiter, weil ich weiß, wie bei den Umfragen mit „psychologischer Feinfühligkeit“ gemogelt wird. – Nun, die letzten offenkundig mainstreamgestützen Umfragepleiten – man denke nur an NRW!! – haben mich gelehrt, diesen Umfragen nicht mehr zu trauen. Leider, leider schauen die Politiker selbst zu oft auf das „Spieglein an der Wand“ und richten danach ihr Rückgrad aus! Von der „Interviewgeilheit“ derPolitiker darf man gar nicht reden, geschweige denn schreiben…!

  6. Alexander Droste Antworten

    Mich würde mal eine Umfrage interessieren, was die Thüringer von dieser Demokratie halten. Eine, deren regelkonforme geheime Wahl des Landtages annulliert wurde und seit dem eine abgewählte Regierung illegal weiterregiert. Es hieß ja „nur geschäftsführend als Minderheitsregierung, bis eine neue Wahl in Kürze abgehalten wird“. Die Kürze wird zur Würze. Ganz großes Kino, diese Demokratie.

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