Regelmäßige Leser meiner Beiträge wissen, dass ich im Kern die Griechenland-Rettung immer verteidigt habe. Ja, die Griechen haben viele Jahre lang über ihre Verhältnisse gelebt, und ich habe auch keine Lust, das zu bezahlen. Ja, das Land hätte überhaupt nicht in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen. Es war eine rein politisch gewollte Entscheidung. Ja, EU und Euro-Zone haben bei der Einführung des Euro Fehler gemacht. Aber inzwischen ist viel Zeit vergangen. Mit Einführung des ESM wurden viele Fehler korrigiert. Es gibt nun bessere Möglichkeiten, zu kontrollieren und vor allem zu sanktionieren, wenn ein Land die Spielregeln nicht einhält. Das ist wichtig. Und das Rettungssystem hat ja auch bisher funktioniert. Wie viele Leute haben mir vor drei, vier Jahren erzählt, wer alles unrettbar verloren ist. Spanien zum Beispiel, Portugal oder Irland. Alle sind längst wieder im ruhigen Fahrwasser und zahlen ihre Verbindlichkeiten pünktlich und mit Zinsen zurück. Auch Griechenland hat erhebliche Anstrengungen unter der vorherigen Regierung unternommen. Massiver Stellenabbau im öffentlichen Sektor, Gehaltkürzungen um bis zu 30 Prozent für öffentlich Bedienstete, Verbesserungen im System der Eintreibung von Steuern, Verkauf von wenigstens ein bisschen Tafelsilber. Aber jeder sieht, dass es bei weitem noch nicht reicht. Und jeder weiß, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis Griechenland seine Schulden abzahlen kann – wenn überhaupt. Die Hoffnung ist nicht groß. Grund genug also für eine griechische Regierung, zu kooperieen, ja dankbar für die großzügige Unterstützung vieler Länder zu sein, deren Regierungen dafür daheim mächtig Prügel einstecken mussten und müssen.
Doch nun regiert der fabelhafte Herr Tsipras die Hellenen, ein Mann mit mächtiger Chuzpe, wenigen Ideen und überhaupt keinem Benehmen. Die Art und Weise, wie der Mann sich gegenüber den anderen Regierungen und der EU aufführt, ist nicht tolerabel. Ein arroganter Trickser, der seinem eigenen Volk offenbar nicht die Wahrheit sagt. Der zu Verhandlungen im Stile eines Hoppla-jetzt-komme-ich erscheint und offenbar nicht die geringste Lust verspürt, ernsthaft an der Sanierung seines Landes mitzuarbeiten. Er will frisches Geld und einen Schuldenschnitt für Griechenland, alles andere interessiert ihn scheinbar nicht. Das darf er, denn sein Volk hat ihn ja gewählt. Aber das bedeutet nicht, dass EU und Euro-Länder und schon gar nicht Hauptrisikoträger Deutschland diese Schmierenkomödie mitmachen müssen. Am 28. Juni um 24 Uhr ist Feierabend, hat Bundesfinanzminister Schäuble gerade erst gesagt. Ich denke, diese Aussage sollte jetzt unverrückbar stehen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. 70 Prozent der Griechen haben in einer aktuellen Umfrage gesagt, sie möchten den Euro behalten. Na, schön, aber dann tut auch etwas dafür. Und am Besten, ihr jagt als erstes euren Vorturner aus dem Amt. Oder wie ein bekannter Fußballtrainer es formulieren würde: Tsirpas habe fertig.

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Dieser Artikel wurde 16 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Sirtaki und Ouzo! Redzina ist schon zu viel. Kaum war die jetzige Regierung am Werk, konnte man erkennen, dass das Schulhof-Rowdies sind, mit denen man keine Politik machen kann.

  2. Gisbert Britz Antworten

    Wie soll Tsipras denn sonst mit den doofen Regierungschefs reden? Die wissen doch alle nicht, was sie wollen. Tsipras weiß es.

    Ich bin Tsipras!

  3. Gisbert Britz Antworten

    Ich habe vorgestern die Diskussion bei Phoenixgesehen.

    Dazu einige ungeordnete Anmerkungen:

    1.Erwartet wirklich jemand von Tsipras, dass er in der kurzen Zeit seit dem 26.1.15 Jahrhundertreformen hinkriegt? Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Deutschland brauchte auch erst mal eine Währungsreform, bevor das Wirtschaftswunder beginnen konnte.

    2.Griechenland ist seit 600 Jahren fremdregiert. Das Osmanische Reich (Türken), Deutsche, Obristen und nun die Troika.

    3.Jeden Tag werden weitere Milliarden in Steueroasen verschoben oder unter dem Kopfkissen gebunkert. Das ist zwar moralisch verwerflich, aber wer will es den Griechen verdenken?

    4.Tsipras ist ein Newcomer und unerfahren. Der hat sich die Lage auch nicht sooo vorgestellt.

    5.Es gibt doch so viele Experten, die alles besser wissen. Warum wird nicht eine Kommission aus Experten gebildet, die Tsipras in allen Dingen berät, nicht bevormundet. Nach der Wiedervereinigung hat die Telekom auch Tausende Techniker in die Ex-DDR geschickt, die Dienstwerke mitnahmen und unsere Brüder und Schwestern ausbildeten und an unser System gewöhnten.

    6.Wichtig ist auch die Kaufkraft. Kann man sich von 14 Monatsgehältern in Griechenland mehr Brötchen kaufen als von 11 Monatsgehältern in der BRD?

    7.Dass Griechenland die Schulden nicht zurückzahlen kann, weiß hinter vorgehaltener Hand jeder. Warum verlangt man von Griechenland Unmögliches?

    8.Griechenland braucht Reformen. Blühende Landschaften (ich hab vergessen, wer das gesagt hat). Die Bürger müssen produzieren und konsumieren (können). Es muss für Investoren reizvoll sein, dort zu investieren.

    9.Griechenland darf nicht länger das Objekt von Spekulanten sein, die mit der Krise an der Börse Geld verdienen.

    10.Wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet (ausgeschieden wird), dann ist Europa am Ende.

    11.Wollen wir politische Unruhen? Wollen wir neben syrischen auch griechische Flüchtlinge?

    12.Wenn Merkel in die Geschichtsbücher eingehen will, dann muss sie Griechenland retten, nicht zerstören.

    13.Geld kostet alles. Auch die Wiedervereinigung haben wir nicht für 1 Mrd DM bekommen, wie Helmut Kohl versprochen hat. Umsonst ist nur der Tod. Und der kostet noch Geld.

    14.Tsipras ist nicht höflich genug? Wie höflich soll denn einer sein, dem man den Hals umdreht?

    15.Ich bin ein Tsipras.

    • Alexander Droste Antworten

      Hallo Herr Zipras Britz,

      die EU möchte, dass Griechenland so schnell wie nur möglich aus dem Tal der Tränen kommt. Die Griechen sind Meister der Selbstgefälligkeit. Und jetzt sind sie am heulen, weil ihnen keiner mehr Geld zum Feiern pumpt. Mit ein wenig „aua“ würden sie es in ein paar Jahren schaffen, aus dem Tal wieder herauszukommen, wie so manche andere auch. Da wird gar nichts fremdregiert. Es wird nur gesagt, „nö, von uns gibt es kein Geld mehr, wenn ihr nicht eure Luxusausgaben streicht, wenn ihr nicht die notwendigen Steuern eintreibt, wenn ihr nicht den allgemeinen Schmu beseitigt, wenn ihr nicht staatliche Unternehmen privatisiert, die ihr nicht unbedingt braucht etc.“ Die Rente wäre das kleinste Problem, darüber ließe sich ja noch verhandeln. Aber da kommt nix Brauchbares. Wenn die griechische Bevölkerung in der tiefsten Krise einen Anfänger zum PM und einen Gauner zum FM wählt, dann kann man es wohl nicht im EURO-Raum behalten. Dann gehen die Griechen halt pleite, Sie zahlen Ihren Teil der Zeche und basta. Da gab es eine finanzkompetente Partei in D, die vor ca. 7 Jahren vorgeschlagen hatte, Griechenland geordnet Konkurs gehen zu lassen. Gewiss hätte das eine Menge gekostet. Das wäre ein großer Schuldenschnitt gewesen und die Griechen hätten mit einer neuen Ausgangslage entspannt reformieren können und wären vielleicht sogar schon wieder zurück im EURO. Das Gemurkse jetzt ist die reinste Schikane für alle. Jetzt wird es höchste Zeit, dass die Griechen pleite machen, dann haben sie ihren Schuldenschnitt, wir zahlen es doppelt und irgendwann ist vielleicht wieder EURO, wenn das Land nicht im Totalchaos versinkt, denn ein geordneter Konkurs wird es wohl nicht. Die Griechen haben nicht einmal das Geld um Geld (Draxmi) zu drucken.

    • Friedrich Albrecht Antworten

      Tja, so ähnlich wirr scheint es auch im Kopf von Herrn Tsipras auszusehen. Aber mal im Ernst: Wenn jemand, Person oder Staat, regelmäßig mehr ausgibt als er hat bzw. einnimmt, gerät er immer weiter in die Schulden. Das ist nun mal Tatsache. Und wenn anscheinend die Bereitschaft fehlt, das zu ändern, dann ist diesem Schuldner nicht zu helfen. Weitere Hilfen würden nur in ein Faß ohne Boden fließen. Das ist den Steuerzahlern der Geberländer, die selbst haushalten müssen, nicht weiter zuzumuten.

  4. Matthias Seifert Antworten

    „Und am Besten, ihr jagt als erstes euren Vorturner aus dem Amt.“

    Und an was hatten sie gedacht? An ein Gewehr? Wollen Sie gar selbst schießen? Oder ziehen Sie eine Leserumfrage der Bild-Zeitung vor? Wollen Sie verschärft fristlos kündigen lassen mit einem unfrankierten Brief?

    Gilt es übrigens nur für die griechische Seite oder auch falls ich demnächst herausstellt, dass sich die schwäbische Hausfrau ganz schrecklich vertan hat?

    Oder ist Ihnen mit Ihrem vordemokratischen Vorschlag wegen der hohen Außentemperaturen einfach nur der Gaul durchgegangen?

  5. Klaus Kelle Antworten

    „Und an was hatten sie gedacht?“

    Demonstrationen zunächst einmal. Wenn 70% der Griechen den Euro behalten wollen, dann sollten sie ihrem Regierungschef sagen, dass er gegen ihre Interessen handelt. Und Regierungschefs, die gegen die Interessen ihrer Wähler handeln, werden dann in der Regel bei der nächsten Wahl abgewählt.

    Zu Ihrer Frage: Es ist hier heute nicht sonderlich warm.

  6. Gisbert Britz Antworten

    Herr Kelle
    Zitat „Oder wie ein bekannter Fußballtrainer es formulieren würde: Tsirpas habe fertig.“
    Falsch! „Flasche leer.“ An Merkel gerichtet.

    Herr Droste
    Auch die Deutschen haben 33 in der tiefsten Krise einen Anfänger und Gauner (Festungshaft) gewählt.

    Herr Seibert
    Richtig. Spannende Frage, wie die nächste Wahl ausgeht. Wenn es so einfach wäre, einen Regierungschef loszuwerden, säße Merkel heute auf ihrer Datsche.

    Habe fertig.

  7. Uwe_aus_DO Antworten

    In unserem Fernsehprogramm gibt es Sendungen mit Restauranttestern und Schuldnerberatern, die sich offensichtlich gute Zuschauerzahlen erfreuen. Und dabei ist es immer dasselbe: Der Schuldner und/oder Gastwirt muss erst einmal einsehen, dass in der Vergangenheit vieles falsch gelaufen ist, vor allem: zu hohe Ausgaben bei zu wenig Einnahmen. Wenn überhaupt, dann gelingt eine Rettung nur dann, wenn daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden und danach gehandelt wird.
    So trivial und billig diese Fernsehsendungen auch sein mögen – sie zeigen, wo es bei den Griechen hapert. Die Erkenntnis, und die Bereitschaft, etwas zu ändern, fehlen. Und solange sich das nicht ändert, sollten wir nicht einen einzigen Euro mehr opfern. Wie war noch die alte Gläubiger-Weisheit: Schmeisse niemals gutes Geld schlechtem hinterher….

  8. Gisbert Britz Antworten

    @ Uwe
    Bei DEN Griechen muss man zwischen Regierung und Volk unterscheiden.

    Googgelt man nach Brüningsche Notverordnung. Mit Sparen geht es nicht. Schon eine Halbierung der NEU-Verschuldung wäre ein erster Erfolg.

  9. Bärbel Kuhlmann Antworten

    Mir geht es so, wie gefühlt noch einigen Millionen deutscher Leser, Bürger und Steuerzahler: Ich kann schon das Wort Griechenland (incl. der Namen aller Beteiligten) nicht mehr hören. Ich bin kein Volkswirt, kein Finanzfachmann und kein Bankster, nur ein ganz normaler Arbeitnehmer (und Steuerzahler) und wünsche mir, dass diese griechische Tragödie endet. Dabei ist mir schon beinahe gleichgültig, wie sie endet!

    • Susanne von Belino Antworten

      Obwohl politisch hochinteressiert, tendiere auch inzwischen dazu, meine Ohren auf Durchzug zu stellen, wenn das Wort Griechenland fällt. Dies erfolgt aus reinem Selbstschutz. Ich habe die Wechselduschen, denen wir medial in dieser jämmerlichen Angelegenheit seit vielen Monaten, ja Jahren, ausgesetzt sind, gründlich satt. Ähnlich ist es mir seinerzeit übrigens mit dem endlos wiedergekäuten Gerangel um den US-Haushalt gegangen. Ich konnte es einfach nicht mehr hören. Aber im Gegensatz zu den US-amerikanischen Haushaltsproblemen betrifft die Griechische Tragödie (mit perfekt gecasteter Besetzung) einen jeden von uns unmittelbar. Deshalb macht dieses quälende Verharren in Unentschiedenheit, dieser unerträgliche Hickhack, dieses kindisch-trotzige Tauziehen, die Bürger Europas – auch die griechischen – allmählich fertig.

      Bereits 2010, als die Misere begann, sich zu offenbaren, war unschwer zu erkennen, dass in und mit Hellas ein „übergroßes Ding gedreht“ worden war. Mir kann heute niemand weismachen, dass diese Entwicklung nicht abzusehen gewesen wäre. Wenn schon ich als gemeine Bürgerin damals das bittere Ende geahnt habe! Bereits vor fünf Jahren hätte ich das berühmte Ende mit Schrecken dem berüchtigten Schrecken ohne Ende vorgezogen. Damals bin ich allerdings mit dieser Einstellung noch auf viel Unverständnis oder gar Ablehnung gestoßen. Das hat sich inzwischen spürbar geändert

      Merke: GETRETENER QUARK WIRD BREIT, NICHT STARK! Selbst eine falsche Entscheidung ist meist als besser als gar keine. So jedenfalls kann es nicht weitergehen.

  10. Felix Becker Antworten

    Ich befürchte, dass Merkel unsere Geldbörse weiter öffnet. Z.B., weil die Griechen sonst in Richtung Moskau tendieren könnten (damit hat „Sexyboy“ Tsipras ja auch schon gedroht). Und diese Drohung könnte ja auch dann, wenn gezahlt wurde weiterhin eingesetzt werden – war ja wirksam???
    Ohne Reformen ist jeder Euro für Griechenland nutzlos.

  11. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Im Grunde handelt die Regierung Tsipras doch nicht anders als ihre Vorgänger : Viel schachern , schwätzen und nach weiteren Geldern und Schuldenschnitt schreien .
    Aber auch diese Regierung will sich in keinem Fall mit den reichen Reeder – Familien und weiteren Oligarchen anlegen, indem sie bei diesen mal ernsthaft Steuern eintreibt!
    Ich bin mir sicher : So ein paar Steuer – CDs aus der Schweiz könnten hierbei sehr hilfreich sein. Doch wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.

    Aber nicht nur die griechischen Regierungen und Oligarchen haben zu Ruin des Landes beigetragen : Auch die jetzt so bemitleideten „normalen kleinen Leute“ haben mit Steuervermeidung, Korruption und Fakelaki – Unwesen zu der Misere beigetragen. Auch da muss sich etwas ändern. Doch wo kein Wille ist…

    Wenn man bedenkt , dass Griechenland die größte Handelsflotte der Welt hat und gewaltige Rohstoffvorkommen um seine Inseln herum hat und nun sieht, wie wenig Griechenland im Vergleich zu den anderen Krisenländern wie Irland, Spanien und Portugal aus diesem Potential gemacht hat!

    Ansonsten haben Herr Kelle und Herr Droste hier schon das Wesentliche und Richtige zu diesem Thema gesagt.

    Ich befürchte zwar, dass sich Europa weiterhin von Griechenland erpressen und ausnehmen lässt, aber wenn es doch endlich zum „Grexit“ kommen sollte, feiere ich das Ende des Schreckens mit einer Flasche spanischem Rotwein und einer guten Zigarre!

    • Alexander Droste Antworten

      Hallo Herr Schumacher,

      ich mache mit Ihnen eine Flasche Redzina auf und dann stoßen wir bei Bouzoukimusik an! Gute Oliven, Dolmades, Souvlaki und Taramas dürfen auch nicht fehlen.

  12. Berthold Lindenau Antworten

    Was wirft man den Griechen eigentlich vor?
    Ihnen wird immer wieder gesagt: Macht Party, soviel ihr wollt – wir wollen und werden euch retten …

    Schade, dass Griechenland keine Bank ist – dann wäre das „Problem“ längst gelöst.

    Berthold Lindenau

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