Das ging nun wirklich fix. Gestern Abend Wahlsieger, heute schon Ministerpräsident Griechenlands. Alexis Tsipras (40) ist zunächst einmal am Ziel. Seine Hoffnung auf eine rein linke Regierung wurde allerdings um zwei Sitze verfehlt, so dass in Athen nun eine erstaunliche Koalition aus Links- und Rechtspopulisten die Macht übernommen hat. Sichtbare Schnittmengen zwischen den Programmen beider Parteien sind kaum feststellbar. Lediglich die Abneigung gegen fortdauerndes Sparen und die Tilgung eines Schuldenbergs verbindet die ungleichen Partner. Die EU und insbesondere Deutschland sollen sich warm anziehen, ist nun allerorten in Kommentaren zu lesen und bisweilen auch bereits von Politikern der neuen griechischen Regierung zu hören. Alexis Tsirpas wird es schon allen zeigen, so hoffen auch hierzulande Manche, die sich seit Jahren (vergeblich) wünschen, dass endlich mal etwas so richtig den Bach runtergeht. Aber wie soll das gehen? Auch ein junger eloquenter Wahlsieger kann die Gesetze des Marktes nicht aushebeln. Bedient Griechenland seine Kredite nicht mehr, gibt es kein frisches Geld. So einfach ist das. Führt Athen seine Reformen nicht weiter und baut seine Strukturen nicht weiter um – damit zum Beispiel auch schwerreiche Reeder und andere Milliadäre endlich einmal Steuern bezahlen – wird auch in Zukunft und dauerhaft eine Ebbe in der griechischen Staatskasse herrschen, gegen die alles Bisherige eher ein laues Lüftchen gewesen ist. Auch die jüngere Geschichte anderswo hat immer wieder politische Helden ganz nach oben gespült, die allzu ambitionierte Erwartungen ihrer Wählerschaft nicht einmal im Ansatz erfüllen konnten. Denken wir nur an den derzeitigen Mann im Weißen Haus…wie heißt der noch gleich? Auch Alexis Tsirpas kann die Schwerkraft nicht außer Kraft setzen. Sein Drohpotential gegenüber EU und Deutschland ist sehr übersichtlich. Aber natürlich hat auch er als demokratisch gewählter Regierungschef jede Chance verdient, uns allen zu zeigen, was er drauf hat.

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 9 mal kommentiert

  1. Papsttreuer Antworten

    Es gibt noch eine zweite Gemeinsamkeit: den Glauben an mehr Staat statt mehr Eigeninitiative, die auch hierzulande extreme Rechte und Linke eint

  2. Gisbert Britz Antworten

    Griechenland Die Griechen haben gestern versucht, ihre Schulden abzuwählen, der künftige linke Ministerpräsident Alexis Tsipras (abs. Mehrheit knapp verfehlt) setzt auf die Solidarität der anderen Länder (Tagesspiegel)

    Tolle Idee! Die Renten steigen, der Beamtenstaat bleibt, 14. Monatsgehalt, 12-Stundenwoche, Steuerfreiheit für Reiche (Reeder), neue Schulden – bezahlen sollen es Andere (z.B. BRD)

    Für wie blöd halten uns die Griechen?

    Die Griechen können sich nicht selbst ernähren … also Schnauze halten.

  3. Gisbert Britz Antworten

    Natürlich ist die alte griechische Regierung schuld, aber eine große Mitschuld trägt auch die Troika, die diese Entwicklung geduldet und gefördert hat.

    Wenn die Geberländer jetzt einknicken, dann hat das auch Folgen für Spanien, Portugal, Irland, Italien und Frankreich.

    Wenn die griechischen Banken kein Geld rausrücken, warum springen dann deutsche Banken nicht ein. Konkurrenz belebt das Geschäft.

  4. Alexander Droste Antworten

    Ouzo und Bouzuki. Vielleicht noch Raki und Retsina. Das ist fast alles, was die Griechen drauf haben.

    Treudoof haben sie bislang alles mitgemacht, was ihre Regierung verbockt hat. Und wenn irgendwas schief läuft, wird Wehklagen angestimmt, schuld sind vor allem die Andern. Jetzt ist das Kind schon sehr tief drin im Brunnen. Wie wäre es denn mal mit Ärmel hoch und angepackt. Hilfestellung dazu bekommen sie reichlich, nur eben nicht bedingungslos, weil sie sonst einfach weiter machen wie bisher.
    Die Verantwortung für ihr Schicksal tragen die Griechen selber. Und es ist eine Frechheit zu verlangen, dass alle deren Schmu bezahlen sollen.

    Alexis ist der Frechste von allen, aber er wird auf Granit beißen. Nur tun mir die einfachen Leute leid, weil sie ziemlich hilflos sind.

  5. Hans-Jürgen Merten Antworten

    Ich fürchte, es wird laufen wie immer und wie es der designierte griechische Finanzminister ja schon hat verlautbaren lassen:

    “Die Deutschen werden zahlen!”

    Und letztlich haben wir es ja auch nicht anders verdient, angesichts unserer wankelmütigen Regierung.

    Und so wird sie weiter geschrieben – die unendliche Geschichte: Der “Otto Normalgrieche wird weiterhin zusehen müssen, wie der Mittelstand verarmt. Die oberen Zehntausend Griechenlands werden weiterhin Bestechungsgeld statt Steuern bezahlen.

    Ein Ende wird das erst haben, wenn auch der Deutsche Michel erkennt, dass unser System dem Grunde nach genauso aufgebaut ist, wie das griechische. Auch hier kaufen sich die Superreichen von ihren Verpflichtungen, von ihren Verfehlungen frei und sabotieren die Solidargemeinschaft. Nur hier fällt dass nicht auf, weil dem deutschen Schuldenberg eine imense Wirtschaftsleistung gegenüber steht.

    Deutschland funktioniert nur noch ob seiner Wirtschaftskraft. Doch wehe diese lässt nach…

  6. Olli P. Antworten

    Man stelle sich eine solche Regierungskonstellation in Deutschland vor. Da würde gleich das Kriegsrecht von den Allierten verhängt….

  7. Felix Becker Antworten

    Als überzeugter Europäer und deutscher Patriot hoffte ich, dass Europa solidarisch ist. Sich in den EURO zu trixen, dann überaus günstige (solidarische) Kredite (wegen Unfähigkeit oder Unwillen einen funktionierenden Staat aufzubauen) zu erbetteln und dann nicht zurückzahlen zu wollen. ist doch wohl nur schäbig – um es vorsichtig zu formulieren. Allein bestehende Steuergesetze durchzusetzen, würde dem griechischen Staat auskömmliche Einnahmen bescheren.
    Dass nun möglicherweise sogar noch mit einer “Russlandkarte” ein Schuldenerlass erpresst werden könnte, darf Europa sich doch wohl nicht gefallen lassen? Oder wird man wieder watteweich – dann könnte Europa zu einer Art Witzveranstaltung verkommen.

  8. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Bislang hat Griechenland 322 Milliarden Euro Schulden aufgetürmt. Davon verbürgen 65 Milliarden Euro die deutschen Steuerzahler. ( FOCUS 6/2015 )Und dieses Geld ist definitiv verloren.
    Es sei denn, die neue griechische Regierung bringt den Mut und die Kraft auf, auch mal ihre Oligarchen , Reederfamilien und Politikerdynastien anzupacken. Sehr unwahrscheinlich.
    So ist z.B. die griechische Handelsflotte die größte der Welt und setzt 14 Milliarden Euro um. Zahlt aber davon nur 25 Millionen Euro Steuern. Prozentual also nur ein Hauch mehr als Nix.
    Und warum bürgt Griechenland z.B. nicht mit seinen reichen Gasvorkommen bei Kreta für seine Schulden bei der EU und Deutschland ?

    Statt dessen wird wieder ,jetzt 70 Jahre nach Kriegsende, behauptet, Griechenland hätte von Deutschland noch über.100 Milliarden Euro ( sic! )an Reparationszahlungen zu bekommen.( Griech. Zeitung To Vimea ) Vor wenigen Jahren war übrigens noch von “nur” 70 Milliarden die Rede. Mit solchen hanebüchenen Forderungen hetzt man die Völker gegeneinander auf und versucht man natürlich auch künstlich Verhandlungsmasse zu erzeugen.
    Dazu passt auch sehr gut, dass Alexis Tsipras direkt nach seiner Vereidigung Rosen an einem Denkmal für griechische Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer niederlegte. Ein klares Signal, wie ich meine.
    Ich vermute mal, dass Herr Tsipras so weiter macht wie seine Vorgänger : Alle paar Jahre Schuldenschnitt oder Schuldenerlass fordern, ab und zu die bösen Deutschen beschimpfen aber keinerlei ernste Absichten , tatsächlich die aufgelaufenen Schulden zurück zu zahlen.

  9. Gisbert Britz Antworten

    was tun?Griechenland war auch das Thema bei Jauch.

    Die Runde wirkte ausgesprochen chaotisch, ratlos. Auch Jauch und Lucke. Am besten hat mir Katja Kipping gefallen. Jauch musste mehrmals mahnen, dass es nicht um die Vergangenheit ginge, sondern um die Zukunft. Nicht, wer ist schuld, sondern was tun? Alle waren sich einig, dass ein Schuldenschnitt nicht in Frage käme, aber was??? Lucke forderte, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen müsse.

    Aber was ändert das? Dann werden die Schulden in Drachmen umgerechnet, die Zahl wird noch größer.

    Daran, dass Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen kann, glaubt wohl niemand. Der Schuldenschnitt ist unausweichlich. Deshalb bin ich erst mal für eine Streckung. Ob Griechenland sofort oder in 20 Jahren pleite ist, ist auch egal. Pleiterer gibt es nicht. Wenn man Griechenland jetzt die Luft abschnürt, sieht man auch keinen Cent.

    Tsipras ist demokratisch gewählt, gebt ihm doch wenigstens die Chance, Reformen umzusetzen. Lasst ihn 5 Jahre wurschteln, das kostet weitere Milliarden. Gut, aber es bleibt wenigstens die Chance, dass Griechenland sich erholt. Hitler hat auch Deutschland aus der Krise (Weimarer Republik) geführt. Deutschland hat sich auch nach 1945 erholt. Da lag auch alles in Schutt und Asche.

    Die Runde bei Jauch hat deutlich gezeigt, dass es keine Patentrezepte gibt.

    Gebt Tsipras eine Chance.

    Scheiß was auf die Schwarze Null. Es gibt immer die im GG zugelassenen Ausnahmen. In Gorleben bricht ein Vulkan aus, ein III. Weltkrieg beginnt. Der Rosenmontagszug fällt aus. Pediga zieht erst in die Landtage und dann in den Bundestag ein. Der IS erobert Luxemburg. Die Türken in Deutschland gründen eine eigene Partei. Der FC holt Podolski zurück und wird Deutscher Meister. (kann ergänzt werden).

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.