Es ist also wieder passiert. Ein offenbar durchgeknallter Ami geht in eine Kirche in Charleston und erschießt neun Menschen. Auch wenn ich die amerikanische Tradition und den Wunsch von Bürgern, sich selbst verteidigen zu können, gut verstehen kann, ist hier eine rote Linie längst überschritten. Präsident Obama fand heute die richtigen Worte, als er seine Trauer öffentlich ausdrückte und sagte: „Diese Art von Gewalt passiert in anderen Ländern nicht. Nicht in dieser Häufigkeit. Ich musste solche Statements viel zu häufig abgeben.“ Offenbar gibt es eben doch einen Zusammenhang zwischen den hundert Millionen Feuerwaffen, die in amerikanischen Privathaushalten zirkulieren, und den immer wieder stattfindenden Amokläufen. National Rifle Association hin oder her, die amerikanischen Medien und die Bevölkerung müssen in dieser Frage umdenken. Tausende ihrer Mitbürger sterben jedes Jahr durch Schussverletzungen. Die Waffengesetze müssen deutlich restriktiver werden, die Kontrollen sowieso. Das wird nicht einfach in einem Land wie den Vereinigten Staaten. Aber es ist alternativlos.

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Dieser Artikel wurde 4 mal kommentiert

  1. Hans-Gerd H. Jauch Antworten

    Anders Breivik hat in Norwegen trotz strenger Waffengesetze 77 Menschen umgebracht. Die sollten sich in den USA erst einmal bemühen, von den mehr als 100.000 im Mutterleib getöteten Kindern pro Monat runterzukommen. Über 1.200.000 bekannt gewordene Abtreibungen im Jahr. Ganze 2.700 Minderjährige sterben demgegenüber in den USA jährlich durch Schusswaffen. 32% davon, nämlich 850, waren Selbstmorde. Die wollen ja wohl nicht mitzählen, da unsere Fortschrittsfreunde doch gerade für das Recht jedes Menschen auf Freitod kämpfen. Da macht Erschießen statt Pillenschlucken keinen wirklichen Unterschied – die brauchen wenigstens keinen Helfer, der sich mitschuldig macht. Das ist der Preis der Freiheit. Wir lassen uns den Autoverkehr in Deutschland jährlich auch 3.368 Tote kosten. Dem Deutschen sein Auto, dem Amerikaner seine Waffen. Das eigentlich Bedenkliche an der Tat in den USA ist der Rassismus.

    http://www.bradycampaign.org/sites/default/files/Children-and-Guns-Report.pdf

  2. Stefan Winckler Antworten

    Klaus, ich gebe Dir vollkommen recht. Bei allem Verständnis für die unterschiedlichen Tradionen der Vereinigten Staaten einerseits und West-/Mitteleuropa andererseits ist es notwendig, dort an einer Eindämmung (ja!) des Waffenbesitzes zu arbeiten, wobei nur über den besten Weg dorthin gestritten werden kann. Nicht jeder, der in den USA eine Waffe besitzt, ist auch seelisch, charakterlich dazu geeignet. Natürlich ist es sehr schwer, dieses große Problem in den Griff zu kriegen.

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