Drohungen und Beschimpfungen – U-Ausschuss wirft kein gutes Licht auf Trump
Weitgehend unbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit müht sich ein Untersuchungsausschuss in Washington D.C. damit, die Vorkommnisse rund um den gewaltsamen Sturm des Kapitols vergangenes Jahr im Anschluss an eine Kundgebung des vorherigen US-Präsidenten Donald Trump aufzuklären.

Der hatte nach der Wahlniederlage im November des Vorjahres behauptet, im sei die Wahl gestohlen worden durch massive Manipulationen am Wahltag. Mehr als 50 Gerichte beschäftigten sich danach mit Trumps Behauptung, doch belegen, dass es Manipulationen gab, die einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis der Präsidentschaftwahlen gegeben hat, ließ sich das nicht. Alle Klagen wurden ausnahmslos abgeschmettert.

Aber ein Mann wie Donald Trump ist nicht daran gewöhnt, zu verlieren. Und nun werden immer mehr Fälle bekannt, wo Trump und sein Umfeld versucht haben sollen, massiven Druck auf Politiker und Leute aus dem politischen Betrieb auszuüben, um das Wahlergebnis zu beeinflussen.

Mehrere Republikaner erzählten bei aktuellen Anhörungen von Bedrohungen, Beschimpfungen und Belästigungen durch Anhänger ihres Parteifreundes Trump.

Der Republikaner Brad Raffensperger aus Georrgia wurde jetzt zu einem Kronzeugen.

Georgia war einer der Bundesstaaten, in denen sich die Wahl zugunsten von Biden entschied. Trump hatte Raffensperger danach in einem Telefonat unverhohlen aufgefordert, genügend Stimmen für seinen Wahlerfolg in Georgia zusammenzubringen. Eine Aufnahme des Gesprächs wurde damals an Medien durchgesteckt. Im U-Ausschuss wurden Aussagen Trumps vorgespielt. Auch wie Raffensperger dem Präsidenten mehrfach widersprach.

Raffensperger sagte bei der Sitzung, es gebe keinerlei Zweifel, dass Biden die Wahl in Georgia mit einem Abstand von etwa 12.000 Stimmen gewonnen habe. Mehrere Neuauszählungen seien zum gleichen Ergebnis gekommen. «Die Zahlen sind die Zahlen, und die Zahlen lügen nicht», sagte Raffensperger. «Da waren keine Stimmen zu finden.» Die Zählung sei korrekt gewesen. Es habe damals viele Anschuldigungen gegeben, «und wir haben jede einzelne untersucht». Raffensperger berichtete, nach seiner Weigerung, Trumps Aufforderung zu folgen, hätten er und seine Ehefrau Drohungen erhalten. All das sei sehr beunruhigend gewesen.

Ähnliches berichtete der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses von Arizona, Russell Bowers. Der einstige Trump-Unterstützer beschrieb, wie dessen Team damals mit Wahlbetrugsbehauptungen zu Arizona auf ihn zugekommen sei. Niemand aus Trumps Team habe ihm aber jemals Beweise dazu vorgelegt. Bowers legte dar, wie ihn Trump und dessen Team bedrängt hätten, im Repräsentantenhaus seines Bundesstaates ein Prozedere anzustoßen, um nachträglich gegen Trumps Wahlniederlage in Arizona anzugehen. Dies wäre jedoch gegen das Gesetz und gegen seinen Amtseid gewesen, betonte Bowers. Und er habe Trump persönlich mehrfach klar gemacht, dass er für ihn nichts Illegales tun werde.

Nachdem er sich geweigert habe, sich dem Druck zu beugen, seien jede Woche Demonstranten vor seinem Wohnhaus aufmarschiert, hätten ihn als pädophil, pervers und korrupt beschimpft, ihn bedroht und seine ganze Nachbarschaft tyrannisiert, erzählte Bowers weiter.

In Mitschnitten zuvor aufgezeichneter Zeugenbefragungen berichteten andere Vertreter aus den Bundesstaaten von ähnlichen Erfahrungen.

Ich weiß nicht, ob Trump beim nächsten Mal nochmal antreten wird und ob ihn die GOP tatsächlich nominieren würde. Und anders als vielen meiner Leser bin ich durchaus der Meinung, dass Trump seine vier Jahre im Ovel Office ordentlich bis gut hinter sich gebracht hat. Aber seine offenkundige Unfähigkeit, die Wahlniederlage zu akzeptieren und mit Stil und Anstand zu tragen, lässt mich zweifeln, ob eine zweite Amtszeit wirklich wünschenswert wäre.

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Dieser Artikel wurde 11 mal kommentiert

  1. gerd Antworten

    „Alle Klagen wurden ausnahmslos abgeschmettert.“

    Warum soll es in Amerika anders sein als in Deutschland? Ein BVG welches, nach einem Diner mit der Kanzlerin, alle Klagen abschmettert, die z.B. eine rechtswidrige Impfpflicht umfassen. Ein BVG welches genau 2 Jahre braucht um der Kanzlerin eine Rechtsbruch nachzuweisen.

    Trump: Böse!
    Biden: Gut!

    Nichts Neues unter der Sonne!

  2. H.K. Antworten

    Bin mir nicht sicher, was bzw. wer mir lieber wäre in einer Situation wie derzeit in Sachen Ukraine:

    Sleepy Joe oder ein nervöser Trump mit dem Finger auf dem „roten Knopf“ …

    Beruhigt bin ich weder im einen noch im anderen Fall …

    • H.K. Antworten

      Mit diesem bescheidenen, altruistischen, emphatischen, verständnisvollen Rüpel wäre die Welt sicher eine bessere …

      • HP Antworten

        Woher haben Sie Ihr Bild von Präsident Trump? Aus den Mainstream-Medien? Die Welt wird dann eine bessere sein, wenn wir aufhören, über andere Menschen zu urteilen, die wir nicht selbst kennen, und in die Hetztiraden von anderen mit einzustimmen. Nicht alles ist so, wie es scheint. Die Medien formen unser Bild von der „Wirklichkeit“ und unsere Meinung.

        • gerd Antworten

          H.K. bestätigt nur das, was uns die ARD und das ZDF in schöner Regelmäßigkeit vorkauen. Trump = Böse!
          Dabei übersieht er vielleicht unbewusst, dass der Krieg in der Ukraine unter dem Präsidenten Biden seinen Anfang nahm. Ein Präsident der eine Flugzeugtreppe hochstolpert, vom Fahrrad fällt, imaginären Personen Hände schüttelt und vorgeburtliche Kindstötungen als Menschenrecht betitelt. Dann doch lieber einen Rüpel mit Eiern an der Macht. Das ist übrigens die Sprache die ein Putin durchaus versteht. Ja mit Trump hätte sich der Herrscher im Kreml durchaus auseinandergesetzt. Aber mit der Marionette Biden hat er leichtes Spiel.

          • H.K.

            Man(n):darf mich auch direkt ansprechen, statt öffentlich über mich zu reden …

            Aber in der AfD scheint es üblich zu sein, ÜBER die ( ehemals eigenen ) Leute öffentlich zu reden … ( s. Meuthen ).

          • gerd

            Nicht so dünnhäutig werter H.K. Wenn jemand sagt, dass die Welt ohne diesen speziellen Rüpel „sicher eine bessere wäre“, dann darf er sich nicht wundern, wenn das Niveau der Antworten auf das gleiche Level absinkt.

          • H.K.

            @gerd

            Was hat das denn mit „dünnhäutig“ zu tun ?

            Wenn ich Ihnen etwas sagen möchte, tue ich das auch nicht über Dritte, sondern spreche Sie direkt an.

            Aber egal …

        • H.K. Antworten

          Das Bild gibt bzw. gab Mr Trump selbst ab.

          Auf dem NATO-Gipfel 2017 rempelt er andere zur Seite wie ein Quarterback, beim Besuch auf Schloß Windsor brüskiert er die Queen.

          Es gibt reichlich Beispiele.

          ( Über sein Hochlaufen der Gangway der Airforce One mit Klopapier am Fuß will ich gar nicht reden – wenn wir schon auf diesem Niveau sind ).

        • H.K. Antworten

          Kleiner Nachsatz:

          „ Die Welt wird dann eine bessere sein, wenn wir aufhören, über andere Menschen zu urteilen, die wir nicht selbst kennen…“

          Demnach darf ich über den Herrn aus Österreich, der einst das größte Unglück über diese Welt brachte, nichts Positives, aber auch nichts Negatives sagen ?

          Hm …

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