In Hamburg findet derzeit der Kongress Christlicher Führungskräfte statt. 3.000 evangelische und katholische Unternehmer und Manager beschäftigen sich dort mit christlichen und aktuellen gesellschaftlichen Themen. Ich durfte in einem gut besuchten Workshop mit Frauke Petry von der AfD über den Stand der Meinungsfreiheit in Deutschland diskutieren. In manchem waren wir uns einig, in manchem auch nicht – so, wie es bei einer Diskussion ja auch sein soll. Grundsätzlich erkennt Frau Petry durchaus an, dass es hierzulande eine vielfältige und weitgehend freie Medienlandschaft gibt. Aus ihren Erfahrungen im Zusammenhang mit der AfD-Berichterstattung aber auch mit der Art, wie über Pegida berichtet wurde, schließt sie, dass die Meinungsfreiheit allerdings zunehmend bedroht wird. Für mich war die sich im Laufe der Pegida-Berichterstattung zeigende sehr differenzierte Betrachtung bei vielen etablierten Medien dagegen eher ein Hinweis, dass eine neue Nachdenklichkeit in vielen Redaktionen eingesetzt hat, ob man das Ohr wirklich noch am Puls des Volkes hat. Und das stärkt die Meinungsfreiheit. Heute Morgen las ich dann beim Frühstück wieder einen Beitrag des öffentlich-rechtlichen NDR, bei dem ich mir selbst erneut die Sinnfrage gestellt habe, denn es war ein reiner Kampagnenbeitrag, der sich in eine aktuelle Kette widerwärtiger Stimmungsberichte gegen Christen in Deutschland einfügt. Dieses Mal wurde Hamburgs gerade frisch wiedergewählter Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) von den Gralshütern der Political Correctness gegeißelt, weil er es gewagt hat, die Schirmherrschaft für den Kongress zu übernehmen. Begründet wird das mit einigen wenigen Infoständen von Abtreibungsgegnern und Missionswerken, die – böse, böse! – sogar in islamischen Ländern missionieren wollen. Muss man nicht mögen, ist aber erlaubt, glaube ich. Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass in jüngster Zeit verschiedene Medien – vorneweg öffentlich-rechtliche – eine regelrechte Kampagne gegen engagierte Christen betreiben. Ob das zum Auftrag der Grundversorgung gehört, mag ich nicht beurteilen. Immerhin blieb Scholz standhaft. Sein Sprecher teilte mit, der Senat habe geprüft, wer die Organisatoren und die anderen Teilnehmer seien. Es gebe zwar kritische Punkte, aber in der Gesamtheit sei es aus ihrer Sicht in Ordnung, dorthin zu gehen.

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Dieser Artikel wurde 3 mal kommentiert

  1. Friedrich Albrecht Antworten

    Dazu zwei ergänzende Anmerkungen: Im Bayerischen Rundfunk wurde am 19.02.2015 der Kampagnenbeitrag „Apo von christlich-rechts“ gesendet und in der „Rheinischen Post“ von heute steht die Nachricht, daß jemand in das Weihwasserbecken einer katholischen Kirche in Düsseldorf gepinkelt hat, was natürlich auch keinen „Aufstand der Anständigen“ zur Folge hat. Vergleichbares sollte sich mal gegen Juden oder Muslime richten; der berechtigte Aufschrei in den Medien würde uns mehrere Tage lang begleiten.

    • Alexander Droste Antworten

      Christen sind so tolerant (tolerare lat. ertragen, aushalten, erdulden). „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen erbet.“ (Christlicher Wert, 1.Petrus 3:9); „Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißigt euch der Ehrbarkeit gegen jedermann.“ (Römer 12:17); „segnet die, so euch verfluchen und bittet für die, so euch beleidigen.“ (Lukas 6:28)

      Und so steht es in der Schrift, die auch Juden und Moslems heiligen: „… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ (Exodus 21,23-25)
      Da steht: geben für, nicht nehmen für, und zwar demjenigen, dem du geschadet hast. Das ist zur Selbsterziehung gemeint, nicht zur Selbstjustiz.

  2. Felix Becker Antworten

    Auch ich empfinde, dass mit Blick auf Pegida „die deutsche vorherrschende Berichterstattung“ offener geworden ist. Immerhin wagt „man“ neuerdings zu sagen, dass es „Aggression mit Migrationshintergrund“ gibt – siehe Empfehlung von Tragen der jüdische Kopfbedeckung in bestimmten Stadtviertel möglichst anzusehen.
    Glückwunsch an Olav Scholz, dass er die Schirmherrschaft über einen Kongress übernommen hat, bei dem Abtreibungsgegner „sich darstellen“.
    Wenn Olav Scholz sich von „diesem Genderkrampf, diesem Political Correctness Unsinn, diesem Alt 68er Kram“ nicht beirren lässt, wird er mir geradezu sympathisch!

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